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   Chapter 13 No.13

Robur der Sieger By Jules Verne Characters: 22907

Updated: 2017-11-30 00:04


In dem Onkel Prudent und Phil Evans einen ganzen Ocean durchfahren, ohne die Seekrankheit zu bekommen.

Ja, das Atlantische Meer! Die Befürchtungen der beiden Collegen hatten sich bewahrheitet. Es schien übrigens nicht, als ob Robur hier über dem unendlichen Ocean irgend welche Unruhe empf?nde. Das kümmerte ihn so wenig wie seine Leute, welche an derartigen Fahrten gew?hnt sein mochten. Dieselben waren schon wieder in ihre Wohnung zurückgekehrt. Kein Alpdrücken sollte ihren Schlummer st?ren.

Wohin steuerte nun der ?Albatros"? Sollte er wirklich noch mehr als eine Reise um die Erde ausführen? Auf jeden Fall mu?te diese Fahrt doch irgendwo ein Ende nehmen. Da? Robur sein ganzes Leben in den Lüften, an Bord des Aeronefs zubringen sollte, ohne jemals zur Erde hinunter zu gehen, war doch nicht wohl annehmbar, denn wie h?tte er seine Vorr?the an Munition und Lebensmitteln erneuern sollen, ohne das für die Functionirung der Maschine nothwendige Material zu erw?hnen? Unbedingt mu?te er also einen Zufluchtsort, eine Art Nothhafen haben, und wahrscheinlich auf einen unbekannten und schwer erreichbaren Punkt der Erde, wo der ?Albatros" sich mit allen Bedürfnissen frisch versehen konnte. Mit den Bewohnern der Erde mochte er jeden Verkehr abgebrochen haben, mit der Erde als solcher aber gewi? nicht.

Doch wenn das der Fall war, wo lag dieser Punkt? Wie mochte der Ingenieur dazu gelangt sein, ihn zu erw?hlen? Erwartete ihn eine kleine Colonie etwa als ihren Herrn? Konnte er von da neue Mannschaften erhalten? Und zun?chst, wie war er überhaupt dazu gekommen, seine, aus den verschiedensten L?ndern stammenden Leute an sein Schicksal zu binden? Ueber welche Mittel verfügte er ferner, um einen so kostspieligen Apparat erbauen zu k?nnen, dessen ganze Construction so geheim gehalten worden war? Seine Unterhaltung freilich schien nicht besonders viel zu beanspruchen. An Bord führte man fast ein gemeinsames Leben, wie in einer Familie oder wie glückliche Leute, die kein Geheimni? vor einander haben. Doch, wer war eigentlich jener Robur? Woher kam er? Welcher Art war seine Vergangenheit? Das waren ebenso viele unl?sbare R?thsel, und der, auf den sie Bezug hatten, würde gewi? der Letzte sein, eine Erkl?rung darüber abzugeben.

Es ist gewi? nicht zu verwundern, wenn diese Situation voller unenthüllbarer Probleme die beiden Collegen mehr und mehr erregte. Sich so in's Unbekannte hinaus entführt und den endlichen Ausgang eines solchen Abenteuers nicht im geringsten vorauszusehen, selbst daran zu zweifeln, da? dasselbe überhaupt jemals ein Ende nehme, zum ewigen Umherfliegen verurtheilt zu sein - mu?te das den Vorsitzenden und den Schriftführer des Weldon-Instituts nicht auf's Aeu?erste treiben?

Inzwischen schwebte der ?Albatros" am Abend des elften Juli über den Atlantischen Ocean hin. Als am n?chsten Morgen die Sonne aufging, erhob sie sich über die kreisf?rmige Linie, in der Himmel und Wasser zusammen zu treffen scheinen. Trotz des weit ausgedehnten Gesichtsfeldes war doch nirgends ein Land in Sicht und Afrika schon vollst?ndig hinter dem n?rdlichen Horizont verschwunden.

