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   Chapter 2 No.2

Das Nibelungenlied By Unknown Characters: 547030

Updated: 2017-11-30 00:04


Einem Ritter wohlgeboren im sch?nen Schwabenland

War von dem weisen K?nige die M?re wohlbekannt,

Der den Hort versenken lie? in des Rheines Flut:

Wie er ihm nachspüre erwog er lang in seinem Muth.

"Darunter lag von Golde ein Wunschrüthelein;

Wenn ich den Hort erwürbe, mein eigen müst es sein:

Wer Meister w?r der Gerte, das ist mir wohl bekannt,

Dem w?r sie nicht zu Kaufe um alles kaiserliche Land."

Auf seinem Streitrosse mit Harnisch, Schild und Schwert

Verlie? der Heimat Gauen der stolze Degen werth:

Nach Lochheim wollt er reiten bei Worms an dem Rhein,

Wo die Sch?tze sollten in der Flut begraben sein.

Der werthe Held vertauschte sein ritterlich Gewand

Mit eines Fischers Kleide, den er am Ufer fand,

Den Helm mit dem Barete, sein getreues Ross

Mit einem guten Schifflein, das lustig auf den Wellen flo?.

Seine Waffe war das Ruder, die Stange war sein Sper:

So kreuzt er auf den Wellen manch lieben Tag umher

Und fischte nach dem Horte; die Zeit war ihm nicht lang;

Er erholte von der Arbeit sich bei Zechgelag und Gesang.

Um das alte Wormes und tiefer um den Rhein

Bis sich die Berge senken, da w?chst ein guter Wein:

Er gleicht so recht an Farbe dem Nibelungengold,

Das in der Flut zerronnen in der Reben Adern rollt.

Den trank er alle Tage, beides, sp?t und früh,

Wenn er Rast sich g?nnte von der Arbeit Müh.

Er war so rein und lauter, er war so hell und gut,

Er st?rkte seine Sinne und erh?ht' ihm Kraft und Muth.

Auch h?rt er M?re singen, die sang der Degen nach,

Von Alberich dem Zwerge, der des Hortes pflag,

Von hohem Liebeswerben, von Siegfriedens Tod,

Von Kriemhilds grauser Rache und der Nibelungen Noth.

Da nahm der Degen wieder das Ruder an die Hand

Und forschte nach dem Horte am weingrünen Strand.

Mit Hacken und mit Schaufeln drang er auf den Grund,

Mit Netzen und mit Stangen: ihm wurden Mühsale kund.

Von des Weines Güte empfieng er Kraft genug,

Da? er des Tags Beschwerde wohlgemuth ertrug.

Sein Lied mit stolzer Fülle aus der Kehle drang,

Da? es nachgesungen von allen Bergen wiederklang.

So schifft' er immer weiter zu Thal den grünen Rhein,

Nach dem Horte forschend bei Hochgesang und Wein.

Am gro?en Loch bei Bingen erst seine Stimme schwoll,

Hei! wie ein starkes Singen an der Lurlei widerscholl!

Doch fand er in der Tiefe vom Golde keine Spur,

Nicht in des Stromes Bette, im Becher blinkt' es nur.

Da sprach der biedre Degen: "Nun leuchtet erst mir ein:

Ich gieng den Hort zu suchen: der gro?e Hort, das ist der Wein.

"Der hat aus alten Zeiten noch bewahrt die Kraft,

Da? er zu gro?en Thaten erregt die Ritterschaft.

Aus der Berge Schachten stammt sein Feuergeist,

Der den bl?den S?nger in hohen Thaten unterweist.

"Er hat aus alten Zeiten mir ein Lied vertraut,

Wie er zuerst der Wogen verborgnen Grund geschaut;

Wie Siegfried ward erschlagen um schn?den Golds Gewinn

Und wie ihr Leid gerochen Kriemhild, die edle K?nigin.

"Mein Schifflein la? ich fahren, die Gier des Goldes flieht,

Der Hort ward zu Weine, der Wein ward mir zum Lied,

Zum Liede, das man gerne nach tausend Jahren singt

Und das in diesen Tagen von allen Zungen wiederklingt.

"Ich gieng den Hort zu suchen, mein Sang, das ist der Hort,

Es begrub ihn nicht die Welle, er lebt unsterblich fort."

Sein Schifflein lie? er fahren und sang sein Lied im Land:

Das ward vor allen K?nigen, vor allen Kaisern bekannt.

Laut ward es gesungen im Lande weit und breit,

Hat neu sich aufgeschwungen in dieser sp?ten Zeit.

Nun m?gt ihr erst verstehen, ein altgesprochen Wort:

"Das Lied der Nibelungen, das ist der Nibelungenhort."

K. S.

* * * * *

Das Nibelungenlied.

Erstes Abenteuer.

Wie Kriemhilden tr?umte.

Viel Wunderdinge melden die M?ren alter Zeit 1

Von preiswerthen Helden, von gro?er Kühnheit,

Von Freud und Festlichkeiten, von Weinen und von Klagen,

Von kühner Recken Streiten m?gt ihr nun Wunder h?ren sagen.

Es wuchs in Burgunden solch edel M?gdelein, 2

Da? in allen Landen nichts Sch?nres mochte sein.

Kriemhild war sie gehei?en, und ward ein sch?nes Weib,

Um die viel Degen musten verlieren Leben und Leib.

Die Minnigliche lieben brachte Keinem Scham; 3

Um die viel Recken warben, Niemand war ihr gram.

Sch?n war ohne Ma?en die edle Maid zu schaun;

Der Jungfrau h?fsche Sitte w?r eine Zier allen Fraun.

Es pflegten sie drei K?nige edel und reich, 4

Gunther und Gernot, die Recken ohne Gleich,

Und Geiselher der junge, ein auserw?hlter Degen;

Sie war ihre Schwester, die Fürsten hatten sie zu pflegen.

Die Herren waren milde, dazu von hohem Stamm, 5

Unma?en kühn nach Kr?ften, die Recken lobesam.

Nach den Burgunden war ihr Land genannt;

Sie schufen starke Wunder noch seitdem in Etzels Land.

In Worms am Rheine wohnten die Herrn in ihrer Kraft. 6

Von ihren Landen diente viel stolze Ritterschaft

Mit rühmlichen Ehren all ihres Lebens Zeit,

Bis j?mmerlich sie starben durch zweier edeln Frauen Streit.

Ute hie? ihre Mutter, die reiche K?nigin, 7

Und Dankrat ihr Vater, der ihnen zum Gewinn

Das Erbe lie? im Tode, vordem ein starker Mann,

Der auch in seiner Jugend gro?er Ehren viel gewann.

Die drei K?nge waren, wie ich kund gethan, 8

Stark und hohen Muthes; ihnen waren unterthan

Auch die besten Recken, davon man hat gesagt,

Von gro?er Kraft und Kühnheit, in allen Streiten unverzagt.

Das war von Tronje Hagen, und der Bruder sein, 9

Dankwart der Schnelle, von Metz Herr Ortewein,

Die beiden Markgrafen Gere und Eckewart,

Volker von Alzei, an allen Kr?ften wohlbewahrt,

Rumold der Küchenmeister, ein theuerlicher Degen, 10

Sindold und Hunold: die Herren musten pflegen

Des Hofes und der Ehren, den K?ngen unterthan.

Noch hatten sie viel Recken, die ich nicht alle nennen kann.

Dankwart war Marschall; so war der Neffe sein 11

Truchse? des K?nigs, von Metz Herr Ortewein.

Sindold war Schenke, ein waidlicher Degen,

Und K?mmerer Hunold: sie konnten hoher Ehren pflegen.

Von des Hofes Ehre von ihrer weiten Kraft, 12

Von ihrer hohen Würdigkeit und von der Ritterschaft,

Wie sie die Herren übten mit Freuden all ihr Leben,

Davon wei? wahrlich Niemand euch volle Kunde zu geben.

In ihren hohen Ehren tr?umte Kriemhilden, 13

Sie z?g einen Falken, stark-, sch?n- und wilden;

Den griffen ihr zwei Aare, da? sie es mochte sehn:

Ihr konnt auf dieser Erde gr??er Leid nicht geschehn.

Sie sagt' ihrer Mutter den Traum, Frau Uten: 14

Die wust ihn nicht zu deuten als so der guten:

"Der Falke, den du ziehest, das ist ein edler Mann:

Ihn wolle Gott behüten, sonst ist es bald um ihn gethan."

"Was sagt ihr mir vom Manne, vielliebe Mutter mein? 15

Ohne Reckenminne will ich immer sein;

So sch?n will ich verbleiben bis an meinen Tod,

Da? ich von Mannesminne nie gewinnen m?ge Noth."

"Verred es nicht so v?llig," die Mutter sprach da so, 16

"Sollst du je auf Erden von Herzen werden froh,

Das geschieht von Mannesminne: du wirst ein sch?nes Weib,

Will Gott dir noch verg?nnen eines guten Ritters Leib."

"Die Rede la?t bleiben, vielliebe Mutter mein. 17

Es hat an manchen Weiben gelehrt der Augenschein,

Wie Liebe mit Leide am Ende gerne lohnt;

Ich will sie meiden beide, so bleib ich sicher verschont!"

Kriemhild in ihrem Muthe hielt sich von Minne frei. 18

So lief noch der guten manch lieber Tag vorbei,

Da? sie Niemand wuste, der ihr gefiel zum Mann,

Bis sie doch mit Ehren einen werthen Recken gewann.

Das war derselbe Falke, den jener Traum ihr bot, 19

Den ihr beschied die Mutter. Ob seinem frühen Tod

Den n?chsten Anverwandten wie gab sie blutgen Lohn!

Durch dieses Einen Sterben starb noch mancher Mutter Sohn.

* * * * *

Zweites Abenteuer.

Von Siegfrieden.

Da wuchs im Niederlande eines edeln K?nigs Kind, 20

Siegmund hie? sein Vater, die Mutter Siegelind,

In einer m?chtgen Veste, weithin wohlbekannt,

Unten am Rheine, Xanten war sie genannt.

Ich sag euch von dem Degen, wie so sch?n er ward. 21

Er war vor allen Schanden immer wohl bewahrt.

Stark und hohes Namens ward bald der kühne Mann:

Hei! was er gro?er Ehren auf dieser Erde gewann!

Siegfried ward gehei?en der edle Degen gut. 22

Er erprobte viel der Recken in hochbeherztem Muth.

Seine St?rke führt' ihn in manches fremde Land:

Hei! was er schneller Degen bei den Burgunden fand!

Bevor der kühne Degen voll erwuchs zum Mann, 23

Da hatt er solche Wunder mit seiner Hand gethan,

Davon man immer wieder singen mag und sagen;

Wir mü?en viel verschweigen von ihm in heutigen Tagen.

In seinen besten Zeiten, bei seinen jungen Tagen 24

Mochte man viel Wunder von Siegfrieden sagen,

Wie Ehr an ihm erblühte und wie sch?n er war zu schaun:

Drum dachten sein in Minne viel der waidlichen Fraun.

Man erzog ihn mit dem Flei?e, wie ihm geziemend war; 25

Was ihm Zucht und Sitte der eigne Sinn gebar!

Das ward noch eine Zierde für seines Vaters Land,

Da? man zu allen Dingen ihn so recht herrlich fand.

Er war nun so erwachsen, mit an den Hof zu gehn. 26

Die Leute sahn ihn gerne; viel Fraun und M?dchen sch?n

Wünschten wohl, er k?me dahin doch immerdar;

Hold waren ihm gar viele, des ward der Degen wohl gewahr.

Selten ohne Hüter man reiten lie? das Kind. 27

Mit Kleidern hie? ihn zieren seine Mutter Siegelind;

Auch pflegten sein die Weisen, denen Ehre war bekannt:

Drum m?cht er wohl gewinnen so die Leute wie das Land,

Nun war er in der St?rke, da? er wohl Waffen trug: 28

Wes er dazu bedurfte, des gab man ihm genug.

Schon sann er zu werben um manches sch?ne Kind;

Die h?tten wohl mit Ehren den sch?nen Siegfried geminnt.

Da lie? sein Vater Siegmund kund thun seinem Lehn, 29

Mit lieben Freunden woll er ein Hofgelag begehn.

Da brachte man die M?re in andrer K?nge Land.

Den Heimischen und G?sten gab er Ross und Gewand.

Wen man finden mochte, der nach der Eltern Art 30

Ritter werden sollte, die edeln Knappen zart

Lud man nach dem Lande zu der Lustbarkeit,

Wo sie das Schwert empfiengen mit Siegfried zu gleicher Zeit.

Man mochte Wunder sagen von dem Hofgelag. 31

Siegmund und Siegelind gewannen an dem Tag

Viel Ehre durch die Gaben, die spendet' ihre Hand:

Drum sah man viel der Fremden zu ihnen reiten in das Land.

Vierhundert Schwertdegen sollten gekleidet sein 32

Mit dem jungen K?nige. Manch sch?nes M?gdelein

Sah man am Werk gesch?ftig: ihm waren alle hold.

Viel edle Steine legten die Frauen da in das Gold,

Die sie mit Borten wollten auf die Kleider n?hn 33

Den jungen stolzen Recken; das muste so ergehn.

Der Wirth lie? Sitze bauen für manchen kühnen Mann

Zu der Sonnenwende, wo Siegfried Ritters Stand gewann.

Da gieng zu einem Münster mancher reiche Knecht 34

Und viel der edeln Ritter. Die Alten thaten recht,

Da? sie den Jungen dienten, wie ihnen war geschehn,

Sie hatten Kurzweile und freuten sich es zu sehn.

Als man da Gott zu Ehren eine Messe sang, 35

Da hub sich von den Leuten ein gewaltiger Drang,

Da sie zu Rittern wurden dem Ritterbrauch gem??

Mit also hohen Ehren, so leicht nicht wieder gesch?hs.

Sie eilten, wo sie fanden geschirrter Rosse viel. 36

Da ward in Siegmunds Hofe so laut das Ritterspiel,

Da? man ertosen h?rte Pallas und Saal.

Die hochbeherzten Degen begannen fr?hlichen Schall.

Von Alten und von Jungen mancher Sto? erklang, 37

Da? der Sch?fte Brechen in die Lüfte drang.

Die Splitter sah man fliegen bis zum Saal hinan.

Die Kurzweile sahen die Fraun und M?nner mit an.

Der Wirth bat es zu la?en. Man zog die Rosse fort; 38

Wohl sah man auch zerbrochen viel starke Schilde dort

Und viel der edeln Steine auf das Gras gef?llt

Von des lichten Schildes Spangen: die hatten St??e zerschellt.

Da setzten sich die G?ste, wohin man ihnen rieth, 39

zu Tisch, wo von Ermüdung viel edle Kost sie schied

Und Wein der allerbeste, des man die Fülle trug.

Den Heimischen und Fremden bot man Ehren da genug.

So viel sie Kurzweile gefunden all den Tag, 40

Das fahrende Gesinde doch keiner Ruhe pflag:

Sie dienten um die Gabe, die man da reichlich fand;

Ihr Lob ward zur Zierde K?nig Siegmunds ganzem Land.

Da lie? der Fürst verleihen Siegfried, dem jungen Mann, 41

Das Land und die Burgen, wie sonst er selbst gethan.

Seinen Schwertgeno?en gab er mit milder Hand:

So freute sie die Reise, die sie geführt in das Land.

Das Hofgelage w?hrte bis an den siebten Tag. 42

Sieglind die reiche der alten Sitte pflag,

Da? sie dem Sohn zu Liebe vertheilte rothes Gold:

Sie k?nnt es wohl verdienen, da? ihm die Leute waren hold.

Da war zuletzt kein armer Fahrender mehr im Land. 43

Ihnen stoben Kleider und Rosse von der Hand,

Als h?tten sie zu leben nicht mehr denn einen Tag.

Man sah nie Ingesinde, das so gro?er Milde pflag.

Mit preiswerthen Ehren zergieng die Lustbarkeit. 44

Man h?rte wohl die Reichen sagen nach der Zeit,

Da? sie dem Jungen gerne w?ren unterthan;

Das begehrte nicht Siegfried, dieser waidliche Mann.

So lange sie noch lebten, Siegmund und Siegelind, 45

Wollte nicht Krone tragen der beiden liebes Kind;

Doch wollt er herrlich wenden alle die Gewalt,

Die in den Landen fürchtete der Degen kühn und wohlgestalt.

Ihn durfte Niemand schelten: seit er die Waffen nahm, 46

Pflag er der Ruh nur selten, der Recke lobesam.

Er suchte nur zu streiten und seine starke Hand

Macht' ihn zu allen Zeiten in fremden Reichen wohlbekannt.

* * * * *

Drittes Abenteuer.

Wie Siegfried nach Worms kam.

Den Herrn beschwerte selten irgend ein Herzeleid. 47

Er h?rte Kunde sagen, wie eine sch?ne Maid

Bei den Burgunden w?re, nach Wünschen wohlgethan,

Von der er bald viel Freuden und auch viel Leides gewann.

Von ihrer hohen Sch?ne vernahm man weit und breit, 48

Und auch ihr Hochgemüthe ward zur selben Zeit

Bei der Jungfrauen den Helden oft bekannt:

Das ladete der G?ste viel in K?nig Gunthers Land.

So viel um ihre Minne man Werbende sah, 49

Kriemhild in ihrem Sinne sprach dazu nicht Ja,

Da? sie einen wollte zum geliebten Mann:

Er war ihr noch gar fremde, dem sie bald ward unterthan.

Dann sann auf hohe Minne Sieglindens Kind: 50

All der Andern Werben war wider ihn ein Wind.

Er mochte wohl verdienen ein Weib so auserw?hlt:

Bald ward die edle Kriemhild dem kühnen Siegfried verm?hlt.

Ihm riethen seine Freunde und Die in seinem Lehn, 51

Hab er st?te Minne sich zum Ziel ersehn,

So soll er werben, da? er sich der Wahl nicht dürfe sch?men.

Da sprach der edle Siegfried: "So will ich Kriemhilden nehmen,

"Die edle K?nigstochter von Burgundenland, 52

Um ihre gro?e Sch?ne. Das ist mir wohl bekannt,

Kein Kaiser sei so m?chtig, h?tt er zu frein im Sinn,

Dem nicht zum minnen ziemte diese reiche K?nigin."

Solche M?re h?rte der K?nig Siegmund. 53

Es sprachen seine Leute: also ward ihm kund

Seines Kindes Wille. Es war ihm h?chlich leid,

Da? er werben wolle um diese herrliche Maid.

Es erfuhr es auch die K?nigin, die edle Siegelind: 54

Die muste gro?e Sorge tragen um ihr Kind,

Weil sie wohl Gunthern kannte und Die in seinem Heer

Die Werbung dem Degen zu verleiden fli? man sich sehr.

Da sprach der kühne Siegfried: "Viel lieber Vater mein, 55

Ohn edler Frauen Minne wollt ich immer sein,

Wenn ich nicht werben dürfte nach Herzensliebe frei."

Was Jemand reden mochte, so blieb er immer dabei.

"Ist dir nicht abzurathen," der K?nig sprach da so, 56

"So bin ich deines Willens von ganzem Herzen froh

Und will dirs fügen helfen, so gut ich immer kann;

Doch hat der K?nig Gunther manchen hochf?hrtgen Mann.

"Und w?r es anders Niemand als Hagen der Degen, 57

Der kann im Uebermuthe wohl der Hochfahrt pflegen,

So da? ich sehr befürchte, es m?g uns werden leid,

Wenn wir werben wollen um diese herrliche Maid."

"Wie mag uns das gef?hrden!" hub da Siegfried an: 58

"Was ich mir im Guten da nicht erbitten kann,

Will ich schon sonst erwerben mit meiner starken Hand,

Ich will von ihm erzwingen so die Leute wie das Land."

"Leid ist mir deine Rede," sprach K?nig Siegmund, 59

"Denn würde diese M?re dort am Rheine kund,

Du dürftest nimmer reiten in K?nig Gunthers Land.

Gunther und Gernot die sind mir lange bekannt.

"Mit Gewalt erwerben kann Niemand die Magd," 60

Sprach der K?nig Siegmund, "das ist mir wohl gesagt;

Willst du jedoch mit Recken reiten in das Land,

Die Freunde, die wir haben, die werden eilends besandt."

"So ist mir nicht zu Muthe," fiel ihm Siegfried ein, 61

"Da? mir Recken sollten folgen an den Rhein

Einer Heerfahrt willen: das w?re mir wohl leid,

Sollt ich damit erzwingen diese herrliche Maid.

"Ich will sie schon erwerben allein mit meiner Hand. 62

Ich will mit zw?lf Gesellen in K?nig Gunthers Land;

Dazu sollt ihr mir helfen, Vater Siegmund."

Da gab man seinen Degen zu Kleidern grau und auch bunt.

Da vernahm auch diese M?re seine Mutter Siegelind; 63

Sie begann zu trauern um ihr liebes Kind:,

Sie bangt' es zu verlieren durch Die in Gunthers Heer.

Die edle K?nigstochter weinte darüber sehr.

Siegfried der Degen gieng hin, wo er sie sah. 64

Wider seine Mutter gütlich sprach er da:

"Frau, ihr sollt nicht weinen um den Willen mein:

Wohl will ich ohne Sorgen vor allen Weiganden sein.

"Nun helft mir zu der Reise nach Burgundenland, 65

Da? mich und meine Recken ziere solch Gewand,

Wie so stolze Degen mit Ehren m?gen tragen:

Dafür will ich immer den Dank von Herzen euch sagen."

"Ist dir nicht abzurathen," sprach Frau Siegelind, 66

So helf ich dir zur Reise, mein einziges Kind,

Mit den besten Kleidern, die je ein Ritter trug,

Dir und deinen Degen: ihr sollt der haben genug."

Da neigte sich ihr dankend Siegfried der junge Mann. 67

Er sprach: "Nicht mehr Gesellen nehm ich zur Fahrt mir an

Als der Recken zw?lfe: verseht die mit Gewand.

Ich m?chte gern erfahren, wie's um Kriemhild sei bewandt."

Da sa?en sch?ne Frauen über Nacht und Tag, 68

Da? ihrer selten Eine der Mu?e eher pflag,

Bis sie gefertigt hatten Siegfriedens Staat.

Er wollte seiner Reise nun mit nichten haben Rath.

Sein Vater hie? ihm zieren sein ritterlich Gewand, 69

Womit er r?umen wollte K?nig Siegmunds Land.

Ihre lichten Panzer die wurden auch bereit

Und ihre festen Helme, ihre Schilde sch?n und breit.

Nun sahen sie die Reise zu den Burgunden nahn. 70

Um sie begann zu sorgen beides, Weib und Mann,

Ob sie je wiederkommen sollten in das Land.

Sie geboten aufzus?umen die Waffen und das Gewand.

Sch?n waren ihre Rosse, ihr Reitzeug goldesroth; 71

Wenn wer sich h?her dauchte, so war es ohne Noth,

Als der Degen Siegfried und Die ihm unterthan.

Nun hielt er um Urlaub zu den Burgunden an.

Den gaben ihm mit Trauern K?nig und K?nigin. 72

Er tr?stete sie beide mit minniglichem Sinn

Und sprach: "Ihr sollt nicht weinen um den Willen mein:

Immer ohne Sorgen m?gt ihr um mein Leben sein."

Es war leid den Recken, auch weinte manche Maid; 73

Sie ahnten wohl im Herzen, da? sie es nach der Zeit

Noch schwer entgelten müsten durch lieber Freunde Tod.

Sie hatten Grund zu klagen, es that ihnen wahrlich Noth.

Am siebenten Morgen zu Worms an den Strand 74

Ritten schon die Kühnen; all ihr Gewand

War von rothem Golde, ihr Reitzeug wohlbestellt;

Ihnen giengen sanft die Rosse, die sich da Siegfried gesellt.

Neu waren ihre Schilde, licht dazu und breit, 75

Und sch?n ihre Helme, als mit dem Geleit

Siegfried der kühne ritt in Gunthers Land.

Man ersah an Helden nie mehr so herrlich Gewand.

Der Schwerter Enden giengen nieder auf die Sporen; 76

Scharfe Spere führten die Ritter auserkoren.

Von zweier Spannen Breite war, welchen Siegfried trug;

Der hatt an seinen Schneiden grimmer Sch?rfe genug.

Goldfarbne Z?ume führten sie an der Hand; 77

Der Brustriem war von Seide: so kamen sie ins Land.

Da gafften sie die Leute allenthalben an:

Gunthers Mannen liefen sie zu empfangen heran.

Die hochbeherzten Recken, Ritter so wie Knecht, 78

Liefen den Herrn entgegen, so war es Fug und Recht,

Und begrü?ten diese G?ste in ihrer Herren Land;

Die Pferde nahm man ihnen und die Schilde von der Hand.

Da wollten sie die Rosse ziehn zu ihrer Rast; 79

Da sprach aber Siegfried alsbald, der kühne Gast:

"La?t uns noch die Pferde stehen kurze Zeit:

Wir reiten bald von hinnen; dazu bin ich ganz bereit.

"Man soll uns auch die Schilde nicht von dannen tragen; 80

Wo ich den K?nig finde, kann mir das Jemand sagen,

Gunther den reichen aus Burgundenland?"

Da sagt' es ihm Einer, dem es wohl war bekannt.

"Wollt ihr den K?nig finden, das mag gar leicht geschehn: 81

In jenem weiten Saale hab ich ihn gesehn

Unter seinen Helden; da geht zu ihm hinan,

So m?gt ihr bei ihm finden manchen herrlichen Mann."

Nun waren auch die M?ren dem K?nig schon gesagt, 82

Da? auf dem Hofe w?ren Ritter unverzagt:

Sie führten lichte Panzer und herrlich Gewand;

Sie erkenne Niemand in der Burgunden Land.

Den K?nig nahm es Wunder, woher gekommen sei'n 83

Die herrlichen Recken im Kleid von lichtem Schein

Und mit so guten Schilden, so neu und so breit;

Das ihm das Niemand sagte, das war K?nig Gunthern leid.

Zur Antwort gab dem K?nig von Metz Herr Ortewein; 84

Stark und kühnes Muthes mocht er wohl sein:

"Da wir sie nicht erkennen, so hei?t Jemand gehn

Nach meinem Oheim Hagen: dem sollt ihr sie la?en sehn.

"Ihm sind wohl kund die Reiche und alles fremde Land; 85

Erkennt er die Herren, das macht er uns bekannt."

Der K?nig lie? ihn holen und Die in seinem Lehn:

Da sah man ihn herrlich mit Recken hin zu Hofe gehn.

Warum nach ihm der K?nig, frug Hagen da, geschickt? 86

"Es werden fremde Degen in meinem Haus erblickt,

Die Niemand mag erkennen: habt ihr in fremdem Land

Sie wohl schon gesehen? das macht mir, Hagen bekannt."

"Das will ich," sprach Hagen. Zum Fenster schritt er drauf, 87

Da lie? er nach den G?sten den Augen freien Lauf.

Wohl gefiel ihm ihr Ger?the und all ihr Gewand;

Doch waren sie ihm fremde in der Burgunden Land.

Er sprach, woher die Recken auch k?men an den Rhein, 88

Es m?chten selber Fürsten oder Fürstenboten sein.

"Sch?n sind ihre Rosse und ihr Gewand ist gut;

Von wannen sie auch ritten, es sind Helden hochgemuth."

Also sprach da Hagen: "Soviel ich mag verstehn, 89

Hab ich gleich im Leben Siegfrieden nie gesehn,

So will ich doch wohl glauben, wie es damit auch steht,

Da? er es sei, der Degen, der so herrlich dorten geht.

"Er bringt neue M?ren her in dieses Land: 90

Die kühnen Nibelungen schlug des Helden Hand,

Die reichen K?nigss?hne Schilbung und Nibelung;

Er wirkte gro?e Wunder mit des starken Armes Schwung.

"Als der Held alleine ritt aller Hülfe bar, 91

Fand er an einem Berge, so h?rt ich immerdar,

Bei K?nig Niblungs Horte manchen kühnen Mann;

Sie waren ihm gar fremde, bis er hier die Kunde gewann.

"Der Hort K?nig Nibelungs ward hervorgetragen 92

Aus einem hohlen Berge: nun h?rt Wunder sagen,

Wie ihn theilen wollten Die Niblung unterthan.

Das sah der Degen Siegfried, den es zu wundern begann.

"So nah kam er ihnen, da? er die Helden sah 93

Und ihn die Degen wieder. Der Eine sagte da:

"Hier kommt der starke Siegfried, der Held aus Niederland."

Seltsame Abenteuer er bei den Nibelungen fand.

"Den Recken wohl empfiengen Schilbung und Nibelung. 94

Einhellig baten die edeln Fürsten jung,

Da? ihnen theilen m?chte den Schatz der kühne Mann:

Das begehrten sie, bis endlich ers zu geloben begann.

"Er sah so viel Gesteines, wie wir h?ren sagen, 95

Hundert Leiterwagen die m?chten es nicht tragen,

Noch mehr des rothen Goldes von Nibelungenland:

Das Alles sollte theilen des kühnen Siegfriedes Hand.

"Sie gaben ihm zum Lohne K?nig Niblungs Schwert: 96

Da wurden sie des Dienstes gar übel gew?hrt,

Den ihnen leisten sollte Siegfried der Degen gut.

Er k?nnt es nicht vollbringen: sie hatten zornigen Muth.

"So must er ungetheilet die Sch?tze la?en stehn. 97

Da bestanden ihn die Degen in der zwei K?nge Lehn:

Mit ihres Vaters Schwerte, das Balmung war genannt,

Stritt ihnen ab der Kühne den Hort und Nibelungenland

"Da hatten sie zu Freunden kühne zw?lf Mann, 98

Die starke Riesen waren: was konnt es sie verfahn?

Die erschlug im Zorne Siegfriedens Hand

Und siebenhundert Recken zwang er vom Nibelungenland.

"Mit dem guten Schwerte, gehei?en Balmung. 99

Vom Schrecken überw?ltigt war mancher Degen jung

Zumal vor dem Schwerte und vor dem kühnen Mann:

Das Land mit den Burgen machten sie ihm unterthan.

"Dazu die reichen K?nige die schlug er beide todt. 100

Er kam durch Albrichen darauf in gro?e Noth:

Der wollte seine Herren r?chen allzuhand,

Eh er die gro?e St?rke noch an Siegfrieden fand.

"Mit Streit bestehen konnt ihn da nicht der starke Zwerg. 101

Wie die wilden Leuen liefen sie an den Berg,

Wo er die Tarnkappe Albrichen abgewann:

Da war des Hortes Meister Siegfried der schreckliche Mann.

"Die sich getraut zu fechten, die lagen all erschlagen. 102

Den Schatz lie? er wieder nach dem Berge tragen,

Dem ihn entnommen hatten Die Niblung unterthan.

Alberich der starke das Amt des K?mmrers gewann.

"Er must ihm Eide schw?ren, er dien ihm als sein Knecht, 103

Zu aller Art Diensten ward er ihm gerecht."

So sprach von Tronje Hagen: "Das hat der Held gethan;

Also gro?e Kr?fte nie mehr ein Recke gewann.

"Noch ein Abenteuer ist mir von ihm bekannt: 104

Einen Linddrachen schlug des Helden Hand;

Als er im Blut sich badete, ward h?rnern seine Haut.

So versehrt ihn keine Waffe: das hat man oft an ihm geschaut.

"Man soll ihn wohl empfangen, der beste Rath ist das, 105

Damit wir nicht verdienen des schnellen Recken Ha?.

Er ist so kühnes Sinnes, man seh ihn freundlich an:

Er hat mit seinen Kr?ften so manche Wunder gethan."

Da sprach der m?chtge K?nig: "Gewiss, du redest wahr: 106

Nun sieh, wie stolz er dasteht vor des Streits Gefahr,

Dieser kühne Degen und Die in seinem Lehn!

Wir wollen ihm entgegen hinab zu dem Recken gehn."

"Das m?gt ihr," sprach da Hagen, "mit allen Ehren schon: 107

Er ist von edelm Stamme eines reichen K?nigs Sohn;

Auch hat er die Geb?re, mich dünkt, beim Herren Christ,

Es sei nicht kleine M?re, um die er hergeritten ist."

Da sprach der Herr des Landes: "Nun sei er uns willkommen. 108

Er ist kühn und edel, das hab ich wohl vernommen;

Des soll er auch genie?en im Burgundenland."

Da gieng der K?nig Gunther hin, wo er Siegfrieden fand.

Der Wirth und seine Recken empfiengen so den Mann, 109

Da? wenig an dem Gru?e gebrach, den er gewann;

Des neigte sich vor ihnen der Degen ausersehn

In gro?en Züchten sah man ihn mit seinen Recken stehn.

"Mich wundert diese M?re," sprach der Wirth zuhand, 110

"Von wannen, edler Siegfried, ihr kamt in dieses Land

Oder was ihr wollet suchen zu Worms an dem Rhein?"

Da sprach der Gast zum K?nig: "Das soll euch unverhohlen sein.

"Ich habe sagen h?ren in meines Vaters Land, 111

An euerm Hofe w?ren, das h?tt ich gern erkannt,

Die allerkühnsten Recken, so hab ich oft vernommen,

Die je gewann ein K?nig: darum bin ich hieher gekommen.

"So h?r ich auch euch selber viel Mannheit zugestehn, 112

Man habe keinen K?nig noch je so kühn gesehn.

Das rühmen viel der Leute in all diesem Land;

Nun kann ichs nicht verwinden, bis ich die Wahrheit befand.

"Ich bin auch ein Recke und soll die Krone tragen: 113

Ich m?cht es gerne fügen, da? sie von mir sagen,

Da? ich mit Recht bes??e die Leute wie das Land.

Mein Haupt und meine Ehre setz ich dawider zu Pfand.

Wenn ihr denn so kühn seid, wie euch die Sage zeiht, 114

So frag ich nicht, ists Jemand lieb oder leid:

Ich will von euch erzwingen, was euch angeh?rt,

Das Land und die Burgen unterwerf ich meinem Schwert."

Der K?nig war verwundert und all sein Volk umher, 115

Als sie vernahmen sein seltsam Begehr,

Da? er ihm zu nehmen ged?chte Leut und Land.

Das h?rten seine Degen, die wurden zornig zuhand.

"Wie sollt ich das verdienen," sprach Gunther der Degen, 116

Wes mein Vater lange mit Ehren durfte pflegen,

Da? wir das verl?ren durch Jemands Ueberkraft?

Das w?re schlecht bewiesen, da? wir auch pflegen Ritterschaft!"

"Ich will davon nicht la?en," fiel ihm der Kühne drein, 117

"Von deinen Kr?ften m?ge dein Land befriedet sein,

Ich will es nun verwalten; doch auch das Erbe mein,

Erwirbst du es durch St?rke, es soll dir unterth?nig sein.

"Dein Erbe wie das meine wir schlagen gleich sie an, 118

Und wer von uns den Andern überwinden kann,

Dem soll es alles dienen, die Leute wie das Land."

Dem widersprach da Hagen und mit ihm Gernot zuhand.

"So stehn uns nicht die Sinne," sprach da Gernot, 119

"Nach neuen Lands Gewinne, da? Jemand sollte todt

Vor Heldesh?nden liegen: reich ist unser Land,

Das uns mit Recht gehorsamt, zu Niemand be?er bewandt."

In grimmigem Muthe standen da die Freunde sein. 120

Da war auch darunter von Metz Herr Ortewein.

Der Sprach: "Die Sühne ist mir von Herzen leid:

Euch ruft der starke Siegfried ohn allen Grund in den Streit.

"Wenn ihr und eure Brüder ihm auch nicht steht zur Wehr, 121

Und ob er bei sich führte ein ganzes K?nigsheer,

So wollt ichs doch erstreiten, da? der starke Held

Also hohen Uebermuth, wohl mit Recht bei Seite stellt."

Darüber zürnte m?chtig der Held von Niederland: 122

"Nicht wider mich verme?en darf sich deine Hand:

Ich bin ein reicher K?nig, du bist in K?nigs Lehn;

Deiner zw?lfe dürften mich nicht im Streite bestehn."

Nach Schwertern rief da heftig von Metz Herr Ortewein: 123

Er durfte Hagens Schwestersohn von Tronje wahrlich sein;

Da? er so lang geschwiegen, das war dem K?nig leid.

Da sprach zum Frieden Gernot, ein Ritter kühn und allbereit.

"La?t euer Zürnen bleiben," hub er zu Ortwein an, 124

"Uns hat der edle Siegfried noch solches nicht gethan;

Wir scheiden es in Güte wohl noch, das rath ich sehr,

Und haben ihn zum Freunde; es geziemt uns wahrlich mehr."

Da sprach der starke Hagen "Uns ist billig leid 125 und all euern Degen, da? er je zum Streit an den Rhein geritten: was lie? er das nicht sein? So übel nie begegnet w?ren ihm die Herren mein."

Da sprach wieder Siegfried, der kraftvolle Held: 126

"Wenn euch, was ich gesprochen, Herr Hagen, missf?llt,

So will ich schauen la?en, wie noch die H?nde mein

Gedenken so gewaltig bei den Burgunden zu sein."

"Das hoff ich noch zu wenden," sprach da Gernot. 127

Allen seinen Degen zu reden er verbot

In ihrem Uebermuthe, was ihm w?re leid.

Da gedacht auch Siegfried an die viel herrliche Maid.

"Wie geziemt' uns mit euch zu streiten?" sprach wieder Gernot 128

"Wie viel dabei der Helden auch fielen in den Tod,

Wenig Ehre br?cht uns so ungleicher Streit."

Die Antwort hielt da Siegfried, K?nig Siegmunds Sohn, bereit:

Warum z?gert Hagen und auch Ortewein, 129

Da? er nicht zum Streite eilt mit den Freunden sein,

Deren er so manchen bei den Burgunden hat?"

Sie blieben Antwort schuldig, das war Gernotens Rath.

"Ihr sollt uns willkommen sein," sprach Geiselher das Kind, 130

"Und eure Heergesellen, die hier bei euch find:

Wir wollen gern euch dienen, ich und die Freunde mein."

Da hie? man den G?sten schenken K?nig Gunthers Wein.

Da sprach der Wirth des Landes: "Alles, was uns geh?rt, 131

Verlangt ihr es in Ehren, das sei euch unverwehrt;

Wir wollen mit euch theilen unser Gut und Blut."

Da ward dem Degen Siegfried ein wenig sanfter zu Muth.

Da lie? man ihnen wahren all ihr Wehrgewand; 132

Man suchte Herbergen, die besten, die man fand:

Siegfriedens Knappen schuf man gut Gemach.

Man sah den Fremdling gerne in Burgundenland hernach.

Man bot ihm gro?e Ehre darauf in manchen Tagen, 133

Mehr zu tausend Malen, als ich euch k?nnte sagen;

Das hatte seine Kühnheit verdient, das glaubt fürwahr.

Ihn sah wohl selten Jemand, der ihm nicht gewogen war.

Fli?en sich der Kurzweil die K?nge und ihr Lehn, 134

So war er st?ts der Beste, was man auch lie? geschehn.

Es konnt ihm Niemand folgen, so gro? war seine Kraft,

Ob sie den Stein warfen oder scho?en den Schaft.

Nach h?fscher Sitte lie?en sich auch vor den Fraun 135

Der Kurzweile pflegend die kühnen Ritter schaun:

Da sah man st?ts den Helden gern von Niederland;

Er hatt auf hohe Minne seine Sinne gewandt.

Die sch?nen Fraun am Hofe erfragten M?re, 136

Wer der stolze fremde Recke w?re.

"Er ist so sch?n gewachsen, so reich ist sein Gewand!"

Da sprachen ihrer Viele: "Das ist der Held von Niederland."

Was man beginnen wollte, er war dazu bereit; 137

Er trug in seinem Sinne eine minnigliche Maid,

Und auch nur ihn die Sch?ne, die er noch nie gesehn,

Und die sich doch viel Gutes von ihm schon heimlich versehn.

Wenn man auf dem Hofe das Waffenspiel begann, 138

Ritter so wie Knappen, immer sah es an

Kriemhild aus den Fenstern, die K?nigstochter hehr;

Keiner andern Kurzweil hinfort bedurfte sie mehr.

Und wüst er, da? ihn s?he, die er im Herzen trug, 139

Davon h?tt er Kurzweil immerdar genug.

Ers?hn sie seine Augen, ich glaube sicherlich,

Keine andre Freude hier auf Erden wünscht' er sich.

Wenn er bei den Recken auf dem Hofe stand, 140

Wie man noch zur Kurzweil pflegt in allem Land,

Wie stand dann so minniglich das Sieglindenkind,

Da? manche Frau ihm heimlich war von Herzen hold gesinnt.

Er gedacht auch manchmal: "Wie soll das geschehn, 141

Da? ich das edle M?gdlein mit Augen m?ge sehn,

Die ich von Herzen minne, wie ich schon l?ngst gethan?

Die ist mir noch gar fremde; mit Trauern denk ich daran."

So oft die reichen K?nige ritten in ihr Land, 142

So musten auch die Recken mit ihnen all zur Hand.

Auch Siegfried ritt mit ihnen: das war der Frauen leid;

Er litt von ihrer Minne auch Beschwer zu mancher Zeit.

So wohnt' er bei den Herren, das ist alles wahr, 143

In K?nig Gunthers Lande v?lliglich ein Jahr,

Da? er die Minnigliche in all der Zeit nicht sah,

Durch die ihm bald viel Liebes und auch viel Leides geschah.

* * * * *

Viertes Abenteuer.

Wie Siegfried mit den Sachsen stritt.

Da kamen fremde M?ren in K?nig Gunthers Land 144

Durch Boten aus der Ferne ihnen zugesandt

Von unbekannten Recken, die ihnen trugen Ha?

Als sie die Rede h?rten, gar sehr betrübte sie das.

Die will ich euch nennen: es war Lüdeger 145

Aus der Sachsen Lande, ein m?chtger K?nig hehr;

Dazu vom D?nenlande der K?nig Lüdegast:

Die gewannen zu dem Kriege gar manchen herrlichen Gast.

Ihre Boten kamen in K?nig Gunthers Land, 146

Die seine Widersacher hatten hingesandt.

Da frug man um die M?re die Unbekannten gleich

Und führte bald die Boten zu Hofe vor den K?nig reich.

Sch?n grü?te sie der K?nig und sprach: "Seid willkommen! 147

Wer euch hieher gesendet, hab ich noch nicht vernommen:

Das sollt ihr h?ren la?en," sprach der K?nig gut.

Da bangten sie gewaltig vor des grimmen Gunther Muth.

"Wollt ihr uns, Herr, erlauben, da? wir euch Bericht 148

Von unsrer M?re sagen, wir hehlen sie euch nicht.

Wir nennen euch die Herren, die uns hieher gesandt:

Lüdegast und Lüdeger die suchen heim euer Land.

Ihren Zorn habt ihr verdienet: wir vernahmen das 149

Gar wohl, die Herren tragen euch beide gro?en Ha?.

Sie wollen heerfahrten gen Worms an den Rhein;

Ihnen helfen viel der Degen: la?t euch das zur Warnung sein.

"Binnen zw?lf Wochen mu? ihre Fahrt geschehn; 150

Habt ihr nun guter Freunde, so la?t es bald ersehn,

Die euch befrieden helfen die Burgen und das Land:

Hier werden sie verhauen manchen Helm und Schildesrand.

"Oder wollt ihr unterhandeln, so macht es offenbar; 151

So reitet euch so nahe nicht gar manche Schar

Eurer starken Feinde zu bitterm Herzeleid,

Davon verderben mü?en viel der Ritter kühn im Streit."

"Nun harrt eine Weile (ich künd euch meinen Muth), 152

Bis ich mich recht bedachte," sprach der K?nig gut.

"Hab ich noch Getreue, denen will ichs sagen,

Diese schwere Botschaft mu? ich meinen Freunden klagen."

Dem m?chtigen Gunther war es leid genug; 153

Den Botenspruch er heimlich in seinem Herzen trug.

Er hie? berufen Hagen und Andr' in seinem Lehn

Und hie? auch gar geschwinde zu Hof nach Gernoten gehn.

Da kamen ihm die Besten, so viel man deren fand. 154

Er sprach: "Die Feinde wollen heimsuchen unser Land

Mit starken Heerfahrten; das sei euch geklagt.

Es ist gar unverschuldet, da? sie uns haben widersagt."

"Dem wehren wir mit Schwertern," sprach da Gernot, 155

"Da sterben nur, die mü?en: die la?et liegen todt.

Ich werde nicht verge?en darum der Ehre mein:

Unsre Widersacher sollen uns willkommen sein."

Da sprach von Tronje Hagen: "Das dünkt mich nicht gut; 156

Lüdegast und Lüdeger sind voll Uebermuth.

Wir k?nnen uns nicht sammeln in so kurzen Tagen,"

So sprach der kühne Recke: "ihr sollt es Siegfrieden sagen."

Da gab man den Boten Herbergen in der Stadt. 157

Wie feind sie ihnen waren, sie gut zu pflegen bat

Gunther der reiche, das war wohlgethan,

Bis er erprobt an Freunden, wer ihm zu Hülfe z?g heran.

Der K?nig trug im Herzen Sorge doch und Leid. 158

Da sah ihn also trauern ein Ritter allbereit,

Der nicht wi?en konnte, was ihm war geschehn:

Da bat er K?nig Gunthern, ihm den Grund zu gestehn.

"Mich nimmt h?chlich Wunder," sprach da Siegfried, 159

"Wie die frohe Weise so v?llig von euch schied,

Deren ihr so lange mit uns mochtet pflegen."

Zur Antwort gab ihm Gunther, dieser zierliche Degen:

"Wohl mag ich allen Leuten nicht von dem Leide sagen, 160

Das ich mu? verborgen in meinem Herzen tragen:

St?ten Freunden klagen soll man des Herzens Noth."

Siegfriedens Farbe ward da bleich und wieder roth.

Er sprach zu dem K?nige: "Was blieb euch je versagt? 161

Ich will euch wenden helfen das Leid, das ihr klagt.

Wollt ihr Freunde suchen, so will ich einer sein

Und getrau es zu vollbringen mit Ehren bis ans Ende mein."

"Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried, die Rede dünkt mich gut; 162

Und kann mir auch nicht helfen eure Kraft und hoher Muth,

So freut mich doch die M?re, da? ihr so hold mir seid:

Leb ich noch eine Weile, ich vergelt es mit der Zeit.

Ich will euch h?ren la?en, was mich traurig macht. 163

Von Boten meiner Feinde ward mir hinterbracht,

Mit Heerfahrten k?men sie mich zu suchen hie:

Das geschah uns von Degen in diesen Landen noch nie."

"Das la?t euch nicht betrüben," sprach da Siegfried, 164

"S?nftet eur Gemüthe und thut, wie ich euch rieth:

La?t mich euch erwerben Ehre so wie Frommen,

Bevor eure Feinde her zu diesen Landen kommen.

"Und h?tten drei?igtausend Helfer sich ersehn 165

Eure starken Feinde, doch wollt ich sie bestehn,

H?tt ich auch selbst nur tausend: verla?t euch auf mich."

Da sprach der K?nig Gunther: "Das verdien ich st?ts um dich."

"So hei?t mir eurer Leute gewinnen tausend Mann, 166

Da ich von den Meinen nicht mehr hier stellen kann

Als der Recken zw?lfe; so wehr ich euer Land.

Immer soll getreulich euch dienen Siegfriedens Hand.

"Dazu soll Hagen helfen und auch Ortewein, 167

Dankwart und Sindold, die lieben Recken dein.

Auch soll da mit uns reiten Volker der kühne Mann:

Der soll die Fahne führen: keinen Be?ern trefft ihr an.

"Und la?t die Boten reiten heim in ihrer Herren Land; 168

Da? sie uns bald da sehen, macht ihnen das bekannt,

So da? unsre Burgen befriedet m?gen sein."

Der K?nig hie? besenden Freund und Mannen insgemein.

Zu Hofe giengen wieder Die Lüdeger gesandt; 169

Sie freuten sich der Reise zurück ins Heimatland.

Ihnen bot da reiche Gabe Gunther der K?nig gut

Und sicheres Geleite: des waren sie wohlgemuth.

"Nun sagt," sprach da Gunther, "meinen starken Feinden an, 170

Ihre Reise bliebe be?er ungethan;

Doch wollten sie mich suchen hier in meinem Land,

Wir zerr?nnen denn die Freunde, ihnen werde Noth bekannt."

Den Boten reiche Gaben man da zur Stelle trug: 171

Deren hatte Gunther zu geben genug.

Das durften nicht verschm?hen Die Lüdeger gesandt.

Sie baten um Urlaub und r?umten fr?hlich das Land.

Als die Boten waren gen D?nemark gekommen, 172

Und der K?nig Lüdegast den Bericht vernommen,

Was sie am Rhein geredet, als das ihm ward gesagt,

Seine übermüthge Botschaft ward da bereut und beklagt.

Sie sagten ihm, sie h?tten manch kühnen Mann im Lehn: 173

"Darunter sah man Einen vor K?nig Gunthern stehn,

Der war gehei?en Siegfried, ein Held aus Niederland."

Leid wars Lüdegasten, als er die Dinge so befand.

Als Die vom D?nenlande h?rten diese M?r, 174

Da eilten sie, der Helfer zu gewinnen desto mehr,

Bis der K?nig Lüdegast zwanzigtausend Mann

Seiner kühnen Degen zu seiner Heerfahrt gewann.

Da besandte sich von Sachsen auch K?nig Lüdeger, 175

Bis sie vierzigtausend hatten und wohl mehr,

Die mit ihnen ritten gen Burgundenland.

Da hatt auch schon zu Hause der K?nig Gunther gesandt

Zu seinen n?chsten Freunden und seiner Brüder Heer, 176

Womit sie fahren wollten im Kriegszug einher,

Und auch mit Hagens Recken: das that den Helden Noth.

Darum musten Degen bald erschauen den Tod.

Sie schickten sich zur Reise; sie wollten nun hindann. 177

Die Fahne muste führen Volker der kühne Mann,

Da sie reiten wollten von Worms über Rhein;

Hagen von Tronje der muste Scharmeister sein.

Mit ihnen ritt auch Sindold und der kühne Hunold, 178

Die wohl verdienen konnten reicher K?nge Gold.

Dankwart, Hagens Bruder, und auch Ortewein

Die mochten wohl mit Ehren bei dem Heerzuge sein.

"Herr K?nig," sprach da Siegfried, "bleibet ihr zu Haus: 179

Da mir eure Degen folgen zu dem Strau?,

So weilt bei den Frauen und tragt hohen Muth:

Ich will euch wohl behüten die Ehre so wie das Gut.

"Die euch heimsuchen wollten zu Worms an dem Rhein, 180

Will euch davor bewahren, da? sie euch sch?dlich sei'n:

Wir wollen ihnen reiten so nah ins eigne Land,

Da? ihnen bald in Sorge der Uebermuth wird gewandt."

Vom Rheine sie durch Hessen mit ihren Helden ritten 181

Nach dem Sachsenlande: da wurde bald gestritten.

Mit Raub und mit Brande verheerten sie das Land,

Da? bald den Fürsten beiden ward Noth und Sorge bekannt.

Sie kamen an die Marke; die Knechte rückten an. 182

Siegfried der starke zu fragen da begann:

"Wer soll nun der Hüter des Gesindes sein?"

Wohl konnte nie den Sachsen ein Heerzug übler gedeihn.

Sie sprachen: "La?t der Knappen hüten auf den Wegen 183

Dankwart den kühnen, das ist ein schneller Degen:

Wir verlieren desto minder durch Die in Lüdgers Lehn;

La?t ihn mit Ortweinen hie die Nachhut versehn."

"So will ich selber reiten," sprach Siegfried der Degen, 184

"Den Feinden gegenüber der Warte zu pflegen,

Bis ich recht erkunde, wo die Recken sind."

Da stand bald in den Waffen der sch?nen Siegelinde Kind.

Das Volk befahl er Hagen, als er zog hindann, 185

Ihm und Gernoten, diesem kühnen Mann.

So ritt er hin alleine in der Sachsen Land,

Wo er die rechte M?re wohl bald mit Ehren befand.

Er sah ein gro? Geschwader, das auf dem Felde zog, 186

Und die Kraft der Seinen gewaltig überwog:

Es waren vierzigtausend oder wohl noch mehr.

Siegfried in hohem Muthe sah gar fr?hlich das Heer.

Da hatte sich ein Recke auch aus der Feinde Schar 187

Erhoben auf die Warte, der wohl gewappnet war:

Den sah der Degen Siegfried und ihn der kühne Mann;

Jedweder auf den andern mit Zorn zu blicken begann.

Ich sag euch, wer der w?re, der hier der Warte pflag; 188

Ein lichter Schild von Golde ihm vor der Linken lag.

Es war der K?nig Lüdegast, der hütete sein Heer.

Der edle Fremdling sprengte herrlich wider ihn einher.

Nun hatt auch ihn Herr Lüdegast sich feindlich erkoren: 189

Ihre Rosse reizten Beide zur Seite mit den Sporen;

Sie neigten auf die Schilde mit aller Macht den Schaft:

Da kam der hehre K?nig darob in gro?er Sorgen Haft.

Dem Stich gehorsam trugen die Rosse pfeilgeschwind 190

Die K?nige zusammen, als wehte sie der Wind;

Dann mit den Z?umen wandten sie ritterlich zurück:

Die grimmen Zwei versuchten da mit dem Schwerte das Glück.

Da schlug der Degen Siegfried, das Feld erscholl umher. 191

Aus dem Helme stoben, als obs von Br?nden w?r,

Die feuerrothen Funken von des Helden Hand;

Da stritt mit gro?en Kr?ften der kühne Vogt von Niederland.

Auch ihm schlug Herr Lüdegast manch grimmen Schlag; 192

Jedweder auf dem Schilde mit ganzer St?rke lag.

Da hatten es wohl drei?ig ersp?ht aus seiner Schar:

Eh die ihm Hülfe brachten, der Sieg doch Siegfrieden war

Mit drei starken Wunden, die er dem K?nig schlug 193

Durch einen lichten Harnisch; der war doch fest genug.

Das Schwert mit seiner Sch?rfe entlockte Wunden Blut;

Da gewann K?nig Lüdegast einen traurigen Muth.

Er bat ihn um sein Leben und bot ihm all sein Land 194

Und sagt' ihm, er w?re Lüdegast genannt.

Da kamen seine Recken: die hatten wohl gesehn,

Was da von ihnen beiden auf der Warte war geschehn.

Er führt' ihn gern von dannen: da ward er angerannt 195

Von drei?ig seiner Mannen; doch wehrte seine Hand

Seinen edeln Geisel mit ungestümen Schl?gen.

Bald that noch gr??ern Schaden dieser zierliche Degen.

Die Drei?ig zu Tode wehrlich er schlug; 196

Ihrer Einen lie? er leben: der ritt da schnell genug

Und brachte hin die M?re von dem, was hier geschehn;

Auch konnte man die Wahrheit an seinem rothen Helme sehn.

Gar leid wars den Recken aus dem D?nenland, 197

Als ihres Herrn Gef?ngniss ihnen ward bekannt.

Man sagt' es seinem Bruder: der fieng zu toben an

In ungestümem Zorne: ihm war gar wehe gethan.

Lüdegast der K?nig war hinweggebracht 198

Zu Gunthers Ingesinde von Siegfrieds Uebermacht.

Er befahl ihn Hagen: der kühne Recke gut,

Als er vernahm die M?re, da gewann er fr?hlichen Muth.

Man gebot den Burgunden: "Die Fahne bindet an." 199

"Wohlauf," sprach da Siegfried, "hier wird noch mehr gethan

Vor Abendzeit, verlier ich Leben nicht und Leib:

Das betrübt im Sachsenlande noch manches waidliche Weib.

"Ihr Helden vom Rheine, ihr sollt mein nehmen wahr: 200

Ich kann euch wohl geleiten zu Lüdegers Schar.

Da seht ihr Helme hauen von guter Helden Hand:

Eh wir uns wieder wenden, wird ihnen Sorge bekannt."

Zu den Rossen sprangen Gernot und Die ihm unterthan. 201

Die Heerfahne fa?te der kühne Spielmann,

Volker der Degen, und ritt der Schar vorauf.

Da war auch das Gesinde zum Streite muthig und wohlauf.

Sie führten doch der Degen nicht mehr denn tausend Mann, 202

Darüber zw?lf Recken. Zu stieben da begann

Der Staub von den Stra?en: sie ritten über Land;

Man sah von ihnen scheinen manchen sch?nen Schildesrand.

Nun waren auch die Sachsen gekommen und ihr Heer 203

Mit Schwertern wohlgewachsen; die Klingen schnitten sehr,

Das hab ich wohl vernommen, den Helden an der Hand:

Da wollten sie die G?ste von Burgen wehren und Land.

Der Herren Scharmeister führten das Volk heran. 204

Da war auch Siegfried kommen mit den zw?lf Mann,

Die er mit sich führte aus dem Niederland.

Des Tags sah man im Sturme manche blutige Hand.

Sindold und Hunold und auch Gernot 205

Die schlugen in dem Streite viel der Helden todt,

Eh sie ihrer Kühnheit noch selber mochten traun:

Das musten bald beweinen viel der waidlichen Fraun.

Volker und Hagen und auch Ortwein 206

Leschten in dem Streite manches Helmes Schein

Mit flie?endem Blute, die Kühnen in der Schlacht.

Von Dankwarten wurden viel gro?e Wunder vollbracht.

Da versuchten auch die D?nen waidlich ihre Hand; 207

Von St??en laut erschallte mancher Schildesrand

Und von den scharfen Schwertern, womit man Wunden schlug.

Die streitkühnen Sachsen thaten Schadens auch genug.

Als die Burgunden drangen in den Streit, 208

Von ihnen ward gehauen manche Wunde weit:

Ueber die S?ttel flie?en sah man das Blut;

So warben um die Ehre diese Ritter kühn und gut.

Man h?rte laut erhallen den Helden an der Hand 209

Ihre scharfen Waffen, als Die von Niederland

Ihrem Herrn nachdrangen in die dichten Reihn;

Die zw?lfe kamen ritterlich zugleich mit Siegfried hinein.

Deren vom Rheine kam ihnen Niemand nach. 210

Man konnte flie?en sehen den blutrothen Bach

Durch die lichten Helme von Siegfriedens Hand,

Eh er Lüdegeren vor seinen Heergesellen fand.

Dreimal die Kehre hat er nun genommen 211

Bis an des Heeres Ende; da war auch Hagen kommen:

Der half ihm wohl vollbringen im Kampfe seinen Muth.

Da muste bald ersterben vor ihnen mancher Ritter gut.

Als der starke Lüdeger Siegfrieden fand, 212

Wie er so erhaben trug in seiner Hand

Balmung den guten und da so Manchen schlug,

Darüber ward der Kühne vor Zorn ingrimmig genug.

Da gab es stark Gedr?nge und lauten Schwerterklang, 213

Wo ihr Ingesinde auf einander drang.

Da versuchten desto heftiger die beiden Recken sich;

Die Scharen wichen beide: der K?mpen Ha? ward fürchterlich.

Dem Vogt vom Sachsenlande war es wohl bekannt, 214

Sein Bruder sei gefangen: drum war er zornentbrannt;

Nicht wust er, ders vollbrachte, sei der Sieglindensohn.

Man zeihte des Gernoten; hernach befand er es schon.

Da schlug so starke Schl?ge Lüdegers Schwert, 215

Siegfrieden unterm Sattel niedersank das Pferd;

Doch bald erhob sichs wieder: der kühne Siegfried auch

Gewann jetzt im Sturme einen furchtbaren Brauch.

Dabei half ihm Hagen wohl und Gernot, 216

Dankwart und Volker: da lagen Viele todt.

Sindold und Hunold und Ortwein der Degen

Die konnten in dem Streite zum Tode Manchen niederlegen.

Untrennbar im Kampfe waren die Fürsten hehr. 217

Ueber die Helme fliegen sah man manchen Sper

Durch die lichten Schilde von der Helden Hand;

Auch ward von Blut ger?thet mancher herrliche Rand.

In dem starken Sturme sank da mancher Mann 218

Von den Rossen nieder. Einander rannten an

Siegfried der kühne und K?nig Lüdeger;

Man sah da Sch?fte fliegen und manchen schneidigen Sper.

Der Schildbeschlag des K?nigs zerstob vor Siegfrieds Hand. 219

Sieg zu erwerben dachte der Held von Niederland

An den kühnen Sachsen; die litten Ungemach.

Hei! was da lichte Panzer der kühne Dankwart zerbrach!

Da hatte K?nig Lüdeger auf einem Schild erkannt 220

Eine gemalte Krone vor Siegfriedens Hand:

Da sah er wohl, es w?re der kraftreiche Mann.

Laut auf zu seinen Freunden der Held zu rufen begann:

"Begebt euch des Streites, ihr all mir unterthan! 221

Den Sohn K?nig Siegmunds traf ich hier an,

Siegfried den starken hab ich hier erkannt;

Den hat der üble Teufel her zu den Sachsen gefandt."

Er gebot die Fahnen zu senken in dem Streit. 222

Friedens er begehrte: der ward ihm nach der Zeit;

Doch must er Geisel werden in K?nig Gunthers Land:

Das hatt an ihm erzwungen des kühnen Siegfriedes Hand.

Nach allgemeinem Rathe lie? man ab vom Streit. 223

Viel zerschlagner Helme und der Schilde weit

Legten sie aus H?nden; so viel man deren fand,

Die waren blutger?thet von der Burgunden Hand.

Sie fiengen, wen sie wollten: sie hatten volle Macht. 224

Gernot und Hagen, die schnellen, hatten Acht,

Da? man die Wunden bahrte; da führten sie hindann

Gefangen nach dem Rheine der Kühnen fünfhundert Mann.

Die sieglosen Recken zum D?nenlande ritten. 225

Da hatten auch die Sachsen so tapfer nicht gestritten,

Da? man sie loben sollte: das war den Helden leid.

Da beklagten ihre Freunde die Gefallnen in dem Streit.

Sie lie?en ihre Waffen aufs?umen nach dem Rhein. 226

Es hatte wohl geworben mit den Gef?hrten sein

Siegfried der starke und hatt es gut vollbracht:

Das must ihm zugestehen K?nig Gunthers ganze Macht.

Gen Worms sandte Boten der K?nig Gernot: 227

Daheim in seinem Lande den Freunden er entbot,

Wie ihm gelungen w?re und all seinem Lehn:

Es war da von den Kühnen nach allen Ehren geschehn.

Die Botenknaben liefen; so ward es angesagt. 228

Da freuten sich in Liebe, die eben Leid geklagt,

Dieser frohen M?re, die ihnen war gekommen.

Da ward von edlen Frauen gro?es Fragen vernommen,

Wie es den Herrn gelungen w?r in des K?nigs Heer. 229

Man rief der Boten Einen zu Kriemhilden her.

Das geschah verstohlen, sie durfte es wohl nicht laut:

Denn Einer war darunter, dem sie l?ngst ihr Herz vertraut.

Als sie in ihre Kammer den Boten kommen sah, 230

Kriemhild die sch?ne gar gütlich sprach sie da:

"Nun sag mir liebe M?re, so geb ich dir mein Gold,

Und thust dus ohne Trügen, will ich dir immer bleiben hold.

"Wie schied aus dem Streite mein Bruder Gernot 231

Und meine andern Freunde? Blieb uns nicht Mancher todt?

Wer that da das Beste? das sollst du mir sagen"

Da sprach der biedre Bote: "Wir hatten nirgend einen Zagen.

"Zuvorderst in dem Streite ritt Niemand so wohl, 232

Hehre K?nigstochter, wenn ich es sagen soll,

Als der edle Fremdling aus dem Niederland:

Da wirkte gro?e Wunder des kühnen Siegfriedes Hand.

"Was von den Recken allen im Streit da geschehn, 233

Dankwart und Hagen und des K?nigs ganzem Lehn,

Wie wehrlich sie auch stritten, das war doch wie ein Wind

Nur gegen Siegfrieden, K?nig Siegmundens Kind.

"Sie haben in dem Sturme der Helden viel erschlagen; 234

Doch m?cht euch dieser Wunder ein Ende Niemand sagen,

Die da Siegfried wirkte, ritt er in den Streit.

Den Fraun an ihren Freunden that er m?chtiges Leid.

"Auch muste vor ihm fallen der Friedel mancher Braut. 235

Seine Schl?ge schollen auf Helmen also laut,

Da? sie aus Wunden brachten das flie?ende Blut:

Er ist in allen Dingen ein Ritter kühn und auch gut.

"Da hat auch viel begangen von Metz Herr Ortewein: 236

Was er nur mocht erlangen mit dem Schwerte sein,

Das fiel vor ihm verwundet oder meistens todt.

Da schuf euer Bruder die allergr??este Noth,

"Die jemals in Stürmen mochte sein geschehn; 237

Man mu? dem Auserw?hlten die Wahrheit zugestehn.

Die stolzen Burgunden bestanden so die Fahrt,

Da? sie vor allen Schanden die Ehre haben bewahrt.

"Man sah von ihren H?nden der S?ttel viel geleert, 238

Als so laut das Feld erhallte von manchem lichten Schwert.

Die Recken vom Rheine die ritten allezeit,

Da? ihre Feinde be?er vermieden h?tten den Streit.

"Auch die kühnen Tronjer schufen gro?es Leid, 239

Als mit Volkskr?ften das Heer sich traf im Streit.

Da schlug so Manchen nieder des kühnen Hagen Hand,

Es w?re viel zu sagen davon in der Burgunden Land.

"Sindold und Hunold in Gernotens Heer 240

Und Rumold der kühne schufen so viel Beschwer,

K?nig Lüdger mag es beklagen allezeit,

Da? er meine Herren am Rhein berief in den Streit.

"Kampf, den allerh?chsten, der irgend da geschah, 241

Vom Ersten bis zum Letzten, den Jemand nur sah,

Hat Siegfried gefochten mit wehrlicher Hand:

Er bringt reiche Geisel her in K?nig Gunthers Land.

"Die zwang mit seinen Kr?ften der streitbare Held, 242

Wovon der K?nig Lüdegast den Schaden nun beh?lt

Und vom Sachsenlande sein Bruder Lüdeger.

Nun h?rt meine M?re, viel edle K?nigin hehr!

"Gefangen hat sie beide Siegfriedens Hand: 243

Nie so mancher Geisel kam in dieses Land,

Als nun seine Kühnheit bringt an den Rhein."

Ihr konnten diese M?ren nicht willkommener sein.

"Man führt der Gesunden fünfhundert oder mehr 244

Und der zum Sterben Wunden, wi?t, K?nigin hehr,

Wohl achtzig blutge Bahren her in unser Land:

Die hat zumeist verhauen des kühnen Siegfriedes Hand.

"Die uns im Uebermuthe widersagten hier am Rhein, 245

Die mü?en nun Gefangene K?nig Gunthers sein;

Die bringt man mit Freuden her in dieses Land."

Ihre lichte Farb erblühte, als ihr die M?re ward bekannt.

Ihr sch?nes Antlitz wurde vor Freuden rosenroth, 246

Da lebend war geschieden aus so gro?er Noth

Der waidliche Recke, Siegfried der junge Mann.

Sie war auch froh der Freunde und that wohl weislich daran.

Die Sch?ne sprach: "Du machtest mir frohe M?r bekannt: 247

Ich la?e dir zum Lohne geben reich Gewand,

Und zehn Mark von Golde hei? ich dir tragen."

Drum mag man solche Botschaft reichen Frauen gerne sagen.

Man gab ihm zum Lohne das Gold und auch das Kleid. 248

Da trat an die Fenster manche sch?ne Maid

Und schaute nach der Stra?e, wo man reiten fand

Viel hochherzge Degen in der Burgunden Land.

Da kamen die Gesunden, der Wunden Schar auch kam: 249

Die mochten grü?en h?ren von Freunden ohne Scham.

Der Wirth ritt seinen G?sten entgegen hocherfreut:

Mit Freuden war beendet all sein m?chtiges Leid.

Da empfieng er wohl die Seinen, die Fremden auch zugleich, 250

Wie es nicht anders ziemte dem K?nige reich,

Als denen gütlich danken, die da waren kommen,

Da? sie den Sieg mit Ehren im Sturme hatten genommen.

Herr Gunther lie? sich Kunde von seinen Freunden sagen, 251

Wer ihm auf der Reise zu Tode w?r erschlagen,

Da hatt er nicht verloren mehr als sechzig Mann;

Die muste man verschmerzen, wie man noch Manchen gethan.

Da brachten die Gesunden zerhauen manchen Rand 252

Und viel zerschlagener Helme in K?nig Gunthers Land.

Das Volk sprang von den Rossen vor des K?nigs Saal;

Zu liebem Empfange vernahm man fr?hlichen Schall.

Da gab man Herbergen den Recken in der Stadt. 253

Der K?nig seine G?ste wohl zu verpflegen bat;

Die Wunden lie? er hüten und warten flei?iglich.

Wohl zeigte seine Milde auch an seinen Feinden sich.

Er sprach zu Lüdegeren: "Nun seid mir willkommen! 254

Ich bin zu gro?em Schaden durch eure Schuld gekommen:

Der wird mir nun vergolten, wenn ich das schaffen kann.

Gott lohne meinen Freunden: sie haben wohl an mir gethan."

"Wohl m?gt ihr ihnen danken," sprach da Lüdeger, 255

"Solche hohe Geisel gewann kein K?nig mehr.

Um ritterlich Gewahrsam bieten wir gro?es Gut

Und bitten, da? ihr gn?diglich an euern Widersachern thut."

"Ich will euch," sprach er, "Beide ledig la?en gehn; 256

Nur da? meine Feinde hier bei mir bestehn,

Dafür verlang ich Bürgschaft, damit sie nicht mein Land

R?umen ohne Frieden." Darauf boten sie die Hand.

Man brachte sie zur Ruhe, wo man sie wohl verpflag. 257

Und bald auf guten Betten mancher Wunde lag.

Man schenkte den Gesunden Meth und guten Wein;

Da konnte das Gesinde nicht wohl fr?hlicher sein.

Die zerhaunen Schilde man zum Verschlu?e trug; 258

Blutgef?rbter S?ttel sah man da genug.

Die lie? man verbergen, so weinten nicht die Fraun.

Da waren reisemüde viel gute Ritter zu schaun.

Seiner G?ste pflegen hie? der K?nig wohl; 259

Von Heimischen und Fremden lag das Land ihm voll;

Er lie? die F?hrlichwunden gütlich verpflegen:

Wie hart war darnieder nun ihr Uebermuth gelegen!

Die Arzneikunst wusten, denen bot man reichen Sold, 260

Silber ungewogen, dazu das lichte Gold,

Wenn sie die Helden heilten nach des Streites Noth.

Dazu viel gro?e Gaben der K?nig seinen G?sten bot.

Wer wieder heimzureisen sann in seinem Muth, 261

Den bat man noch zu bleiben, wie man mit Freunden thut.

Der K?nig gieng zu Rathe, wie er lohne seinem Lehn:

Durch sie war sein Wille nach allen Ehren geschehn.

Da sprach der K?nig Gernot: "La?t sie jetzt hindann; 262

Ueber sechs Wochen, das kündigt ihnen an,

Sollten sie wiederkehren zu einem Hofgelag:

Heil ist dann wohl Mancher, der jetzt schwer verwundet lag."

Da bat auch um Urlaub Siegfried von Niederland. 263

Als dem K?nig Gunther sein Wille ward bekannt,

Bat er ihn gar minniglich, noch bei ihm zu bestehn;

Wenn nicht um seine Schwester, so w?r es nimmer geschehn.

Dazu war er zu m?chtig, da? man ihm b?te Sold, 264

So sehr er es verdiente. Der K?nig war ihm hold

Und all seine Freunde, die das mit angesehn,

Was da von seinen H?nden war im Streite geschehn.

