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   Chapter 5 No.5

Robur der Sieger By Jules Verne Characters: 18925

Updated: 2017-11-30 00:04


In dem die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen dem Vorsitzenden und dem Schriftführer des Weldon-Instituts beschlossen wird.

Eine Binde über den Augen zu tragen, einen Knebel im Munde, einen Strick um die Handgelenke und einen solchen um die Kn?chel zu haben, d. h. also jeder M?glichkeit zu sehen, zu sprechen und sich zu bewegen, beraubt zu sein, das war für den Onkel Prudent keine Lage, in der er sich h?tte wohl fühlen k?nnen, und ebenso wenig für Phil Evans und den Diener Frycollin. Obendrein nicht einmal zu wissen, wer die Urheber dieser Entführung waren, nicht zu wissen, wo man sich befand und welches Loos man zu erwarten habe - das mu?te gewi? auch das allergeduldigste Lamm in Wuth bringen, und bekanntlich geh?rten die Mitglieder des Weldon-Instituts, was ihre Geduld betraf, nicht im geringsten zur Familie der L?mmer. Berücksichtigt man die natürliche Heftigkeit seines Charakters, so kann man sich leicht vorstellen, in welcher Gemüthsverfassung Onkel Prudent sich jetzt befinden mochte.

Jedenfalls mu?ten Phil Evans und er langsam einsehen, da? es für sie Schwierigkeiten haben werde, am n?chsten Abend ihre Pl?tze im Bureau des Clubs einzunehmen.

Frycollin war es mit den verbundenen Augen und dem geschlossenen Munde überhaupt unm?glich, irgend etwas zu denken; er war schon mehr todt, als lebendig.

W?hrend einer Stunde trat in der Lage der Gefangenen keine Aenderung ein. Kein Mensch lie? sich erblicken, sie zu besuchen oder ihnen wenigstens die Freiheit der Bewegung und der Sprache wieder zu geben, nach der sie doch so sehr verlangten. Jetzt sahen sie sich auf erstickte Seufzer, auf ein dumpfes, ?Ach!" angewiesen, das sich kaum durch ihre Knebel pre?te, und beschr?nkt auf schwache Bewegungen, wie sie etwa ein seinem natürlichen Element entrissener absterbender Karpfen ausführt, und man begreift leicht, welchen stummen Zorn, welch' verhaltene oder vielmehr eingeschnürte Wuth das in ihnen erzeugen mu?te. Nach wiederholten vergeblichen Befreiungsversuchen verhielten sie sich eine Zeit lang ganz still. Da ihnen der Gesichtssinn augenblicklich abging, bemühten sie sich, vielleicht durch den Geh?rsinn einige Aufkl?rung über diesen beunruhigenden Zustand der Dinge zu erlangen. Vergeblich aber strengten sie sich an, ein anderes Ger?usch zu h?ren, als das ununterbrochene und unerkl?rliche ?frrr", das hier den ganzen Umkreis zu beherrschen schien.

Inzwischen gelang es Phil Evans, der hier mit mehr Ruhe aus Werk ging, den Strick locker zu machen, der um seine Handgelenke lag. Dann l?ste sich allm?hlig der fesselnde Knoten, er schmiegte die Finger dicht aneinander, und endlich erlangten seine H?nde wieder die gewohnte Bewegungsfreiheit.

Durch kr?ftiges Reiben stellte er den in ihnen halb unterbrochenen Blutumlauf wieder her, und in der n?chsten Minute schon hatte Phil Evans die Binde abgerissen, die ihm die Augen bedeckte, den Knebel aus seinem Munde gel?st und alle Stücke mit der feinen Klinge seines ?Bowie-Messers" zerschnitten. Ein Amerikaner, der nicht stets sein Bowie-Messer in der Tasche h?tte, w?re eben kein Amerikaner mehr.