Als Frycollin sich einmal aus seiner Cabine wagte und das weite Meer unter sich sah, wurde er sofort von der grimmigsten Angst gepackt. Unter sich ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, es w?re besser zu sagen, ?um sich", denn für einen auf sehr hohem Punkte befindlichen Beobachter erscheint es, als ob der Abgrund ihn von allen Seiten umg?be, und der Horizont weicht dabei gleichsam zurück, ohne da? man je seine Grenzen erreichen k?nnte.

Physikalisch erkl?rte sich Frycollin diese Erscheinung sicherlich nicht, aber er fühlte sie moralisch. Das genügte aber schon, um in ihm die ?Angst vor der Leere" zu erzeugen, deren sich manche, sonst ganz muthige Naturen nicht entziehen k?nnen.

Jedenfalls erging sich der Neger aus Klugheit nicht in den gewohnten Klagen. Mit geschlossenen Augen tastete er sich nach seiner Cabine zurück, entschlossen, diese auf lange Zeit nicht wieder zu verlassen.

Von den 373,895.343 Quadratkilometern5, welche die Oberfl?che der Meere einnehmen, f?llt über ein Viertel auf den Atlantischen Ocean. Es schien aber gar nicht, als ob der Ingenieur jetzt besondere Eile habe, wenigstens hatte er nicht Befehl gegeben, den Aeronef mit voller Geschwindigkeit arbeiten zu lassen. Uebrigens h?tte dieser auch die Fahrtschnelligkeit wie über Europa hin nicht erreichen k?nnen. In den Gegenden, in denen der Südwestwind vorherrscht, lief er diesem fast entgegen, und obwohl derselbe nur schwach zu nennen war, so bot der Apparat ihm doch eine gro?e Angriffsfl?che.

Die neuesten und auf eine gro?e Anzahl von Beobachtungen gestützten meteorologischen Arbeiten haben eine gewisse Convergenz der Passate, entweder nach der Sahara oder nach dem Golf von Mexiko, erkennen lassen. Au?erhalb der Region der Calmen kommen sie entweder von Westen und str?men nach Afrika zu, oder sie kommen von Osten her und ziehen nach der Neuen Welt zu - wenigstens w?hrend der w?rmeren Jahreszeit.

Der ?Albatros" versuchte also gar nicht, gegen den ihm widrigen Wind mit der ganzen Kraft seiner Treibschrauben anzuk?mpfen. Er begnügte sich mit einer gem??igten Gangart, welche übrigens die der transatlantischen Dampfer immer noch überholte.

Am 13. Juli überschritt der Aeronef den Aequator, was der ganzen Mannschaft besonders angemeldet wurde.

Onkel Prudent und Phil Evans erfuhren also dabei auch, da? sie nun die n?rdliche Halbkugel verlassen hatten und nach der südlichen gekommen waren. Diese Passirung der Linie wurde jedoch nicht durch die tollen Ceremonien gefeiert, welche auf vielen Kriegs- und Handelsschiffen gebr?uchlich sind.

Nur Fran?ois Tapage lie? es sich nicht nehmen, Frycollin eine gro?e Pinte Wasser über den Kopf zu gie?en, da dieser Taufe aber einige Gl?ser Gin nachfolgten, erkl?rte der Neger sich bereit, die Linie so oft passiren zu wollen, wie man wünschte, vorausgesetzt, da? das nicht auf dem Rücken eines mechanischen Vogels zu geschehen brauche, der ihm nun einmal kein Vertrauen einfl??te.

Am Morgen des 15. schwebte der ?Albatros" über den Inseln Ascension und St. Helena, aber n?her der letzteren hin, deren h?here Theile sich einige Stunden lang am Horizonte zeigten.

H?tte zur Zeit, als Napoleon sich in der Gewalt der Engl?nder befand, ein Apparat, ?hnlich dem des Ingenieurs Robur, existirt, gewi? würde Hudson Lowe trotz seiner oft geradezu beleidigenden Vorsichtsma?regeln seinen berühmten Gefangenen auf dem Wege durch die Lüfte haben entweichen sehen.