Er dachte noch zu bleiben um die sch?ne Maid; 265

Vielleicht, da? er sie s?he. Das geschah auch nach der Zeit:

Wohl nach seinem Wunsche ward sie ihm bekannt.

Dann ritt er reich an Freuden heim in seines Vaters Land.

Der Wirth bat alle Tage des Ritterspiels zu pflegen; 266

Das that mit gutem Willen mancher junge Degen.

Auch lie? er Sitz' errichten vor Worms an dem Strand

Für Die da kommen sollten in der Burgunden Land.

Nun hatt auch in den Tagen, als sie sollten kommen, 267

Kriemhild die sch?ne die M?re wohl vernommen,

Er stell ein Hofgelage mit lieben Freunden an.

Da dachten sch?ne Frauen mit gro?em Flei?e daran,

Gewand und Band zu suchen, das sie wollten tragen. 268

Ute die reiche vernahm die M?re sagen

Von den stolzen Recken, die da sollten kommen:

Da wurden aus dem Einschlag viele reiche Kleider genommen.

Ihrer Kinder halb bereiten lie? sie Rock und Kleid, 269

Womit sich da zierten viel Fraun und manche Maid

Und viel der jungen Recken aus Burgundenland.

Sie lie? auch manchem Fremden bereiten herrlich Gewand.

* * * * *

Fünftes Abenteuer.

Wie Siegfried Kriemhilden zuerst ersah.

Man sah die Helden t?glich nun reiten an den Rhein, 270

Die bei dem Hofgelage gerne wollten sein

Und den K?nigen zu Liebe kamen in das Land.

Man gab ihrer Vielen beides, Ross und Gewand.

Es war auch das Gestühle allen schon bereit, 271

Den H?chsten und den Besten, so h?rten wir Bescheid,

Zweiunddrei?ig Fürsten zu dem Hofgelag:

Da zierten um die Wette sich die Frauen für den Tag.

Gar gesch?ftig sah man Geiselher das Kind. 272

Die Heimischen und Fremden empfieng er holdgesinnt

Mit Gernot seinem Bruder und beider Mannen da.

Wohl grü?ten sie die Degen, wie es nach Ehren geschah.

Viel goldrother S?ttel führten sie ins Land, 273

Zierliche Schilde und herrlich Gewand

Brachten sie zu Rheine bei dem Hofgelag.

Mancher Ungesunde hieng der Freude wieder nach.

Die wund zu Bette liegend vordem gelitten Noth, 274

Die durften nun verge?en, wie bitter sei der Tod;

Die Siechen und die Kranken verga? man zu beklagen.

Es freute sich ein Jeder entgegen festlichen Tagen:

Wie sie da leben wollten in gastlichem Genu?! 275

Wonnen ohne Ma?en, der Freuden Ueberflu?

Hatten alle Leute, so viel man immer fand:

Da hub sich gro?e Wonne über Gunthers ganzes Land.

An einem Pfingstmorgen sah man sie alle gehn 276

Wonniglich gekleidet, viel Degen ausersehn,

Fünftausend oder drüber, dem Hofgelag entgegen.

Da hub um die Wette sich viel Kurzweil allerwegen.

Der Wirth hatt im Sinne, was er schon l?ngst erkannt, 277

Wie von ganzem Herzen der Held von Niederland

Seine Schwester liebe, sah er sie gleich noch nie,

Der man das Lob der Sch?nheit vor allen Jungfrauen lieh.

Er sprach: "Nun rathet Alle, Freund oder Unterthan, 278

Wie wir das Hofgelage am besten stellen an,

Da? man uns nicht schelte darum nach dieser Zeit;

Zuletzt doch an den Werken liegt das Lob, das man uns beut."

Da sprach zu dem K?nige von Metz Herr Ortewein: 279

"Soll die? Hofgelage mit vollen Ehren sein,

So la?t eure G?ste die sch?nen Kinder sehn,

Denen so viel Ehren in Burgundenland geschehn.

"Was w?re Mannes Wonne, was freut' er sich zu schaun, 280

Wenn nicht sch?ne M?gdelein und herrliche Fraun?

Drum la?t eure Schwester vor die G?ste gehn."

Der Rath war manchem Helden zu hoher Freude geschehn.

"Dem will ich gerne folgen," der K?nig sprach da so. 281

Alle, die's erfuhren, waren darüber froh.

Er entbot es Frauen Uten und ihrer Tochter sch?n,

Da? sie mit ihren Maiden hin zu Hofe sollten gehn.

Da ward aus den Schreinen gesucht gut Gewand, 282

So viel man eingeschlagen der lichten Kleider fand,

Der Borten und der Spangen; des lag genug bereit.

Da zierte sich gar minniglich manche waidliche Maid.

Mancher junge Recke wünschte heut so sehr, 283

Da? er wohlgefallen m?chte den Frauen hehr,

Das er dafür nicht n?hme ein reiches K?nigsland:

Sie sahen die gar gerne, die sie nie zuvor gekannt.

Da lie? der reiche K?nig mit seiner Schwester gehn 284

Hundert seiner Recken, zu ihrem Dienst ersehn

Und dem ihrer Mutter, die Schwerter in der Hand:

Das war das Hofgesinde in der Burgunden Land.

Ute die reiche sah man mit ihr kommen, 285

Die hatte sch?ner Frauen sich zum Geleit genommen

Hundert oder drüber, geschmückt mit reichem Kleid.

Auch folgte Kriemhilden manche waidliche Maid.

Aus einer Kemenate sah man sie alle gehn: 286

Da muste heftig Dr?ngen von Helden bald geschehn,

Die alle harrend standen, ob es m?chte sein,

Da? sie da fr?hlich s?hen dieses edle M?gdelein.

Da kam die Minnigliche, wie das Morgenroth 287

Tritt aus trüben Wolken. Da schied von mancher Noth,

Der sie im Herzen hegte, was lange war geschehn.

Er sah die Minnigliche nun gar herrlich vor sich stehn.

Von ihrem Kleide leuchtete mancher edle Stein; 288

Ihre rosenrothe Farbe gab wonniglichen Schein.

Was Jemand wünschen mochte, er muste doch gestehn,

Da? er hier auf Erden noch nicht so Sch?nes gesehn.

Wie der lichte Vollmond vor den Sternen schwebt, 289

Des Schein so hell und lauter sich aus den Wolken hebt,

So gl?nzte sie in Wahrheit vor andern Frauen gut:

Das mochte wohl erh?hen den zieren Helden den Muth.

Die reichen K?mmerlinge schritten vor ihr her; 290

Die hochgemuthen Degen lie?en es nicht mehr:

Sie dr?ngten, da? sie s?hen die minnigliche Maid.

Siegfried dem Degen war es lieb und wieder leid.

Er sann in seinem Sinne: "Wie dacht ich je daran, 291

Da? ich dich minnen sollte? das ist ein eitler Wahn;

Soll ich dich aber meiden, so w?r ich sanfter todt."

Er ward von Gedanken oft bleich und oft wieder roth.

Da sah man den Sigelindensohn so minniglich da stehn, 292

Als w?r er entworfen auf einem Pergamen

Von guten Meisters H?nden: gern man ihm zugestand,

Da? man nie im Leben so sch?nen Helden noch fand.

Die mit Kriemhilden giengen, die hie?en aus den Wegen 293

Allenthalben weichen: dem folgte mancher Degen.

Die hochgetragnen Herzen freute man sich zu schaun:

Man sah in hohen Züchten viel der herrlichen Fraun.

Da sprach von Burgunden der K?nig Gernot: 294

"Dem Helden, der so gütlich euch seine Dienste bot,

Gunther, lieber Bruder, dem bietet hier den Lohn

Vor allen diesen Recken: des Rathes spricht man mir nicht Hohn.

"Hei?et Siegfrieden zu meiner Schwester kommen, 295

Da? ihn das M?gdlein grü?e: das bringt uns immer Frommen:

Die niemals Recken grü?te, soll sein mit Grü?en pflegen,

Da? wir uns so gewinnen diesen zierlichen Degen."

Des Wirthes Freunde giengen dahin, wo man ihn fand; 296

Sie sprachen zu dem Recken aus dem Niederland:

"Der K?nig will erlauben, ihr sollt zu Hofe gehn,

Seine Schwester soll euch grü?en: die Ehre soll euch geschehn."

Der Rede ward der Degen in seinem Muth erfreut: 297

Er trug in seinem Herzen Freude sonder Leid,

Da? er der sch?nen Ute Tochter sollte sehn.

In minniglichen Züchten empfieng sie Siegfrieden sch?n.

Als sie den Hochgemuthen vor sich stehen sah, 298

Ihre Farbe ward entzündet; die Sch?ne sagte da:

"Willkommen, Herr Siegfried, ein edler Ritter gut."

Da ward ihm von dem Gru?e gar wohl erhoben der Muth.

Er neigte sich ihr minniglich, als er den Dank ihr bot. 299

Da zwang sie zu einander sehnender Minne Noth;

Mit liebem Blick der Augen sahn einander an

Der Held und auch das M?gdelein; das ward verstohlen gethan.

Ward da mit sanftem Drucke geliebkost wei?e Hand 300

In herzlicher Minne, das ist mir unbekannt.

Doch kann ich auch nicht glauben, sie h?ttens nicht gethan.

Liebebedürftige Herzen th?ten Unrecht daran.

Zu des Sommers Zeiten und in des Maien Tagen 301

Durft er in seinem Herzen nimmer wieder tragen

So viel hoher Wonne, als er da gewann,

Da die ihm an der Hand gieng, die der Held zu minnen sann.

Da gedachte mancher Recke: "Hei! w?r mir so geschehn, 302

Da? ich so bei ihr gienge, wie ich ihn gesehn,

Oder bei ihr l?ge! das n?hm ich willig hin."

Es diente nie ein Recke so gut noch einer K?nigin.

Aus welchen K?nigs Landen ein Gast gekommen war, 303

Er nahm im ganzen Saale nur dieser beiden wahr.

Ihr ward erlaubt zu küssen den waidlichen Mann:

Ihm ward in seinem Leben nie so Liebes gethan.

Von D?nemark der K?nig hub an und sprach zur Stund: 304

"Des hohen Gru?es willen liegt gar Mancher wund,

Wie ich wohl hier gewahre, von Siegfriedens Hand:

Gott la? ihn nimmer wieder kommen in der D?nen Land."

Da hie? man allenthalben weichen aus den Wegen 305

Kriemhild der Sch?nen; manchen kühnen Degen

Sah man wohlgezogen mit ihr zur Kirche gehn.

Bald ward von ihr geschieden dieser Degen ausersehn.

Da gieng sie zu dem Münster und mit ihr viel der Fraun. 306

Da war in solcher Zierde die K?nigin zu schaun,

Da? da hoher Wünsche mancher ward verloren;

Sie war zur Augenweide viel der Recken auserkoren.

Kaum erharrte Siegfried, bis schlo? der Messgesang; 307

Er mochte seinem Heile des immer sagen Dank,

Da? ihm so gewogen war, die er im Herzen trug:

Auch war er der Sch?nen nach Verdiensten hold genug.

Als sie aus dem Münster nach der Messe kam, 308

Lud man wieder zu ihr den Helden lobesam.

Da begann ihm erst zu danken die minnigliche Maid,

Da? er vor allen Recken so kühn gefochten im Streit.

"Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried," sprach das sch?ne Kind, 309

"Da? ihr das verdientet, da? euch die Recken sind

So hold mit ganzer Treue, wie sie zumal gestehn."

Da begann er Frau Kriemhilden minniglich anzusehn.

"St?ts will ich ihnen dienen," sprach Stegfried der Degen, 310

"Und will mein Haupt nicht eher zur Ruhe niederlegen,

Bis ihr Wunsch geschehen, so lang mein Leben w?hrt:

Das thu ich, Frau Kriemhild, da? ihr mir Minne gew?hrt."

Innerhalb zw?lf Tagen, so oft es neu getagt, 311

Sah man bei dem Degen die wonnigliche Magd,

So sie zu Hofe durfte vor ihren Freunden gehn.

Der Dienst war dem Recken aus gro?er Liebe geschehn.

Freude und Wonne und lauten Schwerterschall 312

Vernahm man alle Tage vor K?nig Gunthers Saal,

Davor und darinnen von manchem kühnen Mann.

Von Ortwein und Hagen wurden Wunder viel gethan.

Was man zu üben wünschte, dazu sah man bereit 313

In v?lligem Ma?e die Degen kühn im Streit.

Da machten vor den G?sten die Recken sich bekannt;

Es war eine Zierde K?nig Gunthers ganzem Land.

Die lange wund gelegen, wagten sich an den Wind: 314

Sie wollten kurzweilen mit des K?nigs Ingesind,

Schirmen mit den Schilden und schie?en manchen Schaft.

Des halfen ihnen Viele; sie hatten gr??liche Kraft.

Bei dem Hofgelage lie? sie der Wirth verpflegen 315

Mit der besten Speise; es durfte sich nicht regen

Nur der kleinste Tadel, der Fürsten mag entstehn;

Man sah ihn jetzo freundlich hin zu seinen G?sten gehn.

Er sprach: "Ihr guten Recken, bevor ihr reitet hin, 316

So nehmt meine Gaben: also fleht mein Sinn,

Ich will euch immer danken; verschm?ht nicht mein Gut:

Es unter euch zu theilen hab ich willigen Muth."

Die vom D?nenlande sprachen gleich zur Hand: 317

"Bevor wir wieder reiten heim in unser Land,

Gew?hrt uns st?ten Frieden: das ist uns Recken noth;

Uns sind von euern Degen viel der lieben Freunde todt."

Genesen von den Wunden war Lüdegast derweil; 318

Der Vogt des Sachsenlandes war bald vom Kampfe heil.

Etliche Todte lie?en sie im Land.

Da gieng der K?nig Gunther hin, wo er Siegfrieden fand.

Er sprach zu dem Recken: "Nun rath mir, wie ich thu. 319

Unsre G?ste wollen reiten morgen fruh

Und gehn um st?te Sühne mich und die Meinen an:

Nun rath, kühner Degen, was dich dünke wohlgethan.

"Was mir die Herrn bieten, das will ich dir sagen: 320

Was fünfhundert M?hren an Gold m?gen tragen,

Das bieten sie mir gerne für ihre Freiheit an."

Da sprach aber Siegfried: "Das w?r übel gethan.

"Ihr sollt sie beide ledig von hinnen la?en ziehn; 321

Nur da? die edeln Recken sich hüten fürderhin

Vor feindlichem Reiten her in euer Land,

La?t euch zu Pfande geben der beiden K?nige Hand."

"Dem Rathe will ich folgen." So giengen sie hindann. 322

Seinen Widersachern ward es kundgethan,

Des Golds begehre Niemand, das sie geboten eh.

Daheim den lieben Freunden war nach den heermüden weh.

Viel Schilde schatzbeladen trug man da herbei: 323

Das theilt' er ungewogen seinen Freunden frei,

An fünfhundert Marken und Manchem wohl noch mehr;

Gernot rieth es Gunthern, dieser Degen kühn und hehr.

Um Urlaub baten alle, sie wollten nun hindann. 324

Da kamen die G?ste vor Kriemhild heran

Und dahin auch, wo Frau Ute sa?, die K?nigin.

Es zogen nie mehr Degen so wohl beurlaubt dahin.

Die Herbergen leerten sich, als sie von dannen ritten. 325

Doch verblieb im Lande mit herrlichen Sitten

Der K?nig mit den Seinen und mancher edle Mann:

Die giengen alle Tage zu Frau Kriemhild heran.

Da wollt auch Urlaub nehmen Siegfried der gute Held, 326

Verzweifelnd zu erwerben, worauf sein Sinn gestellt.

Der K?nig h?rte sagen, er wolle nun hindann:

Geiselher der junge ihn von der Reise gewann.

"Wohin, edler Siegfried, wohin reitet ihr? 327

H?rt meine Bitte, bleibt bei den Recken hier,

Bei Gunther dem K?nig und bei seinem Lehn:

Hier sind viel sch?ne Frauen, die l??t man euch gerne sehn."

Da sprach der starke Siegfried: "So la?t die Rosse stehn. 328

Von hinnen wollt ich reiten, das la? ich mir vergehn.

Tragt auch hinweg die Schilde: wohl wollt ich in mein Land:

Davon hat mich Herr Geiselher mit gro?en Treuen gewandt."

So verblieb der Kühne dem Freund zu Liebe dort. 329

Auch w?r ihm in den Landen an keinem andern Ort

So wohl als hier geworden: daher es nun geschah,

Da? er alle Tage die sch?ne Kriemhild ersah.

Ihrer hohen Sch?nheit willen der Degen da verblieb. 330

Mit mancher Kurzweile man nun die Zeit vertrieb;

Nur zwang ihn ihre Minne, die schuf ihm oftmals Noth;

Darum hernach der Kühne lag zu gro?em Jammer todt.

* * * * *

Sechstes Abenteuer.

Wie Gunther um Brunhild gen Isenland fuhr.

Wieder neue M?re erhob sich über Rhein: 331

Man sagte sich, da w?re manch sch?nes M?gdelein.

Sich eins davon zu werben sann K?nig Gunthers Muth.

Das dauchte seine Recken und die Herren alle gut.

Es war eine K?nigin gese?en über Meer, 332

Ihr zu vergleichen war keine andre mehr.

Sch?n war sie aus der Ma?en, gar gro? war ihre Kraft;

Sie scho? mit schnellen Degen um ihre Minne den Schaft.

Den Stein warf sie ferne, nach dem sie weithin sprang; 333

Wer ihrer Minne gehrte, der muste sonder Wank

Drei Spiel' ihr abgewinnen, der Frauen wohlgeboren;

Gebrach es ihm an Einem, so war das Haupt ihm verloren.

Die K?nigstochter hatte das manchesmal gethan. 334

Das erfuhr am Rheine ein Ritter wohlgethan.

Der seine Sinne wandte auf das sch?ne Weib.

Drum musten bald viel Degen verlieren Leben und Leib.

Als einst mit seinen Leuten sa? der K?nig hehr, 335

Ward es von allen Seiten berathen hin und her,

Welche ihr Herr sich sollte zum Gemahl erschaun,

Die er zum Weibe wollte und dem Land geziemte zur Fraun.

Da sprach der Vogt vom Rheine: "Ich will an die See 336

Hin zu Brunhilden, wie es mir ergeh.

Um ihre Minne wag ich Leben und Leib,

Die will ich verlieren, gewinn ich nicht sie zum Weib."

"Das m?cht ich widerrathen," sprach Siegfried wider ihn: 337

"So grimmiger Sitte pflegt die K?nigin,

Um ihre Minne werben, das kommt hoch zu stehn:

Drum m?gt ihrs wohl entrathen, auf diese Reise zu gehn."

Da sprach der K?nig Gunther: "Ein Weib ward noch nie 338

So stark und kühn geboren, im Streit wollt ich sie

Leichtlich überwinden allein mit meiner Hand."

"Schweigt," sprach da Siegfried, "sie ist euch noch unbekannt.

"Und w?ren eurer viere, die k?nnten nicht gedeihn 339

Vor ihrem grimmen Zorne: drum la?t den Willen sein,

Das rath ich euch in Treuen: entgeht ihr gern dem Tod,

So macht um ihre Minne euch nicht vergebliche Noth."

"Sei sie so stark sie wolle, die Reise mu? ergehn 340

Hin zu Brunhilden, mag mir was will geschehn.

Ihrer hohen Sch?nheit willen gewagt mu? es sein:

Vielleicht da? Gott mir füget, da? sie uns folgt an den Rhein."

"So will ich euch rathen," begann da Hagen, 341

"Bittet Siegfrieden, mit euch zu tragen

Die Last dieser Sorge; das ist der beste Rath,

Weil er von Brunhilden so gute Kunde doch hat."

Er sprach: "Viel edler Siegfried, willst du mir Helfer sein 342

Zu werben um die Sch?ne? Thu nach der Bitte mein;

Und gewinn ich mir zur Trauten das herrliche Weib,

So verwag ich deinetwillen Ehre, Leben und Leib."

Zur Antwort gab ihm Siegfried, K?nig Siegmunds Sohn: 343

"Ich will es thun, versprichst du die Schwester mir zum Lohn,

Kriemhild die sch?ne, eine K?nigin hehr:

So begehr ich keines Dankes nach meinen Arbeiten mehr."

"Das gelob ich," sprach Gunther, "Siegfried, dir an die Hand. 344

Und kommt die sch?ne Brunhild hieher in dieses Land,

So will ich dir zum Weibe meine Schwester geben:

So magst du mit der Sch?nen immer in Freuden leben."

Des schwuren sich Eide diese Recken hehr. 345

Da schuf es ihnen beiden viel Müh und Beschwer,

Eh sie die Wohlgethane brachten an den Rhein.

Es musten die Kühnen darum in gro?en Sorgen sein.

Von wilden Gezwergen hab ich h?ren sagen, 346

Da? sie in hohlen Bergen wohnen und Schirme tragen,

Die hei?en Tarnkappen, von wunderbarer Art;

Wer sie am Leibe trage, der sei gar wohl darin bewahrt

Vor Schl?gen und vor Stichen; ihn m?g auch Niemand sehn, 347

So lang er drin verweile; h?ren doch und sp?hn

Mag er nach feinem Willen, da? Niemand ihn erschaut;

Ihm wachsen auch die Kr?fte, wie uns die M?re vertraut.

Die Tarnkappe führte Siegfried mit hindann, 348

Die der kühne Degen mit Sorgen einst gewann

Von einem Gezwerge mit Namen Alberich.

Da schickten sich zur Reise Recken kühn und ritterlich.

Wenn der starke Siegfried die Tarnkappe trug, 349

So gewann er drinnen der Kr?fte genug,

Zw?lf M?nner St?rke, so wird uns gesagt.

Er erwarb mit gro?en Listen diese herrliche Magd.

Auch war so beschaffen die Nebelkappe gut, 350

Ein Jeder mochte drinnen thun nach seinem Muth,

Was er immer wollte, da? ihn doch Niemand sah.

Damit gewann er Brunhild, durch die ihm bald viel Leid geschah.

"Nun sage mir, Siegfried, eh unsre Fahrt gescheh, 351

Wie wir mit vollen Ehren kommen über See?

Sollen wir Ritter führen in Brunhildens Land?

Drei?igtausend Degen die werden eilends besandt."

"Wie viel wir Volkes führten," sprach Siegfried wider ihn, 352

"So grimmiger Sitte pflegt die K?nigin,

Das müste doch ersterben vor ihrem Uebermuth.

Ich will euch be?er rathen, Degen ihr kühn und gut.

"In Reckenweise fahren la?t uns zu Thal den Rhein. 353

Die will ich euch nennen, die das sollen sein:

Zu uns zwein noch zweie und Niemand anders mehr,

Da? wir die Frau erwerben, was auch geschehe nachher.

"Der Gesellen bin ich einer, du sollst der andre sein, 354

Und Hagen sei der dritte: wir m?gen wohl gedeihn;

Der vierte das sei Dankwart, dieser kühne Mann.

Es dürfen Andrer tausend zum Streite nimmer uns nahn."

"Die M?re wüst ich gerne," der K?nig sprach da so, 355

"Eh wir von hinnen führen, des w?r ich herzlich froh,

Was wir für Kleider sollten vor Brunhilden tragen,

Die uns geziemen m?chten: Siegfried, das sollst du mir sagen."

"Gewand das allerbeste, das man irgend fand, 356

Tr?gt man zu allen Zeiten in Brunhildens Land:

Drum la? uns reiche Kleider vor der Frauen tragen,

Da? wirs nicht Schande haben, h?rt man künftig von uns sagen."

Da sprach der gute Degen: "So will ich selber gehn 357

Zu meiner lieben Mutter, ob es nicht mag geschehn,

Da? ihre sch?nen M?gde uns schaffen solch Gewand,

Das wir mit Ehren tragen in der hehren Jungfrau Land."

Da Sprach von Tronje Hagen mit herrlichen Sitten: 358

"Was wollt ihr eure Mutter um solche Dienste bitten?

La?t eure Schwester h?ren euern Sinn und Muth:

Die ist so kunstreich, unsre Kleider werden gut."

Da entbot er seiner Schwester, er wünsche sie zu sehn 359

Und auch der Degen Siegfried. Eh sie das lie? geschehn,

Da hatte sich die Sch?ne geschmückt mit reichem Kleid.

Da? die Herren kamen, schuf ihr wenig Herzeleid.

Da war auch ihr Gesinde geziert nach seinem Stand. 360

Die Fürsten kamen beide; als sie das befand,

Erhob sie sich vom Sitze: wie h?fisch sie da gieng,

Als sie den edeln Fremdling und ihren Bruder empfieng!

"Willkommen sei mein Bruder und der Geselle sein. 361

Nun m?cht ich gerne wissen," Sprach das M?gdelein,

"Was euch Herrn geliebe, da? ihr zu Hofe kommt:

La?t mich doch h?ren, was euch edeln Recken frommt."

Da sprach K?nig Gunther: "Frau, ich wills euch sagen. 362

Wir mü?en gro?e Sorge bei hohem Muthe tragen:

Wir wollen werben reiten fern in fremdes Land

Und h?tten zu der Reise gerne zierlich Gewand."

"Nun sitzt, lieber Bruder," sprach das K?nigskind, 363

"Und la?t mich erst erfahren, Wer die Frauen sind,

Die ihr begehrt zu minnen in fremder K?nge Land."

Die Auserw?hlten beide nahm das M?gdlein bei der Hand:

Hin gieng sie mit den Beiden, wo sie gese?en war 364

Auf pr?chtgen Ruhebetten, das glaubt mir fürwahr,

Mit eingewirkten Bildern, in Gold wohl erhaben.

Sie mochten bei der Frauen gute Kurzweile haben.

Freundliche Blicke und gütliches Sehn, 365

Des mochte von den Beiden da wohl viel geschehn.

Er trug sie in dem Herzen, sie war ihm wie sein Leben.

Er erwarb mit gro?em Dienste, da? sie ihm ward zu Weib gegeben.

Da sprach der edle K?nig: "Viel liebe Schwester mein, 366

Ohne deine Hülfe kann es nimmer sein.

Wir wollen abenteuern in Brunhildens Land;

Da mü?en wir vor Frauen tragen herrlich Gewand."

Da sprach die K?nigstochter: "Viel lieber Bruder mein, 367

Kann euch an meiner Hülfe dabei gelegen sein,

So sollt ihr inne werden, ich bin dazu bereit;

Versagte sie ein Andrer euch, das w?re Kriemhilden leid.

"Ihr sollt mich, edler Ritter, nicht in Sorgen bitten, 368

Ihr sollt nur gebieten mit herrlichen Sitten:

Was euch gefallen m?ge, dazu bin ich bereit

Und thus mit gutem Willen," sprach die wonnigliche Maid.

"Wir wollen, liebe Schwester, tragen gut Gewand: 369

Das soll bereiten helfen eure wei?e Hand.

La?t eure M?gdlein sorgen, da? es uns herrlich steht,

Da man uns diese Reise doch vergebens widerr?th."

Da begann die Jungfrau: "Nun h?rt, was ich sage, 370

Wir haben selber Seide: befehlt, da? man uns trage

Gestein auf den Schilden, so schaffen wir das Kleid,

Das ihr mit Ehren traget vor der herrlichen Maid."

"Wer sind die Gesellen," sprach die K?nigin, 371

"Die mit euch gekleidet zu Hofe sollen ziehn?"

"Das bin ich selbvierter; noch Zwei aus meinem Lehn,

Dankwart und Hagen, sollen mit uns zu Hofe gehn.

"Nun merkt, liebe Schwester, wohl, was wir euch sagen: 372

Sorgt, da? wir vier Gesellen zu vier Tagen tragen

Je der Kleider dreierlei und also gut Gewand,

Da? wir ohne Schande r?umen Brunhildens Land."

Das gelobte sie den Recken; die Herren schieden hin. 373

Da berief der Jungfraun Kriemhild die K?nigin

Aus ihrer Kemenate drei?ig M?gdelein,

Die gar sinnreich mochten zu solcher Kunstübung sein.

In arabische Seide, so wei? als der Schnee, 374

Und gute Zazamanker, so grün als der Klee,

Legten sie Gesteine: das gab ein gut Gewand;

Kriemhild die sch?ne schnitts mit eigener Hand.

Von seltner Fische H?uten Bezüge wohlgethan, 375

Zu schauen fremd den Leuten, so viel man nur gewann,

Bedeckten sie mit Seide: darein ward Gold getragen:

Man mochte gro?e Wunder von den lichten Kleidern sagen.

Aus dem Land Marocco und auch von Libya 376

Der allerbesten Seide, die man jemals sah

K?nigskinder tragen, der hatten sie genug.

Wohl lie? sie Kriemhild schauen, wie sie Liebe für sie trug.

Da sie so theure Kleider begehrt zu ihrer Fahrt, 377

Hermelinfelle wurden nicht gespart,

Darauf von Kohlenschw?rze mancher Flecken lag:

Das trügen schnelle Helden noch gern bei einem Hofgelag.

Aus arabischem Golde gl?nzte mancher Stein; 378

Der Frauen Unmu?e war nicht zu klein.

Sie schufen die Gew?nde in sieben Wochen Zeit;

Da war auch ihr Gewaffen den guten Degen bereit.

Als sie gerüstet standen, sah man auf dem Rhein 379

Flei?iglich gezimmert ein starkes Schiffelein,

Das sie da tragen sollte hernieder an die See.

Den edeln Jungfrauen war von Arbeiten weh.

Da sagte man den Recken, es sei für sie zur Hand, 380

Das sie tragen sollten, das zierliche Gewand.

Was sie erbeten hatten, das war nun geschehn;

Da wollten sie nicht l?nger mehr am Rheine bestehn.

Zu den Heergesellen ein Bote ward gesandt, 381

Ob sie schauen wollten ihr neues Gewand,

Ob es den Helden w?re zu kurz oder lang.

Es war von rechtem Ma?e; des sagten sie den Frauen Dank.

Vor wen sie immer kamen, die musten all gestehn, 382

Sie h?tten nie auf Erden sch?ner Gewand gesehn.

Drum mochten sie es gerne da zu Hofe tragen;

Von be?erm Ritterstaate wuste Niemand mehr zu sagen.

Den edeln Maiden wurde h?chlich Dank gesagt. 383

Da baten um Urlaub die Recken unverzagt;

In ritterlichen Züchten thaten die Herren das.

Da wurden lichte Augen getrübt von Weinen und na?.

Sie sprach: "Viel lieber Bruder, ihr bliebet be?er hier 384

Und würbt andre Frauen: klüger schien' es mir,

Wo ihr nicht wagen müstet Leben und Leib.

Ihr f?ndet in der N?he wohl ein so hochgeboren Weib."

Sie ahnten wohl im Herzen ihr künftig Ungemach. 385

Sie musten alle weinen, was da auch Einer sprach.

Das Gold vor ihren Brüsten ward von Thr?nen fahl;

Die fielen ihnen dichte von den Augen zuthal.

Da sprach sie: "Herr Siegfried, la?t euch befohlen sein 386

Auf Treu und auf Gnade den lieben Bruder mein,

Da? ihn nichts gef?hrde in Brunhildens Land."

Das versprach der Kühne Frau Kriemhilden in die Hand.

Da sprach der edle Degen: "So lang mein Leben w?hrt, 387

So bleibt von allen Sorgen, Herrin, unbeschwert;

Ich bring ihn euch geborgen wieder an den Rhein.

Das glaubt bei Leib und Leben." Da dankt' ihm sch?n das M?gdelein.

Die goldrothen Schilde trug man an den Strand 388

Und schaffte zu dem Schiffe all ihr Rüstgewand;

Ihre Rosse lie? man bringen: sie wollten nun hindann.

Wie da von sch?nen Frauen so gro?es Weinen begann!

Da stellte sich ins Fenster manch minnigliches Kind. 389

Das Schiff mit seinem Segel ergriff ein hoher Wind.

Die stolzen Heergesellen sa?en auf dem Rhein;

Da sprach der K?nig Gunther: "Wer soll nun Schiffmeister sein?"

"Das will ich," sprach Siegfried: "ich kann euch auf der Flut 390

Wohl von hinnen führen, das wi?t, Helden gut;

Die rechten Wasserstra?en sind mir wohl bekannt."

So schieden sie mit Freuden aus der Burgunden Land.

Eine Ruderstange Siegfried ergriff; 391

Vom Gestade schob er kr?ftig das Schiff.

Gunther der kühne ein Ruder selber nahm.

Da huben sich vom Lande die schnellen Ritter lobesam.

Sie führten reichlich Speise, dazu guten Wein, 392

Den besten, den sie finden mochten um den Rhein.

Ihre Rosse standen still in guter Ruh;

Das Schiff gieng so eben, kein Ungemach stie? ihnen zu.

Ihre starken Segelseile streckte die Luft mit Macht; 393

Sie fuhren zwanzig Meilen, eh niedersank die Nacht,

Mit günstigem Winde nieder nach der See;

Ihr starkes Arbeiten that noch sch?nen Frauen weh.

An dem zw?lften Morgen, wie wir h?ren sagen, 394

Da hatten sie die Winde weit hinweggetragen

Nach Isenstein der Veste in Brunhildens Land,

Das ihrer Keinem au?er Siegfried bekannt.

Als der K?nig Gunther so viel der Burgen sah 395

Und auch der weiten Marken, wie bald sprach er da:

"Nun sagt mir, Freund Siegfried, ist euch das bekannt?

Wem sind diese Burgen und wem das herrliche Land?

"Ich hab all mein Leben, das mu? ich wohl gestehn, 396

So wohlgebauter Burgen nie so viel gesehn

Irgend in den Landen, als wir hier ersahn;

Der sie erbauen konnte, war wohl ein m?chtiger Mann."

Zur Antwort gab ihm Siegfried: "Das ist mir wohlbekannt; 397

Brunhilden sind sie, die Burgen wie das Land

Und Isenstein die Veste, glaubt mir fürwahr:

Da m?gt ihr heute schauen sch?ner Frauen gro?e Schar.

"Ich will euch Helden rathen: seid all von einem Muth 398

Und sprecht in gleichem Sinne, so dünkt es mich gut.

Denn wenn wir heute vor Brunhilden gehn,

So mü?en wir in Sorgen vor der K?nigstochter stehn.

"Wenn wir die Minnigliche bei ihren Leuten sehn, 399

Sollt ihr erlauchte Helden nur Einer Rede stehn:

Gunther sei mein Lehnsherr und ich ihm unterthan;

So wird ihm sein Verlangen nach seinem Wunsche gethan."

Sie waren all willf?hrig zu thun, wie er sie hie?: 400

In seinem Uebermuthe es auch nicht Einer lie?.

Sie sprachen, wie er wollte; wohl frommt' es ihnen da,

Als der K?nig Gunther die sch?ne Brunhild ersah.

"Wohl thu ichs nicht so gerne dir zu lieb allein, 401

Als um deine Schwester, das sch?ne M?gdelein.

Die ist mir wie die Seele und wie mein eigner Leib;

Ich will es gern verdienen, da? sie werde mein Weib."

* * * * *

Siebentes Abenteuer.

Wie Gunther Brunhilden gewann.

Ihr Schifflein unterdessen war auf dem Meer 402

Zur Burg heran geflo?en: da sah der K?nig hehr

Oben in den Fenstern manche sch?ne Maid.

Da? er sie nicht erkannte, das war in Wahrheit ihm leid.

Er fragte Siegfrieden, den Gesellen sein: 403

"H?ttet ihr wohl Kunde um diese M?gdelein,

Die dort hernieder schauen nach uns auf die Flut?

Wie ihr Herr auch hei?e, so tragen sie hohen Muth."

Da sprach der kühne Siegfried: "Nun sollt ihr heimlich sp?hn 404

Nach den Jungfrauen und sollt mir dann gestehn,

Welche ihr nehmen wolltet, w?r euch die Wahl verliehn."

"Das will ich," sprach Gunther, dieser Ritter schnell und kühn.

"So schau ich ihrer Eine in jenem Fenster an, 405

Im schneewei?en Kleide, die ist so wohlgethan:

Die w?hlen meine Augen, so sch?n ist sie von Leib.

Wenn ich gebieten dürfte, sie müste werden mein Weib."

"Dir hat recht erkoren deiner Augen Schein: 406

Es ist die edle Brunhild, das sch?ne M?gdelein,

Nach der das Herz dir ringet, der Sinn und auch der Muth."

All ihr Gebaren dauchte K?nig Gunthern gut.

Da hie? die K?nigstochter von den Fenstern gehn 407

Die minniglichen Maide: sie sollten da nicht stehn

Zum Anblick für die Fremden; sie folgten unverwandt.

Was da die Frauen thaten, das ist uns auch wohl bekannt.

Sie zierten sich entgegen den unkunden Herrn, 408

Wie es immer thaten sch?ne Frauen gern.

Dann an die engen Fenster traten sie heran,

Wo sie die Helden sahen: das ward aus Neugier gethan.

Nur ihrer Viere waren, die kamen in das Land. 409

Siegfried der kühne ein Ross zog auf den Strand.

Das sahen durch die Fenster die sch?nen Frauen an:

Gro?e Ehre dauchte sich K?nig Gunther gethan.

Er hielt ihm bei dem Zaume das zierliche Ross, 410

Das war gut und stattlich, stark dazu und gro?,

Bis der K?nig Gunther fest im Sattel sa?.

Also dient' ihm Siegfried, was er hernach doch ganz verga?.

Dann zog er auch das seine aus dem Schiff heran: 411

Er hatte solche Dienste gar selten sonst gethan,

Da? er am Steigreif Helden gestanden w?r.

Das sahen durch die Fenster die sch?nen Frauen hehr.

Es war in gleicher Weise den Helden allbereit 412

Von schneeblanker Farbe das Ross und auch das Kleid,

Dem einen wie dem andern, und sch?n der Schilde Rand:

Die warfen hellen Schimmer an der edeln Recken Hand.

Ihre S?ttel wohlgesteinet, die Brustriemen schmal: 413

So ritten sie herrlich vor Brunhildens Saal;

Daran hiengen Schellen von lichtem Golde roth.

Sie kamen zu dem Lande, wie ihr Hochsinn gebot,

Mit Speren neu geschliffen, mit wohlgeschaffnem Schwert, 414

Das bis auf die Sporen gieng den Helden werth.

Die Wohlgemuthen führten es scharf genug und breit.

Das alles sah Brunhild, diese herrliche Maid.

Mit ihnen kam auch Dankwart und sein Bruder Hagen: 415

Diese beide trugen, wie wir h?ren sagen,

Von rabenschwarzer Farbe reichgewirktes Kleid;

Neu waren ihre Schilde, gut, dazu auch lang und breit.

Von India dem Lande trugen sie Gestein, 416

Das warf an ihrem Kleide auf und ab den Schein.

Sie lie?en unbehütet das Schifflein bei der Flut;

So ritten nach der Veste diese Helden kühn und gut.

Sechsundachtzig Thürme sahn sie darin zumal, 417

Drei weite Pfalzen und einen sch?nen Saal

Von edelm Marmelsteine, so grün wie das Gras,

Darin die K?nigstochter mit ihrem Ingefinde sa?.

Die Burg war erschlo?en und weithin aufgethan, 418

Brunhildes Mannen liefen alsbald heran

Und empfiengen die G?ste in ihrer Herrin Land.

Die Rosse nahm man ihnen und die Schilde von der Hand.

Da sprach der K?mmrer Einer: "Gebt uns euer Schwert 419

Und die lichten Panzer." "Das wird euch nicht gew?hrt,"

Sprach Hagen von Tronje, "wir wollens selber tragen."

Da begann ihm Siegfried von des Hofs Gebrauch zu sagen:

"In dieser Burg ist Sitte, das will ich euch sagen, 420

Keine Waffen dürfen da die G?ste tragen:

La?t sie von hinnen bringen, das ist wohlgethan."

Ihm folgte wider Willen Hagen, K?nig Gunthers Mann.

Man lie? den G?sten schenken und schaffen gute Ruh. 421

Manchen schnellen Recken sah man dem Hofe zu

Allenthalben eilen in fürstlichem Gewand;

Doch wurden nach den Kühnen ringsher die Blicke gesandt.

Nun wurden auch Brunhilden gesagt die M?ren, 422

Da? unbekannte Recken gekommen w?ren

In herrlichem Gewande geflo?en auf der Flut.

Da begann zu fragen diese Jungfrau sch?n und gut:

"Ihr sollt mich h?ren la?en," sprach das M?gdelein, 423

"Wer die unbekannten Recken m?gen sein,

Die ich dort stehen sehe in meiner Burg so hehr,

Und wem zu Lieb die Helden wohl gefahren sind hieher."

Des Gesindes sprach da Einer: "Frau, ich mu? gestehn, 424

Da? ich ihrer Keinen je zuvor gesehn;

Doch Einer steht darunter, der Siegfrieds Weise hat:

Den sollt ihr wohl empfangen, das ist in Treuen mein Rath.

"Der andre der Gesellen, gar l?blich dünkt er mich; 425

Wenn er die Macht bes??e, zum K?nig ziemt' er sich

Ob weiten Fürstenlanden, sollt er die versehn.

Man sieht ihn bei den Andern so recht herrlich da stehn.

"Der dritte der Gesellen, der hat gar herben Sinn, 426

Doch sch?nen Wuchs nicht minder, reiche K?nigin.

Die Blicke sind gewaltig, deren so viel er thut:

Er tr?gt in seinem Sinne, w?hn ich, grimmigen Muth.

"Der jüngste darunter, gar l?blich dünkt er mich: 427

Man sieht den reichen Degen so recht minniglich

In jungfr?ulicher Sitte und edler Haltung stehn:

Wir müstens alle fürchten, w?r ihm ein Leid hier geschehn.

"So freundlich er gebahre, so wohlgethan sein Leib, 428

Er br?chte doch zum Weinen manch waidliches Weib,

Wenn er zürnen sollte; sein Wuchs ist wohl so gut,

Er ist an allen Tugenden ein Degen kühn und wohlgemuth."

Da sprach die K?nigstochter: "Nun bringt mir mein Gewand: 429

Und ist der starke Siegfried gekommen in mein Land

Um meiner Minne willen, es geht ihm an den Leib:

Ich fürcht ihn nicht so heftig, da? ich würde sein Weib."

Brunhild die sch?ne trug bald erlesen Kleid. 430

Auch gab ihr Geleite manche sch?ne Maid,

Wohl hundert oder drüber, sie all in reicher Zier.

Die G?ste kam zu schauen manches edle Weib mit ihr.

Mit ihnen giengen Degen aus Isenland, 431

Brunhildens Recken, die Schwerter in der Hand,

Fünfhundert oder drüber; das war den G?sten leid.

Aufstanden von den Sitzen die kühnen Helden allbereit.

Als die K?nigstochter Siegfrieden sah, 432

Wohlgezogen sprach sie zu dem Gaste da:

"Seid willkommen, Siegfried, hier in diesem Land.

Was meint eure Reise? das macht mir, bitt ich, bekannt."

"Viel Dank mu? ich euch sagen, Frau Brunhild, 433

Da? ihr mich geruht zu grü?en, Fürstentochter mild,

Vor diesem edeln Recken, der hier vor mir steht:

Denn der ist mein Lehnsherr; der Ehre Siegfried wohl entr?th.

"Er ist am Rheine K?nig: was soll ich sagen mehr? 434

Dir nur zu Liebe fuhren wir hierher.

Er will dich gerne minnen, was ihm geschehen mag.

Nun bedenke dich bei Zeiten: mein Herr l??t nimmermehr nach.

"Er ist gehei?en Gunther, ein K?nig reich und hehr. 435

Erwirbt er deine Minne, nicht mehr ist sein Begehr.

Deinthalb mit ihm that ich diese Fahrt;

Wenn er mein Herr nicht w?re, ich h?tt es sicher gespart."

Sie sprach: "Wenn er dein Herr ist und du in seinem Lehn, 436

Will er, die ich ertheile, meine Spiele dann bestehn

Und bleibt darin der Meister, so werd ich sein Weib;

Doch ists, da? ich gewinne, es geht euch allen an den Leib."

Da sprach von Tronje Hagen: "So zeig uns, K?nigin, 437

Was ihr für Spiel' ertheilet. Eh euch den Gewinn

Mein Herr Gunther lie?e, so müst es übel sein:

Er mag wohl noch erwerben ein so sch?nes M?gdelein."

"Den Stein soll er werfen und springen darnach, 438

Den Sper mit mir schie?en: drum sei euch nicht zu jach.

Ihr verliert hier mit der Ehre Leben leicht und Leib:

Drum m?gt ihr euch bedenken," sprach das minnigliche Weib.

Siegfried der schnelle gieng zu dem K?nig hin 439

Und bat ihn, frei zu reden mit der K?nigin

Ganz nach seinem Willen; angstlos soll er sein:

"Ich will dich wohl behüten vor ihr mit den Listen mein."

Da sprach der K?nig Gunther: "K?nigstochter hehr, 440

Ertheilt mir, was ihr wollet, und w?r es auch noch mehr,

Eurer Sch?nheit willen bestünd ich Alles gern.

Mein Haupt will ich verlieren, gewinnt ihr mich nicht zum Herrn."

Als da seine Rede vernahm die K?nigin, 441

Bat sie, wie ihr ziemte, das Spiel nicht zu verziehn.

Sie lie? sich zum Streite bringen ihr Gewand,

Einen goldnen Panzer und einen guten Schildesrand.

Ein seiden Waffenhemde zog sich an die Maid, 442

Das ihr keine Waffe verletzen konnt im Streit,

Von Zeugen wohlgeschaffen aus Libya dem Land:

Lichtgewirkte Borten ergl?nzten rings an dem Rand.

Derweil hatt ihr Uebermuth den G?sten schwer gedr?ut. 443

Dankwart und Hagen die standen unerfreut.

Wie es dem Herrn ergienge, sorgte sehr ihr Muth.

Sie dachten: "Unsre Reise bekommt uns Recken nicht gut."

Derweilen gieng Siegfried, der listige Mann, 444

Eh es wer bemerkte, an das Schiff heran,

Wo er die Tarnkappe verborgen liegen fand,

In die er hurtig schlüpfte: da war er Niemand bekannt.

Er eilte bald zurücke und fand hier Recken viel: 445

Die K?nigin ertheilte da ihr hohes Spiel.

Da gieng er hin verstohlen und da? ihn Niemand sah

Von Allen, die da waren, was durch Zauber geschah.

Es war ein Kreis gezogen, wo das Spiel geschehn 446

Vor kühnen Recken sollte, die es wollten sehn.

Wohl siebenhundert sah man Waffen tragen:

Wer das Spiel gew?nne, das sollten sie nach Wahrheit sagen.

Da war gekommen Brunhild, die man gewaffnet fand, 447

Als ob sie streiten wolle um aller K?nge Land.

Wohl trug sie auf der Seide viel Golddr?hte fein;

Ihre minnigliche Farbe gab darunter holden Schein.

Nun kam ihr Gesinde, das trug herbei zuhand 448

Aus allrothem Golde einen Schildesrand

Mit hartem Stahlbeschlage, m?chtig gro? und breit,

Worunter spielen wollte diese minnigliche Maid.

An einer edeln Borte ward der Schild getragen, 449

Auf der Edelsteine, grasgrüne, lagen;

Die tauschten mannigfaltig Gefunkel mit dem Gold.

Er bedurfte gro?er Kühnheit, dem die Jungfrau wurde hold.

Der Schild war untern Buckeln, so ward uns gesagt, 450

Von dreier Spannen Dicke; den trug hernach die Magd.

An Stahl und auch an Golde war er reich genug,

Den ihrer K?mmrer Einer mit Mühe selbvierter trug.

Als der starke Hagen den Schild hertragen sah, 451

In gro?em Unmuthe sprach der Tronjer da:

"Wie nun, K?nig Gunther? An Leben gehts und Leib:

Die ihr begehrt zu minnen, die ist ein teuflisches Weib."

H?rt noch von ihren Kleidern: deren hatte sie genug. 452

Von Azagauger Seide einen Wappenrock sie trug,

Der kostbar war und edel: daran warf hellen Schein

Von der K?nigstochter gar mancher herrliche Stein.

Da brachten sie der Frauen m?chtig und breit 453

Einen scharfen Wurfspie?; den verscho? sie allezeit,

Stark und ungefüge, gro? dazu und schwer.

An seinen beiden Seiten schnitt gar grimmig der Sper.

Von des Spie?es Schwere h?ret Wunder sagen: 454

Wohl hundert Pfund Eisen war dazu verschlagen.

Ihn trugen mühsam Dreie von Brunhildens Heer:

Gunther der edle rang mit Sorgen da schwer.

Er dacht in seinem Sinne: "Was soll das sein hier? 455

Der Teufel aus der H?lle, wie schützt' er sich vor ihr?

War ich mit meinem Leben wieder an dem Rhein,

Sie dürfte hier wohl lange meiner Minne ledig sein."

Er trug in seinen Sorgen, das wi?et, Leid genug. 456

All seine Rüstung man ihm zur Stelle trug.

Gewappnet Stand der reiche K?nig bald darin.

Vor Leid h?tte Hagen schier gar verwandelt den Sinn.

Da sprach Hagens Bruder, der kühne Dankwart: 457

"Mich reut in der Seele her zu Hof die Fahrt.

Nun hie?en wir einst Recken! wie verlieren wir den Leib!

Soll uns in diesem Lande nun verderben ein Weib?

"Des mu? mich sehr verdrie?en, da? ich kam in dieses Land. 458

H?tte mein Bruder Hagen sein Schwert an der Hand

Und auch ich das meine, so sollten sachte gehn

Mit ihrem Uebermuthe Die in Brunhildens Lehn.

Sie sollten sich bescheiden, das glaubet mir nur. 459

H?tt ich den Frieden tausendmal best?rkt mit einem Schwur,

Bevor ich sterben s?he den lieben Herren mein,

Das Leben müste la?en dieses sch?ne M?gdelein."

"Wir m?chten ungefangen wohl r?umen dieses Land," 460

Sprach sein Bruder Hagen, "h?tten wir das Gewand,

Des wir zum Streit bedürfen, und die Schwerter gut,

So sollte sich wohl s?nften der sch?nen Fraue Uebermuth."

Wohl h?rte, was er sagte, die Fraue wohlgethan; 461

Ueber die Achsel sah sie ihn l?chelnd an.

"Nun er so kühn sich dünket, so bringt doch ihr Gewand,

Ihre scharfen Waffen gebt den Helden an die Hand.

"Es kümmert mich so wenig, ob sie gewaffnet sind, 462

Als ob sie blo? da stünden," so sprach das K?nigskind.

"Ich fürchte Niemands St?rke, den ich noch je gekannt:

Ich mag auch wohl genesen im Streit vor des K?nigs Hand."

Als man die Waffen brachte, wie die Maid gebot, 463

Dankwart der kühne ward vor Freuden roth.

"Nun spielt, was ihr wollet," sprach der Degen werth,

"Gunther ist unbezwungen: wir haben wieder unser Schwert."

Brunhildens St?rke zeigte sich nicht klein: 464

Man trug ihr zu dem Kreise einen schweren Stein,

Gro? und ungefüge, rund dabei und breit.

Ihn trugen kaum zw?lfe dieser Degen kühn im Streit.

Den warf sie allerwegen, wie sie den Sper verscho?. 465

Darüber war die Sorge der Burgunden gro?.

"Wen will der K?nig werben?" sprach da Hagen laut:

"W?r sie in der H?lle doch des übeln Teufels Braut!"

An ihre wei?en Arme sie die ?rmel wand, 466

Sie schickte sich und fa?te den Schild an die Hand,

Sie schwang den Spie? zur H?he: das war des Kampfe Beginn.

Gunther und Siegfried bangten vor Brunhildens grimmem Sinn.

Und w?r ihm da Siegfried zu Hülfe nicht gekommen, 467

So h?tte sie dem K?nig das Leben wohl benommen.

Er trat hinzu verstohlen und rührte seine Hand;

Gunther seine Künste mit gro?en Sorgen befand.

"Wer wars, der mich berührte?" dachte der kühne Mann, 468

Und wie er um sich blickte, da traf er Niemand an.

Er sprach: "Ich bin es, Siegfried, der Geselle dein:

Du sollst ganz ohne Sorge vor der K?nigin sein."

(Er sprach:) "Gieb aus den H?nden den Schild, la? mich ihn tragen 469

Und behalt im Sinne, was du mich h?rest sagen:

Du habe die Geb?rde, ich will das Werk begehn."

Als er ihn erkannte, da war ihm Liebes geschehn.

"Verhehl auch meine Künste, das ist uns beiden gut: 470

So mag die K?nigstochter den hohen Uebermuth

Nicht an dir vollbringen, wie sie gesonnen ist:

Nun sieh doch, welcher Kühnheit sie wider dich sich vermi?t."

Da scho? mit ganzen Kr?ften die herrliche Maid 471

Den Sper nach einem neuen Schild, m?chtig und breit;

Den trug an der Linken Sieglindens Kind.

Das Feuer sprang vom Stahle, als ob es wehte der Wind.

Des starken Spie?es Schneide den Schild ganz durchdrang, 472

Da? das Feuer lohend aus den Ringen sprang.

Von dem Schu?e fielen die kraftvollen Degen:

War nicht die Tarnkappe, sie w?ren beide da erlegen.

Siegfried dem kühnen vom Munde brach das Blut. 473

Bald sprang er auf die Fü?e: da nahm der Degen gut

Den Sper, den sie gescho?en ihm hatte durch den Rand:

Den warf ihr jetzt zurücke Siegfried mit kraftvoller Hand.

Er dacht: "Ich will nicht schie?en das M?gdlein wonniglich." 474

Des Spie?es Schneide kehrt' er hinter den Rücken sich;

Mit der Sperstange scho? er auf ihr Gewand,

Da? es laut erhallte von seiner kraftreichen Hand.

Das Feuer stob vom Panzer, als trieb' es der Wind. 475

Es hatte wohl gescho?en der Sieglinde Kind:

Sie vermochte mit den Kr?ften dem Schu?e nicht zu stehn;

Das war von K?nig Gunthern in Wahrheit nimmer geschehn.

Brunhild die sch?ne bald auf die Fü?e sprang: 476

"Gunther, edler Ritter, des Schu?es habe Dank!"

Sie w?hnt', er h?tt es selber mit seiner Kraft gethan

Nein, zu Boden warf sie ein viel st?rkerer Mann.

Da gieng sie hin geschwinde, zornig war ihr Muth, 477

Den Stein hoch erhub sie, die edle Jungfrau gut;

Sie schwang ihn mit Kr?ften weithin von der Hand,

Dann sprang sie nach dem Wurfe, da? laut erklang ihr Gewand.

Der Stein fiel zu Boden von ihr zw?lf Klafter weit: 478

Den Wurf überholte im Sprung die edle Maid.

Hin gieng der schnelle Siegfried, wo der Stein nun lag:

Gunther must ihn w?gen, des Wurfs der Verholne pflag.

Siegfried war kr?ftig, kühn und auch lang; 479

Den Stein warf er ferner, dazu er weiter sprang.

Ein gro?es Wunder war es und künstlich genug,

Da? er in dem Sprunge den K?nig Gunther noch trug.

Der Sprung war ergangen, am Boden lag der Stein: 480

Gunther wars, der Degen, den man sah allein.

Brunhild die sch?ne ward vor Zorne roth;

Gewendet hatte Siegfried dem K?nig Gunther den Tod.

Zu ihrem Ingesinde sprach die K?nigin da, 481

Als sie gesund den Helden an des Kreises Ende sah:

"Ihr, meine Freund und Mannen, tretet gleich heran:

Ihr sollt dem K?nig Gunther alle werden unterthan."

Da legten die Kühnen die Waffen von der Hand 482

Und boten sich zu Fü?en von Burgundenland

Gunther dem reichen, so mancher kühne Mann:

Sie w?hnten, die Spiele h?tt er mit eigner Kraft gethan.

Er grü?te sie gar minniglich; wohl trug er h?fschen Sinn. 483

Da nahm ihn bei der Rechten die sch?ne K?nigin:

Sie erlaubt' ihm, zu gebieten in ihrem ganzen Land.

Des freute sich da Hagen, der Degen kühn und gewandt.

Sie bat den edeln Ritter mit ihr zurück zu gehn 484

Zu dem weiten Saale, wo mancher Mann zu sehn,

Und mans aus Furcht dem Degen nun desto be?er bot.

Siegfrieds Kr?fte hatten sie erledigt aller Noth.

Siegfried der schnelle war wohl schlau genug, 485

Da? er die Tarnkappe aufzubewahren trug.

Dann gieng er zu dem Saale, wo manche Fraue sa?:

Er sprach zu dem K?nig, gar listiglich that er das:

"Was s?umt ihr, Herr K?nig, und beginnt die Spiele nicht, 486

Die euch aufzugeben die K?nigin verspricht?

La?t uns doch bald erschauen, wie es damit bestellt."

Als wüst er nichts von allem, so that der listige Held.

Da sprach die K?nigstochter: "Wie konnte das geschehn, 487

Da? ihr nicht die Spiele, Herr Siegfried, habt gesehn,

Worin hier Sieg errungen hat K?nig Gunthers Hand?"

Zur Antwort gab ihr Hagen aus der Burgunden Land:

Er sprach: "Da habt ihr, K?nigin, uns betrübt den Muth: 488

Da war bei dem Schiffe Siegfried der Degen gut,

Als der Vogt vom Rheine das Spiel euch abgewann;

Drum ist es ihm unkundig," sprach da Gunthers Unterthan,

"Nun wohl mir dieser M?re," sprach Siegfried der Held, 489

"Da? hier eure Hochfahrt also ward gef?llt,

Und Jemand lebt, der euer Meister m?ge sein.

Nun sollt ihr, edle Jungfrau, uns hinnen folgen an den Rhein."

Da sprach die Wohlgethane: "Das mag noch nicht geschehn. 490

Erst frag ich meine Vettern und Die in meinem Lehn.

Ich darf ja nicht so leichthin r?umen die? mein Land:

Meine h?chsten Freunde die werden erst noch besandt."

Da lie? sie ihre Boten nach allen Seiten gehn: 491

Sie besandte ihre Freunde und Die in ihrem Lehn,

Da? sie zum Isensteine k?men unverwandt;

Einem jeden lie? sie geben reiches, herrliches Gewand.

Da ritten alle Tage Beides, spat und fruh, 492

Der Veste Brunhildens die Recken scharweis zu.

"Nun ja doch," sprach da Hagen, "was haben wir gethan!

Wir erwarten uns zum Schaden hier Die Brunhild unterthan."

"Wenn sie mit ihren Kr?ften kommen in die? Land, 493

Der K?nigin Gedanken die sind uns unbekannt:

Wie, wenn sie uns zürnte? so w?ren wir verloren,

Und w?r das edle M?gdlein uns zu gro?en Sorgen geboren!"

Da sprach der starke Siegfried: "Dem will ich widerstehn. 494

Was euch da Sorge schaffet, das la? ich nicht geschehn.

Ich will euch Hülfe bringen her in dieses Land

Durch auserw?hlte Degen: die sind euch noch unbekannt.

"Ihr sollt nach mir nicht fragen, ich will von hinnen fahren; 495

Gott m?ge eure Ehre derweil wohl bewahren.

Ich komme bald zurücke und bring euch tausend Mann

Der allerbesten Degen, deren Jemand Kunde gewann."

"So bleibt nur nicht zu lange," der K?nig sprach da so, 496

"Wir sind eurer Hülfe nicht unbillig froh."

Er sprach: "Ich komme wieder gewiss in wenig Tagen.

Ihr h?ttet mich versendet, sollt ihr der K?nigin sagen."

* * * * *

Achtes Abenteuer.

Wie Siegfried nach den Nibelungen fuhr.

Von dannen gieng da Siegfried zum Hafen an den Strand 497

In seiner Tarnkappe, wo er ein Schifflein fand.

Darin stand verborgen K?nig Siegmunds Kind:

Er führt' es bald von dannen, als ob es wehte der Wind.

Den Steuermann sah Niemand, wie schnell das Schifflein flo? 498

Von Siegfriedens Kr?ften, die waren also gro?.

Da w?hnten sie, es trieb es ein eigner starker Wind:

Nein, es führt' es Siegfried, der sch?nen Sieglinde Kind.

Nach des Tags Verlaufe und in der einen Nacht 499

Kam er zu einem Lande von gewaltger Macht:

Es war wohl hundert Rasten und noch darüber lang,

Das Land der Nibelungen, wo er den gro?en Schatz errang.

Der Held fuhr alleine nach einem Werder breit: 500

Sein Schiff band er feste, der Ritter allbereit.

Er fand auf einem Berge eine Burg gelegen

Und suchte Herberge, wie die Wegemüden pflegen.

Da kam er vor die Pforte, die ihm verschlo?en stand: 501

Sie bewachten ihre Ehre, wie Sitte noch im Land.

Ans Thor begann zu klopfen der unbekannte Mann:

Das wurde wohl behütet; da traf er innerhalben an

Einen Ungefügen, der da der Wache pflag, 502

Bei dem zu allen Zeiten sein Gewaffen lag.

Der sprach: "Wer pocht so heftig da drau?en an das Thor?"

Da wandelte die Stimme der kühne Siegfried davor

Und sprach: "Ich bin ein Recke: thut mir auf alsbald, 503

Sonst erzürn ich Etlichen hier au?en mit Gewalt,

Der gern in Ruhe l?ge und h?tte sein Gemach."

Das verdro? den Pf?rtner, als da Siegfried also sprach.

Der kühne Riese hatte die Rüstung angethan, 504

Den Helm aufs Haupt gehoben, der gewaltge Mann:

Den Schild alsbald ergriffen und schwang nun auf das Thor.

Wie lief er Siegfrieden da so grimmig an davor!

Wie er zu wecken wage so manchen kühnen Mann? 505

Da wurden schnelle Schl?ge von seiner Hand gethan.

Der edle Fremdling schirmte sich vor manchem Schlag;

Da hieb ihm der Pf?rtner in Stücke seines Schilds Beschlag

Mit einer Eisenstange: so litt der Degen Noth. 506

Schier begann zu fürchten der Held den grimmen Tod,

Als der Thürhüter so m?chtig auf ihn schlug.

Dafür war ihm gewogen sein Herre Siegfried genug.

Sie stritten so gewaltig, die Burg gab Widerhall: 507

Man h?rte fern das Tosen in K?nig Niblungs Saal.

Doch zwang er den Pf?rtner zuletzt, da? er ihn band;

Kund ward diese M?re in allem Nibelungenland.

Das Streiten hatte ferne geh?rt durch den Berg 508

Alberich der kühne, ein wildes Gezwerg.

Er waffnete sich balde und lief hin, wo er fand

Diesen edeln Fremdling, als er den Riesen eben band.

Alberich war muthig, dazu auch stark genug. 509

Helm und Panzerringe er am Leibe trug

Und eine schwere Geisel von Gold an seiner Hand.

Da lief er hin geschwinde, wo er Siegfrieden fand.

Sieben schwere Kn?pfe hiengen vorn daran, 510

Womit er vor der Linken den Schild dem kühnen Mann

So bitterlich zergerbte, in Splitter gieng er fast.

In Sorgen um sein Leben gerieth der herrliche Gast.

Den Schild er ganz zerbrochen seiner Hand entschwang: 511

Da stie? er in die Scheide eine Waffe, die war lang.

Seinen Kammerw?rter wollt er nicht schlagen todt:

Er schonte seiner Leute, wie ihm die Treue gebot.

Mit den starken H?nden Albrichen lief er an, 512

Und erfa?te bei dem Barte den altgreisen Mann.

Den zuckt' er ungefüge: der Zwerg schrie auf vor Schmerz.

Des jungen Helden Züchtigung gieng Alberichen ans Herz.

Laut rief der Kühne: "Nun la?t mir das Leben: 513

Und h?tt ich einem Helden mich nicht schon ergeben,

Dem ich schw?ren muste, ich war ihm unterthan,

Ich dient euch, bis ich stürbe," so sprach der listige Mann.

Er band auch Alberichen wie den Riesen eh: 514

Siegfriedens Kr?fte thaten ihm gar weh.

Der Zwerg begann zu fragen: "Wie seid ihr genannt?"

Er sprach: "Ich hei?e Siegfried: ich w?hnt, ich w?r euch bekannt."

"So wohl mir diese Kunde," sprach da Alberich, 515

"An euern Heldenwerken spürt ich nun sicherlich,

Da? ihrs wohl verdientet, des Landes Herr zu sein.

Ich thu, was ihr gebietet, la?t ihr nur mich gedeihn."

Da sprach der Degen Siegfried: "So macht euch auf geschwind 516

Und bringt mir her der Besten, die in der Veste sind,

Tausend Nibelungen; die will ich vor mir sehn.

So la? ich euch kein Leides an euerm Leben geschehn."

Albrichen und den Riesen l?st' er von dem Band. 517

Hin lief der Zwerg geschwinde, wo er die Recken fand.

Sorglich erweckt' er Die in Niblungs Lehn

Und sprach: "Wohlauf, ihr Helden, ihr sollt zu Siegfrieden gehn."

Sie sprangen von den Betten und waren gleich bereit: 518

Tausend schnelle Ritter standen im Eisenkleid.

Er brachte sie zur Stelle, wo er Siegfried fand:

Der grü?te sch?n die Degen und gab Manchem die Hand.

Viel Kerzen lie? man zünden; man schenkt' ihm lautern Trank. 519

Da? sie so bald gekommen, des sagt' er Allen Dank.

Er sprach: "Ihr sollt von hinnen mir folgen über Flut."

Dazu fand er willig diese Helden kühn und gut.

Wohl drei?ig hundert Recken kamen ungez?hlt: 520

Von denen wurden tausend der besten auserw?hlt,

Man brachte ihre Helme und ander Rüstgewand,

Da er sie führen wollte hin zu Brunhildens Land.

Er sprach: "Ihr guten Ritter, Eins la?t euch sagen: 521

Ihr sollt reiche Kleider dort am Hofe tragen,

Denn uns wird da schauen manch minnigliches Weib:

Darum sollt ihr zieren mit guten Kleidern den Leib."

Nun m?chten mich die Thoren vielleicht der Lüge zeihn: 522

Wie konnten so viel Ritter wohl beisammen sein?

Wo n?hmen sie die Speise? Wo n?hmen sie Gewand?

Und bes?? er drei?ig Lande, er br?cht es nimmer zu Stand.

Ihr habt doch wol vernommen, Siegfried war gar reich. 523

Sein war der Nibelungenhort, dazu das K?nigreich.

Drum gab er seinen Degen v?lliglich genug;

Es ward ja doch nicht minder, wie viel man von dem Schatze trug.

Eines frühen Morgens begannen sie die Fahrt: 524

Was schneller Mannen hatte da Siegfried sich geschart!

Sie führten gute Rosse und herrlich Gewand:

Sie kamen stolz gezogen hin zu Brunhildens Land.

Da stand in den Zinnen manch minnigliches Kind. 525

Da sprach die K?nigstochter: "Wei? Jemand, wer die sind,

Die ich dort flie?en sehe so fern auf der See?

Sie führen reiche Segel, die sind noch wei?er als der Schnee."

Da sprach der Vogt vom Rheine: "Es ist mein Heergeleit, 526

Das ich auf der Reise verlie? von hier nicht weit:

Ich habe sie besendet: nun sind sie, Frau, gekommen."

Der herrlichen G?ste ward mit Züchten wahrgenommen.

Da sah man Siegfrieden im Schiffe stehn voran 527

In herrlichem Gewande mit manchem andern Mann.

Da sprach die K?nigstochter: "Herr K?nig, wollt mir sagen:

Soll ich die G?ste grü?en oder ihnen Gru? versagen?"

Er sprach: "Ihr sollt entgegen ihnen vor den Pallas gehn, 528

Ob ihr sie gerne sehet, da? sie das wohl verstehn."

Da that die K?nigstochter, wie ihr der K?nig rieth;

Siegfrieden mit dem Gru?e sie von den Andern unterschied.

Herberge gab man ihnen und wahrt' ihr Gewand. 529

Da waren so viel G?ste gekommen in das Land,

Da? sie sich allenthalben dr?ngten mit den Scharen:

Da wollten heim die Kühnen zu den Burgunden fahren.

Da sprach die K?nigstochter: "Dem blieb ich immer hold, 530

Der zu vertheilen wüste mein Silber und mein Gold

Meinen G?sten und des K?nigs, des ich so viel gewann."

Zur Antwort gab ihr Dankwart, des kühnen Geiselher Mann:

"Viel edle K?nigstochter, la?t mich der Schlü?el pflegen; 531

Ich will es so vertheilen," sprach der kühne Degen,

"Wenn ich mir Schand erwerbe, die treffe mich allein."

Da? er milde w?re, das leuchtete da wohl ein.

Als sich Hagens Bruder der Schlü?el unterwand, 532

So manche reiche Gabe bot des Helden Hand:

Wer Einer Mark begehrte, dem ward so viel gegeben,

Da? die Armen alle da in Freuden mochten leben.

Wohl mit hundert Pfunden gab er ohne Wahl. 533

Da gieng in reichem Kleide Mancher aus dem Saal,

Der nie zuvor im Leben so hehr Gewand noch trug.

Die K?nigin erfuhr es: da war es ihr leid genug.

Sie sprach zu dem K?nig: "Des h?tt ich gerne Rath, 534

Da? nichts mir soll verbleiben von meinem Kleiderstaat

Vor euerm K?mmerlinge: er verschwendet all mein Gold.

Wer dem noch widerst?nde, dem wollt ich immer bleiben hold.

"Er giebt so reiche Gaben: der Degen w?hnet eben, 535

Ich habe nach dem Tode gesandt: ich will noch leben

Und kann wol selbst verschwenden meines Vaters Gut."

Nie hatt einer K?nigin K?mmerer so milden Muth.

Da sprach von Tronje Hagen: "Frau, euch sei bekannt: 536

Der K?nig vom Rheine hat Gold und Gewand

Zu geben solche Fülle, da? es nicht Noth ihm thut,

Von hier hinweg zu führen einen Theil von Brunhilds Gut."

"Nein, wenn ihr mich liebet," sprach sie zu den Herrn, 537

"Zwanzig Reiseschreine füllt ich mir gern

Mit Gold und mit Seide: das soll meine Hand

Vertheilen, so wir kommen heim in der Burgunden Land."

Da lud man ihr die Kisten mit edelm Gestein. 538

Der Frauen K?mmerlinge musten zugegen sein:

Sie wollt es nicht vertrauen Geiselhers Unterthan.

Gunther und Hagen darob zu lachen begann.

Da sprach die K?nigstochter: "Wem la? ich nun mein Land? 539

Das soll hier erst bestimmen mein und eure Hand."

Da sprach der edle K?nig: "So rufet wen herbei,

Der euch dazu gefalle, da? er zum Vogt geordnet sei."

Ihrer n?chsten Freunde Einen die Jungfrau bei sich sah; 540

Es war ihr Mutterbruder, zu dem begann sie da:

"Nun la?t euch sein befohlen die Burgen und das Land,

Bis seine Amtleute der K?nig Gunther gesandt."

Aus dem Gesinde w?hlte sie zweitausend Mann, 541

Die mit ihr fahren sollten gen Burgund hindann

Mit jenen tausend Recken aus Nibelungenland.

Sie schickten sich zur Reise: man sah sie reiten nach dem Strand.

Sie führte mit von dannen sechsundachtzig Fraun, 542

Dazu wol hundert M?gdelein, die waren sch?n zu schaun.

Sie s?umten sich nicht l?nger, sie eilten nun hindann:

Die sie zu Hause lie?en, wie Manche hub zu weinen an!

In h?fischen Züchten r?umte die Frau ihr Land, 543

Die n?chsten Freunde küssend, die sie bei sich fand.

Mit gutem Urlaube kamen sie aufs Meer;

Ihres Vaters Lande sah die Jungfrau nimmermehr.

