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   Chapter 3 No.3

Robur der Sieger By Jules Verne Characters: 18588

Updated: 2017-11-30 00:04


In dem eine neue Pers?nlichkeit nicht besonders vorgestellt zu werden braucht, da sie das selbst besorgt.

?Bürger der Vereinigten Staaten, ich hei?e Robur1 und bin dieses Namens würdig. Trotz meiner vierzig Jahre sehe ich aus wie drei?ig, habe eine eiserne Constitution, eine unerschütterliche Gesundheit, hervorragende Muskelkraft und einen Magen, der selbst in der Welt der Strau?e als vorzüglich gelten würde."

Die Versammlung lauschte. Jedes Ger?usch hatte vorl?ufig aufgeh?rt, als man diese unerwartete Vorrede pro facie sua vernahm. War es ein Narr oder ein Sp?tter, diese Pers?nlichkeit? Wie dem auch sein mochte, er machte Eindruck und wu?te sich diesen zu erzwingen. Jetzt ging kein Lufthauch durch diese Menge, in der doch kurz vorher ein Orkan wüthete. Die Windstille nach der hohen See.

Ueberdies schien Robur wirklich der Mann zu sein, für den er sich ausgab. Von mittlerer Gr??e mit geometrischer Gestalt, ein regelm??iges Trapez bildend, deren gr??te Parallelseite von der Schulterbreite ausgefüllt wurde; auf dieser Linie sa? wieder auf einem kr?ftigen Halse ein gewaltiger sph?roidaler Kopf. Welchem Dickkopfe mochte derselbe zu vergleichen sein? Dem eines Stieres, aber eines Stieres mit hochintelligentem Gesicht. Darin funkelten ein paar Augen, welche der geringste Widerspruch sicherlich in volle Gluth versetzte, und über letzteren waren die Augenbrauenmuskeln - ein Zeichen entwickelter Energie - fortw?hrend zusammengezogen. Die Haare des Mannes waren kurz, etwas kraus und von metallischem Glanze, als trüge er ein Toupet von eisernem Stroh; seine breite Brust hob und senkte sich mit Bewegungen gleich einem Schmiedeblasebalg. Arme und H?nde, Beine und Fü?e erwiesen sich des Rumpfes v?llig würdig.

Schnurr- und Backenbart sah man bei ihm nicht, nur einen starken Seemanns-Kinnbart nach amerikanischer Mode, der die Anhaftepunkte der Kinnlade frei lie?, deren Kaumuskeln eine furchtbare Kraft entwickeln mu?ten. Man hat berechnet - was berechnet man denn nicht? - da? der Druck der Kinnlade des Krokodils unter gew?hnlichen Umst?nden dem von vierhundert Atmosph?ren gleich kommt, w?hrend der eines Jagdhundes von mittlerer Gr??e hundert erreichen soll. Daraus hat man auch folgende merkwürdige Formel abgeleitet: wenn ein Kilogramm Hund acht Kilogramm Muskelkraft entwickelt, so entwickelt ein Kilogramm Krokodil deren zw?lf. Nun, ein Kilogramm des genannten Robur h?tte deren gewi? zehn entwickelt. Er hielt also zwischen Hund und Krokodil in dieser Beziehung die Mitte.

Aus welchem Lande dieses merkwürdige Menschenkind stammte, h?tte man nur schwer errathen k?nnen. Jedenfalls drückte sich der Mann ganz gel?ufig englisch aus und ohne jenen schleppenden Tonfall, der den Yankee von Neu-England unterscheidet.

Er fuhr folgenderma?en fort:

?Nun lassen Sie mich auch von meinen anderen Eigenschaften sprechen, ehrenwerthe Bürger. Sie sehen vor sich einen Ingenieur, dessen geistige Natur seiner k?rperlichen nicht nachsteht. Ich fürchte mich vor Nichts und vor Niemand; besitze eine Willenskraft, die noch nie vor einem Anderen gewichen ist. Hab' ich mir einmal ein Ziel gesetzt, so würde ganz Amerika, ja die ganze Welt sich vergeblich verbünden, mich von Erreichung desselben abzuhalten. Hab' ich einen Gedanken, so erwarte ich, da? Andere ihn theilen, und vertrage keinen Widerspruch. Ich betone diese Einzelnheiten, ehrenwerthe Bürger, weil Sie mich gründlich kennen lernen müssen. Sie finden vielleicht, da? ich zu viel von mir selbst spreche? Thut nichts! Jetzt aber überlegen Sie sich Alles, ehe Sie mich unterbrechen, denn ich bin hierhergekommen, Ihnen Dinge zu sagen, welche Ihnen vielleicht nicht recht gefallen dürften."