W?hrend der beiden Abende des 16. und 17. Juli zeigten sich mit Abnahme des Tageslichtes h?chst eigenthümliche D?mmerungserscheinungen. Unter h?herer Breite h?tte man bei ihrem Anblick an ein Nordlicht denken k?nnen. Die Sonne warf n?mlich bei ihrem Niedergang über den Himmel vielfarbige Strahlen, von denen einige in leuchtendem Grün erschienen.

War das eine Wolke kosmischen Staubes, welche an der Erde vorüber zog und jetzt den letzten Schimmer des Tages wiederstrahlte? Einige Beobachter haben solche D?mmerungserscheinungen in dieser Weise allerdings erkl?rt; sie w?ren aber gewi? zu anderer Anschauung gekommen, wenn sie sich an Bord des Aeronefs befunden h?tten.

Eine aufmerksame Prüfung ergab n?mlich, da? in der Luft feine Pyroxen-Krystalle schwebten, glasartige Kügelchen, n?mlich zarte Theilchen magnetischen Eisens, ganz entsprechend den Stoffen, welche feuerspeiende Berge auswerfen. Es schwand damit also jeder Zweifel, da? diese Wolke von einer vulcanischen Eruption herrührte, deren krystallinische Auswurfsstoffe die beobachtete Erscheinung erzeugten - eine Wolke, welche die Luftstr?mungen auch noch über dem Atlantischen Ocean schwebend erhielten.

W?hrend dieses Theiles der Reise wurden übrigens auch noch andere Erscheinungen wahrgenommen. Wiederholt verliehen gewisse Wolken dem Himmel eine wei?graue F?rbung von eigenthümlichem Aussehen; gelangte man dann durch einen solchen Dunstvorhang, so erschien dessen Oberfl?che ganz übers?et von gl?nzend wei?en K?rperchen, zwischen denen einzelne gr??ere besonders hervorleuchteten, was sich unter dieser Breite durch nichts Anderes, als durch eine Hagelbildung erkl?ren lie?.

In der Nacht vom 17. zum 18. bildete sich ein grünlichgelber Mondregenbogen infolge der Stellung des Aeronefs zwischen dem Vollmonde und einem Netz von fernem Regen, der schon in Dunst überging, ehe er das Meer erreichte. Vielleicht lie? sich aus diesen verschiedenen Erscheinungen schon auf einen bevorstehenden Witterungsumschlag schlie?en. Jedenfalls hatte der Wind, der seit der Abfahrt von der afrikanischen Küste stets aus Südwesten wehte, sich in der N?he des Aequators ganz gelegt. Hier in der Tropenzone herrschte dazu eine fast unertr?gliche Hitze. Robur suchte daher Kühlung in h?heren Luftschichten, und doch mu?te man sich auch noch hier vor den directen Sonnenstrahlen schützen, welche Niemand h?tte aushalten k?nnen.

Dieser Wechsel in den Luftstr?mungen lie? schon ahnen, da? jenseits des Aequatorialgebiets auch andere klimatische Verh?ltnisse herrschen würden; es darf hierbei auch nicht vergessen werden, da? der Monat Juli der südlichen Halbkugel der Januar der n?rdlichen ist, also dem tiefsten Winter entspricht. Wenn der ?Albatros" noch weiter nach Süden vordrang, mu?te er die Folgen davon bald spüren.

Das Meer aber ?empfand das", wie die Seeleute sagen. Am 18. Juli zeigte sich jenseits des Wendekreises des Steinbocks ein anderes Ph?nomen, welches gewi? jeden Schiffer erschreckt h?tte.

Mit einer auf mindestens sechzig Meilen in der Stunde zu sch?tzenden Geschwindigkeit zog über das Meer weg eine merkwürdige Reihe von leuchtenden Wellen, die einander in der Entfernung von etwa achtzig Fu? folgten und lang schimmernde Streifen zurücklie?en. Mit einbrechender Nacht strahlte der Widerschein davon sogar bis zum ?Albatros" hinauf, so da? dieser jetzt wirklich h?tte für einen glühenden kleinen Himmelsk?rper angesehen werden k?nnen. Noch nie war es Robur vorgekommen, über ein Meer in Flammen hinwegzusteuern - über Flammen ohne Hitze, denen zu entfliehen er nicht n?thig hatte.

