MoboReader> Literature > Robur der Sieger

   Chapter 1 No.1

Robur der Sieger By Jules Verne Characters: 20726

Updated: 2017-11-30 00:04


Worin die gelehrte Welt sich ebenso wenig Rath wei?, wie die ungelehrte.

Paff! ... Paff!

Zwei Pistolenschüsse knallten zu gleicher Zeit. Eine Kuh, welche eben in der Entfernung von fünfzig Schritten vorüber trabte, bekam eine Kugel in's Rückgrat ... und sie ging die Sache doch gar nichts an.

Von den beiden Gegnern war keiner getroffen worden.

Wer waren jene beide Herren? Niemand wei? es, und gerade hier w?re ja Gelegenheit gewesen, ihre Namen der Nachwelt zu überliefern. Es l??t sich über sie nichts weiter sagen, als da? der ?ltere ein Engl?nder, der jüngere Duellant ein Amerikaner war. Desto leichter l??t sich die Oertlichkeit bestimmen, an der jener unschuldige Wiederk?uer eben sein letztes Grasbündelchen abgeweidet hatte; diese ist n?mlich am rechten Ufer des Niagara und unweit der H?ngebrücke zu suchen, welche drei Meilen unterhalb der berühmten F?lle das canadische Ufer mit dem amerikanischen verbindet.

Der Engl?nder schritt jetzt auf den Amerikaner zu.

?Ich bleibe nichtsdestoweniger dabei, da? es die Melodie von Rule Britannia war, sagte er.

- Nein, der Yankee Doodle!" versetzte der Andere.

Der Streit schien auf's Neue entbrennen zu sollen, als sich einer der Zeugen - ohne Zweifel im Interesse des weidenden Viehs - mit den Worten einmischte:

?Nehmen wir an, es w?re der Rule Doodle und der Yankee Britannia gewesen und begeben wir uns nun zum Frühstück."

Dieses Compromi? zwischen den beiden Nationalges?ngen Amerikas und Gro?britanniens wurde zur allgemeinen Befriedigung angenommen. L?ngs des linken Niagara-Ufers zurückwandelnd, beeilten sich Amerikaner und Engl?nder, an der einladenden Tafel des H?tels auf Goat Island - einem neutralen Gebiete zwischen den beiden F?llen - Platz zu nehmen. W?hrend ihrer Besch?ftigung mit gekochten Eiern und dem landesüblichen Schinken mit kaltem Roastbeef, einem Zwischengericht von im Munde fast brennenden Pickles und mit Hochfluthen von Thee, welche die weltbekannten Wasserf?lle eifersüchtig machen k?nnten, wollen wir sie nicht weiter st?ren, zumal kaum anzunehmen ist, da? von ihnen im Laufe dieser Erz?hlung noch ferner die Rede sein wird.

Wer hatte nun Recht - der Engl?nder oder der Amerikaner? Es w?re schwer gewesen, diese Frage zu entscheiden. Jedenfalls liefert jenes Duell den Beweis für die leidenschaftliche Erregung der Geister nicht allein in der Neuen, sondern auch in der Alten Welt, und zwar über ein Ereigni? oder eine unerkl?rliche Erscheinung, welche seit etwa einem Monate alle K?pfe verwirrte.

... Os sublime dedit coelumque tueri

hat Ovid einst zu Ehren der Menschheit gesungen. In der That hatte man seit dem Erscheinen des ersten Menschen auf der Erdkugel noch niemals den Himmel so vielfach betrachtet.

Gerade in der vorhergegangenen Nacht hatte n?mlich eine Trompete aus der Luft ihre metallenen T?ne herabgeschmettert über denjenigen Theil von Canada, der sich zwischen dem Ontario- und dem Erie-See ausdehnt. Die Einen hatten daraus den Yankee Doodle, die Anderen das Rule Britannia zu h?ren vermeint, daraus entstand auch obiger angels?chsische Zweikampf, der mit dem Frühstück auf Goat Island endigte. Vielleicht war es weder der eine, noch der andere Nationalgesang gewesen; nur darüber herrschte bei Niemand ein Zweifel, da? die betreffenden T?ne die Eigenthümlichkeit gehabt hatten, als schienen sie vom Himmel zur Erde hernieder zu steigen.