Wenn Phil Evans aber hieraus die M?glichkeit, sich zu bewegen und zu sprechen, wieder erlangte, so war das doch eben Alles. Seine Augen fanden keine Gelegenheit zu nützlicher Th?tigkeit - wenigstens jetzt nicht, denn in der Zelle, die sie einschlo?, herrschte vollst?ndige Finsterni?. Ein ganz schwacher Lichtschein drang nur durch eine Art Schie?scharte herein, die in sechs bis sieben Fu? H?he in der Wand angebracht war.

Es versteht sich von selbst, da? Phil Evans keinen Augenblick z?gerte, auch seinen Rivalen zu befreien. Einige Züge mit dem Bowie-Messer genügten zur Durchschneidung der Stricke, welche dessen Fü?e und H?nde fesselten. In heller Wuth ri? sich Onkel Prudent, als er sich kaum auf den Fü?en aufrichten konnte, die Binde herunter und den Knebel heraus und stammelte mit erstickter Stimme:

?Ich danke Ihnen!

- Nein! ... Hier ist nichts zu danken, antwortete der Andere.

- Phil Evans?

- Onkel Prudent?

- Hier giebt es keinen Vorsitzenden und keinen Schriftführer des Weldon-Instituts, ich denke, auch keine Gegner mehr.

- Sie haben Recht, best?tigte Phil Evans. Hier sind wir nur zwei M?nner, die sich zu r?chen haben an einem Dritten, dessen Gewaltstreich die strengste Wiedervergeltung herausfordert.

- Und dieser Dritte ...

- Ist jener Robur! ...

- Ja, jener Robur!"

Hier fand sich also einmal ein Punkt, bezüglich dessen die beiden Ex-Concurrenten v?llig übereinstimmten, ein Streit über diesen Gegenstand schien demnach ganz ausgeschlossen.

?Und Ihr Diener? bemerkte da Phil Evans mit einem Fingerzeig auf Frycollin, der wie ein Seehund schnaufte, wir müssen auch ihn befreien.

- Noch nicht, erwiderte Onkel Prudent, er würde uns mit seinen Klageliedern den Kopf warm machen, und wir haben jetzt Anderes zu thun, als auf sein Jammern zu achten.

- Und was denn, Onkel Prudent?

- Uns zu retten, wenn es m?glich ist.

- Und selbst wenn es unm?glich ist!"

Ein Zweifel daran, da? diese Entführung jenem Fremdling, dem Robur, zuzuschreiben sei, konnte dem Pr?sidenten und seinem Collegen gar nicht in den Sinn kommen. In der That h?tten ja einfache, ehrsame R?uber sie unzweifelhaft ihrer Uhren, Edelsteine, Brieftaschen und Portemonnaies entledigt und sie dann mit einem Schnitt durch den Hals in den Schuylkill-Strom geworfen, statt sie einschlie?en in ... Ja, in was? - Das war eine ernste Frage, welche die schleunigste L?sung verdiente, ehe sie mit einiger Aussicht auf Erfolg an irgend welche Vorbereitungen zu ihrer Flucht denken konnten.

?Phil Evans, nahm Onkel Prudent wieder das Wort, wir h?tten wahrlich besser daran gethan, wenn wir beim Weggehen aus der Sitzung, statt Liebenswürdigkeiten, auf welche wir hier nicht zurückkommen wollen, auszutauschen, lieber etwas weniger zerstreut gewesen w?ren. Verlie?en wir die Stra?en von Philadelphia nicht, so w?re das Alles nicht geschehen. Offenbar hatte jener Robur schon eine Ahnung davon, was sein Auftreten im Club bewirken würde, er muthma?te die Wuthausbrüche, welche seine Herausforderungen entfesseln mu?ten, und hatte vor der Thüre sicherlich einige seiner Banditen, ihm im schlimmsten Falle beizuspringen. Als wir dann die Walnut-Stra?e verlie?en, spürten uns seine Schergen auf, folgten unseren Spuren und als sie sahen, da? wir uns unkluger Weise in die Alleen des Fairmont-Parkes verirrten, da hatten sie ja leichtes Spiel.