Die Elektricit?t mu?te offenbar die Ursache dieser Erscheinung sein, denn etwa einer Fischlaichbank oder einem von jenen kleinen Gesch?pfen gebildeten Zuge, welche zuweilen die Fl?che des Meeres bedecken, konnte man dieselbe nicht zuschreiben.

Das lie? vermuthen, da? die elektrische Spannung der Luft jetzt eine sehr hohe sein müsse.

Am folgenden Tage, am 19. Juli w?re ein Schiff auf diesem Meere wohl dem Untergang geweiht gewesen. Der ?Albatros" dagegen spielte mit Wind und Wellen, wie der gewaltige Vogel, dessen Namen er trug. Wenn es ihm nicht beliebte, wie ein Sturmvogel über der Meeresfl?che hinzugleiten, so konnte er wie der Adler in h?heren Schichten Ruhe und Sonnenschein aufsuchen.

Man hatte jetzt den 47. Grad südlicher Breite überschritten. Der Tag dauerte nur noch sieben bis acht Stunden, und er mu?te mit der Ann?herung an die antarktischen Gegenden noch immer kürzer werden.

Gegen ein Uhr Nachmittags hatte sich der ?Albatros", um eine günstige Luftstr?mung aufzufinden, sehr tief gesenkt. Er schwebte h?chstens noch hundert Fu? über der Oberfl?che des Meeres.

Das Wetter war still. An einzelnen Stellen des Himmels zogen dicke, dunkle Wolken mit ausgezackten R?ndern auf, welche oben eine genau horizontale Linie bildeten. Aus diesen Wolken quollen langgezogene Protuberanzen hervor, deren End

e das Wasser anzuziehen schien, das darunter in Form eines flüssigen Strau?es aufbrodelte.

Pl?tzlich stieg das Wasser in Form einer ungeheuren Sanduhr hoch empor.

In einem Augenblick wurde der ?Albatros" in den Wirbel einer riesigen Trombe hineingezogen, der bald zwanzig andere von Tintenschw?rze das Geleite gaben. Zum Glück vollzog sich die Drehung dieser Trombe entgegen der der Auftriebsschrauben, sonst h?tten diese ihre Wirkung ganz eingebü?t und der Aeronef w?re in's Meer gefallen; jetzt wurde er nur mit erschreckender Schnelligkeit um sich selbst gedreht.

Immerhin war die Gefahr gro? und schien unm?glich abwendbar, da der Aeronef sich nicht aus der Trombe los machen konnte, deren Anziehung ihn trotz der Treibschrauben zurückhielt. Durch die Centrifugalkraft wurde die Mannschaft nach beiden Enden des Verdecks geschleudert, und mu?te sich hier an den Schraubenmasten anhalten, um nicht über Bord zu fallen.

?Ruhig Blut!" rief Robur.

Und das brauchten sie wirklich, und Geduld obendrein.

Onkel Prudent und Phil Evans, die aus ihrer Cabine heraustraten, wurden nach dem Hintertheil getrieben und hatten die gr??te Mühe, sich noch fest zu klammern.

Und w?hrend sich der ?Albatros" in dieser Weise um sich selbst drehte, folgte er auch der Lagever?nderung der Tromben, die mit einer Schnelligkeit, auf welche die Schrauben desselben h?tten eifersüchtig werden k?nnen, sich weiterhin wanden. Sobald er der einen entgangen, wurde er von einer anderen gepackt und war stets in Gefahr, in Stücke zerrissen zu werden.

?Einen Kanonenschu?!" rief der Ingenieur.