Sollte man etwa gar an eine Himmelsposaune denken, die ein Engel oder ein Erzengel geblasen h?tte? ... Waren es nicht vielmehr lustige Luftschiffer gewesen, die sich des sonoren Instrumentes bedienten, von dem die Reclame so ausgebreiteten Gebrauch macht? Nein, von einem Ballon, von Luftschiffern konnte nicht die Rede sein. In hohen Himmelsregionen vollzog sich ein au?ergew?hnliches Ereigni?, dessen Natur und Ursprung kein Mensch zu entr?thseln vermochte. Heute zeigte sich dasselbe über Amerika, vierundzwanzig Stunden sp?ter über Europa, acht Tage sp?ter in Asien über dem Himmlischen Reiche. Wenn die Trompete, welche das Vorüberziehen jener Erscheinung ankündigte, nicht die des Jüngsten Gerichtes war, welche, ja, welche war es dann?

In allen Landen der Erde, in K?nigreichen wie in Republiken, entstand deshalb eine gewisse Unruhe, welche gestillt werden mu?te. Vernimmt Einer in seinem Hause eigenthümliche und unerkl?rliche Ger?usche, würde er nicht schnellstens die Ursache derselben zu ermitteln suchen, und wenn das vergeblich w?re, würde er nicht sein Haus verlassen, um ein anderes zu bewohnen? Ganz sicherlich! Hier war das Haus freilich die Erdkugel, und es gab doch kein Mittel, diese zu verlassen und etwa mit dem Monde, Mars, Venus, Jupiter oder einem anderen Planeten des Sonnensystems zu vertauschen.

Es galt demnach unbedingt, aufzukl?ren, was im unendlichen leeren Raume, doch innerhalb der Erdatmosph?re, vorging. Ohne Luft ist ja ein Ger?usch unm?glich, und da man hier ein solches vernahm - immer jene fast sagenhafte Trompete - mu?te die Erscheinung auch in der Lufthülle stattfinden, deren Dichtigkeit sich nach oben zu immer mehr vermindert und die sich über unserem Sph?roid nur wenige Meilen hoch verbreitet.

Natürlich bem?chtigten sich die Tagesbl?tter der vorliegenden Frage, behandelten sie unter allen Gesichtspunkten, beleuchteten oder verdunkelten dieselbe, berichteten falsche oder wahre Thatsachen, erregten oder beruhigten ihre Leser im Interesse der H?he ihrer Auflage - und wiegelten endlich die schon halb verwirrten Massen nicht wenig auf. Welch' Wunder! Die Politik hatte den Laufpa? erhalten und die Gesch?fte gingen deshalb doch nicht schlecht. Aber um was handelte es sich überhaupt?

Man befragte alle gro?en Observatorien der ganzen Welt. Wenn diese keine Antwort gaben, wozu nützten dann solche Observatorien eigentlich? Wenn die Astronomen, welche selbst in der Entfernung von hunderttausend Millionen Meilen noch einen Lichtpunkt zu zwei und drei Sternen aufzul?sen verm?gen, nicht im Stande waren, den Ursprung einer kosmischen Erscheinung zu ergründen, die nur wenige Kilometer über ihnen auftrat, wozu hatte man Astronomen?

Man konnte auch in der That kaum sch?tzungsweise angeben, wie viel Teleskope, Brillen, Fernr?hre, Lorgnetten, Binocles und Monocles w?hrend der sch?nen Sommernacht nach dem Himmel gerichtet waren, noch wie viele Augen sich vor die Oculare und Instrumente von jeder Art und Vergr??erung hefteten. Vielleicht mehrere Hunderttausend, und das ist nur gering angeschlagen. Zehnmal mehr, als man am Firmament mit unbewaffnetem Auge sichtbare Sterne z?hlt. Nein, noch keiner, auf allen Punkten der Erdkugel gleichzeitig beobachteten Sonnenfinsterni? hatte man solche Ehre angethan!

Die Observatorien antworteten, aber unzul?nglich. Jedes gab seine Meinung ab, die stets von der aller anderen abwich, so da? sich daraus w?hrend der letzten Wochen des April und der ersten des Mai ein wirklicher Bürgerkrieg unter der Gelehrtenwelt entwickelte.