Auf ihrer Fahrt ert?nte vielfaches Freudenspiel; 544

Aller Kurzweile hatten sie da viel.

Auch hob sich zu der Reise der rechte Wasserwind.

Sie fuhren ab vom Lande: das beweinte mancher Mutter Kind.

Doch wollte sie den K?nig nicht minnen auf der Fahrt: 545

Ihre Kurzweil wurde bis in sein Haus gespart

Zu Worms in der Veste zu einem Hofgelag,

Dahin mit ihren Helden sie fr?hlich kamen hernach.

* * * * *

Neuntes Abenteuer.

Wie Siegfried nach Worms gesandt wird.

Da sie gefahren waren voll neun Tage, 546

Da sprach von Tronje Hagen: "Nun h?rt, was ich sage.

Wir s?umen mit der Kunde nach Worms an den Rhein:

Nun sollten eure Boten schon bei den Burgunden sein."

Da sprach K?nig Gunther: "Ihr redet recht daran; 547

Auch h?tt uns wohl Niemand die Fahrt so gern gethan

Als ihr selbst, Freund Hagen: nun reitet in mein Land,

Unsre Hofreise macht Niemand be?er da bekannt."

"Nun wi?t, lieber Herre, ich bin kein Bote gut: 548

La?t mich der Kammer pflegen und bleiben auf der Flut.

Ich will hier bei den Frauen behüten ihr Gewand,

Bis da? wir sie bringen in der Burgunden Land.

"Nein, bittet Siegfrieden um die Botschaft dahin: 549

Der mag sie wohl verrichten mit zuchtreichem Sinn.

Versagt er euch die Reise, ihr sollt mit guten Sitten

Bei eurer Schwester Liebe um die Fahrt ihn freundlich bitten."

Er sandte nach dem Recken: der kam, als man ihn fand. 550

Er sprach zu ihm: "Wir nahen uns schon meinem Land;

Da sollt ich Boten senden der lieben Schwester mein

Und auch meiner Mutter, da? wir kommen an den Rhein.

"So bitt ich euch, Herr Siegfried, da? ihr die Reise thut, 551

Ich wills euch immer danken," so sprach der Degen gut.

Da weigerte sich Siegfried, dieser kühne Mann,

Bis ihn K?nig Gunther sehr zu flehen begann.

Er sprach: "Ihr sollt reiten um den Willen mein, 552

Dazu auch um Kriemhild, das sch?ne M?gdelein,

Da? es mit mir vergelte die herrliche Maid."

Als Siegfried das h?rte, da war der Recke bald bereit.

"Entbietet, was ihr wollet, es soll gemeldet sein: 553

Ich will es gern bestellen um das sch?ne M?gdelein.

Die ich im Herzen trage, verzichtet' ich auf die?

Leisten will ich Alles, was ihr gebietet, um sie."

"So sagt meiner Mutter, Ute der K?nigin, 554

Da? ich auf dieser Reise hohes Muthes bin.

Wie wir geworben haben, sagt meinen Brüdern an;

Auch unsern Freunden werde diese M?re kund gethan.

Ihr sollt auch nichts verschweigen der sch?nen Schwester mein, 555

Ich woll ihr mit Brunhild st?ts zu Diensten sein;

So sagt auch dem Gesinde und wer mir unterthan,

Was je mein Herz sich wünschte, da? ich das Alles gewann.

"Und saget Ortweinen, dem lieben Neffen mein, 556

Da? er Gestühl errichten la?e bei dem Rhein;

Den Mannen auch und Freunden sei es kund gethan,

Ich stelle mit Brunhilden eine gro?e Hochzeit an.

"Und bittet meine Schwester, werd ihr das bekannt, 557

Da? ich mit meinen G?sten gekommen sei ins Land,

Da? sie dann wohl empfange die liebe Traute mein:

So woll ich Kriemhilden st?ts zu Dienst erb?tig sein."

Da bat bei Brunhilden und ihrem Ingesind 558

Alsbald um den Urlaub Siegfried, Sigmunds Kind,

Wie es ihm geziemte: da ritt er an den Rhein.

Es k?nnt in allen Landen ein be?rer Bote nicht sein.

Mit vierundzwanzig Recken zu Worms kam er an; 559

Ohne den K?nig kam er, das wurde kund gethan.

Da mühten all die Degen in Jammer sich und Noth,

Besorgt, da? dort der K?nig gefunden habe den Tod.

Sie stiegen von den Rossen und trugen hohen Muth; 560

Da kam alsbald Herr Geiselher, der junge K?nig gut,

Und Gernot, sein Bruder, wie hurtig sprach er da,

Als er den K?nig Gunther nicht bei Siegfrieden sah:

"Willkommen, Herr Siegfried, ich bitte, sagt mir an: 561

Wo habt ihr meinen Bruder, den K?nig, hingethan?

Brunhildens St?rke hat ihn uns wol benommen;

So w?r uns sehr zu Schaden ihre hohe Minne gekommen."

"Die Sorge la?t fahren: euch und den Freunden sein 562

Entbietet seine Dienste der Heergeselle mein.

Ich verlie? ihn wohlgeborgen: er hat mich euch gesandt,

Da? ich sein Bote würde, mit M?ren her in euer Land.

"Nun helft mir es fügen, wie es auch gescheh, 563

Da? ich die K?nigin Ute und eure Schwester seh;

Die soll ich h?ren la?en, was ihr zu wi?en thut

Gunther und Frau Brunhild; um sie beide steht es gut."

Da sprach der junge Geiselher: "So sprecht bei ihnen an; 564

Da habt ihr meiner Schwester einen Liebesdienst gethan.

Sie tr?gt noch gro?e Sorge um den Bruder mein:

Die Maid sieht euch gerne: dafür will ich euch Bürge sein."

Da sprach der Degen Siegfried: "Wo ich ihr dienen kann, 565

Das soll immer treulich und willig sein gethan.

Wer sagt nun, da? ich komme, den beiden Frauen an?"

Da warb die Botschaft Geiselher, dieser waidliche Mann.

Geiselher der junge sprach zu der Mutter da 566

Und auch zu seiner Schwester, als er die beiden sah:

"Uns ist gekommen Siegfried, der Held aus Niederland;

Ihn hat mein Bruder Gunther her zum Rheine gesandt.

"Er bringt uns die Kunde, wie's um den K?nig steht; 567

Nun sollt ihr ihm erlauben, da? er zu Hofe geht:

Er bringt die rechten M?ren uns her von Isenland."

Noch war den edeln Frauen gro?e Sorge nicht gewandt.

Sie sprangen nach dem Staate und kleideten sich drein 568

Und luden Siegfrieden nach Hof zu kommen ein.

Das that der Degen williglich, weil er sie gerne sah.

Kriemhild die edle sprach zu ihm in Güte da:

"Willkommen, Herr Siegfried, ein Ritter ohne Gleich. 569

Wo blieb mein Bruder Gunther, der edle K?nig reich?

Durch Brunhilds St?rke, fürcht' ich, gieng er uns verloren:

O weh mir armen M?gdelein, da? ich je ward geboren!"

Da sprach der kühne Ritter: "Nun gebt mir Botenbrot, 570

Ihr zwei sch?nen Frauen weinet ohne Noth.

Ich verlie? ihn wohlgeborgen, das thu ich euch bekannt:

Sie haben mich euch beiden mit der M?re hergesandt.

"Mit freundlicher Liebe, viel edle Herrin mein, 571

Entbeut euch seine Dienste er und die Traute sein.

Nun la?t euer Weinen: sie wollen balde kommen."

Sie hatte lange Tage so liebe M?re nicht vernommen.

Mit schneewei?em Kleide aus Augen wohlgethan 572

Wischte sie die Thr?nen; zu danken hub sie an

Dem Boten dieser M?re, die ihr war gekommen.

Ihr war die gro?e Trauer und auch ihr Weinen benommen.

Sie hie? den Boten sitzen: des war er gern bereit. 573

Da sprach die Minnigliche: "Es w?re mir nicht leid,

Wenn ich euch geben dürfte zum Botenlohn mein Gold.

Dazu seid ihr zu vornehm: so bleib ich sonst denn euch hold.

"Und würden drei?ig Lande," sprach er, "mein genannt, 574

So empfieng' ich Gabe doch gern aus eurer Hand."

Da sprach die Wohlgezogne: "Wohlan, es soll geschehn."

Da hie? sie ihren K?mmerer nach dem Botenlohne gehn.

Vierundzwanzig Spangen mit Edelsteinen gut 575

Gab sie ihm zum Lohne. So stund des Helden Muth:

Er wollt es nicht behalten: er gab es unverwandt

Ihren sch?nen Maiden, die er in der Kammer fand.

Ihre Dienste bot ihm die Mutter gütlich an. 576

"Ich soll euch ferner sagen," sprach der kühne Mann,

"Um was der K?nig bittet, gelangt er an den Rhein:

Wenn ihr das, Fraue, leistet, er will euch st?ts gewogen sein.

"Seine reichen G?ste, das ist sein Begehr, 577

Sollt ihr wohl empfangen; auch bittet er euch sehr,

Entgegen ihm zu reiten vor Worms ans Gestad.

Das ists, warum der K?nig euch in Treun gebeten hat."

"Das will ich gern vollbringen," sprach die sch?ne Magd: 578

"Worin ich ihm kann dienen, das ist ihm unversagt.

Mit freundlicher Treue wird all sein Wunsch gethan."

Da mehrte sich die Farbe, die sie vor Freude gewann.

Nie sah man Fürstenboten be?er wohl empfahn: 579

Wenn sie ihn küssen durfte, sie h?tt es gern gethan;

Minniglich er anders doch von der Frauen schied.

Da thaten die Burgunden, wie da Siegfried ihnen rieth.

Sindold und Hunold und Rumold der Degen 580

Gro?er Unmu?e musten sie da pflegen,

Als sie die Sitze richteten vor Worms an dem Strand:

Die Schaffner des K?nigs man sehr befli?en da fand.

Ortwein und Gere s?umten auch nicht mehr, 581

Sie sandten nach den Freunden allw?rts umher,

Die Hochzeit anzusagen, die da sollte sein;

Der zierten sich entgegen viel der sch?nen M?gdelein.

Der Pallas und die W?nde waren allzumal 582

Verziert der G?ste wegen; K?nig Gunthers Saal

Ward herrlich ausgerüstet für manchen fremden Mann;

Das gro?e Hofgelage mit hohen Freuden begann.

Da ritten allenthalben die Wege durch das Land 583

Der drei K?nge Freunde; die hatte man besandt,

Die G?ste zu empfangen, die da sollten kommen.

Da wurden aus dem Einschlag viel reicher Kleider genommen.

Bald brachte man die Kunde, da? man schon reiten sah 584

Brunhilds Gefolge: Gedr?nge gab es da

Von des Volkes Menge in Burgundenland.

Hei! was man kühner Degen da zu beiden Seiten fand!

Da sprach die sch?ne Kriemhild: "Ihr, meine M?gdelein, 585

Die bei dem Empfange mit mir wollen sein,

Die suchen aus den Kisten ihr allerbest Gewand:

So wird uns Lob und Ehre von den G?sten zuerkannt."

Da kamen auch die Recken und lie?en vor sich her 586

Sch?ne S?ttel tragen von rothem Golde schwer,

Da? drauf die Frauen ritten von Worms an den Rhein.

Be?er Pferdger?the konnte wohl nimmer sein.

Wie warf da von den M?hren den Schein das lichte Gold! 587

Viel Edelsteine gl?nzten von den Z?umen hold;

Die goldenen Schemel auf lichtem Teppich gut

Brachte man den Frauen: sie hatten fr?hlichen Muth.

Die Frauenpferde standen auf dem Hof bereit, 588

Wie gemeldet wurde, für manche edle Maid.

Die schmalen Brustriemen sah man die M?hren tragen

Von der besten Seide, davon man je h?rte sagen.

Sechsundachtzig Frauen traten da heraus, 589

Die Kopfgebinde trugen; zu Kriemhild vor das Haus

Zogen die Sch?nen jetzt in reichem Kleid;

Da kam in vollem Schmucke auch manche waidliche Maid,

Fünfzig und viere aus Burgundenland: 590

Es waren auch die besten, die man irgend fand.

Man sah sie gelblockig unter lichten Borten gehn.

Was sich bedingt der K?nig, das sah er flei?ig geschehn.

Von kostbaren Zeugen, den besten, die man fand, 591

Trugen sie vor den G?sten manch herrlich Gewand.

Zu ihrer sch?nen Farbe stand es ihnen gut:

Wer Einer abhold w?re, litte wohl an schwachem Muth.

Von Hermelin und Zobel viel Kleider man da fand. 592

Da schmückte sich gar Manche den Arm und auch die Hand

Mit Spangen auf der Seide, die sie sollten tragen.

Es k?nnt euch die? Beflei?en Niemand wohl zu Ende sagen.

Viel Gürtel kunstgeschaffen, kostbar und lang, 593

Ueber lichte Kleider die Hand der Frauen schwang

Um edle Ferransr?cke von Zeug aus Arabia,

Wie man sie besser in aller Welt nicht ersah.

Man sah in Brustgeschmeide manch sch?ne Maid 594

Minniglich sich schnüren. Die mochte tragen Leid,

Deren lichte Farbe das Kleid nicht überschien.

So sch?nes Ingesinde hat nun keine K?nigin.

Als die Minniglichen nun trugen ihr Gewand, 595

Die sie da führen sollten, die kamen unverwandt,

Die hochgemuthen Recken in gro?er Zahl daher;

Man bracht auch hin viel Schilde und manchen eschenen Sper.

* * * * *

Zehntes Abenteuer.

Wie Gunther mit Brunhild Hochzeit hielt.

Jenseits des Rheins sah man dem Gestad 596

Mit allen seinen G?sten den K?nig schon genaht.

Da sah man auch am Zaume leiten manche Maid:

Die sie empfangen sollten, die waren alle bereit.

Als bei den Schiffen ankam von Isenland die Schar 597

Und die der Nibelungen, die Siegfried eigen war,

Sie eilten an das Ufer; wohl fli? sich ihre Hand,

Als man des K?nigs Freunde jenseits am Gestade fand.

Nun h?rt auch die M?re von der K?nigin, 598

Ute der reichen, wie sie die M?gdlein hin

Brachte von der Veste und selber ritt zum Strand.

Da wurden mit einander viel Maid' und Ritter bekannt.

Der Markgraf Gere führte am Zaum Kriemhildens Pferd 599

Bis vor das Thor der Veste; Siegfried der Degen werth

Durft ihr weiter dienen; sie war so sch?n und hehr.

Das ward ihm wohl vergolten von der Jungfrau nachher.

Ortwein der kühne führte Ute die K?nigin, 600

Und so ritt mancher Ritter neben den Frauen hin.

Zu festlichem Empfange, das mag man wohl gestehn,

Wurden nie der Frauen so viel beisammen gesehn.

Viel hohe Ritterspiele wurden da getrieben 601

Von preiswerthen Helden (wie w?r es unterblieben?)

Vor Kriemhild der sch?nen, die zu den Schiffen kam.

Da hub man von den M?hren viel der Frauen lobesam.

Der K?nig war gelandet mit fremder Ritterschaft. 602

Wie brach da vor den Frauen mancher starke Schaft!

Man h?rt' auf den Schilden erklingen Sto? auf Sto?.

Hei! reicher Buckeln Schallen ward im Gedr?nge da gro?!

Vor dem Hafen standen die Frauen minniglich; 603

Gunther mit seinen G?sten hub von den Schiffen sich:

Er führte Brunhilden selber an der Hand.

Wider einander leuchtete sch?n Gestein und licht Gewand.

In h?fischen Züchten hin Frau Kriemhild gieng, 604

Wo sie Frau Brunhilden und ihr Gesind empfieng.

Man konnte lichte H?nde am Kr?nzlein rücken sehn,

Da sich die Beiden küssten: das war aus Liebe geschehn.

Da sprach wohlgezogen Kriemhild das M?gdelein: 605

"Ihr sollt uns willkommen in diesem Lande sein,

Mir und meiner Mutter, und Allen, die uns treu

Von Mannen und von Freunden." Da verneigten sich die Zwei.

Oftmals mit den Armen umfiengen sich die Fraun. 606

So minniglich Empfangen war nimmer noch zu schaun,

Als die Frauen beide der Braut da thaten kund,

Frau Ute mit der Tochter: sie küssten oft den sü?en Mund.

Da Brunhilds Frauen alle nun standen auf dem Strand, 607

Von waidlichen Recken wurden bei der Hand

Freundlich genommen viel Frauen ausersehn.

Man sah die edeln Maide vor Frau Brunhilden stehn.

Bis der Empfang vorüber war, das w?hrte lange Zeit, 608

Manch rosigem Munde war da ein Ku? bereit.

Noch standen bei einander die K?niginnen reich:

Das freuten sich zu schauen viel der Recken ohne Gleich.

Da sp?hten mit den Augen, die oft geh?rt vorher, 609

Man hab also Sch?nes gesehen nimmermehr

Als die Frauen beide: das fand man ohne Lug.

Man sah an ihrer Sch?ne auch nicht den mindesten Trug.

Wer Frauen sch?tzen konnte und minniglichen Leib, 610

Der pries um ihre Sch?ne K?nig Gunthers Weib;

Doch sprachen da die Kenner, die es recht besehn,

Man mü?e vor Brunhilden den Preis Kriemhilden zugestehn.

Nun giengen zu einander M?gdelein und Fraun; 611

Es war in hoher Zierde manch sch?nes Weib zu schaun.

Da standen seidne Hütten und manches reiche Zelt,

Womit man erfüllt sah hier vor Worms das ganze Feld.

Des K?nige Freunde dr?ngten sich, um sie zu sehn. 612

Da hie? man Brunhilden und Kriemhilden gehn

Und all die Fraun mit ihnen hin, wo sich Schatten fand;

Es führten sie die Degen aus der Burgunden Land.

Nun waren auch die G?ste zu Ross gese?en all; 613

Da gabs beim Lanzenbrechen durch Schilde lauten Schall.

Das Feld begann zu st?uben, als ob das ganze Land

Entbrannt w?r in der Lohe: da machten Helden sich bekannt.

Was da die Recken thaten, sah manche Maid mit an. 614

Wohl ritt mit seinen Degen Siegfried der kühne Mann

In mancher Wiederkehre vorbei an dem Gezelt;

Der Nibelungen führte tausend Degen der Held.

Da kam von Tronje Hagen, wie ihm der K?nig rieth; 615

Der Held mit guter Sitte die Ritterspiele schied,

Da? sie nicht bestaubten die sch?nen M?gdelein:

Da mochten ihm die G?ste gerne wohl gehorsam sein.

Da sprach der edle Gernot: "Die Rosse la?t stehn, 616

Bis es beginnt zu kühlen, da? wir die Frauen sch?n

Mit unserm Dank geleiten bis vor den weiten Saal;

Will dann der K?nig reiten, find er euch bereit zumal."

Das Kampfspiel war vergangen über all dem Feld: 617

Da giengen kurzweilen in manches hohe Zelt

Die Ritter zu den Frauen um hoher Lust Gewinn:

Da vertrieben sie die Stunden, bis sie weiter sollten ziehn.

Vor des Abends Nahen, als sank der Sonne Licht 618

Und es begann zu kühlen, lie? man es l?nger nicht:

Zu der Veste huben Fraun und Ritter sich;

Mit Augen ward geliebkost mancher Sch?nen minniglich.

Von guten Knechten wurden viel Pferde müd geritten 619

Vor den Hochgemuthen nach des Landes Sitten,

Bis vor dem Saale abstieg der K?nig werth.

Da diente man den Frauen und hob sie nieder vom Pferd.

Da wurden auch geschieden die K?niginnen reich. 620

Hin gieng Frau Ute und Kriemhild zugleich

Mit ihrem Ingesinde in ein weites Haus:

Da vernahm man allenthalben der Freude rauschenden Braus.

Man richtete die Stühle: der K?nig wollte gehn 621

Zu Tisch mit den G?sten. Da sah man bei ihm stehn

Brunhild die sch?ne, die da die Krone trug

In des K?nigs Lande: sie erschien wohl reich genug.

Da sah man sch?ne Sitze und gute Tafeln breit 622

Mit Speisen beladen, so h?rten wir Bescheid.

Was sie da haben sollten, wie wenig fehlte dran!

Da sah man bei dem K?nig gar manchen herrlichen Mann.

Des Wirthes K?mmerlinge im Becken goldesroth 623

Reichten ihnen Wasser. Das w?r vergebne Noth,

Sagte wer, man h?tte je flei?gern Dienst gethan

Bei eines Fürsten Hochzeit: ich glaubte schwerlich daran.

Eh der Vogt am Rheine hier das Wasser nahm, 624

Zu Gunthern trat da Siegfried, er durft es ohne Scham,

Und mahnt' ihn seiner Treue, die er ihm gab zu Pfand,

Bevor er Brunhilden daheim gesehn in Isenland.

Er sprach zu ihm: "Gedenket, mir schwur eure Hand, 625

Wenn wir Frau Brunhild br?chten in die? Land,

Ihr g?bt mir eure Schwester: wo blieb nun der Eid?

Ihr wi?t, bei eurer Reise war keine Mühe mir leid."

Da sprach der Wirth zum Gaste: "Recht, da? ihr mich mahnt. 626

Ich will den Eid nicht brechen, den ich schwur mit Mund und Hand,

Ich helf es euch fügen, so gut es mag geschehn."

Da hie? man Kriemhilden zu Hof vor den K?nig gehn.

Mit ihren sch?nen Maiden kam sie vor den Saal. 627

Da sprang von einer Stiege Geiselher zu Thal:

"Nun hei?t wiederkehren diese M?gdelein:

Meine Schwester soll alleine hier bei dem K?nige sein."

Hin brachten sie Kriemhilden, wo man den K?nig fand: 628

Da standen edle Ritter von mancher Fürsten Land.

In dem weiten Saale hie? man sie stille stehn;

Frau Brunhilden sah man eben auch zu Tische gehn.

Sie hatte keine Kunde, was da im Werke war. 629

Da sprach K?nig Dankrats Sohn zu seiner Mannen Schar:

"Helft mir, da? meine Schwester Siegfrieden nimmt zum Mann."

Sie sprachen einhellig: "Das w?re gar wohl gethan."

Da sprach der K?nig Gunther: "Schwester, edle Maid, 630

Bei deiner Zucht und Güte l?se meinen Eid.

Ich schwur dich einem Recken, und nimmst du ihn zum Mann,

So hast du meinen Willen mit gro?en Treuen gethan."

Die edle Maid versetzte: "Lieber Bruder mein, 631

Ihr sollt mich nicht flehen, ich will gehorsam sein.

Wie ihr mir gebietet, so soll es sein gethan:

Dem will ich mich verloben, den ihr, Herr, mir gebt zum Mann."

Von lieber Augenweide Ward Siegfrieds Farbe roth: 632

Zu Diensten sich der Recke Frau Kriemhilden bot.

Man lie? sie mit einander in einem Kreise stehn,

Und frug sie, ob sie wolle diesen Recken ausersehn?

Scheu, wie M?dchen pflegen, sch?mte sie sich ein Theil; 633

Jedoch war Siegfrieden so günstig Glück und Heil,

Da? sie nicht verschm?hen wollte seine Hand.

Auch versprach sich ihr zum Manne der edle Held von Niederland.

Da er sich ihr verlobte und sich ihm die Maid, 634

Ein gütlich Umfangen war da alsbald bereit

Von Siegfriedens Armen dem sch?nen M?gdlein zart:

Die edle K?nigin küsst' er in der Helden Gegenwart.

Sich schied das Gesinde. Als das geschah, 635

Auf dem Ehrenplatze man Siegfrieden sah,

Mit Kriemhilden sitzen; da dient' ihm mancher Mann.

Man sah die Nibelungen mit ihm den Sitzen sich nahm.

Der K?nig sa? zu Tische bei Brunhild der Maid. 636

Da sah sie Kriemhilden (nichts war ihr je so leid)

Bei Siegfrieden sitzen: zu weinen hub sie an,

Da? ihr manch hei?e Thr?ne über lichte Wangen rann.

Da sprach der Wirth des Landes: "Was ist euch, Fraue mein, 637

Da? ihr so trüben la?et lichter Augen Schein?

Ihr solltet recht euch freuen: euch ist unterthan

Mein Land und reiche Burgen und mancher waidliche Mann."

"Recht weinen sollt ich eher," sprach die sch?ne Maid. 638

"Deiner Schwester wegen trag ich Herzeleid.

Ich seh sie sitzen neben dem Eigenholden dein:

Wohl mu? ich immer weinen, soll sie so erniedrigt sein."

Da sprach der K?nig Gunther: "Schweigt davon jetzt still, 639

Da ich euch ein andermal die Kunde sagen will,

Warum meine Schwester Siegfrieden ward gegeben.

Wohl mag sie mit dem Recken allezeit in Freuden leben."

Sie sprach: "Mich jammern immer ihre Sch?nheit, ihre Zucht; 640

Wüst ich, wohin ich sollte, ich n?hme gern die Flucht

Und wollt euch nimmer eher nahe liegen bei,

Bis ich wüste, weshalb Kriemhild die Braut von Siegfrieden sei."

Da sprach K?nig Gunther: "Ich mach es euch bekannt: 641

Er hat selber Burgen wie ich und weites Land.

Das dürft ihr sicher glauben, er ist ein K?nig reich:

Drum g?nn ich ihm zum Weibe die sch?ne Magd ohne Gleich."

Was ihr der K?nig sagte, traurig blieb ihr Muth. 642

Da eilte von den Tischen mancher Ritter gut:

Das Kampfspiel ward so heftig, da? rings die Burg erklang.

Dem Wirth bei seinen G?sten ward die Weile viel zu lang.

Er dacht: "Ich l?ge sanfter der sch?nen Frauen bei." 643

Er wurde des Gedankens nicht mehr im Herzen frei,

Von ihrer Minne mü?e ihm Liebes viel geschehn.

Da begann er freundlich Frau Brunhilden anzusehn.

Vom Ritterspiel die G?ste bat man abzustehn: 644

Mit seinem Weibe wollte zu Bett der K?nig gehn.

Vor des Saales Stiege begegneten da

Sich Kriemhild und Brunhild; noch in Güte das geschah.

Da kam ihr Ingesinde; sie s?umten l?nger nicht: 645

Ihre reichen K?mmerlinge brachten ihnen Licht.

Es theilten sich die Recken in beider K?nge Lehn.

Da sah man viel der Degen hinweg mit Siegfrieden gehn.

Die Helden kamen beide hin, wo sie sollten liegen. 646

Da dachte Jedweder mit Minnen obzusiegen

Den minniglichen Frauen: des freute sich ihr Muth.

Siegfriedens Kurzweil die wurde herrlich und gut.

Als Siegfried der Degen bei Kriemhilden lag 647

Und er da der Jungfrau so minniglich pflag

Mit seinem edeln Minnen, sie ward ihm wie sein Leben:

Er h?tte nicht die eine für tausend andre gegeben.

Ich sag euch nicht weiter, wie er der Frauen pflag. 648

Nun h?rt diese M?re, wie K?nig Gunther lag

Bei Brunhild der Frauen; der zierliche Degen

H?tte leichtlich sanfter bei andern Frauen gelegen.

Das Volk hatt ihn verla?en zumal, so Frau als Mann: 649

Da ward die Kemenate balde zugethan.

Er w?hnt', er solle kosen ihren minniglichen Leib:

Da w?hrt' es noch gar lange, bevor sie wurde sein Weib.

Im wei?en Linnenhemde gieng sie ins Bett hinein. 650

Der edle Ritter dachte: "Nun ist das alles mein,

Wes mich je verlangte in allen meinen Tagen."

Sie must ob ihrer Sch?ne mit gro?em Recht ihm behagen.

Das Licht begann zu bergen des edeln K?nigs Hand. 651

Hin gieng der kühne Degen, wo er die Jungfrau fand.

Er legte sich ihr nahe: seine Freude die war gro?,

Als die Minnigliche der Held mit Armen umschlo?.

Minnigliches Kosen m?cht er da viel begehn, 652

Lie?e das willig die edle Frau geschehn.

Doch zürnte sie gewaltig: den Herrn betrübte das.

Er w?hnt, er f?nde Freude, da fand er feindlichen Ha?.

Sie sprach: "Edler Ritter, la?t euch das vergehn: 653

Was ihr da habt im Sinne, das kann nicht geschehn.

Ich will noch Jungfrau bleiben, Herr K?nig, merkt euch das,

Bis ich die M?r erfahre." Da fa?te Gunther ihr Ha?.

Er rang nach ihrer Minne und zerrauft' ihr Kleid. 654

Da griff nach einem Gürtel die herrliche Maid,

Einer starken Borte, die sie um sich trug:

Da that sie dem K?nig gro?en Leides genug.

Die Fü? und die H?nde sie ihm zusammenband, 655

Zu einem Nagel trug sie ihn und hieng ihn an die Wand.

Als er im Schlaf sie st?rte, sein Minnen sie verbot.

Von ihrer St?rke h?tt er beinah gewonnen den Tod.

Da begann zu flehen, der Meister sollte sein: 656

"Nun l?st mir die Bande, viel edle Fraue mein.

Ich getrau euch, sch?ne Herrin, doch nimmer obzusiegen

Und will auch wahrlich selten mehr so nahe bei euch liegen."

Sie frug nicht, wie ihm w?re, da sie in Ruhe lag. 657

Dort must er hangen bleiben die Nacht bis an den Tag,

Bis der lichte Morgen durchs Fenster warf den Schein:

Hatt er je Kraft bese?en, die ward an seinem Leibe klein.

"Nun sagt mir, Herr Gunther, ist euch das etwa leid, 658

Wenn euch gebunden finden," sprach die sch?ne Maid,

"Eure K?mmerlinge von einer Frauen Hand?"

Da sprach der edle Ritter: "Das würd euch übel gewandt.

"Auch w?r mirs wenig Ehre," sprach der edle Mann: 659

"Bei eurer Zucht und Güte nehmt mich nun bei euch an.

Und ist euch meine Minne denn so m?chtig leid,

So will ich nie berühren mit meiner Hand euer Kleid."

Da l?ste sie den K?nig, da? er nicht l?nger hieng; 660

Wieder an das Bette er zu der Frauen gieng.

Er legte sich so ferne, da? er ihr Hemde fein

Nicht oft darnach berührte: auch wollte sie des ledig sein.

Da kam auch ihr Gesinde, das brachte neu Gewand: 661

Des war heute Morgen genug für sie zur Hand.

Wie froh man da gebahrte, traurig war genug

Der edle Wirth des Landes, wie er des Tags die Krone trug.

Nach des Landes Sitte, die zu begehen Pflicht, 662

Unterlie? es Gunther mit Brunhild l?nger nicht:

Sie giengen nach dem Münster, wo man die Messe sang.

Dahin auch kam Herr Siegfried; da hob sich m?chtiger Drang.

Nach k?niglichen Ehren war da für sie bereit, 663

Was sie haben sollten, die Krone wie das Kleid.

Da lie?en sie sich weihen: als das war geschehn,

Da sah man unter Krone alle Viere herrlich stehn.

Das Schwert empfiengen Knappen, sechshundert oder mehr, 664

Den K?nigen zu Ehren auf meines Worts Gew?hr.

Da hob sich gro?e Freude in Burgundenland:

Man h?rte Sch?fte brechen an der Schwertdegen Hand.

Da sa?en in den Fenstern die sch?nen M?gdelein. 665

Sie sahen vor sich leuchten manches Schildes Schein.

Nun hatte sich der K?nig getrennt von seinem Lehn:

Was man beginnen mochte, er lie? es trauernd geschehn.

Ihm und Siegfrieden ungleich stand der Muth: 666

Wohl wuste, was ihm fehlte, der edle Ritter gut.

Da gieng er zu dem K?nig, zu fragen er begann:

"Wie ists euch gelungen die Nacht, das saget mir an."

Da sprach der Wirth zum Gaste: "Den Schimpf und den Schaden 667

Hab ich an meiner Frauen in mein Haus geladen.

Ich w?hnte sie zu minnen, wie schnell sie mich da band!

Zu einem Nagel trug sie mich und hieng mich hoch an die Wand.

"Da hieng ich sehr in Aengsten die Nacht bis an den Tag. 668

Eh sie mich wieder l?ste, wie sanft sie da lag!

Das sei dir in der Stille geklagt in Freundlichkeit."

Da sprach der starke Siegfried: "Das ist in Wahrheit mir leid.

"Das will ich euch beweisen, verschmerzt ihr den Verdru?. 669

Ich schaffe, da? sie heute Nacht so nah euch liegen mu?,

Da? sie euch ihre Minne nicht l?nger vorenth?lt."

Die Rede h?rte gerne nach seinem Leide der Held.

"Nun schau meine H?nde, wie die geschwollen sind: 670

Die drückte sie so m?chtig, als w?r ich ein Kind,

Da? Blut mir allenthalben aus den N?geln drang.

Ich hegte keinen Zweifel, mein Leben w?hre nicht lang."

Da sprach der starke Siegfried: "Es wird noch Alles gut. 671

Uns Beiden war wohl ungleich heute Nacht zu Muth.

Mir ist deine Schwester wie Leben lieb und Leib!

So mu? nun auch Frau Brunhild noch heute werden dein Weib.

"Ich komme heut Abend zu deinem K?mmerlein 672

Also wohl verborgen in der Tarnkappe mein,

Da? sich meiner Künste Niemand mag versehn.

La? dann die K?mmerlinge zu ihren Herbergen gehn:

"So lesch ich den Knappen die Lichter an der Hand: 673

Bei diesem Wahrzeichen sei dir bekannt,

Da? ich hereingetreten. Wohl zwing ich dir dein Weib,

Da? du sie heute minnest, ich verl?r' denn Leben und Leib."

"Wenn du sie nicht minnest," der K?nig sprach da so, 674

"Meine liebe Fraue: des Andern bin ich froh;

Was du auch thust und n?hmst du Leben ihr und Leib,

Das wollt ich wohl verschmerzen: sie ist ein schreckliches Weib."

"Das nehm ich," sprach da Siegfried, "auf die Treue mein, 675

Da? ich sie nicht berühre; die liebe Schwester dein

Geht mir über alle, die ich jemals sah."

Wohl glaubte K?nig Gunther der Rede Siegfriedens da.

Da gabs von Ritterspielen Freude so wie Noth. 676

Den Buhurd und das L?rmen man allzumal verbot.

Als die Frauen sollten nach dem Saale gehn,

Geboten K?mmerlinge den Leuten, nicht im Weg zu stehn.

Von Rossen und von Leuten r?umte man den Hof. 677

Der Frauen Jedwede führt' ein Bischof,

Als sie vor den K?nigen zu Tische sollten gehn.

Ihnen folgten zu den Stühlen viel der Degen ausersehn.

Bei seinem Weib der K?nig in froher Hoffnung sa?: 678

Was Siegfried ihm verhei?en, im Sinne lag ihm das.

Der eine Tag ihn dauchte wohl drei?ig Tage lang:

Nach Brunhildens Minne all sein Denken ihm rang.

Er konnt es kaum erwarten, bis vorbei das Mahl. 679

Brunhild die sch?ne rief man aus dem Saal

Und auch Kriemhilden: sie sollten schlafen gehn:

Hei! was man kühner Degen sah vor den K?niginnen stehn!

Siegfried der Herre gar minniglich sa? 680

Bei seinem sch?nen Weibe mit Freuden ohne Ha?.

Sie kos'te seine H?nde mit ihrer wei?en Hand,

Bis er ihr vor den Augen, sie wuste nicht wie, verschwand.

Da sie mit ihm spielte und sie ihn nicht mehr sah, 681

Zu seinem Ingesinde sprach die K?nigin da:

"Mich wundert sehr, wo ist doch der K?nig hingekommen?

Wer hat seine H?nde mir aus den meinen genommen?"

Sie lie? die Rede bleiben. Da eilt' er hinzugehn, 682

Wo er die K?mmerlinge fand mit Lichtern stehn:

Die lescht' er unversehens den Knappen an der Hand:

Da? es Siegfried w?re, das war da Gunthern bekannt.

Wohl wust er, was er wolle: er lie? von dannen gehn 683

M?gdelein und Frauen. Als das war geschehn,

Der edle K?nig selber verschlo? der Kammer Thür:

Starker Riegel zweie die warf er eilends dafür.

Hinterm Bettvorhange barg er der Kerzen Licht. 684

Ein Spiel sogleich begannen, vermeiden lie? sichs nicht,

Siegfried der starke und die sch?ne Maid:

Das war dem K?nig Gunther beides lieb und auch leid.

Da legte sich Siegfried der K?nigin bei. 685

Sie sprach: "Nun la?t es, Gunther, wie lieb es euch auch sei,

Da? ihr nicht Noth erleidet heute so wie eh:

Oder euch geschieht hier von meinen H?nden wieder Weh."

Er hehlte seine Stimme, kein W?rtlein sprach er da. 686

Wohl h?rte K?nig Gunther, obgleich er sie nicht sah,

Da? Heimliches von Beiden wenig geschehen sei;

Nicht viel bequeme Ruhe im Bette fanden die Zwei.

Er stellte sich, als w?r er Gunther der K?nig reich; 687

Er umschlo? mit Armen das M?gdlein ohne Gleich.

Sie warf ihn aus dem Bette dabei auf eine Bank,

Da? laut an einem Schemel ihm das Haupt davon erklang.

Wieder auf mit Kr?ften sprang der kühne Mann, 688

Es be?er zu versuchen: wie er das begann,

Da? er sie zwingen wollte, da widerfuhr ihm Weh.

Ich glaube nicht, da? solche Wehr von Frauen je wieder gescheh.

Da ers nicht la?en wollte, das M?gdlein aufsprang: 689

"Euch ziemt nicht zu zerraufen mein Hemd also blank.

Ihr seid ungezogen: das wird euch noch leid.

Des bring ich euch wohl inne," sprach die waidliche Maid.

Sie umschlo? mit den Armen den theuerlichen Degen 690

Und wollt ihn auch in Bande wie den K?nig legen,

Da? sie im Bette l?ge mit Gem?chlichkeit.

Wie grimmig sie das r?chte, da? er zerzerret ihr Kleid!

Was half ihm da die St?rke, was seine gro?e Kraft? 691

Sie erwies dem Degen ihres Leibes Meisterschaft.

Sie trug ihn überm?chtig, das muste nur so sein,

Und drückt ihn ungefüge bei dem Bett an einen Schrein.

"O weh," gedacht er, "soll ich Leben nun und Leib 692

Von einer Maid verlieren, so mag jedes Weib

In allen künftgen Zeiten tragen Frevelmuth

Dem Mann gegenüber, die es sonst wohl nimmer thut."

Der K?nig h?rte Alles; er bangte für den Mann. 693

Da sch?mte sich Siegfried, zu zürnen fieng er an.

Mit ungefügen Kr?ften ihr widersetzt' er sich

Und versuchte seine St?rke an Brunhilden ?ngstiglich.

Wie sie ihn niederdrückte, sein Zorn erzwang es noch 694

Und seine starken Kr?fte, da? ihr zum Trotz er doch

Sich aufrichten konnte; seine Angst war gro?.

Sie gaben in der Kammer sich her und hin manchen Sto?.

Auch litt K?nig Gunther Sorgen und Beschwer: 695

Er muste manchmal flüchten vor ihnen hin und her.

Sie rangen so gewaltig, da? es Wunder nahm,

Wie Eins vor dem Andern mit dem Leben noch entkam.

Den K?nig Gunther ?ngstigte beiderseits die Noth; 696

Doch fürchtet' er am meisten Siegfriedens Tod.

Wohl h?tte sie dem Degen das Leben schier benommen:

Dürft er nur, er w?r ihm gern zu Hülfe gekommen.

Gar lange zwischen Beiden dauerte der Streit; 697

Da bracht er an das Bette zuletzt zurück die Maid:

Wie sehr sie sich auch wehrte, die Wehr ward endlich schwach.

Gunther in seinen Sorgen hieng mancherlei Gedanken nach.

Es w?hrte lang dem K?nig, bis Siegfried sie bezwang. 698

Sie drückte seine H?nde, da? aus den N?geln sprung

Das Blut von ihren Kr?ften; das war dem Helden leid.

Da zwang er zu verl?ugnen diese herrliche Maid

Den ungestümen Willen, den sie erst dargethan. 699

Alles vernahm der K?nig, doch h?rt ers schweigend an.

Er drückte sie ans Bette, da? sie aufschrie laut:

Des starken Siegfrieds Kr?fte schmerzten übel die Braut.

Da griff sie nach der Hüfte, wo sie die Borte fand, 700

Und dacht' ihn zu binden: doch wehrt' es seine Hand,

Da? ihr die Glieder krachten, dazu der ganze Leib.

Da war der Streit zu Ende: da wurde sie Gunthers Weib.

Sie sprach: "Edler K?nig, nimm mir das Leben nicht: 701

Was ich dir that zu Leide, vergüt ich dir nach Pflicht.

Ich wehre mich nicht wieder der edeln Minne dein:

Ich hab es wohl erfahren, da? du magst Frauen Meister sein."

Aufstand da Siegfried, liegen blieb die Maid, 702

Als d?cht er abzuwerfen eben nur das Kleid.

Er zog ihr vom Finger ein Ringlein von Gold,

Da? es nicht gewahrte die edle K?nigin hold,

Auch nahm er ihren Gürtel, eine Borte gut. 703

Ich wei? nicht, geschah es aus hohem Uebermuth.

Er gab ihn seinem Weibe: das ward ihm sp?ter leid.

Da lagen bei einander der K?nig und die sch?ne Maid.

Er pflag der Frauen minniglich, wie es geziemend war: 704

Scham und Zorn verschmerzen muste sie da gar.

Von seinen Heimlichkeiten ihre lichte Farb erblich.

Hei! wie von der Minne die gro?e Kraft ihr entwich!

Da war auch sie nicht st?rker als ein ander Weib. 705

Minniglich umfieng er ihren sch?nen Leib;

Wenn sie noch widerst?nde, was k?nnt es sie verfahn?

Das hatt ihr Alles Gunther mit seinem Minnen gethan.

Wie minniglich der Degen da bei der Frauen lag 706

In freundlicher Liebe bis an den lichten Tag!

Inzwischen war Herr Siegfried l?ngst schon hindann:

Da ward er wohl empfangen von einer Frauen wohlgethan.

Er wich allen Fragen aus, die sie erdacht, 707

Und hehlt' ihr noch lang, was er mitgebracht,

Bis er daheim das Kleinod ihr doch am Ende gab:

Das brachte viel der Degen mit ihm selber ins Grab.

Dem Wirth am andern Morgen viel h?her stand der Muth, 708

Als am ersten Tage: da ward die Freude gut

In allen seinen Landen bei manchem edeln Mann.

Die er zu Hof geladen, denen ward viel Dienst gethan.

Vierzehn Tage w?hrte diese Lustbarkeit, 709

Da? sich der Schall nicht legte in so langer Zeit

Von aller Lust und Kurzweil, die man erdenken mag.

Wohl verwandte hohe Kosten der K?nig bei dem Hofgelag.

Des edeln Wirthes Freunde, wie es der Herr gewollt, 710

Verschenkten ihm zu Ehren Kleider und rothes Gold,

Silber auch und Rosse an manchen fremden Mann.

Die gerne Gaben nahmen, die schieden fr?hlich hindann.

Auch der kühne Siegfried aus dem Niederland 711

Mit seinen tausend Mannen -all das Gewand,

Das sie gebracht zum Rheine, ward ganz dahin gegeben,

Sch?ne Ross' und S?ttel: sie wusten herrlich zu leben.

Bevor die reiche Gabe noch alle war verwandt, 712

Schon daucht es die zu lange, die wollten in ihr Land.

Nie sah man ein Gesinde mehr so wohl verpflegen.

So endete die Hochzeit: da schied von dannen mancher Degen.

* * * * *

Eilftes Abenteuer.

Wie Siegfried mit seinem Weibe heimkehrte.

Als die G?ste waren gefahren all davon, 713

Da sprach zu dem Gesinde K?nig Siegmunds Sohn:

"Wir wollen auch uns rüsten zur Fahrt in unser Land."

Lieb ward es seinem Weibe, als ihr die M?re ward bekannt.

Sie sprach zu ihrem Manne: "Wann sollen wir nun fahren? 714

So sehr damit zu eilen will ich mich bewahren:

Erst sollen mit mir theilen meine Brüder dieses Land."

Leid war es Siegfrieden, als ers an Kriemhilden fand.

Die Fürsten giengen zu ihm und sprachen alle drei: 715

"Wi?t nun, Herr Siegfried, da? euch immer sei

Unser Dienst mit Treue bereit bis in den Tod."

Er neigte sich den Herren, da mans so wohl ihm erbot.

"Wir wolln auch mit euch theilen," sprach Geiselher das Kind, 716

"Das Land und die Burgen, die unser eigen sind,

Und was der weiten Reiche uns ist unterthan;

Ihr empfangt mit Kriemhild euer volles Theil daran."

Der Sohn K?nig Siegmunds sprach zu den Fürsten da, 717

Als er den guten Willen der Herren h?rt und sah:

"Gott la? euch euer Erbe gesegnet immer sein

Und auch die Leute drinnen: es mag die liebe Fraue mein

"Des Theils wohl entrathen, den ihr ihr wolltet geben: 718

Wo sie soll Krone tragen, m?gen wirs erleben,

Da mu? sie reicher werden, als wer ist auf der Welt.

Was ihr sonst gebietet, ich bin euch dienstlich gesellt."

Da sprach aber Kriemhild: "Wenn ihr mein Land verschm?ht, 719

Um die Burgundendegen es so gering nicht fleht;

Die mag ein K?nig gerne führen in sein Land:

Wohl soll sie mit mir theilen meiner lieben Brüder Hand."

Da sprach K?nig Gernot: "Nimm, die du willst, mit dir. 720

Die gerne mit dir reiten, du findest Viele hier.

Von drei?ighundert Recken nimm dir tausend Mann

Zu deinem Hausgesinde." Kriemhild zu senden begann

Nach Hagen von Tronje und nach Ortwein, 721

Ob sie und ihre Freunde Kriemhildens wollten sein.

Da gewann darüber Hagen ein zorniges Leben:

Er sprach: "Uns kann Gunther in der Welt an Niemand vergeben.

"Ander Ingesinde nehmt zu eurer Fahrt; 722

Ihr werdet ja wohl kennen der Tronejer Art.

Wir mü?en bei den K?nigen bleiben so fortan

Und denen ferner dienen, deren Dienst wir st?ts versahn."

Sie lie?en es bewenden und machten sich bereit. 723

Ihres edeln Ingesindes nahm Kriemhild zum Geleit

Zweiunddrei?ig M?gdelein und fünfhundert Mann;

Eckewart der Markgraf zog mit Kriemhild hindann.

Da nahmen alle Urlaub, Ritter so wie Knecht, 724

M?gdelein und Frauen: so war es Fug und Recht.

Unter Küssen scheiden sah man sie unverwandt,

Und jene r?umten fr?hlich dem K?nig Gunther das Land.

Da geleiteten die Freunde sie fern auf ihren Wegen. 725

Allenthalben lie? man ihnen Nachtherberge legen,

Wo sie die nehmen wollten in der K?nge Land.

Da wurden bald auch Boten dem K?nig Siegmund gesandt,

Damit er wi?en sollte und auch Frau Siegelind, 726

Sein Sohn solle kommen mit Frau Utens Kind,

Kriemhild der sch?nen, von Worms über Rhein.

Diese M?ren konnten ihnen nimmer lieber sein.

"Wohl mir," sprach da Siegmund, "da? ich den Tag soll sehn, 727

Da hier die sch?ne Kriemhild soll unter Krone gehn!

Das erh?ht im Werthe mir all das Erbe mein:

Mein Sohn Siegfried soll nun selbst hier K?nig sein."

Da gab ihnen Siegelind zu Kleidern Sammet roth 728

Und schweres Gold und Silber: das war ihr Botenbrot.

Sie freute sich der M?re, die sie da vernahm.

All ihr Ingesinde sich mit Flei? zu kleiden begann.

Man sagt' ihr, wer da k?me mit Siegfried in das Land. 729

Da hie? sie Gestühle errichten gleich zur Hand,

Wo er vor den Freunden sollt unter Krone gehn.

Entgegen ritten ihnen Die in K?nig Siegmunds Lehn.

Wer be?er w?re empfangen, mir ist es unbekannt, 730

Als die Helden wurden in Siegmundens Land.

Kriemhilden seine Mutter Sieglind entgegenritt

Mit viel der sch?nen Frauen; kühne Ritter zogen mit

Wohl eine Tagereise, bis man die G?ste sah. 731

Die Heimischen und Fremden litten Beschwerde da,

Bis sie endlich kamen zu einer Veste weit,

Die Santen war gehei?en, wo sie Krone trugen nach der Zeit.

Mit lachendem Munde Siegmund und Siegelind 732

Manche liebe Weile küssten sie Utens Kind

Und Siegfried den Degen; ihnen war ihr Leid benommen.

All ihr Ingesinde hie? man fr?hlich willkommen.

Da brachten sie die G?ste vor K?nig Siegmunds Saal. 733

Die sch?nen Jungfrauen hub man allzumal

Von den M?hren nieder; da war mancher Mann,

Der den sch?nen Frauen mit Flei? zu dienen begann.

So pr?chtig ihre Hochzeit am Rhein war bekannt, 734

Doch gab man hier den Helden k?stlicher Gewand,

Als sie all ihr Leben je zuvor getragen.

Man mochte gro?e Wunder von ihrem Reichthume sagen.

So sa?en sie in Ehren und hatten genug. 735

Was goldrothe Kleider ihr Ingesinde trug!

Edel Gestein und Borten sah man gewirkt darin.

So verpflag sie flei?ig Sieglind die edle K?nigin.

Da sprach vor seinen Freunden der K?nig Siegmund: 736

"Allen meinen Freunden thu ichs heute kund,

Da? Siegfried meine Krone hier hinfort soll tragen."

Die M?re h?rten gerne Die von Niederlanden sagen.

Er befahl ihm seine Krone mit Gericht und Land: 737

Da war er Herr und K?nig. Wem er den Rechtsspruch fand

Und wen er strafen sollte, das wurde so gethan,

Da? man wohl fürchten durfte der sch?nen Kriemhilde Mann.

In diesen hohen Ehren lebt' er, das ist wahr, 738

Und richtet' unter Krone bis an das zehnte Jahr,

Da die sch?ne K?nigin einen Sohn gewann,

An dem des K?nigs Freunde ihren Wunsch und Willen sahn.

Alsbald lie? man ihn taufen und einen Namen nehmen: 739

Gunther, nach seinem Oheim, des dürft er sich nicht sch?men.

Gerieth' er nach den Freunden, er würd ein kühner Mann.

Man erzog ihn sorgsam: sie thaten auch recht daran.

In denselben Zeiten starb Frau Siegelind: 740

Da nahm die volle Herrschaft der edeln Ute Kind,

Wie so reicher Frauen geziemte wohl im Land.

Es ward genug betrauert, da? der Tod sie hatt entwandt.

Nun hatt auch dort am Rheine, wie wir h?ren sagen, 741

Gunther dem reichen einen Sohn getragen

Brunhild die sch?ne in Burgundenland.

Dem Helden zu Liebe ward er Siegfried genannt.

Mit welchen Sorgen immer man sein hüten hie?! 742

Von Hofmeistern Gunther ihn Alles lehren lie?,

Was er bedürfen m?chte, erwüchs' er einst zum Mann.

Hei, was ihm bald das Unglück der Verwandten abgewann!

Zu allen Zeiten M?re war so viel gesagt, 743

Wie doch so herrlich die Degen unverzagt

Zu allen Stunden lebten in Siegmundens Land:

So lebt' auch K?nig Gunther mit seinen Freunden auserkannt.

Das Land der Nibelungen war Siegfried unterthan 744

(Keiner seiner Freunde je gr??ern Schatz gewann)

Mit Schilbungens Recken und der Beiden Gut.

Darüber trug der Kühne desto h?her den Muth.

Hort den allermeisten, den je ein Held gewann, 745

Nach den ersten Herren, besa? der kühne Mann,

Den vor einem Berge seine Hand erwarb im Streit:

Er schlug darum zu Tode manchen Ritter allbereit.

Vollauf besa? er Ehre, und h?tt ers halb entbehrt, 746

Doch müste man gestehen dem edeln Recken werth,

Da? er der Beste w?re, der je auf Rossen sa?.

Man scheute seine St?rke, mit allem Grunde that man das.

* * * * *

Zw?lftes Abenteuer.

Wie Gunther Siegfrieden zum Hofgelage lud.

Da dacht auch alle Tage Brunhild die K?nigin: 747

"Wie tr?gt nur Frau Kriemhild so übermüthgen Sinn!

Nun ist doch unser Eigen Siegfried ihr Mann:

Der hat uns nun schon lange wenig Dienste gethan."

Das trug sie im Herzen in gro?er Heimlichkeit; 748

Da? sie ihr fremde blieben, das war der Frauen leid.

Da? man ihr nicht zinste von des Fürsten Land,

Woher das wohl k?me, das h?tte sie gern erkannt.

Sie versucht' es bei dem K?nig, ob es nicht geschehn 749

M?chte, da? sie Kriemhild noch sollte wiedersehn.

Sie vertraut' ihm heimlich, worauf ihr sann der Muth;

Da dauchte den K?nig der Frauen Rede nicht gut.

"Wie k?nnten wir sie bringen," sprach der K?nig hehr, 750

"Her zu diesem Lande? das fügt sich nimmermehr.

Sie wohnen uns zu ferne: ich darf sie nicht drum bitten."

Da gab ihm Brunhild Antwort mit gar hochf?hrtgen Sitten:

"Und w?re noch so m?chtig eines K?nigs Mann, 751

Was ihm sein Herr gebietet, das mu? doch sein gethan."

L?cheln muste Gunther ihrer Rede da:

Er nahm es nicht als Dienst an, wenn er Siegfrieden sah.

Sie sprach: "Lieber Herre, bei der Liebe mein, 752

Hilf mir, da? Siegfried und die Schwester dein

Zu diesem Lande kommen und wir sie hier ersehn:

So k?nnte mir auf Erden nimmer lieber geschehn.

"Deiner Schwester Güte, ihr wohlgezogner Muth, 753

Wenn ich daran gedenke, wie wohl mirs immer thut;

Wie wir beisammen sa?en, als ich dir ward verm?hlt!

Sie hat sich mit Ehren den kühnen Siegfried erw?hlt."

Da bat sie ihn so lange, bis der K?nig sprach: 754

"Nun wi?t, da? ich G?ste nicht lieber sehen mag.

Ihr m?gt mich leicht erbitten: ich will die Boten mein

Zu ihnen beiden senden, da? sie kommen an den Rhein."

Da sprach die K?nigstochter: "So sollt ihr mir sagen, 755

Wann ihr sie wollt besenden, oder zu welchen Tagen

Die lieben Freunde sollen kommen in die? Land;

Die ihr dahin wollt senden, die macht zuvor mir bekannt."

"Das will ich," sprach der K?nig: "drei?ig aus meinem Lehn 756

La? ich zu ihnen reiten." Die hie? er vor sich gehn:

Durch sie entbot er M?re in Siegfriedens Land.

Da beschenkte sie Frau Brunhild mit manchem reichen Gewand.

Der K?nig sprach: "Ihr Recken sollt von mir sagen 757

Und nichts von dem verschweigen, was ich euch aufgetragen,

Siegfried dem starken und der Schwester mein,

Ihnen dürf auf Erden nimmer Jemand holder sein.

"Und bittet, da? sie beide uns kommen an den Rhein: 758

Dafür will ich und Brunhild ihnen st?ts gewogen sein.

Vor dieser Sonnenwende soll er hier Manchen sehn,

Er und seine Mannen, die ihm Ehre la?en geschehn.

"Vermeldet auch dem K?nig Siegmund die Dienste mein, 759

Da? ich und meine Freunde ihm st?ts gewogen sei'n.

Und bittet meine Schwester, da? sie's nicht unterl??t

Und zu den Freunden reitet: nie ziemt' ihr so ein Freudenfest."

Brunhild und Ute und was man Frauen fand, 760

Die entboten ihre Dienste in Siegfriedens Land

Den minniglichen Frauen und manchem kühnen Mann.

Nach Wunsch des K?nigs hoben sich bald die Boten hindann.

Sie standen reisefertig; ihr Ross und ihr Gewand 761

War ihnen angekommen: da r?umten sie das Land.

Sie eilten zu dem Ziele, dahin sie wollten fahren.

Der K?nig hie? die Boten durch Geleite wohl bewahren.

Innerhalb zw?lf Tagen kamen sie in das Land, 762

Zu Nibelungens Veste, wohin man sie gesandt,

In der Mark zu Norweg fanden sie den Degen:

Ross und Leute waren müde von den langen Wegen.

Siegfried und Kriemhilden war eilends hinterbracht, 763

Da? Ritter kommen waren, die trügen solche Tracht,

Wie bei den Burgunden man trug der Sitte nach.

Sie sprang von einem Bette, darauf die Ruhende lag.

Zu einem Fenster lie? sie eins ihrer M?gdlein gehn; 764

Die sah den kühnen Gere auf dem Hofe stehn,

Ihn und die Gef?hrten, die man dahin gesandt.

Ihr Herzeleid zu stillen, wie liebe Kunde sie fand!

Sie sprach zu dem K?nige: "Seht ihr, wie sie stehn, 765

Die mit dem starken Gere auf dem Hofe gehn,

Die uns mein Bruder Gunther nieder schickt den Rhein."

Da sprach der starke Siegfried: "Die sollen uns willkommen sein."

All ihr Ingesinde lief hin, wo man sie sah. 766

Jeder an seinem Theile gütlich sprach er da

Das Beste, was er konnte, zu den Boten hehr.

Ihres Kommens freute der K?nig Siegmund sich sehr.

Herbergen lie? man Geren und Die ihm unterthan 767

Und ihrer Rosse warten. Die Boten brachte man

Dahin, wo Herr Siegfried bei Kriemhilden sa?.

Sie sahn den Boten gerne sicherlich ohne allen Ha?.

Der Wirth mit seinem Weibe erhob sich gleich zur Hand. 768

Wohl ward empfangen Gere aus Burgundenland

Mit seinen Fahrtgenossen in K?nig Gunthers Lehn.

Den Markgrafen Gere bat man nicht l?nger zu stehn.

"Erlaubt uns die Botschaft, eh wir uns setzen gehn; 769

Uns wegemüde G?ste, la?t uns so lange stehn,

So melden wir die M?re, die euch zu wi?en thut

Gunther mit Brunhilden: es geht ihnen beiden gut.

"Und was euch Frau Ute, eure Mutter, her entbot, 770

Geiselher der junge und auch Herr Gernot

Und eure n?chsten Freunde: die haben uns gesandt

Und entbieten euch viele Dienste aus der Burgunden Land."

"Lohn ihnen Gott," sprach Siegfried; "ich versah zu ihnen wohl 771

Mich aller Lieb und Treue, wie man zu Freunden soll.

So thut auch ihre Schwester; ihr sollt uns ferner sagen,

Ob unsre lieben Freunde hohen Muth daheim noch tragen.

"Hat ihnen, seit wir schieden, Jemand ein Leid gethan 772

Meiner Fraue Brüdern? Das saget mir an.

Ich wollt es ihnen immer mit Treue helfen tragen,

Bis ihre Widersacher meine Dienste müsten beklagen."

Antwort gab der Markgraf Gere, ein Ritter gut: 773

"Sie sind in allen Züchten mit Freuden wohlgemuth.

Sie laden euch zum Rheine zu einer Lustbarkeit

Sie s?hn euch gar gerne, da? ihr des au?er Zweifel seid.

"Sie bitten meine Fraue auch mit euch zu kommen. 774

Wenn nun der Winter ein Ende hat genommen,

Vor dieser Sonnenwende da m?chten sie euch sehn."

Da sprach der starke Siegfried: "Das k?nnte schwerlich geschehn."

Da sprach wieder Gere von Burgundenland: 775

"Eure Mutter Ute hat euch sehr gemahnt

Mit Gernot und Geiselher, ihr sollt es nicht versagen.

Da? ihr so ferne wohnet, h?r ich sie t?glich beklagen.

"Brunhild meine Herrin und ihre M?gdelein 776

Freuen sich der Kunde, und k?nnt es jemals sein,

Da? sie euch wieders?hen, ihnen schuf es hohen Muth."

Da dauchten diese M?ren die sch?ne Kriemhilde gut.

Gere war ihr Vetter: der Wirth ihn sitzen hie?; 777

Den G?sten hie? er schenken, nicht l?nger man das lie?.

Da kam dazu auch Siegmund: als der die Boten sah,

Freundlich sprach der K?nig zu den Burgunden da:

"Willkommen uns, ihr Recken in K?nig Gunthers Lehn. 778

Da sich Kriemhilden zum Weibe hat ersehn

Mein Sohn Siegfried, man sollt euch ?fter schaun

In diesem Lande, dürften wir bei euch auf Freundschaft vertraun.

Sie sprachen: Wenn er wolle, sie würden gerne kommen. 779

Ihnen ward mit Freuden die Müdigkeit benommen.

Man hie? die Boten sitzen; Speise man ihnen trug:

Deren schuf da Siegfried den lieben G?sten genug.

Sie musten da verweilen volle neun Tage. 780

Darob erhoben endlich die schnellen Ritter Klage,

Da? sie nicht wieder reiten durften in ihr Land.

Da hatt auch K?nig Siegfried zu seinen Freunden gesandt:

Er fragte, was sie riethen: er solle nach dem Rhein. 781

"Es lie? mich entbieten Gunther der Schwager mein,

Er und seine Brüder, zu einer Lustbarkeit:

Ich m?cht ihm gerne kommen, liegt gleich sein Land mir so weit.

"Sie bitten Kriemhilden, mit mir zu ziehn. 782

Nun rathet, liebe Freunde, wie kommen wir dahin?

Und sollt ich Heerfahrten durch drei?ig Herren Land,

Gern dienstbereit erwiese sich ihnen Siegfriedens Hand."

Da sprachen seine Recken: "Steht euch zur Fahrt der Muth 783

Nach dem Hofgelage, wir rathen, was ihr thut:

Ihr sollt mit tausend Recken reiten an den Rhein:

So m?gt ihr wohl mit Ehren bei den Burgunden sein."

Da sprach von Niederlanden der K?nig Siegmund: 784

"Wollt ihr zum Hofgelage, was thut ihr mirs nicht kund?

Ich will mit euch reiten, wenn ihrs zufrieden seid;

Hundert Degen führ ich, damit mehr ich eur Geleit."

"Wollt ihr mit uns reiten, lieber Vater mein," 785

Sprach der kühne Siegfried, "des will ich fr?hlich sein.

Binnen zw?lf Tagen r?um ich unser Land."

Die sie begleiten sollten, denen gab man Ross' und Gewand.

Als dem edeln K?nig zur Reise stand der Muth, 786

Da lie? man wieder reiten die schnellen Degen gut.

Seiner Frauen Brüdern entbot er an den Rhein,

Da? er gerne wolle bei ihrem Hofgelage sein.

Siegfried und Kriemhild, so h?rten wir sagen, 787

Beschenkten so die Boten, es mochten es nicht tragen

Die Pferde nach der Heimat: er war ein reicher Mann.

Ihre starken S?umer trieb man zur Reise fr?hlich an.

Da schuf dem Volke Kleider Siegfried und Siegemund. 788

Eckewart der Markgraf lie? da gleich zur Stund

Frauenkleider suchen, die besten, die man fand

Und irgend mocht erwerben in Siegfriedens ganzem Land.

Die S?ttel und die Schilde man da bereiten lie?. 789

Den Rittern und den Frauen, die er sich folgen hie?,

Gab man, was sie wollten; nichts gebrach daran.

Er brachte seinen Freunden manchen herrlichen Mann.

Nun wandten sich die Boten zurück und eilten sehr. 790

Da kam zu den Burgunden Gere, der Degen hehr,

Und wurde sch?n empfangen: sie schwangen sich zu Thal

Von Rossen und von M?hren dort vor K?nig Gunthers Saal.

Die Jungen und die Alten kamen, wie man thut, 791

Und fragten nach der M?re. Da sprach der Ritter gut:

"Wenn ichs dem K?nig sage, wird es auch euch bekannt."

Er gieng mit den Gesellen dahin, wo er Gunthern fand.

Der K?nig vor Freude von dem Se?el sprang; 792

Da? sie so bald gekommen, sagt' ihnen Dank

Brunhild die Sch?ne. Zu den Boten sprach er da:

"Wie gehabt sich Siegfried, von dem mir Liebe viel geschah?"

Da sprach der kühne Gere: "Er ward vor Freuden roth, 793

Er und eure Schwester. So holde M?r entbot

Seinen Freunden nimmer noch zuvor ein Mann,

Als euch der edle Siegfried und sein Vater hat gethan."

Da sprach zum Markgrafen des reichen K?nigs Weib: 794

"Nun sagt mir, kommt uns Kriemhild? Hat noch ihr sch?ner Leib

Die hohe Zier behalten, deren sie mochte pflegen?"

Er sprach: "Sie kommen beide; mit ihnen mancher kühne Degen."

Ute lie? die Boten alsbald vor sich gehn. 795

Da wars an ihrem Fragen leichtlich zu verstehn,

Was sie zu wi?en wünsche: "War Kriemhild noch wohlauf?"

Er gab Bescheid, sie kam auch nach kurzer Tage Verlauf.

Da blieb auch nicht verhohlen am Hof der Botensold, 796

Den ihnen Siegfried schenkte, die Kleider und das Gold:

Die lie? man alle schaun in der drei Fürsten Lehn.

Da musten sie ihm Ehre wohl für Milde zugestehn.

"Er mag," sprach da Hagen, "mit vollen H?nden geben: 797

Er k?nnt es nicht verschwenden, und sollt er ewig leben.

Den Hort der Nibelungen beschlie?t des K?nigs Hand;

Hei! da? er jemals k?me her in der Burgunden Land!"

Da freuten sich die Degen am Hof im Voraus, 798

Da? sie kommen sollten. Befli?en überaus

Sah man sp?t und frühe Die in der K?nge Lehn.

Welch herrlich Gestühle lie? man vor der Burg erstehn!

Hunold der kühne und Sindold der Degen 799

Hatten wenig Mu?e: des Amtes muste pflegen

Truchse? auch und Schenke und richten manche Bank;

Auch Ortwein war behülflich: des sagt' ihnen Gunther Dank.

Rumold der Küchenmeister, wie herrscht' er in der Zeit 800

Ob seinen Unterthanen, gar manchem Ke?el weit,

H?fen und Pfannen; hei! was man deren fand!

Denen ward da Kost bereitet, die da kamen in das Land.

Der Frauen Arbeiten waren auch nicht klein: 801

Sie bereiteten die Kleider, darauf manch edler Stein,

Des Stralen ferne gl?nzten, gewirkt war in das Gold;

Wenn sie die anlegten, ward ihnen M?nniglich hold.

* * * * *

Dreizehntes Abenteuer.

Wie sie zum Hofgelage fuhren.

All ihr Bemühen la?en wir nun sein 802

Und sagen, wie Frau Kriemhild und ihre M?gdelein

Hin zum Rheine fuhren von Nibelungenland.

Niemals trugen Rosse so viel herrlich Gewand.

Viel Saumschreine wurden versendet auf den Wegen. 803

Da ritt mit seinen Freunden Siegfried der Degen

Und die K?nigstochter in hoher Freuden Wahn;

Da war es ihnen Allen zu gro?em Leide gethan.

Sie lie?en in der Heimat Siegfrieds Kindelein 804

Und Kriemhildens bleiben; das muste wohl so sein.

Aus ihrer Hofreise erwuchs ihm viel Beschwer:

Seinen Vater, seine Mutter ersah das Kindlein nimmermehr.

Mit ihnen ritt von dannen Siegmund der K?nig hehr. 805

H?tt er ahnen k?nnen, wie es ihm nachher

Beim Hofgelag ergienge, er h?tt es nicht gesehn:

Ihm konnt an lieben Freunden gr??er Leid nicht geschehn.

Vorausgesandte Boten verhie?en sie bei Zeit. 806

Entgegen ritten ihnen in herrlichem Geleit

Von Utens Freunden viele und K?nig Gunthers Lehn.

Der Wirth lie? gro?en Eifer für die lieben G?ste sehn.

Er gieng zu Brunhilden, wo er sie sitzen fand: 807

"Wie empfieng euch meine Schwester, da ihr kamet in die? Land?

So will ich, da? ihr Siegfrieds Gemahl empfangen sollt."

"Das thu ich", sprach sie, "gerne: ich bin ihr billiglich hold."

Da sprach der m?chtige K?nig: "Sie kommen morgen fruh; 808

Wollt ihr sie empfangen, so greift nur bald dazu,

Da? sie uns in der Veste nicht überraschen hie:

Mir sind so liebe G?ste nicht oft gekommen wie sie."

Ihre M?gdelein und Frauen lie? sie da zur Hand 809

Gute Kleider suchen, die besten, die man fand,

Die ihr Ingesinde vor G?sten mochte tragen.

Das thaten sie doch gerne: das mag man für Wahrheit sagen.

Sie zu empfangen eilten auch Die in Gunthers Lehn; 810

All seine Recken hie? er mit sich gehn.

Da ritt die K?nigstochter hinweg in stolzem Zug.

Die lieben G?ste grü?te sie alle freudig genug.

Mit wie hohen Ehren da empfieng man sie! 811

Sie dauchte, da? Frau Kriemhild Brunhilden nie

So wohl empfangen habe in Burgundenland.

Allen, die es sahen, war hohe Wonne bekannt.

Nun war auch Siegfried kommen mit seiner Leute Heer. 812

Da sah man die Helden sich wenden hin und her

Im Feld allenthalben mit ungez?hlten Scharen.

Vor Staub und Dr?ngen konnte sich da Niemand bewahren.

Als der Wirth des Landes Siegfrieden sah 813

Und Siegmund den K?nig, wie gütlich sprach er da:

"Nun seid mir hochwillkommen und all den Freunden mein;

Wir wollen hohen Muthes ob eurer Hofreise sein."

"Nun lohn euch Gott," sprach Siegmund, der ehrbegierge Mann. 814

"Seit mein Sohn Siegfried euch zum Freund gewann,

Rieth mir all mein Sinnen, wie ich euch m?chte sehn."

Da sprach K?nig Gunther: "Nun freut mich, da? es geschehn."

Siegfried ward empfangen, wie man das wohl gesollt, 815

Mit viel gro?en Ehren; ein Jeder ward ihm hold.

Des half mit Rittersitten Gernot und Geiselher;

Man bot es lieben G?sten so gütlich wohl nimmermehr.

Nun konnten sich einander die K?niginnen schaun. 816

Da sah man S?ttel leeren und viel der sch?nen Fraun

Von der Helden H?nden gehoben auf das Gras:

Wer gerne Frauen diente, wie selten der da mü?ig sa?!

Da giengen zu einander die Frauen minniglich. 817

Darüber h?chlich freuten viel der Ritter sich,

Da? der Beiden Grü?en so minniglich ergieng.

Man sah da manchen Recken, der Frauendienste begieng.

Das herrliche Gesinde nahm sich bei der Hand; 818

Züchtiglich sich neigen man allerorten fand

Und minniglich sich küssen viel Frauen wohlgethan.

Das sahen gerne Gunthers und Siegfrieds Mannen mit an.

Sie s?umten da nicht l?nger und ritten nach der Stadt. 819

Der Wirth seinen G?sten zu erweisen hat,

Da? man sie gerne s?he in der Burgunden Land.

Manches sch?ne Kampfspiel man vor den Jungfrauen fand.

Da lie? von Tronje Hagen und auch Ortewein, 820

Wie sie gewaltig waren, wohl offenkundig sein.