Der Obersteuermann Tom Turner verstand v?llig diesen an ihn gerichteten Befehl; er lehnte eben an dem kleinen Bordgeschütz mittschiffs, wo die Centrifugalkraft minder wirksam war. Schneller, als wir es beschreiben k?nnen, hatte er die Schwanzschraube des Rohrs ge?ffnet und führte in diese eine scharfe Patrone ein, von denen ein kleiner Vorrath in einem an der Lafette befestigten Kasten vorhanden war. Der Schu? krachte und sofort sanken einige Tromben zusammen.

Die Lufterschütterung hatte hingereicht, das Meteor zu zerrei?en und die ungeheure Dunstmasse l?ste sich in einen Sturzregen auf, der den Himmel mit dicken Wasserstreifen überzog, die Meer und Himmel verbanden.

Endlich befreit, beeilte sich der ?Albatros", um einige hundert Meter aufzusteigen.

?Nichts zerbrochen an Bord?" fragte der Ingenieur.

- Nein, antwortete Tom Turner; aber das war denn doch ein etwas gar zu tolles Kreiseln, das wir uns nicht zum zweiten Male wünschen m?chten."

In der That, in der Zeit von zehn Minuten war der ?Albatros" in gr??ter Gefahr gewesen, und ohne seine solide Bauart dürfte er dem Wirbeln der Tromben schwerlich widerstanden haben.

Wie lang wurden die Stunden bei dieser Fahrt über den Ocean, wenn nichts die Eint?nigkeit derselben unterbrach. Die Tage nahmen immer mehr ab und die K?lte wurde allm?hlich fühlbar. Onkel Prudent und Phil Evans sahen Robur nur wenig. In seine Cabine eingeschlossen, besch?ftigte er sich damit, den Curs zu bestimmen, auf seinen Karten die zurückgelegten Strecken einzutragen und sich, wenn es irgend anging, Gewi?heit zu verschaffen, wo sie sich eben befanden, ferner die Barometer, Thermometer und Chronometer zu beobachten und endlich alle Zwischenf?lle der Reise in das Schiffsbuch einzutragen.

Sorgsam verhüllt, bemühten sich die beiden Collegen unabl?ssig, im Süden Land zu entdecken.

Frycollin seinerseits versuchte, gem?? einem besonderen Auftrage des Onkel Prudent, den Koch bezüglich des Ingenieurs auszuforschen. Wie h?tte aber Jemand aus dem, was der Gascogner Fran?ois Tapage zur Antwort gab, klug werden k?nnen? Nach ihm war Robur bald ein ehemaliger Minister der Republik Argentina, ein Chef der Admiralit?t, ein abgetretener Pr?sident der Vereinigten Staaten, ein auf Wartegeld gesetzter spanischer General, oder auch ein Vicek?nig von Indien, der in den Lüften eine noch h?here Stellung gesucht hatte. Bald besa? er, Dank der mit Hilfe seiner Maschine ausgeführten Razzias, Millionen und war er allgemein in die Acht erkl?rt; bald hatte er sich wieder durch die Herstellung dieses Apparats ruinirt und gezwungen gesehen, ?ffentlich aufzusteigen, um sein Geld wieder zu gewinnen. Auf die Frage nach einem Ruheplatz desselben war keine Auskunft zu erhalten, au?er der, da? er nach dem Mond zu gehen beabsichtige, um dort zu bleiben, wenn er eine ihm passende Oertlichkeit antr?fe.

?He, Fry ... mein Kamerad! ... Nicht wahr, es würde Dir Vergnügen machen, zu sehen, wie es da oben zugeht?

- Ich gehe nicht mit! Ich weigere mich! ... erwiderte der Schwachkopf, der alle diese Faseleien für Ernst nahm.

- Und weshalb, Fry, weshalb? Wir verheiraten Dich dort mit einer hübschen, jungen Mondbewohnerin ... Du wirst da der Stammvater der Neger!"

Als Frycollin das, was er geh?rt, seinem Herrn hinterbrachte, erkannte dieser wohl, da? über Robur keine Auskunft zu erlangen sei. Er dachte also nur noch daran, sich zu r?chen.