Das Observatorium von Paris erwies sich sehr zurückhaltend. Keine seiner Abtheilungen sprach sich entschieden aus. In der Abtheilung für mathematische Astronomie hatte man es für unter seiner Würde gehalten, Beobachtungen anzustellen; in der für die Meridianmessung hatte man nichts entdeckt; in der für physikalische Beobachtungen hatte man nichts wahrgenommen; in der für Geod?sie nichts bemerkt; in der für Meteorologie war Niemand etwas aufgefallen; in der für die Berechnungen hatte man nichts gesehen. Das war wenigstens ein offenes Gest?ndni?. Dieselbe Offenherzigkeit bekundete das Observatorium von Montsoucis, wie die magnetische Station im Park Saint-Maur. Dieselbe Achtung vor der Wahrheit bewies das L?ngenbureau. Nun ja, Frankreich hei?t ja das Land, wo man ?frank", d. h. offen spricht.

Die Provinz war etwas entschiedener in ihrer Aeu?erung. Etwa in der Nacht zwischen dem 6. und 7. Mai hatte sich ein Lichtschein elektrischen Ursprunges gezeigt, der 20 Secunden nicht überdauerte. Am Pic-Du-Midi war derselbe zwischen 9 und 10 Uhr Abends beobachtet worden; im meteorologischen Observatorium des Puy-de-D?me hatte man ihn zwischen 1 und 2 Uhr Morgens bemerkt; auf dem Mont Ventoux in der Provence zwischen 2 und 3 Uhr; in Nizza zwischen 3 und 4 Uhr; auf den Semnoz-Alpen endlich zwischen Annecy, le Bourget und dem Genfer See im Augenblicke, als der Tagesschimmer sich eben bis zum Zenith erhob.

Offenbar konnte man diese Beobachtungen unm?glich in Bausch und Bogen verwerfen. Es unterlag keinem Zweifel, da? der Lichtschein an verschiedenen Punkten, und zwar im Verlauf einiger Stunden, wahrgenommen worden war. Derselbe ging also entweder von mehreren Herden aus, die sich durch die Erdatmosph?re hinbewegten, oder, wenn er nur einem einzigen solchen angeh?rte, so mu?te dieser sich mit einer Schnelligkeit fortbewegen, welche nahezu 200 Kilometer in der Stunde erreichte.

Hatte man denn aber im Laufe des Tages niemals etwas Besonderes in der Luft bemerkt?

Nein, niemals.

Erklang nicht wenigstens jene Trompete einmal durch die Luftschichten?

Nein, zwischen Aufgang und Untergang der Sonne hatte man nicht den leisesten Ton geh?rt.

Im vereinigten K?nigreich Gro?britannien wu?te man nicht mehr aus, noch ein. Die Observatorien gelangten zu keinerlei Uebereinstimmung. Greenwich konnte sich nicht mit Oxford verst?ndigen, obwohl Beide die Behauptung aufstellten, ?an der ganzen Sache sei nichts".

?Eine Gesichtst?uschung! meinte das Eine.

- Eine Geh?rst?uschung!" erwiderte das Andere.

Darüber lagen sie im Streit; auf eine T?uschung lief es jedoch allemal hinaus. Die Verhandlungen zwischen den Sternwarten zu Berlin und der zu Wien drohten zu internationalen Verwicklungen zu führen. Ru?land bewies ihnen in der Person des Vorstehers seiner Sternwarte zu Pulkowa, da? sie Beide Recht h?tten, das h?nge nur von den Gesichtspunkten ab, auf die sie sich bezüglich Bestimmung der Natur jener Erscheinung stellten, die in der Theorie unm?glich schien und in der Praxis m?glich war.

In der Schweiz, auf der Sternwarte zu S?ntis, im Canton Appenzell, auf dem Rigi, im G?bris, in den Beobachtungsstationen des St. Gotthard, St. Bernhard, des Julier, des Simplon, in denen von Zürich und des Sonnblick in den Hohen Tauern, beflei?igte man sich einer ganz besonderen Zurückhaltung gegenüber einer Thatsache, die bisher Niemand zu bekr?ftigen vermocht hatte - was gewi? recht vernünftig zu

nennen ist.