- Einverstanden, antwortete Phil Evans. Ja, wir haben sehr Unrecht gethan, nicht unmittelbar unsere Wohnungen aufzusuchen.

- Man hat immer Unrecht, nicht Recht zu haben," versetzte Onkel Prudent.

Da ert?nte ein langgezogener Seufzer aus dem finsteren Winkel der Zelle.

?Was war das? fragte Phil Evans.

- O nichts ... Frycollin tr?umt nur."

Und Onkel Prudent fuhr ungest?rt fort:

?Zwischen dem Zeitpunkte, wo wir wenige Schritte vom Anfang der Lichtung ergriffen wurden, und dem, wo man uns in diesen Winkel warf, sind kaum zwei Minuten verflossen. Es liegt also auf der Hand, da? jene Leute uns nicht über den Fairmont-Park hinaus verschleppt haben.

- Denn wenn das geschehen w?re, h?tten wir doch von der Fortschaffung etwas verspüren müssen.

- Einverstanden, erkl?rte Onkel Prudent. Es unterliegt also keinem Zweifel, da? wir in einer Abtheilung irgend eines Wagens eingesperrt sind, vielleicht in einem jener langen Prairie-Reisewagen oder in dem Gef?hrte von Seilt?nzern.

- Ohne Zweifel. Bef?nden wir uns auf einem auf dem Schuylkill-Strom vert?uten Schiffe, so mü?te sich das durch ein leichtes Schwanken von Bord zu Bord, veranla?t durch die Str?mung, zu erkennen geben.

- Einverstanden, stets, stets, wiederholte Onkel Prudent, und ich meine, es ist, wo wir uns noch in der Parklichtung befinden, jetzt oder nie der geeignete Moment zur Flucht, um sp?ter jenen Robur wieder aufzuspüren ...

- Und ihn diesen Angriff auf die Freiheit zweier Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika theuer bezahlen zu lassen!

- Theuer ... sehr theuer!

- Doch, wer ist dieser Mann? ... Woher kommt er? ... Ist es ein Engl?nder, ein Deutscher, ein Franzose ...

- Jedenfalls ein elender Wicht, das genügt, antwortete Onkel Prudent. Und nun an's Werk!"

Mit ausgestreckten H?nden und gespreizten Fingern tasteten Beide an der Wand des kleinen Raumes umher, um einen Ri? oder eine Spalte zu entdecken. Vergeblich. Es fand sich hier ebenso wenig davon, wie an der Thür. Diese erwies sich fast hermetisch geschlossen, und es w?re unm?glich gewesen, das Schlo? derselben zu sprengen. Man mu?te also ein Loch herzustellen suchen, um durch dasselbe zu entkommen. Dabei trat nun die Frage hervor, ob die Bowie-Messer die Wand anzugreifen im Stande seien, ob ihre Klingen sich nicht verbiegen oder bei dem Vorhaben gar zerbrechen würden.

?Doch woher stammt jenes Zittern, das gar nicht aufh?rt? fragte Phil Evans, der sich über das immer fortdauernde frrr nicht beruhigen konnte.

- Es ist ohne Zweifel der Wind, meinte Onkel Prudent.

- Der Wind? ... Bis Mitternacht schien mir, als ob die Luft ganz ruhig gewesen w?re ...

- Gewi?, Phil Evans, doch, wenn es der Wind nicht sein soll, was halten Sie denn für die Ursache?"

Phil Evans versuchte, nachdem er die beste Klinge seines Messers aufgeklappt, in die Wand nahe der Thür einzuschneiden. Vielleicht genügte es hier, eine Oeffnung zu machen, um diese von au?en zu ?ffnen. wenn sie nur durch einen Riege

l versperrt oder der Schlüssel im Schlosse stecken geblieben war.