?Phil, begann er eines Tages zu seinem Collegen, es liegt nun auf der Hand, da? eine Flucht für uns unm?glich ist.

- Unm?glich, Onkel Prudent!

- Zugegeben, ein Mann ist aber stets sein eigener Herr, und wenn es sein mu?, indem er sein Leben opfert ...

- Wenn ein solches Opfer nothwendig ist, dann wird es so schnell als m?glich gebracht! antwortete Phil Evans, dessen sonst so kühles Temperament nun doch die Grenze des Ertr?glichen erreicht hatte. Ja, es ist Zeit, ein Ende zu machen! ... Wohin geht der ?Albatros"? ... Jetzt fliegt er schr?g über den Atlantischen Ocean, und wenn er diese Richtung beibeh?lt, mu? er nach den Küsten von Patagonien, dann nach denen des Feuerlandes kommen ... Aber nachher? ... Wird er auch noch über den Stillen Ocean hinausschweben? Oder steuert er dann nach dem Südpolarlande? ... Diesem Robur ist Alles zuzutrauen! ... Dann w?ren wir verloren! ... Wir befinden uns also in der Zwangslage berechtigter Nothwehr, und wenn wir einmal zu Grunde gehen müssen ...

- So geschehe es nicht, fiel Onkel Prudent ein, ohne da? wir uns ger?cht, ohne da? wir diesen Apparat mit Allen, die er tr?gt, zerst?rt haben!"

Bis zu solchen Anschauungen hatte der ohnm?chtige Zorn, die in ihnen aufgeh?ufte Wuth die beiden Collegen schon gebracht! Ja, weil es nicht anders ging, wollten sie sich opfern, um den Erfinder sammt seinem Geheimni? zu vernichten. Nur wenige Monate h?tte dann dieser wunderbare Aeronef erlebt, dessen unbestreitbare Ueberlegenheit bezüglich der Fortbewegung durch die Luft sie anzuerkennen sich gezwungen sahen.

Diese Vorstellung hatte in ihren K?pfen so fest Wurzel geschlagen, da? sie an gar nichts Anderes mehr dachten. Doch wie sollten sie zu Werke gehen? O, sie wollten sich nur einer der an Bord vorhandenen Explosionsmaschinen bem?chtigen, um damit den ganzen Apparat in tausend Stücke zu zersprengen; freilich mu?ten sie dazu erst Gelegenheit finden, in die Munitionskammer einzudringen.

Glücklicher Weise ahnte Frycollin nichts von ihren Absichten. Bei dem Gedanken, da? der ?Albatros" in die Luft gesprengt werden sollte, würde er sich nicht entbl?det haben, seinen eigenen Herrn zu verrathen.

Am 23. Juli war es, wo in Südwesten wieder Land sichtbar wurde, und zwar nahe dem Cap der Jungfrauen am Eingange der Magellan-Stra?e. Jenseits des 54. Breitengrades w?hrte die Nacht in dieser Jahreszeit fast neunzehn Stunden und die Mitteltemperatur der Luft blieb fortw?hrend unter 0 Grad zurück.

Statt jetzt noch weiter nach Süden vorzudringen, folgte der ?Albatros" zun?chst den Windungen jener Meerenge, als ob er dem Stillen Ocean zutriebe. Nachdem er über die Bai von Lomas hinweggekommen, den Gregory-Berg im Norden und die Brecknocks-Berge im Westen hinter sich gelassen, kam er in Sicht von Punta Arena, einem kleinen chilenischen D?rfchen, gerade als daselbst das volle Kirchengel?ute erklang, und einige Stunden sp?ter in die N?he der alten Niederlassung im sogenannten Hungerhafen.

Wenn die Patagonier, deren Feuer man da und dort aufleuchten sah, wirklich eine das mittlere Menschenma? übertreffende K?rpergr??e haben, so konnten doch die Passagiere des Aeronefs darüber nicht urtheilen, da sie ihnen, von dieser H?he gesehen, als Zwerge erschienen.