Was sie gebieten mochten, das ward alsbald gethan.

Man sah die lieben G?ste viel Dienst von ihnen empfahn.

Man h?rte Schilde hallen vor der Veste Thor 821

Von Stichen und von St??en. Lange hielt davor

Der Wirth mit seinen G?sten, bis alle waren drin,

In mancher Kurzweil giengen ihnen schnell die Stunden hin.

Vor den weiten G?stesaal sie nun in Freuden ritten. 822

Viel kunstvolle Decken, reich und wohlgeschnitten,

Sah man von den S?tteln den Frauen wohlgethan

Allenthalben hangen; da kamen Diener heran.

Zu Gemache wiesen sie die G?ste da. 823

Hin und wieder blicken man Brunhilden sah

Nach Kriemhild der Frauen; sch?n war sie genug:

Den Glanz noch vor dem Golde ihre hehre Farbe trug.

Da vernahm man allenthalben zu Worms in der Stadt 824

Den Jubel des Gesindes. K?nig Gunther bat

Dankwart, seinen Marschall, es wohl zu verpflegen:

Da lie? er die G?ste in gute Herbergen legen.

Drau?en und darinnen bek?stigte man sie: 825

So wohl gewartet wurde fremder G?ste nie.

Was Einer wünschen mochte, das war ihm gern gew?hrt:

So reich war der K?nig, es blieb Keinem was verwehrt.

Man dient' ihnen freundlich und ohn allen Ha?. 826

Der K?nig zu Tische mit seinen G?sten sa?;

Siegfrieden lie? man sitzen, wie er sonst gethan.

Mit ihm gieng zu Tische gar mancher waidliche Mann.

Zw?lfhundert Recken setzten sich dahin 827

Mit ihm an der Tafel. Brunhild die K?nigin

Gedachte, wie ein Dienstmann nicht reicher m?ge sein.

Noch war sie ihm günstig, sie lie? ihn gerne gedeihn.

Es war an einem Abend, da so der K?nig sa?, 828

Viel reiche Kleider wurden da vom Weine na?,

Als die Schenken sollten zu den Tischen gehn:

Da sah man volle Dienste mit gro?em Flei?e geschehn.

Wie bei Hofgelagen Sitte mochte sein, 829

Lie? man zur Ruh geleiten Fraun und M?gdelein.

Von wannen wer gekommen, der Wirth ihm Sorge trug;

In gütlichen Ehren gab man Allen genug.

Die Nacht war zu Ende, sich hob des Tages Schein, 830

Aus den Saumschreinen mancher Edelstein

Ergl?nzt' auf gutem Kleide; das schuf der Frauen Hand.

Aus der Lade suchten sie manches herrliche Gewand.

Eh es noch v?llig tagte, kamen vor den Saal 831

Ritter viel und Knechte: da hob sich wieder Schall

Vor einer Frühmesse, die man dem K?nig sang.

So ritten junge Helden, der K?nig sagt' ihnen Dank.

Da klangen die Posaunen von manchem kr?ftgen Sto?; 832

Von Fl?ten und Drommeten ward der Schall so gro?,

Worms die weite Veste gab lauten Widerhall.

Auf die Rosse sprangen die kühnen Helden überall.

Da hob sich in dem Lande ein hohes Ritterspiel 833

Von manchem guten Recken: man fand ihrer viel,

Deren junge Herzen füllte froher Muth.

Unter Schilden sah man manchen zieren Ritter gut.

Da lie?en in den Fenstern die herrlichen Fraun 834

Und viel der sch?nen Maide sich im Schmucke schaun.

Sie sahen kurzweilen manchen kühnen Mann:

Der Wirth mit seinen Freunden zu reiten selber begann.

So vertrieben sie die Weile, die dauchte sie nicht lang. 835

Da lud zu dem Dome mancher Glocke Klang:

Den Frauen kamen Rosse, da ritten sie hindann;

Den edeln K?niginnen folgte mancher kühne Mann.

Sie stiegen vor dem Münster nieder auf das Gras. 836

Noch hegte zu den G?sten Brunhild keinen Ha?.

Sie giengen unter Krone in das Münster weit.

Bald schied sich diese Liebe: das wirkte grimmiger Neid.

Als die Messe war gesungen, sah man sie weiter ziehn 837

Unter hohen Ehren. Sie giengen heiter hin

Zu des K?nigs Tischen. Ihre Freude nicht erlag

Bei diesen Lustbarkeiten bis gegen den eilften Tag.

Die K?nigin gedachte: "Ich wills nicht l?nger tragen. 838

Wie ich es fügen m?ge, Kriemhild mu? mir sagen,

Warum uns so lange den Zins versa? ihr Mann:

Der ist doch unser Eigen: der Frag ich nicht entrathen kann."

So harrte sie der Stunde, bis es der Teufel rieth, 839

Da? sie das Hofgelage und die Lust mit Leide schied.

Was ihr lag am Herzen, zu Lichte must es kommen:

Drum ward in manchen Landen durch sie viel Jammer vernommen.

* * * * *

Vierzehntes Abenteuer.

Wie die K?niginnen sich schalten.

Es war vor einer Vesper, als man den Schall vernahm, 840

Der von manchem Recken auf dem Hofe kam:

Sie stellten Ritterspiele der Kurzweil willen an.

Da eilten es zu schauen Frauen viel und mancher Mann.

Da sa?en beisammen die K?niginnen reich 841

Und gedachten zweier Recken, die waren ohne Gleich.

Da sprach die sch?ne Kriemhild: "Ich hab einen Mann,

Dem w?ren diese Reiche alle billig unterthan."

Da sprach zu ihr Frau Brunhild: "Wie k?nnte das wohl sein? 842

Wenn Anders Niemand lebte als du und er allein,

So m?chten ihm die Reiche wohl zu Gebote stehn:

So lange Gunther lebte, so k?nnt es nimmer geschehn."

Da sprach Kriemhild wieder: "Siehst du, wie er steht, 843

Wie er da so herrlich vor allen Recken geht,

Wie der lichte Vollmond vor den Sternen thut!

Darob mag ich wohl immer tragen fr?hlichen Muth."

Da sprach wieder Brunhild: "Wie waidlich sei dein Mann, 844

Wie sch?n und wie bieder, so steht ihm doch voran

Gunther der Recke, der edle Bruder dein:

mu? vor allen K?nigen, das wi?e du wahrlich, sein."

Da sprach Kriemhild wieder: "So werth ist mein Mann, 845

Da? er ohne Grund nicht solch Lob von mir gewann.

An gar manchen Dingen ist seine Ehre gro?.

Glaubst du das, Brunhild? er ist wohl Gunthers Geno?!"

"Das sollst du mir, Kriemhild, im Argen nicht verstehn; 846

Es ist auch meine Rede nicht ohne Grund geschehn.

Ich h?rt' es Beide sagen, als ich zuerst sie sah,

Und als des K?nigs Willen in meinen Spielen geschah.

"Und da er meine Minne so ritterlich gewann, 847

Da sagt' es Siegfried selber, er sei des K?nigs Mann:

Drum halt ich ihn für eigen: ich h?rt' es ihn gestehn."

Da sprach die sch?ne Kriemhild: "So w?r mir übel geschehn.

"Wie h?tten so geworben die edeln Brüder mein, 848

Da? ich des Eigenmannes Gemahl sollte sein?

Darum will ich, Brunhild, gar freundlich dich bitten,

La? mir zu Lieb die Rede hinfort mit gütlichen Sitten."

Die K?nigin versetzte: "Sie la?en mag ich nicht: 849

Wie th?t ich auf so manchen Ritter wohl Verzicht,

Der uns mit dem Degen zu Dienst ist unterthan?"

Kriemhild die Sch?ne hub da sehr zu zürnen an.

"Dem must du wohl entsagen, da? er in der Welt 850

Dir irgend Dienste leiste. Werther ist der Held

Als mein Bruder Gunther, der Degen unverzagt.

Erla? mich der Dinge, die du mir jetzo gesagt.

"Auch mu? mich immer wundern, wenn er dein Dienstmann ist 851

Und du ob uns Beiden So gewaltig bist,

Warum er dir so lange den Zins verse?en hat;

Deines Uebermuthes w?r ich billig nun satt."

"Du willst dich überheben," sprach da die K?nigin. 852

"Wohlan, ich will doch schauen, ob man dich fürderhin

So hoch in Ehren halte, als man mich selber thut."

Die Frauen waren beide in sehr zornigem Muth.

Da sprach wieder Kriemhild: "Das wird dir wohl bekannt: 853

Da du meinen Siegfried dein eigen hast genannt,

So sollen heut die Degen der beiden K?nge sehen,

Ob ich vor der K?nigin wohl zur Kirche dürfe gehn.

"Ich la?e dich wohl schauen, da? ich edel bin und frei, 854

Und da? mein Mann viel werther als der deine sei.

Ich will damit auch selber nicht bescholten sein:

Du sollst noch heute sehen, wie die Eigenholde dein

"Zu Hof geht vor den Helden in Burgundenland. 855

Ich will h?her gelten, als man je gekannt

Eine K?nigstochter, die noch die Krone trug."

Unter den Frauen hob sich der Ha? da grimm genug.

Da sprach Brunhild wieder: "Willst du nicht eigen sein, 856

So must du dich scheiden mit den Frauen dein

Von meinem Ingesinde, wenn wir zum Münster gehn."

"In Treuen," sprach da Kriemhild, "also soll es geschehn."

"Nun kleidet euch, ihr Maide," hub da Kriemhild an: 857

"Ob ich frei von Schande hier nicht verbleiben kann,

La?t es heute schauen, besitzt ihr reichen Staat;

Sie soll es noch verl?ugnen, was ihr Mund gesprochen hat."

Ihnen war das leicht zu rathen; sie suchten reich Gewand. 858

Wie bald man da im Schmucke viel Fraun und Maide fand!

Da gieng mit dem Gesinde des edeln Wirths Gemahl;

Zu Wunsch gekleidet ward auch die sch?ne Kriemhild zumal

Mit dreiundvierzig Maiden, die sie zum Rhein gebracht; 859

Die trugen lichte Zeuge, in Arabien gemacht.

So kamen zu dem Münster die M?gdlein wohlgethan.

Ihrer harrten vor dem Hause Die Siegfrieden unterthan.

Die Leute nahm es Wunder, warum das geschah, 860

Da? man die K?niginnen so geschieden sah,

Und da? sie bei einander nicht giengen so wie eh.

Das gerieth noch manchem Degen zu Sorgen und gro?em Weh.

Nun stand vor dem Münster K?nig Gunthers Weib. 861

Da fanden viel der Ritter genehmen Zeitvertreib

Bei den sch?nen Frauen, die sie da nahmen wahr.

Da kam die edle Kriemhild mit mancher herrlichen Schar.

Was Kleider je getragen eines edeln Ritters Kind, 862

Gegen ihr Gesinde war alles nur wie Wind.

Sie war so reich an Gute, drei?ig K?nigsfraun

Mochten die Pracht nicht zeigen, die da an ihr war zu schaun.

Was man auch wünschen mochte, Niemand konnte sagen, 863

Da? er so reiche Kleider je gesehen tragen,

Als da zur Stunde trugen ihre M?gdlein wohlgethan.

Brunhilden wars zu Leide, sonst h?tt es Kriemhild nicht gethan.

Nun kamen sie zusammen vor dem Münster weit. 864

Die Hausfrau des K?nigs aus ingrimmem Neid

Hie? da Kriemhilden unwirsch stille stehn:

"Es soll vor K?nigsweibe die Eigenholde nicht gehn."

Da sprach die sch?ne Kriemhild, zornig war ihr Muth: 865

"H?ttest du noch geschwiegen, das w?r dir wohl gut.

Du hast gesch?ndet selber deinen sch?nen Leib:

Mocht eines Mannes Kebse je werden K?nigesweib?"

"Wen willst du hier verkebsen?" sprach des K?nigs Weib. 866

"Das thu ich dich," sprach Kriemhild: "deinen sch?nen Leib

Hat Siegfried erst geminnet, mein geliebter Mann:

Wohl war es nicht mein Bruder, der dein Magdthum gewann.

"Wo blieben deine Sinne? Es war doch arge List: 867

Was lie?est du ihn minnen, wenn er dein Dienstmann ist?

Ich h?re dich," sprach Kriemhild, "ohn alle Ursach klagen."

"In Wahrheit," sprach da Brunhild, "das will ich doch Gunthern sagen."

"Wie mag mich das gef?hrden? Dein Uebermuth hat dich betrogen: 868

Du hast mich mit Reden in deine Dienste gezogen,

Da? wi?e du in Treuen, es ist mir immer leid:

Zu trauter Freundschaft bin ich dir nimmer wieder bereit."

Brunhild begann zu weinen; Kriemhild es nicht verhieng, 869

Vor des K?nigs Weibe sie in das Münster gieng

Mit ihrem Ingesinde. Da hub sich gro?er Ha?;

Es wurden lichte Augen sehr getrübt davon und na?.

Wie man da Gott auch diente oder Jemand sang, 870

Brunhilden w?hrte die Weile viel zu lang.

War allzutrübe der Sinn und auch der Muth:

Des muste bald entgelten mancher Degen kühn und gut.

Brunhild mit ihren Frauen gieng vor das Münster stehn. 871

Sie gedachte: "Ich mu? von Kriemhild mehr zu h?ren sehn,

Wes mich so laut hier zeihte das wortscharfe Weib:

Und wenn er sichs gerühmt hat, gehts ihm an Leben und Leib!"

Nun kam die edle Kriemhild mit manchem kühnen Mann. 872

Da begann Frau Brunhild: "Haltet hier noch an.

Ihr wolltet mich verkebsen: la?t uns Beweise sehn,

Mir ist von euern Reden, das wi?et, übel geschehn."

Da sprach die sch?ne Kriemhild: "Was la?t ihr mich nicht gehn? 873

Ich bezeug es mit dem Golde, an meiner Hand zu sehn.

Das brachte mir Siegfried, nachdem er bei euch lag."

Nie erlebte Brunhild wohl einen leidigen Tag.

Sie sprach: "Die? Gold das edle, das ward mir gestohlen 874

Und blieb mir lange Jahre übel verhohlen:

Ich komme nun dahinter, wer mir es hat genommen."

Die Frauen waren beide in gro?en Unmuth gekommen.

Da sprach wieder Kriemhild: "Ich will nicht sein der Dieb. 875

Du h?ttest schweigen sollen, w?r dir Ehre lieb.

Ich bezeug es mit dem Gürtel, den ich umgethan,

Ich habe nicht gelogen: wohl wurde Siegfried dein Mann."

Von Niniveer Seide sie eine Borte trug 876

Mit edelm Gesteine, die war wohl sch?n genug.

Als Brunhild sie erblickte, zu weinen hub sie an.

Das muste Gunther wi?en und alle Die ihm unterthan.

Da sprach des Landes K?nigin: "Sendet her zu mir 877

Den K?nig vom Rheine: h?ren soll er hier,

Wie sehr seine Schwester sch?ndet meinen Leib:

Sie sagt vor allen Leuten, ich sei Siegfriedens Weib."

Der K?nig kam mit Recken: als er weinen sah 878

Brunhild seine Traute, gütlich sprach er da:

"Von wem, liebe Fraue, ist euch ein Leid geschehn?"

Sie sprach zu dem K?nig: "Unfr?hlich mu? ich hier stehn.

Aller meiner Ehren hat die Schwester dein 879

Mich berauben wollen. Geklagt soll dir sein,

Sie sagt: ich sei die Kebse von Siegfried ihrem Mann."

Da sprach K?nig Gunther: "So hat sie übel gethan."

"Sie tr?gt hier meinen Gürtel, den ich l?ngst verloren, 880

Und mein Gold das rothe. Da? ich je ward geboren,

Des mu? mich sehr gereuen: befreist du, Herr, mich nicht

Solcher gro?en Schande, ich minne nie wieder dich."

Da sprach K?nig Gunther: "So ruft ihn herbei: 881

Hat er sichs gerühmet, das gesteh er frei,

Er woll es denn l?ugnen, der Held von Niederland."

Da ward der kühne Siegfried bald hin zu ihnen gesandt.

Als Siegfried der Degen die Unmuthvollen sah 882

Und den Grund nicht wuste, balde sprach er da:

"Was weinen diese Frauen? das macht mir bekannt:

Oder wessentwegen wurde hier nach mir gesandt"

Da sprach K?nig Gunther: "Gro? Herzleid fand ich hier. 883

Eine M?re sagte mein Weib Frau Brunhild mir:

Du habest dich gerühmet, du w?rst ihr erster Mann.

So spricht dein Weib Frau Kriemhild: hast du, Degen, das gethan?"

"Niemals," sprach da Siegfried; "und hat sie das gesagt, 884

Nicht eher will ich ruhen, bis sie es beklagt,

Und will davon mich reinigen vor deinem ganzen Heer

Mit meinen hohen Eiden, ich sagte Solches nimmermehr."

Da sprach der Fürst vom Rheine: "Wohlan, das zeige mir. 885

Der Eid, den du geboten, geschieht der allhier,

Aller falschen Dinge la? ich dich ledig gehn."

Man lie? in einem Ringe die stolzen Burgunden stehn.

Da bot der kühne Siegfried zum Eide hin die Hand. 886

Da sprach der reiche K?nig: "Jetzt hab ich wohl erkannt,

Ihr seid hieran unschuldig und sollt des ledig gehn:

Des euch Kriemhild zeihte, das ist nicht von euch geschehn."

Da sprach wieder Siegfried: "Und kommt es ihr zu Gut, 887

Da? deinem sch?nen Weibe sie so betrübt den Muth,

Das w?re mir wahrlich aus der Ma?en leid."

Da blickten zu einander die Ritter kühn und allbereit.

"Man soll so Frauen ziehen," sprach Siegfried der Degen, 888

"Da? sie üppge Reden la?en unterwegen;

Verbiet es deinem Weibe, ich will es meinem thun.

Solchen Uebermuthes in Wahrheit sch?m ich mich nun."

Viel sch?ne Frauen wurden durch Reden schon entzweit. 889

Da erzeigte Brunhild solche Traurigkeit,

Da? es erbarmen muste Die in Gunthers Lehn.

Von Tronje Hagen sah man zu der K?nigin gehn.

Er fragte, was ihr w?re, da er sie weinend fand. 890

Sie sagt' ihm die M?re. Er gelobt' ihr gleich zur Hand,

Da? es bü?en sollte der Kriemhilde Mann,

Oder man treff ihn nimmer unter Fr?hlichen an.

Ueber die Rede kamen Ortwein und Gernot, 891

Allda die Helden riethen zu Siegfriedens Tod.

Dazu kam auch Geiselher, der sch?nen Ute Kind;

Als er die Rede h?rte, sprach der Getreue geschwind:

"O weh, ihr guten Knechte, warum thut ihr das? 892

Siegfried verdiente ja niemals solchen Ha?,

Da? er darum verlieren Leben sollt und Leib:

Auch sind es viel Dinge, um die wohl zürnet ein Weib."

"Sollen wir G?uche ziehen?" sprach Hagen entgegen: 893

"Das br?chte wenig Ehre solchen guten Degen.

Da? er sich rühmen durfte der lieben Frauen mein,

Ich will des Todes sterben oder es mu? gerochen sein."

Da sprach der K?nig selber: "Er hat uns nichts gethan 894

Als Liebes und Gutes: leb er denn fortan.

Was sollt ich dem Recken hegen solchen Ha??

Er bewies uns immer Treue, gar williglich that er das."

Da begann der Degen von Metz Herr Ortewein: 895

"Wohl kann ihm nicht mehr helfen die gro?e St?rke sein.

Will es mein Herr erlauben, ich thu ihm alles Leid."

Da waren ihm die Helden ohne Grund zu schaden bereit.

Dem folgte doch Niemand, au?er da? Hagen 896

Alle Tage pflegte zu Gunthern zu sagen:

Wenn Siegfried nicht mehr lebte, ihm würden unterthan

Manches K?nigs Lande. Da hub der Held zu trauern an.

Man lie? es bewenden und gieng dem Kampfspiel nach. 897

Hei! was man starker Sch?fte vor dem Münster brach

Vor Siegfriedens Weibe bis hinan zum Saal!

Mit Unmuth sah es Mancher, dem K?nig Gunther befahl.

Der K?nig sprach: "La?t fahren den mordlichen Zorn. 898

Er ist uns zu Ehren und zum Heil geborn;

Auch ist so grimmer St?rke der wunderkühne Mann,

Wenn ers inne würde, so dürfte Niemand ihm nahn."

"Nicht doch," sprach da Hagen, "da dürft ihr ruhig sein: 899

Wir leiten in der Stille alles sorglich ein.

Brunhildens Weinen soll ihm werden leid.

Immer sei ihm Hagen zu Ha? und Schaden bereit."

Da sprach der K?nig Gunther: "Wie m?cht es geschehn?" 900

Zur Antwort gab ihm Hagen: "Das sollt ihr bald verstehn:

Wir la?en Boten reiten her in dieses Land,

Uns offnen Krieg zu künden, die hier Niemand sind bekannt.

"Dann sagt ihr vor den G?sten, ihr wollt mit euerm Lehn 901

Euch zur Heerfahrt rüsten. Sieht er das geschehn,

So verspricht er euch zu helfen; dann gehts ihm an den Leib,

Erfahr ich nur die M?re von des kühnen Recken Weib."

Der K?nig folgte leider seines Dienstmanns Rath. 902

So huben an zu sinnen auf Untreu und Verrath,

Eh es wer erkannte, die Ritter auserkoren:

Durch zweier Frauen Zanken gieng da mancher Held verloren.

* * * * *

Fünfzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried verrathen ward.

Man sah am vierten Morgen zweiunddrei?ig Mann 903

Hin zu Hofe reiten: da ward es kund gethan

Gunther dem reichen, es droh ihm neuer Streit.

Die Lüge schuf den Frauen das allergr??este Leid.

Sie gewannen Urlaub, an den Hof zu gehn. 904

Da sagten sie, sie st?nden in Lüdegers Lehn,

Den einst bezwungen hatte Siegfriedens Hand

Und ihn als Geisel brachte K?nig Gunthern in das Land.

Die Boten grü?te Gunther und hie? sie sitzen gehn. 905

Einer sprach darunter: "Herr K?nig, la?t uns stehn,

Da? wir die M?ren sagen, die euch entboten sind.

Wohl habt ihr zu Feinden, das wi?t, mancher Mutter Kind.

"Euch wiedersagen Lüdegast und K?nig Lüdeger: 906

Denen schuft ihr weiland grimmige Beschwer;

Nun wollen sie mit Heereskraft reiten in die? Land."

Gunther begann zu zürnen, als w?r es ihm unbekannt.

Man lie? die falschen Boten zu den Herbergen gehn. 907

Wie mochte da Siegfried der Tücke sich versehn,

Er oder anders Jemand, die man so listig spann?

Doch war es ihnen selber zu gro?em Leide gethan.

Der K?nig mit den Freunden gieng raunend ab und zu: 908

Hagen von Tronje lie? ihm keine Ruh,

Noch wollt es Mancher wenden in des K?nigs Lehn;

Doch nicht vermocht er Hagen von seinen R?then abzustehn.

Eines Tages Siegfried die Degen raunend fand. 909

Da begann zu fragen der Held der Niederland:

"Wie traurig geht der K?nig und Die ihm unterthan?

Das helf ich immer r?chen, hat ihnen wer ein Leid gethan."

Da sprach K?nig Gunther: "Wohl hab ich Herzeleid: 910

Lüdegast und Lüdeger drohn mir wieder Streit.

Mit Heerfahrten wollen sie reiten in mein Land."

Da sprach der kühne Degen: "Dem soll Siegfriedens Hand

"Nach allen euern Ehren mit Kr?ften widerstehn; 911

Von mir geschieht den Degen, was ihnen einst geschehn.

Ihre Burgen leg ich wüste und dazu ihr Land,

Eh ich abla?e: des sei mein Haupt euer Pfand.

"Ihr mit euern Mannen nehmt der Heimat wahr; 912

La?t mich zu ihnen reiten mit meiner Leute Schar.

Da? ich euch gerne diene, la? ich euch wohl sehn:

Von mir soll euern Feinden, das wi?et, übel geschehn."

"Nun wohl mir dieser M?re," der K?nig sprach da so, 913

Als w?r er seiner Hülfe alles Ernstes froh.

Tief neigte sich in Falschheit der ungetreue Mann.

Da sprach der edle Siegfried: "La?t euch keine Sorge nahn."

Sie schickten mit den Knechten zu der Fahrt sich an: 914

Siegfrieden und den Seinen ward es zum Schein gethan.

Da hie? er sich rüsten Die von Niederland:

Siegfriedens Recken suchten ihr Streitgewand.

Da sprach der starke Siegfried: "Mein Vater Siegmund, 915

Bleibt ihr hier im Lande: wir kehren bald gesund,

Will Gott uns Glück verleihen, wieder an den Rhein.

Ihr sollt bei dem K?nig unterdessen fr?hlich sein."

Da wollten sie von dannen: die F?hnlein band man an. 916

Umher standen Viele, die Gunthern unterthan

Und hatten nicht erfahren, wie es damit bewandt.

Gro? Heergesinde war es, das da bei Siegfrieden stand.

Die Panzer und die Helme man auf die Rosse lud; 917

Aus dem Lande wollten viel starke Recken gut.

Da gieng von Tronje Hagen hin, wo er Kriemhild fand;

Er bat sie um Urlaub: sie wollten r?umen das Land.

"Nun wohl mir," sprach Kriemhild, "da? ich den Mann gewann." 918

Der meine lieben Freunde so wohl beschützen kann,

Wie hier mein Herr Siegfried an meinen Brüdern thut:

Darum trag ich," sprach die K?nigin, "immer fr?hlichen Muth.

"Lieber Freund Hagen, nun hoff ich, ihr gedenkt, 919

Da? ich euch gerne diene; ich hab euch nie gekr?nkt.

Das komme mir zu Gute an meinem lieben Mann:

La?t es ihn nicht entgelten, was ich Brunhilden gethan.

"Des hat mich schon gereuet," sprach das edle Weib, 920

"Auch hat er so zerbleuet zur Strafe mir den Leib,

Da? ich je beschwerte mit Reden ihr den Muth,

Er hat es wohl gerochen, dieser Degen kühn und gut."

Da sprach er: "Ihr vers?hnt euch wohl nach wenig Tagen. 921

Kriemhild, liebe Herrin, nun sollt ihr mir sagen,

Wie ich euch dienen m?ge an Siegfried euerm Herrn.

Ich g?nn es niemand be?er und thu es, K?nigin, gern."

"Ich w?r ohn alle Sorge," sprach da das edle Weib, 922

"Da? man ihm im Kampfe Leben n?hm und Leib,

Wenn er nicht folgen wollte seinem Uebermuth;

So w?r immer sicher dieser Degen kühn und gut."

"Fürchtet ihr, Herrin," Hagen da begann, 923

"Da? er verwundet werde, so vertraut mir an,

Wie soll ichs beginnen, dem zu widerstehn?

Ihn zu schirmen will ich immer bei ihm reiten und gehn."

Sie sprach: "Du bist mir Sippe, so will ich dir es sein: 924

Ich befehle dir auf Treue den holden Gatten mein.

Da? du mir behütest den geliebten Mann."

Was be?er w?r verschwiegen, vertraute da sie ihm an.

Sie sprach: "Mein Mann ist tapfer, dazu auch stark genug. 925

Als er den Linddrachen an dem Berge schlug,

Da badet' in dem Blute der Degen allbereit,

Daher ihn keine Waffe je versehren mocht im Streit.

"Jedoch bin ich in Sorgen, wenn er im Kampfe steht 926

Und aus der Helden H?nde mancher Sperwurf geht,

Da? ich da verliere meinen lieben Mann.

Hei! was ich Sorgen oft um Siegfried gewann!

"Mein lieber Freund, ich meld es nun auf Gnade dir, 927

Da? du deine Treue bew?hren m?gst an mir,

Wo man mag verwunden meinen lieben Mann.

Das sollst du nun vernehmen: es ist auf Gnade gethan.

"Als von des Drachen Wunden flo? das hei?e Blut, 928

Und sich darinne badete der kühne Recke gut,

Da fiel ihm auf die Achseln ein Lindenblatt so breit:

Da kann man ihn verwunden; das schafft mir Sorgen und Leid."

Da sprach von Tronje Hagen: "So n?ht auf sein Gewand 929

Mir ein kleines Zeichen mit eigener Hand,

Wo ich ihn schirmen mü?e, mag ich daran verstehn."

Sie w?hnt' ihn so zu fristen; auf seinen Tod wars abgesehn.

Sie sprach: "Mit feiner Seide n?h ich auf sein Gewand 930

Insgeheim ein Kreuzchen: da soll, Held, deine Hand

Mir den Mann behüten, wenns ins Gedr?nge geht,

Und er vor seinen Feinden in den starken Stürmen steht."

"Das thu ich," sprach da Hagen, "viel liebe Herrin mein." 931

Wohl w?hnte da die Gute, sein Frommen sollt es sein:

Da war hiemit verrathen der Kriemhilde Mann.

Urtaub nahm da Hagen: da gieng er fr?hlich hindann.

Was er erfahren hatte, bat ihn sein Herr zu sagen. 932

"M?gt ihr die Reise wenden, so la?t uns reiten jagen.

Ich wei? nun wohl die Kunde, wie ich ihn t?dten soll.

Wollt ihr die Jagd bestellen?" "Das thu ich," sprach der K?nig, "wohl."

Der Dienstmann des K?nigs war froh und wohlgemuth. 933

Gewiss, da? solche Bosheit kein Recke wieder thut

Bis zum jüngsten Tage, als da von ihm geschah,

Da sich seiner Treue die sch?ne K?nigin versah.

Früh des andern Morgens mit wohl tausend Mann 934

Ritt Siegfried der Degen mit frohem Muth hindann:

Er w?hnt', er solle r?chen seiner Freunde Leid.

So nah ritt ihm Hagen, da? er beschaute sein Kleid.

Als er ersah das Zeichen, da schickt' er ungesehn, 935

Andre M?r zu bringen, zwei aus seinem Lehn:

In Frieden sollte bleiben K?nig Gunthers Land;

Es habe sie Herr Lüdeger zu dem K?nig gesandt.

Wie ungerne Siegfried ablie? vom Streit, 936

Eh er gerochen hatte seiner Freunde Leid!

Kaum hielten ihn zurücke Die Gunthern unterthan.

Da ritt er zu dem K?nig, der ihm zu danken begann:

"Nun lohn euch Gott, Freund Siegfried, den willigen Sinn, 937

Da? ihr so gerne thatet, was mir vonn?then schien:

Das will ich euch vergelten, wie ich billig soll.

Vor allen meinen Freunden vertrau ich euch immer wohl.

"Da wir uns der Heerfahrt so entledigt sehn, 938

So la?t uns nun B?ren und Schweine jagen gehn

Nach dem Odenwalde, wie ich oft gethan."

Gerathen hatte Hagen das, dieser ungetreue Mann.

"Allen meinen G?sten soll man das nun sagen, 939

Ich denke früh zu reiten: die mit mir wollen jagen,

Die la?t sich fertig halten; die aber hier bestehn,

Kurzweilen mit den Frauen: so sei mir Liebes geschehn."

Mit herrlichen Sitten sprach da Siegfried: 940

"Wenn ihr jagen reitet, da will ich gerne mit.

So sollt ihr mir leihen einen J?gersmann

Mit etlichen Bracken: So reit ich mit euch in den Tann."

"Wollt ihr nur Einen?" frug Gunther zuhand; 941

"Ich leih euch, wollt ihr, viere, denen wohl bekannt

Der Wald ist und die Steige, wo viel Wildes ist,

Da? ihr des Wegs unkundig nicht ledig wieder heimw?rts mü?t."

Da ritt zu seinem Weibe der Degen unverzagt. 942

Derweil hatte Hagen dem K?nig gesagt,

Wie er verderben wolle den herrlichen Degen.

So gro?er Untreue sollt ein Mann nimmer pflegen.

Als die Ungetreuen beschlo?en seinen Tod, 943

Da wusten sie es Alle. Geiselher und Gernot

Wollten nicht mit jagen. Wei? nicht, aus welchem Groll

Sie ihn nicht verwarnten; doch des entgalten sie voll.

* * * * *

Sechzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried erschlagen ward.

Gunther und Hagen, die Recken wohlgethan 944

Gelobten mit Untreuen ein Birschen in den Tann.

Mit ihren scharfen Spie?en wollten sie jagen Schwein'

Und B?ren und Wisende: was mochte Kühneres sein?

Da ritt auch mit ihnen Siegfried mit stolzem Sinn. 945

Man bracht ihnen Speise aller Art dahin.

An einem kühlen Brunnen lie? er da das Leben:

Den Rath hatte Brunhild, K?nig Gunthers Weib, gegeben.

Da gieng der kühne Degen hin, wo er Kriemhild fand. 946

Schon war aufgeladen das edle Birschgewand

Ihm und den Gef?hrten: sie wollten über Rhein.

Da konnte Kriemhilden nicht leider zu Muthe sein.

Seine liebe Traute küsst' er auf den Mund: 947

"Gott la?e mich dich, Liebe, noch wiedersehn gesund

Und deine Augen mich auch; mit holden Freunden dein

Kürze dir die Stunden: ich kann nun nicht bei dir sein."

Da gedachte sie der M?re, sie durft es ihm nicht sagen, 948

Nach der sie Hagen fragte: da begann zu klagen

Die edle K?nigstochter, da? ihr das Leben ward:

Ohne Ma?en weinte die wundersch?ne Fraue zart.

Sie sprach zu dem Recken: "La?t euer Jagen sein: 949

Mir tr?umte heunt von Leide, wie euch zwei wilde Schwein

Ueber die Haide jagten: da wurden Blumen roth.

Da? ich so bitter weine, das thut mir armem Weibe Noth.

"Wohl mu? ich fürchten Etlicher Verrath, 950

Wenn man den und jenen vielleicht beleidigt hat,

Die uns verfolgen k?nnten mit feindlichem Ha?.

Bleibt hier, lieber Herre, mit Treuen rath ich euch das."

Er sprach: "Liebe Traute, ich kehr in kurzer Zeit; 951

Ich wei? nicht, da? hier Jemand mir Ha? trüg oder Neid.

Alle deine Freunde sind insgemein mir hold;

Auch verdient' ich von den Degen wohl nicht anderlei Sold."

"Ach nein, lieber Siegfried: wohl fürcht ich deinen Fall. 952

Mir tr?umte heunt von Leide, wie über dir zu Thal

Fielen zwei Berge, da? ich dich nie mehr sah:

Und willst du von mir scheiden, das geht mir inniglich nah."

Er umfieng mit Armen das zuchtreiche Weib, 953

Mit holden Küssen herzt' er ihr den sch?nen Leib.

Da nahm er Urlaub und schied in kurzer Stund:

Sie ersah ihn leider darnach nicht wieder gesund.

Da ritten sie von dannen in einen tiefen Tann 954

Der Kurzweile willen; manch kühner Rittersmann

Ritt mit dem K?nig; hinaus gesendet ward

Auch viel der edeln Speise, die sie brauchten zu der Fahrt.

Manch Saumross zog beladen vor ihnen überrhein, 955

Das den Jagdgesellen das Brot trug und den Wein,

Das Fleisch mit den Fischen und Vorrath aller Art,

Wie sie ein reicher K?nig wohl haben mag auf der Fahrt.

Da lie? man herbergen bei dem Walde grün 956

Vor des Wildes Wechsel die stolzen J?ger kühn,

Wo sie da jagen wollten, auf breitem Angergrund.

Auch Siegfried war gekommen: das ward dem K?nige kund.

Von den Jagdgesellen ward umhergestellt 957

Die Wart an allen Enden: da sprach der kühne Held,

Siegfried der starke: "Wer soll uns in den Wald

Nach dem Wilde weisen, ihr Degen kühn und wohlgestalt?"

"Wollen wir uns scheiden," hub da Hagen an, 958

"Eh wir beginnen zu jagen hier im Tann:

So m?gen wir erkennen, ich und der Herre mein,

Wer die besten J?ger bei dieser Waldreise sei'n.

"Leute so wie Hunde, wir theilen uns darein: 959

Dann f?hrt, wohin ihm lüstet, Jeglicher allein"

Und wer das Beste jagte, dem sagen wir den Dank."

Da weilten die J?ger bei einander nicht mehr lang.

Da sprach der edle Siegfried: "Der Hunde hab ich Rath 960

Bis auf einen Bracken, der so geno?en hat,

Da? er die F?hrte spüre der Thiere durch den Tann.

Wir kommen wohl zum Jagen!" sprach der Kriemhilde Mann.

Da nahm ein alter J?ger einen Spürhund hinter sich 961

Und brachte den Herren, eh lange Zeit verstrich,

Wo sie viel Wildes fanden: was des erst?bert ward,

Das erjagten die Gesellen, wie heut noch guter J?ger Art.

Was da der Brack ersprengte, das schlug mit seiner Hand 962

Siegfried der kühne, der Held von Niederland.

Sein Ross lief so geschwinde, da? ihm nicht viel entrann:

Das Lob er bei dem Jagen vor ihnen allen gewann.

Er war in allen Dingen mannhaft genug. 963

Das erste der Thiere, die er zu Tode schlug,

War ein starker Büffel, den traf des Helden Hand:

Nicht lang darauf der Degen einen grimmen Leuen fand.

Als den der Hund ersprengte, scho? er ihn mit dem Bogen 964

Und dem scharfen Pfeile, den er darauf gezogen;

Der Leu lief nach dem Schu?e nur dreier Sprünge lang.

Seine Jagdgesellen, die sagten Siegfrieden Dank.

Einen Wisend schlug er wieder darnach und einen Elk, 965

Vier starker Auer nieder und einen grimmen Schelk,

So schnell trug ihn die M?hre, da? ihm nichts entsprang:

Hinden und Hirsche wurden viele sein Fang.

Einen gro?en Eber trieb der Spürhund auf. 966

Als der flüchtig wurde, da kam in schnellem Lauf

Alles Jagens Meister und nahm zum Ziel ihn gleich.

Anlief das Schwein im Zorne diesen Helden tugendreich.

Da schlug es mit dem Schwerte der Kriemhilde Mann: 967

Das h?tt ein andrer J?ger nicht so leicht gethan.

Als er nun gef?llt lag, fieng man den Spürhund.

Seine reiche Beute wurde den Burgunden allen kund.

Da sprachen seine J?ger: "Kann es füglich sein, 968

So la?t uns, Herr Siegfried, des Wilds ein Theil gedeihn:

Ihr wollt uns heute leeren den Berg und auch den Tann."

Darob begann zu l?cheln der Degen kühn und wohlgethan.

Da vernahm man allenthalben L?rmen und Getos. 969

Von Leuten und von Hunden ward der Schall so gro?,

Man h?rte widerhallen den Berg und auch den Tann.

Vierundzwanzig Meuten hatten die J?ger losgethan.

Da wurde viel des Wildes vom grimmen Tod ereilt. 970

Sie w?hnten es zu fügen, da? ihnen zugetheilt

Der Preis des Jagens würde: das konnte nicht geschehn,

Als bei der Feuerst?tte der starke Siegfried ward gesehn.

Die Jagd war zu Ende, doch nicht so ganz und gar, 971

Zu der Feuerstelle brachte der J?ger Schar

H?ute mancher Thiere und des Wilds genug.

Hei! was des zur Küche des K?nigs Ingesinde trug!

Da lie? der K?nig künden den J?gern wohlgeborn, 972

Da? er zum Imbi? wolle; da wurde laut ins Horn

Einmal gesto?en: so machten sie bekannt,

Da? man den edeln Fürsten nun bei den Herbergen fand.

Da sprach ein J?ger Siegfrieds: "Mit eines Hornes Schall 973

Ward uns kund gegeben, Herr, da? wir nun all

Zur Herberge sollen: erwiedre ichs, das behagt."

Da ward nach den Gesellen mit Blasen lange gefragt.

Da sprach der edle Siegfried: "Nun r?umen wir den Wald." 974

Sein Ross trug ihn eben; die Andern folgten bald.

Sie ersprengten mit dem Schalle ein Waldthier fürchterlich,

Einen wilden B?ren; da sprach der Degen hinter sich:

"Ich schaff uns Jagdgesellen eine Kurzweil. 975

Da seh ich einen B?ren: den Bracken l?st vom Seil.

Zu den Herbergen soll mit uns der B?r:

Er kann uns nicht entrinnen, und fl?h er auch noch so sehr."

Da l?s'ten sie den Bracken: der B?r sprang hindann. 976

Da wollt ihn erreiten der Kriemhilde Mann.

Er kam in eine Bergschlucht: da konnt er ihm nicht bei:

Das starke Thier w?hnte von den J?gern schon sich frei.

Da sprang von seinem Rosse der stolze Ritter gut 977

Und begann ihm nachzulaufen. Das Thier war ohne Hut,

ES konnt ihm nicht entrinnen: er fieng es allzuhand;

Ohn es zu verwunden, der Degen eilig es band.

Kratzen oder bei?en konnt es nicht den Mann. 978

Er band es an den Sattel; auf sa? der Schnelle dann

Und bracht es an die Feuerstatt in seinem hohen Muth

Zu einer Kurzweile, dieser Degen kühn und gut.

Er ritt zur Herberge in welcher Herrlichkeit! 979

Sein Sper war gewaltig, stark dazu und breit;

Eine schmucke Waffe hieng ihm herab bis auf den Sporn;

Von rothem Golde führte der Held ein herrliches Horn.

Von be?erm Birschgewande h?rt ich niemals sagen. 980

Einen Rock von schwarzem Zeuge sah man ihn tragen

Und einen Hut von Zobel, der reich war genug.

Hei! was edler Borten an seinem K?cher er trug!

Ein Vlies von einem Panther war darauf gezogen 981

Des Wohlgeruches wegen. Auch trug er einen Bogen:

Mit einer Winde must ihn ziehen an,

Wer ihn spannen wollte, er h?tt es selbst denn gethan.

Von fremden Tierh?uten war all sein Gewand, 982

Das man von Kopf zu Fü?en bunt überhangen fand.

Aus dem lichten Rauchwerk zu beiden Seiten hold

An dem kühnen J?germeister schien manche Flitter von Gold.

Auch führt' er Balmungen, das breite schmucke Schwert: 983

Das war solcher Sch?rfe, nichts blieb unversehrt,

Wenn man es schlug auf Helme: seine Schneiden waren gut.

Der herrliche J?ger trug gar hoch seinen Muth.

Wenn ich euch der M?re ganz bescheiden soll, 984

So war sein edler K?cher guter Pfeile voll,

Mit goldenen R?hren, die Eisen h?ndebreit.

Was er traf mit Schie?en, dem war das Ende nicht weit.

Da ritt der edle Ritter stattlich aus dem Tann. 985

Gunthers Leute sahen, wie er ritt heran.

Sie liefen ihm entgegen und hielten ihm das Ross:

Da trug er an dem Sattel einen B?ren stark und gro?.

Als er vom Ross gestiegen, l?st' er ihm das Band 986

Vom Mund und von den Fü?en: die Hunde gleich zur Hand

Begannen laut zu heulen, als sie den B?ren sahn.

Das Thier zu Walde wollte: das erschreckte manchen Mann.

Der B?r durch die Küche von dem L?rm gerieth: 987

Hei! was er Küchenknechte da vom Feuer schied!

Gestürzt ward mancher Ke?el, verschleudert mancher Brand;

Hei! was man guter Speisen in der Asche liegen fand!

Da sprang von den Sitzen Herr und Knecht zumal. 988

Der B?r begann zu zürnen; der K?nig gleich befahl

Der Hunde Schar zu l?sen, die an den Seilen lag;

Und war es Wohl geendet, sie h?tten fr?hlichen Tag.

Mit Bogen und mit Spie?en, man s?umte sich nicht mehr, 989

Liefen hin die Schnellen, wo da gieng der B?r;

Doch wollte Niemand schie?en, von Hunden wars zu voll.

So laut war das Get?se, da? rings der Bergwald erscholl.

Der B?r begann zu fliehen vor der Hunde Zahl; 990

Ihm konnte Niemand folgen als Kriemhilds Gemahl.

Er erlief ihn mit dem Schwerte, zu Tod er ihn da schlug.

Wieder zu dem Feuer das Gesind den B?ren trug.

Da sprachen, die es sahen, er w?r ein starker Mann. 991

Die stolzen Jagdgesellen rief man zu Tisch heran.

Auf sch?nem Anger sa?en der Helden da genug.

Hei! was man Ritterspeise vor die stolzen J?ger trug!

Die Schenken waren s?umig, sie brachten nicht den Wein; 992

So gut bewirthet mochten sonst Helden nimmer sein.

W?ren manche drunter nicht so falsch dabei,

So w?ren wohl die Degen aller Schanden los und frei.

Des wurde da nicht inne der verrathne kühne Mann, 993

Da? man solche Tücke wider sein Leben spann.

Er war in h?fschen Züchten alles Truges bar;

Seines Todes must entgelten, dem es nie ein Frommen war.

Da sprach der edle Siegfried: "Mich verwundert sehr, 994

Man tr?gt uns aus der Küche doch so viel daher,

Was bringen uns die Schenken nicht dazu den Wein?

Pflegt man so der J?ger, will ich nicht Jagdgeselle sein.

"Ich m?cht es doch verdienen, bed?chte man mich gut." 995

Von seinem Tisch der K?nig sprach mit falschem Muth:

"Wir bü?en euch ein andermal, was heut uns mu? entgehn;

Die Schuld liegt an Hagen, der will uns verdursten sehn."

Da sprach von Tronje Hagen: "Lieber Herre mein, 996

Ich w?hnte, das Birschen sollte heute sein

Fern im Spechtsharte: den Wein hin sandt ich dort.

Heute giebt es nichts zu trinken, doch vermeid ich es hinfort."

Da sprach der edle Siegfried: "Dem wei? ich wenig Dank: 997

Man sollte sieben Lasten mit Meth und Lautertrank

Mir hergesendet haben; konnte das nicht sein,

So sollte man uns n?her gesiedelt haben dem Rhein."

Da sprach von Tronje Hagen: "Ihr edeln Ritter schnell, 998

Ich wei? hier in der N?he einen kühlen Quell:

Da? ihr mir nicht zürnet, da rath, ich hinzugehn."

Der Rath war manchem Degen zu gro?em Leide geschehn.

Siegfried den Recken zwang des Durstes Noth; 999

Den Tisch hinwegzurücken der Held alsbald gebot:

Er wollte vor die Berge zu dem Brunnen gehn.

Da war der Rath aus Arglist von den Degen geschehn.

Man hie? das Wild auf Wagen führen in das Land, 1000

Das da verhauen hatte Siegfriedens Hand.

Wer es auch sehen mochte, sprach gro?en Ruhm ihm nach.

Hagen seine Treue sehr an Siegfrieden brach.

Als sie von dannen wollten zu der Linde breit, 1001

Da sprach von Tronje Hagen: "Ich h?rte jederzeit,

Es k?nne Niemand folgen Kriemhilds Gemahl,

Wenn er rennen wolle; hei! schauten wir das einmal!"

Da sprach von Niederlanden der Degen kühn und gut: 1002

"Das m?gt ihr wohl versuchen: wenn ihr mit mir thut

Einen Wettlauf nach dem Brunnen? Soll das geschehn,

So habe der gewonnen, den wir den vordersten sehn."

"Wohl, la?t es uns versuchen," sprach Hagen der Degen. 1003

Da sprach der starke Siegfried: "So will ich mich legen,

Verlier ich, euch zu Fü?en nieder in das Gras."

Als er das erh?rte, wie lieb war K?nig Gunthern das!

Da sprach der kühne Degen: "Noch mehr will ich euch sagen: 1004

Gewand und Gewaffen will ich bei mir tragen,

Den Wurfspie? samt dem Schilde und all mein Birschgewand."

Das Schwert und den K?cher um die Glieder schnell er band.

Die Kleider vom Leibe zogen die Andern da: 1005

In zwei wei?en Hemden man beide stehen sah.

Wie zwei wilde Panther liefen sie durch den Klee;

Man sah bei dem Brunnen den schnellen Siegfried doch eh.

Den Preis in allen Dingen vor Manchem man ihm gab. 1006

Da l?st' er schnell die Waffe, den K?cher legt' er ab,

Den starken Spie? lehnt' er an den Lindenast.

Bei des Brunnens Flu?e stand der herrliche Gast.

Die h?fsche Zucht erwies da Siegfried daran; 1007

Den Schild legt' er nieder, wo der Brunnen rann;

Wie sehr ihn auch dürstete, der Held nicht eher trank

Bis der K?nig getrunken; dafür gewann er übeln Dank.

Der Brunnen war lauter, kühl und auch gut; 1008

Da neigte sich Gunther hernieder zu der Flut.

Als er getrunken hatte, erhob er sich hindann:

Also h?tt auch gerne der kühne Siegfried gethan.

Da entgalt er seiner h?fschen Zucht; den Bogen und das Schwert 1009

Trug beiseite Hagen von dem Degen werth.

Dann sprang er zurücke, wo er den Wurfspie? fand,

Und sah nach einem Zeichen an des Kühnen Gewand.

Als der edle Siegfried aus dem Brunnen trank, 1010

Er scho? ihn durch das Kreuze, da? aus der Wunde sprang

Das Blut von seinem Herzen an Hagens Gewand.

Kein Held begeht wohl wieder solche Unthat nach der Hand.

Den Gerschaft im Herzen lie? er ihm stecken tief. 1011

Wie im Fliehen Hagen da so grimmig lief,

So lief er wohl auf Erden nie vor einem Mann!

Als da Siegfried Kunde der schweren Wunde gewann,

Der Degen mit Toben von dem Brunnen sprang; 1012

Ihm ragte von der Achsel eine Gerstange lang.

Nun w?hnt' er da zu finden Bogen oder Schwert,

Gewi?, so h?tt er Hagnen den verdienten Lohn gew?hrt.

Als der Todwunde da sein Schwert nicht fand, 1013

Da blieb ihm nichts weiter als der Schildesrand.

Den rafft' er von dem Brunnen und rannte Hagen an:

Da konnt ihm nicht entrinnen K?nig Gunthers Unterthan.

Wie wund er war zum Tode, so kr?ftig doch er schlug, 1014

Da? von dem Schilde nieder wirbelte genug

Des edeln Gesteines; der Schild zerbrach auch fast:

So gern gerochen h?tte sich der herrliche Gast.

Da muste Hagen fallen von seiner Hand zu Thal; 1015

Der Anger von den Schl?gen erscholl im Wiederhall.

H?tt er sein Schwert in H?nden, so w?r er Hagens Tod.

Sehr zürnte der Wunde, es zwang ihn wahrhafte Noth.

Seine Farbe war erblichen; er konnte nicht mehr stehn. 1016

Seines Leibes St?rke muste ganz zergehn,

Da er des Todes Zeichen in lichter Farbe trug.

Er ward hernach betrauert von sch?nen Frauen genug.

Da fiel in die Blumen der Kriemhilde Mann. 1017

Das Blut von seiner Wunde stromweis nieder rann.

Da begann er die zu schelten, ihn zwang die gro?e Noth

Die da gerathen hatten mit Untreue seinen Tod.

Da sprach der Todwunde: "Weh, ihr b?sen Zagen, 1018

Was helfen meine Dienste, da ihr mich habt erschlagen?

Ich war euch st?ts gewogen und sterbe nun daran.

Ihr habt an euern Freunden leider übel gethan.

"Die sind davon bescholten, so viele noch geborn 1019

Werden nach diesem Tage: ihr habt euern Zorn

Allzusehr gerochen an dem Leben mein.

Mit Schanden geschieden sollt ihr von guten Recken sein."

Hinliefen all die Ritter, wo er erschlagen lag. 1020

Es war ihrer Vielen ein freudeloser Tag.

Wer Treue kannt und Ehre, der hat ihn beklagt:

Das verdient' auch wohl um Alle dieser Degen unverzagt.

Der K?nig der Burgunden klagt' auch seinen Tod. 1021

Da sprach der Todwunde: "Das thut nimmer Noth,

Da? der um Schaden weine, von dem man ihn gewann:

Er verdient gro? Schelten, er h?tt es be?er nicht gethan."

Da sprach der grimme Hagen: "Ich wei? nicht, was euch reut: 1022

Nun hat doch gar ein Ende, was uns je gedr?ut.

Es gibt nun nicht manchen, der uns darf bestehn;

Wohl mir, da? seiner Herrschaft durch mich ein End ist geschehn."

"Ihr m?gt euch leichtlich rühmen," sprach Der von Niederland. 1023

"H?tt ich die m?rderische Weis an euch erkannt,

Vor euch behütet h?tt ich Leben wohl und Leib.

Mich dauert nichts auf Erden als Frau Kriemhild mein Weib.

"Nun m?g es Gott erbarmen, da? ich gewann den Sohn, 1024

Der jetzt auf alle Zeiten den Vorwurf hat davon,

Da? seine Freunde Jemand meuchlerisch erschlagen:

H?tt ich Zeit und Weile, das müst ich billig beklagen.

"Wohl nimmer hat begangen so gro?en Mord ein Mann," 1025

Sprach er zu dem K?nig, "als ihr an mir gethan.

Ich erhielt euch unbescholten in gro?er Angst und Noth;

Ihr habt mir schlimm vergolten, da? ich so wohl es euch bot."

Da sprach im Jammer weiter der todwunde Held: 1026

"Wollt ihr, edler K?nig, noch auf dieser Welt

An Jemand Treue pflegen, so la?t befohlen sein

Doch auf eure Gnade euch die liebe Traute mein.

"Es komm ihr zu Gute, da? sie eure Schwester ist: 1027

Sei aller Fürsten Tugend helft ihr zu jeder Frist.

Mein m?gen lange harren mein Vater und mein Lehn:

Nie ist an liebem Freunde einem Weibe so leid geschehn."

Er krümmte sich in Schmerzen, wie ihm die Noth gebot, 1028

Und sprach aus jammerndem Herzen: "Mein mordlicher Tod

Mag euch noch gereuen in der Zukunft Tagen:

Glaubt mir in rechten Treuen, da? ihr euch selber habt erschlagen.

Die Blumen allenthalben waren vom Blute na?. 1029

Da rang er mit dem Tode, nicht lange that er das,

Denn des Todes Waffe schnitt ihn allzusehr.

Da konnte nicht mehr reden dieser Degen kühn und hehr.

Als die Herren sahen den edlen Helden todt, 1030

Sie legten ihn auf einen Schild, der war von Golde roth.

Da giengen sie zu Rathe, wie sie es stellten an,

Da? es verhohlen bliebe, Hagen hab es gethan.

Da sprachen ihrer Viele: "Ein Unfall ist geschehn; 1031

Ihr sollt es alle hehlen und Einer Rede stehn:

Als er allein ritt jagen, der Kriemhilde Mann,

Erschlugen ihn Sch?cher, als er fuhr durch den Tann."

Da sprach von Tronje Hagen: "Ich bring ihn in das Land. 1032

Mich soll es nicht kümmern, wird es ihr auch bekannt,

Die so betrüben konnte der K?nigin hohen Muth;

Ich werde wenig fragen, wie sie nun weinet und thut."

Von denselben Brunnen, wo Siegfried ward erschlagen, 1033

Sollt ihr die rechte Wahrheit von mir h?ren sagen.

Vor dem Odenwalde ein Dorf liegt Odenheim.

Da flie?t noch der Brunnen, kein Zweifel kann daran sein.

* * * * *

Siebzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried beklagt und begraben ward.

Da harrten sie des Abends und fuhren über Rhein; 1034

Es mochte nie von Helden ein schlimmer Jagen sein.

Ihr Beutewild beweinte noch manches edle Weib:

Sein muste bald entgelten viel guter Weigande Leib.

Von gro?em Uebermuthe m?gt ihr nun h?ren sagen 1035

Und schrecklicher Rache. Bringen lie? Hagen

Den erschlagen Siegfried von Nibelungenland

Vor eine Kemenate, darin sich Kriemhild befand.

Er lie? ihn ihr verstohlen legen vor die Thür, 1036

Da? sie ihn finden mü?e, wenn morgen sie herfür

Zu der Mette gienge frühe vor dem Tag,

Deren Frau Kriemhild wohl selten eine verlag.

Da h?rte man wie immer zum Münster das Gel?ut: 1037

Kriemhild die sch?ne weckte manche Maid.

Ein Licht lie? sie sich bringen, dazu auch ihr Gewand;

Da kam der K?mmrer Einer hin, wo er Siegfrieden fand.

Er sah ihn roth von Blute, all sein Gewand war na?: 1038

Da? sein Herr es w?re, mit Nichten wust er das.

Da trug er in die Kammer das Licht in seiner Hand,

Bei dem da Frau Kriemhild viel leide M?re befand.

Als sie mit den Frauen zum Münster wollte gehn, 1039

"Frau," sprach der K?mmerer, "wollt noch stille stehn:

Es liegt vor dem Gemache ein Ritter todtgeschlagen."

"O weh," sprach da Kriemhild, "was willst du solche Botschaft sagen?"

Eh sie noch selbst gesehen, es sei ihr lieber Mann, 1040

An die Frage Hagens hub sie zu denken an,

Wie er ihn schützen m?chte: da ahnte sie ihr Leid.

Mit seinem Tod entsagte sie nun aller Fr?hlichkeit.

Da sank sie zur Erden, kein Wort mehr sprach sie da; 1041

Die sch?ne Freudenlose man da liegen sah.

Kriemhildens Jammer wurde gro? und voll;

Sie schrie nach der Ohnmacht, da? all die Kammer erscholl.

Da sprach ihr Gesinde: "Es kann ein Fremder sein." 1042

Das Blut ihr aus dem Munde brach vor Herzenspein.

"Nein, es ist Siegfried, mein geliebter Mann:

Brunhild hats gerathen und Hagen hat es gethan."

Sie lie? sich hingeleiten, wo sie den Helden fand; 1043

Sein sch?nes Haupt erhob sie mit ihrer wei?en Hand.

So roth er war von Blute, sie hat ihn gleich erkannt:

Da lag zu gro?em Jammer der Held von Nibelungenland.

Da rief in Jammerlauten die K?nigin mild: 1044

"O weh mir dieses Leides! Nun ist dir doch dein Schild

Mit Schwertern nicht verhauen! dich f?llte Meuchelmord.

Und wüst ich, wer der Th?ter w?r, ich wollt es r?chen immerfort."

All ihr Ingesinde klagte laut und schrie 1045

Mit seiner lieben Frauen; heftig schmerzte sie

Ihr edler Herr und K?nig, den sie da sahn verlorn.

Gar übel hatte Hagen gerochen Brunhildens Zorn.

Da sprach die Jammerhafte: "Nun soll Einer gehn 1046

Und mir in Eile wecken Die in Siegfrieds Lehn

Und soll auch Siegmunden meinen Jammer sagen,

Ob er mir helfen wolle den kühnen Siegfried beklagen."

Da lief dahin ein Bote, wo er sie liegen fand, 1047

Siegfriedens Helden von Nibelungenland.

Mit den leiden M?ren die Freud er ihnen nahm;

Sie wollten es nicht glauben, bis man das Weinen vernahm.

Auch kam dahin der Bote, wo der K?nig lag. 1048

Siegmund der Herre keines Schlafes pflag,

Als ob das Herz ihm sagte, was ihm w?r geschehn,

Er sollte seinen lieben Sohn lebend nimmer wiedersehn.

"Wacht auf, K?nig Siegmund, mich hie? nach euch gehn 1049

Kriemhild, meine Herrin; der ist ein Leid geschehn,

Das ihr vor allem Leide wohl das Herz versehrt;

Das sollt ihr klagen helfen, da es auch euch widerf?hrt."

Auf richtete sich Siegmund und sprach: "Was beklagt 1050

Denn die sch?ne Kriemhild, wie du mir hast gesagt?"

Der Bote sprach mit Weinen: "Sie hat wohl Grund zu klagen

Es liegt von Niederlanden der kühne Siegfried erschlagen."

Da sprach K?nig Siegmund: "La?t das Scherzen sein 1051

Mit so b?ser M?re von dem Sohne mein

Und sagt es Niemand wieder, da? er sei erschlagen,

Denn ich k?nnt ihn nie genug bis an mein Ende beklagen."

"Und wollt ihr nicht glauben, was ihr mich h?ret sagen, 1052

So vernehmet selber Kriemhilden klagen

Und all ihr Ingesinde um Siegfriedens Tod."

Wie erschrak da Siegmund: es schuf ihm wahrhafte Noth.

Mit hundert seiner Mannen er von dem Bette sprang. 1053

Sie zuckten zu den H?nden die scharfen Waffen lang

Und liefen zu dem Wehruf jammersvoll heran.

Da kamen tausend Recken, dem kühnen Siegfried unterthan.

Als sie so j?mmerlich die Frauen h?rten klagen, 1054

Da kam Vielen erst in Sinn, sie müsten Kleider tragen.

Wohl mochten sie vor Schmerzen des Sinnes Macht nicht haben:

Es lag in ihrem Herzen gro?e Schwere begraben.

Da kam der K?nig Siegmund hin, wo er Kriemhild fand. 1055

Er sprach: "O weh der Reise hierher in dieses Land!

Wer hat euch euern Gatten, wer hat mir mein Kind

So mordlich entri?en, da wir bei guten Freunden sind?"

"Ja, kennt ich Den," versetzte die edle K?nigin, 1056

"Hold würd ihm nimmer mein Herz noch mein Sinn:

Ich rieth' ihm so zum Leide, da? all die Freunde sein

Mit Jammer weinen müsten, glaubt mir, von wegen mein."

Siegmund mit Armen den Fürsten umschlo?; 1057

Da ward von seinen Freunden der Jammer also gro?,

Da? von dem lauten Wehruf Palas und Saal

Und Worms die weite Veste rings erscholl im Widerhall.

Da konnte Niemand tr?sten Siegfriedens Weib, 1058

Man zog aus den Kleidern seinen sch?nen Leib,

Wusch ihm seine Wunde und legt' ihn auf die Bahr;

Allen seinen Leuten wie weh vor Jammer da war!

Es sprachen seine Recken aus Nibelungenland: 1059

"Immer ihn zu r?chen bereit ist unsre Hand.

Er ist in diesem Hause, von dem es ist geschehn."

Da eilten sich zu waffnen die Degen in Siegfrieds Lehn.

Die Auserw?hlten kamen in ihrer Schilde Wehr, 1060

Elfhundert Recken; die hatt in seinem Heer

Siegmund der K?nig: seines Sohnes Tod

H?tt er gern gerochen, wie ihm die Treue gebot.

Sie wusten nicht, wen sollten sie im Streit bestehn, 1061

Wenn es nicht Gunther w?re und Die in seinem Lehn,

Die zur Jagd mit Siegfried geritten jenen Tag.

Kriemhild sah sie gewaffnet: das schuf ihr gro?es Ungemach.

Wie stark auch ihr Jammer, wie gro? war ihre Noth, 1062

Sie besorgte doch so heftig der Nibelungen Tod

Von ihrer Brüder Mannen, da? sie dawider sprach:

Sie warnte sie in Liebe, wie immer Freund mit Freunden pflag.

Da sprach die Jammerreiche: "Herr K?nig Siegmund, 1063

Was wollt ihr beginnen? Euch ist wohl nicht kund,

Es hat der K?nig Gunther so manchen kühnen Mann:

Ihr wollt euch all verderben, greift ihr solche Recken an."

Mit auferhobnen Schilden that ihnen Streiten Noth. 1064

Die edle K?nigstochter bat und gebot,

Da? es meiden sollten die Recken allbereit.

Da? sie's nicht la?en wollten, das war ein grimmiges Leid.

Sie sprach: "Herr K?nig Siegmund, steht damit noch an, 1065

Bis es sich be?er fügte: so will ich meinen Mann

Euch immer r?chen helfen. Der mir ihn hat benommen,

Wird es mir bewiesen, es mu? ihm noch zu Schaden kommen.

"Es sind der Uebermüthigen hier am Rhein so viel, 1066

Da? ich euch zum Streite jetzt nicht rathen will:

Sie haben wider Einen immer drei?ig Mann;

La? ihnen Gott gelingen, wie sie uns haben gethan.

"Bleibt hier im Hause und tragt mit mir das Leid, 1067

Bis es beginnt zu tagen, ihr Helden allbereit:

Dann helft ihr mir besargen meinen lieben Mann."

Da sprachen die Degen: "Liebe Frau, das sei gethan."

Es k?nnt euch des Wunders ein Ende Niemand sagen, 1068

Die Ritter und die Frauen, wie man sie h?rte klagen,

Bis man des Wehrufs ward in der Stadt gewahr.

Die edeln Bürger kamen daher in eilender Schar.

Sie klagten mit den G?sten: sie schmerzte der Verlust. 1069

Was Siegfried verschulde, war ihnen unbewust,

Weshalb der edle Recke Leben lie? und Leib.

Da weinte mit den Frauen manchen guten Bürgers Weib.

Schmiede hie? man eilen und würken einen Sarg 1070

Von Silber und von Golde, m?chtig und stark,

Und lie? ihn wohl beschlagen mit Stahl, der war gut.

Da war allen Leuten das Herz beschwert und der Muth.

Die Nacht war vergangen: man sagt', es wolle tagen. 1071

Da lie? die edle K?nigin hin zum Münster tragen

Diesen edeln Todten, ihren lieben Mann.

Mit ihr giengen weinend, was sie der Freunde gewann.

Da sie zum Münster kamen, wie manche Glocke klang! 1072

Allenthalben h?rte man der Pfaffen Sang.

Da kam der K?nig Gunther hinzu mit seinem Lehn

Und auch der grimme Hagen; es w?re klüger nicht geschehn.

Er sprach: "Liebe Schwester, o weh des Leides dein; 1073

Da? wir nicht ledig mochten so gro?en Schadens sein!

Wir mü?en immer klagen um Siegfriedens Tod."

"Daran thut ihr Unrecht," sprach die Frau in Jammersnoth.

"Wenn euch das betrübte, so w?r es nicht geschehn. 1074

Ihr hattet mein verge?en, das mu? ich wohl gestehn,

Als ich so geschieden ward von meinem lieben Mann.

Wollte Gott vom Himmel, mir selber war es gethan."

Sie hielten sich am L?ugnen. Da hub Kriemhild an: 1075

"Wer unschuldig sein will, leicht ist es dargethan,

Er darf nur zu der Bahre hier vor dem Volke gehn:

Da mag man gleich zur Stelle sich der Wahrheit versehn."

Das ist ein gro?es Wunder, wie es noch oft geschieht, 1076

Wenn man den Mordbefleckten bei dem Todten sieht,

So bluten ihm die Wunden, wie es auch hier geschah;

Daher man nun der Unthat sich zu Hagen versah.

Die Wunden flo?en wieder so stark als je vorher. 1077

Die erst schon heftig klagten, die weinten nun noch mehr.

Da sprach K?nig Gunther: "Nun h?rt die Wahrheit an:

Ihn erschlugen Sch?cher; Hagen hat es nicht gethan."

Sie sprach: "Diese Sch?cher sind mir wohl bekannt: 1078

Nun la? es Gott noch r?chen von seiner Freunde Hand!

Gunther und Hagen, ja ihr habt es gethan."

Da wollten wieder streiten Die Siegfrieden unterthan.

Da sprach aber Kriemhild: "Ertragt mit mir die Noth." 1079

Da kamen auch die Beiden, wo sie ihn fanden todt,

Gernot ihr Bruder und Geiselher das Kind.

Sie beklagten ihn in Treuen; ihre Augen wurden thr?nenblind.

Sie weinten von Herzen um Kriemhildens Mann. 1080

Man wollte Messe singen: zum Münster heran

Sah man allenthalben Frauen und M?nner ziehn,

Die ihn doch leicht verschmerzten, weinten alle jetzt um ihn.

Geiselher und Gernot sprachen: "Schwester mein, 1081

Nun tr?ste dich des Todes, es mu? wohl also sein.

Wir wollen dirs ersetzen, so lange wir leben."

Da wust ihr auf Erden Niemand doch Trost zu geben.

Sein Sarg war geschmiedet wohl um den hohen Tag; 1082

Man hob ihn von der Bahre, darauf der Todte lag.

Da wollt ihn noch die K?nigin nicht la?en begraben:

Es musten alle Leute gro?e Mühsal erst haben.

In kostbare Zeuge man den Todten wand. 1083

Gewiss da? man da Niemand ohne Weinen fand.

Aus ganzem Herzen klagte Ute das edle Weib

Und all ihr Ingesinde um Siegfrieds herrlichen Leib.

Als die Leute h?rten, da? man im Münster sang 1084

Und ihn besargt hatte, da hob sich gro?er Drang:

Um seiner Seele willen was man da Opfer trug!

Er hatte bei den Feinden doch guter Freunde genug.

Kriemhild die arme zu den K?mmerlingen sprach: 1085

"Ihr sollt mir zu Liebe leiden Ungemach:

Die ihm Gutes g?nnen und mir blieben hold,

Um Siegfriedens Seele verteilt an diese sein Gold."

Da war kein Kind so kleine, mocht es Verstand nur haben, 1086

Das nicht zum Opfer gienge, eh er ward begraben.

Wohl an hundert Messen man des Tages sang.

Von Siegfriedens Freunden hob sich da m?chtiger Drang.

Als die gesungen waren, verlief die Menge sich. 1087

Da sprach wieder Kriemhild: "Nicht einsam sollt ihr mich

Heunt bewachen la?en den auserw?hlten Degen:

Es ist an seinem Leibe all meine Freude gelegen.

"Drei Tag und drei N?chte will ich verwachen dran, 1088

Bis ich mich ers?ttige an meinem lieben Mann.

Vielleicht da? Gott gebietet, da? mich auch nimmt der Tod:

So w?re wohl beendet der armen Kriemhilde Noth."

Zur Herberge giengen die Leute von der Stadt. 1089

Die Pfaffen und die M?nche sie zu verweilen bat

Und all sein Ingesinde, das sein billig pflag.

Sie hatten üble N?chte und gar mühselgen Tag.

Ohne Trank und Speise verblieb da mancher Mann. 1090

Wers nicht gern entbehrte, dem ward kund gethan,

Man gab ihm gern die Fülle: das schuf Herr Siegmund.

Da ward den Nibelungen viel Noth und Beschwerde kund.

In diesen dreien Tagen, so h?rten wir sagen, 1091

Muste mit Kriemhilden viel Mühsal ertragen,

Wer da singen konnte. Was man auch Opfer trug!

Die eben arm gewesen, die wurden nun reich genug.

Was man fand der Armen, die es nicht mochten haben, 1092

Die lie? sie mit dem Golde bringen Opfergaben

Aus seiner eignen Kammer: er durfte nicht mehr leben,

Da ward um seine Seele manches Tausend Mark gegeben.

Güter und Gef?lle vertheilte sie im Land, 1093

So viel man der Kl?ster und guter Leute fand.

Silber gab man und Gewand den Armen auch genug.

Sie lie? es wohl erkennen, wie holde Liebe sie ihm trug.

An dem dritten Morgen zur rechten Messezeit 1094

Sah man bei dem Münster den ganzen Kirchhof weit

Von der Landleute Weinen also voll:

Sie dienten ihm im Tode, wie man lieben Freunden soll.

In diesen vier Tagen, so h?rt ich immerdar, 1095

Wol an drei?igtausend Mark oder mehr noch gar

Ward um seine Seele den Armen hingegeben,

Indes war gar zerronnen seine gro?e Sch?ne wie sein Leben.

Als vom Gottesdienste verhallt war der Gesang, 1096

Mit ungefügem Leide des Volkes Menge rang.

Man lie? ihn aus dem Münster zu dem Grabe tragen.

Da h?rte man auch anders nichts als Weinen und Klagen.