Ein Grollen wie das der Brandung lief l?ngs der ersten B?nke des Saales hin, ein Zeichen, da? das Meer bald wieder hoch aufwogen werde.

?Reden Sie, ehrenwerther Fremdling," begnügte sich Onkel Prudent, der Mühe hatte, seine Ruhe zu bewahren, auf diese Ansprache zu antworten.

Und Robur sprach wie vorher, ohne sich irgendwie um Beifall oder Mi?fallen seiner Zuh?rer zu kümmern.

?Ja wohl, ich wei? Alles! Nach einem Jahrhundert andauernder Experimente, die zu Nichts geführt, nach Versuchen, die ergebni?los verliefen, giebt es noch immer verkehrt beanlagte Geister, welche hartn?ckig an die Lenkbarkeit von Ballons glauben. Sie erdenken irgend einen Motor, einen elektrischen oder einen anderen, der an ihre anspruchsvollen, dünnen Hüllen angebracht wurde, welche letztere den atmosph?rischen Str?mungen so breite Angriffsfl?chen darbieten. Sie bildeten sich ein, Beherrscher eines Aerostaten werden zu k?nnen, wie man etwa ein Schiff auf der Oberfl?che des Meeres beherrscht. Weil einige Erfinder bei ganz oder doch fast ganz stiller Witterung den Erfolg gehabt haben, entweder schief durch den Wind oder einer ganz leichten Brise entgegen zu fahren, deshalb sollte die Lenkbarkeit von Apparaten, welche leichter sind, als die Luft, zu praktischen Erfolgen führen? O gehen Sie! Sie sind hier an hundert M?nner, die an die Verwirklichung ihrer Tr?ume glauben und viele Tausende von Dollars nicht in's Wasser, aber in die Luft werfen. Ich sage Ihnen, das hei?t gegen eine Unm?glichkeit k?mpfen!"

Wunderbar, die Mitglieder des Weldon-Instituts sagten gegenüber dieser Behauptung jetzt kein Wort, als w?ren sie eben so taub wie langmüthig geworden, oder hielten sie nur an sich, um zu sehen, wie weit dieser kühne Widersacher zu gehen wagen würde?

Robur fuhr fort:

?Nehmen wir einen Ballon. Um ein Kilogramm an Gewicht zu verlieren, mu? derselbe ein Cubikmeter Gas aufnehmen. Ein Ballon, der den Anspruch macht, mit Hilfe seines Mechanismus dem Winde zu widerstehen, wenn der Druck einer steifen Brise auf das Gro?segel eines Schiffes der Kraft von 400 Pferden gleichkommt, wenn man bei dem Unglücksfalle mit der Taybrücke gesehen hat, da? ein Orkan einen Druck von 444 Kilogramm auf den Quadratmeter auszuüben im Stande ist! Ein Ballon, wo die Natur doch niemals ein fliegendes Gesch?pf nach diesem System geschaffen hat, ob dasselbe nun mit Flügeln, wie die V?gel, oder mit Membranen, wie gewisse Fische und S?ugethiere, ausgerüstet wurden ...

- S?ugethiere? rief eines der Mitglieder des Clubs.

- Gewi?, die Fledermaus, welche ja auch fliegt, wenn ich nicht irre. Sollte der Herr, welcher mich unterbrach, wirklich nicht wissen, da? die Fledermaus ein S?ugethier ist, oder hat er jemals eine Omelette aus Fledermauseiern bereiten sehen?"

Darauf hielt der Heimgeschickte seine Unterbrechungen ferner für sich, Robur dagegen fuhr mit demselben Eifer fort:

?W?re damit aber gesagt, da? der Mensch darauf verzichten müsse, das Luftmeer zu beherrschen und durch Nutzbarmachung dieses wunderbaren Bef?rderungsmittels die Zust?nde der alternden Welt umzuwandeln? Gewi? nicht! So wie er der Herr der Meere geworden durch das Schiff mit Ruder, Segel, Rad oder Schraube, so wird er auch zum Herrn der Luft werden durch Apparate, welche schwerer sind als diese, denn unbedingt müssen jene schwerer sein, um m?chtiger sein zu k?nnen."

Jetzt war in der Versammlung aber kein Halten mehr. Welche Breitseite von Zurufen donnerte aus jedem Munde, die alle auf Robur zielten, wie eben so viele Gewehrl?ufe oder Kanonenrohre! Sollten sie nicht antworten auf solch' offenbare, in's Lager der Ballonisten geschleuderte Kriegserkl?rung? Wurde hiermit nicht der Kampf zwischen dem ?leichter" und ?schwerer als die Luft" ausgesprochener Ma?en wieder aufgenommen?