Wenige Minuten Arbeit reichten hin, die Klinge des Bowie-Messers zu verderben, die Spitze desselben abzubrechen und es in eine tausendz?hnige S?ge zu verwandeln.

?Es greift wohl nicht, Phil Evans?

- Nein.

- Sollten wir uns in einer Zelle aus Stahl befinden?

- Das nicht, Onkel Prudent; diese W?nde geben angeschlagen keinen metallischen Ton.

- Also vielleicht aus Eisenholz?

- Nein, weder aus Eisen, noch aus Holz.

- Aus was best?nde sie denn dann?

- Das ist unm?glich zu entscheiden; unbedingt aber ist es eine Substanz, welche der Stahl nicht angreift."

Onkel Prudent loderte in hellem Zorn auf, er fluchte, stampfte den widerhallenden Boden mit den Fü?en und seine H?nde suchten einen eingebildeten Robur zu erwürgen.

?Ruhig, Onkel Prudent, ermahnte ihn Phil Evans, ruhig. Versuchen Sie einmal Ihr Glück."

Onkel Prudent versuchte es, das Bowie-Messer konnte aber nicht in eine Wand einschneiden, die selbst dessen beste Klingen nicht zu ritzen vermochten, als ob diese aus Krystall w?re.

Eine Flucht erschien also ganz unausführbar, denn ohne Oeffnung der Thür war an eine solche doch gar nicht zu denken.

Es galt demnach, für jetzt darauf zu verzichten, was dem Yankee-Temperament nicht eben leicht zu werden pflegt, und Alles vom Zufall zu erwarten, was hervorragenden praktischen Geistern allemal zuwider ist. Natürlich geschah das nicht ohne Verwünschungen, furchtbare Drohungen und an die Adresse Robur's gerichtete schwere pers?nliche Beleidigungen, w?hrend er doch gar nicht der Mann dazu schien, sich deshalb ein graues Haar wachsen zu lassen, wenn anders er sich im Privatleben ebenso zeigte, wie bei seinem Auftreten im Weldon-Institute.

Inzwischen gab Frycollin einige unzweifelhafte Zeichen seiner unbehaglichen Lage von sich. Ob er nun krampfhaftes Krümmen im Magen empfand oder die Einschnürung ihm einen Krampf der Glieder zugezogen hatte, jedenfalls begann er j?mmerlich zu lamentiren.

Onkel Prudent glaubte seinen Qualen ein Ende machen zu müssen, indem er die Stricke, welche den Neger fesselten, durchschnitt.

Fast h?tte er Ursache gehabt, diese Regung von Mitleid zu bedauern. Sofort begann Jener n?mlich eine endlose Litanei, in der Ausbrüche des Entsetzens und - Klagen über Hunger die Hauptrolle spielten. Frycollin litt ebenso sehr im Kopfe, wie im Magen, so, es w?re schwierig gewesen, zu entscheiden, welchem dieser beiden Organe am meisten Schuld an dem Jammern des Negers beizumessen war.

?Frycollin!" rief Onkel Prudent.

?Master Onkel! Master Onkel!" antwortete der Neger mit kl?glichem Geschrei.

?Es ist m?glich, da? wir verdammt sind, in diesem Gef?ngnisse Hungers zu sterben. Wir sind aber entschlossen, Alles, was irgend verzehrbar erscheint, zu verbuchen, um unser Leben zu verl?ngern.

- Und mich aufzuzehren? jammerte Frycollin.

- Wie man es unter solchen Umst?nden mit einem Neger stets macht! Sorge also, Frycollin, da? Du Dich uns nicht zu sehr bemerkbar machst ...

- Oder Du wirst fri–cas–sirt!" setzte Phil Evans hinzu.

Frycollin bekam wirklich Angst, da? sein Leichnam in Anspruch genommen werden k?nnte, das Leben zweier M?nner zu verl?ngern, das jedenfalls werthvoller war, als das seinige. Er begnügte sich also, nur noch im Stillen zu seufzen.