Das Volk mit lautem Wehruf schlo? im Zug sich an: 1097

Froh war da Niemand, weder Weib noch Mann.

Eh er bestattet wurde, las und sang man da:

Hei! was man guter Pfaffen bei seiner Bestattung sah!

Bevor da zu dem Grabe kam das getreue Weib, 1098

Rang sie mit solchem Jammer um Siegfriedens Leib,

Da? man sie mit Wasser vom Brunnen oft bego?:

Ihres Herzens Kummer war über die Ma?en gro?.

Es war ein gro?es Wunder, da? sie zu Kr?ften kam. 1099

Es halfen ihr mit Klagen viel Frauen lobesam.

"Ihr, meines Siegfrieds Mannen," sprach die K?nigin,

"Erweist mir eine Gnade aus erbarmendem Sinn.

"La?t mir nach meinem Leide die kleinste Gunst geschehn", 1100

Da? ich sein sch?nes Angesicht noch einmal dürfe sehn,"

Da bat sie im Jammer so lang und so stark,

Da? man zerbrechen muste den sch?n geschmiedeten Sarg.

Hin brachte man die K?nigin, wo sie ihn liegen fand. 1101

Sein sch?nes Haupt erhob sie mit ihrer wei?en Hand

Und küsste so den Todten, den edeln Ritter gut:

Ihre lichten Augen vor Leide weinten sie Blut.

Ein jammervolles Scheiden sah man da geschehn. 1102

Man trug sie von dannen, sie vermochte nicht zu gehn.

Da lag ohne Sinne das herrliche Weib:

Vor Leid wollt ersterben ihr viel wonniglicher Leib.

Als der edle Degen also begraben war, 1103

Sah man in gro?em Leide die Helden immerdar,

Die ihn begleitet hatten aus Nibelungenland:

Fr?hlich gar selten man da Siegmunden fand.

Wohl Mancher war darunter, der drei Tage lang 1104

Vor dem gro?en Leide weder a? noch trank;

Da konnten sie's nicht l?nger dem Leib entziehen mehr:

Sie genasen von den Schmerzen, wie noch Mancher wohl seither.

Kriemhild der Sinne ledig in Ohnm?chten lag 1105

Den Tag und den Abend bis an den andern Tag.

Was Jemand sprechen mochte, es ward ihr gar nicht kund.

Es lag in gleichen N?then auch der K?nig Siegmund.

Kaum da? ihn zur Besinnung zu bringen noch gelang. 1106

Seine Kr?fte waren von starkem Leide krank:

Das war wohl kein Wunder. Die in seiner Pflicht

sprachen: "La?t uns heimziehn: es duldet uns hier l?nger nicht."

* * * * *

Achtzehntes Abenteuer.

Wie Siegmund heimkehrte und Kriemhild daheim blieb.

Der Schw?her Kriemhildens gieng hin, wo er sie fand. 1107

Er sprach zu der K?nigin: "La?t uns in unser Land:

Wir sind unliebe G?ste, w?hn ich, hier am Rhein.

Kriemhild, liebe Fraue, nun folgt uns zu dem Lande mein.

"Da? man in diesen Landen uns so verwaiset hat 1108

Eures edeln Mannes durch b?slichen Verrath,

Ihr sollt es nicht entgelten: hold will ich euch sein

Aus Liebe meines Sohnes und des edeln Kindes sein.

"Ihr sollt auch, Frau, gebieten mit all der Gewalt, 1109

Die Siegfried euch verstattete, der Degen wohlgestalt.

Das Land und auch die Krone soll euch zu Diensten stehn.

Euch sollen gern gehorchen Die in Siegfriedens Lehn."

Da sagte man den Knechten: "Wir reiten heim vor Nacht." 1110

Da sah man nach den Rossen eine schnelle Jagd:

Bei den verha?ten Feinden zu leben war ein Leid.

Den Frauen und den Maiden suchte man ihr Reisekleid.

Als K?nig Siegmund gerne weggeritten w?r, 1111

Da bat ihre Mutter Kriemhilden sehr,

Sie sollte bei den Freunden im Lande doch bestehn.

Da sprach die Freudenarme: "Das k?nnte schwerlich geschehn.

"Wie vermocht ichs, mit den Augen den immer anzusehn, 1112

Von dem mir armen Weibe so leid ist geschehn?"

Da sprach der junge Geiselher: "Liebe Schwester mein,

Du sollst bei deiner Treue hier mit deiner Mutter sein.

"Die dir das Herz beschwerten und trübten dir den Muth, 1113

Du bedarfst nicht ihrer Dienste, du zehrst von meinem Gut."

Sie sprach zu dem Recken: "Wie k?nnte das geschehn?

Vor Leide müst ich sterben, wenn ich Hagen sollte sehn."

"Dessen überheb ich dich, viel liebe Schwester mein. 1114

Du sollst bei deinem Bruder Geiselher hier sein;

Ich will dir wohl vergüten deines Mannes Tod."

Da sprach die Freudenlose: "Das w?re Kriemhilden Noth."

Als es ihr der Junge so gütlich erbot, 1115

Da begannen auch zu flehen Ute und Gernot

Und ihre treuen Freunde, sie m?chte da bestehn:

Sie h?tte wenig Sippen unter Siegfriedens Lehn.

"Sie sind euch alle fremde," sprach da Gernot. 1116

"Wie stark auch einer gelte, so rafft ihn doch der Tod.

Bedenkt das, liebe Schwester, und tr?stet euern Muth:

Bleibt hier bei euern Freunden, es ger?th euch wahrlich gut."

Da gelobte sie dem Bruder, im Lande zu bestehn. 1117

Man zog herbei die Rosse Denen in Siegmunds Lehn,

Als sie reiten wollten gen Nibelungenland;

Da war auch aufgeladen der Recken Zeug und Gewand.

Da gieng K?nig Siegmund vor Kriemhilden stehn 1118

Und sprach zu der Frauen: "Die in Siegfrieds Lehn

Warten bei den Rossen: reiten wir denn hin,

Da ich gar so ungern hier bei den Burgunden bin."

Frau Kriemhild sprach: "Mir rathen hier die Freunde mein, 1119

Die besten, die ich habe, bei ihnen soll' ich sein.

Ich habe keinen Blutsfreund in Nibelungenland."

Leid war es Siegmunden, da er die? an Kriemhild fand.

Da sprach K?nig Siegmund: "Das la?t euch Niemand sagen: 1120

Vor allen meinen Freunden sollt ihr die Krone tragen

Nach rechter K?nigswürde, wie ihr vordem gethan:

Ihr sollt es nicht entgelten, da? ihr verloren habt den Mann.

"Fahrt auch mit uns zur Heimat um euer Kindelein: 1121

Das sollt ihr eine Waise, Frau, nicht la?en sein.

Ist euer Sohn erwachen, er tr?stet euch den Muth.

Derweil soll euch dienen mancher Degen kühn und gut."

Sie sprach: "Mein Herr Siegmund, ich kann nicht mit euch gehn. 1122

Ich mu? hier verbleiben, was halt mir mag geschehn,

Bei meinen Anverwandten, die mir helfen klagen."

Da wollten diese M?ren den guten Recken nicht behagen.

Sie sprachen einhellig: "So m?chten wir gestehn, 1123

Es sei in dieser Stunde uns erst ein Leid geschehn.

Wollt ihr hier im Lande bei unsern Feinden sein,

So k?nnte Helden niemals eine Hoffahrt übler gedeihn."

"Ihr sollt ohne Sorge Gott befohlen fahren: 1124

Ich schaff euch gut Geleite und hei? euch wohl bewahren

Bis zu euerm Lande; mein liebes Kindelein

Das soll euch guten Recken auf Gnade befohlen sein."

Als sie das recht vernahmen, sie wolle nicht hindann, 1125

Da huben Siegfrieds Mannen all zu weinen an.

Mit welchem Herzensjammer nahm da Siegmund

Urlaub von Kriemhilden! Da ward ihm Unfreude kund.

"Weh dieses Hofgelages!" sprach der K?nig hehr. 1126

"Einem K?nig und den Seinen geschieht wohl nimmermehr

Einer Kurzweil willen, was uns hier ist geschehn:

Man soll uns nimmer wieder hier bei den Burgunden sehn."

Da sprachen laut die Degen in Siegfriedens Heer: 1127

"Wohl m?chte noch die Reise geschehen hieher,

Wenn wir den nur fanden, der uns den Herrn erschlug.

Sie haben Todfeinde bei seinen Freunden genug."

Er küsste Kriemhilden: kl?glich sprach er da, 1128

Als er daheim zu bleiben sie so entschlo?en sah:

"Wir reiten arm an Freuden nun heim in unser Land!

All mein Kummer ist mir erst jetzo bekannt."

Sie ritten ungeleitet von Worms an den Rhein: 1129

Sie mochten wohl des Muthes in ihrem Sinne sein,

Wenn sie in Feindschaft würden angerannt,

Da? sich schon wehren solle der kühnen Niblungen Hand.

Sie erbaten Urlaub von Niemanden sich. 1130

Da sah man Geiselheren und Gernot minniglich

Zu dem K?nig kommen; ihnen war sein Schade leid:

Das lie?en ihn wohl schauen die kühnen Helden allbereit.

Da sprach wohlgezogen der kühne Gernot: 1131

"Wohl wei? es Gott im Himmel, an Siegfriedens Tod

Bin ich ganz unschuldig: ich h?rt auch niemals sagen,

Wer ihm Feind hier w?re: ich mu? ihn billig beklagen."

Da gab ihm gut Geleite Geiselher das Kind. 1132

Er bracht ohne Sorgen, die sonst bei Leide sind,

Den K?nig und die Recken heim nach Niederland.

Wie wenig der Verwandten man dort fr?hlich wiederfand!

Wie's ihnen nun ergangen ist, wei? ich nicht zu sagen. 1133

Man h?rte hier Kriemhilden zu allen Zeiten klagen,

Da? ihr Niemand tr?stete das Herz noch den Muth

Als ihr Bruder Geiselher: der war getreu und auch gut.

Brunhild die sch?ne des Uebermuthes pflag: 1134

Wie viel Kriemhild weinte, was fragte sie darnach!

Sie war zu Lieb und Treue ihr nimmermehr bereit;

Bald schuf auch ihr Frau Kriemhild wohl so ungefüges Leid.

* * * * *

Neunzehntes Abenteuer.

Wie der Nibelungenhort nach Worms kam.

Als die edle Kriemhild so verwitwet ward, 1135

Blieb bei ihr im Lande der Markgraf Eckewart

Zurück mit seinen Mannen, wie ihm die Treu gebot.

Er diente seiner Frauen willig bis an seinen Tod.

Zu Worms am Münster wies man ihr ein Gezimmer an, 1136

Weit und ger?umig, reich und wohlgethan,

Wo mit dem Gesinde die Freudenlose sa?.

Sie gieng zur Kirche gerne, mit gro?er Andacht that sie das.

Wo ihr Freund begraben lag, wie flei?ig gieng sie 1137

Sie that es alle Tage mit trauerndem Sinn

Und bat seiner Seele Gott den Herrn zu pflegen:

Gar oft bejammert wurde mit gro?er Treue der Degen.

Ute und ihr Gesinde sprachen ihr immer zu, 1138

Und doch im wunden Herzen fand sie so wenig Ruh,

Es konnte nicht verfangen der Trost, den man ihr bot.

Sie hatte nach dem Freunde die allergr??este Noth,

Die nach liebem Manne je ein Weib gewann: 1139

Ihre gro?e Treue ersah man wohl daran.

Sie klagt' ihn bis zu Ende, da sie zu sterben kam.

Bald r?chte sie gewaltig mit gro?er Treue den Gram.

Sie sa? in ihrem Leide, das ist alles wahr, 1140

Nach ihres Mannes Tode bis in das vierte Jahr

Und hatte nie zu Gunthern gesprochen einen Laut

Und auch Hagen ihren Feind in all der Zeit nicht erschaut.

Da sprach von Tronje Hagen: "K?nnte das geschehn, 1141

Da? ihr euch die Schwester gewogen m?chtet sehn,

So k?m zu diesem Lande der Nibelungen Gold:

Des m?gt ihr viel gewinnen, wird uns die K?nigin hold."

"Wir wollen es versuchen," sprach der K?nig hehr. 1142

"Es sollen für uns bitten Gernot und Geiselher,

Bis sie es erlangen, da? sie das gerne sieht."

"Ich glaube nicht," sprach Hagen, "da? es jemals geschieht."

Da befahl er Ortweinen hin an Hof zu gehn 1143

Und dem Markgrafen Gere: als das war geschehn,

Brachte man auch Gernot und Geiselhern das Kind:

Da versuchten bei Kriemhilden sie es freundlich und gelind.

Da sprach von Burgunden der kühne Gernot: 1144

"Frau, ihr klagt zu lange um Siegfriedens Tod.

Der K?nig will euch zeigen, er hab ihn nicht erschlagen:

Man h?rt zu allen Zeiten euch so heftig um ihn klagen."

Sie sprach: "Des zeiht ihn Niemand, ihn schlug Hagens Hand. 1145

Wo er verwundbar w?re, macht ich ihm bekannt.

Wie konnt ich michs versehen, er trüg ihm Ha? im Sinn!

Sonst h?tt ichs wohl vermieden," sprach die edle K?nigin,

"Da? ich verraten h?tte seinen sch?nen Leib: 1146

So lie?' ich nun mein Weinen, ich unselig Weib!

Hold werd ich ihnen nimmer, die das an ihm gethan!"

Zu flehn begann da Geiselher, dieser waidliche Mann.

Sie sprach: "Ich mu? ihn grü?en, ihr liegt zu sehr mir an. 1147

Von euch ist's gro?e Sünde: Gunther hat mir gethan

So viel Herzeleides ganz ohne meine Schuld:

Mein Mund schenkt ihm Verzeihung, mein Herz ihm nimmer die Huld."

"Hernach wird es be?er," ihre Freunde sprachen so. 1148

"Wenn ers zu Wege br?chte, da? wir sie s?hen froh!"

"Er mags ihr wohl vergüten," sprach da Gernot.

Da sprach die Jammersreiche: "Seht, nun leist ich eur Gebot:

"Ich will den K?nig grü?en." Als er das vernahm, 1149

Mit seinen besten Freunden der K?nig zu ihr kam.

Da getraute Hagen sich nicht, zu ihr zu gehn:

Er kannte seine Schuld wohl: ihr war Leid von ihm geschehn.

Als sie verschmerzen wollte auf Gunther den Ha?, 1150

Da? er sie küssen sollte, wohl ziemte sich ihm das.

W?r ihr mit seinem Willen so leid nicht geschehn,

So dürft er dreisten Muthes immer zu Kriemhilden gehn.

Es ward mit so viel Thr?nen nie eine Sühne mehr 1151

Gestiftet unter Freunden. Sie schmerzt' ihr Schade sehr.

Doch verzieh sie allen bis auf den Einen Mann:

Niemand h?tt ihn erschlagen, h?tt es Hagen nicht gethan.

Nun w?hrt' es nicht mehr lange, so stellten sie es an, 1152

Da? die K?nigstochter den gro?en Hort gewann

Vom Nibelungenlande und bracht ihn an den Rhein:

Ihre Morgengabe war es und must ihr billig eigen sein.

Nach diesem fuhr da Geiselher und auch Gernot. 1153

Achtzighundert Mannen Frau Kriemhild gebot,

Da? sie ihn holen sollten, wo er verborgen lag

Und sein der Degen Alberich mit seinen besten Freunden pflag.

Als man des Schatzes willen vom Rhein sie kommen sah, 1154

Alberich der kühne sprach zu den Freunden da:

"Wir dürfen ihr wohl billig den Hort nicht entziehn,

Da sein als Morgengabe heischt die edle Künigin.

"Dennoch sollt es nimmer," sprach Alberich, "geschehn, 1155

Müsten wir nicht leider uns verloren sehn

Die gute Tarnkappe mit Siegfried zumal,

Die immer hat getragen der sch?nen Kriemhild Gemahl.

"Nun ist es Siegfrieden leider schlimm bekommen, 1156

Da? die Tarnkappe der Held uns hat genommen,

Und da? ihm dienen muste all dieses Land."

Da gieng dahin der K?mmerer, wo er die Schlü?el liegen fand.

Da standen vor dem Berge, die Kriemhild gesandt, 1157

Und mancher ihrer Freunde: man lie? den Schatz zur Hand

Zu dem Meere bringen an die Schiffelein

Und führt' ihn auf den Wellen bis zu Berg in den Rhein.

Nun m?gt ihr von dem Horte Wunder h?ren sagen: 1158

Zw?lf Leiterwagen konnten ihn kaum von dannen tragen

In vier Tag und N?chten aus des Berges Schacht,

H?tten sie des Tages den Weg auch dreimal gemacht.

Es war auch nichts anders als Gestein und Gold. 1159

Und h?tte man die ganze Welt erkauft mit diesem Gold,

Um keine Mark vermindern m?cht es seinen Werth.

Wahrlich Hagen hatte nicht ohne Grund sein begehrt.

Der Wunsch lag darunter, ein golden Rüthelein: 1160

Wer es h?tt erkundet, der m?chte Meister sein

Auf der weiten Erde wohl über jeden Mann.

Von Albrichs Freunden zogen mit Gernot Viele hinan.

Als Gernot der Degen und der junge Geiselher 1161

Des Horts sich unterwanden, da wurden sie auch Herr

Des Landes und der Burgen und der Recken wohlgestalt:

Die musten ihnen dienen zumal durch Furcht und Gewalt.

Als sie den Hort gewannen in K?nig Gunthers Land, 1162

Und sich darob die K?nigin der Herrschaft unterwand,

Kammern und Thürme die wurden voll getragen;

Man h?rte nie von Sch?tzen so gro?e Wunder wieder sagen.

Und w?ren auch die Sch?tze noch gr??er tausendmal, 1163

Und w?r der edle Siegfried erstanden von dem Fall,

Gern w?re bei ihm Kriemhild geblieben hemdeblo?.

Nie war zu einem Helden eines Weibes Treue so gro?.

Als sie den Hort nun hatte, da brachte sie ins Land 1164

Viel der fremden Recken; wohl gab der Frauen Hand,

Da? man so gro?e Milde nie zuvor gesehn.

Sie übte hohe Güte: das muste man ihr zugestehn.

Den Armen und den Reichen zu geben sie begann. 1165

Hagen sprach zum K?nig: "L??t man sie so fortan

Noch eine Weile schalten, so wird sie in ihr Lehn

So manchen Degen bringen, da? es uns übel mu? ergehn."

Da sprach K?nig Gunther: "Ihr geh?rt das Gut: 1166

Wie darf ich mich drum kümmern, was sie mit ihm thut?

Ich konnt es kaum erlangen, da? sie mir wurde hold;

Nicht frag ich, wie sie theilet ihr Gestein und rohes Gold."

Hagen sprach zum K?nig: "Es vertraut ein kluger Mann 1167

Doch solche Sch?tze billig keiner Frauen an:

Sie bringt es mit Gaben wohl noch an den Tag,

Da es sehr gereuen die kühnen Burgunden mag."

Da sprach K?nig Gunther: "Ich schwur ihr einen Eid, 1168

Da? ich ihr nie wieder fügen wollt ein Leid,

Und will es künftig meiden: sie ist die Schwester mein."

Da sprach wieder Hagen: "La?t mich den Schuldigen sein."

Sie nahmen ihre Eide meistens schlecht in Hut: 1169

Da raubten sie der Witwe das m?chtige Gut.

Hagen aller Schlü?el dazu sich unterwand.

Ihr Bruder Gernot zürnte, als ihm das wurde bekannt.

Da sprach der junge Geiselher: "Viel Leides ist geschehn 1170

Von Hagen meiner Schwester: dem sollt ich widerstehn:

W?r er nicht mein Blutsfreund, es gieng' ihm an den Leib."

Wieder neues Weinen begann da Siegfriedens Weib.

Da sprach K?nig Gernot: "Eh wir solche Pein 1171

Um dieses Gold erlitten, wir solltens in den Rhein

All versenken la?en: so geh?rt' es Niemand an."

Sie kam mit Klaggeb?rde da zu Geiselher heran.

Sie sprach: "Lieber Bruder, du sollst gedenken mein, 1172

Lebens und Gutes sollst du ein Vogt mir sein."

Da sprach er zu der Schwester: "Gewiss, es soll geschehn,

Wenn wir wiederkommen: eine Fahrt ist zu bestehn."

Gunther und seine Freunde r?umten das Land, 1173

Die allerbesten drunter, die man irgend fand;

Hagen nur alleine verblieb um seinen Ha?,

Den er Kriemhilden hegte: ihr zum Schaden that er das.

Eh der reiche K?nig wieder war gekommen, 1174

Derweil hatte Hagen den ganzen Schatz genommen:

Er lie? ihn bei dem Loche versenken in den Rhein.

Er w?hnt', er sollt ihn nutzen; das aber konnte nicht sein.

Bevor von Tronje Hagen den Schatz also verbarg, 1175

Da hatten sie's beschworen mit Eiden hoch und stark,

Da? er verhohlen bliebe, so lang sie m?chten leben:

So konnten sie's sich selber noch auch Jemand anders geben.

Die Fürsten kamen wieder, mit ihnen mancher Mann. 1176

Kriemhild den gro?en Schaden zu klagen da begann

Mit M?gdlein und Frauen; sie hatten Herzensnoth.

Da stellten sich die Degen, als s?nnen sie auf seinen Tod.

Sie sprachen einhellig: "Er hat nicht wohlgethan." 1177

Bis er zu Freunden wieder die Fürsten sich gewann,

Entwich er ihrem Zorne: sie lie?en ihn genesen;

Aber Kriemhild konnt ihm wohl nicht feinder sein gewesen.

Mit neuem Leide wieder belastet war ihr Muth, 1178

Erst um des Mannes Leben und nun, da sie das Gut

Ihr so gar benahmen: da ruht' auch ihre Klage,

So lang sie lebte, nimmer bis zu ihrem jüngsten Tage.

Nach Siegfriedens Tode, das ist alles wahr, 1179

Lebte sie im Leide noch dreizehen Jahr,

Da? ihr der Tod des Recken st?ts im Sinne lag:

Sie wahrt' ihm immer Treue; das rühmen ihr die Meisten nach.

Eine reiche Fürstenabtei hatte Frau Ute 1180

Nach Dankrats Tod gestiftet von ihrem Gute

Mit gro?en Einkünften, die es noch heute zieht:

Dort zu Lorsch das Kloster, das man in hohen Ehren sieht.

Dazu gab auch Kriemhild hernach ein gro?es Theil 1181

Um Siegfriedens Seele und aller Seelen Heil

Gold und Edelsteine mit williger Hand;

Getreuer Weib auf Erden ward uns selten noch bekannt.

Seit Kriemhild K?nig Gunthern wieder schenkte Huld 1182

Und dann doch den gro?en Hort verlor durch seine Schuld,

Ihres Herzeleides ward da noch viel mehr:

Da z?ge gern von dannen die Fraue edel und hehr.

Nun war Frau Uten ein Sedelhof bereit 1183

Zu Lorsch bei ihrem Kloster, reich, gro? und weit,

Dahin von ihren Kindern sie zog und sich verbarg,

Wo noch die hehre K?nigin begraben liegt in einem Sarg.

Da sprach die K?nigswitwe: "Liebe Tochter mein, 1184

Hier magst du nicht verbleiben: bei mir denn sollst du sein,

Zu Lorsch in meinem Hause, und l?st dein Weinen dann."

Kriemhild gab zur Antwort: "Wo lie?' ich aber meinen Mann?"

"Den la? nur hier verbleiben," sprach Frau Ute. 1185

"Nicht woll es Gott vom Himmel," sprach da die Gute.

"Nein, liebe Mutter, davor will ich mich wahren:

"ein Mann mu? von hinnen in Wahrheit auch mit mir fahren."

Da schuf die Jammersreiche, da? man ihn erhub 1186

Und sein Gebein, das edle, wiederum begrub

Zu Lorsch bei dem Münster mit Ehren mannigfalt:

Da liegt im langen Sarge noch der Degen wohlgestalt.

Zu denselben Zeiten, da Kriemhild gesollt 1187

Zu ihrer Mutter ziehen, wohin sie auch gewollt,

Da muste sie verbleiben, weil es nicht sollte sein:

Das schufen neue M?ren, die da kamen über Rhein.

* * * * *

Zwanzigste Abenteuer.

Wie K?nig Etzel um Kriemhilden sandte.

Das war in jenen Zeiten, als Frau Helke starb 1188

Und der K?nig Etzel um andre Frauen warb,

Da riethen seine Freunde in Burgundenland

Zu einer stolzen Witwe, die war Frau Kriemhild genannt.

Seit ihm die sch?ne Helke erstarb, die K?nigin, 1189

Sie sprachen: "Sinnt ihr wieder auf edler Frau Gewinn,

Der h?chsten und der besten, die je ein Fürst gewann,

So nehmet Kriemhilden; der starke Siegfried war ihr Mann."

Da sprach der reiche K?nig: "Wie gienge das wohl an? 1190

Ich bin ein Heide, ein ungetaufter Mann,

Sie jedoch ist Christin sie thut es nimmermehr.

Ein Wunder müst es hei?en, k?m sie jemals hieher."

Die Schnellen sprachen wieder: "Vielleicht, da? sie es thut 1191

Um euern hohen Namen und euer gro?es Gut.

Man soll es doch versuchen bei dem edeln Weib:

Euch ziemte wohl zu minnen ihren wonniglichen Leib."

Da sprach der edle K?nig: "Wem ist nun bekannt 1192

Unter euch am Rheine das Volk und auch das Land?"

Da sprach von Bechlaren der gute Rüdiger:

"Kund von Kindesbeinen sind mir die edeln K?nige hehr,

"Gunther und Gernot, die edeln Ritter gut; 1193

Der dritte hei?t Geiselher: ein Jeglicher thut,

Was er nach Zucht und Ehren am besten mag begehn:

Auch ist von ihren Ahnen noch st?ts dasselbe geschehn."

Da sprach wieder Etzel: "Freund, nun sage mir, 1194

Ob ihr wohl die Krone ziemt zu tragen hier;

Und hat sie solche Sch?ne, wie man sie zeiht,

Meinen besten Freunden sollt es nimmer werden leid."

"Sie vergleicht sich an Sch?ne wohl der Frauen mein, 1195

Helke der reichen: nicht sch?ner k?nnte sein

Auf der weiten Erde eine K?nigin:

Wen sie erw?hlt zum Freunde, der mag wohl tr?sten den Sinn."

Er sprach: "So wirb sie, Rüdiger, so lieb als ich dir sei. 1196

Und darf ich Kriemhilden jemals liegen bei,

Das will ich dir lohnen, so gut ich immer kann;

Auch hast du meinen Willen mit gro?er Treue gethan.

"Von meinem Kammergute la? ich so viel dir geben, 1197

Da? du mit den Gef?hrten in Freude m?gest leben;

Von Rossen und von Kleidern, was ihr nur begehrt,

Des wird zu der Botschaft euch die Genüge gew?hrt."

Zur Antwort gab der Markgraf, der reiche Rüdiger: 1198

"Begehrt' ich deines Gutes, das ziemte mir nicht sehr.

Ich will dein Bote gerne werden an den Rhein

Mit meinem eignen Gute; ich hab es aus den H?nden dein."

Da sprach der reiche K?nig: "Wann denkt ihr zu fahren 1199

Nach der Minniglichen? So soll euch Gott bewahren

Dabei an allen Ehren und auch die Fraue mein;

Und m?ge Glück mir helfen, da? sie uns gn?dig m?ge sein."

Da sprach wieder Rüdiger: "Eh wir r?umen dieses Land, 1200

Mü?en wir uns rüsten mit Waffen und Gewand,

Da? wir vor den K?nigen mit Ehren dürfen stehn:

Ich will zum Rheine führen fünfhundert Degen ausersehn.

"Wenn man bei den Burgunden mich und die Meinen seh, 1201

Da? dann einstimmig das Volk im Land gesteh,

Es habe nie ein K?nig noch so manchen Mann

So fern daher gesendet, als du zum Rheine gethan.

"Und wi?, edler K?nig, stehst du darob nicht an, 1202

Sie war dem besten Manne, Siegfrieden unterthan,

Siegmundens Sohne; du hast ihn hier gesehn:

Man mocht ihm gro?e Ehre wohl in Wahrheit zugestehn."

Da sprach der K?nig Etzel: "War sie dem Herrn verm?hlt, 1203

Sie war so hohes Namens der edle Fürst erw?hlt,

Da? ich nicht verschm?hen darf die K?nigin.

Ob ihrer gro?en Sch?nheit gef?llt sie wohl meinem Sinn."

Da sprach der Markgraf wieder: "Wohlan, ich will euch sagen, 1204

Wir heben uns von hinnen in vierundzwanzig Tagen.

Ich entbiet es Gotelinden, der lieben Fraue mein,

Da? ich zu Kriemhilden selber wolle Bote sein."

Hin gen Bechelaren sandte Rüdiger 1205

Boten seinem Weibe, der Markgr?fin hehr,

Er werbe für den K?nig um eine K?nigin:

Der guten Helke dachte sie da mit freundlichem Sinn.

Als die Botenkunde die Markgr?fin gewann, 1206

Leid war es ihr zum Theile, zu sorgen hub sie an,

Ob sie wohl eine Herrin gew?nne so wie eh.

Gedachte sie an Helke, das that ihr inniglich weh.

Nach sieben Tagen Rüdiger ritt aus Heunenland, 1207

Worüber frohgemuthet man K?nig Etzeln fand.

Man fertigte die Kleider in der Stadt zu Wien;

Da wollt er mit der Reise auch nicht l?nger mehr verziehn.

Zu Bechlaren harrte sein Frau Gotelind 1208

Und die junge Markgr?fin, Rüdigers Kind,

Sah ihren Vater gerne und Die ihm unterthan;

Da ward ein liebes Harren von sch?nen Frauen gethan.

Eh der edle Rüdiger aus der Stadt zu Wien 1209

Ritt nach Bechlaren, da waren hier für ihn

Kleider und Gewaffen auf S?umern angekommen.

Sie fuhren solcherweise, da? ihnen wenig ward genommen.

Als sie zu Bechlaren kamen in die Stadt, 1210

Für seine Heergesellen um Herbergen bat

Der Wirth mit holden Worten: die gab man ihnen da.

Gotelind die reiche den Wirth gar gerne kommen sah.

Auch seine liebe Tochter, die Marfgr?fin jung, 1211

Ob ihres Vaters Kommen war sie froh genung,

Aus Heunenland die Helden, wie gern sie die sah!

Mit lachendem Muthe sprach die edle Jungfrau da:

"Willkommen sei mein Vater und Die ihm unterthan." 1212

Da ward ein sch?nes Danken von manchem werthen Mann

Freundlich geboten der jungen Markgr?fin.

Wohl kannte Frau Gotlind des edeln Rüdiger Sinn.

Als sie des Nachts nun bei Rüdigern lag, 1213

Mit holden Worten fragte die Markgr?fin nach,

Wohin ihn denn gesendet der Fürst von Heunenland?

"Meine Frau Gotlind," sprach er, "ich mach es gern euch bekannt.

"Meinem Herren werben soll ich ein ander Weib, 1214

Da ihm ist erstorben der sch?nen Helke Leib.

Nun will ich nach Kriemhilden reiten an den Rhein:

Die soll hier bei den Heunen gewaltge K?nigin sein."

"Das wollte Gott!" sprach Gotlind, "m?cht uns dies Heil geschehn,1215

Da wir so hohe Ehren ihr h?ren zugestehn.

Sie ersetzt uns Helken vielleicht in alten Tagen;

Wir m?gen bei den Heunen sie gerne sehen Krone tragen."

Da sprach Markgraf Rüdiger: "Liebe Fraue mein, 1216

Die mit mir reiten sollen von hinnen an den Rhein,

Denen sollt ihr freundlich bieten euer Gut:

Wenn Helden reichlich leben, so tragen sie hohen Muth."

Sie sprach: "Da ist nicht Einer, wenn er es gerne n?hm, 1217

Ich wollt ihm willig bieten, was Jeglichem genehm,

Eh ihr von hinnen scheidet und Die euch unterthan."

Da sprach der Markgraf wieder: "Ihr thut mir Liebe daran."

Hei! was man reicher Zeuge von ihrer Kammer trug! 1218

Da ward den edeln Recken Gewand zu Theil genug

Mit allem Flei? gefüttert vom Hals bis auf die Sporen;

Die ihm davon gefielen, hatte Rüdger sich erkoren.

Am siebenten Morgen von Bechlaren ritt 1219

Der Wirth mit seinen Degen. Sie führten Waffen mit

Und Kleider auch die Fülle durch der Baiern Land.

Sie wurden auf der Stra?e von R?ubern selten angerannt.

Binnen zw?lf Tagen kamen sie an den Rhein. 1220

Da konnte diese M?re nicht lang verborgen sein:

Dem K?nig und den Seinen ward es kund gethan,

Es k?men fremde G?ste. Der Wirth zu fragen begann,

Ob sie Jemand kennte? das sollte man ihm sagen. 1221

Man sah die Saumrosse schwere Lasten tragen:

Wie reich die Helden waren, ward daran erkannt.

Herberge schuf man ihnen in der weiten Stadt zuhand.

Als die G?ste waren in die Stadt gekommen, 1222

Ihres Aufzugs hatte man mit Neugier wahrgenommen.

Sie wunderte, von wannen sie k?men an den Rhein.

Der Wirth fragte Hagen, wer die Herren m?chten sein?

Da sprach der Held von Tronje: "Ich sah sie noch nicht; 1223

Wenn ich sie erschaue, mag ich euch Bericht

Wohl geben, von wannen sie ritten in dies Land.

Sie w?ren denn gar fremde, so sind sie gleich mir bekannt."

Herbergen hatten die G?ste nun empfahn. 1224

Der Bote hatte reiche Gew?nder angethan

Mit seinen Heergesellen, als sie zu Hofe ritten.

Sie trugen gute Kleider, die waren zierlich geschnitten.

Da sprach der schnelle Hagen: "So viel ich mag verstehn, 1225

Da ich seit langen Tagen den Herrn nicht hab ersehn,

So sind sie so zu schauen, als w?r es Rüdiger

Aus der Heunen Lande, dieser Degen kühn und hehr."

"Wie sollt ich das glauben," der K?nig sprachs zuhand, 1226

"Da? der von Bechelaren kam in dieses Land?"

Kaum hatte K?nig Gunther das Wort gesprochen gar,

So nahm der kühne Hagen den guten Rüdiger wahr.

Er und seine Freunde liefen ihm entgegen: 1227

Da sprangen von den Rossen fünfhundert schnelle Degen.

Wohl empfangen wurden die von Heunenland;

Niemals trugen Boten wohl so herrlich Gewand.

Da rief von Tronje Hagen mit lauter Stimme Schall: 1228

"Nun sei'n uns hochwillkommen diese Degen all,

Der Vogt von Bechelaren mit seiner ganzen Schar."

Man empfieng mit Ehren die schnellen Heunen fürwahr.

Des K?nigs n?chste Freunde dr?ngten sich heran: 1229

Da hub von Metzen Ortewein zu Rüdigern an:

"Wir haben lange Tage hier nicht mehr gesehn

Also liebe G?ste, das mu? ich wahrlich gestehn!"

Sie dankten des Empfanges den Recken allzumal. 1230

Mit dem Heergesinde giengen sie zum Saal,

Wo sie den K?nig fanden bei manchem kühnen Mann.

Der stand empor vom Sitze: das ward aus h?fscher Zucht gethan.

Wie freundlich dem Boten er entgegengieng 1231

Und allen seinen Degen! Gernot auch empfieng

Den Gast mit hohen Ehren und Die ihm unterthan.

Den guten Rüdger führte der K?nig an der Hand heran.

Er bracht' ihn zu dem Sitze, darauf er selber sa?. 1232

Den G?sten lie? er schenken (gerne that man das)

Von dem guten Methe und von dem besten Wein,

Den man mochte finden in den Landen um den Rhein.

Geiselher und Gere waren auch gekommen, 1233

Dankwart und Volker, die hatten bald vernommen

Von den werthen G?sten. Sie waren wohlgemuth:

Sie empfiengen vor dem K?nig die Ritter edel und gut.

Da sprach von Tronje Hagen zu Gunthern seinem Herrn: 1234

"Mit Dienst vergelten sollten st?ts eure Degen gern,

Was uns der Markgraf zu Liebe hat gethan;

Des sollte Lohn empfangen der sch?nen Gotlinde Mann."

Da sprach der K?nig Gunther: "Ich la?e nicht das Fragen: 1235

Wie beide sich gehaben, das sollt ihr mir sagen,

Etzel und Frau Helke in der Heunen Land?"

Der Markgraf gab zur Antwort: "Ich mach es gern euch bekannt."

Da erhob er sich vom Sitze und Die ihm unterthan 1236

Und sprach zu dem K?nig: "La?t mich Erlaub empfahn,

Da? ich die M?re sage, um die mich hat gesandt

Etzel der K?nig hieher in der Burgunden Land."

Er sprach: "Was man uns immer durch euch entboten hat, 1237

Erlaub ich euch zu sagen ohne der Freunde Rath.

Die M?re la?t vernehmen mich und die Degen mein:

Euch soll nach allen Ehren zu werben hier gestattet sein."

Da sprach der biedre Bote: "Euch entbietet an den Rhein 1238

Seine treuen Dienste der gro?e K?nig mein,

Dazu den Freunden allen, die euch zugethan;

Auch wird euch diese Botschaft mit gro?er Treue gethan.

"Euch l??t der edle K?nig klagen seine Noth: 1239

Sein Volk ist ohne Freude, meine Frau die ist todt,

Helke die reiche, meines Herrn Gemahl:

An der sind sch?ne Jungfraun nun verwaist in gro?er Zahl,

"Edler Fürsten Kinder, die sie erzogen hat; 1240

Darum hat im Lande nun gro?e Trauer Statt:

Sie haben leider Niemand mehr, der sie so treulich pflegt,

Drum w?hn ich auch, da? selten des K?nigs Sorge sich legt."

"Nun lohn ihm Gott," sprach Gunther, "da? er die Dienste sein 1241

So williglich entbietet mir und den Freunden mein.

Ich h?rte gern die Grü?e, die ihr mir kund gethan;

Auch wollen sie verdienen Die mir treu und unterthan."

Da sprach von Burgunden der edle Gernot: 1242

"Die Welt mag wohl beklagen der sch?nen Helke Tod

Um manche h?fsche Tugend, der sie gewohnt zu pflegen."

Das best?tigte Hagen und mancher andre Degen.

Da sprach wieder Rüdiger, der edle Bote hehr: 1243

"Erlaubt ihr mir, Herr K?nig, so sag ich euch noch mehr,

Was mein lieber Herre euch hieher entbot:

Er lebt in gro?em Kummer seit der K?nigin Helke Tod.

"Man sagte meinem Herren, Kriemhild sei ohne Mann, 1244

Da Siegfried gestorben: und sprach man wahr daran,

Und wollt ihr ihrs verg?nnen, so soll sie Krone tragen

Vor K?nig Etzels Recken: das gebot mein Herr ihr zu sagen."

Da sprach K?nig Gunther mit wohlgezognem Muth: 1245

"Sie h?rt meinen Willen, wenn sie es gerne thut.

Das will ich euch berichten von heut in dreien Tagen:

Wenn sie es nicht weigert, wie sollt ichs Etzel versagen?"

Man lie? Gemach bescheiden den G?sten allzuhand. 1246

Sie fanden solche Pflege, da? Rüdiger gestand,

Er habe gute Freunde in K?nig Gunthers Lehn.

Gerne dient' ihm Hagen: ihm war einst Gleiches geschehn.

So verweilte Rüdiger bis an den dritten Tag. 1247

Der Fürst berief die R?the, wie er weislich pflag,

Und fragte seine Freunde, ob sie es gut gethan

D?uchte, da? Kriemhild Herrn Etzeln n?hme zum Mann.

Da riethen sie es alle; nur Hagen stands nicht an. 1248

Er sprach zu K?nig Gunther, diesem kühnen Mann:

"Habt ihr kluge Sinne, so seid wohl auf der Hut,

Wenn sie auch folgen wollte, da? ihr doch nimmer es thut."

"Warum," sprach da Gunther, "lie?' ich es nicht ergehn? 1249

Was künftig noch der K?nigin Liebes mag geschehn,

Will ich ihr gerne g?nnen: sie ist die Schwester mein.

Wir müsten selbst drum werben, sollt es ihr zur Ehre sein."

Da sprach aber Hagen: "Das sprecht ihr unbedacht. 1250

Wenn ihr Etzeln kenntet wie ich und seine Macht,

Und lie?t ihr sie ihn minnen, wie ich euch h?re sagen,

Das müstet ihr vor Allen mit gro?em Rechte beklagen."

"Warum?" sprach da Gunther, "leicht vermeid ich das, 1251

Ihm je so nah zu kommen, da? ich durch seinen Ha?

Leid zu befahren h?tte, würd er auch ihr Mann."

Da sprach wieder Hagen: "Mich dünkt es nimmer wohlgethan."

Da lud man Gernoten und Geiselhern heran, 1252

Ob die Herren beide d?uchte wohlgethan,

Wenn Frau Kriemhild n?hme den m?chtgen K?nig hehr.

Noch widerrieth es Hagen und auch anders Niemand mehr.

Da sprach von Burgunden Geiselher der Degen: 1253

"Nun m?gt ihr, Freund Hagen, noch der Treue pflegen:

Entsch?digt sie des Leides, das ihr ihr habt gethan.

Was ihr noch mag gelingen, das s?ht ihr billig neidlos an."

"Wohl habt ihr meiner Schwester gefügt so gro?es Leid," 1254

Sprach da wieder Geiselher, der Degen allbereit,

"Ihr h?ttets wohl verschuldet, w?re sie euch gram:

Noch Niemand einer Frauen so viel der Freuden benahm."

"Da? ich das wohl erkenne, das sei euch frei bekannt. 1255

Und soll sie Etzeln nehmen und kommt sie in sein Land,

Wie sie es fügen m?ge, viel Leid thut sie uns an.

Wohl kommt in ihre Dienste da mancher waidliche Mann."

Dawider sprach zu Hagen der kühne Gernot: 1256

"Es mag dabei verbleiben bis an Beider Tod,

Da? wir niemals kommen in K?nig Etzels Land.

La?t uns ihr Treue leisten: zu Ehren wird uns das gewandt."

Da sprach Hagen wieder: "Das la? ich mir Niemand sagen; 1257

Und soll die edle Kriemhild Helkens Krone tragen,

Viel Leid wird sie uns schaffen, wo sie's nur fügen kann:

Ihr sollt es bleiben la?en, das st?nd euch Recken be?er an."

Im Zorn sprach da Geiselher, der sch?nen Ute Kind: 1258

Wir wollen doch nicht alle meineidig sein gesinnt.

Was ihr geschieht zu Ehren, la?t uns froh drum sein.

Was ihr auch redet, Hagen, ich dien ihr nach der Treue mein."

Als das Hagen h?rte, da trübte sich sein Muth. 1259

Geiselher und Gernot, die stolzen Ritter gut,

Und Gunther der reiche vereinten endlich sich,

Wenn es Kriemhild wünsche, sie wolltens dulden williglich.

Da sprach Markgraf Gere: "So geh ich ihr zu sagen, 1260

Da? sie den K?nig Etzel sich la?e wohlhagen.

Dem ist so mancher Recke mit Furchten unterthan,

Er mag ihr wohl vergüten, was sie je Leides gewann."

Hin gieng der schnelle Degen, wo er Kriemhilden sah. 1261

Sie empfieng ihn gütlich; wie balde sprach er da:

"Ihr m?gt mich gern begrü?en und geben Botenbrot,

Es will das Glück euch scheiden nun von all eurer Noth.

"Es hat um eure Minne, Frau, hiehergesandt 1262

Der Allerbesten einer, der je ein K?nigsland

Gewann mit vollen Ehren und Krone durfte tragen:

Es werben edle Ritter: das l??t euch euer Bruder sagen."

Da sprach die Jammerreiche: "Verbiete doch euch Gott 1263

Und allen meinen Freunden, da? sie keinen Spott

Mit mir Armen treiben: was sollt ich einem Mann,

Der je Herzensliebe von gutem Weibe gewann?"

Sie widersprach es heftig. Da traten zu ihr her 1264

Gernot ihr Bruder und der junge Geiselher.

Sie baten sie in Minne zu tr?sten ihren Mut.

Und nehme sie den K?nig, es gerath ihr wahrlich gut.

Bereden mochte Niemand doch die K?nigin 1265

Noch einen Mann zu minnen auf Erden fürderhin.

Da baten sie die Degen: "So la?t es doch geschehn,

Wenn ihr denn nicht anders wollt, da? euch der Bote m?ge sehn."

"Das will ich nicht versagen," sprach die Fraue hehr. 1266

Ich empfange gerne den guten Rüdiger

Ob seiner h?fschen Sitte: w?r er nicht hergesandt,

Jedem andern Boten, dem blieb' ich immer unbekannt."

Sie sprach: "So schickt den Degen morgen früh heran 1267

Zu meiner Kemenate. Ich bescheid ihn dann:

Wes ich mich berathen, will ich ihm selber sagen."

So war ihr jetzt erneuert das gro?e Weinen und Klagen.

Da wünschte sich auch anders nichts der edle Rüdiger, 1268

Als da? er schauen dürfte die K?nigin hehr.

Er wuste sich so weise: k?nnt es irgend sein,

So müst er sie bereden, diesen Recken zu frein.

Früh des andern Morgens nach dem Messgesang 1269

Kamen die edeln Boten; da hub sich gro?er Drang.

Die mit Rüdigeren zu Hofe sollten gehn,

Die sah man wohlgekleidet, manchen Degen ausersehn.

Kriemhilde die arme, in traurigem Muth 1270

Harrte sie auf Rüdiger, den edeln Boten gut.

Er fand sie in dem Kleide, das sie für t?glich trug:

Dabei hatt ihr Gesinde reicher Kleider genug.

Sie gieng ihm entgegen zu der Thüre hin 1271

Und empfieng Etzels Recken mit gütlichem Sinn.

Nur selbzw?lfter trat er herein zu der Fraun;

Man bot ihm gro?e Ehre; wer m?cht auch be?re Boten schaun?

Man hie? den Herren sitzen und Die in seinem Lehn. 1272

Die beiden Markgrafen sah man vor ihr stehn,

Eckewart und Gere, die edeln Ritter gut.

Um der Hausfrau willen sahn sie Niemand wohlgemuth.

Sie sahen vor ihr sitzen manche sch?ne Maid. 1273

Da hatte Frau Kriemhild Jammer nur und Leid.

Ihr Kleid war vor den Brüsten von hei?en Thr?nen na?.

Das sah der edle Markgraf, der nicht l?nger vor ihr sa?.

Er sprach in gro?en Züchten: "Viel edles K?nigskind, 1274

Mir und den Gef?hrten, die mit mir kommen sind,

Sollt ihr, Frau, erlauben, da? wir vor euch stehn

Und euch melden, weshalb unsre Reise sei geschehn."

"Ich will euch gern erlauben," sprach die K?nigin, 1275

"Was ihr wollt, zu reden; also steht mein Sinn,

da? ich es gerne h?re: ihr seid ein Bote gut."

Da merkten wohl die Andern ihren abgeneigten Muth.

Da sprach von Bechelaren der Markgraf Rüdiger: 1276

"Euch l??t entbieten, Herrin, Etzel der K?nig hehr

Gro?e Lieb und Treue hierher in dieses Land;

Er hat um eure Minne viel gute Recken gesandt.

"Er entbeut euch freundlich Liebe sonder Leid; 1277

Er sei st?ter Freundschaft nun euch hinfort bereit

Wie Helken einst, der K?nigin, die ihm am Herzen lag:

Ihr sollt die Krone tragen, deren sie vor Zeiten pflag."

Da sprach zu ihm die K?nigin: "Markgraf Rüdiger, 1278

Wenn meines Herzeleides Jemand kundig war,

Der würde mir nicht rathen zu einem zweiten Mann:

Ich verlor der Besten Einen, die je ein Weib noch gewann."

"Was tr?stet mehr im Leide", sprach der kühne Mann, 1279

"Als freundliche Liebe? Wer die gew?hren kann

Und hat sich den erkoren, der ihm zu Herzen kommt,

Der erf?hrt wohl, da? im Leide nichts so sehr als Liebe frommt.

"Und geruht ihr zu minnen den edeln Herren mein, 1280

Zw?lf reicher Kronen sollt ihr gewaltig sein.

Dazu von drei?ig Fürsten giebt euch mein Herr das Land,

Die alle hat bezwungen seine vielgewaltge Hand.

"Ihr sollt auch Herrin werden über manchen werthen Mann, 1281

Die meiner Frauen Helke waren unterthan,

Und viel der sch?nen Maide, einst ihrem Dienst gesellt,

Von hoher Fürsten Stamme," sprach der hochbeherzte Held.

"Dazu giebt euch der K?nig, gebot er euch zu sagen, 1282

Wenn ihr geruht die Krone bei meinem Herrn zu tragen,

Gewalt die allerh?chste, die Helke je gewann:

Alle Mannen Etzels werden euch da unterthan."

"Wie m?chte jemals wieder," sprach die K?nigin, 1283

"Eines Helden Weib zu werden gelüsten meinem Sinn?

Mir hat der Tod an Einem so bittres Leid gethan,

Da? ichs bis an mein Ende nimmermehr verschmerzen kann."

Die Heunen sprachen wieder: Viel reiche K?nigin, 1284

Das Leben geht bei Etzeln so herrlich euch dahin,

Da? ihr in Wonnen schwebet, weigert ihr es nicht;

Mancher ziere Degen steht in des reichen K?nigs Pflicht.

"Helkens Jungfrauen und eure M?gdelein, 1285

Sollten die beisammen je Ein Gesinde sein,

Dabei m?chten Recken wohl werden wohlgemuth.

La?t es euch rathen, Fraue, es bekommt euch wahrlich gut."

Sie sprach mit edler Sitte: "Nun la?t die Rede sein 1286

Bis morgen in der Frühe, dann tretet zu mir ein,

Da? ich auf die Werbung euch gebe den Bescheid."

Da musten Folge leisten die kühnen Degen allbereit.

Als zu den Herbergen sie kamen allzumal, 1287

Nach Geiselhern zu senden die edle Frau befahl

Und nach ihrer Mutter: den Beiden sagte sie,

Ihr gezieme nur zu weinen und alles Andere nie.

Da sprach ihr Bruder Geiselher: "Mir ahnt, Schwester mein, 1288

Und gerne mag ichs glauben, dein Leid und deine Pein

Wird K?nig Etzel wenden; und nimmst du ihn zum Mann,

Was Jemand anders rathe, so dünkt es mich wohlgethan."

"Er mag dirs wohl ersetzen," sprach wieder Geiselher. 1289

"Vom Rotten bis zum Rheine, von der Elbe bis ans Meer

Wei? man keinen K?nig gewaltiger als ihn.

Du magst dich h?chlich freuen, heischt er dich zur K?nigin."

Sie sprach: "Lieber Bruder, wie r?thst du mir dazu? 1290

Weinen und Klagen das k?m mir eher zu.

Wie sollt ich vor den Recken da zu Hofe gehn?

Hatt ich jemals Sch?nheit, um die ists lange geschehn."

Da redete Frau Ute der lieben Tochter zu: 1291

"Was deine Brüder rathen, liebes Kind, das thu.

Folge deinen Freunden, so mag dirs wohlergehn.

Hab ich dich doch so lange in gro?em Jammer gesehn."

Da bat sie, da? vom Himmel ihr würde Rath gesandt: 1292

Denn h?tte sie zu geben Gold, Silber und Gewand

Wie einst, da er noch lebte, ihr Mann der Degen hehr,

Sie erlebe doch nicht wieder so frohe Stunden nachher.

Sie dacht in ihrem Sinne: "Und sollt ich meinen Leib 1293

Einem Heiden geben? Ich bin ein Christenweib;

Des müst ich billig Schelte von aller Welt empfahn;

G?b er mir alle Reiche, es bliebe doch ungethan."

Da lie? sie es bewenden. Die Nacht bis an den Tag 1294

Die Frau in ihrem Bette voll Gedanken lag.

Ihre lichten Augen trockneten ihr nicht,

Bis sie hin zur Mette wieder gieng beim Morgenlicht.

Nun waren auch die K?nige zur Messezeit gekommen. 1295

Sie hatten ihre Schwester an die Hand genommen

Und riethen ihr zu minnen den von Heunenland.

Niemand doch die Fraue ein wenig fr?hlicher fand.

Da lie? man zu ihr bringen, die Etzel hingesandt, 1296

Die nun mit Urlaub wollten r?umen Gunthers Land,

Wie es gerathen m?ge, mit Nein oder Ja!

Da kam zu Hofe Rüdiger: die Gef?hrten mahnten ihn da,

Recht zu erforschen des edeln Fürsten Muth 1297

Und zeitig das zu leisten; das dauchte Jeden gut;

Ihre Wege w?ren ferne wieder in ihr Land.

Man brachte Rüdigeren hin, wo er Kriemhilden fand.

Da bat alsbald der Recke die edle K?nigin 1298

Mit minniglichen Worten, zu künden ihren Sinn,

Was sie entbieten wolle in K?nig Etzels Land.

Der Held mit seinem Werben bei ihr nur Weigerung fand.

"Sie wolle nimmer wieder minnen einen Mann." 1299

Dawider sprach der Markgraf: "Das w?r nicht recht gethan:

Was wolltet ihr verderben so minniglichen Leib?

Ihr werdet noch mit Ehren eines werthen Recken Weib."

Nichts half es, was sie baten, bis da? Rüdiger 1300

Insgeheim gesprochen mit der K?nigin hehr,

Er hoff ihr zu vergüten all ihr Ungemach.

Da lie? zuletzt ein wenig ihre hohe Trauer nach.

Er sprach zu der K?nigin: "La?t euer Weinen sein; 1301

H?ttet ihr bei den Heunen Niemand als mich allein,

Meine getreuen Freunde und Die mir unterthan,

Er sollt es schwer entgelten, h?tt euch Jemand Leid gethan."

Davon ward erleichtert der Frauen wohl der Muth. 1302

Sie sprach: "So schw?rt mir, Rüdiger, was mir Jemand thut,

Ihr wollt der Erste werden, der r?chen will mein Leid."

Da sprach zu ihr der Markgraf: "Dazu bin ich, Frau, bereit."

Mit allen seinen Mannen schwur ihr da Rüdiger, 1303

Ihr immer treu zu dienen, und da? die Recken hehr

Ihr nichts versagen wollten in K?nig Etzels Land,

Was ihre Ehre heische: das gelobt' ihr Rüdigers Hand.

Da gedachte die Getreue: "Wenn ich gewinnen kann 1304

So viel st?ter Freunde, so seh ichs wenig an,

Was auch die Leute reden, in meines Jammers Noth.

Vielleicht wird noch gerochen meines lieben Mannes Tod."

Sie gedachte: "Da Herr Etzel der Recken hat so viel, 1305

Denen ich gebiete, so thu ich, was ich will.

Er hat auch solche Sch?tze, da? ich verschenken kann;

Mich hat der leide Hagen meines Gutes ohne gethan."

Sie sprach zu Rüdigeren: "H?tt ich nicht vernommen, 1306

Da? er ein Heide w?re, so wollt ich gerne kommen,

Wohin er geb?te, und n?hm ihn zum Mann."

Da sprach der Markgraf wieder: "Steht darauf, Herrin, nicht an.

"Er ist nicht gar ein Heide, des dürft ihr sicher sein: 1307

Er ist getauft gewesen, der liebe Herre mein,

Wenn er auch zu den Heiden wieder übertrat:

Wollt ihr ihn, Herrin, minnen, so wird darüber noch Rath.

"Ihm dienen so viel Recken in der Christenheit, 1308

Da? euch bei dem K?nig nie widerf?hrt ein Leid.

Ihr m?gt auch leicht erlangen, da? der K?nig gut

Zu Gott wieder wendet so die Seele wie den Muth."

Da sprachen ihre Brüder: "Verhei?t es, Schwester mein, 1309

Und all euern Kummer la?t in Zukunft sein."

Des baten sie so lange, bis sie mit Trauer drein

Vor den Helden willigte, den K?nig Etzel zu frein.

Sie sprach: "Ich mu? euch folgen, ich arme K?nigin! 1310

Ich fahre zu den Heunen, wann es geschehe, hin,

Wenn ich Freunde finde, die mich führen in sein Land."

Darauf bot vor den Helden die sch?ne Kriemhild die Hand.

Der Markgraf sprach: "Zwei Recken stehn in eurem Lehn, 1311

Dazu hab ich noch manchen: so kann es wohl geschehn,

Da? wir euch mit Ehren bringen überrhein,

Ich la? euch nun nicht l?nger hier bei den Burgunden sein.

"Fünfhundert Mannen hab ich und der Freunde mein: 1312

Die sollen euch zu Diensten hier und bei Etzeln sein,

Was ihr auch gebietet; ich selber steh euch bei

Und will michs nimmer sch?men, mahnt ihr mich künftig meiner Treu.

"Eure Pferdedecken haltet euch bereit; 1313

Was Rüdiger gerathen hat, wird euch nimmer leid.

Und sagt es euern M?gdlein, die ihr euch gesellt,

Uns begegnet unterwegs mancher auserw?hlte Held."

Sie hatten noch Geschmeide, das sie zu Siegfrieds Zeit 1314

Beim Reiten getragen, da? sie mit mancher Maid

Mit Ehren reisen mochte, so sie wollt hindann.

Hei! was man guter S?ttel den sch?nen Frauen gewann!

Hatten sie schon immer getragen reich Gewand, 1315

So wurde des zur Reise die Fülle nun zur Hand,

Weil ihnen von dem K?nig so viel gepriesen ward;

Sie schlo?en auf die Kisten, so lang versperrt und gespart.

Sie waren sehr gesch?ftig wohl fünftehalben Tag 1316

Und suchten aus dem Einschlag, so viel darinne lag.

Ihre Kammer zu erschlie?en hub da Kriemhild an,

Sie Alle reich zu machen, Die Rüdigern unterthan.

Sie hatte noch des Goldes von Nibelungenland: 1317

Das sollte bei den Heunen vertheilen ihre Hand.

Sechshundert M?ule mochten es nicht von dannen tragen.

Die M?re h?rte Hagen da von Kriemhilden sagen.

Er sprach: "Mir wird Kriemhild doch nimmer wieder hold: 1318

So mu? auch hier verbleiben Siegfriedens Gold.

Wie lie?' ich meinen Feinden wohl so gro?es Gut?

Ich wei? gar wohl, was Kriemhild noch mit diesem Schatze thut.

"Br?chte sie ihn von hinnen, ich glaube sicherlich, 1319

Sie würd ihn nur vertheilen, zu werben wider mich.

Sie hat auch nicht die Rosse, um ihn hinwegzutragen:

Behalten will ihn Hagen, das soll man Kriemhilden sagen."

Als sie vernahm die M?re, das schuf ihr grimme Pein. 1320

Es ward auch den K?nigen gemeldet allen drein:

Sie gedachten es zu wenden. Als das nicht geschah,

Rüdiger der edle sprach mit frohem Muthe da:

"Reiche K?nigstochter, was klagt ihr um das Gold? 1321

Euch ist K?nig Etzel so zugethan und hold,

Ersehn euch seine Augen, er giebt euch solchen Hort,

Da? ihr ihn nie verschwendet; das verbürgt euch, Frau, mein Wort."

Da sprach zu ihm die K?nigin: "Viel edler Rüdiger, 1322

Nie gewann der Sch?tze eine K?nigstochter mehr

Als die, deren Hagen mich ohne hat gethan."

Da kam ihr Bruder Gernot zu ihrer Kammer heran.

Mit des K?nigs Macht den Schlü?el stie? er in die Thür. 1323

Kriemhildens Sch?tze reichte man herfür,

An drei?igtausend Marken oder wohl noch mehr,

Da? es die G?ste n?hmen: des freute Gunther sich sehr.

Da sprach von Bechelaren der Gotelinde Mann: 1324

"Und geh?rten all die Sch?tze noch Kriemhilden an,

Die man jemals brachte von Nibelungenland,

Nicht berühren sollt es mein noch der K?nigin Hand.

"Hei?t es aufbewahren, da ichs nicht haben will. 1325

Ich bracht aus unserm Lande des Meinen her so viel,

Wir m?gens unterweges entrathen wohl mit Fug:

Wir haben zu der Reise genug und übergenug."

Zw?lf Schreine hatten noch ihre M?gdelein 1326

Des allerbesten Goldes, das irgend mochte sein,

Bewahrt aus alten Zeiten: das nun verladen ward

Und viel der Frauenzierde, die sie brauchten auf der Fahrt.

Die Macht des grimmen Hagen bedauchte sie zu stark. 1327

Des Opfergoldes hatte sie wohl noch tausend Mark:

Das gab sie für die Seele von ihrem lieben Mann.

Das dauchte Rüdigeren mit gro?en Treuen gethan.

Da sprach die arme K?nigin: "Wo sind die Freunde mein, 1328

Die da mir zu Liebe im Elend wollen sein

Und mit mir reiten sollen in K?nig Etzels Land?

Die nehmen meines Goldes und kaufen Ross' und Gewand."

Alsbald gab ihr Antwort der Markgraf Eckewart: 1329

"Seit ich als Ingesinde euch zugewiesen ward,

Hab ich euch st?ts getreulich gedient," sprach der Degen,

"Und will bis an mein Ende des Gleichen immer bei euch pflegen.

"Ich führ auch mit der Meinen fünfhundert Mann, 1330

Die biet ich euch zu Dienste mit rechten Treuen an.

Wir bleiben ungeschieden, es thu es denn der Tod."

Der Rede dankt' ihm Kriemhild, da ers so wohl ihr erbot.

Da brachte man die Rosse: sie wollten aus dem Land. 1331

Wohl huben an zu weinen die Freunde all zur Hand.

Ute die reiche und manche sch?ne Maid

Bezeigten, wie sie trugen um Kriemhilden Herzeleid.

Hundert sch?ner M?gdelein führte sie aus dem Land; 1332

Die wurden wohl gekleidet, jede nach ihrem Stand.

Aus lichten Augen fielen, die Thr?nen ihnen nieder;

Manche Freud erlebten sie auch bei K?nig Etzel wieder.

Da kam der junge Geiselher und K?nig Gernot, 1333

Mit ihrem Heergesinde, wie es die Zucht gebot:

Die liebe Schwester wollten sie begleiten durch das Land;

Sie hatten im Gefolge wohl tausend Degen auserkannt.

Da kam der schnelle Gere und auch Ortewein; 1334

Rumold der Küchenmeister der lie? sie nicht allein.

Sie schufen Nachtlager der Frauen auf den Wegen:

Als Marschall sollte Volker ihrer Herberge pflegen.

Bei Abschiedsküssen hatte man Weinen viel vernommen, 1335

Eh sie zu Felde waren von der Burg gekommen.

Ungebeten gaben Viele Geleit ihr durch das Land.

Vor der Stadt schon hatte sich K?nig Gunther gewandt.

Eh sie vom Rheine führen, hatten sie vorgesandt 1336

Ihre schnellen Boten in der Heunen Land,

Dem K?nige zu melden, da? ihm Rüdiger

Zum Gemahl geworben die edle K?nigin hehr.

Die Boten fuhren schnelle: Eil war ihnen Noth 1337

Um die gro?e Ehre und das reiche Botenbrot.

Als sie mit ihren M?ren waren heimgekommen,

Da hatte K?nig Etzel so Liebes selten vernommen.

Der frohen Kunde willen lie? der K?nig geben 1338

Den Boten solche Gaben, da? sie wohl mochten leben

Immerdar in Freuden hernach bis an den Tod:

Mit Wonne war verschwunden des K?nigs Kummer und Noth.

* * * * *

Einundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild zu den Heunen fuhr.

Die Boten la?t reiten, so thun wir euch bekannt, 1339

Wie die K?nigstochter fuhr durch das Land,

Und wo von ihr Geiselher schied mit Gernot;

Sie hatten ihr gedienet, wie ihre Treue gebot.

Sie kamen an die Donau gen Bergen nun geritten. 1340

Da begannen sie um Urlaub die K?nigin zu bitten,

Weil sie wieder wollten reiten an den Rhein.

Da mocht es ohne Weinen von guten Freunden nicht sein.

Geiselher der schnelle sprach zu der Schwester sein: 1341

"Schwester, wenn du jemals bedürfen solltest mein,

Was immer dich gef?hrde, so mach es mir bekannt,

Dann reit ich dir zu dienen hin in K?nig Etzels Land."

Die Verwandten alle küsste sie auf den Mund. 1342

Minniglich sich scheiden sah man da zur Stund

Die schnellen Burgunden von Rüdigers Geleit.

Da zog mit der K?nigin manche wohlgethane Maid,

Hundert und viere; sie trugen sch?n Gewand 1343

Von buntgewebten Zeugen; manch breiten Schildesrand

Führte man der K?nigin nach auf ihren Wegen.

Da bat auch um Urlaub Volker der zierliche Degen.

Ueber die Donau kamen sie jetzt gen Baierland: 1344

Da sagte man die M?re, es k?men angerannt

Viel unkunder G?ste. Wo noch ein Kloster steht

Und der Innflu? mündend in die Donau niedergeht,

In der Stadt zu Pa?au sa? ein Bischof. 1345

Herbergen leerten sich und auch des Fürsten Hof:

Den G?sten entgegen giengs auf durch Baierland,

Wo der Bischof Pilgerin die sch?ne Kriemhild fand.

Den Recken in dem Lande war es nicht zu leid, 1346

Als sie ihr folgen sahen so manche sch?ne Maid.

Da kos'ten sie mit Augen manch edeln Ritters Kind.

Gute Herberge wies man den G?sten geschwind.

Dort zu Pledelingen schuf man ihnen Ruh; 1347

Das Volk allenthalben ritt auf sie zu.

Man gab, was sie bedurften, williglich und froh:

Sie nahmen es mit Ehren; so that man bald auch anderswo.

Der Bischof mit der Nichte ritt auf Pa?au an. 1348

Als es da den Bürgern der Stadt ward kund gethan,

Das Schwesterkind des Fürsten, Kriemhild wolle kommen,

Da ward sie wohl mit Ehren von den Kaufherrn aufgenommen.

Als der Bischof w?hnte, sie blieben nachts ihm da, 1349

Sprach Eckewart der Markgraf: "Unm?glich ist das ja:

Wir mü?en abw?rts reiten in Rüdigers Land:

Viel Degen harren unser: ihnen allen ist es bekannt."

Nun wust auch wohl die M?re die sch?ne Gotelind: 1350

Sie rüstete sich flei?ig und auch ihr edel Kind.

Ihr hatt entboten Rüdiger, ihn bedünk es gut,

Wenn sie der K?nigstochter damit tr?stete den Muth

Und ihr entgegenritte mit seiner Mannen Schar 1351

Hinauf bis zur Ense. Als das im Werke war,

Da sah man allenthalben erfüllt die Stra?en stehn:

Sie wollten ihren G?sten entgegen reiten und gehn.

Nun war gen Everdingen die K?nigin gekommen. 1352

Man hatt im Baierlande von Sch?chern wohl vernommen,

Die auf den Stra?en raubten, wie es ihr Gebrauch:

So h?tten sie die G?ste m?gen sch?digen auch.

Das hatte wohl verhütet der edle Rüdiger: 1353

Er führte tausend Ritter oder wohl noch mehr.

Da kam auch Gotelinde, Rüdigers Gemahl,

Mit ihr in stolzem Zuge kühner Recken gro?e Zahl.

Ueber die Traune kamen sie bei Ense auf das Feld; 1354

Da sah man aufgeschlagen Hütten und Gezelt,

Da? gute Ruhe f?nden die G?ste bei der Nacht.

Für ihre Kost zu sorgen war der Markgraf bedacht.

Von den Herbergen ritt ihrer Frau entgegen 1355

Gotelind die sch?ne. Da zogen auf den Wegen

Mit klingenden Z?umen viel Pferde wohlgethan.

Sie wurde wohl empfangen; lieb that man Rüdigern daran.

Die sie zu beiden Seiten begrü?ten auf dem Feld 1356

Mit kunstvollem Reiten, das war mancher Held.

Sie übten Ritterspiele; das sah manch sch?ne Maid.

Auch war der Dienst der Helden den sch?nen Frauen nicht leid.

Als zu den G?sten kamen Die in Rüdigers Lehn, 1357

Viel Schaftsplitter sah man in die Lüfte gehn

Von der Recken H?nden nach ritterlichen Sitten.

Da wurde wohl zu Danke vor den Frauen geritten.

Sie lie?en es bewenden. Da grü?te mancher Mann 1358

Freundlich den andern. Nun führten sie heran

Die sch?ne Gotelinde, wo sie Kriemhild sah.

Die Frauen dienen konnten, hatten selten Mu?e da.

Der Vogt von Bechelaren ritt zu Gotlinden hin. 1359

Wenig Kummer schuf es der edeln Markgr?fin,

Da? sie wohl geborgen ihn sah vom Rheine kommen.

Ihr war die meiste Sorge mit gro?er Freude benommen.

Als sie ihn hatt empfangen, hie? er sie auf das Feld 1360

Mit den Frauen steigen, die er ihr sah gestellt.

Da zeigte sich gesch?ftig mancher edle Mann:

Den Frauen wurden Dienste mit gro?em Flei?e gethan.

Da ersah Frau Kriemhild die Markgr?fin stehn 1361

Mit ihrem Ingesinde: sie lie? nicht n?her gehn:

Sie zog mit dem Zaume das Ross an, das sie trug,

Und lie? sich aus dem Sattel heben schleunig genug.

Den Bischof sah man führen seiner Schwester Kind, 1362

Ihn und Eckewarten, hin zu Frau Gotelind.

Es muste vor ihr weichen, wer im Wege stund.

Da küsste die Fremde die Markgr?fin auf den Mund.

Da sprach mit holden Worten die edle Markgr?fin: 1363

"Nun wohl mir, liebe Herrin, da? ich so glücklich bin,

Hier in diesem Lande mit Augen euch zu sehn:

Mir k?nnt in diesen Zeiten nimmer lieber geschehn."

"Nun lohn euch Gott," sprach Kriemhild, "viel edle Gotelind. 1364

So ich gesund verbleibe mit Botlungens Kind,

Mag euch zu Gute kommen, da? ihr mich habt gesehn."

Noch ahnten nicht die Beiden, was sp?ter muste geschehn.

Mit Züchten zu einander gieng da manche Maid; 1365

Zu Diensten waren ihnen die Recken gern bereit.

Sie setzten nach dem Gru?e sich nieder auf den Klee:

Da lernten sich kennen, die sich fremd gewesen eh.

Man lie? den Frauen schenken. Es war am hohen Tag; 1366

Das edle Ingesinde der Ruh nicht l?nger pflag.

Sie ritten, bis sie fanden viel breiter Hütten stehn:

Da konnten gro?e Dienste den edeln G?sten geschehn.

Ueber Nacht da pflegen sollten sie der Ruh. 1367

Die von Bechelaren schickten sich dazu,

Nach Würden zu bewirthen so manchen werthen Mann.

So hatte Rüdiger gesorgt, es gebrach nicht viel daran.

Die Fenster an den Mauern sah man offen stehn; 1368

Man mochte Bechelaren weit erschlo?en sehn.

Da ritten ein die G?ste, die man gerne sah;

Gut Gemach schuf ihnen der edle Rüdiger da.

Des Markgrafen Tochter mit dem Gesinde gieng 1369

Dahin, wo sie die K?nigin minniglich empfieng.

Da war auch ihre Mutter, Rüdigers Gemahl:

Liebreich empfangen wurden die Jungfrauen allzumal.