Robur verzog keine Miene. Die Arme über der Brust gekreuzt wartete er es regungslos ab, bis wieder Ruhe eingetreten war.

Onkel Prudent befahl durch eine Handbewegung, das Feuer einzustellen.

?Ja, fuhr Robur fort, die Zukunft geh?rt den Flugmaschinen. Die Luft bietet den hinreichenden, soliden Stützpunkt. Man verleihe einer S?ule dieses Mediums eine aufsteigende Bewegung von 45 Meter in der Secunde, und ein Mensch würde sich schon oberhalb derselben erhalten, wenn die Sohlen seiner Schuhe nur ein Achtel Quadratmeter Oberfl?che boten. Würde die Geschwindigkeit der Lufts?ule auf 90 Meter gesteigert, so k?nnte er mit blo?en Fü?en darauf gehen. Treibt man nun durch die Flügel einer archimedischen Schraube eine Luftmasse mit derselben Schnelligkeit fort, so erzielt man dasselbe Resultat."

Was Robur hier sagte, hatten vor ihm alle Anh?nger der sogenannten Aviation ausgesprochen, deren Arbeiten langsam, aber sicher zur L?sung des vorliegenden Problems zu führen versprechen.

Die Ehre, diese einfachen Gedanken verbreitet zu haben, kommt Ponton d'Annécourt, La Landelle, Nadar, Luzi, Louvrie, Liais, Bélégnic, Moreau, den beiden Richard, Babinet, Jobert, Du Temple, Salives, Penaud, De Villeneuve, Gauchol und Tatin, Michel Loup, Edison, Planavergue und noch einer Menge anderer M?nner zu. Mehrmals aufgegeben und wieder aufgenommen, mu?te denselben doch eines Tages der Sieg zu Theil werden. Und hatten von dieser Seite die Feinde der Aviation, welche behaupteten, da? der Vogel nur durch Erw?rmung der Luft, mit der er sich aufbl?ht, fliege, auf Antwort warten müssen? Hatten die Erstgenannten nicht vielmehr nachgewiesen, da? ein 5 Kilogramm wiegender Adler sich h?tte mit 50 Cubikmeter jenes erw?rmten Fluidums anfüllen müssen, um sich dadurch allein frei schwebend zu erhalten?

Ganz dasselbe wies auch hier Rob

ur mit unerbittlicher Logik nach, aber inmitten eines Heidenl?rmes, der sich von allen Seiten erhob. Zum Schlu? warf er den Ballonisten noch folgende Worte in's Gesicht:

?Mit Ihren Aerostaten k?nnen Sie nichts ausrichten, werden Sie zu nichts kommen und niemals etwas wagen dürfen. Der kühnste Ihrer Aeronauten, John Wise, mu?te, obwohl er schon eine Luftreise von 1200 Meilen über das Festland Amerikas zurückgelegt hatte, doch auf die Absicht, über den atlantischen Ocean zu fahren, verzichten. Und seit jener Zeit sind Sie um keinen Schritt, um keinen einzigen auf diesem Wege vorw?rts gekommen.

- Mein Herr, begann da der Vorsitzende, der sich vergeblich bemühte, ruhig zu bleiben, Sie vergessen offenbar, was unser unsterblicher Franklin ausgesprochen hat, als die erste Mongolfière aufstieg, also zur Zeit der Geburt des Ballons. ?Jetzt ist das nur ein Kind, aber es wird wachsen!" lautete seine Prophezeiung, und es ist gewachsen!

- Nein, Herr Pr?sident, nein, es ist nicht gewachsen ... es ist nur gr??er und dicker geworden, und das ist nicht das N?mliche." 2

Das war ein directer Angriff gegen die Pl?ne des Weldon-Instituts, welches die Herstellung eines Monstre-Ballons beschlossen, unterstützt und betrieben hatte. Sofort kreuzten sich denn auch ziemlich bedrohliche Ausrufe in dem ger?umigen Saale, wie:

?Nieder mit dem Eindringling!

- Werft ihn von der Tribüne herunter!

- Um ihm zu beweisen, da? er schwerer ist als die Luft!"

Und Aehnliches mehr.

Man begnügte sich indessen noch mit Worten, ohne zu Th?tlichkeiten überzugehen. Robur konnte also noch einmal seine Stimme erheben und laut hinausrufen:

?Fortschritte, Bürger Ballonisten, sind nicht mit dem Aerostaten, sondern nur mit fliegenden Maschinen zu erwarten. Der Vogel fliegt auch, und der ist kein Ballon, sondern ein Mechanismus! ...