In Italien dagegen, auf den meteorologischen Stationen des Vesuvs und des Aetna, welch' letztere sich in der alten Casa Inghlese befindet, wie auf dem Monte Cavo, z?gerten die Beobachter nicht im geringsten, die Wirklichkeit jener Erscheinung anzuerkennen, und das auf Grund des Umstandes, da? sie dieselbe einmal am Tage in Form eines kleinen Dampfw?lkchens und einmal in der Nacht in Gestalt einer Sternschnuppe hatten wahrnehmen k?nnen. Ueber die eigentliche Natur derselben wu?ten sie freilich ebenfalls nichts.

In der That begann dieses Geheimnis allm?hlich die Vertreter der Wissenschaft zu ermüden, erregte dagegen und erschreckte desto mehr die Einf?ltigen und Unwissenden, welche, Dank einem hochweisen Naturgesetze, von jeher in dieser Welt die ungeheure Mehrzahl gebildet haben, noch bilden und in aller Zukunft bilden werden. Die Astronomen und Meteorologen hatten also schon darauf verzichtet, sich mit der Sache zu besch?ftigen, als in der Nacht vom 26. zum 27. auf der Sternwarte zu Cantokeino in Finnland, in Norwegen, in der Nacht vom 28. zum 29. auf der des Isfjord und auf Spitzbergen, die Norweger auf einer und die Schweden auf der anderen Seite in der Anschauung übereingestimmt hatten, da? inmitten einer Art Nordlichtscheines etwas wie ein gewaltiger Vogel oder ein Luftungeheuer sichtbar gewesen sei. War es auch nicht gelungen, dessen Structur genauer zu bestimmen, so unterlag es doch keinem Zweifel, da? derselbe kleine K?rper ausgeworfen habe, welche gleich Bomben mit einem Knalle zersprangen.

In Europa neigte man wohl dazu, die Beobachtungen der Stationen von Finnmarken und Spitzbergen nicht anzuzweifeln. Ganz besonders merkwürdig erschien freilich, da? die Schweden und die Norweger doch einmal über einen Punkt einig zu sein schienen.

Man lachte und spottete über die angebliche Entdeckung auf allen Sternwarten Südamerikas, in Brasilien und Peru, ebenso wie in La Plata, auf denen von Australien, in Sidney, Adelaide, wie in Melbourne, und das australische Lachen ist bekanntlich sehr ansteckend.

Nur ein einziger Vorsteher einer meteorologischen Station verhielt sich zustimmend bei dieser Frage, trotz der Sp?tteleien, welche seine Erkl?rung derselben hervorrufen mochte. Das war ein Chinese, der Director der Sternwarte zu Zi-Ka-Wey, die sich inmitten einer ausgedehnten Ebene, mindestens zehn Lieues vom Meere, erhebt und welche bei ungemeiner Klarheit der Luft ein grenzenlos weiter Horizont umschlie?t.

?Es k?nnte ja sein, sagte er, da? der Gegenstand, um den es sich handelt, ein besonders construirter Apparat, eine fliegende Maschine w?re."

Welcher Scherz!

Waren die vielfachen Widersprüche nun schon in der Alten Welt sehr lebhaft, so begreift man leicht, wie sie sich in jenem Theile der Neuen Welt gestalten mu?ten, von dem die Vereinigten Staaten das weitaus gr??te Gebiet einnehmen.

Ein Yankee liebt bekanntlich keine Umwege - er w?hlt gew?hnlich den, der am schnellsten zum Ziele führt. So z?gerten auch die amerikanischen Bundesstaaten nicht im mindesten, ihre Ansichten gegenseitig auszusprechen. Wenn sie sich dabei nicht gleich die Objective ihrer Fernrohre an den Kopf warfen, so kam das nur daher, da? sie dieselben jetzt, wo sie gerade am meisten gebraucht wurden, erst h?tten wieder ersetzen müssen.