Sie fügten ihre H?nde in Eins und giengen dann 1370

Zu einem weiten Saale, der war gar wohlgethan,

Vor dem die Donau unten die Flut vorübergo?.

Da sa?en sie im Freien und hatten Kurzweile gro?.

Ich kann euch nicht bescheiden, was weiter noch geschah. 1371

Da? sie so eilen müsten, darüber klagten da

Die Recken Kriemhildens; wohl war es ihnen leid.

Was ihnen guter Degen aus Bechlarn gaben Geleit!

Viel minnigliche Dienste der Markgraf ihnen bot. 1372

Da gab die K?nigstochter zw?lf Armspangen roth

Der Tochter Gotlindens und also gut Gewand,

Da? sie kein be?res brachte hin in K?nig Etzels Land.

Obwohl ihr war benommen der Nibelungen Gold, 1373

Alle, die sie sahen, machte sie sich hold

Noch mit dem kleinen Gute, das ihr verblieben war.

Dem Ingesind des Wirthes bot sie gro?e Gaben dar.

Dafür erwies Frau Gotlind den G?sten von dem Rhein 1374

Auch so hohe Ehre mit Gaben gro? und klein,

Da? man da der Fremden wohl selten einen fand,

Der nicht von ihr Gesteine trug oder herrlich Gewand.

Als man nach dem Imbi? fahren sollt hindann, 1375

Ihre treuen Dienste trug die Hausfrau an

Mit minniglichen Worten Etzels Gemahl.

Die liebkos'te scheidend der sch?nen Jungfrau zumal.

Da sprach sie zu der K?nigin: "Dünkt es euch nun gut, 1376

So wei? ich, wie gern es mein lieber Vater thut,

Da? er mich zu euch sendet in der Heunen Land."

Da? sie ihr treu gesinnt war, wie wohl Frau Kriemhild das fand!

Die Rosse kamen aufgez?umt vor Bechelaren an. 1377

Als die edle K?nigin Urlaub hatt empfahn

Von Rüdigers Weibe und von der Tochter sein,

Da schieden auch mit Grü?en viel der sch?nen M?gdelein.

Sie sahn einander selten mehr nach diesen Tagen. 1378

Aus Medelick auf H?nden brachte man getragen

Manch sch?nes Goldgef??e angefüllt mit Wein

Den G?sten auf die Stra?e und hie? sie willkommen sein.

Ein Wirth war da gese?en, Astold genannt, 1379

Der wies sie die Stra?e ins Oesterreicherland

Gegen Mautaren an der Donau nieder:

Da ward viel Dienst erboten der reichen K?nigin wieder.

Der Bischof mit Liebe von seiner Nichte schied. 1380

Da? sie sich wohl gehabe, wie sehr er ihr das rieth,

Und sich Ehr erwerbe, wie Helke einst gethan.

Hei! was sie gro?er Ehren bald bei den Heunen gewann!

An die Traisem kamen die G?st in kurzer Zeit. 1381

Sie zu pflegen fli? sich Rüdigers Geleit,

Bis da? man die Heunen sah reiten über Land:

Da ward der K?nigstochter erst gro?e Ehre bekannt.

Bei der Traisem hatte der Fürst von Heunenland 1382

Eine reiche Veste, im Lande wohl bekannt,

Mit Namen Traisenmauer: einst wohnte Helke da

Und pflag so hoher Milde, als wohl nicht wieder geschah,

Es sei denn von Kriemhilden; die mochte gerne geben. 1383

Sie durfte wohl die Freude nach ihrem Leid erleben,

Da? ihre Güte priesen, die Etzeln unterthan.

Das Lob sie bei den Helden in der Fülle bald gewann.

K?nig Etzels Herrschaft war so weit erkannt, 1384

Da? man zu allen Zeiten an seinem Hofe fand

Die allerkühnsten Recken, davon man je vernommen

Bei Christen oder Heiden; die waren all mit ihm gekommen.

Bei ihm war allerwegen, so sieht mans nimmermehr, 1385

So christlicher Glaube als heidnischer Verkehr.

Wozu nach seiner Sitte sich auch ein Jeder schlug,

Das schuf des K?nigs Milde, man gab doch Allen genug.

* * * * *

Zweiundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild bei den Heunen empfangen ward.

Sie blieb zu Traisenmauer bis an den vierten Tag. 1386

Der Staub in den Stra?en derweil nicht stille lag:

Aufstob er allenthalben wie in hellem Brand.

Da ritten Etzels Leute durch das Oesterreicherland.

Es war dem K?nig Etzel gemeldet in der Zeit, 1387

Da? ihm vor Gedanken schwand sein altes Leid,

Wie herrlich Frau Kriemhild z?ge durch das Land.

Da eilte hin der K?nig, wo er die Minnigliche fand.

Von gar manchen Sprachen sah man auf den Wegen 1388

Vor K?nig Etzeln reiten viel der kühnen Degen,

Von Christen und von Heiden manches breite Heer.

Als sie die Herrin fanden, sie zogen fr?hlich einher.

Von Reu?en und von Griechen ritt da mancher Mann; 1389

Die Polen und Walachen zogen geschwind heran

Auf den guten Rossen, die sie herrlich ritten.

Da zeigte sich ein Jeder in seinen heimischen Sitten.

Aus dem Land zu Kiew ritt da mancher Mann 1390

Und die wilden Peschenegen. Mit Bogen hub man an

Zu schie?en nach den V?geln, die in den Lüften flogen;

Mit Kr?ften sie die Pfeile bis zu des Bogens Ende zogen.

Eine Stadt liegt an der Donau im Oesterreicherland, 1391

Die ist gehei?en Tulna. Da ward ihr bekannt

Manche fremde Sitte, die sie noch niemals sah.

Da empfiengen sie gar Viele, denen noch Leid von ihr geschah.

Es ritt dem K?nig Etzel ein Ingesind voran, 1392

Fr?hlich und pr?chtig, h?fisch und wohlgethan,

Wohl vierundzwanzig Fürsten, m?chtig und hehr:

Ihre K?nigin zu schauen, sie begehrten sonst nichts mehr.

Ramung, der Herzog aus Walachenland, 1393

Mit siebenhundert Mannen kam er vor sie gerannt.

Wie fliegende V?gel sah man sie alle fahren.

Da kam der Fürst Gibeke mit viel herrlichen Scharen.

Hornbog der schnelle ritt mit tausend Mann 1394

Von des K?nigs Seite zu seiner Fraun heran.

Sie prangten und stolzierten nach ihres Landes Sitten.

Von den Heunenfürsten ward auch da herrlich geritten.

Da kam vom D?nenlande der kühne Hawart 1395

Und Iring der schnelle, vor allem Falsch bewahrt;

Von Thüringen Irnfried, ein waidlicher Mann:

Sie empfiengen Kriemhilden, da? sie viel Ehre gewann,

Mit zw?lfhundert Mannen, die z?hlte ihre Schar. 1396

Da kam der Degen Bl?del mit dreitausend gar,

K?nig Etzels Bruder aus dem Heunenland:

Der ritt in stolzem Zuge, bis er die K?nigin fand.

Da kam der K?nig Etzel und Herr Dieterich 1397

Mit seinen Helden allen. Da sah man ritterlich

Manchen edeln Ritter bieder und auch gut.

Davon ward Kriemhilden gar wohl erhoben der Muth.

Da sprach zu der K?nigin der edle Rüdiger: 1398

"Frau, euch will empfangen hier der K?nig hehr.

Wen ich euch küssen hei?e, dem sei der Kuss geg?nnt:

Wi?t, da? ihr Etzels Recken nicht alle gleich empfangen k?nnt."

Da hob man von der M?hre die K?nigin hehr. 1399

Etzel der reiche nicht s?umt' er l?nger mehr:

Er schwang sich von dem Rosse mit manchem kühnen Mann;

Voller Freuden kam er zu Frau Kriemhilden heran.

Zwei m?chtige Fürsten, das ist uns wohlbekannt, 1400

Giengen bei der Frauen und trugen ihr Gewand,

Als der K?nig Etzel ihr entgegen gieng

Und sie den edlen Fürsten mit Küssen gütlich empfieng.

Sie schob hinauf die Binden: ihre Farbe wohlgethan 1401

Ergl?nzt' aus dem Golde. Da sagte mancher Mann,

Frau Helke k?nne sch?ner nicht gewesen sein.

Da stand in der N?he des K?nigs Bruder Bl?delein.

Den rieth ihr zu küssen Rüdiger der Markgraf reich 1402

Und den K?nig Gibeke, Dietrichen auch zugleich:

Zw?lf der Recken küsste Etzels K?nigin;

Da blickte sie mit Grü?en noch zu manchem Ritter hin.

W?hrend K?nig Etzel bei Kriemhilden stand, 1403

Thaten junge Degen wie Sitte noch im Land:

Waffenspiele wurden sch?n vor ihr geritten;

Das thaten Christenhelden und Heiden nach ihren Sitten.

Wie ritterlich die Degen in Dietrichens Lehn 1404

Die splitternden Sch?fte in die Lüfte lie?en gehn

Hoch über Schilde aus guter Ritter Hand!

Vor den deutschen G?sten brach da mancher Schildesrand.

Von der Sch?fte Krachen vernahm man lauten Schall. 1405

Da waren aus dem Lande die Recken kommen all

Und auch des K?nigs G?ste, so mancher edle Mann:

Da gieng der reiche K?nig mit der K?nigin hindann.

Sie fanden in der N?he ein herrlich Gezelt. 1406

Erfüllt war von Hütten rings das ganze Feld;

Da war nach den Beschwerden Rast für sie bereit.

Da geleiteten die Helden darunter manche sch?ne Maid

Zu Kriemhild der K?nigin, die dort darnieder sa? 1407

Auf reichem Stuhlgewande; der Markgraf hatte das

So pr?chtig schaffen la?en, sie fandens sch?n und gut.

Da stand dem K?nig Etzel in hohen Freuden der Muth.

Was sie zusammen redeten, das ist mir unbekannt; 1408

In seiner Rechten ruhte ihre wei?e Hand.

So sa?en sie in Minne, als Rüdiger der Degen

Dem K?nig nicht gestattete, Kriemhildens heimlich zu pflegen.

Da lie? man unterbleiben das Kampfspiel überall; 1409

Mit Ehren ward beendet der laute Freudenschall.

Da giengen zu den Hütten Die Etzeln unterthan;

Herberge wies man ihnen ringsum allenthalben an.

Den Abend und nachtüber fanden sie Ruhe da, 1410

Bis man den lichten Morgen wieder scheinen sah.

Da kamen hoch zu Rosse viel Helden ausersehn;

Hei! was sah man Kurzweil zu des K?nigs Ehren geschehn!

Nach Würden es zu schaffen der Fürst die Heunen bat. 1411

Da ritten sie von Tulna gen Wien in die Stadt.

In sch?nem Schmucke fand man da Frauen ohne Zahl.

Sie empfiengen wohl mit Ehren K?nig Etzels Gemahl.

In Ueberflu? und Fülle war da für sie bereit, 1412

Wes sie nur bedurften. Viel Degen allbereit

Sahn froh dem Fest entgegen. Herbergen wies man an;

Die Hochzeit des K?nigs mit hohen Freuden begann.

Man mochte sie nicht alle herbergen in der Stadt: 1413

Die nicht G?ste waren, Rüdiger die bat,

Da? sie Herberge nahmen auf dem Land.

Wohl wei? ich, da? man immer den K?nig bei Kriemhilden fand.

Dietrich der Degen und mancher andre Held 1414

Die hatten ihre Mu?e mit Arbeit eingestellt,

Auf da? sie den G?sten tr?steten den Muth;

Rüdger und seine Freunde hatten Kurzweile gut.

Die Hochzeit war gefallen auf einen Pfingstentag, 1415

Wo der K?nig Etzel bei Kriemhilden lag

In der Stadt zu Wiene. Fürwahr so manchen Mann

Bei ihrem ersten Manne sie nicht zu Diensten gewann.

Durch Gabe ward sie Manchem, der sie nicht kannte, kund. 1416

Darüber zu den G?sten hub Mancher an zur Stund:

"Wir w?hnten, Kriemhilden benommen w?r ihr Gut,

Die nun mit ihren Gaben hier so gro?e Wunder thut."

Diese Hochzeit w?hrte siebzehn Tage lang. 1417

Von keinem andern K?nig wei? der Heldensang,

Der solche Hochzeit hielte: es ist uns unbekannt.

Alle, die da waren, die trugen neues Gewand.

Sie hatte nie gese?en daheim in Niederland 1418

Vor so manchem Recken; auch ist mir wohlbekannt,

War Siegfried reich an Sch?tzen, so hatte er doch nicht

So viel der edeln Recken, als sie hier sah in Etzels Pflicht.

Wohl gab auch nie ein K?nig bei seiner Hochzeit 1419

So manchen reichen Mantel, lang, tief und weit,

Noch so gute Kleider, als man hier gewann,

Die Kriemhildens willen alle wurden vertan.

Ihre Freunde wie die G?ste hatten Einen Muth: 1420

Sie dachten nichts zu sparen, und w?rs das beste Gut.

Was Einer wünschen mochte, man war dazu bereit;

Da Standen viel der Degen vor Milde blo? und ohne Kleid.

Wenn sie daran gedachte, wie sie am Rheine sa? 1421

Bei ihrem edeln Manne, ihre Augen wurden na?;

Doch hehlte sie es immer, da? es Niemand sah,

Da ihr nach manchem Leide so viel der Ehren geschah.

Was Einer that aus Milde, das war doch gar ein Wind 1422

Gegen Dietrichen: was Botlungens Kind

Ihm gegeben hatte, das wurde gar verwandt.

Da begieng auch gro?e Wunder des milden Rüdiger Hand.

Auch aus Ungarlande der Degen Bl?delein 1423

Lie? da ledig machen manchen Reiseschrein

Von Silber und von Golde: das ward dahin gegeben.

Man sah des K?nigs Helden so recht fr?hlich alle leben.

Des K?nigs Spielleute, Werbel und Schwemmelein, 1424

Wohl an tausend Marken nahm Jedweder ein

Bei dem Hofgelage (oder mehr als das),

Als die sch?ne Kriemhild bei Etzeln unter Krone sa?.

Am achtzehnten Morgen von Wien die Helden ritten. 1425

In Ritterspielen wurden der Schilde viel verschnitten

Von Speren, so da führten die Recken an der Hand:

So kam der K?nig Etzel mit Freuden in der Heunen Land.

In Heimburg der alten verblieb man über Nacht. 1426

Da konnte Niemand wi?en recht des Volkes Macht,

Mit welchen Heerkr?ften sie ritten durch das Land.

Hei! was sch?ner Frauen man in seiner Heimat fand!

In Misenburg der reichen fieng man zu segeln an. 1427

Verdeckt ward das Wasser von Ross und auch von Mann,

Als ob es Erde w?re, was man doch flie?en sah.

Die wegemüden Frauen mochten sich wohl ruhen da.

Zusammen war gebunden manches Schifflein gut, 1428

Da? ihnen wenig schaden Woge mocht und Flut;

Darüber ausgebreitet manch k?stlich Geleit,

Als ob sie noch immer beides hatten, Land und Feld.

Nun ward auch in Etzelnburg die M?re kund gethan: 1429

Da freute sich darinnen beides, Weib und Mann.

Etzels Ingesinde, des einst Frau Helke pflag,

Erlebte bei Kriemhilden noch manchen fr?hlichen Tag.

Da stand ihrer harrend gar manche edle Maid, 1430

Die seit Helkens Tode getragen Herzeleid.

Sieben K?nigst?chter Kriemhild noch da fand;

Durch die so ward gezieret K?nig Etzels ganzes Land.

Herrat die Jungfrau noch des Gesindes pflag, 1431

Helkens Schwestertochter, in der viel Tugend lag,

Dietrichs Verlobte, eines edeln K?nigs Spro?,

Die Tochter Nentweinens, die noch viel Ehren geno?.

Auf der G?ste Kommen freute sich ihr Muth; 1432

Auch war dazu verwendet viel kostbares Gut.

Wer k?nnt euch des bescheiden, wie der K?nig sa? seitdem?

Den Heunen ward nicht wieder eine K?nigin so genehm.

Als der Fürst mit seinem Weibe geritten kam vom Strand, 1433

Wer eine Jede führte, das ward da wohl benannt

Kriemhild der edeln: sie grü?te desto mehr.

Wie sa? an Helkens Stelle sie bald gewaltig und hehr!

Getreulichen Dienstes ward ihr viel bekannt. 1434

Die K?nigin vertheilte Gold und Gewand,

Silber und Gesteine: was sie des überrhein

Zum Heunenlande brachte, das muste gar vergeben sein.

Auch wurden ihr mit Diensten ergeben allzumal 1435

Die Freunde des K?nigs und denen er befahl,

Da? Helke nie die K?nigin so gewaltiglich gebot,

Als sie ihr dienen musten bis an Kriemhildens Tod.

Da stand in solchen Ehren der Hof und auch das Land, 1436

Da? man zu allen Zeiten die Kurzweile fand,

Wonach einem Jeden verlangte Herz und Muth;

Das schuf des K?nigs Liebe, dazu der K?nigin Gut.

* * * * *

Dreiundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild ihr Leid zu r?chen gedachte.

In so hohen Ehren, das ist alles wahr, 1437

Wohnten sie beisammen bis an das siebte Jahr.

Eines Sohns war genesen derweil die K?nigin:

Das schien K?nig Etzel der allergr?ste Gewinn.

Bis sie es erlangte, lie? sie nicht ab davon, 1438

Die Taufe must empfangen K?nig Etzels Sohn

Nach christlichem Brauche: Ortlieb ward er genannt.

Darob war gro?e Freude über Etzels ganzem Land.

Der Zucht, deren jemals zuvor Frau Helke pflag, 1439

Fli? sich Frau Kriemhild darauf gar manchen Tag.

Es lehrte sie die Sitte Herrat die fremde Maid;

Die trug noch in der Stille um Helke schmerzliches Leid.

Vor Heimischen und Fremden gestanden allesamt 1440

Be?er und milder hab eines K?nigs Land

Nie eine Frau bese?en: das hielten sie für wahr.

Des rühmten sie die Heunen bis an das dreizehnte Jahr.

Nun wuste sie, da? Niemand ihr feindlich sei gesinnt, 1441

Wie oft wohl K?niginnen der Fürsten Recken sind,

Und da? sie t?glich mochte zw?lf K?nge vor sich sehn.

Sie verga? auch nicht des Leides, das ihr daheim war geschehn.

Sie gedacht auch noch der Ehren in Nibelungenland, 1442

Die ihr geboten worden und die ihr Hagens Hand

Mit Siegfriedens Tode hatte gar benommen,

Und ob ihm das nicht jemals noch zu Leide sollte kommen.

"Es gesch?h, wenn ich ihn bringen m?cht in dieses Land." 1443

Ihr tr?umte wohl, ihr gienge bei Etzel an der Hand

Geiselher ihr Bruder; sie küsst' ihn allezeit

In ihrem sanften Schlafe: das ward zu schmerzlichem Leid.

Der üble Teufel war es wohl, der Kriemhilden rieth, 1444

Da? sie in Freundschaft von K?nig Gunther schied

Und ihn zur Sühne küsste in Burgundenland.

Aufs Neu begann zu triefen von hei?en Thr?nen ihr Gewand.

Es lag ihr an dem Herzen beides, spat und fruh, 1445

Wie man mit Widerstreben sie doch gebracht dazu,

Da? sie minnen muste einen heidnischen Mann:

Die Noth hatt ihr Hagen und Herr Gunther angethan.

Wie sie das r?chen m?chte, dachte sie alle Tage: 1446

"Ich bin nun wohl so m?chtig, wem es auch missbehage,

Da? ich meinen Feinden mag schaffen Herzeleid:

Dazu w?r ich dem Hagen von Tronje gerne bereit.

"Nach den Getreuen jammert noch oft die Seele mein; 1447

Doch die mir Leides thaten, m?cht ich bei denen sein,

So würde noch gerochen meines Friedels Tod.

Kaum kann ich es erwarten," sprach sie in des Herzens Noth.

Es liebten sie Alle, die dem K?nig unterthan, 1448

Die Recken Kriemhildens; das war wohlgethan.

Ihr K?mmerer war Eckewart: drum ward er gern gesehn:

Kriemhildens Willen konnte Niemand widerstehn.

Sie gedacht auch alle Tage: "Ich will den K?nig bitten," 1449

Er m?cht ihr verg?nnen mit gütlichen Sitten,

Da? man ihre Freunde br?cht in der Heunen Land.

Den argen Willen Niemand an der K?nigin verstand.

Als eines Nachts Frau Kriemhild bei dem K?nig lag, 1450

Umfangen mit den Armen hielt er sie, wie er pflag

Der edeln Frau zu kosen, sie war ihm wie sein Leib,

Da gedachte ihrer Feinde dieses herrliche Weib.

Sie sprach zu dem K?nig: "Viel lieber Herre mein, 1451

Ich wollt euch gerne bitten, m?cht es mit Hulden sein,

Da? ihr mich sehen lie?et, ob ich verdient den Sold,

Da? ihr meinen Freunden w?ret inniglich hold."

Da sprach der m?chtge K?nig, arglos war sein Muth: 1452

"Des sollt ihr inne werden: was man den Helden thut

Zu Ehren und zu Gute, mir geschieht ein Dienst daran,

Da ich von Weibesminne nie be?re Freunde gewann."

Noch sprach zu ihm die K?nigin: "Ihr wi?t so gut wie ich, 1453

Ich habe hohe Freunde: darum betrübt es mich,

Da? mich die so selten besuchen hier im Land:

Ich bin allen Leuten hier nur als freundlos bekannt."

Da sprach der K?nig Etzel: "Viel liebe Fraue mein, 1454

D?ucht' es sie nicht zu ferne, so lüd ich überrhein,

Die ihr da gerne s?het, hieher zu meinem Land."

Sie freute sich der Rede, als ihr sein Wille ward bekannt.

Sie sprach: "Wollt ihr mir Treue leisten, Herre mein, 1455

So sollt ihr Boten senden gen Worms überrhein.

So entbiet ich meinen Freunden meinen Sinn und Muth:

So kommen uns zu Lande viel Ritter edel und gut."

Er sprach: "Wenn ihr gebietet, so la? ich es geschehn. 1456

Ihr k?nntet eure Freunde nicht so gerne sehn,

Der edeln Ute Kinder, als ich sie s?he gern:

Es ist mir ein Kummer, da? sie so fremd uns sind und fern."

Er sprach: "Wenn dirs gefiele, viel liebe Fraue mein, 1457

Wollt ich als Boten senden zu den Freunden dein

Meine Fiedelspieler gen Burgundenland."

Die guten Spielleute lie? man bringen gleich zur Hand.

Die Knappen kamen beide, wo sie den K?nig sahn 1458

Sitzen bei der K?nigin. Da sagt' er ihnen an,

Sie sollten Boten werden nach Burgundenland.

Auch lie? er ihnen schaffen reiches herrliches Gewand.

Vierundzwanzig Recken schnitt man da das Kleid. 1459

Ihnen ward auch von dem K?nig gegeben der Bescheid,

Wie sie Gunthern laden sollten und Die ihm unterthan.

Frau Kriemhild mit ihnen geheim zu sprechen begann.

Da sprach der reiche K?nig: "Nun h?rt, wie ihr thut: 1460

Ich entbiete meinen Freunden alles, was lieb und gut,

Da? sie geruhn zu reiten hieher in mein Land.

Ich habe noch gar selten so liebe G?ste gekannt.

"Und wenn sie meinen Willen gesonnen sind zu thun, 1461

Kriemhilds Verwandte, so m?gen sie nicht ruhn

Und mir zu Liebe kommen zu meinem Hofgelag,

Da meiner Schw?ger Freundschaft mich so sehr erfreuen mag."

Da sprach der Fiedelspieler, der stolze Schwemmelein: 1462

"Wann soll euer Gastgeber in diesen Landen sein?

Da? wirs euern Freunden am Rhein m?gen sagen."

Da sprach der K?nig Etzel: "In der n?chsten Sonnenwende Tagen."

"Wir thun, was ihr gebietet," sprach da Werbelein. 1463

Kriemhild lie? die Boten zu ihrem K?mmerlein

Führen in der Stille und besprach mit ihnen da,

Wodurch noch manchem Degen bald wenig Liebes geschah.

Sie sprach zu den Boten: "Ihr verdient gro? Gut, 1464

Wenn ihr besonnen meinen Willen thut

Und sagt, was ich entbiete heim in unser Land:

Ich mach euch reich an Gute und geb euch herrlich Gewand.

"Wen ihr von meinen Freunden immer m?get sehn 1465

Zu Worms an dem Rheine, dem sollt ihrs nie gestehn,

Da? ihr mich immer s?het betrübt in meinem Muth;

Und entbietet meine Grü?e diesen Helden kühn und gut.

"Bittet sie zu leisten, was mein Gemahl entbot, 1466

Und mich dadurch zu scheiden von all meiner Noth.

Ich scheine hier den Heunen freundlos zu sein.

Wenn ich ein Ritter hie?e ich k?me manchmal an den Rhein.

"Und sagt auch Gernoten, dem edeln Bruder mein, 1467

Da? ihm auf Erden Niemand holder m?ge sein:

Bittet, da? er mir bringe hierher in dieses Land

Unsre besten Freunde: so wird uns Ehre bekannt.

"Sagt auch Geiselheren, ich mahn ihn daran, 1468

Da? ich mit seinem Willen nie ein Leid gewann:

Drum s?hn ihn hier im Lande gern die Augen mein;

Auch will ich all mein Leben ihm zu Dienst verpflichtet sein.

"Sagt auch meiner Mutter, wie mir Ehre hier geschieht; 1469

Und wenn von Tronje Hagen der Reise sich entzieht,

Wer ihnen zeigen solle die Stra?en durch das Land?

Die Wege zu den Heunen sind von frühauf ihm bekannt."

Nun wusten nicht die Boten, warum das m?ge sein, 1470

Da? sie diesen Hagen von Tronje nicht am Rhein

Bleiben la?en sollten. Bald ward es ihnen leid:

Durch ihn war manchem Degen mit dem grimmen Tode gedr?ut.

Botenbrief und Siegel ward ihnen nun gegeben; 1471

Sie fuhren reich an Gute und mochten herrlich leben.

Urlaub gab ihnen Etzel und sein sch?nes Weib;

Ihnen war auch wohlgezieret mit guten Kleidern der Leib.

* * * * *

Vierundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Werbel und Schwemmel die Botschaft brachten.

Als Etzel seine Fiedler hin zum Rheine sandte, 1472

Da flogen diese M?ren von Lande zu Lande:

Mit schnellen Abgesandten bat er und entbot

Zu seinem Hofgelage; da holte Mancher sich den Tod.

Die Boten ritten hinnen aus der Heunen Land 1473

Zu den Burgunden, wohin man sie gesandt

Zu dreien edeln K?nigen und ihrer Mannen Heer:

Da? sie zu Etzeln k?men; da beeilten sie sich sehr.

Zu Bechlaren ritten schon die Boten ein. 1474

Ihnen diente man da gerne und lie? auch das nicht sein:

Ihre Grü?e sandten Rüdger und Gotelind

Den Degen an dem Rheine und auch des Markgrafen Kind.

Sie lie?en ohne Gaben die Boten nicht hindann, 1475

Da? desto sanfter führen Die Etzeln unterthan.

Uten und ihren S?hnen entbot da Rüdiger,

Ihnen so gewogen h?tten sie keinen Markgrafen mehr.

Sie entboten auch Brunhilden Alles, was lieb und gut, 1476

Ihre st?te Treue und dienstbereiten Muth.

Da wollten nach der Rede die Boten weiter ziehn;

Gott bat sie zu bewahren Gotlind die edle Markgr?fin.

Eh noch die Boten v?llig durchzogen Baierland, 1477

Werbel der Schnelle den guten Bischof fand.

Was der da seinen Freunden hin an den Rhein entbot,

Davon hab ich nicht Kunde; jedoch sein Gold also roth

Gab er den Boten milde. Als sie wollten ziehn, 1478

"Sollt ich sie bei mir schauen," sprach Bischof Pilgerin,

"So w?r mir wohl zu Muthe, die Schwesters?hne mein:

Ich mag leider selten zu ihnen kommen an den Rhein."

Was sie für Wege fuhren zum Rhein durch das Land, 1479

Kann ich euch nicht bescheiden. Ihr Gold und ihr Gewand

Blieb ihnen unbenommen; man scheute Etzels Zorn:

So gewaltig herrschte der edle K?nig wohlgeborn.

Binnen zw?lf Tagen kamen sie an den Rhein, 1480

Gen Worms in die Veste, Werbel und Schwemmelein.

Da sagte mans dem K?nig und seinen Mannen an,

Es k?men fremde Boten; Gunther zu fragen begann.

Da sprach der Vogt vom Rheine: "Wer macht uns bekannt, 1481

Von wannen diese G?ste ritten in das Land?"

Davon wuste Niemand, bis die Boten sah

Hagen von Tronje: der begann zu Gunthern da:

"Wir h?ren Neues heute, dafür will ich euch stehn: 1482

Etzels Fiedelspieler die hab ich hier gesehn;

Die hat eure Schwester gesendet an den Rhein:

Ihres Herren Willen sollen sie uns willkommen sein."

Sie ritten ohne Weilen zu dem Saal heran: 1483

So herrlich fuhr wohl nimmer eines Fürsten Fiedelmann.

Des K?nigs Ingesinde empfieng sie gleich zur Hand;

Herberge gab man ihnen und bewahrte ihr Gewand.

Ihre Reisekleider waren reich und so wohlgethan, 1484

Sie mochten wohl mit Ehren sich so dem K?nig nahn;

Doch wollten sie nicht l?nger sie dort am Hofe tragen.

"Ob Jemand sie begehre?" lie?en da die Boten fragen.

Da waren auch bedürftige Leute bei der Hand, 1485

Die sie gerne nahmen: denen wurden sie gesandt.

Da schmückten mit Gewanden so reich die G?ste sich,

Wie es K?nigsboten herrlich stand und wonniglich.

Da gieng mit Urlaube hin, wo der K?nig sa? 1486

Etzels Ingesinde: gerne sah man das.

Herr Hagen gleich den Boten vom Sitz entgegen sprang,

Sie freundlich zu begrü?en: des sagten ihm die Knappen Dank.

Da hub er um die Kunde sie zu befragen an, 1487

Wie Etzel sich gehabe und Die ihm unterthan.

Da sprach der Fiedelspieler: "Nie be?er stands im Land,

Das Volk war niemals froher, das sei euch wahrlich bekannt."

Er führte sie dem Wirthe zu; der K?nigssaal war voll: 1488

Da empfieng man die G?ste, wie man immer soll

Boten freundlich grü?en in andrer K?nge Land.

Werbel der Recken viel bei K?nig Gunthern fand.

Der K?nig wohlgezogen zu grü?en sie begann: 1489

"Willkommen, beide Fiedler, die Etzeln unterthan,

Mit euern Heergesellen: wozu hat euch gesandt

Etzel der reiche zu der Burgunden Land?"

Sie neigten sich dem K?nig. Da sprach Werbelein: 1490

"Euch entbietet seine Dienste der liebe Herre mein

Und Kriemhild eure Schwester hieher in dieses Land:

Sie haben uns euch Recken auf gute Treue gesandt."

Da sprach der reiche K?nig: "Der M?re bin ich froh. 1491

Wie gehabt sich Etzel," der Degen fragte so,

"Und Kriemhild meine Schwester in der Heunen Land?"

Da sprach der Fiedelspieler: "Das mach ich gern euch bekannt.

"Be?er wohl gehabten sich K?nge nirgend mehr 1492

Und fr?hlicher, das wi?et, als die Fürsten hehr

Und ihre Degen alle, Freund und Untertan.

Sie freuten sich der Reise, da wir schieden hindann,"

"Nun Dank ihm für die Dienste, die er mir entbeut, 1493

Ihm und meiner Schwester: gern erfahr ich heut,

Da? sie in Freuden leben, der K?nig und sein Lehn;

Meine Frage war nach ihnen in gro?en Sorgen geschehn."

Die beiden jungen K?nige waren auch gekommen, 1494

Die hatten diese M?re eben erst vernommen.

Geiselher der junge die Boten gerne sah

Aus Liebe zu der Schwester; gar minniglich sprach er da:

"Ihr Boten sollt uns beide hochwillkommen sein; 1495

K?met ihr geritten nur ?fter an den Rhein,

Ihr f?ndet hier der Freunde, die ihr gerne m?chtet sehn.

Euch sollte hier zu Lande wenig Leides geschehn."

"Wir versehn uns alles Guten zu euch," sprach Schwemmelein; 1496

"Ich k?nnt euch nicht bedeuten mit den Worten mein,

Wie minnigliche Grü?e euch Etzel hat gesandt

Und eure edle Schwester, die da in hohen Ehren stand.

"An eure Lieb und Treue mahnt euch die K?nigin 1497

Und da? ihr st?ts gewogen war euer Herz und Sinn.

Zuv?rderst euch, Herr K?nig, sind wir hieher gesandt,

Da? ihr geruht zu reiten zu ihnen in der Heunen Land.

"Es soll auch mit euch reiten euer Bruder Gernot. 1498

Etzel der reiche euch Allen das entbot,

Wenn ihr nicht kommen wolltet, eure Schwester sehn,

So m?cht er doch wohl wi?en, was euch von ihm war geschehn,

"Da? ihr ihn also meidet und auch sein Reich und Land. 1499

W?r euch auch die K?nigin fremd und unbekannt,

So m?cht er selbst verdienen, ihr k?met ihn zu sehn:

Wenn ihr das leisten wolltet, so w?r ihm Liebes geschehn."

Da sprach der K?nig Gunther: "Nach der siebten Nacht 1500

Will ich euch bescheiden, wes ich mich bedacht

Hab im Rath der Freunde; geht derweilen hin

Zu eurer Herberge und findet gute Ruh darin."

Da sprach wieder Werbel: "K?nnt es nicht geschehn, 1501

Da? wir unsre Fraue, die reiche Ute, sehn,

Eh wir müden Degen fragten nach der Ruh?"

Da sprach wohlgezogen der edle Geiselher dazu:

"Das soll euch Niemand wehren; wollt ihr vor sie gehn, 1502

So ist auch meiner Mutter Will und Wunsch geschehn,

Denn sie sieht euch gerne um die Schwester mein,

Frau Kriemhilde: ihr sollt ihr willkommen sein."

Geiselher sie brachte hin, wo er Uten fand. 1503

Die sah die Boten gerne aus der Heunen Land

Und empfieng sie freundlich mit wohlgezognem Muth.

Da sagten ihr die M?re die Boten h?fisch und gut.

"Meine Frau l??t euch entbieten," sprach da Schwemmelein, 1504

"Dienst und st?te Treue, und wenn es m?chte sein,

Da? sie euch ?fter s?he, so glaubet sicherlich,

Wohl keine andre Freude auf Erden wünschte sie sich."

Da sprach die K?nigin Ute: "Dass kann nun nicht sein. 1505

So gern ich ?fter s?he die liebe Tochter mein,

So wohnt zu fern uns leider die edle K?nigin:

Nun geh ihr immer selig die Zeit mit Etzeln dahin.

"Ihr sollt mich wi?en la?en, eh ihr von hinnen mü?t, 1506

Wenn ihr reiten wollet; ich sah in langer Frist

Boten nicht so gerne, als ich euch gesehn."

Da gelobten ihr die Knappen, ihr Wille solle geschehn.

Zu den Herbergen giengen Die von Heunenland. 1507

Der reiche K?nig hatte die Freunde nun besandt.

Gunther der edle fragte Mann für Mann,

Was sie darüber d?chten? Wohl Manche huben da an,

Er m?ge wohl reiten in K?nig Etzels Land. 1508

Das riethen ihm die Besten, die er darunter fand.

Hagen nur alleine, dem war es grimmig leid.

Zum K?nig sprach er heimlich: "Mit euch selbst seid ihr im Streit.

Ihr habt doch nicht verge?en, was ihr von uns geschehn: 1509

Vor Kriemhilden mü?en wir st?ts in Sorge stehn.

Ich schlug ihr zu Tode den Mann mit meiner Hand:

Wie dürften wir wohl reiten hin in K?nig Etzels Land?"

Da sprach der reiche K?nig: "Meiner Schwester Zürnen schwand. 1510

Mit minniglichem Kusse, eh sie verlie? die? Land,

Hat sie uns verziehen, was wir an ihr gethan,

Es w?re denn, sie st?nde bei euch, Herr Hagen, noch an."

"Nun la?t euch nicht betrügen," sprach Hagen, "was auch sagen 1511

Diese Heunenboten: wollt ihrs mit Kriemhild wagen,

Da verliert ihr zu der Ehre Leben leicht und Leib:

Sie wei? wohl nachzutragen, dem K?nig Etzel sein Weib!"

Da sprach vor dem Rathe der K?nig Gernot: 1512

"Ihr m?gt aus guten Gründen fürchten dort den Tod

In heunischen Reichen; st?nden wir drum an

Und mieden unsre Schwester, das w?r übel gethan."

Da sprach zu dem Degen der junge Geiselher: 1513

"Da ihr euch, Freund Hagen, schuldig wi?t so sehr,

So bleibt hier im Lande, euer Heil zu weisen;

Nur la?t, die sichs getrauen, mit uns zu den Heunen fahren."

Darob begann zu zürnen von Tronje der Held: 1514

"Ich will nicht, da? euch Jemand sei bei der Fahrt gesellt,

Der an den Hof zu reiten sich mehr getraut als ich:

Wollt ihrs nicht bleiben la?en, ich beweis' es euch sicherlich."

Da sprach der Küchenmeister Rumold der Degen: 1515

"Der Heimischen und Fremden m?gt ihr zu Hause pflegen

Nach euerm Wohlgefallen: da habt ihr vollen Rath;

Ich glaube nicht, da? Hagen euch noch je vergeiselt hat.

"Wollt ihr nicht Hagen folgen, so r?th euch Rumold, 1516

Der ich euch dienstlich gewogen bin und hold,

Da? ihr im Lande bleibet nach dem Willen mein

Und la?t den K?nig Etzel dort bei Kriemhilden sein.

"Wo k?nntet ihr auf Erden so gut als hier gedeihn? 1517

Ihr m?gt vor euern Feinden daheim geborgen sein,

Ihr sollt mit guten Kleidern zieren euern Leib,

Des besten Weines trinken und minnen manches sch?ne Weib.

"Dazu giebt man euch Speise, so gut sie in der Welt 1518

Ein K?nig mag gewinnen. Euer Land ist wohl bestellt:

Der Hochzeit Etzels m?gt ihr euch mit Ehren wohl begeben

Und hier mit euern Freunden in guter Kurzweile leben.

"Und h?ttet ihr nichts Anderes davon zu zehren hier, 1519

Ich gab euch Eine Speise die Fülle für und für,

In Oel gesottne Schnitten. Das ist, was Rumold r?th,

Da es gar so ?ngstlich, ihr Herrn, dort bei den Heunen steht.

"Hold wird euch Frau Kriemhild doch nimmer, glaubet mir; 1520

Auch habt ihr und Hagen es nicht verdient an ihr.

Und wollt ihr nicht verbleiben, wer wei?, wie ihrs beklagt:

Ihr werdets noch erkennen, ich hab euch Wahrheit gesagt.

"Drum rath ich euch zu bleiben. Reich ist euer Land: 1521

Ihr k?nnt hier be?er l?sen, was ihr gabt zu Pfand,

Als dort bei den Heunen: wer wei?, wie es da steht?

Verbleibt hier, ihr Herren: das ist, was Rumold euch rath."

"Wir wollen nun nicht bleiben," sprach da Gernot. 1522

"Da es meine Schwester so freundlich uns entbot

Und Etzel der reiche, was führen wir nicht hin?

Die nicht mit uns wollen, m?gen bleiben immerhin."

"In Treuen," sprach da Rumold, "ich will der Eine sein, 1523

Der um Etzels Hofgelag kommt nimmer überrhein.

Wie setzt' ich wohl das Be?re aufs Spiel, das ich gewann?

Ich will mich selbst so lange am Leben la?en, als ich kann."

"So denk ichs auch zu reiten," sprach Ortwein der Degen: 1524

"Ich will der Gesch?fte zu Hause mit euch pflegen."

Da sprachen ihrer Viele, sie wollten auch nicht fahren:

"Gott woll euch, liebe Herren, bei den Heunen wohl bewahren."

Der K?nig Gunther zürnte, als er ward gewahr, 1525

Sie wollten dort verbleiben, der Ruhe willen zwar:

"Wir wollens drum nicht la?en, wir mü?en an die Fahrt;

Der waltet guter Sinne, der sich allezeit bewahrt."

Zur Antwort gab da Hagen: "La?t euch zum Verdru? 1526

Meine Rede nicht gereichen: was auch geschehen mu?,

Das rath ich euch in Treuen, wenn ihr euch gern bewahrt,

Da? ihr nur wohlgerüstet zu dem Heunenlande fahrt.

"Wenn ihrs euch unterwindet, so entbietet euer Heer, 1527

Die Besten, die ihr findet und irgend wi?t umher,

Aus ihnen Allen w?hl ich dann tausend Ritter gut:

So mag euch nicht gef?hrden der argen Kriemhilde Muth."

"Dem Rathe will ich folgen," sprach der K?nig gleich. 1528

Da sandt er seine Boten umher in seinem Reich.

Bald brachte man der Helden dreitausend oder mehr.

Sie dachten nicht zu finden so gro?es Leid und Beschwer.

Sie ritten hohes Muthes durch K?nig Gunthers Land. 1529

Sie verhie?en Allen Ross' und Gewand,

Die ihnen geben wollten zum Heunenland Geleit.

Da fand viel gute Ritter der K?nig zu der Fahrt bereit.

Da lie? von Tronje Hagen Dankwart den Bruder sein 1530

Achtzig ihrer Recken führen an den Rhein.

Sie kamen stolz gezogen; Harnisch und Gewand

Brachten viel die schnellen K?nig Gunthern in das Land.

Da kam der kühne Volker, ein edler Spielmann, 1531

Mit drei?ig seiner Degen zu der Fahrt heran.

Ihr Gewand war herrlich, ein K?nig mocht es tragen.

Er wollte zu den Heunen, lie? er dem K?nige sagen.

Wer Volker sei gewesen, das sei euch kund gethan. 1532

Es war ein edler Herre; ihm waren unterthan

Viel der guten Recken in Burgundenland;

Weil er fiedeln konnte, war er der Spielmann genannt.

Hagen w?hlte tausend, die waren ihm bekannt; 1533

Was sie in starken Stürmen gefrommt mit ihrer Hand

Und sonst begangen hatten, das hatt er oft gesehn:

Auch alle Andern musten ihnen Ehre zugestehn.

Die Boten Kriemhildens der Aufenthalt verdro?; 1534

Die Furcht vor ihrem Herren war gewaltig gro?:

Sie hielten alle Tage um den Urlaub an.

Den g?nnt' ihnen Hagen nicht: das ward aus Vorsicht gethan.

Er sprach zu seinem Herren: "Wir wollen uns bewahren, 1535

Da? wir sie reiten la?en, bevor wir selber fahren

Sieben Tage sp?ter in K?nig Etzels Land:

Tr?gt man uns argen Willen, das wird so be?er gewandt.

"So mag sich auch Frau Kriemhild bereiten nicht dazu, 1536

Da? uns nach ihrem Rathe Jemand Schaden thu.

Will sie es doch versuchen, so f?hrt sie übel an:

Wir führen zu den Herren manchen auserw?hlten Mann."

Die S?ttel und die Schilde und all ihr Gewand, 1537

Das sie führen wollten in K?nig Etzels Land,

War nun bereit und fertig für manchen kühnen Mann.

Etzels Spielleute rief man zu Gunthern heran.

Da die Boten kamen, begann Herr Gernot: 1538

"Der K?nig will leisten, was Etzel uns entbot.

Wir wollen gerne kommen zu seiner Lustbarkeit

Und unsre Schwester sehen; da? ihr des au?er Zweifel seid."

Da sprach der K?nig Gunther: "Wi?t ihr uns zu sagen, 1539

Wann das Fest beginnt, oder zu welchen Tagen

Wir erwartet werden?" Da sprach Schwemmelein:

"Zur n?chsten Sonnenwende da soll es in Wahrheit sein."

Der K?nig erlaubte das, war noch nicht geschehn, 1540

Wenn sie Frau Brunhilden wünschten noch zu sehn,

Da? sie mit seinem Willen spr?chen bei ihr an.

Dem widerstrebte Volker: da war ihr Liebes gethan.

"Es ist ja Frau Brunhild nun nicht so wohlgemuth, 1541

Da? ihr sie schauen m?chtet," sprach der Ritter gut.

"Wartet bis morgen, so l??t man sie euch sehn."

Sie w?hnten sie zu schauen, da konnt es doch nicht geschehn.

Da lie? der reiche K?nig, er war den Boten hold, 1542

Aus eigner hoher Milde daher von seinem Gold

Auf breiten Schilden bringen; wohl war er reich daran.

Ihnen ward auch reiche Schenkung von seinen Freunden gethan.

Geiselher und Gernot, Gere und Ortewein, 1543

Wie sie auch milde waren, das leuchtete wohl ein:

So reiche Gaben boten sie den Boten an,

Da? sie's vor ihrem Herren nicht getrauten zu empfahn.

Da sprach zu dem K?nig der Bote Werbelein: 1544

"Herr K?nig, la?t die Gaben nur hier im Lande sein.

Wir k?nnens nicht verführen, weil uns der Herr verbot,

Da? wir Geschenke n?hmen: auch thut es uns wenig Noth."

Da ward der Vogt vom Rheine darüber ungemuth, 1545

Da? sie verschm?hen wollten so reichen K?nigs Gut.

Da musten sie empfahen sein Gold und sein Gewand,

Da? sie es mit sich führten heim in K?nig Etzels Land.

Sie wollten Ute schauen vor ihrer Wiederkehr. 1546

Die Spielleute brachte der junge Geiselher

Zu Hof vor seine Mutter; sie entbot der K?nigin,

Wenn man ihr Ehre biete, so bedünk es sie Gewinn.

Da lie? die K?nigswitwe ihre Borten und ihr Gold 1547

Vertheilen um Kriemhildens, denn der war sie hold,

Und K?nig Etzels Willen an das Botenpaar.

Sie mochtens wohl empfahen: getreulich bot sie es dar.

Urlaub genommen hatten nun von Weib und Mann 1548

Die Boten Kriemhildens; sie fuhren froh hindann

Bis zum Schwabenlande: dahin lie? Gernot

Seine Helden sie begleiten, da? sie nirgend litten Noth.

Als die von ihnen schieden, die sie sollten pflegen, 1549

Gab ihnen Etzels Herschaft Frieden auf den Wegen,

Da? ihnen Niemand raubte ihr Ross noch ihr Gewand.

Sie ritten sehr in Eile wieder in der Heunen Land.

Wo sie Freunde wusten, da machten sie es kund, 1550

In wenig Tagen k?men die Helden von Burgund

Vom Rhein hergezogen in der Heunen Land.

Pilgerin, dem Bischof, ward auch die M?re bekannt.

Als sie vor Bechlaren die Stra?e niederzogen, 1551

Da ward um die M?re Rüdger nicht betrogen,

Noch Frau Gotelinde, die Markgr?fin hehr.

Da? sie sie schauen sollten, des freuten beide sich sehr.

Die Spielleute spornten die Rosse m?chtig an. 1552

Sie sanden K?nig Etzeln in seiner Stadt zu Gran,

Gru? über Grü?e, die man ihm her entbot,

Brachten sie dem K?nige: vor Liebe ward er freudenroth.

Als Kriemhild der K?nigin die M?re ward bekannt, 1553

Ihre Brüder wollten kommen in ihr Land,

Da ward ihr wohl zu Muthe: sie gab den Boten Lohn

Mit reichlichen Geschenken; sie hatte Ehre davon.

Sie sprach: "Nun sagt mir beide, Werbel und Schwemmelein, 1554

Wer will von meinen Freunden beim Hofgelage sein,

Von den h?chsten, die wir luden hieher in dieses Land?

Sagt an, was sprach wohl Hagen, als ihm die M?hre ward bekannt?"

"Er kam zu ihrem Rathe an einem Morgen fruh; 1555

Wenig gute Sprüche redet' er dazu,

Als sie die Fahrt gelobten nach dem Heunenland:

Die hat der grimme Hagen die Todesreise genannt.

"Es kommen eure Brüder, die K?nge alle drei, 1556

In herrlichem Muthe. Wer mehr mit ihnen sei,

Darüber ich des Weitern euch nicht bescheiden kann.

Es will mit ihnen reiten Volker der kühne Fiedelmann."

"Des mag ich leicht entbehren," sprach die K?nigin, 1557

"Da? ich auch Volkern s?he her zu Hofe ziehn;

Hagen bin ich gewogen, der ist ein Degen gut:

Da? wir ihn schauen sollen, des hab ich fr?hlichen Muth."

Hin gieng die K?nigstochter, wo sie den K?nig sah. 1558

Wie ininnigliche Worte sprach Frau Kriemhild da:

"Wie gefallen euch die M?ren, viel lieber Herre mein?

Wes mich je verlangte, das soll nun bald vollendet sein."

"Dein Will ist meine Freude," der K?nig sprach da so: 1559

"Ich w?r der eignen Freunde nicht so von Herzen froh,

Wenn sie kommen sollten hieher in unser Land.

Durch deiner Freunde Liebe viel meiner Sorge verschwand."

Des K?nigs Amtleute befahlen überall 1560

Mit Gestühl zu schmücken Pallas und Saal

Für die lieben G?ste, die da sollten kommen.

Durch die ward bald dem K?nig viel hoher Freude benommen.

* * * * *

Fünfundzwanzigstes Abenteuer.

Wie die K?nige zu den Heunen fuhren.

Wie man dort gebarte, vernahmt ihr nun genug. 1561

Wohl kamen nie gefahren in solchem stolzen Zug

So hochgemuthe Degen in eines K?nigs Land;

Sie hatten, was sie wollten, beides, Waffen und Gewand.

Der Vogt vom Rheine kleidete aus seinem Heergeleit 1562

Der Degen tausend sechzig, so gab man uns Bescheid,

Und neuntausend Knechte zu dem Hofgelag;

Die sie zu Hause lie?en, beweinten es wohl hernach.

Da trug man ihr Ger?the zu Worms übern Hof. 1563

Wohl sprach da von Speier ein alter Bischof

Zu der sch?nen Ute: "Unsre Freunde wollen fahren

Zu dem Gastgebote: m?ge Gott sie da bewahren."

Da sprach zu ihren S?hnen Ute, die Fraue gut: 1564

"Ihr solltet hier verbleiben, Helden hochgemuth.

Getr?umt hat mir heute von ?ngstlicher Noth,

Wie all das Gev?gel in diesem Lande w?re todt."

"Wer sich an Tr?ume wendet," sprach dawider Hagen, 1565

"Der wei? noch die rechte Kunde nicht zu sagen,

Wie es m?g am Besten um seine Ehre stehn:

Es mag mein Herr nur immer mit Urlaub hin zu Hofe gehn.

"Wir wollen gerne reiten in K?nig Etzels Land: 1566

Da mag wohl K?ngen dienen guter Helden Hand,

So wir da schauen sollen Kriemhildens Hochzeit."

Hagen rieth die Reise; doch ward es sp?ter ihm leid.

Er h?tt es widerrathen, nur da? Gernot 1567

Mit ungefügen Reden ihm Spott entgegenbot.

Er mahnt' ihn an Siegfried, Frau Kriemhildens Mann:

Er sprach: "Darum steht Hagen die gro?e Reise nicht an."

Da sprach von Tronje Hagen: "Nicht Furcht ist's, da? ich's thu. 1568

Gebietet ihr es, Helden, so greift immer zu:

Gern will ich mit euch reiten in K?nig Etzels Land."

Bald ward von ihm zerhauen mancher Helm und Schildesrand.

Die Schiffe standen fertig zu fahren überrhein; 1569

Was sie an Kleidern hatten, trugen sie darein.

Sie fanden viel zu schaffen bis zur Abendzeit;

Sie huben sich von Hause zur Reise freudig bereit.

Sie schlugen auf im Grase sich Hütten und Gezelt 1570

Jenseits des Rheines, wo das Lager war bestellt.

Da bat noch zu verweilen Gunthern sein sch?nes Weib;

Sie herzte nachts noch einmal des Mannes waidlichen Leib.

Fl?ten und Posaunen erschollen morgens fruh 1571

Den Aufbruch anzukündigen: da griff man bald dazu.

Wem Liebes lag im Arme, herzte des Freundes Leib;

Mit Leid trennte Viele des K?nig Etzel Weib.

Der sch?nen Ute S?hne die hatten einen Mann, 1572

Der kühn war und bieder; als man die Fahrt begann,

Sprach er zu dem K?nige geheim nach seinem Muth.

Er sprach: "Ich mu? wohl trauern, da? ihr die Hofreise thut."

Er war gehei?en Rumold, ein Degen auserkannt. 1573

Er sprach: "Wem wollt ihr la?en Leute nun und Land?

Da? Niemand doch euch Recken wenden mag den Muth!

Die M?ren Kriemhildens dauchten mich niemals gut."

"Das Land sei dir befohlen und auch mein S?hnelein; 1574

Und diene wohl den Frauen: das ist der Wille mein.

Wen du weinen siehest, dem tr?ste Herz und Sinn;

Es wird uns nichts zu Leide Kriemhild thun, die K?nigin."

Eh man schied von dannen, berieth der K?nig hehr 1575

Sich mit den h?chsten Mannen; er lie? nicht ohne Wehr

Das Land und die Burgen: die ihrer sollten pflegen,

Zum Schutze lie? er denen manchen auserw?hlten Degen.

Die Rosse standen aufgez?umt den Mannen wie den Herrn: 1576

Mit minniglichem Kusse zog da Mancher fern,

Dem noch in hohem Muthe lebte Seel und Leib;

Das muste bald beweinen manches waidliche Weib.

Wehruf und Weinen h?rte man genug; 1577

Auf dem Arm die K?nigin ihr Kind dem K?nig trug:

"Wie wollt ihr so verwaisen uns beide auf ein Mal?

Verbleibet uns zu Liebe," sprach sein jammerreich Gemahl.

"Frau, ihr sollt nicht weinen um den Willen mein, 1578

Ihr m?gt hier ohne Sorgen in hohem Muthe sein:

Wir kommen bald euch wieder mit Freuden wohl gesund."

Sie schieden von den Freunden minniglich zur selben Stund.

Als man die schnellen Recken sah zu den Rossen gehn, 1579

Fand man viel der Frauen in hoher Trauer stehn.

Da? sie auf ewig schieden, sagt' ihnen wohl der Muth:

Zu gro?em Schaden kommen, das thut Niemanden gut.

Die schnellen Burgunden begannen ihren Zug. 1580

Da ward in dem Lande das Treiben gro? genug;

Beiderseits des Rheines weinte Weib und Mann.

Wie auch das Volk gebarte, sie fuhren fr?hlich hindann.

Niblungens Helden zogen mit ihnen aus 1581

In tausend Halsbergen: die hatten dort zu Haus

Viel sch?ne Fraun gela?en und sahn sie nimmermehr.

Siegfriedens Wunden die schmerzten Kriemhilden sehr.

Nur schwach in jenen Zeiten war der Glaube noch: 1582

Es sang ihnen Messe ein Kaplan jedoch:

Der kam gesund zurücke, obwohl aus gro?er Noth;

Die andern blieben alle dort im Heunenlande todt.

Da lenkten mit der Reise auf den Mainstrom an 1583

Hinauf durch Ostfranken Die Gunthern unterthan.

Hagen war ihr Führer, der war da wohlbekannt.

Ihr Marschall war Dankwart, der Held von Burgundenland.

Da sie von Ostfranken durch Schwalefelde ritten, 1584

Da konnte man sie kennen an den herrlichen Sitten,

Die Fürsten und die Freunde, die Helden lobesam.

An dem zw?lften Morgen der K?nig an die Donau kam.

Da ritt von Tronje Hagen den andern all zuvor: 1585

Er hielt den Nibelungen zumal den Muth empor.

Bald sprang der kühne Degen nieder auf den Strand,

Wo er sein Ross in Eile fest an einem Baume band.

Die Flut war ausgetreten, die Schifflein verborgen: 1586

Die Nibelungen kamen da in gro?e Sorgen,

Wie sie hinüber sollten: das Wasser war zu breit.

Da schwang sich zur Erde mancher Ritter allbereit.

"Uebel," sprach da Hagen, "mag dir wohl hier geschehn, 1587

K?nig an dem Rheine; du magst es selber sehn:

Das Wasser ist ergo?en, zu stark ist seine Flut:

Ich fürchte, wir verlieren noch heute manchen Recken gut."

"Hagen, was verweist ihr mir?" sprach der K?nig hehr, 1588

"Um eurer Hofzucht willen erschreckt uns nicht noch mehr.

Ihr sollt die Furt uns suchen hinüber an das Land,

Da? wir von hinnen bringen beides, Ross' und Gewand."

"Mir ist ja noch," sprach Hagen, "mein Leben nicht so leid, 1589

Da? ich mich m?cht ertr?nken in diesen Wellen breit:

Erst soll von meinen H?nden ersterben mancher Mann

In K?nig Etzels Landen, wozu ich gute Lust gewann.

"Bleibet bei dem Wasser, ihr stolzen Ritter gut. 1590

So geh ich und suche die Fergen bei der Flut,

Die uns hinüber bringen in Gelfratens Land."

Da nahm der kühne Hagen seinen festen Schildesrand.

Er war wohl bewaffnet: den Schild er bei sich trug; 1591

Sein Helm war aufgebunden und gl?nzte hell genug.

Ueberm Harnisch führt' er eine breite Waffe mit,

Die an beiden Sch?rfen aufs allergrimmigste schnitt.

Er suchte hin und wieder nach einem Schiffersmann. 1592

Da h?rt' er Wasser rauschen; zu lauschen hub er an.

In einem sch?nen Brunnen that das manch weises Weib:

Die gedachten da im Bade sich zu kühlen den Leib.

Hagen ward ihrer inne, da schlich er leis heran; 1593

Sie eilten schnell von hinnen, als sie den Helden sahn.

Da? sie ihm entrannen, des freuten sie sich sehr.

Da nahm er ihre Kleider und schadet' ihnen nicht mehr.

Da sprach das eine Meerweib, Hadburg war sie genannt: 1594

"Hagen, edler Ritter, wir machen euch bekannt,

Wenn ihr uns dagegen die Kleider wiedergebt,

Was ihr auf dieser Reise bei den Heunen erlebt."

Sie schwammen wie die V?gel schwebend auf der Flut. 1595

Da daucht ihn ihr Wi?en von den Dingen gut:

So glaubt' er um so lieber, was sie ihm wollten sagen.

Sie beschieden ihn darüber, was er begann sie zu fragen.

Sie sprach: "Ihr m?gt wohl reiten in K?nig Etzels Land: 1596

Ich setz euch meine Treue dafür zum Unterpfand:

Niemals fuhren Helden noch in ein fremdes Reich

Zu so hohen Ehren: in Wahrheit, ich sag es euch."

Der Rede war da Hagen im Herzen froh und hehr! 1597

Die Kleider gab man ihnen und s?umte sich nicht mehr.

Als sie umgezogen ihr wunderbar Gewand,

Vernahm er erst die Wahrheit von der Fahrt in Etzels Land.

Da sprach das andre Meerweib mit Namen Siegelind: 1598

"Ich will dich warnen, Hagen, Aldrianens Kind.

Meine Muhme hat dich der Kleider halb belogen:

Und kommst du zu den Heunen, so bist du übel betrogen.

"Wieder umzukehren, wohl w?r es an der Zeit, 1599

Dieweil ihr kühnen Helden also geladen seid,

Da? ihr mü?t ersterben in der Heunen Land:

Wer da hinreitet, der hat den Tod an der Hand."

Da sprach aber Hagen: "Ihr trügt mich ohne Noth: 1600

Wie sollte das sich fügen, da? wir alle todt

Blieben bei dem Hofgelag durch Jemandes Groll?"

Da sagten sie dem Degen die M?re deutlich und voll.

Da sprach die Eine wieder: "Es mu? nun so geschehn, 1601

Keiner wird von euch allen die Heimat wiedersehn

Als der Kaplan des K?nigs: das ist uns wohlbekannt,

Der kommt geborgen wieder heim in K?nig Gunthers Land."

Ingrimmen Muthes sprach der kühne Hagen: 1602

"Das lie?en meine Herren schwerlich sich sagen,

Wir verl?ren bei den Heunen Leben all und Leib;

Nun zeig uns übers Wasser, allerweisestes Weib."

Sie sprach: "Willst du nicht anders und soll die Fahrt geschehn, 1603

So siehst du überm Wasser eine Herberge stehn:

Darin ist ein Ferge und sonst nicht nah noch fern."

Weiter nachzufragen, des begab er nun sich gern.

Dem unmuthsvollen Recken rief noch die Eine nach: 1604

"Nun wartet, Herr Hagen, euch ist auch gar zu jach;

Vernehmt noch erst die Kunde, wie ihr kommt durchs Land.

Der Herr dieser Marke der ist Else genannt.

"Sein Bruder ist gehei?en Gelfrat der Held, 1605

Ein Herr im Baierlande: nicht so leicht es h?lt,

Wollt ihr durch seine Marke: ihr m?gt euch wohl bewahren

Und sollt auch mit dem Fergen gar bescheidentlich verfahren.

"Der ist so grimmes Muthes, er l??t euch nicht gedeihn, 1606

Wollt ihr nicht verst?ndig bei dem Helden sein.

Soll er euch überholen, so bietet ihm den Sold;

Er hütet dieses Landes und ist Gelfraten hold.

"Und kommt er nicht bei Zeiten, so ruft über Flut 1607

Und sagt, ihr hei?et Amelrich; das war ein Degen gut,

Der seiner Feinde willen r?umte dieses Land:

So wird der F?hrmann kommen, wird ihm der Name genannt."

Der übermüthge Hagen dankte den Frauen hehr 1608

Des Raths und der Lehre; kein W?rtlein sprach er mehr.

Dann gieng er bei dem Wasser hinauf an dem Strand,

Wo er auf jener Seite eine Herberge fand.

Laut begann zu rufen der Degen über Flut: 1609

"Nun hol mich über, Ferge," sprach der Degen gut,

"So geb ich dir zum Lohne eine Spange goldesroth;

Mir thut das Ueberfahren, das wi?e, wahrhaftig Noth."

Es brauchte nicht zu dienen der reiche Schiffersmann, 1610

Lohn nahm er selten von Jemandem an;

Auch waren seine Knechte zumal von stolzem Muth.

Noch immer stand Hagen die?seits allein bei der Flut.

Da rief er so gewaltig, der ganze Strom erscholl 1611

Von des Helden St?rke, die war so gro? und voll:

"Mich Amelrich hol über; ich bin es, Elses Mann,

Der vor starker Feindschaft aus diesen Landen entrann."

Hoch an seinem Schwerte er ihm die Spange bot, 1612

Die war sch?n und gl?nzte von lichtem Golde roth,

Da? er ihn überbr?chte in Gelfratens Land.

Der übermüthge Ferge nahm selbst das Ruder an die Hand.

Auch hatte dieser Ferge habsüchtgen Sinn: 1613

Die Gier nach gro?em Gute bringt endlich Ungewinn;

Er dachte zu verdienen Hagens Gold so roth,

Da litt er von dem Degen hier den schwertgrimmen Tod.

Der Ferge zog gewaltig hinüber an den Strand. 1614

Welcher ihm genannt war, als er den nicht fand,

Da hub er an zu zürnen: als er Hagen sah,

Mit grimmem Ungestüme zu dem Helden sprach er da:

"Ihr m?gt wohl sein gehei?en mit Namen Amelrich; 1615

Doch seht ihr dem nicht ?hnlich, des ich versehen mich.

Von Vater und von Mutter war er der Bruder mein:

Nun ihr mich betrogen habt, so mü?t ihr die?halben sein."

"Nein! um Gotteswillen," sprach Hagen dagegen. 1616

"Ich bin ein fremder Recke, besorgt um andre Degen.

So nehmet denn freundlich hin meinen Sold

Und fahrt uns hinüber: ich bin euch wahrhaftig hold."

Da sprach der Ferge wieder: "Das kann einmal nicht sein. 1617

Viel der Feinde haben die lieben Herren mein.

Drum fahr ich keinen Fremden hinüber in ihr Land:

Wenn euch das Leben lieb ist, so tretet aus an den Strand."

"Das thu ich nicht," sprach Hagen, "traurig ist mein Muth. 1618

Nehmt zum Ged?chtni? die goldne Spange gut

Und fahrt uns über, tausend Ross' und auch so manchen Mann."

Da sprach der grimme Ferge: "Das wird nimmer gethan."

Er hob ein starkes Ruder, m?chtig und breit, 1619

Und schlug es auf Hagen (es ward ihm sp?ter leid),

Da? er im Schiffe nieder strauchelt' auf die Knie.

Solchen grimmen Fergen fand der von Tronje noch nie.

Noch st?rker zu erzürnen den kühnen Fremdling, schwang 1620

Er seine Ruderstange, da? sie gar zersprang,

Auf das Haupt dem Hagen; er war ein starker Mann:

Davon Elses Ferge bald gro?en Schaden gewann.

Mit grimmigem Muthe griff Hagen gleich zur Hand 1621

Zur Seite nach der Scheide, wo er ein Waffen fand:

Er schlug das Haupt ihm nieder und warf es auf den Grund.

Bald wurden diese M?ren den stolzen Burgunden kund.

Im selben Augenblicke, als er den F?hrmann schlug, 1622

Glitt das Schiff zur Str?mung; das war ihm leid genug.

Eh er es richten konnte, fiel ihn Ermüdung an:

Da zog am Ruder kr?ftig K?nig Gunthers Unterthan.

Er versucht' es umzukehren mit manchem schnellen Schlag, 1623

Bis ihm das starke Ruder in der Hand zerbrach.

Er wollte zu den Recken sich wenden an den Strand;

Da hatt er keines weiter: wie bald er es zusammen band

Mit seinem Schildriemen, einer Borte schmal. 1624

Hin zu einem Walde wandt er das Schiff zu Thal.

Da fand er seinen Herren sein harren an dem Strand;

Es giengen ihm entgegen viel der Degen auserkannt.

Mit Gru? ihn wohl empfiengen die edeln Ritter gut: 1625

Sie sahen in dem Schiffe rauchen noch das Blut

Von einer starken Wunde, die er dem Fergen schlug:

Darüber muste Hagen fragen h?ren genug.

Als der K?nig Gunther das hei?e Blut ersah 1626

In dem Schiffe schweben, wie bald sprach er da:

"Wo ist denn, Herr Hagen, der F?hrmann hingekommen?

Eure starken Kr?fte haben ihm wohl das Leben benommen."

Da sprach er mit Verl?ugnen: "Als ich das Schifflein fand 1627

Bei einer wilden Weide, da l?st' es meine Hand.

Ich habe keinen Fergen heute hier gesehn;

Leid ist auch Niemand von meinen H?nden geschehn."

Da sprach von Burgunden der K?nig Gernot: 1628

"Heute mu? ich bangen um lieber Freunde Tod,

Da wir keinen Schiffmann hier am Strome sehn:

Wie wir hinüber kommen, darob mu? ich in Sorgen stehn."

Laut rief da Hagen: "Legt auf den Boden her, 1629

Ihr Knechte, das Ger?the: ich gedenke, da? ich mehr

Der allerbeste Ferge war, den man am Rheine fand:

Ich bring euch hinüber gar wohl in Gelfratens Land."

Da? sie desto schneller k?men über Flut, 1630

Trieb man hinein die M?hren; ihr Schwimmen ward so gut,

Da? ihnen auch nicht eines der starke Strom benahm.

Einige trieben ferner, als sie Ermüdung überkam.

Sie trugen zu dem Schiffe ihr Gut und ihre Wehr, 1631

Nun einmal ihre Reise nicht zu vermeiden mehr.

Hagen fuhr sie über; da bracht er an den Strand

Manchen zieren Recken in das unbekannte Land.

Zum ersten fuhr er über tausend Ritter hehr 1632

Und seine sechzig Degen; dann kamen ihrer mehr:

Neuntausend Knechte, die bracht er an das Land.

Des Tags war unmü?ig des kühnen Tronejers Hand.

Das Schiff war ungefüge, stark und weit genug: 1633

Fünfhundert oder drüber es leicht auf einmal trug

Ihres Volks mit Speise und Waffen über Flut:

Am Ruder muste ziehen des Tages mancher Ritter gut.

Da er sie wohlgeborgen über Flut gebracht, 1634

Da war der fremden M?re der schnelle Held bedacht,

Die ihm verkündet hatte das wilde Meerweib:

Dem Kaplan des K?nigs gieng es da schier an Leben und Leib.

Bei seinem Weihger?the er den Pfaffen fand, 1635

Auf dem Heiligthume sich stützend mit der Hand:

Das kam ihm nicht zu Gute, als Hagen ihn ersah;

Der unglückselge Priester, viel Beschwerde litt er da.

Er schwang ihn aus dem Schiffe mit j?her Gewalt. 1636

Da riefen ihrer Viele: "Halt, Hagen, halt!"

Geiselher der junge hub zu zürnen an;

Er wollt es doch nicht la?en, bis er ihm Leides gethan.

Da sprach von Burgunden der K?nig Gernot: 1637

"Was hilft euch wohl, Herr Hagen, des Kaplanes Tod?

Th?t die? anders Jemand, es sollt ihm werden leid.

Was verschuldete der Priester, da? ihr so wider ihn seid?"

Der Pfaffe schwamm nach Kr?ften: er hoffte zu entgehn, 1638

Wenn ihm nur Jemand hülfe: das konnte nicht geschehn,

Denn der starke Hagen, gar zornig war sein Muth,

Stie? ihn zu Grunde wieder; das dauchte Niemanden gut.

Als der arme Pfaffe hier keine Hülfe sah, 1639

Da wandt er sich ans Ufer; Beschwerde litt er da.

Ob er nicht schwimmen konnte, doch half ihm Gottes Hand,

Da? er wohlgeborgen hinwieder kam an den Strand.

Da stand der arme Priester und schüttelte sein Kleid. 1640

Daran erkannte Hagen, ihm habe Wahrheit,

Unmeidliche, verkündet das wilde Meerweib.

Er dachte: "Diese Degen verlieren Leben und Leib."

Als sie das Schiff entladen und ans Gestad geschafft, 1641

Was darauf bese?en der K?nge Ritterschaft,

Schlug Hagen es in Stücke und warf es in die Flut;

Das wunderte gewaltig die Recken edel und gut.

"Bruder, warum thut ihr das?" sprach da Dankwart, 1642

"Wie sollen wir hinüber bei unsrer Wiederfahrt,

Wenn wir von den Heunen reiten an den Rhein?"

Hernach sagt' ihm Hagen, das k?nne nimmermehr sein.

Da sprach der Held von Tronje: "Ich thats mit Wohlbedacht: 1643

Haben wir einen Feigen in dieses Land gebracht,

Der uns entrinnen m?chte in seines Herzens Noth,

Der mu? an diesen Wogen leiden schm?hlichen Tod."

Sie führten bei sich Einen aus Burgundenland, 1644

Der ein gar behender Held und Volker ward genannt.

Der redete da launig nach seinem kühnen Muth:

Was Hagen je begangen, den Fiedler dauchte das gut.

Als der Kaplan des K?nigs das Schiff zerschlagen sah, 1645

Ueber das Wasser zu Hagen sprach er da:

"Ihr M?rder ohne Treue, was hatt ich euch gethan,

Da? mich unschuldgen Pfaffen eur Herz zu ertranken sann?"