Inzwischen verstrich die Zeit und alle Versuche, die Thür oder die Wand gewaltsam zu ?ffnen, waren erfolglos geblieben. Woraus diese Wand bestand, lie? sich unm?glich feststellen. Metall war das nicht, Holz war es nicht und Stein war es auch nicht. Der Fu?boden der Zelle schien übrigens aus demselben Material hergestellt zu sein. Stie? man mit dem Fu?e auf denselben, so gab das einen ganz seltsamen Ton, den unter die bekannten Ger?usche zu classificiren, Onkel Prudent gewi? viele Mühe gemacht h?tte.

Dabei bemerkte man noch, da? der Fu?boden entschieden hohl klang, so, als ob er nicht direct auf dem Boden der Lichtung ruhte; ja, er schien bei dem unerkl?rlichen frrr selbst leise zu erzittern. Alles das war nicht gerade beruhigender Natur.

?Onkel Prudent, begann Phil Evans.

- Phil Evans? antwortete der Gefragte.

- Meinen Sie, da? unsere Zelle ihre Lage ver?ndert hat?

- Keineswegs.

- Und doch, als wir kaum eingesperrt waren, konnte ich deutlich den frischen Geruch des Grases und den harzigen Duft der B?ume des Parkes wahrnehmen. Jetzt kann ich Luft einfangen, so viel ich will, es erscheint mir, als ob davon nichts zu riechen w?re.

- Das ist freilich wahr.

- Doch, wie soll man das erkl?ren?

- Erkl?ren wir es auf ganz beliebige Weise, Phil Evans, nur nicht durch die Hypothese, da? unser Gef?ngni? eine Ortsver?nderung erlitten habe. Ich wiederhole, da? wir es unbedingt h?tten fühlen müssen, wenn wir uns auf einem in Gang befindlichen Wagen oder auf einem dahingleitenden Schiffe bef?nden."

Frycollin lie? einen langgedehnten Seufzer h?ren, den man h?tte für seinen letzten halten k?nnen, wenn ihm nicht mehrere andere nachgefolgt w?ren.

?Ich gab mich der Hoffnung hin, da? Robur uns bald veranlagen werde, vor ihn zu treten, fuhr Phil Evans fort.

- Ich nicht minder, rief Onkel Prudent, aber ich werde ihm in's Gesicht sagen ...

- Was?

- Da? er erst wie ein Unversch?mter in unsere Verhandlungen eingegriffen hat, um schlie?lich gleich einem Schurken zu handeln!"

Eben jetzt bemerkte Phil Evans, da? der Tag zu grauen begann. Ein noch schwacher Lichtschein drang durch die enge, am oberen Theile der der Thür gegenüberliegenden Wand angebrachte Schie?scharte herein. Es mochte also gegen vier Uhr Morgens sein, denn im Juni und unter dieser Breite f?rbt sich der Horizont von Philadelphia zu dieser Stunde mit den ersten Morgenstrahlen.

Und doch, als Onkel Prudent seine Repetiruhr schlagen lie?, ein Meisterwerk, das aus der Anstalt eines Collegen hervorgegangen war - meldete diese, da? es erst dreivierteldrei Uhr war, obwohl die Uhr inzwischen bestimmt nicht gestanden hatte.

?Seltsam! sagte Phil Evans. Um dreivierteldrei Uhr sollte es noch Nacht sein.

- Meine Uhr mü?te dann bedeutend nachgeblieben sein, bemerkte Onkel Prudent.

- Eine Uhr der Waldon Watch Compagnie!" rief Phil Evans beleidigt.

Auf jeden Fall begann es jetzt Tag zu werden. Nach und nach hob sich die Schie?scharte wei? von der tiefen Dunkelheit der Zelle ab. Und doch, wenn das Morgengrauen frühzeitiger auftrat, als es entsprechend dem 40. Breitengrade, unter dem Philadelphia liegt, zu erwarten war, so erschien es doch nicht mit der bekannten Schnelligkeit, wie in den niedrigen Breiten.