In dieser so viel Staub aufwirbelnden Frage standen die Sternwarten von Washington im District Columbia und die von Cambridge im Staate Duna denen des Darmouth-Collegs in Connecticut und von Ann-Arbor in Michigan feindlich gegenüber. Ihr Streit betraf übrigens nicht die Natur des beobachteten K?rpers, sondern die genaue Zeit der Beobachtung, denn Alle behaupteten, ihn in derselben Nacht, zu derselben Stunde, zur gleichen Minute und Secunde wahrgenommen zu haben, obwohl die Flugbahn des geheimni?vollen Wanderers der Lüfte nur in m??iger H?he über dem Horizont liegen sollte. Von Connecticut bis Michigan, von Duna nach Columbia ist aber die Entfernung eine so gro?e, da? eine doppelte Beobachtung zu ein und demselben Zeitpunkt als unm?glich angesehen werden konnte.

Dudley in Albany, Staat New-York, und West-Point, die Milit?rakademie, gaben allen ihren Collegen Unrecht in einer Zuschrift, welche die gerade Aufsteigung und die Declination des bewu?ten K?rpers bestimmte.

Sp?ter stellte sich jedoch heraus, da? diese Beobachter einem Irrthume unterlegen waren und da? der betreffende K?rper nur eine Feuerkugel gewesen war, welche durch die mittleren Luftschichten hinblitzte. Um diese Feuerkugel handelte es sich aber offenbar nicht. Wie k?nnte auch eine solche Feuerkugel eine Trompete geblasen haben?

Was nun die erw?hnte Trompete anging, versuchte man vergeblich deren schmetternden Ton als eine einfache Geh?rst?uschung hinzustellen. Jedenfalls hatten sich bei dieser Gelegenheit die Ohren der Leute ebenso wenig get?uscht, wie deren Augen. Unz?hlige Beobachter hatten vielmehr entschieden etwas gesehen und gleichzeitig geh?rt. In der sehr dunklen Nacht - vom 12. zum 13. Mai - war es den Beobachtern des Yale-Collegs an der Hochschule von Sheffield sogar gelungen, einige Tacte eines musikalischen Satzes in A-dur und im Viervierteltacte in Noten zu fixiren, welche vollkommen mit einem Theile der Melodie des bekannten Chant du départ - eines Soldatenliedes beim Auszug zum Kampfe - übereinstimmten.

?Sehr sch?n! riefen dazu die Witzbolde, da h?tten wir ja ein franz?sisches Orchester, das seine Weisen mitten in der Luft ert?nen l??t!"

Scherzen hei?t aber nicht antworten. Diese Bemerkung machte auch das von der Atlantic Iron Works Company gegründete Observatorium zu Boston, dessen Anschauungen in Fragen der Astronomie und Meteorologie für die gelehrte Welt allm?hlich schon die Bedeutung von Gesetzen gewannen.

Ferner gab auch noch das, Dank der Freigebigkeit des Mr. Kilgoor im Jahre 1870 auf dem Berge Lookout entstandene Observatorium von Cincinnati eine Erkl?rung ab, jenes Institut, das sich durch seine mikrometrischen Messungen der Doppelsterne so vortheilhaft bekannt gemacht hat. Sein Director sprach sich in vollem guten Glauben dahin aus, da? den weitverbreiteten Gerüchten unzweifelhaft etwas zu Grunde liege, da? sich zu nahe aneinanderliegenden Zeiten an sehr verschiedenen Stellen in der Atmosph?re ein in Bewegung befindlicher K?rper zeige, da? über dessen Natur, Gr??enverh?ltnisse, Geschwindigkeit und Flugbahn aber kein Urtheil m?glich sei.

Da erhielt ein Journal von allergr??ter Verbreitung, der New-York Herald, von einem Abonnenten folgende anonyme Mittheilung: ?Noch dürfte der Wettkampf unvergessen sein, der vor einigen Jahren herrschte zwischen den beiden Erben der Begum von Ragginahra, dem franz?sischen Arzt Sarrasin in seiner Stadt Franceville und dem deutschen Ingenieur Herrn Schulze in seiner Stadt Stahlstadt, welche Beide im südlichen Theile von Oregon, Vereinigte Staaten, angelegt waren.

?Man kann auch nicht vergessen haben, da? Herr Schulze in der Absicht, Franceville zu zerst?ren, ein ungeheures Gescho?, schon mehr eine Maschine, auf letztere Stadt schleuderte, welche dieselbe mit einem Schlage vernichten sollte.