Zur Antwort gab ihm Hagen: "Die Rede la?t beiseit: 1646

Mich kümmert, meiner Treue, da? ihr entkommen seid

Hier von meinen H?nden, das glaubt ohne Spott."

Da sprach der arme Priester: "Dafür lob ich ewig Gott.

"Ich fürcht euch nun wenig, des dürft ihr sicher sein: 1647

Fahrt ihr zu den Heunen, so will ich über Rhein.

Gott la? euch nimmer wieder nach dem Rheine kommen,

Das wünsch ich euch von Herzen: schier das Leben habt ihr mir genommen."

Da sprach K?nig Gunther zu seinem Kapellan: 1648

"Ich will euch alles bü?en, was Hagen euch gethan

Hat in seinem Zorne, komm ich an den Rhein

Mit meinem Leben wieder: des sollt ihr au?er Sorge sein.

"Fahrt wieder heim zu Lande; es mu? nun also sein. 1649

Ich entbiete meine Grü?e der lieben Frauen mein

Und meinen andern Freunden, wie ich billig soll:

Sagt ihnen liebe M?re, da? wir noch alle fuhren wohl."

Die Rosse standen harrend, die S?umer wohl geladen; 1650

Sie hatten auf der Reise bisher noch keinen Schaden

Genommen, der sie schmerzte, als des K?nigs Kaplan:

Der must auf seinen Fü?en sich zum Rheine suchen Bahn.

* * * * *

Sechsundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Dankwart Gelfraten erschlug.

Als sie nun alle waren gekommen an den Strand, 1651

Da fragte K?nig Gunther: "Wer soll uns durch das Land

Die rechten Wege weisen, da? wir nicht irre gehn?"

Da sprach der kühne Volker: "La?t mich das Amt nur versehn."

"Nun haltet an," sprach Hagen, "sei's Ritter oder Knecht: 1652

Man soll Freunden folgen, das bedünkt mich recht.

Eine ungefüge M?re mach ich euch bekannt:

Wir kommen nimmer wieder heim in der Burgunden Land.

"Das sagten mir zwei Meerfraun heute morgen fruh, 1653

Wir k?men nimmer wieder. Nun rat ich, was man thu:

Waffnet euch, ihr Helden, ihr sollt euch wohl bewahren:

Wir finden starke Feinde und mü?en drum wehrhaft fahren.

"Ich w?hnt auf Lug zu finden die weisen Meerfraun: 1654

Sie sagten mir, nicht Einer werde wiederschaun

Die Heimat von uns Allen bis auf den Kapellan;

Drum h?tt ich ihm so gerne heut den Tod angethan."

Da flogen diese M?ren von Schar zu Schar einher. 1655

Bleich vor Schrecken wurden Degen kühn und hehr,

Als sie die Sorge fa?te vor dem herben Tod

Auf dieser Hofreise: das schuf ihnen wahrlich Noth.

Bei M?ringen waren sie über Flut gekommen, 1656

Wo dem F?hrmann Elsen das Leben ward benommen.

Da sprach Hagen wieder: "Da ich mir so gewann

Unterwegs der Feinde, so greift man ehstens uns an.

"Ich erschlug den F?hrmann heute morgen fruh; 1657

Sie wi?en nun die Kunde. Drum eilt und greifet zu,

Wenn Gelfrat und Elsen heute hier besteht

Unser Ingesinde, da? es ihnen übel ergeht.

"Sie sind gar kühn, ich wei? es, es wird gewiss geschehn. 1658

Drum la?t nur die Rosse in sanftem Schritte gehn,

Da? nicht Jemand w?hne, wir fl?hn vor ihrem Heer."

"Dem Rathe will ich folgen," sprach der junge Geiselher.

"Wer zeigt nun dem Gesinde die Wege durch das Land?" 1659

Sie sprachen: "Das soll Volker: dem sind hie wohlbekannt

Die Stra?en und die Steige, dem stolzen Fiedelmann."

Eh mans von ihm verlangte, kam er gewaffnet heran.

Der schnelle Fiedelspieler: den Helm er überband; 1660

Von herrlicher Farbe war all sein Streitgewand.

Am Schaft lie? er flattern ein Zeichen, das war roth.

Bald kam er mit den K?nigen in eine furchtbare Noth.

Gewisse Kunde hatte Gelfrat nun bekommen 1661

Von des Fergen Tode; da hatt es auch vernommen

Else der starke: beiden war es leid.

Sie besandten ihre Helden: die traf man balde bereit.

Darauf in kurzen Zeiten, nun h?rt mich weiter an, 1662

Sah man zu ihnen reiten, denen Schade war gethan,

In starkem Kriegszuge ein ungefüges Heer:

Wohl siebenhundert stie?en zu Gelfrat oder noch mehr.

Als das den grimmen Feinden nachzuziehn begann, 1663

Die Herren, die es führten, huben zu jagen an

Den kühnen G?sten hinterdrein. Sie wollten Rache haben:

Da musten sie der Freunde hernach noch manchen begraben.

Hagen von Tronje richtete das ein 1664

(Wie konnte seiner Freunde ein be?rer Hüter sein?),

Da? er die Nachhut hatte und Die ihm unterthan

Mit Dankwart seinem Bruder; das war gar weislich gethan.

Ihnen war der Tag zerronnen, den hatten sie nicht mehr. 1665

Er bangte vor Gefahren für seine Freunde sehr.

Sie ritten unter Schilden durch der Baiern Land:

Darnach in kurzer Weile die Helden wurden angerannt.

Beiderseits der Stra?e und hinter ihnen her 1666

Vernahm man Hufe schlagen; die Haufen eilten sehr.

Da sprach der kühne Dankwart: "Gleich fallen sie uns an:

Bindet auf die Helme, das dünkt mich r?thlich gethan."

Sie hielten ein mit Reiten, als es muste sein. 1667

Da sahen sie im Dunkel der lichten Schilde Schein.

Nicht l?nger stille schweigen mochte da der Hagen:

"Wer verfolgt uns auf der Stra?e?" Das muste Gelfrat ihm sagen.

Da sprach zu ihm der Markgraf aus der Baiern Land: 1668

"Wir suchen unsre Feinde, denen sind wir nachgerannt.

Ich wei? nicht, wer mir heute meinen Fergen schlug:

Das war ein schneller Degen; mir ist leid um ihn genug."

Da sprach von Tronje Hagen: "War der Ferge dein? 1669

Er wollt uns nicht fahren; alle Schuld ist mein:

Ich erschlug den Recken; fürwahr, es that mir Noth:

Ich hatte von dem Degen schier selbst den grimmigen Tod.

"Ich bot ihm zum Lohne Gold und Gewand, 1670

Da? er uns überführe, Held, in euer Land.

Darüber zürnt' er also, da? er nach mir schlug

Mit starker Ruderstange: da ward ich grimmig genug.

"Ich griff nach dem Schwerte und wehrte seinem Zorn 1671

Mit einer schweren Wunde: da war der Held verlorn.

Ich steh euch hier zur Sühne, wie es euch dünke gut."

Da gieng es an ein Streiten: sie hatten zornigen Muth.

"Ich wuste wohl," sprach Gelfrat, "als hier mit dem Geleit 1672

Gunther zog vorüber, uns gesch?h ein Leid

Von Hagens Uebermuthe. Nun bü?t ers mit dem Leben:

Für des Fergen Ende soll er selbst hier Bürgschaft geben."

Ueber die Schilde neigten da zum Stich den Sper 1673

Gelfrat und Hagen; sich zürnten beide schwer.

Dankwart und Else zusammen herrlich ritten;

Sie erprobten, wer sie waren: da wurde grimmig gestritten.

Wer je versuchte kühner sich und die Gunst des Glücks? 1674

Von einem starken Sto?e sank Hagen hinterrücks

Von der M?hre nieder durch Gelfratens Hand.

Der Brustriem war gebrochen: so ward im Fallen bekannt.

Man h?rt' auch beim Gesinde krachender Sch?fte Schall. 1675

Da erholte Hagen sich wieder von dem Fall,

Den er auf das Gras gethan von des Gegners Sper:

Da zürnte der von Tronje wider Gelfraten sehr.

Wer ihnen hielt die Rosse, das ist mir unbekannt. 1676

Sie waren aus den S?tteln gekommen auf den Sand,

Hagen und Gelfrat: nun liefen sie sich an.

Ihre Gesellen halfen, da? ihnen Streit ward kund gethan.

Wie heftig auch Hagen zu Gelfraten sprang, 1677

Ein Stück von Ellenl?nge der edle Markgraf schwang

Ihm vom Schilde nieder; das Feuer stob hindann.

Da w?re schier erstorben K?nig Gunthers Unterthan.

Er rief mit lauter Stimme Dankwarten an: 1678

"Hilf mir, lieber Bruder, ein schneller starker Mann

Hat mich hier bestanden: der l??t mich nicht gedeihn."

Da sprach der kühne Dankwart: "So will ich denn Schiedsmann sein."

Da sprang der Degen n?her und schlug ihm solchen Schlag 1679

Mit einer scharfen Waffe, da? er todt da lag.

Else wollte Rache nehmen für den Mann:

Doch er und sein Gesinde schied mit Schaden hindann.

Sein Bruder war erschlagen, selber ward er wund. 1680

Wohl achtzig seiner Degen wurden gleich zur Stund

Des grimmen Todes Beute: da muste wohl der Held

Gunthers Mannen r?umen in geschwinder Flucht das Feld.

Als Die vom Baierlande wichen aus dem Wege, 1681

Man h?rte nachhallen die furchtbaren Schl?ge:

Da jagten die von Tronje ihren Feinden nach;

Die es nicht bü?en wollten, die hatten wenig Gemach.

Da sprach beim Verfolgen Dankwart der Degen: 1682

"Kehren wir nun wieder zurück auf unsern Wegen

Und la?en wir sie reiten: sie sind vom Blute na?.

Wir eilen zu den Freunden: in Treuen rath ich euch das."

Als sie hinwieder kamen, wo der Schade war geschehn, 1683

Da sprach von Tronje Hagen: "Helden, la?t uns sehn,

Wen wir hier vermissen, oder wer uns verlorn

Hier in diesem Streite gieng durch Gelfratens Zorn."

Sie hatten vier verloren; der Schade lie? sich tragen. 1684

Sie waren wohl vergolten; dagegen aber lagen

Deren vom Baierlande mehr als hundert todt.

Den Tronejern waren von Blut die Schilde trüb und roth.

Ein wenig brach aus Wolken des hellen Mondes Licht; 1685

Da sprach wieder Hagen: "H?rt, berichtet nicht

Meinen lieben Herren, was hier von uns geschah:

Bis zum Morgen komme ihnen keine Sorge nah."

Als zu ihnen stie?en, die da kamen von dem Streit, 1686

Da klagte das Gesinde über Müdigkeit:

"Wie lange sollen wir reiten?" fragte mancher Mann.

Da sprach der kühne Dankwart: "Wir treffen keine Herberg an.

"Ihr müst alle reiten bis an den hellen Tag." 1687

Volker der schnelle, der des Gesindes pflag,

Lie? den Marschall fragen: "Wo kehren wir heut ein?

Wo rasten unsre Pferde und die lieben Herren mein?"

Da sprach der kühne Dankwart: "Ich wei? es nicht zu sagen: 1688

Wir k?nnen uns nicht ruhen, bis es beginnt zu tagen;

Wo wir es dann finden, legen wir uns ins Gras."

Als sie die Kunde h?rten, wie leid war Etlichen das!

Sie blieben unverrathen vom hei?en Blute roth, 1689

Bis da? die Sonne die lichten Stralen bot

Dem Morgen über Berge, wo es der K?nig sah,

Da? sie gestritten hatten: sehr im Zorne sprach er da:

"Wie nun denn, Freund Hagen? Verschm?htet ihr wohl das, 1690

Da? ich euch Hülfe brachte, als euch die Ringe na?

Wurden von dem Blute? Wer hat euch das gethan?"

Da sprach er: "Else that es: der griff n?chten uns an.

"Seines Fergen wegen wurden wir angerannt. 1691

Da erschlug Gelfraten meines Bruders Hand.

Zuletzt entrann uns Else, es zwang ihn gro?e Noth:

Ihnen hundert, uns nur viere blieben da im Streite todt."

Wir k?nnen euch nicht melden, wo man die Nachtruh fand. 1692

All den Landleuten ward es bald bekannt,

Der edeln Ute S?hne z?gen zum Hofgelag.

Sie wurden wohl empfangen dort zu Pa?au bald hernach.

Der werthen Fürsten Oheim, der Bischof Pilgerin, 1693

Dem wurde wohl zu Muthe, als seine Neffen ihn

Mit so viel der Recken besuchten da im Land:

Da? er sie gerne s?he, ward ihnen balde bekannt.

Sie wurden wohl empfangen von Freunden vor dem Ort. 1694

Nicht all verpflegen mochte man sie in Pa?au dort:

Sie musten übers Wasser, wo Raum sich fand und Feld:

Da schlugen auf die Knechte Hütten und reich Gezelt.

Sie musten da verweilen einen vollen Tag 1695

Und eine Nacht darüber. Wie sch?n man sie verpflag!

Dann ritten sie von dannen in Rüdigers Land;

Dem kamen auch die M?ren: da ward ihm Freude bekannt,

Als die Wegemüden Nachtruh genommen 1696

Und sie dem Lande waren n?her gekommen,

Sie fanden auf der Marke schlafen einen Mann,

Dem von Tronje Hagen ein starkes Waffen abgewann.

Eckewart gehei?en war dieser Ritter gut. 1697

Der gewann darüber gar traurigen Muth,

Da? er verlor das Waffen durch der Helden Fahrt.

Rüdgers Grenzmarke, die fand man übel bewahrt.

"O weh mir dieser Schande," sprach da Eckewart. 1698

"Schwer mu? ich beklagen der Burgunden Fahrt.

Als ich verlor Siegfrieden, hub all mein Kummer an;

O weh, mein Herr Rüdiger, wie hab ich wider dich gethan!"

Wohl h?rte Hagen des edeln Recken Noth: 1699

Er gab das Schwert ihm wieder, dazu sechs Spangen roth.

"Die nimm dir, Held, zu Lohne, willst du hold mir sein;

Du bist ein kühner Degen, l?gst du hier noch so allein."

"Gott lohn euch eure Spangen," sprach da Eckewart; 1700

"Doch mu? ich sehr beklagen zu den Heunen eure Fahrt.

Ihr erschlugt Siegfrieden; hier tr?gt man euch noch Ha?:

Da? ihr euch wohl behütet, in Treuen rath ich euch das."

"Nun, m?g uns Gott behüten," sprach Hagen entgegen. 1701

"Keine andre Sorge haben diese Degen

Als um die Herberge, die Fürsten und ihr Lehn,

Wo wir in diesem Lande heute Nachtruh sollen sehn.

"Vermüdet sind die Rosse uns auf den fernen Wegen, 1702

Die Speise gar zerronnen," sprach Hagen der Degen:

"Wir findens nicht zu Kaufe: es w?r ein Wirth uns Noth,

Der uns heute g?be in seiner Milde das Brot."

Da sprach wieder Eckewart: "Ich zeig euch solchen Wirth, 1703

Da? Niemand euch im Hause so gut empfangen wird

Irgend in den Landen, als hier euch mag geschehn,

Wenn ihr schnellen Degen wollt zu Rüdigern gehn.

"Der Wirth wohnt an der Stra?e, der beste allerw?rts, 1704

Der je ein Haus bese?en. Milde gebiert sein Herz,

Wie das Gras mit Blumen der lichte Maimond thut,

Und soll er Helden dienen, so ist er froh und wohlgemuth."

Da sprach der K?nig Gunther: "Wollt ihr mein Bote sein, 1705

Ob uns behalten wolle bis an des Tages Schein

Mein lieber Freund Rüdiger und Die mir unterthan?

Das will ich st?ts verdienen, so gut ich irgend nur kann."

"Der Bote bin ich gerne," sprach da Eckewart, 1706

Mit gar gutem Willen erhob er sich zur Fahrt

Rüdigern zu sagen, was er da vernommen.

Dem war in langen Zeiten so liebe Kunde nicht gekommen.

Man sah zu Bechlaren eilen einen Degen, 1707

Den Rüdger wohl erkannte; er sprach: "Auf diesen Wegen

Kommt Eckewart in Eile, Kriemhildens Unterthan."

Er w?hnte schon, die Feinde h?tten ihm ein Leid gethan.

Da gieng er vor die Pforte, wo er den Boten fand. 1708

Der nahm sein Schwert vom Gurte und legt' es aus der Hand.

Er sprach zu dem Degen: "Was habt ihr vernommen,

Da? ihr so eilen mü?et? hat uns Jemand was genommen?"

"Geschadet hat uns Niemand," sprach Eckewart zuhand; 1709

"Mich haben drei K?nige her zu euch gesandt,

Gunther von Burgunden, Geiselher und Gernot;

Jeglicher der Recken euch seine Dienste her entbot.

"Das selbe thut auch Hagen, Volker auch zugleich, 1710

Mit Flei? und rechter Treue; dazu bericht ich euch,

Was des K?nigs Marschall euch durch mich entbot,

Es sei den guten Degen eure Herberge Noth."

Mit lachendem Munde sprach da Rüdiger: 1711

"Nun wohl mir dieser M?re, da? die K?nige hehr

Meinen Dienst verlangen: dazu bin ich bereit.

Wenn sie ins Haus mir kommen, des bin ich h?chlich erfreut."

"Dankwart der Marschall hat euch kund gethan, 1712

Wer euch zu Hause noch heute zieht heran:

Sechzig kühner Recken und tausend Ritter gut

Mit neuntausend Knechten." Da ward ihm fr?hlich zu Muth.

"Wohl mir dieser G?ste," sprach da Rüdiger, 1713

"Da? mir zu Hause kommen diese Recken hehr,

Denen ich noch selten hab einen Dienst gethan.

Entgegen reitet ihnen, sei's Freund oder Unterthan."

Da eilte zu den Rossen Ritter so wie Knecht: 1714

Was sie der Herr gehei?en, das dauchte Alle recht.

Sie brachten ihre Dienste um so schneller dar.

Noch wust es nicht Frau Gotlind, die in ihrer Kammer war.

* * * * *

Siebenundzwanzigstes Abenteuer.

Wie sie nach Bechlaren kamen.

Hin gieng der Markgraf, wo er die Frauen fand, 1715

Sein Weib und seine Tochter. Denen macht' er da bekannt

Diese liebe M?re, die er jetzt vernommen,

Da? ihrer Frauen Brüder zu ihrem Hause sollten kommen.

"Viel liebe Traute," sprach da Rüdiger, 1716

"Ihr sollt sie wohl empfangen, die edeln K?nge hehr,

Wenn sie und ihr Gesinde vor euch zu Hofe gehn;

Ihr sollt auch freundlich grü?en Hagen in Gunthers Lehn.

"Mit ihnen kommt auch Einer mit Namen Dankwart; 1717

Ein Andrer hei?t Volker, an Ehren wohlbewahrt.

Die Sechse sollt ihr küssen, ihr und die Tochter mein,

Und sollt in h?fschen Züchten diesen Recken freundlich sein."

Das gelobten ihm die Frauen und warens gern bereit. 1718

Sie suchten aus den Kisten manch herrliches Kleid,

Darin sie den Recken entgegen wollten gehn.

Da mocht ein gro? Beflei?en von sch?nen Frauen geschehn.

Gef?lschter Frauenzierde gar wenig man da fand; 1719

Sie trugen auf dem Haupte lichtes goldnes Band,

Das waren reiche Kr?nze, damit ihr sch?nes Haar

Die Winde nicht verwehten; sie waren h?fisch und klar.

In solcher Unmu?e la?en wir die Fraun. 1720

Da war ein schnelles Reiten über Feld zu schaun

Von Rüdigers Freunden, bis man die Fürsten fand.

Sie wurden wohl empfangen in des Markgrafen Land.

Als sie der Markgraf zu sich kommen sah, 1721

Rüdiger der schnelle wie fr?hlich sprach er da:

"Willkommen mir, ihr Herren und Die in euerm Lehn.

Hier in diesem Lande seid ihr gerne gesehn."

Da dankten ihm die Recken in Treuen ohne Ha?. 1722

Da? sie willkommen waren, wohl erzeigt' er das.

Besonders grü?t' er Hagen, der war ihm l?ngst bekannt;

So that er auch mit Volkern, dem Helden aus Burgundenland.

Er begrü?t' auch Dankwarten. Da sprach der kühne Degen: 1723

"Wollt ihr uns hier versorgen, wer soll dann verpflegen

Unser Ingesinde aus Worms an dem Rhein?"

Da begann der Markgraf: "Diese Angst la?et sein.

"All euer Gesinde und was ihr in das Land 1724

Mit euch geführet habet, Ross, Silber und Gewand,

Ich schaff ihm solche Hüter, nichts geht davon verloren,

Das euch zu Schaden br?chte nur um einen halben Sporen.

"Spannet auf, ihr Knechte, die Hütten in dem Feld; 1725

Was ihr hier verlieret, dafür leist ich Entgelt:

Zieht die Z?ume nieder und la?t die Rosse gehn."

Das war ihnen selten von einem Wirth noch geschehn.

Des freuten sich die G?ste. Als das geschehen war 1726

Und die Herrn von dannen ritten, legte sich die Schar

Der Knecht im Grase nieder: sie hatten gut Gemach.

Sie fandens auf der Reise nicht be?er vor oder nach.

Die Markgr?fin eilte vor die Burg zu gehn 1727

Mit ihrer sch?nen Tochter. Da sah man bei ihr stehn

Die minniglichen Frauen und manche sch?ne Maid:

Die trugen viel der Spangen und manches herrliche Kleid.

Das edle Gesteine gl?nzte fern hindann 1728

Aus ihrem reichen Schmucke: sie waren wohlgethan.

Da kamen auch die G?ste und sprangen auf den Sand.

Hei! was man edle Sitten an den Burgunden fand!

Sechsunddrei?ig M?gdelein und viel andre Fraun, 1729

Die wohl nach Wunsche waren und wonnig anzuschauen,

Giengen den Herrn entgegen mit manchem kühnen Mann.

Da ward ein sch?nes Grü?en von edeln Frauen gethan.

Die Markgr?fin küsste die K?nge alle drei; 1730

So that auch ihre Tochter. Hagen stand dabei.

Den hie? ihr Vater küssen: da blickte sie ihn an:

Er dauchte sie so furchtbar, sie h?tt es lieber nicht gethan.

Doch muste sie es leisten, wie ihr der Wirth gebot. 1731

Gemischt ward ihre Farbe, bleich und auch roth.

Auch Dankwarten küsste sie, darnach den Fiedelmann:

Seiner Kraft und Kühnheit wegen ward ihm das Grü?en gethan.

Die junge Markgr?fin nahm bei der Hand 1732

Geiselher den jungen von Burgundenland;

So nahm auch ihre Mutter Gunthern den kühnen Mann.

Sie giengen mit den Helden beide fr?hlich hindann.

Der Wirth gieng mit Gernot in einen weiten Saal. 1733

Die Ritter und die Frauen setzten sich zumal.

Man lie? alsdann den G?sten schenken guten Wein:

Gütlicher bewirthet mochten Helden nimmer sein.

Mit z?rtlichen Augen sah da Mancher an 1734

Rüdigers Tochter, die war so wohlgethan.

Wohl kos't' in seinem Sinne sie mancher Ritter gut;

Das mochte sie verdienen: sie trug gar hoch ihren Muth.

Sie gedachten, was sie wollten; nur konnt es nicht geschehn. 1735

Man sah die guten Ritter hin und wieder sp?hn

Nach M?gdelein und Frauen: deren sa?en da genug.

Dem Wirth geneigten Willen der edle Fiedeler trug.

Da wurden sie geschieden, wie Sitte war im Land: 1736

Zu andern Zimmern giengen Ritter und Fraun zur Hand.

Man richtete die Tische in dem Saale weit

Und ward den fremden G?sten zu allen Diensten bereit.

Den G?sten gieng zu Liebe die edle Markgr?fin 1737

Mit ihnen zu den Tischen: die Tochter lie? sie drin

Bei den M?gdlein weilen, wo sie nach Sitte blieb.

Da? sie die nicht mehr sahen, das war den G?sten nicht lieb.

Als sie getrunken hatten und gege?en überall, 1738

Da führte man die Sch?ne wieder in den Saal.

Anmuthge Reden wurden nicht gescheut:

Viel sprach deren Volker, ein Degen kühn und allbereit.

Da sprach unverhohlen derselbe Fiedelmann: 1739

"Viel reicher Markgraf, Gott hat an euch gethan

Nach allen seinen Gnaden: er hat euch gegeben

Ein Weib, ein so recht sch?nes, dazu ein wonnigliches Leben.

"Wenn ich ein K?nig w?re," sprach der Fiedelmann, 1740

"Und sollte Krone tragen, zum Weibe n?hm ich dann

Eure sch?ne Tochter: die wünschte sich mein Muth.

Sie ist minniglich zu schauen, dazu edel und gut."

Der Markgraf entgegnete: "Wie m?chte das Wohl sein, 1741

Da? ein K?nig je begehrte der lieben Tochter mein?

Wir sind hier beide heimatlos, ich und mein Weib,

Und haben nichts zu geben: was hilft ihr dann der sch?ne Leib?"

Zur Antwort gab ihm Gernot, der edle Degen gut: 1742

"Sollt ich ein Weib mir w?hlen nach meinem Sinn und Muth,

So w?r ich solches Weibes st?ts von Herzen froh."

Darauf versetzte Hagen in h?fischen Züchten so:

"Nun soll sich doch beweiben mein Herr Geiselher: 1743

Es ist so hohen Stammes die Markgr?fin hehr,

Da? wir ihr gerne dienten, ich und all sein Lehn,

Wenn sie bei den Burgunden unter Krone sollte gehn."

Diese Rede dauchte den Markgrafen gut 1744

Und auch Gotelinde; wohl freute sich ihr Muth.

Da schufen es die Helden, da? sie zum Weibe nahm

Geiselher der edle, wie er es mocht ohne Scham.

Soll ein Ding sich fügen, wer mag ihm widerstehn? 1745

Man bat die Jungfraue, hin zu Hof zu gehn.

Da schwur man ihm zu geben das sch?ne M?gdelein,

Wogegen er sich erbot, die Wonnigliche zu frein.

Man beschied der Jungfrau Burgen und auch Land. 1746

Da sicherte mit Eiden des edeln K?nigs Hand

Und Gernot der Degen, es werde so gethan.

Da sprach der Markgraf: "Da ich Burgen nicht gewann,

"So kann ich euch in Treuen nur immer bleiben hold. 1747

Ich gebe meiner Tochter an Silber und an Gold,

Was hundert Saumrosse nur immer m?gen tragen,

Da? es wohl nach Ehren euch Helden m?ge behagen."

Da wurden diese beiden in einen Kreis gestellt 1748

Nach dem Rechtsgebrauche. Mancher junge Held

Stand ihr gegenüber in fr?hlichem Muth;

Er gedacht in seinem Sinne, wie noch ein Junger gerne thut.

Als man begann zu fragen die minnigliche Maid, 1749

Ob sie den Recken wolle, zum Theil war es ihr leid;

Doch dachte sie zu nehmen den waidlichen Mann.

Sie sch?mte sich der Frage, wie manche Maid hat gethan.

Ihr rieth ihr Vater Rüdiger, da? sie spr?che ja, 1750

Und da? sie gern ihn n?hme: wie schnell war er da

Mit seinen wei?en H?nden, womit er sie umschlo?,

Geiselher der junge! Wie wenig sie ihn doch geno?!

Da begann der Markgraf: "Ihr edeln K?nge reich, 1751

Wenn ihr nun wieder reitet heim in euer Reich,

So geb ich euch, so ist es am schicklichsten, die Magd,

Da? ihr sie mit euch führet." Also ward es zugesagt.

Der Schall, den man h?rte, der muste nun vergehn. 1752

Da lie? man die Jungfrau zu ihrer Kammer gehn

Und auch die G?ste schlafen und ruhn bis an den Tag.

Da schuf man ihnen Speise: der Wirth sie gütlich verpflag.

Als sie gege?en hatten und nun von dannen fahren 1753

Wollten zu den Heunen: "Davor will ich euch wahren,"

Sprach der edle Markgraf, "ihr sollt noch hier bestehn;

So liebe G?ste hab ich lange nicht bei mir gesehn."

Dankwart entgegnete: "Das kann ja nicht sein: 1754

Wo n?hmt ihr die Speise, das Brot und auch den Wein,

Das ihr doch haben müstet für solch ein Heergeleit?"

Als das der Wirth erh?rte, er sprach: "Die Rede la?t beiseit.

"Meine lieben Herren, ihr dürft mir nicht versagen. 1755

Wohl geb ich euch die Speise zu vierzehen Tagen,

Euch und dem Gesinde, das mit euch hergekommen.

Mir hat der K?nig Etzel noch gar selten was genommen."

Wie sehr sie sich wehrten, sie musten da bestehn 1756

Bis an den vierten Morgen. Da sah man geschehn

Durch des Wirthes Milde, was weithin ward bekannt:

Er gab seinen G?sten beides, Ross' und Gewand.

Nicht l?nger mocht es w?hren, sie musten an ihr Ziel. 1757

Seines Gutes konnte Rüdiger nicht viel

Vor seiner Milde sparen: wonach man trug Begehr,

Das versagt' er Niemand: er gab es gern den Helden hehr.

Ihr edel Ingesinde brachte vor das Thor 1758

Gesattelt viel der Rosse; zu ihnen kam davor

Mancher fremde Recke, den Schild an der Hand,

Da sie reiten wollten mit ihnen in Etzels Land.

Der Wirth bot seine Gaben den Degen allzumal, 1759

Eh die edeln G?ste kamen vor den Saal.

Er konnte wohl mit Ehren in hoher Milde leben.

Seine sch?ne Tochter hatt er Geiselhern gegeben;

Da gab er Gernoten eine Waffe gut genug, 1760

Die hernach in Stürmen der Degen herrlich trug.

Ihm g?nnte wohl die Gabe des Markgrafen Weib;

Doch verlor der gute Rüdiger davon noch Leben und Leib.

Er gab K?nig Gunthern, dem Helden ohne Gleich, 1761

Was wohl mit Ehren führte der edle K?nig reich,

Wie selten er auch Gab empfieng, ein gutes Streitgewand,

Da neigte sich der K?nig vor des milden Rüdger Hand.

Gotelind bot Hagnen, sie durfte es ohne Scham, 1762

Ihre freundliche Gabe: da sie der K?nig nahm,

So sollt auch er nicht fahren zu dem Hofgelag

Ohn ihre Steuer: der edle Held aber sprach:

"Alles, was ich je gesehn," entgegnete Hagen, 1763

"So begehr ich nichts weiter von hinnen zu tragen

Als den Schild, der dorten h?ngt an der Wand:

Den m?cht ich gerne führen mit mir in der Heunen Land."

Als die Rede Hagens die Markgr?fin vernahm, 1764

Ihres Leids ermahnt' er sie, da? ihr das Weinen kam.

Mit Schmerzen gedachte sie an Nudungs Tod,

Den Wittich hatt erschlagen; das schuf ihr Jammer und Noth.

Sie sprach zu dem Degen: "Den Schild will ich euch geben. 1765

Wollte Gott vom Himmel, da? der noch dürfte leben,

Der einst ihn hat getragen! er fand im Kampf den Tod.

Ich mu? ihn st?ts beweinen: das schafft mir armem Weibe Noth!"

Da erhob sich vom Sitze die Markgr?fin mild: 1766

Mit ihren wei?en H?nden hob sie herab den Schild

Und trug ihn hin zu Hagen: der nahm ihn an die Hand.

Die Gabe war mit Ehren an den Recken gewandt.

Eine Hülle lichten Zeuges auf seinen Farben lag. 1767

Be?ern Schild als diesen beschien wohl nie der Tag.

Mit edelm Gesteine War er so besetzt,

Man h?tt ihn im Handel wohl auf tausend Mark gesch?tzt.

Den Schild hinwegzutragen befahl der Degen hehr. 1768

Da kam sein Bruder Dankwart auch zu Hofe her.

Dem gab reicher Kleider Rüdigers Kind genug,

Die er bei den Heunen hernach mit Freuden noch trug.

Wie viel sie der Gaben empfiengen insgemein, 1769

Nichts würd in ihre H?nde davon gekommen sein,

Wars nicht dem Wirth zu Liebe, der es so gütlich bot.

Sie wurden ihm so feind hernach, da? sie ihn schlagen musten todt.

Da hatte mit der Fiedel Volker der schnelle Held 1770

Sich vor Gotelinde h?fisch hingestellt.

Er geigte sü?e T?ne und sang dazu sein Lied:

Damit nahm er Urlaub, als er von Bechlaren schied.

Da lie? die Markgr?fin eine Lade n?her tragen. 1771

Von freundlicher Gabe m?gt ihr nun h?ren sagen:

Zw?lf Spangen, die sie aus ihr nahm, schob sie ihm an die Hand:

"Die sollt ihr führen, Volker, mit euch in der Heunen Land

"Und sollt sie mir zu Liebe dort am Hofe tragen: 1772

Wenn ihr wiederkehret, da? man mir m?ge sagen,

Wie ihr gedient mir habet bei dem Hofgelag."

Wie sie ihn gebeten, so that der Degen hernach.

Der Wirth sprach zu den G?sten: "Da? ihr nun sichrer fahrt, 1773

Will ich euch selbst geleiten: so seid ihr wohl bewahrt,

Da? ihr auf der Stra?e nicht werdet angerannt."

Seine Saumrosse die belud man gleich zur Hand.

Der Wirth war reisefertig und fünfhundert Mann 1774

Mit Rossen und mit Kleidern: die führt' er hindann

Zu dem Hofgelage mit fr?hlichem Muth;

Nach Bechelaren kehrte nicht Einer all der Ritter gut.

Mit minniglichen Küssen der Wirth von dannen schied; 1775

Also that auch Geiselher, wie ihm die Liebe rieth.

Sie herzten sch?ne Frauen mit z?rtlichem Umfahn:

Das musten bald beweinen viel Jungfrauen wohlgethan.

Da wurden allenthalben die Fenster aufgethan, 1776

Als mit seinen Mannen der Markgraf ritt hindann.

Sie fühlten wohl im Herzen voraus das herbe Leid:

Drum weinten viel der Frauen und manche waidliche Maid.

Nach den lieben Freunden trug Manche gro? Beschwer, 1777

Die sie in Bechelaren ersahen nimmermehr.

Doch ritten sie mit Freuden nieder an dem Strand

Dort im Donauthale bis in das heunische Land.

Da sprach zu den Burgunden der milde Markgraf hehr, 1778

Rüdiger der edle: "Nun darf nicht l?nger mehr

Verhohlen sein die Kunde, da? wir nach Heunland kommen.

Es hat der K?nig Etzel noch nie so Liebes vernommen."

Da ritt manch schneller Bote ins Oesterreicherland: 1779

So ward es allenthalben den Leuten bald bekannt,

Da? die Helden k?men von Worms über Rhein.

Dem Ingesind des K?nigs konnt es nicht lieber sein.

Die Boten vordrangen mit diesen M?ren, 1780

Da? die Nibelungen bei den Heunen w?ren:

"Du sollst sie wohl empfangen, Kriemhild, Fraue mein:

Nach gro?en Ehren kommen dir die lieben Brüder dein."

Als die K?nigstochter vernahm die M?re, 1781

Zum Theil wich ihr vom Herzen ihr Leid, das schwere.

Aus ihres Vaters Lande zog Mancher ihr heran,

Durch den der K?nig Etzel bald gro?en Jammer gewann.

"Nun wohl mir diese Freude," sprach da Kriemhild. 1782

"Hier bringen meine Freunde gar manchen neuen Schild

Und Panzer gl?nzend helle: wer nehmen will mein Gold

Und meines Leids gedenken, dem will ich immer bleiben hold."

Sie gedachte heimlich: "Noch wird zu Allem Rath. 1783

Der mich an meinen Freuden so gar gepf?ndet hat,

Wei? ich es zu fügen, es soll ihm werden leid

Bei diesem Gastgebote: dazu bin ich gern bereit.

"Ich will es also Schaffen, da? meine Rach ergeht 1784

Bei diesem Hofgelage, wie es hernach auch steht,

An seinem argen Leibe, der mir hat benommen

So viel meiner Wonne: des soll mir nun Entgeltung kommen."

* * * * *

Achtundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild Hagen entpfieng.

Als die Burgunden kamen auf das Feld, 1785

Auf schlug man drei K?nigen gar herrlich Gezelt.

Sie stie?en ein die Fahnen von eitel Golde roth.

Da wusten nicht die Herren, wie ihnen nah war der Tod.

Da stieg zu den Zinnen Frau Kriemhild hinan 1786

Und sah auf dem Felde reiten manchen Mann.

Des freute sich heimlich das wundersch?ne Weib:

"Nun endlich wird gerochen des kühnen Siegfriedes Leib,

"Der mir so m?rderlich zu Tode ward geschlagen; 1787

Ich kann bis an mein Ende ihn nie genug beklagen.

O weh der gro?en Ehren, die ich mu? verloren schaun:

So tapfrer Mann lag nimmer noch im Arm einer Fraun.

"Seine gro?e Tugend schafft mir Herzeleid: 1788

Wenn ich daran gedenke, wie er zu jener Zeit

Hin ritt mit so gesundem Leib, so mehrt sich meine Klage:

Mir darf Niemand rügen das gro?e Leid, das ich trage.

"Gott hatt ihn mir zu Manne aus aller Welt erkoren. 1789

W?r Einem Mann die Tugend Tausender angeboren,

Viel gr??ere doch Siegfried ganz alleine trug."

Sehr klagt' um ihn die K?nigin, zu dem Herzen sie sich schlug.

Alsbald ward dem Berner die M?re kund gethan. 1790

Da kam er geschwinde über den Hof heran;

Er hatte Hilbranden der Sitte nach bei sich.

"Viel edle K?nigstochter, das lie?et ihr billiglich,

"Da? man euch weinen s?he bei dieser Lustbarkeit. 1791

Ihr habt hieher beschieden aus fremden Landen weit

Viel der werthen Recken und manchen Biedermann:

Da? man euch nun weinen sieht, das steht euch gar übel an."

"Ich mahne dich der Treue," sprach sie, "Hildebrand, 1792

Hast du je Gab empfangen aus meiner milden Hand,

So r?che mich an Hagen: ich gebe dir mein Gold

Und bin mit guten Treuen bis an mein Ende dir hold."

Da sprach zu ihr der Berner: "Ihr seid ein übel Weib, 1793

Da? ihr den Freunden rathet an Leben und Leib,

Und habt so manchen Boten hin an den Rhein gesandt,

Bis sie euch nun kamen zu Haus mit wehrlicher Hand.

"H?ret, Meister Hildebrand, so lieb als ich euch sei: 1794

Empfangt mir vom Rheine die K?nige alle drei

Und hei?t sie hier zu Felde liegen bis an den Tag,

So warn ich sie mit Treue, so gut ich immer vermag."

Da ritt wohlgezogen Meister Hildebrand, 1795

Bis er die drei K?nige von dem Rheine fand.

Er sprang vom Pferde ritterlich und lie? sich auf die Knie:

Die drei K?nige vom Rheine so empfing und grü?t' er sie.

"Willkommen seid, Herr Gunther, K?nig an dem Rhein; 1796

So sei auch Herr Gernot, der liebe Bruder dein,

Und Geiselher der junge und Hagen, ein starker Mann,

Und noch manch schneller Recke, die ich nicht alle nennen kann.

"Euch entbeut der Berner, der liebe Herre mein, 1797

Seine Huld und Freundschaft und will euch hülfreich sein.

Er r?th euch, hier im Felde zu liegen bis zum Tag:

Dann warnt er euch mit Treuen, so gut er immer vermag.

"M?g euch Gott behüten hier vor aller Noth: 1798

Schon vor vierthalb Jahren war euch bereit der Tod.

Geschworen hat Frau Kriemhild, eure Schwester, manchen Eid,

da? sie an euch will r?chen all ihr gro?es Herzeleid.

"Er entbeut euch, da? ihr meidet, so lieb euch sei das Leben, 1799

Den Neubau an der Donau, wo euch Herberg ist gegeben:

Das sollt ihr mir glauben, und k?m darein ein Heer,

Ihr müstet All ersterben und Keiner k?me zur Wehr.

"Wi?t, in drei sch?nen Rohren, die hohl von innen sind, 1800

Schwefel und Kohlen mischten sie falsch gesinnt:

Das wird angezündet, wenn sie zu Tische gehn.

Davor sollt ihr euch hüten ihr stolzen Degen ausersehn."

Des erschrak der K?nig, die Rede war ihm leid. 1801

"Nun lohne Gott dir, Hildebrand, da? du uns gabst Bescheid

Und da? du hast gewarnet manch heimatlosen Mann.

Ich seh, wir treffen Treue bei den Heunen wenig an."

Des erlachten die Jungen und hielten es für Spott. 1802

Da sprachen die Weisen: "Davor behüt uns Gott.

Wir sind in gro?er Treue geritten in das Land;

Sie hat uns manchen Boten hin nach dem Rheine gesandt."

Da sprach wohlgezogen der K?nig Gernot: 1803

"Meine Schwester Kriemhild hat uns geladen in den Tod.

Zu gro?er Treue ritten wir her in diese Statt,

Da meine sch?ne Schwester uns vom Rhein geladen hat."

Da sprach der Fiedelspieler, der kühne Volker: 1804

"Ich kam der Gabe willen vom Rhein geritten her.

Nun will ich drauf verzichten," so sprach der Fiedelmann:

"Ich fiedle mit dem Schwerte das allerbeste, das ich kann.

"Erklingen meine T?ne, so weichen sie zurück, 1805

Und wollen sie's nicht la?en, so fügt es leicht das Glück,

Ich schlag Einem ritterlich einen schnellen Geigenschlag,

Hat er einen treuen Freund, da? es der beweinen mag."

Als Hildebrand der alte von dannen wollte gehn, 1806

Geiselher der junge hie? ihn noch stille stehn.

Er gab ihm einen Mantel, den er ihm zu Ehren trug;

Für drei?ig Mark Goldes hatt er Pfands daran genug.

An sich nahm den Mantel Meister Hildebrand 1807

Und ritt hin wohlgezogen, wo er den Berner fand.

"Schaut den reichen Mantel, der hier an mir zu sehn:

Den gab mir Geiselher das Kind, als ich von ihm wollte gehn."

Als die Burgunden kamen in das Land, 1808

Da erfuhr es von Berne der alte Hildebrand.

Er sagt' es seinem Herren. Dietrichen war es leid;

Er hie? ihn wohl empfangen der kühnen Ritter Geleit.

Da lie? der starke Wolfhart die Pferde führen her; 1809

Dann ritt mit dem Berner mancher Degen hehr,

Sie zu begrü?en, zu ihnen auf das Feld.

Sie hatten aufgeschlagen da manches herrliche Zelt.

Als sie von Tronje Hagen aus der Ferne sah, 1810

Wohlgezogen sprach er zu seinen Herren da:

"Nun hebt euch von den Sitzen, ihr Recken wohlgethan,

Und geht entgegen denen, die euch hier wollen empfahn.

"Dort kommt ein Heergesinde, das ist mir wohl bekannt; 1811

Es sind viel schnelle Degen von Amelungenland.

Sie führt Der von Berne, sie tragen hoch den Muth:

La?t euch nicht verschm?hen die Dienste, die man euch thut."

Da sprang von den Rossen wohl nach Fug und Recht 1812

Mit Dietrichen nieder mancher Herr und Knecht.

Sie giengen zu den G?sten, wo man die Helden fand,

Und begrü?ten freundlich Die von der Burgunden Land.

Als sie der edle Dietrich ihm entgegen kommen sah, 1813

Liebes und Leides zumal ihm dran geschah.

Er wuste wohl die M?re; leid war ihm ihre Fahrt:

Er w?hnte, Rüdger wüst es und h?tt es ihnen offenbart.

"Willkommen mir, ihr Herren, Gunther und Geiselher, 1814

Gernot und Hagen, Herr Volker auch so sehr,

Und Dankwart der schnelle: ist euch das nicht bekannt?

Schwer beweint noch Kriemhild Den von Nibelungenland."

"Sie mag noch lange weinen," so sprach da Hagen: 1815

"Er liegt seit manchem Jahr schon zu Tod erschlagen.

Den K?nig der Heunen mag sie nun lieber haben:

Siegfried kommt nicht wieder, er ist nun lange begraben."

"Siegfriedens Wunden la?en wir nun stehn: 1816

So lange lebt Frau Kriemhild, mag Schade wohl geschehn."

So redete von Berne der edle Dieterich:

"Trost der Nibelungen, davor behüte du dich!"

"Wie soll ich mich behüten?" sprach der K?nig hehr. 1817

"Etzel sandt uns Boten, was sollt ich fragen mehr?

Da? wir zu ihm ritten her in dieses Land.

Auch hat uns manche Botschaft meine Schwester Kriemhild gesandt."

"So will ich euch rathen," sprach wieder Hagen, 1818

"La?t euch diese M?re doch zu Ende sagen

Dieterich den Herren und seine Helden gut,

Da? sie euch wi?en la?en der Frau Kriemhilde Muth."

Da giengen die drei K?nige und sprachen unter sich, 1819

Herr Gunther und Gernot und Herr Dieterich:

"Nun sag uns, von Berne du edler Ritter gut,

Was du wi?en m?gest von der K?nigin Muth."

Da sprach der Vogt von Berne: "Was soll ich weiter sagen? 1820

Als da? ich alle Morgen weinen h?r und klagen

Etzels Weib Frau Kriemhild in j?mmerlicher Noth

Zum reichen Gott vom Himmel um des starken Siegfried Tod."

"Es ist halt nicht zu wenden," sprach der kühne Mann, 1821

Volker der Fiedler, "was ihr uns kund gethan.

La?t uns zu Hofe reiten und einmal da besehn,

Was uns schnellen Degen bei den Heunen m?ge geschehn."

Die kühnen Burgunden hin zu Hofe ritten: 1822

Sie kamen stolz gezogen nach ihres Landes Sitten.

Da wollte bei den Heunen gar mancher kühne Mann

Von Tronje Hagen schauen, wie der wohl w?re gethan.

Es war durch die Sage dem Volk bekannt genug, 1823

Da? er von Niederlanden Siegfrieden schlug,

Aller Recken st?rksten, Frau Kriemhildens Mann:

Drum ward so gro?es Fragen bei Hof nach Hagen gethan.

Der Held war wohlgewachsen, das ist gewisslich wahr. 1824

Von Schultern breit und Brüsten; gemischt war sein Haar

Mit einer greisen Farbe; von Beinen war er lang

Und schrecklich von Antlitz; er hatte herrlichen Gang.

Da schuf man Herberge den Burgundendegen; 1825

Gunthers Ingesinde lie? man gesondert legen.

Das rieth die K?nigstochter, die ihm viel Ha?es trug:

Daher man bald die Knechte in der Herberg erschlug.

Dankwart, Hagens Bruder, war da Marschall; 1826

Der K?nig sein Gesinde ihm flei?ig anbefahl,

Da? er es die Fülle mit Speise sollte pflegen.

Das that auch gar willig und gern dieser kühne Degen.

Kriemhild die sch?ne mit dem Gesinde gieng, 1827

Wo sie die Nibelungen mit falschem Muth empfieng:

Sie küsste Geiselheren und nahm ihn bei der Hand.

Als das Hagen sah von Tronje, den Helm er fester sich band.

"Nach solchem Empfange," so sprach da Hagen, 1828

"M?gen wohl Bedenken die schnellen Degen tragen;

Man grü?t die Fürsten ungleich und den Unterthan:

Keine gute Reise haben wir zu dieser Hochzeit gethan."

Sie sprach: "Seid willkommen dem, der euch gerne sieht: 1829

Eurer Freundschaft willen kein Gru? euch hier geschieht.

Sagt, was ihr mir bringet von Worms überrhein,

Da? ihr mir so h?chlich solltet willkommen sein?"

"Was sind das für Sachen," sprach Hagen entgegen, 1830

"Da? euch Gaben bringen sollten diese Degen?

So reich w?r ich gewesen, h?tt ich das gedacht,

Da? ich euch meine Gabe zu den Heunen h?tt gebracht."

"Nun frag ich um die M?re weiter bei euch an, 1831

Der Hort der Nibelungen, wohin ward der gethan?

Der war doch mein eigen, das ist euch wohl bekannt:

Den solltet ihr mir haben gebracht in K?nig Etzels Land."

"In Treuen, Frau Kriemhild, schon mancher Tag ist hin, 1832

Den Hort der Nibelungen, seit ich des ledig bin,

Ihn lie?en meine Herren senken in den Rhein:

Da mu? er auch in Wahrheit bis zum jüngsten Tage sein."

Die K?nigin versetzte: "Ich dacht es wohl vorher. 1833

Ihr habt mir noch wenig davon gebracht hieher,

Wiewohl er war mein eigen und ich sein weiland pflag;

Nach ihm und seinem Herren hab ich manchen leiden Tag."

"Ich bring euch den Teufel!" sprach wieder Hagen, 1834

"Ich hab an meinem Schilde so viel zu tragen

Und an meinem Harnisch; mein Helm der ist licht,

Das Schwert an meiner Seite: drum bring ich ihn euch nicht."

"Es war auch nicht die Meinung, als verlangte mich nach Gold: 1835

So viel hab ich zu geben, ich entbehre leicht den Sold.

Eines Mords und Doppelraubes, die man an mir genommen,

Dafür m?cht ich Arme zu lieber Entgeltung kommen."

Da sprach die K?nigstochter zu den Recken allzumal: 1836

"Man soll keine Waffen tragen hier im Saal;

Vertraut sie mir, ihr Helden, zur Verwahrung an."

"In Treuen," sprach da Hagen, "das wird nimmer gethan.

"Ich begehre nicht der Ehre, Fürstentochter mild, 1837

Da? ihr zur Herberge tragt meinen Schild

Und ander Streitger?the; ihr seid hier K?nigin.

So lehrte mich mein Vater, da? ich selbst ihr Hüter bin."

"O Weh dieses Leides!" sprach da Kriemhild: 1838

"Warum will mein Bruder und Hagen seinen Schild

Nicht verwahren la?en? Gewiss, sie sind gewarnt:

Und wüst ich, wer es hat gethan, der Tod der hielt' ihn umgarnt."

Im Zorn gab ihr Antwort Dietrich sogleich: 1839

"Ich bin es, der gewarnt hat die edeln Fürsten reich

Und Hagen den kühnen, der Burgunden Mann:

Nur zu, du Braut des Teufels, du thust kein Leid mir drum an."

Da sch?mte sich gewaltig die edle K?nigin: 1840

Sie fürchtete sich bitter vor Dietrichs Heldensinn.

Sie gieng alsdann von dannen, kein Wort mehr sprach sie da,

Nur da? sie nach den Feinden mit geschwinden Blicken sah.

Da nahmen bei den H?nden zwei der Degen sich, 1841

Der Eine war Hagen, der Andere Dietrich.

Da sprach wohlgezogen der Degen allbereit:

"Eure Reise zu den Heunen die ist in Wahrheit mir leid,

"Da die K?nigstochter so gesprochen hat." 1842

Da sprach von Tronje Hagen: "Zu Allem wird schon Rath."

So sprachen zu einander die Recken wohlgethan.

Das sah der K?nig Etzel, der gleich zu fragen begann:

"Die M?re wust ich gerne," befrug der K?nig sich, 1843

"Wer der Recke w?re, den dort Herr Dietrich

So freundlich hat empfangen; er tr?gt gar hoch den Muth:

Wie auch sein Vater hei?e, er mag wohl sein ein Recke gut."

Antwort gab dem K?nig ein Kriemhildens-Mann: 1844

"Von Tronje ist er geboren, sein Vater hie? Aldrian;

Wie zahm er hier gebare, er ist ein grimmer Mann:

Ich la? euch das noch schauen, da? ich keine Lüge gethan."

"Wie soll ich das erkennen, da? er so grimmig ist?" 1845

Noch hatt er nicht Kunde von mancher argen List,

Die wider ihre Freunde die K?nigin spann,

Da? aus dem Heunenlande ihr auch nicht Einer entrann.

"Wohl kannt ich Hagen, er war mein Unterthan: 1846

Lob und gro?e Ehre er hier bei mir gewann.

Ich macht' ihn zum Ritter und gab ihm mein Gold;

Weil er sich getreu erwies, war ich immer ihm hold.

"Daher ist mir von Hagen Alles wohlbekannt. 1847

Zwei edle Kinder bracht ich als Geisel in die? Land,

Ihn und von Spanien Walther: die wuchsen hier heran.

Hagen sandt ich wieder heim; Walther mit Hildegund entrann."

So bedacht er alter Zeiten und was vordem geschehn. 1848

Seinen Freund von Tronje hatt er hier gesehn,

Der ihm in seiner Jugend oft gro?e Dienste bot;

Jetzt schlug er ihm im Alter viel lieber Freunde zu Tod.

* * * * *

Neunundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Hagen und Volker vor Kriemhildens Saal sa?en.

Da schieden auch die beiden werthen Recken sich, 1849

Hagen von Tronje und Herr Dieterich.

Ueber die Achsel blickte Gunthers Unterthan

Nach einem Heergesellen, den er sich bald gewann.

Neben Geiselheren sah er Volkern stehn, 1850

Den kunstreichen Fiedler: den bat er mitzugehn,

Weil er wohl erkannte seinen grimmen Muth:

Er war an allen Tugenden ein Ritter kühn und auch gut.

Noch lie? man die Herren auf dem Hofe stehn. 1851

Die Beiden ganz alleine sah man von dannen gehn

Ueber den Hof hin ferne vor einen Pallas weit:

Die Auserw?hlten scheuten sich vor Niemandes Streit.

Sie setzten vor dem Hause sich genüber einem Saal, 1852

Der war Kriemhilden, auf eine Bank zu Thal.

An ihrem Leibe gl?nzte ihr herrlich Gewand;

Gar Manche, die das sahen, h?tten gern sie gekannt.

Wie die wilden Thiere gaffte sie da an, 1853

Die übermüthgen Helden, mancher Heuneumann.

Da sah sie durch ein Fenster Etzels K?nigin:

Das betrübte wieder der sch?nen Kriemhilde Sinn.

Sie gedacht ihres Leides; zu weinen hub sie an. 1854

Das wunderte die Degen, die Etzeln unterthan,

Was ihr bekümmert h?tte so sehr den hohen Muth?

Da sprach sie: "Das that Hagen, ihr Helden kühn und auch gut."

Sie sprachen zu der Frauen: "Wie ist das geschehn? 1855

Wir haben euch doch eben noch wohlgemuth gesehn.

Wie kühn er auch w?re, der es euch hat gethan,

Befehlt ihr uns die Rache, den Tod müst er empfahn."

"Dem wollt ich immer danken, der r?chte dieses Leid: 1856

Was er nur begehrte, ich w?r dazu bereit.

"Ich fall euch zu Fü?en," so sprach des K?nigs Weib:

"R?cht mich an Hagen: er verliere Leben und Leib."

Da rüsteten die Kühnen sich, sechzig an der Zahl: 1857

Kriemhild zu Liebe wollten sie vor den Saal

Und wollten Hagen schlagen, diesen kühnen Mann,

Dazu den Fiedelspieler; das ward einmüthig gethan.

Als so gering den Haufen die K?nigin ersah, 1858

In grimmem Muthe sprach sie zu den Helden da:

"Von solchem Unterfangen rath ich abzustehn:

Ihr dürft in so geringer Zahl nicht mit Hagen streiten gehn.

"So kühn auch und gewaltig Der von Tronje sei, 1859

Noch ist bei weitem st?rker, der ihm da sitzet bei,

Volker der Fiedler: das ist ein übler Mann:

Wohl dürft ihr diesen Helden nicht zu so wenigen nahn."

Als sie die Rede h?rten, rüsteten sich mehr 1860

Vierhundert Recken. Der K?nigin hehr

Lag sehr am Herzen die Rache für ihr Leid.

Da wurde bald den Degen gro?e Sorge bereit.

Als sie ihr Gesinde wohlbewaffnet sah, 1861

Zu den schnellen Recken sprach die K?nigin da:

"Nun harrt eine Weile: ihr sollt noch stille stehn.

Ich will unter Krone hin zu meinen Feinden gehn.

"H?rt mich ihm verweisen, was mir hat gethan 1862

Hagen von Tronje, Gunthers Unterthan.

Ich wei? ihn so gemuthet, er l?ugnets nimmermehr:

So will ich auch nicht fragen, was ihm geschehe nachher."

Da sah der Fiedelspieler, ein kühner Spielmann, 1863

Die edle K?nigstochter von der Stiege nahn,

Die aus dem Hause führte. Als er das ersah,

Zu seinem Heergesellen sprach der kühne Volker da:

"Nun schauet, Freund Hagen, wie sie dorther naht, 1864

Die uns ohne Treue ins Land geladen hat.

Ich sah mit einer K?nigin nie so manchen Mann

Die Schwerter in den H?nden also streitlustig nahn.

"Wi?t ihr, Freund Hagen, da? sie euch abhold sind? 1865

So will ich euch rathen, da? ihr zu hüten sinnt

Des Lebens und der Ehre; führwahr, das dünkt mich gut:

Soviel ich mag erkennen, ist ihnen zornig zu Muth.

"Es sind auch Manche drunter von Brüsten stark und breit: 1866

Wer seines Lebens hüten will, der thu es beizeit.

Ich seh sie unter Seide die festen Panzer tragen.

Was sie damit meinen, das h?r ich Niemanden sagen."

Da sprach im Zornmuthe Hagen der kühne Mann: 1867

"Ich wei? wohl, das wird Alles wider mich gethan,

Da? sie die lichten Waffen tragen an der Hand;

Von denen aber reit ich noch in der Burgunden Land.

"Nun sagt mir, Freund Volker, denkt ihr mir beizustehn, 1868

Wenn mit mir streiten wollen Die in Kriemhilds Lehn?

Das la?t mich vernehmen, so lieb als ich euch sei.

Ich steh euch mit Diensten immer wieder treulich bei."

"Sicherlich, ich helf euch," so sprach da Volker. 1869

"Und s?h ich uns entgegen mit seinem ganzen Heer

Den K?nig Etzel kommen, all meines Lebens Zeit

Weich ich von eurer Seite aus Furcht nicht eines Fu?es breit."

"Nun lohn euch Gott vom Himmel, viel edler Volker! 1870

Wenn sie mit mir streiten, wes bedarf ich mehr?

Da ihr mir helfen wollet, wie ich jetzt vernommen,

So m?gen diese Recken fein behutsam n?her kommen."

"Stehn wir auf vom Sitze," sprach der Fiedelmann, 1871

"Vor der K?nigstochter, so sie nun kommt heran.

Bieten wir die Ehre der edeln K?nigin!

Das bringt uns auch beiden an eignen Ehren Gewinn."

"Nein! wenn ihr mich lieb habt," sprach dawider Hagen. 1872

"Es m?chten diese Degen mit dem Wahn sich tragen,

Da? ich aus Furcht es th?te und d?chte wegzugehn:

Von dem Sitze mein ich vor ihrer Keinem aufzustehn.

"Da? wir es bleiben la?en, das ziemt uns ganz allein. 1873

Soll ich dem Ehre bieten, der mir feind will sein?

Nein, ich thu es nimmer, so lang ich leben soll:

In aller Welt, was kümmr ich mich um Kriemhildens Groll?"

Der verme?ne Hagen legte über die Schenkel hin 1874

Eine lichte Waffe, aus deren Knaufe schien

Mit hellem Glanz ein Jaspis, grüner noch als Gras.

Wohl erkannte Kriemhild, da? Siegfried einst sie besa?.

Als sie das Schwert erkannte, das schuf ihr gro?e Noth. 1875

Der Griff war von Golde, der Scheide Borte roth.

Ermahnt war sie des Leides, zu weinen hub sie an;

Ich glaube, Hagen hatt es auch eben darum gethan.

Volker der kühne zog n?her an die Bank 1876

Einen starken Fiedelbogen, m?chtig und lang,

Wie ein Schwert geschaffen, scharf dazu und breit.

So sa?en unerschrocken diese Recken allbereit.

Die kühnen Degen beide dauchten sich so hehr, 1877

Aus Furcht vor Jemandem wollten sie nimmermehr

Vom Sitz sich erheben. Ihnen schritt da vor den Fu?

Die edle K?nigstochter und bot unfreundlichen Gru?.

Sie sprach: "Nun sagt, Herr Hagen, wer hat nach euch gesandt, 1878

Da? ihr zu reiten wagtet her in dieses Land,

Da ihr doch wohl wustet, was ihr mir habt gethan?

Wart ihr bei guten Sinnen, ihr durftets euch nicht unterfahn."

"Nach mir gesandt hat Niemand," sprach er entgegen, 1879

"Her zu diesem Lande lud man drei Degen,

Die hei?en meine Herren: ich steh in ihrem Lehn;

Bei keiner Hofreise pfleg ich daheim zu bestehn."

Sie sprach: "Nun sagt mir ferner, was thatet ihr das, 1880

Da? ihr es verdientet, wenn ich euch trage Ha??

Ihr erschlugt Siegfrieden, meinen lieben Mann,

Den ich bis an mein Ende nicht gut beweinen kann."

"Wozu der Rede weiter?" sprach er, "es ist genug: 1881

Ich bin halt der Hagen, der Siegfrieden schlug,

Den behenden Degen: wie schwer er das entgalt,

Da? die Frau Kriemhild die sch?ne Brunhilde schalt!

"Es wird auch nicht gel?ugnet, reiche K?nigin, 1882

Da? ich an all dem Schaden, dem schlimmen, schuldig bin.

Nun r?ch es, wer da wolle, Weib oder Mann.

Ich müst es wahrlich lügen, ich hab euch viel zu Leid gethan."

Sie sprach: "Da h?rt ihr, Recken, wie er die Schuld gesteht 1883

An all meinem Leide: wie's ihm deshalb ergeht,

Darnach will ich nicht fragen, ihr Etzeln unterthan."

Die übermüthgen Degen blickten all einander an.

W?r da der Streit erhoben, so h?tte man gesehn, 1884

Wie man den zwei Gesellen mü? Ehre zugestehn:

Das hatten sie in Stürmen oftmals dargethan.

Was jene sich verme?en, das gieng aus Furcht nun nicht an.

Da sprach der Recken Einer: "Was seht ihr mich an? 1885

Was ich zuvor gelobte, das wird nun nicht gethan.

Um Niemands Gabe la? ich Leben gern und Leib.

Uns will hier verleiten dem K?nig Etzel sein Weib."

Da sprach ein Andrer wieder: "So steht auch mir der Muth. 1886

Wer mir Thürme g?be von rothem Golde gut,

Diesen Fiedelspieler wollt ich nicht bestehn

Der schnellen Blicke wegen, die ich hab an ihm ersehn.

"Auch kenn ich diesen Hagen von seiner Jugendzeit: 1887

Drum wei? ich von dem Recken selber wohl Bescheid.

In zweiundzwanzig Stürmen hab ich ihn gesehn;

Da ist mancher Frauen Herzeleid von ihm geschehn.

"Er und Der von Spanien traten manchen Pfad, 1888

Da sie hier bei Etzeln thaten manche That

Dem K?nig zu Liebe. Das ist oft geschehn:

Drum mag man Hagen billig gro?e Ehre zugestehn.

"Damals war der Recke an Jahren noch ein Kind, 1889

Da waren schon die Knaben wie jetzt kaum Greise sind.

Nun kam er zu Sinnen und ist ein grimmer Mann;

Auch tr?gt er Balmungen, den er übel gewann."

Damit wars entschieden, Niemand suchte Streit. 1890

Das war der K?nigstochter im Herzen bitter leid.

Die Helden giengen wieder; wohl scheuten sie den Tod

Von den Helden beiden: das that ihnen wahrlich Noth.

Wie oft man verzagend Manches unterl??t, 1891

Wo der Freund beim Freunde treulich steht und fest!

Und hat er kluge Sinne, da? er nicht also thut,

Vor Schaden nimmt sich Mancher durch Besonnenheit in Hut.

Da sprach der kühne Volker: "Da wir nun selber sahn, 1892

Da? wir hie Feinde finden, wie man uns kund gethan,

So la? uns zu den K?nigen hin zu Hofe gehn,

So darf unsre Herren mit Kampfe Niemand bestehn."

"Gut, ich will euch folgen," sprach Hagen entgegen. 1893

Da giengen hin die Beiden, wo sie die zieren Degen

Noch harrend des Empfanges auf dem Hofe sahn.

Volker der kühne hub da laut zu reden an.

Er sprach zu seinen Herren: "Wie lange wollt ihr stehn 1894

Und euch dr?ngen la?en? ihr sollt zu Hofe gehn

Und von dem K?nig h?ren, wie der gesonnen sei."

Da sah man sich gesellen der kühnen Helden je zwei.

Dietrich von Berne nahm da an die Hand 1895

Gunther den reichen von Burgundenland;

Irnfried nahm Gernoten, diesen kühnen Mann;

Da gieng mit seinem Schw?her Geiselher zu Hof heran.

Wie bei diesem Zuge gesellt war Jeglicher, 1896

Volker und Hagen, die schieden sich nicht mehr

Als noch in Einem Kampfe bis an ihren Tod.

Das musten bald beweinen edle Fraun in gro?er Noth.

Da sah man mit den K?nigen hin zu Hofe ziehn 1897

Ihres edeln Ingesindes tausend Degen kühn;

Darüber sechzig Recken waren mitgekommen:

Die hatt aus seinem Lande der kühne Hagen genommen.

Hawart und Iring, zwei Degen auserkannt, 1898

Die giengen mit den K?nigen zu Hofe Hand in Hand;

Dankwart und Wolfhart, ein theuerlicher Degen,

Die sah man gro?er Hofzucht vor den übrigen pflegen.

Als der Vogt vom Rheine in den Pallas gieng, 1899

Etzel der reiche das l?nger nicht verhieng:

Er sprang von seinem Sitze, als er ihn kommen sah.

Ein Gru?, ein so recht sch?ner, nie mehr von K?ngen geschah.

"Willkommen mir, Herr Gunther und auch Herr Gernot 1900

Und euer Bruder Geiselher, die ich hieher entbot

Mit Gru? und treuem Dienste von Worms überrhein,

Und eure Degen alle sollen mir willkommen sein.

"La?t euch auch Willkommen, ihr beiden Recken, sagen, 1901

Volker der kühne und dazu Herr Hagen,

Mir und meiner Frauen hier in diesem Land:

Sie hat euch manche Botschaft hin zum Rheine gesandt."

Da sprach von Tronje Hagen: "Das haben wir vernommen. 1902

W?r ich um meine Herren gen Heunland nicht gekommen,

So w?r ich euch zu Ehren geritten in das Land."

Da nahm der edle K?nig die lieben G?ste bei der Hand.

Und führte sie zum Sitze hin, wo er selber sa?. 1903

Da schenkte man den G?sten, flei?ig that man das,

In weiten goldnen Schalen Meth, Mora? und Wein

Und hie? die fremden Degen h?chlich willkommen sein.

Da sprach K?nig Etzel: "Das mu? ich wohl gestehn, 1904

Mir k?nnt in diesen Zeiten nichts Lieberes geschehn

Als durch euch, ihr Recken, da? ihr gekommen seid;

Damit ist auch der K?nigin benommen Kummer und Leid.

"Mich nahm immer Wunder, was ich euch wohl gethan, 1905

Da ich der edeln G?ste so Manche doch gewann,

Da? ihr nie zu reiten geruhtet in mein Land;

Nun ich euch hier ersehen hab, ist mirs zu Freuden gewandt."

Da versetzte Rüdiger, ein Ritter hochgemuth: 1906

"Ihr m?gt sie gern empfahen, ihre Treue die ist gut:

Der wi?en meiner Frauen Brüder sch?n zu pflegen.

Sie bringen euch zu Hause manchen waidlichen Degen."

Am Sonnewendenabend waren sie gekommen 1907

An Etzels Hof, des reichen. Noch selten ward vernommen,

Da? ein K?nig seine G?ste freundlicher empfieng;

Darnach er zu Tische wohlgemuth mit ihnen gieng.

Ein Wirth bei seinen G?sten sich holder nie betrug. 1908

Zu trinken und zu e?en bot man da genug:

Was sie nur wünschen mochten, das wurde gern gew?hrt.

Man hatte von den Helden viel gro?e Wunder geh?rt.

Der reiche Etzel hatte an ein Geb?ude weit 1909

Viel Flei? und Müh gewendet und Kosten nicht gescheut:

Man sah Pallas und Thürme, Gem?cher ohne Zahl

In einer weiten Veste und einen herrlichen Saal.

Den hatt er bauen la?en lang, hoch und weit, 1910

Weil ihn so viel der Recken heimsuchten jederzeit.

Auch ander Ingesinde, zw?lf reiche K?nge hehr

Und viel der werthen Degen hatt er zu allen Zeiten mehr,

Als je gewann ein K?nig, von dem ich noch vernahm. 1911

Er lebte so mit Freunden und Mannen wonnesam:

Gedr?ng und frohen Zuruf hatte der K?nig gut

Von manchem schnellen Degen; drum stand wohl hoch ihm der Muth.

* * * * *

Drei?igstes Abenteuer.

Wie Hagen und Volker Schildwacht standen.

Der Tag war nun zu Ende, es nahte sich die Nacht. 1912

Den reisemüden Recken war die Sorg erwacht,

Wann sie ruhen sollten und zu Bette gehn.

Zur Sprache bracht es Hagen: Bescheid ist ihnen geschehn.

Zu dem Wirthe sprach da Gunther: "Gott la? euchs wohlgedeihn: 1913

Wir wollen schlafen gehen, mag es mit Urlaub sein.

Wenn ihr das gebietet, kommen wir morgen fruh."

Der Wirth entlie? die Gaste wohlgemuth zu ihrer Ruh.

Von allen Seiten dr?ngen man die G?ste sah. 1914

Volker der kühne sprach zu den Heunen da:

"Wie dürft ihr uns Recken so vor die Fü?e gehn?

Und wollt ihr das nicht meiden, so wird euch übel geschehn.

"So schlag ich Dem und Jenem so schweren Geigenschlag, 1915

Hat er einen Treuen, da? ders beweinen mag.

Nun weicht vor uns Recken, fürwahr, mich dünkt es gut:

Es hei?en Alle Degen und haben doch nicht gleichen Muth."

Als in solchem Zorne sprach der Fiedelmann, 1916

Hagen der kühne sich umzuschaun begann.

Er sprach: "Euch r?th zum Heile der kühne Fiedeler.

Geht zu den Herbergen, ihr in Kriemhildens Heer.

"Was ihr habt im Sinne, es fügt sich nicht dazu: 1917

Wollt ihr was beginnen, so kommt uns morgen fruh

Und la?t uns Reisemüden heut in Frieden ruhn.

Ich glaube, niemals werden es Helden williger thun."

Da brachte man die G?ste in einen weiten Saal, 1918

Zur Nachtruh eingerichtet den Recken allzumal

Mit k?stlichen Betten, lang zumal und breit.

Gern schuf ihnen Kriemhild das allergr??este Leid,

Schmucker Decken sah man von Arras da genug 1919

Aus lichthellem Zeuge und manchen Ueberzug

Aus Arabischer Seide, so gut sie mochten sein,

Verbr?mt mit goldnen Borten, die gaben herrlichen Schein.

Viel Bettlaken fand man von Hermelin gemacht 1920

Und von schwarzem Zobel, worunter sie die Nacht

Sich Ruhe schaffen sollten bis an den lichten Tag.

Ein K?nig mit dem Volke wohl nimmer herrlicher lag.

"O weh des Nachtlagers!" sprach Geiselher das Kind, 1921

"Und weh meiner Freunde, die mit uns kommen sind.