- Ja er fliegt wohl, schrie der vor Zorn keuchende Bat T. Fyn, aber er fliegt gegen alle Regeln der Mechanik.

- Ach so!" erwiderte Robur, die Achseln zuckend.

Dann fuhr er fort:

?Seit man den Flug der gr??eren und kleineren fliegenden Thiere genau beobachtet hat, ist folgender sehr einfache Gedanke in den Vordergrund getreten: Es gilt auch hier die Natur nachzuahmen, denn diese t?uscht sich niemals. Zwischen dem Albatros, der kaum zehn Flügelschl?ge in der Minute macht, und dem Pelikan, der siebenzig macht ...

- Einundsiebenzig! rief eine schnarrende Stimme.

- Und der Biene, bei der man hundertzweiundneunzig in der Secunde z?hlte ...

- Hundertdreiundneunzig! rief ein Anderer aus Scherz.

- Und der Stubenfliege, welche dreihundertunddrei?ig fertig bringt ...

- Dreihundertdrei?igundeinhalb!

- Und dem Mosquito, der Millionen macht ...

- Nein ... Milliarden!"

Robur lie? sich durch alle diese Einreden nicht au?er Fassung bringen.

?Zwischen diesen verschiedenen Zahlen ... nahm er wieder das Wort.

- Ist ein gro?er Unterschied! lie? sich eine Stimme h?ren.

... Wird man die richtige w?hlen müssen, um eine praktische L?sung der Aufgabe zu finden. Schon an dem Tage, wo De Lucy nachweisen konnte, da? der Hirschk?fer, jenes Insect, welches nur zwei Gramm wiegt, ein Gewicht von vierhundert Gramm, d. h. zweihundert Mal so viel wie sein eigenes Gewicht, aufzuheben vermochte, war eigentlich das Problem der Aviation gel?st. Au?erdem wurde nachgewiesen, da? die Fl?chenausdehnung der Flügel in gleichem Verh?ltni? abnimmt, wie die Gr??e und das Gewicht des Thieres zunehmen. Seitdem hat man schon mehr als sechzig verschiedene Apparate erdacht oder auch ausgeführt ...

- Die noch niemals haben fliegen k?nnen! rief der Schriftführer Phil Evans.

- Welche geflogen sind oder noch fliegen werden, antwortete Robur, ohne sich irre machen zu lassen. Ob man sie nun Streophoren, Helicopteren, Orthoptheren nennt, oder ihrem Namen nach dem lateinischen navis die Silbe ?nef" anh?ngt, meinetwegen auch nach dem Worte avis die Silbe ?efs" - jedenfalls kommt man zu dem Apparate, dessen endliche Herstellung den Menschen zum Herren des Luftmeeres machen mu?.

- Aha, die Schraube! warf Phil Evans ein. Der Vogel hat aber keine Schraube ... so weit man das wei?!

- Zugegeben, erwiderte Robur, wie Penaud gezeigt hat, arbeitet eigentlich der Vogel selbst als solche und ist seinem Fluge nach Helicoptere, darum ist auch die Schraube der Motor der Zukunft ...

... ?Vor solchem Uebel,

Heilige Helice3, behüte uns!" ...

tr?llerte einer der Zuh?rer, der zuf?llig dieses Motiv aus Hérold's Zampa im Kopfe behalten hatte.

Alle wiederholten den Refrain im Chor und mit Intonationen, bei denen sich der Componist sicher im Grabe herumdrehte.

Dann, als die letzten T?ne in einem entsetzlichen Durcheinander verhallten, glaubte Onkel Prudent unter Benützung eines augenblicklichen Stillschweigens sagen zu müssen:

?Bürger Fremdling, bis hierher haben wir Sie reden lassen, ohne Sie zu unterbrechen ..."

Es scheint demnach, als ob der Vorsitzende des Weldon-Instituts die früheren Einwürfe, die Zwischenrufe, das tolle Durcheinander nicht für Unterbrechungen, sondern nur für einfachen Meinungsaustausch hielt.

?Jedenfalls, fuhr er fort, mu? ich Sie daran erinnern, da? die Theorie der Aviation schon im Voraus durch die meisten amerikanischen und fremden Ingenieure verurtheilt und v?llig verworfen worden ist. Ein System, auf dessen Debetseite der Tod Sarasin Volant's in Constantinopel, der des M?nches Voador in Lissabon, der Letuo's im Jahre 1852 und der Groof's 1864 steht, ohne die Opfer zu z?hlen, die ich augenblicklich vergessen habe, und w?re es nur der mythologische Icarus ...