?Noch weniger kann der Vergessenheit verfallen sein, da? dieses Gescho?, dessen Anfangsgeschwindigkeit beim Verlassen der Mündung der Monstrekanone falsch berechnet war, mit einer sechzehnmal gr??eren Geschwindigkeit, als gew?hnliche Geschosse - n?mlich fünfundsiebzig bis achtzig geographische Meilen in der Stunde - hinweg getragen wurde, da? es auf die Erde nicht niedergefallen ist und nach seinem Uebergang in den Zustand etwa einer Feuerkugel noch jetzt um unseren Planeten kreist und in alle Ewigkeit kreisen mu?.

?Warum sollte dieses Riesengescho?, dessen Vorhandensein nicht anzuzweifeln ist, nicht der in Frage stehende K?rper sein?"

Das war ja recht scharfsinnig von dem Abonnenten des New-York Herald ... aber die Trompete ...? In dem Projectil des Herrn Schulze hatte sich bestimmt keine Trompete befunden.

Alle bisherigen Erkl?rungen erkl?rten also nichts, alle Beobachter beobachteten einfach falsch.

Es blieb sonach nur noch die von dem Director von Zi-Ka-Wey aufgestellte Hypothese. Aber, mein Gott, der Mann war ja Chinese!

Man darf nicht etwa glauben, da? sich der Bev?lkerung der Alten und der Neuen Welt endlich ein gewisser Ueberdru? bem?chtigt h?tte. Im Gegentheil, die Er?rterungen dauerten in gleicher Lebhaftigkeit fort, ohne da? irgendwo eine Uebereinstimmung erzielt wurde. Gleichwohl trat einmal eine Art Pause ein. Es vergingen n?mlich einige Tage, ohne da? etwas von dem fraglichen Gegenstande, von der Feuerkugel oder was es sonst war, gemeldet wurde und ohne da? sich der bekannte Trompetenton aus der Luft h?ren lie?. War jener K?rper also irgendwo auf die Erde niedergefallen, vielleicht an einem Punkte, der sein Wiederauffinden besonders erschwerte - etwa gar in's Meer? Lag er jetzt in der unendlichen Tiefe des Atlantischen, des Pacifischen oder des Indischen Oceans? Wer h?tte das sagen k?nnen?

Da vollzog sich aber zwischen dem 2. und dem 9. Juni eine neue Reihe von Thatsachen, deren Erkl?rung durch die Annahme eines rein kosmischen Ph?nomens schlechterdings unm?glich war.

Im Laufe jener acht Tage fand man n?mlich auf den entlegensten Punkten eine Fahne gerade an den schwerst zug?nglichen Stellen von Kirchen u. s. w. befestigt; so wurden die Hamburger überrascht durch eine solche an der Spitze des Thurmes von St. Michael, die Türken auf dem h?chsten Minaret der heiligen Sophien-Moschee, die Einwohner von Rouen an der Spitze des metallenen Pfeiles ihrer Kathedrale, die Stra?burger am obersten Punkte des Münsters, die Amerikaner auf dem Kopfe ihrer Bilds?ule der Freiheit am Eingange des Hafens und am Gipfel des Washington-Denkmals in Boston, die Chinesen an der Spitze des Tempels der fünfhundert Geister in Canton, die Hindus am sechzehnten Stockwerk der Pyramide des Tempels zu Tanjur, die R?mer am Kreuze des St. Peters-Domes, die Engl?nder am Kreuz der St. Pauls-Kirche in London, die Egypter an der obersten Spitze der Pyramide von Gizeh, die Wiener an dem Reichsadler auf der Spitze des St. Stephansthurmes, die Pariser am Blitzableiter des dreihundert Meter hohen eisernen Thurmes der Ausstellung von 1889 und noch andere mehr.

Diese Fahne aber zeigte ein schwarzes Flaggentuch, das in der Mitte eine goldene Sonne und ringsum verstreut einzelne Sterne enthielt.

* * *

Free to Download MoboReader
(← Keyboard shortcut) Previous Contents (Keyboard shortcut →)
 Novels To Read Online Free

Scan the QR code to download MoboReader app.

Back to Top

shares