Doch welch' Schauspiel bot sich hier w?hrend der kurzen Stunden des südlichen Tages! Steile, zerklüftete Berge, mit ewigem Schnee bedeckte Spitzen, deren Seiten mit dichten W?ldern bedeckt waren; Binnenseen, Buchten zwischen den Vorgebirgen und Inseln dieses Archipels; daneben Clarence-, Dawson- und Desolationsland, Can?le und Furthen, unz?hlige Caps und Halbinseln - all' dieses undurchdringliche Gewirr, und jetzt durch das Eis zu einer festen Masse verschmolzen, vom Cap Forward, am Ende des amerikanischen Festlandes, bis zum Cap Horn am letzten Ausl?ufer der Neuen Welt!

Nachdem er jedoch den Hungerhafen erreicht, nahm der ?Albatros" wieder eine v?llig südliche Richtung an. Zwischen dem Tarnberge der Halbinsel Brunswick und dem Grawes-Berge hindurchsteuernd, wandte er sich in gerader Linie nach dem Sarmiento-Berge, einem gewaltigen, dick übereisten Spitzberge, welcher die Meerenge der Magellan-Stra?e in einer H?he von zweitausend Metern beherrscht.

Hier zeigte sich den Blicken der Reisenden das Land der Pescher?s oder Fuegier, jener Ureinwohner, welche noch im Feuerland siedeln.

Wie herrlich und fruchtbar h?tten sich diese Gebiete - vorzüglich deren mittlerer Theil - im Sommer gezeigt, wo die Tage fünfzehn bis sechzehn Stunden lang dauern! Ueberall bieten sie n?mlich Th?ler und Weidepl?tze, welche Abertausende von Thieren ern?hren k?nnten, nebst jungfr?ulichen W?ldern mit riesenhaften B?umen, mit Weiden, Buchen, Eschen, Cypressen und blühenden Farrenkr?utern; dann wieder Ebenen, welche gro?e Heerden von Guanaquen, Vigogneschafen und Strau?en bewohnen. Als der ?Albatros" seine elektrischen Lichter erglühen lie?, flatterten auch Papageientaucher, Enten und G?nse - hundertmal mehr, als Fran?ois Tapage's Speisekammer fassen konnte, an Bord.

Der Koch, welcher dieses Federwild so vortrefflich zuzurichten verstand, da? es seinen thranigen Geschmack ganz verlor, erhielt dadurch pl?tzlich weit mehr Arbeit, als gew?hnlich; mehr Arbeit machte das aber auch Frycollin, der es nicht abschlagen konnte, von diesem interessanten Geflügel ein Dutzend nach dem anderen wenigstens zu rupfen.

Am n?mlichen Tage zeigte sich, als die Sonne eben versinken wollte, auch noch ein ziemlich gro?er, von pr?chtigen Waldungen eingerahmter See. Jetzt lagerte über dem See eine feste Eisdecke und einige Eingeborene glitten auf ihren langen Schneeschuhen pfeilschnell über dessen Oberfl?che hin.

Beim Erblicken der Flugmaschine entflohen diese Fuegier n?mlich nach allen Seiten, und wenn sie nicht fliehen konnten, so versteckten sie sich doch und gruben sich wie Thiere in die Erde ein.

Der ?Albatros" steuerte noch immer nach Süden über dem Beagle-Canal hinaus und weiter fort, als die Insel Navarin, deren griechischer Name unter den gew?hnlichen Bezeichnungen dieser entlegenen Landstrecken etwas auff?llig erscheint, weiter, als die Insel Wollaston, die sich schon in den Wogen des Stillen Oceans badet. Endlich, nachdem er von Dahomeys Küste aus über siebentausendfünfhundert Kilometer zurückgelegt, schwebte er über die letzten Inseln des Magellan-Archipels hinweg und endlich ganz im Süden über das schreckliche Cap Horn, an das eine unaufh?rliche wilde Brandung donnert.

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