Onkel Prudent machte diese neue Beobachtung und erw?hnte der fast unerkl?rlichen Erscheinung.

?Wir konnten vielleicht bis nach der Schie?scharte hinaufklimmen", bemerkte Phil Evans, um von da aus Rundschau zu halten, wo wir überhaupt sind.

- Das k?nnen wir," stimmte Onkel Prudent zu.

Dann wandte er sich an Frycollin:

?Nun munter, Fry, auf die Fü?e!"

Der Neger erhob sich.

?Lehne Dich mit dem Rücken gegen diese Wand, fuhr Onkel Prudent fort, und Sie, Phil Evans, steigen gef?lligst auf die Schultern dieses Burschen, w?hrend ich Sie von rückw?rts halte.

- Recht gern," antwortete Phil Evans.

Einen Augenblick sp?ter kletterte er schon auf Frycollin's Schultern, so da? er zu der Schie?scharte hinaussehen konnte.

Dieselbe war verschlossen, aber nicht durch ein Linsenglas, wie die Lichtpforte eines Schiffes, sondern durch eine gew?hnliche Planscheibe. Obwohl sie nicht sehr stark war, verhinderte sie doch den freien Ausblick Phil Evans', dessen Gesichtskreis dadurch ziemlich beschr?nkt wurde.

?So zerbrechen Sie doch die Scheibe, sagte Onkel Prudent, vielleicht k?nnen Sie dann besser sehen."

Phil Evans führte einen heftigen Schlag mit dem Heft seines Bowie-Messers gegen die Scheibe, welche einen fast silbernen Ton gab, aber nicht zerbrach.

Ein zweiter, noch kr?ftigerer Schlag hatte nur dasselbe Resultat.

?Sch?n, rief Phil Evans, unzerbrechliches Glas!"

Wirklich mu?te diese Scheibe aus dem nach der Methode des Erfinders Siemens geh?rteten Glase bestehen, da sie trotz der wiederholten Schl?ge ganz blieb.

Uebrigens war es jetzt drau?en hell genug, um ziemlich weit sehen zu k?nnen, wenigstens innerhalb des Gesichtsfeldes, das die Einfassung der Schie?scharte frei lie?.

?Was sehen Sie? fragte Onkel Prudent.

- Nichts.

- Wie? Keinen Wald?

- Nein.

- Nicht einmal die Gipfel der B?ume?

- Auch diese nicht.

- Wir befinden uns also nicht mehr inmitten der Lichtung?

- Weder in der Lichtung, noch überhaupt im Park.

- Erkennen Sie denn auch nicht die D?cher der H?user, die Spitzen der Denkm?ler? sagte Onkel Prudent, dessen Entt?uschung schon in einem Grade zunahm, da? sie nahe an Wuth grenzte.

- Weder D?cher, noch Spitzen.

- Was? Auch nicht einen Mast mit Flagge, nicht einen einzigen Kirchthurm, nicht einmal einen Fabriksschornstein?

- Nichts - nichts als die leere Luft."

Eben jetzt ?ffnete sich die Thür der Zelle, in der ein Mann sichtbar wurde. Das war Robur.

?Ehrenwerthe Ballonisten, sagte eine ernste Stimme. Sie sind nun frei, nach Belieben zu gehen, wohin Sie wollen ...

- Frei! rief Onkel Prudent.

- Ja ... das hei?t innerhalb der Grenzen des ?Albatros"!

Onkel Prudent und Phil Evans stürzten aus der Zelle.

Und was sahen sie da?

Zw?lf- bis dreizehnhundert Meter unter ihnen die Oberfl?che eines Landes, das sie vergeblich zu erkennen sich bemühten.

* * *

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