- Dieses System, nahm Robur den Satz auf, ist nicht verdammenswerther, als das, dessen Opferliste die Namen eines Pilatre de Rozier in Calais, der Madame Blanchard in Paris, eines Donaldson und Grimwood, welche in den Michigan-See fielen, eines Swel, Crocé-Spinelli, Eloy und so vieler Anderer enth?lt, welche gewi? nicht so leicht der Vergessenheit anheimfallen."

Das hie? ?mit einem Hieb parirt", wie man in der Fechtkunst sagen würde.

?Mit Ihren Ballons, fuhr Robur fort, werden Sie übrigens, dieselben m?gen noch so vervollkommnet sein, niemals eine praktisch werthvolle Schnelligkeit erzielen, zehn Jahre brauchen, um eine Reise um die Erde zu vollenden - was eine Maschine in etwa acht Tagen abmachen dürfte."

Neue wüthende Proteste und Verneinungen, welche drei ganze Minuten anhielten, bevor dann Phil Evans das Wort ergreifen konnte.

?Mein Herr Aviator, Sie, der Sie uns so viel von der Herrlichkeit der Aviation vorreden, sind Sie denn jemals in dieser Weise geflogen?

- Ja, gewi?!

- Und Sie h?tten also den Kampf mit der Luft siegreich bestanden?

- Vielleicht, mein Herr.

- Hurrah, Robur, der Sieger! rief eine Stimme spottend.

- Nun ja, Robur, der Sieger - ich nehme diesen Namen an und werde ihn führen, denn ich habe das Recht dazu.

- Wir erlauben uns inde? daran zu zweifeln! rief Jem Cip.

- Meine Herren, erkl?rte Robur, dessen Augenbrauen sich runzelten, wenn ich eine ernsthafte Sache ernsthaft behandle, duld' ich es nicht, da? mir Jemand eine Unzuverl?ssigkeit meiner Worte vorwirft, und ich würde gern den Namen des Herrn kennen lernen, der mich in dieser Weise unterbrach.

- Ich hei?e Jem Cip ... und bin Vegetarianer.

- Bürger Jem Cip, antwortete Robur, ich wei?, da? die Pflanzenesser gew?hnlich l?ngere Eingeweide haben, als andere Menschen - mindestens um einen Fu? l?nger. Das ist schon viel ... Nun verleiten Sie mich nicht, die Ihrigen noch mehr zu verl?ngern, indem ich bei den Ohren anfange ...

- Durch die Thür!

- Hinaus auf die Stra?e!

- Man viertheile ihn!

- Lynchen, lyncht den Kerl!

- Verdrehen wir ihn zu einer Schraube! ..."

Die Wuth der Ballonisten hatte ihren Gipfel erreicht. Schon sprangen sie von den Stühlen auf und umdr?ngten die Tribüne. Robur verschwand unter einer Unmasse von Armen, welche sich, wie von einem Sturme getrieben, auf- und abbewegten. Vergebens lie? die Dampftrompete ihren heulenden Ton durch die Versammlung brausen. An jenem Abende konnte Philadelphia wohl glauben, eine Feuersbrunst verzehre eines seiner Quartiere, und das ganze Wasser des Schuylkill-Stromes werde zum L?schen desselben nicht hinreichen.

Pl?tzlich entstand in der l?rmenden Masse eine Bewegung nach rückw?rts. Robur hatte eben die H?nde wieder aus den Taschen gezogen und streckte sie gegen die vorderste Reihe der wüthenden Gegner aus.

Seine beiden H?nde zeigten jetzt zwei sogenannte amerikanische F?uste, welche gleichzeitig Revolver bilden und die schon ein Druck des Daumens ihre überall verst?ndliche Sprache reden lassen - zwei kleine Taschen-Mitrailleusen.

Dann rief er, das Zurückgehen der Angreifer und die vorübergehende Stille, welche dabei eintrat, schnell benützend:

?Entschieden war es nicht Amerigo Vespucci, der die Neue Welt entdeckt hat, sondern Sebastian Cabot. Sie sind keine Amerikaner, Bürger Ballonisten! Sie sind nur Cabo..."

In diesem Augenblicke krachten auch schon vier oder fünf Schüsse in die Luft, welche Niemand verwundeten. Inmitten des Pulverdampfes verschwand der Ingenieur, und als jener sich zerstreute, entdeckte man von ihm keine Spur mehr. Robur der Sieger war davongeflogen, als ob irgend ein Aviations-Apparat ihn in die Lüfte entführt h?tte.

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