Wie gut es meine Schwester uns auch hier erbot,

Wir gewinnen, fürcht ich, alle von ihrem Ha?e den Tod."

"Nun la?t euer Sorgen," sprach Hagen der Degen, 1922

"Ich will heunte selber der Schildwache pflegen

Und getrau euch zu behüten bis morgen an den Tag:

Seit des ohne Sorge: so entrinne, wer da mag."

Da neigten sich ihm Alle und sagten ihm Dank. 1923

Sie giengen zu den Betten. Da w?hrt' es nicht lang,

Bis in Ruhe lagen die Helden wohlgethan.

Hagen der kühne sich da zu waffnen begann.

Da sprach der Fiedelspieler, Volker der Degen: 1924

"Verschm?ht ihrs nicht, Hagen, so will ich mit euch pflegen

Heunt der Schildwache bis morgen an den Tag."

Da dankte Volkeren der Degen gütlich und sprach:

"Nun lohn euch Gott vom Himmel, viel lieber Volker! 1925

Zu allen meinen Sorgen wünsch ich mir Niemand mehr

Als nur euch alleine, befahr ich irgend Noth.

Ich will es wohl vergelten, es verwehr es denn der Tod."

Da kleideten die Beiden sich in ihr licht Gewand, 1926

Jedweder fa?te den Schild an seine Hand,

Sie giengen aus dem Hause vor die Thüre stehn

Und hüteten der G?ste; das ist mit Treuen geschehn.

Volker der schnelle lehnte von der Hand 1927

Seinen Schild den guten an des Saales Wand.

Dann wandt er sich zurücke, wo seine Geige war,

Und diente seinen Freunden: es ziemt ihm also fürwahr.

Unter des Hauses Thüre setzt' er sich auf den Stein. 1928

Kühnrer Fiedelspieler mochte nimmer sein.

Als der Saiten T?nen ihm so hold erklang,

Die stolzen Heimatlosen die sagten Volkern den Dank.

Da t?nten seine Saiten, da? all das Haus erscholl; 1929

Seine Kraft und sein Geschicke die waren beide voll.

Sü?er und sanfter zu geigen hub er an:

So spielt' er in den Schlummer gar manchen sorgenden Mann.

Da sie entschlafen waren und Volker das befand, 1930

Da nahm der Degen wieder den Schild an die Hand

Und gieng aus dem Hause vor die Thüre stehn,

Seine Freunde zu behüten vor Denen in Kriemhilds Lehn.

Wohl der Nacht inmitten, wenn es erst da geschah, 1931

Volker der kühne einen Helm ergl?nzen sah

Fernher durch das Dunkel: Die Kriemhild unterthan,

H?tten an den G?sten gerne Schaden gethan.

Bevor diese Recken Kriemhild hatt entsandt, 1932

Sie sprach: "Wenn ihr sie findet, so seid um Gott ermahnt,

Da? ihr Niemand t?dtet als den einen Mann,

Den ungetreuen Hagen; die Andern rühret nicht an."

Da sprach der Fiedelspieler: "Nun seht, Freund Hagen, 1933

Uns ziemt, diese Sorge gemeinsam zu tragen.

Gewaffnet vor dem Hause seh ich Leute stehn:

So viel ich mag erkennen, kommen sie uns zu bestehn."

"So schweigt," sprach da Hagen, "la?t sie erst n?her her. 1934

Eh sie uns inne werden, wird ihrer Helme Wehr

Zerschroten mit den Schwertern von unser Beider Hand:

Sie werden Kriemhilden übel wieder heimgesandt."

Der Heunenrecken Einer das gar bald ersah, 1935

Die Thüre sei behütet: wie schnell sprach er da:

"Was wir im Sinne hatten, kann nun nicht geschehn:

Ich seh den Fiedelspieler vor dem Hause Schildwacht stehn.

"Er tr?gt auf dem Haupte einen Helm von lichtem Glanz, 1936

Der ist hart und lauter, stark dazu und ganz.

Auch loh'n die Panzerringe ihm, wie das Feuer thut.

Daneben steht auch Hagen: die G?ste sind in guter Hut."

Da wandten sie sich wieder. Als Volker das ersah, 1937

Zu seinem Heergesellen in Zorn sprach er da:

"Nun la?t mich von dem Hause zu den Recken gehn:

So frag ich um die M?re Die in Kriemhildens Lehn."

"Nein, wenn ihr mich lieb habt," sprach Hagen entgegen, 1938

"K?mt ihr aus dem Hause, diese schnellen Degen

Br?chten euch mit Schwertern leicht in solche Noth,

Da? ich euch helfen müste, w?rs aller meiner Freunde Tod.

"Wenn wir dann Beide k?men in den Streit, 1939

So m?chten ihrer zweie oder vier in kurzer Zeit

Zu dem Hause springen und schüfen solche Noth

Drinnen an den Schlafenden, da? wir bereuten bis zum Tod."

Da sprach wieder Volker: "So la?t es nur geschehn, 1940

Da? sie inne werden, wir haben sie gesehn:

So k?nnen uns nicht l?ugnen Die Kriemhild unterthan,

Da? sie gerne treulos an den G?sten h?tten gethan."

Da rief der Fiedelspieler den Heunen entgegen: 1941

"Wie geht ihr so bewaffnet, ihr behenden Degen?

Wollt ihr morden reiten, ihr Kriemhild unterthan?

So nehmt mich zur Hülfe und meinen Heergesellen an,"

Niemand gab ihm Antwort; zornig war sein Muth: 1942

"Pfui, feige B?sewichter," sprach der Degen gut,

"Im Schlaf uns zu ermorden, schlicht ihr dazu heran?

Das ward so guten Helden bisher noch selten gethan."

Bald ward auch die M?re der K?nigin bekannt 1943

Vom Abzug ihrer Boten: wie schwer sie das empfand!

Da fügte sie es anders; gar grimmig war ihr Muth.

Da musten bald verderben viel der Helden kühn und gut.

* * * * *

Einunddrei?igstes Abenteuer.

Wie die Herren zur Kirche giengen.

"Mir wird so kühl der Harnisch," sprach da Volker: 1944

"Die Nacht, w?hn ich, wolle nun nicht w?hren mehr.

Ich fühl es an den Lüften, es ist nicht weit vom Tag."

Da weckten sie gar Manchen, der da im Schlafe noch lag.

Da schien der lichte Morgen den G?sten in den Saal. 1945

Hagen begann zu fragen die Recken allzumal,

Ob sie zum Münster wollten in die Messe heut.

Nach christlichen Sitten erscholl der Glocken Gel?ut.

Der Gesang war ungleich; kein Wunder m?cht es sein, 1946

Da? Christen mit Heiden nicht stimmten überein.

Da wollten zu der Kirche Die in Gunthers Lehn:

Man sah sie von den Betten allzumal da erstehn.

Da schnürten sich die Recken in also gut Gewand, 1947

Da? nie Helden wieder in eines K?nigs Land

Be?re Kleider brachten. Hagen war es leid;

Er sprach: "Ihr th?tet be?er, ihr trügt hier anderlei Kleid.

"Nun ist euch doch allen die M?re wohl bekannt: 1948

Drum statt der Rosenkr?nze nehmt Waffen an die Hand;

Statt wohlgesteinter Hüte die lichten Helme gut,

Da wir so wohl erkennen der argen Kriemhilde Muth.

"Wir mü?en heute streiten, das will ich euch sagen. 1949

Statt seidner Hemden sollt ihr Halsbergen tragen

Und statt der reichen M?ntel gute Schilde breit:

zürnt mit euch Jemand, da? ihr wehrhaftig seid.

"Meine lieben Herren, Freund und Mannen mein, 1950

Tretet in die Kirche mit lauterm Herzen ein

Und klagt Gott dem reichen eure Sorg und Noth:

Denn wi?t unbezweifelt, es naht uns allen der Tod.

"Ihr sollt auch nicht verge?en, was je von euch geschah, 1951

Und fleht vor eurem Gotte and?chtig da.

La?t euch alle warnen, gute Recken hehr:

Es wend es Gott im Himmel, so h?rt ihr keine Messe mehr,"

So giengen zu dem Münster die Fürsten und ihr Lehn. 1952

Auf dem heiligen Friedhof, da hie? sie stille stehn

Hagen der kühne, damit man sie nicht schied.

Er sprach: "Noch wei? ja Niemand, was von den Heunen geschieht.

"Setzt, meine Freunde, die Schilde vor den Fu? 1953

Und lohnt es, beut euch Jemand feindlichen Gru?,

Mit tiefen Todeswunden: das ist, was euch Hagen r?th.

So werdet ihr befunden, wie's euch am l?blichsten steht."

Volker und Hagen die beiden stellten da 1954

Sich vor das weite Münster: was darum geschah,

Sie wolltens dazu bringen, da? sich die K?nigin

Mit ihnen dr?ngen mü?e; wohl war gar grimmig ihr Sinn.

Da kam der Wirth des Landes und auch sein sch?nes Weib; 1955

Mit reichem Gew?nde war ihr geziert der Leib

Und manchem schnellen Degen, der im Geleit ihr war.

Da flog der Staub zur H?he vor der K?nigin Schar,

Als der reiche K?nig so gewaffnet sah 1956

Die Fürsten und ihr Ingesind, wie bald sprach er da:

"Was seh ich meine Freunde unter Helmen gehn?

Leid war mir meiner Treue, w?r ihnen Leid hier geschehn.

"Das wollt ich ihnen bü?en, wie sie es d?uchte gut. 1957

Wenn ihnen wer beschwerte das Herz und den Muth,

So la? ich sie wohl schauen, es sei mir wahrlich leid:

Was sie gebieten m?gen, dazu bin ich gern bereit."

Zur Antwort gab ihm Hagen: "Uns ist kein Leid geschehn. 1958

Es ist der Herren Sitte, da? sie gewaffnet gehn

Bei allen Gastgeboten zu dreien vollen Tagen.

Was uns hier gesch?he, wir würden es Etzeln klagen."

Wohl vernahm die K?nigin Hagens Rede da. 1959

Wie feindlich sie dem Degen unter die Augen sah!

Sie wollte doch nicht melden den Brauch in ihrem Land,

Wie lang bei den Burgunden sie den auch hatte gekannt.

Wie grimm und stark die K?nigin ihnen abhold w?re, 1960

H?tte Jemand Etzeln gesagt die rechte M?re,

Er h?tt es wohl gewendet, was nun doch geschah:

In ihrem hohen Uebermuth verschwiegen sie es Alle da.

Da schritt mit vielem Volke Kriemhild zur Kirchenthür: 1961

Doch wollten diese Beiden weichen nicht vor ihr

Zweier H?nde Breite: das war den Heunen leid.

Da muste sie sich dr?ngen mit den Helden allbereit.

Etzels K?mmerlinge die dauchte das nicht gut: 1962

Wohl h?tten sie den Recken gern erzürnt den Muth,

Wenn sie es wagen dürften vor dem K?nig hehr.

Da gab es gro? Gedr?nge und doch nichts anderes mehr.

Als nach dem Gottesdienste man auf den Heimweg sann, 1963

Da kam hoch zu Rosse mancher Heunenmann.

Auch war bei Kriemhilden manche sch?ne Maid;

Wohl Siebentausend z?hlte der K?nigin Heergeleit.

Kriemhild mit ihren Frauen in den Fenstern sa? 1964

Bei Etzeln dem reichen; gerne sah er das.

Sie wollten reiten sehen die Helden auserkannt:

Hei! was man fremder Recken vor ihnen auf dem Hofe fand!

Nun war auch mit den Rossen der Marschall gekommen. 1965

Der kühne Dankwart hatte mit sich genommen

Der Herren Ingesinde von Burgundenland:

Die Rosse wohlgesattelt man den kühnen Niblungen fand.

Als zu Rossen kamen die Fürsten und ihr Herr, 1966

Da begann zu rathen der kühne Volker,

Sie sollten buhurdieren nach ihres Landes Sitten.

Da wurde von den Helden bald gar herrlich geritten.

Was der Held gerathen, Niemanden wohl verdro?; 1967

Der Buhurd und der Waffenklang wurden beide gro?.

In dem weiten Hofe kam da mancher Mann;

Etzel mit Kriemhild es selbst zu schauen begann.

Auf den Buhurd kamen sechshundert Degen. 1968

Dietrichens Recken, den G?sten entgegen.

Mit den Burgunden wollten sie sich im Spiel ergehn;

Wollt es ihr Herr verg?nnen, so w?r es gerne geschehn.

Hei! Was gute Recken ritten da heran! 1969

Dietrich dem Helden ward es kund gethan.

Mit Gunthers Ingesinde das Spiel er verbot;

Er schonte seiner Leute: das that ihm sicherlich Noth.

Als Dietrichs Gefolge so vermied den Streit, 1970

Da kamen von Bechlaren Rüdigers Geleit,

Fünfhundert unter Schilden, vor den Saal geritten.

Leid wars dem Markgrafen: er h?tt es gern nicht gelitten.

Er kam zu ihnen eilends gedrungen durch die Schar 1971

Und sagte seinen Mannen: sie würden selbst gewahr,

Da? im Unmuth w?ren Die Gunthern unterthan:

Wenn sie das Kampfspiel lie?en, so w?r ihm Liebes gethan.

Als von ihnen schieden die Helden allbereit, 1972

Da kamen die von Thüringen, h?rten wir Bescheid,

Und vom D?nenlande der Kühnen tausend Mann.

Von Stichen sah man fliegen viel der Splitter hoch hinan.

Irnfried und Hawart ritten zum Buhurd hin; 1973

Ihrer harrten Die vom Rheine mit hochf?hrtgem Sinn

Zum Lanzenspiel mit Denen vom Thüringerland:

Durchbohrt von Stichen wurde mancher sch?ne Schildesrand.

Da kam der Degen Bl?del, dreitausend in der Schar. 1974

Etzel und Kriemhild nahmen sein wohl war,

Da vor ihnen Beiden das Ritterspiel geschah.

Die K?nigin es gerne aus Ha? der Burgunden sah.

Sie gedacht in ihrem Sinne, schier w?rs auch so geschehn: 1975

"Und th?ten sie wem Leides, so dürft ich mich versehn,

Da? es zum Ernste k?me: an den Feinden mein

Würd ich dann gerochen; des wollt ich ohne Sorge sein."

Schrutan und Gibeke ritten zum Buhurd auch, 1976

Hornbog und Ramung, nach heunischem Gebrauch.

Sie hielten vor den Helden aus Burgundenland:

Die Sch?fte flogen wirbelnd über des K?nigssaales Wand.

Wie sie da Alle ritten, das war doch eitel Schall. 1977

Von St??en auf die Schilde das Haus und den Saal

H?rte man ertosen durch manchen Gunthers-Mann.

Das Lob sich sein Gesinde mit gro?en Ehren gewann.

Da ward ihre Kurzweil so stark und so gro?, 1978

Da? den Satteldecken der blanke Schwei? entflo?

Von den guten Rossen, so die Helden ritten.

Sie versuchten an den Heunen sich mit hochf?hrtgen Sitten.

Da sprach der kühne Volker, der edle Spielmann: 1979

"Zu feig sind diese Degen, sie greifen uns nicht an.

Ich h?rte immer sagen, da? sie uns abhold sein:

Nun k?nnte die Gelegenheit ihnen doch nicht günstger sein."

"Zu den St?llen wieder," sprach der K?nig hehr, 1980

"Ziehe man die Rosse; wir reiten wohl noch mehr

In den Abendstunden, wenn die Zeit erschien.

Ob dann den Burgunden den Preis wohl giebt die K?nigin?"

Da sahn sie Einen reiten so stattlich daher, 1981

Es thats von allen Heunen kein Anderer mehr.

Er hatt in den Fenstern wohl ein Liebchen traut:

Er ritt so wohl gekleidet als eines werthen Ritters Braut.

Da sprach wieder Volker: "Wie blieb' es ungethan? 1982

Jener Weiberliebling mu? einen Sto? empfahn.

Das mag hier Niemand wenden, es geht ihm an den Leib:

Nicht frag ich, ob drum zürne dem K?nig Etzel sein Weib."

"Nicht doch," sprach der K?nig, "wenn ichs erbitten kann: 1983

Es schelten uns die Leute, greifen wir sie an:

Die Heunen la?t beginnen; es kommt wohl bald dahin."

Noch sa? K?nig Etzel am Fester bei der K?nigin.

"Ich will das Kampfspiel mehren," sprach Hagen jedoch: 1984

"La?t diese Frauen und die Degen noch

Sehn, wie wir reiten k?nnen: das ist wohlgethan;

Man l??t des Lobs doch wenig die Recken Gunthers empfahn."

Volker der schnelle ritt wieder in den Streit. 1985

Das schuf da viel der Frauen gro?es Herzeleid.

Er stach dem reichen Heunen den Sper durch den Leib:

Das sah man noch beweinen manche Maid und manches Weib.

Alsbald rückt' auch Hagen mit seinen Helden an: 1986

Mit sechzig seiner Degen zu reiten er begann

Dahin, wo von dem Fiedler das Spiel war geschehn.

Etzel und Kriemhild konnten Alles deutlich sehn.

Da wollten auch die K?nige den kühnen Fiedler gut 1987

Unter den Feinden nicht la?en ohne Hut.

Da ward von tausend Helden mit gro?er Kunst geritten.

Sie thaten, was sie lüstete, mit gar hochf?hrtgen Sitten.

Als der reiche Heune zu Tode war geschlagen, 1988

Man h?rte seiner Freunde Wehruf und Klagen.

All das Gesinde fragte: "Wer hat das gethan?"

"Das hat gethan der Fiedler, Volker der kühne Spielmann."

Nach Schwertern und Schilden riefen gleich zur Hand 1989

Des Markgrafen Freunde von der Heunen Land:

Zu Tode schlagen wollten sie den Fiedelmann.

Der Wirth von seinem Fenster daher zu eilen begann.

Da hob sich von den Heunen allenthalben Schall. 1990

Abstiegen mit dem Volke die K?nge vor dem Saal;

Zurück die Rosse stie?en Die Gunthern unterthan.

Da kam der K?nig Etzel den Streit zu schlichten heran.

Einem Vetter dieses Heunen, den er da bei ihm fand, 1991

Eine scharfe Waffe brach er ihm aus der Hand

Und schlug sie all zurücke: er war in gro?em Zorn.

"Wie h?tt ich meine Dienste an diesen Helden verlorn!

"Wenn ihr diesen Spielmann h?ttet drum erschlagen, 1992

Ich lie?' euch alle h?ngen! das will ich euch sagen.

Als er erstach den Heunen, sein Reiten wohl ich sah,

Da? es wider seinen Willen nur durch Straucheln geschah.

"Ihr sollt meine G?ste mit Frieden la?en ziehn." 1993

So ward er ihr Geleite. Die Rosse zog man hin

Zu den Herbergen. Sie hatten manchen Knecht,

Der ihnen war zu Diensten mit allem Flei?e gerecht.

Der Wirth mit seinen Freunden gieng zum Saal zurück: 1994

Da regte sich kein Zürnen mehr vor seinem Blick.

Man richtete die Tische, das Wasser man auch trug.

Da hatten Die vom Rheine der starken Feinde genug.

Unlieb war es Etzeln, doch folgte manche Schar 1995

Den Fürsten, die mit Waffen wohl versehen war,

Im Unmuth auf die G?ste, als man zu Tische gieng,

Den Freund bedacht zu r?chen, wenn es günstge Zeit verhieng.

"Da? ihr in Waffen lieber zu Tische geht als blo?," 1996

Sprach der Wirth des Landes, "die Unart ist zu gro?;

Wer aber an den G?sten den kleinsten Frevel wagt,

Der bü?t es mit dem Haupte: das sei euch Heunen gesagt."

Bevor da niedersa?en die Herren, das w?hrte lang, 1997

Weil zu sehr mit Sorgen jetzt Frau Kriemhild rang.

Sie sprach: "Fürst von Berne, heute mu? ich flehn

Zu dir um Rath und Hülfe: meine Sachen ?ngstlich stehn."

Zur Antwort gab ihr Hildebrand, eine Recke tugendlich: 1998

"Wer schl?gt die Nibelungen, der thut es ohne mich,

Wie viel man Sch?tze b?te; es wird ihm wahrlich leid.

Sie sind noch unbezwungen, die schnellen Ritter allbereit."

"Es geht mir nur um Hagen, der hat mir Leid gethan, 1999

Der Siegfrieden mordete, meinen lieben Mann.

Wer den von ihnen schiede, dem w?r mein Gold bereit:

Entg?lt es anders Jemand, das w?r mir inniglich leid."

Da sprach Meister Hildebrand: "Wie m?chte das geschehn, 2000

Den ihnen zu erschlagen? Ihr solltet selber sehn:

Bestünde man den Degen, leicht g?b es eine Noth,

Da? Arme so wie Reiche dabei erl?gen im Tod."

Da sprach dazu Herr Dietrich mit zuchtreichem Sinn: 2001

"Die Rede la?t bleiben, reiche K?nigin;

Mir ist von euern Freunden kein solches Leid geschehn,

Da? ich sollt im Streite die kühnen Degen bestehn.

"Die Bitte ehrt euch wenig, edel K?nigsweib, 2002

Da? ihr den Freunden rathet an Leben und an Leib.

Sie kamen euch auf Gnade hieher in dieses Land;

Siegfried bleibt ungerochen wohl von Dietrichens Hand."

Als sie keine Untreu bei dem Berner fand, 2003

Alsobald gelobte sie Bl?deln in die Hand

Eine weite Landschaft, die Nudung einst besa?;

Hernach erschlug ihn Dankwart, da? er der Gabe gar verga?.

Sie sprach: "Du sollst mir helfen, Bruder Bl?delein. 2004

Hier in diesem Hause sind die Feinde mein,

Die Siegfrieden schlugen, meinen lieben Mann:

Wer mir das r?chen hülfe, dem war ich immer unterthan."

Zur Antwort gab ihr Bl?del, der ihr zur Seite sa?: 2005

"Ich darf euern Freunden nicht zeigen solchen Ha?,

Weil sie mein Bruder Etzel so gerne leiden mag:

Wenn ich sie bestünde, der K?nig s?h es mir nicht nach."

"Nicht also, Herr Bl?del, ich bin dir immer hold: 2006

Ich gebe dir zum Lohne mein Silber und mein Gold

Und eine sch?ne Witwe, Nudungens Weib:

So magst du immer kosen ihren minniglichen Leib.

"Das Land zu den Burgen, Alles geb ich dir, 2007

So lebst du, theurer Ritter, in Freuden st?ts mit ihr,

Wenn du die Mark gewinnest, die Nudung einst besa?.

Was ich dir hier gelobe, mit Treuen leist ich dir das."

Als Bl?del bieten h?rte des Lohnes also viel 2008

Und ihrer Sch?ne willen die Frau ihm wohlgefiel,

Im Kampf verdienen wollt er das minnigliche Weib.

Da muste dieser Recke verlieren Leben und Leib.

Er sprach zu der K?nigin: "Geht wieder in den Saal. 2009

Eh man es inne werde, erheb ich gro?en Schall.

Hagen mu? es bü?en, was er euch hat gethan:

Ich bring euch gebunden K?nig Gunthers Unterthan."

"Nun waffnet euch," sprach Bl?del, "ihr all in meinem Lehn, 2010

Wir wollen zu den Feinden in die Herberge gehn.

Mir will es nicht erla?en K?nig Etzels Weib:

Wir Helden mü?en alle verwagen Leben und Leib."

Als den Degen Bl?del entlie? die K?nigin, 2011

Da? er den Streit beg?nne, zu Tische gieng sie hin

Mit Etzeln dem K?nige und manchem Unterthan.

Sie hatte schlimme R?the wider die G?ste gethan.

Wie sie zu Tische giengen, das will ich euch sagen: 2012

Man sah reiche K?nige die Krone vor ihr tragen;

Manchen hohen Fürsten und viel der werthen Degen

Sah man gro?er Demuth vor der K?nigin pflegen.

Der K?nig wies den G?sten die Sitze überall, 2013

Den H?chsten und den Besten neben sich im Saal.

Den Christen und den Heiden die Kost er unterschied;

Man gab die Fülle beiden, wie es der weise K?nig rieth.

In der Herberge a? ihr Ingesind: 2014

Von Truchs??en ward es da allein bedient;

Die hatten es zu speisen gro?en Flei? gepflogen.

Die Bewirtung und die Freude ward bald mit Jammer aufgewogen.

Da nicht anders konnte erhoben sein der Streit, 2015

Kriemhilden lag im Herzen begraben altes Leid,

Da lie? sie zu den Tischen tragen Etzels Sohn:

Wie k?nnt ein Weib aus Rache wohl entsetzlicher thun?

Da kamen vier gegangen aus Etzels Ingesind 2016

Und brachten Ortlieben, das junge K?nigskind,

Den Fürsten an die Tafel, wo auch Hagen sa?.

Das Kind must ersterben durch seinen mordlichen Ha?.

Als der reiche K?nig seinen Sohn ersah, 2017

Zu seiner Frauen Brüdern gütlich sprach er da:

"Nun schaut, meine Freunde, das ist mein einzig Kind

Und das eurer Schwester, von dem ihr Frommen einst gewinnt.

"Ger?th er nach dem Stamme, er wird ein starker Mann, 2018

Reich dazu und edel, kühn und wohlgethan.

Erleb ich es, ich geb ihm zw?lf reicher K?nge Land:

So thut euch wohl noch Dienste des jungen Ortliebens Hand.

"Darum b?t ich gerne euch, lieben Freunde mein, 2019

Wenn ihr heimw?rts reitet wieder an den Rhein,

Da? ihr dann mit euch nehmet eurer Schwester Kind;

Und seid auch dem Knaben immer gn?dig gesinnt.

"Erzieht ihn nach Ehren, bis er ger?th zum Mann: 2020

Hat euch in den Landen Jemand ein Leid gethan,

So hilft er euch es r?chen, erwuchs ihm erst der Leib."

Die Rede h?rte Kriemhild mit an, K?nig Etzels Weib.

"Ihm sollten wohl vertrauen alle diese Degen, 2021

Wenn er zum Mann erwüchse," sprach Hagen entgegen;

"Doch ist der junge K?nig so schw?chlich anzusehn:

Man soll mich selten schauen nach Hof zu Ortlieben gehn."

Der K?nig blickt' auf Hagen; die Rede war ihm leid. 2022

Wenn er auch nichts erwiederte, der K?nig allbereit,

Es betrübt' ihn in der Seele und beschwert' ihm den Muth.

Da waren Hagens Sinne zu keiner Kurzweile gut.

Es schmerzte wie den K?nig sein fürstlich Ingesind, 2023

Was Hagen da gesprochen hatte von dem Kind.

Da? sie's vertragen sollten, gieng ihnen allen nah;

Noch konnten sie nicht wi?en, was von dem Recken bald geschah.

Gar Manche, die es h?rten und ihm trugen Groll, 2024

H?tten ihn gern bestanden; der K?nig selber wohl,

Wenn er mit Ehren dürfte: so k?m der Held in Noth.

Bald that ihm Hagen Aergeres, er schlug ihn ihm vor Augen todt.

* * * * *

Zweiunddrei?igstes Abenteuer.

Wie Bl?del mit Dankwart in der Herberge Stritt.

Bl?dels Recken standen gerüstet allzumal. 2025

In tausend Halsbergen erreichten sie den Saal,

Wo Dankwart mit den Knechten an den Tischen sa?.

Da hob sich unter Helden der allergrimmigste Ha?.

Als der Degen Bl?del vor die Tische gieng, 2026

Dankwart der Marschall ihn freundlich empfieng:

"Willkommen hier im Hause, mein Herr Bl?delein:

Mich wundert euer Kommen: sagt, was soll die M?re sein?"

"Du brauchst mich nicht zu grü?en," sprach da Bl?delein, 2027

"Denn dieses mein Kommen mu? dein Ende sein

Um Hagen deinen Bruder, der Siegfrieden schlug.

Des entgiltst du bei den Heunen und andre Helden genug."

"Nicht doch, mein Herr Bl?del," sprach da Dankwart, 2028

"So m?chte sehr uns reuen zu Hofe diese Fahrt.

Ich war ein Kind, als Siegfried Leben lie? und Leib:

Nicht wei? ich, was mir wolle dem K?nig Etzel sein Weib."

"Ich wei? dir von der M?re nicht mehr zu sagen; 2029

Es thatens deine Freunde, Gunther und Hagen.

Nun wehrt euch, ihr Armen, ihr k?nnt nicht l?nger leben,

Ihr mü?t mit dem Tode hier ein Pfand Kriemhilden geben."

"Wollt ihrs nicht la?en?" sprach da Dankwart, 2030

"So gereut mich meines Flehens: h?tt ich das gespart!"

Der schnelle kühne Degen von dem Tische sprang,

Eine scharfe Waffe zog er, die war gewaltig und lang.

Damit schlug er Bl?deln einen schwinden Schwertesschlag, 2031

Da? ihm das Haupt im Helme vor den Fü?en lag.

"Das sei die Morgengabe," sprach der schnelle Degen,

"Zu Nudungens Witwe, die du mit Minne solltest pflegen.

"Verm?hle man sie morgen einem andern Mann: 2032

Will er den Brautschatz, wird ihm wie dir gethan."

Ein getreuer Heune hatt ihm das hinterbracht,

Wie die K?nigstochter auf ihr Verderben gedacht.

Da sahen Bl?dels Mannen, ihr Herr sei erschlagen; 2033

Das wollten sie den G?sten l?nger nicht vertragen.

Mit aufgehobnen Schwertern auf die Knappen ein

Drangen sie mit Ingrimm: das muste Manchen gereun.

Laut rief da Dankwart all die Knappen an: 2034

"Ihr seht wohl, edle Knechte, es ist um uns gethan,

Nun wehrt euch, ihr Armen, wie euch zwingt die Noth,

Da? ihr ohen Schanden erliegt in wehrlichem Tod."

Die nicht Schwerter hatten, die griffen vor die Bank, 2035

Vom Boden aufzuheben manchen Schemel lang.

Die Burgundenknechte wollten nichts vertragen:

Mit schweren Stühlen sah man starker Beulen viel geschlagen.

Wie grimm die armen Knappen sich wehrten in dem Strau?! 2036

Sie trieben zu dem Hause die Gewaffneten hinaus:

Fünfhundert oder drüber erlagen drin dem Tod.

Da war das Ingesinde vom Blute na? und auch roth.

Diese schwere Botschaft drang in kurzer Zeit 2037

Zu K?nig Etzels Recken: ihnen wars grimmig leid,

Da? mit seinen Mannen Bl?del den Tod gewann;

Das hatte Hagens Bruder mit den Knechten gethan.

Eh es vernahm der K?nig, stand schon ein Heunenheer 2038

In hohem Zorn gerüstet, zweitausend oder mehr.

Sie giengen zu den Knechten, es muste nun so sein,

Und lie?en des Gesindes darin nicht Einen gedeihn.

Die Ungetreuen brachten vors Haus ein m?chtig Heer. 2039

Die landlosen Knechte standen wohl zu Wehr.

Was half da Kraft und Kühnheit? sie fanden doch den Tod.

Darnach in kurzer Weile hob sich noch grimmere Noth.

Nun m?gt ihr Wunder h?ren und Ungeheures sagen: 2040

Neuntausend Knechte lagen todt geschlagen,

Darüber zw?lf Ritter in Dankwartens Lehn.

Man sah ihn weltalleine noch bei seinen Feinden stehn.

Der L?rm war beschwichtigt, das Tosen eingestellt. 2041

Ueber die Achsel blickte Dankwart der Held:

Er sprach: "O weh der Freunde, die ich fallen sah!

Nun steh ich leider einsam unter meinen Feinden da."

Die Schwerter fielen heftig auf des Einen Leib: 2042

Das muste bald beweinen manches Helden Weib.

Den Schild rückt' er h?her, der Riemen ward gesenkt:

Mit rothem Blute sah man noch manchen Harnisch getr?nkt.

"O weh mir dieses Leides!" sprach Aldrianens Kind. 2043

"Nun weicht, Heunenrecken, und la?t mich an den Wind,

Da? die Lüfte kühlen mich sturmmüden Mann."

Da drang er auf die Thüre unter Schl?gen herrlich an.

Als der Streitmüde aus dem Hause sprang, 2044

Wie manches Schwert von Neuem auf seinem Helm erklang!

Die nicht gesehen hatten die Wunder seiner Hand,

Die sprangen da entgegen dem aus Burgundenland.

"Nun wollte Gott," sprach Dankwart, "da? mir ein Bote k?m, 2045

Durch den mein Bruder Hagen Kunde vern?hm,

Da? ich vor diesen Recken steh in solcher Noth.

Der hülfe mir von hinnen oder f?nde selbst den Tod."

Da sprachen Heunenrecken: "Der Bote must Du sein, 2046

Wenn wir todt dich tragen vor den Bruder dein.

Dann sieht erst sein Herzeleid Gunthers Unterthan.

Du hast dem K?nig Etzel hier gro?en Schaden gethan."

Er sprach: "Nun la?t das Dr?uen und weicht zurück von mir, 2047

Sonst netz ich noch Manchem mit Blut den Harnisch hier.

Ich will die M?re selber hin zu Hofe tragen

Und will meinen Herren meinen gro?en Kummer klagen."

Er verleidete so sehr sich dem Volk in Etzels Lehn, 2048

Da? sie ihn mit Schwertern nicht wagten zu bestehn:

Da scho?en sie der Spere so viel ihm in den Rand,

Er must ihn seiner Schwere wegen la?en aus der Hand.

Sie w?hnten ihn zu zwingen, weil er den Schild nicht trug; 2049

Hei, was er tiefer Wunden durch die Helme schlug!

Da muste vor ihm Straucheln mancher kühne Mann,

Da? sich viel Lob und Ehre der kühne Dankwart gewann.

Von beiden Seiten sprangen die Gegner auf ihn zu. 2050

Wohl kam ihrer Mancher in den Kampf zu fruh.

Da gieng er vor den Feinden, wie ein Eberschwein

Im Walde thut vor Hunden: wie m?cht er wohl kühner sein?

Sein Weg war st?ts aufs Neue genetzt mit hei?em Blut. 2051

Wie konnte je ein Recke allein wohl so gut

Mit so viel Feinden streiten, als hier von ihm geschehn?

Man sah Hagens Bruder herrlich hin zu Hofe gehn.

Truchs??en und Schenken vernahmen Schwerterklang: 2052

Gar mancher die Getr?nke aus den H?nden schwang

Oder auch die Speisen, die man zu Hofe trug.

Da fand er vor der Stiege noch starker Feinde genug.

"Wie nun, ihr Truchs??en?" sprach der müde Degen, 2053

"Nun solltet ihr die G?ste gütlich verpflegen

Und solltet den Herren die edle Speise tragen

Und lie?et mich die M?re meinen lieben Herren sagen."

Wer da den Muth gewonnen und vor die Stieg ihm sprang, 2054

Deren schlug er etlichen so schweren Schwertesschwang,

Da? ihm aus Schreck die Andern lie?en freie Bahn.

Da hatten seine Kr?fte viel gro?e Wunder gethan.

* * * * *

Dreiunddrei?igstes Abenteuer.

Wie Dankwart die M?re seinen Herren brachte.

Als der kühne Dankwart unter die Thüre trat 2055

Und Etzels Ingesinde zurückzuweichen bat,

Mit Blut war beronnen all sein Gewand;

Eine scharfe Waffe trug er blo? an seiner Hand.

Gerade in der Stunde, als Dankwart trat zur Thür, 2056

Trug man Ortlieben im Saale für und für

Von einem Tisch zum andern den Fürsten wohlgeboren:

Durch seine schlimme Botschaft gieng das Kindlein verloren.

Hellauf rief da Dankwart einem Degen zu: 2057

"Ihr sitzt, Bruder Hagen, hier zu lang in Ruh.

Euch und Gott vom Himmel klag ich unsre Noth:

Ritter und Knechte sind in der Herberge todt."

Der rief ihn hin entgegen: "Wer hat das gethan?" 2058

"Das that der Degen Bl?del und Die ihm unterthan.

Auch hat ers schwer entgolten, das will ich euch sagen:

Mit diesen H?nden hab ich ihm sein Haupt abgeschlagen."

"Das ist ein kleiner Schade," sprach Hagen unverzagt, 2059

"Wenn man solche M?re von einem Degen sagt,

Da? er von Heldenh?nden zu Tode sei geschlagen:

Den sollen desto minder die sch?nen Frauen beklagen.

"Nun sagt mir, lieber Bruder, wie seid ihr so roth? 2060

Ich glaube gar, ihr leidet von Wunden gro?e Noth.

Ist der wo hier im Lande, von dem das ist geschehn?

Der üble Teufel helf ihm denn: sonst mu? es ihm ans Leben gehn."

"Ihr seht mich unverwundet: mein Kleid ist na? von Blut. 2061

Das flo? nur aus Wunden andrer Degen gut,

Deren ich so Manchen heute hab erschlagen,

Wenn ichs beschw?ren sollte, ich wüste nicht die Zahl zu sagen."

Da sprach er: "Bruder Dankwart, so hütet uns die Thür 2062

Und la?t von den Heunen nicht Einen Mann herfür.

So red ich mit den Recken, wie uns zwingt die Noth:

Unser Ingesinde liegt ohne Schuld von ihnen todt."

"Soll ich K?mmrer werden?" sprach der kühne Mann, 2063

"Bei so reichen K?nigen steht mir das Amt wohl an:

Der Stiege will ich hüten nach allen Ehren mein."

Kriemhildens Recken konnte das nicht leider sein.

"Nun nimmt mich doch Wunder," sprach wieder Hagen, 2064

"Was sich die Heunen hier in die Ohren sagen:

Sie m?chten sein entbehren, der dort die Thür bewacht

Und der die Hofm?ren den Burgunden hat gebracht.

"Ich h?rte schon lange von Kriemhilden sagen, 2065

Da? sie nicht ungerochen ihr Herzleid wolle tragen.

Nun trinken wir die Minne und zahlen Etzels Wein:

Der junge Vogt der Heunen mu? hier der allererste sein."

Ortlieb das Kind erschlug da Hagen der Degen gut, 2066

Da? vom Schwerte nieder zur Hand ihm flo? das Blut

Und das Haupt herabsprang der K?ngin in den Scho?.

Da hob sich unter Degen ein Morden grimmig und gro?.

Darauf dem Hofmeister der des Kindes pflag, 2067

Mit beiden H?nden schlug er einen schnellen Schlag,

Da? vor des Tisches Fü?e das Haupt ihm niederflog:

Es war ein j?mmerlicher Lohn, den er dem Hofmeister wog.

Er sah vor Etzels Tische einen Spielmann: 2068

Hagen in seinem Zorne lief zu ihm heran.

Er schlug ihm auf der Geigen herab die rechte Hand.

"Das habe für die Botschaft in der Burgunden Land."

"Ach meine Hand," sprach Werbel, Etzels Spielmann: 2069

"Herr Hagen von Tronje, was hatt ich euch gethan?

Ich kam in gro?er Treue in eurer Herren Land:

Wie kl?ng ich nun die T?ne, da ich verlor meine Hand?"

Hagen fragte wenig, und geigt' er nimmermehr. 2070

Da kühlt' er in dem Hause die grimme Mordlust sehr

An K?nig Etzels Recken, deren er viel erschlug:

Er bracht in dem Saale zu Tod der Recken genug.

Volker sein Geselle von dem Tische sprang, 2071

Da? laut der Fiedelbogen ihm an der Hand erklang.

Ungefüge siedelte Gunthers Fiedelmann:

Hei! was er sich zu Feinden der kühnen Heunen gewann!

Auch sprangen von den Tischen die drei K?nge hehr. 2072

Sie wolltens gerne schlichten, eh Schadens würde mehr.

Doch strebten ihre Kr?fte umsonst dawider an,

Da Volker mit Hagen so sehr zu wüten begann.

Nun sah der Vogt vom Rheine, er scheide nicht den Streit: 2073

Da schlug der K?nig selber manche Wunde weit

Durch die lichten Panzer den argen Feinden sein.

Der Held war behende, das zeigte hier der Augenschein.

Da kam auch zu dem Streite der starke Gernot: 2074

Wohl schlug er den Heunen manchen Helden todt

Mit dem scharfen Schwerte, das Rüdeger ihm gab:

Damit bracht er Manche von Etzels Recken ins Grab.

Der jüngste Sohn Frau Utens auch zu dem Streite sprang: 2075

Sein Gewaffen herrlich durch die Helme drang

K?nig Etzels Recken aus der Heunen Land;

Da that viel gro?e Wunder des kühnen Geiselher Hand.

Wie tapfer alle waren, die K?nge wie ihr Lehn, 2076

Jedennoch sah man Volkern voran all Andern stehn

Bei den starken Feinden; er war ein Degen gut:

Er f?rderte mit Wunden Manchen nieder in das Blut.

Auch wehrten sich gewaltig Die in Etzels Lehn. 2077

Die G?ste sah man hauend auf und nieder gehn

Mit den lichten Schwertern durch des K?nigs Saal.

Allenthalben h?rte man von Wehruf gr??lichen Schall.

Da wollten die da drau?en zu ihren Freunden drin: 2078

Sie fanden an der Thüre gar wenig Gewinn;

Da wollten die da drinnen gerne vor den Saal:

Dankwart lie? keinen die Stieg empor noch zu Thal.

So hob sich vor den Thüren ein ungestümer Drang 2079

Und von den Schwerthieben auf Helme lauter Klang.

Da kam der kühne Dankwart in eine gro?e Noth:

Das berieth sein Bruder, wie ihm die Treue gebot.

Da rief mit lauter Stimme Hagen Volkern an: 2080

"Seht ihr dort, Geselle, vor manchem Heunenmann

Meinen Bruder stehen unter starken Schl?gen?

Schützt mir, Freund, den Bruder, eh wir verlieren den Degen."

Der Spielmann entgegnete: "Das soll alsbald geschehn." 2081

Dann begann er fiedelnd durch den Saal zu gehn:

Ein hartes Schwert ihm ?fters an der Hand erklang.

Vom Rhein die Recken sagten dafür ihm gr??lichen Dank.

Volker der kühne zu Dankwarten sprach: 2082

"Ihr habt erlitten heute gro?es Ungemach.

Mich bat euer Bruder, ich sollt euch helfen gehn;

Wollt ihr nun drau?en bleiben, so will ich innerhalben stehn."

Dankwart der schnelle stand au?erhalb der Thür: 2083

So wehrt' er von der Stiege, wer immer trat dafür.

Man h?rte Waffen hallen den Helden an der Hand;

So that auch innerhalben Volker von Burgundenland.

Da rief der kühne Fiedelmann über die Menge laut: 2084

"Das Haus ist wohl verschlossen, ihr, Freund Hagen, schaut

Verschr?nkt ist so v?llig K?nig Etzels Thür,

Von zweier Helden H?nden gehn ihr wohl tausend Riegel für."

Als von Tronje Hagen die Thüre sah in Hut, 2085

Den Schild warf zurücke der schnelle Degen gut:

Nun begann er erst zu r?chen seiner Freunde Leid.

Seines Zornes must entgelten mancher Ritter kühn im Streit.

Als der Vogt von Berne das Wunder recht ersah, 2086

Wie der starke Hagen die Helme brach allda,

Der Fürst der Amelungen sprang auf eine Bank.

Er sprach: "Hier schenkt Hagen den allebittersten Trank."

Der Wirth war sehr in Sorgen, sein Weib in gleicher Noth. 2087

Was schlug man lieber Freunde ihm vor den Augen todt!

Er selbst war kaum geborgen vor seiner Feinde Schar.

Er sa? in gro?en Aengsten: was half ihm, da? er K?nig war?

Kriemhild die reiche rief Dietrichen an: 2088

"Hilf mir mit dem Leben, edler Held, hindann,

Bei aller Fürsten Tugend aus Amelungenland:

Denn erreicht mich Hagen, hab ich den Tod an der Hand."

"Wie soll ich euch helfen," sprach da Dietrich, 2089

"Edle K?nigstochter? ich sorge selbst um mich.

Es sind so sehr im Zorne Die Gunthern unterthan,

Da? ich zu dieser Stunde Niemand Frieden schaffen kann."

"Nicht also, Herr Dietrich, edler Degen gut: 2090

La? uns heut erscheinen deinen tugendreichen Muth

Und hilf mir von hinnen, oder ich bleibe todt.

Bring mich und den K?nig aus dieser angstvollen Noth."

"Ich will es versuchen, ob euch zu helfen ist, 2091

Jedoch sah ich wahrlich nicht in langer Frist

In so bitterm Zorne manchen Ritter gut:

Ich seh ja durch die Helme von Hieben springen das Blut."

Mit Kraft begann zu rufen der Ritter auserkorn, 2092

Da? seine Stimme hallte wie ein Büffelhorn

Und da? die weite Veste von seiner Kraft erscholl.

Dietrichens St?rke die war gewaltig und voll.

Da h?rte K?nig Gunther rufen diesen Mann 2093

In dem harten Sturme. Zu horchen hub er an:

"Dietrichens Stimme ist in mein Ohr gekommen,

Ihm haben unsre Degen wohl der Seinen wen benommen.

"Ich seh ihn auf dem Tische winken mit der Hand. 2094

Ihr Vettern und Freunde von Burgundenland,

Haltet ein mit Streiten: la?t h?ren erst und sehn,

Was hier Dietrichen von meinen Mannen sei geschehn."

Als so der K?nig Gunther bat und auch gebot, 2095

Da senkten sie die Schwerter in des Streites Noth.

Das war Gewalt bewiesen, da? Niemand da mehr schlug.

Er fragte den von Berne um die M?re schnell genug.

Er sprach: "Viel edler Dietrich, was ist euch geschehn 2096

Hier von meinen Freunden? Ihr sollt mich willig sehn:

Zur Sühne und zur Bu?e bin ich euch bereit.

Was euch Jemand th?te, das war mir inniglich leid."

Da sprach der edle Dietrich: "Mir ist nichts geschehn! 2097

La?t mich aus dem Hause mit euerm Frieden gehn

Von diesem harten Streite mit dem Gesinde mein.

Dafür will ich euch Degen st?ts zu Dienst befli?en sein."

"Was mü?t ihr also flehen?" sprach da Wolfhart, 2098

"Es h?lt der Fiedelspieler die Thür nicht so verwahrt,

Wir erschlie?en sie so m?chtig, da? man ins Freie kann."

"Nun schweig," sprach da Dietrich, "du hast den Teufel gethan."

Da sprach der K?nig Gunther: "Das sei euch freigestellt: 2099

Führt aus dem Hause, so viel euch gef?llt,

Ohne meine Feinde: die sollen hier bestehn.

Von ihnen ist mir Leides bei den Heunen viel geschehn."

Als das der Berner h?rte, mit einem Arm umschlo? 2100

Er die edle K?nigin; ihre Angst war gro?;

Da führt er an dem andern Etzeln aus dem Haus.

Auch folgten Dietrichen sechshundert Degen hinaus.

Da begann der Markgraf, der edle Rüdiger: 2101

"Soll aber aus dem Hause noch kommen Jemand mehr,

Der euch doch gerne diente, so macht es mir kund:

So walte st?ter Friede in getreuer Freunde Bund."

Antwort seinem Schw?her gab Geiselher zuhand: 2102

"Frieden und Sühne sei euch von uns bekannt;

Ihr haltet st?te Treu, ihr und euer Lehn,

Ihr sollt mit euren Freunden ohne Sorgen hinnen gehn."

Als Rüdiger der Markgraf r?umte Etzels Saal, 2103

Fünfhundert oder drüber folgten ihm zumal.

Das ward von den Helden aus Treue gethan,

Wodurch K?nig Gunther bald gro?en Schaden gewann.

Da sah ein Heunenrecken K?nig Etzeln gehn 2104

Neben Dietrichen: des wollt er Frommen sehn.

Dem gab der Fiedelspieler einen solchen Schlag,

Da? ihm gleich am Boden das Haupt vor Etzels Fü?en lag.

Als der Wirth des Landes kam vor des Hauses Thor, 2105

Da wandt er sich und blickte zu Volkern empor:

"O weh mir dieser G?ste: wie ist das grimme Noth,

Da? alle meine Recken vor ihnen finden den Tod!"

"Ach weh des Hofgelages!" sprach der K?nig hehr: 2106

"Da drinnen ficht Einer, der hei?t Volker,

Wie ein wilder Eber und ist ein Fiedelmann;

Ich dank es meinem Heile, da? ich dem Teufel entrann.

"Seine Weisen lauten übel, sein Bogenstrich ist roth; 2107

Mir schlagen seine T?ne manchen Helden todt.

Ich wei? nicht, was uns Schuld giebt derselbe Fiedelmann,

Da? ich in meinem Leben so leiden Gast nicht gewann."

Zur Herberge giengen die beiden Recken hehr, 2108

Dietrich von Berne und Markgraf Rüdiger.

Sie selber wollten gerne des Streits entledigt sein

Und geboten auch den Degen, da? sie den Kampf sollten scheun.

Und h?tten sich die G?ste versehn der Leiden, 2109

Die ihnen werden sollten noch von den Beiden,

Sie w?ren aus dem Hause so leicht nicht gekommen,

Eh sie eine Strafe von den Kühnen h?tten genommen.

Sie hatten, die sie wollten, entla?en aus dem Saal: 2110

Da hob sich innerhalben ein furchtbarer Schall.

Die G?ste r?chten bitter ihr Leid und ihre Schmach.

Volker der kühne, hei, was der Helme zerbrach!

Sich kehrte zu dem Schalle Gunther der K?nig hehr: 2111

"H?rt ihr die T?ne, Hagen, die dorten Volker

Mit den Heunen fiedelt, wenn wer zur Thüre trat?

Es ist ein rother Anstrich, den er am Fiedelbogen hat."

"Es reut mich ohne Ma?en," sprach Hagen entgegen, 2112

"Da? ich je mich scheiden mu?te von dem Degen.

Ich war sein Geselle, er der Geselle mein,

Und kehren wir je wieder heim, wir wollens noch in Treuen sein.

"Nun schau, hehrer K?nig, Volker ist dir hold: 2113

Wie will er verdienen dein Silber und dein Gold!

Sein Fiedelbogen schneidet durch den harten Stahl,

Er wirft von den Helmen die hellen Zierden zu Thal.

"Ich sah nie Fiedelspieler noch so herrlich stehn, 2114

Als diesen Tag von Volker dem Degen ist geschehn.

Seine Weisen hallen durch Helm und Schildesrand:

Gute Rosse soll er reiten und tragen herrlich Gewand."

So viel der Heunendegen auch waren in dem Saal, 2115

Nicht Einer blieb am Leben von ihnen allzumal.

Da war der Schall beschwichtigt, als Niemand blieb zum Streit.

Die kühnen Recken legten da ihre Schwerter beiseit.

* * * * *

Vierunddrei?igstes Abenteuer.

Wie sie die Todten aus dem Saale warfen.

Da setzten sich aus Müdigkeit die Herrn und ruhten aus. 2116

Volker und Hagen die giengen vor das Haus

Ueber den Schild sich lehnend in ihrem Uebermuth:

Da pflagen launger Reden diese beiden Helden gut.

Da sprach von Burgunden Geiselher der Degen: 2117

"Noch dürft ihr, lieben Freunde, nicht der Ruhe pflegen:

Ihr sollt erst die Todten aus dem Hause tragen.

Wir werden noch bestanden, das will ich wahrlich euch sagen.

"Sie sollen untern Fü?en uns hier nicht l?nger liegen, 2118

bevor im Sturm die Heunen m?gen uns besiegen,

Wir haun noch manche Wunde, die gar sanft mir thut.

Des hab ich," sprach da Geiselher, "einen willigen Muth."

"O wohl mir solches Herren," sprach Hagen entgegen. 2119

"Der Rath geziemte Niemand als einem solchen Degen,

Wie unsern jungen Herren wir heute hier gesehn:

Ihr Burgunden m?get all darob in Freuden stehn.

Da folgten sie dem Rathe und trugen vor die Thür 2120

Siebentausend Todte, die warfen sie dafür.

Vor des Saales Stiege fielen sie zu Thal:

Da erhoben ihre Freunde mit Jammern kl?glichen Schall.

Auch war darunter Mancher nur so m??ig wund, 2121

K?m ihm sanftre Pflege, er würde noch gesund;

Doch von dem hohen Falle fand er nun den Tod.

Das klagten ihre Freunde; es zwang sie wahrhafte Noth.

Da sprach der Fiedelspieler, der Degen unverzagt: 2122

"Nun seh ich wohl, sie haben mir Wahrheit gesagt:

Die Heunen sind feige, sie klagen wie ein Weib,

Da sie nun pflegen sollten der Schwerverwundeten Leib."

Da mocht ein Markgraf w?hnen, er meint es ernst und gut: 2123

Ihm war der Vettern Einer gefallen in das Blut;

Den dacht' er wegzutragen und wollt ihn schon umfahn:

Da scho? ob ihm zu Tode den der kühne Spielmann.

Als das die Andern sahen, sie flohen von dem Saal. 2124

Dem Spielmann zu fluchen begannen sie zumal.

Einen Sper hob Volker vom Boden, scharf und hart,

Der von einem Heunen zu ihm hinauf gescho?en ward.

Den scho? er durch den Burghof zurück kr?ftiglich 2125

Ueber ihre H?upter. Das Volk Etzels wich

Erschreckt von dem Wurfe weiter von dem Haus.

Vor seinen Kr?ften hatten alle Leute Schreck und Graus,

Da stand vor dem Hause Etzel mit manchem Mann. 2126

Volker und Hagen huben zu reden an

Mit dem Heunenk?nig nach ihrem Uebermuth.

Das schuf bald gro?e Sorge diesen Helden kühn und gut.

"Wohl w?r es," sprach da Hagen, "des Volkes Trost im Leid, 2127

Wenn die Herren f?chten allen voran im Streit,

Wie von meinen Herren hier Jeglicher thut:

Die hauen durch die Helme, da? von den Schwertern flie?t das Blut."

So kühn war K?nig Etzel, er fa?te seinen Schild. 2128

"Nun hütet eures Lebens," sprach da Kriemhild,

"Und bietet Gold den Recken auf dem Schildesrand,

Denn erreicht euch Hagen, ihr habt den Tod an der Hand."

So kühn war der K?nig, er lie? nicht vom Streit, 2129

Wozu so m?chtge Fürsten nun selten sind bereit.

Man must ihn bei den Riemen des Schildes ziehn hindann.

Hagen der grimme ihn mehr zu h?hnen begann:

"Eine nahe Sippe war es," sprach Hagen gleich zur Hand, 2130

"Die Etzeln zusammen und Siegfried verband:

Er minnte Kriemhilden, eh sie gesehen dich:

Feiger K?nig Etzel, warum r?thst du wider mich?"

Diese Rede h?rte die edle K?nigin, 2131

Darüber ward unmuthig Kriemhild in ihrem Sinn,

Da? er sie schelten durfte vor manchem Etzelsmann.

Wider die G?ste hub sie aufs Neu zu werben an.

Sie sprach: "Wer von Tronje den Hagen mir schlüge 2132

Und sein Haupt als Gabe her vor mich trüge,

Mit rothem Golde füllt' ich ihm Etzels Schildesrand;

Auch g?b ich ihm zum Lohne viel gute Burgen und Land."

"Ich wei? nicht, was sie zaudern," sprach der Fiedelmann. 2133

"Nie sah ich, da? Helden so verzagt gethan,

Wo man bieten h?rte also reichen Sold.

Wohl sollt ihnen Etzel nimmer wieder werden hold.

"Die hier mit Schimpf und Schanden e?en des K?nigs Brot 2134

Und jetzt im Stich ihn la?en in der gr??ten Noth,

Deren seh ich Manchen so recht verzagt da stehn

Und thun doch so verwegen: sie k?nnen nie der Schmach entgehn."

Der m?chtige Etzel hatte Jammer und Noth: 2135

Er beklagte seiner Mannen und Freunde bittern Tod.

Von manchen Landen standen ihm Recken viel zur Seit

Und weinten mit dem K?nig sein gewaltiges Leid.

Darob begann zu spotten der kühne Volker: 2136

"Ich seh hier übel weinen gar manchen Recken hehr.

Sie helfen schlecht dem K?nig in seiner gro?en Noth.

Wohl e?en sie mit Schanden nun schon lange hier sein Brot."

Da gedachten wohl die Besten: "Wahr ists, was Volker sagt." 2137

Von Niemand doch von allen ward es so schwer beklagt

Als von Markgraf Iring, dem Herrn aus D?nenland,

Was sich nach kurzer Weite wohl nach der Wahrheit befand.

* * * * *

Fünfunddrei?igstes Abenteuer.

Wie Iring erschlagen ward.

Da rief der Markgraf Iring aus der D?nen Land: 2138

"Ich habe nun auf Ehre die Sinne lang gewandt;

Auch ist von mir das Beste in Stürmen oft geschehn:

Nun bringt mir mein Gewaffen: so will ich Hagen bestehn."

"Das m?cht ich widerrathen," hub da Hagen an, 2139

"Sonst finden mehr zu klagen Die Etzeln unterthan.

Springen eurer zweie oder drei in den Saal,

Die send ich wohlverhauen die Stiege wieder zu Thal."

"Ich wills darum nicht la?en," sprach wieder Iring: 2140

"Wohl schon oft versucht ich ein gleich gef?hrlich Ding.

Wohl will ich mit dem Schwerte allein dich bestehn,

Und w?r von dir im Streite mehr als von Jemand geschehn."

Da ward gewaffnet Iring nach ritterlichem Brauch 2141

Und Irnfried der kühne von Thüringen auch

Und Hawart der starke wohl mit tausend Mann:

Sie wollten Iring helfen, was der Held auch begann.

Da sah der Fiedelspieler ein gewaltig Heer, 2142

Das mit Iringen gewaffnet zog einher.

Sie trugen aufgebunden die lichten Helme gut.

Da ward dem kühnen Volker darüber zornig zu Muth.

"Seht ihr, Freund Hagen, dort Iringen gehn, 2143

Der euch im Kampf alleine gelobte zu bestehn?

Wie ziemt Helden Lüge? Führwahr, ich tadl es sehr.

Es gehn mit ihm gewaffnet tausend Recken oder mehr."

"Nun straft mich nicht Lügen," sprach Hawarts Unterthan, 2144

"Ich will gerne leisten, was ich euch kund gethan.

Mein Wort soll um Feigheit nicht gebrochen sein:

Sei Hagen noch so gr?ulich, ich besteh ihn ganz allein."

Zu Fü?en warf sich Iring den Freunden und dem Lehn, 2145

Da? sie allein ihn lie?en den Recken bestehn.

Das thaten sie doch ungern, ihnen war zu wohl bekannt

Der übermütige Hagen aus der Burgunden Land.

Doch bat er sie so lange, bis es zuletzt geschah. 2146

Als das Ingesinde seinen Willen sah,

Und da? er warb nach Ehre, da lie?en sie ihn gehn.

Da ward von den Beiden ein grimmes Streiten gesehn.

Iring der D?ne hielt hoch empor den Sper, 2147

Sich deckte mit dem Schilde der theure Degen hehr:

So lief er auf im Sturme zu Hagen vor den Saal.

Da erhob sich von den Degen ein gewaltiger Schall.

Die Spere sch??en beide kr?ftig aus der Hand 2148

Durch die festen Schilde auf ihr licht Gewand,

Da? die Spersplitter hoch in die Lüfte flogen.

Da griffen zu den Schwertern die grimmen Degen verwegen.

Die Kraft des kühnen Hagen war ohne Ma?en voll; 2149

Doch schlug nach ihm Iring, da? all die Burg erscholl.

Der Saal und die Thürme erhallten von den Schl?gen.

Es konnte seinen Willen doch nicht vollführen der Degen.

Iring lie? Hagen unverwundet stehn: 2150

Auf den Fiedelspieler begann er loszugehn.

Er w?hnt', er sollt ihn zwingen mit seinen grimmen Schl?gen,

Doch wuste sich zu schirmen dieser zierliche Degen.

Da schlug der Fiedelspieler, da? von des Schildes Rand 2151

Das Gesp?nge wirbelte von Volkers starker Hand.

Den lie? er wieder stehen; es war ein übler Mann:

Jetzt lief er auf Gunther, den Burgundenk?nig, an.

Da war nun Jedweder zum Streite stark genug. 2152

Wie Gunther auf Iring und der auf Gunther schlug,

Das brachte nicht aus Wunden das flie?ende Blut.

Ihre Rüstung wehrt' es, die war zu fest und zu gut.

Gunthern lie? er stehen und lief Gernoten an. 2153

Das Feuer aus den Ringen er ihm zu haun begann.

Da h?tte von Burgunden der starke Gernot

Iring den kühnen beinah gesandt in den Tod.

Da sprang er von dem Fürsten; schnell war er genug. 2154

Der Burgunden viere der Held behend erschlug,

Des edeln' Heergesindes aus Worms an dem Rhein.

Darüber mochte Geiselher nicht wohl zorniger sein.

"Gott wei?, Herr Iring," sprach Geiselher das Kind, 2155

"Ihr mü?t mir entgelten, die hier erlegen sind

Vor euch in dieser Stunde." Da lief er ihn an

Und schlug den Danenhelden, da? er zu straucheln begann.

Er scho? vor seinen H?nden nieder in das Blut, 2156

Da? sie alle w?hnten, dieser Degen gut

Schlug im Streit nicht wieder einen Schlag mit seinem Schwert.

Doch lag vor Geiselheren Iring da noch unversehrt.

Von des Helmes Schwirren und von des Schwertes Klang 2157

Waren seine Sinne so bet?ubt und krank,

Da? sich der kühne Degen des Lebens nicht besann.

Das hatt ihm mit den Kr?ften der kühne Geiselher gethan.

Als ihm aus dem Haupte das Schwirren jetzt entwich, 2158

Von dem m?chtgen Schlage war das erst fürchterlich,

Da gedacht er: "Ich lebe und bin auch nirgend wund:

Nun ist mir erst die St?rke des kühnen Geiselher kund!"

Zu beiden Seiten h?rt' er seine Feinde stehn. 2159

Sie h?ttens wi?en sollen, so w?r ihm mehr geschehn.

Auch hatt er Geiselheren vernommen nahe bei:

Er sann, wie mit dem Leben den Feinden zu entkommen sei.

Wie tobend der Degen aus dem Blute sprang! 2160

Er mochte seiner Schnelle wohl sagen gro?en Dank.

Da lief er aus dem Hause, wo er Hagen fand,

Und schlug ihm schnelle Schl?ge mit seiner kraftreichen Hand.

Da gedachte Hagen: "Du must des Todes sein. 2161

Befriede dich der Teufel, sonst kannst du nicht gedeihn."

Doch traf Iring Hagnen durch seines Helmes Hut.

Das that der Held mit Maske; das war eine Waffe gut.

Als der grimme Hagen die Wund an sich empfand, 2162

Da schwenkte sich gewaltig das Schwert in seiner Hand.

Es muste vor ihm weichen Hawarts Unterthan:

Hagen ihm die Stiege hinab zu folgen begann.

Uebers Haupt den Schildrand Iring der kühne schwang. 2163

Und war dieselbe Stiege drei solcher Stiegen lang,

Derweil lie? ihn Hagen nicht schlagen einen Schlag.

Hei, was rother Funken da auf seinem Helme lag!

Doch kam zu den Freunden Iring noch gesund. 2164

Da wurde diese M?re Kriemhilden kund,

Was er dem von Tronje hatt im Streit gethan;

Dafür die K?nigstochter ihm sehr zu danken begann.

"Nun lohne Gott dir, Iring, erlauchter Degen gut, 2165

Du hast mir wohl getr?stet das Herz und auch den Muth:

Nun seh ich blutger?thet Hagens Wehrgewand!"

Kriemhild nahm ihm selber den Schild vor Freud aus der Hand.

"Ihr m?gt ihm m??ig danken," begann da Hagen, 2166

"Bis jetzt ist viel Gro?es nicht davon zu sagen;

Versucht' er es zum andern Mal, er w?r ein kühner Mann.

Die Wunde frommt euch wenig, die ich noch von ihm gewann.

"Da? ihr von meiner Wunde mir seht den Harnisch roth, 2167

Das hat mich noch erbittert zu manches Mannes Tod.

Nun bin ich erst im Zorne auf ihn und manchen Mann;

Mir hat der Degen Iring noch kleinen Schaden gethan."

Da stand dem Wind entgegen Iring von D?nenland; 2168

Er kühlte sich im Harnisch, den Helm er niederband.

Da priesen ihn die Leute für streitbar und gut:

Darüber trug der Markgraf nicht wenig hoch seinen Muth.

Da sprach Iring wieder: "Nun, Freunde, sollt ihr gehn 2169

Und neue Waffen holen: ich will noch einmal sehn,

Ob ich bezwingen m?ge den übermüthgen Mann."

Sein Schild war verhauen, einen be?ern er gewann.

Gewaffnet war der Recke bald in noch festre Wehr. 2170

Er griff in seinem Zorne nach einem starken Sper,

Damit wollt er Hagen zum drittenmal bestehn.

Es br?cht ihm Ehr und Frommen, lie?' er das sich vergehn.

Da wollte sein nicht harren Hagen der Degen. 2171

Mit Schü?en und mit Hieben lief er ihm entgegen

Die Stiege bis zu Ende; zornig war sein Muth.

Da kam dem Degen Iring seine St?rke nicht zu gut.

Sie schlugen durch die Schilde, da? es zu lohn begann 2172

Mit feuerrothem Winde. Hawarts Unterthan

Ward von Hagens Schwerte da gef?hrlich wund

Durch Helm und durch Schildrand; er ward nicht wieder gesund.

Als Iring der Degen der Wunde sich besann, 2173

Den Schild rückte n?her dem Helm der kühne Mann.

Ihn dauchte voll der Schaden, der ihm war geschehn;

Bald that ihm aber gr??ern der in K?nig Gunthers Lehn.

Hagen vor seinen Fü?en einen Wurfspie? liegen fand: 2174

Auf Iringen scho? er den von D?nenland,

Da? man ihm aus dem Haupte die Stange ragen sah.

Ein grimmes Ende ward ihm von dem Uebermüthgen da.

Iring must entweichen zu seinen D?nen hin. 2175

Eh man den Helm dem Degen mochte niederziehn,

Brach man den Sper vom Haupte, da naht' ihm der Tod.

Das beweinten seine Freunde: es zwang sie wahrhafte Noth.

Da kam die K?nigstochter auch zu ihm heran: 2176

Iring den starken hub sie zu klagen an.

Sie beweinte seine Wunden: es war ihr grimmig leid.

Da sprach vor seinen Freunden dieser Recke kühn im Streit:

"La?t eure Klage bleiben, viel hehre K?nigin. 2177

Was hilft euer Weinen? Mein Leben mu? dahin

Schwinden aus den Wunden, die an mir offen stehn.

Der Tod will mich nicht l?nger euch und Etzeln dienen sehn."

Zu Thüringern und D?nen sprach er hingewandt: 2178

"Die Gaben, so die K?nigin euch beut, soll eure Hand

Nicht zu erwerben trachten, ihr lichtes Gold so roth

Und besteht ihr Hagen, so mü?t ihr schauen den Tod."

Seine Farbe war erblichen, des Todes Zeichen trug 2179

Iring der kühne; ihnen war es leid genug.

Es konnte nicht gesunden der Held in Hawarts Lehn:

Da must es an ein Streiten von den D?nenhelden gehn.

Irnfried und Hawart sprangen vor das Haus 2180

Wohl mit tausend Helden: einen ungestümen Braus

Vernahm man allenthalben, kr?ftig und gro?.

Hei! was man scharfer Spere auf die Burgunden scho?!

Irnfried der kühne lief den Spielmann an, 2181

Wodurch er gro?en Schaden von seiner Hand gewann.

Der edle Fiedelspieler den Landgrafen schlug

Durch den Helm den festen: wohl war er grimmig genug.

Da schlug dem grimmen Spielmann Irnfried einen Schlag, 2182

Da? er den Ringpanzer dem Helden zerbrach

Und sich sein Harnisch f?rbte von Funken feuerroth.

Dennoch fiel der Landgraf vor dem Spielmann in den Tod.

Zusammen waren Hagen und Hawart gekommen. 2183

Da mochte Wunder schauen, wer es wahrgenommen.

Die Schwerter fielen kr?ftig den Helden an der Hand:

Da muste Hawart sterben vor dem aus Burgundenland.

Die Thüringer und D?nen sahn ihre Herren todt. 2184

Da hub sich vor dem Hause noch grimmere Noth,

Eh sie die Thür gewannen mit kraftreicher Hand.

Da ward noch verhauen mancher Helm und Schildesrand.

"Weichet," sprach da Volker, "la?t sie zum Saal herein: 2185

Was sie im Sinne haben, kann dennoch nicht sein.

Sie mü?en bald ersterben allzumal darin:

Sie ernten mit dem Tode, was ihnen beut die K?nigin,"

Als die Uebermüthigen drangen in den Saal, 2186

Das Haupt ward da Manchem so geneigt zu Thal,

Da? er ersterben muste vor ihren schnellen Schl?gen.

Wohl stritt der kühne Gernot; so that auch Geiselher der Degen.

Tausend und viere die kamen in das Haus: 2187

Da h?rte man erklingen den hellen Schwertersaus.

Sie wurden von den G?sten alle drin erschlagen:

Man mochte gro?e Wunder von den Burgunden sagen.

Darnach ward eine Stille, als der L?rm verscholl. 2188

Das Blut allenthalben durch die Lücken quoll

Und zu den Riegelsteinen von den todten Degen:

Das hatten die vom Rheine gethan mit kr?ftigen Schl?gen.

Da sa?en wieder rufend die aus Burgundenland, 2189

Sie legten mit den Schilden die Waffen aus der Hand.

Da stand noch vor dem Hause der kühne Spielmann,

Erwartend, ob noch Jemand zum Streite z?ge heran.

Der K?nig klagte heftig, dazu die K?nigin; 2190

M?gdelein und Frauen h?rmten sich den Sinn.

Der Tod, w?hn ich, hatte sich wider sie verschworen:

Drum giengen durch die G?ste noch viele der Recken verloren.

* * * * *

Sechsunddrei?igstes Abenteuer.

Wie die K?nigin den Saal verbrennen lie?.

"Nun bindet ab die Helme," sprach Hagen der Degen: 2191

"Ich und mein Geselle wollen euer pflegen.

Und versuchten es noch einmal Die Etzeln unterthan,

So warn ich meine Herren, so geschwind ich immer kann."

Da band den Helm vom Haupte mancher Ritter gut. 2192

Sie setzten auf die Leichen sich nieder, die ins Blut

Waren zum Tode von ihrer Hand gekommen.

Da ward der edeln G?ste mit Erbittrung wahrgenommen.

Noch vor dem Abend schuf der K?nig hehr 2193

Und Kriemhild die K?nigin, da? es der Heunen mehr

Noch versuchen musten; man sah vor ihnen stehn

Wohl an zwanzigtausend: die musten da zum Kampfe gehn.

Da drang zu den G?sten ein harter Sturm heran. 2194

Dankwart, Hagens Bruder, der kraftvolle Mann,

Sprang von seinen Herren zu den Feinden vor das Thor.

Sie versahn sich seines Todes; doch sah man heil ihn davor.

Das harte Streiten w?hrte, bis es die Nacht benahm. 2195

Da wehrten sich die G?ste wie Helden lobesam

Wider Etzels Recken den sommerlangen Tag.

Hei! was guter Helden im Tod vor ihnen erlag!

Zu einer Sonnenwende der gro?e Mord geschah: 2196

Ihres Herzens Jammer r?chte Kriemhild da

An ihren n?chsten Freunden und manchem andern Mann,

Wodurch der K?nig Etzel nie wieder Freude gewann.

Sie hatte nicht gesonnen auf solche M?rderschlacht. 2197

Als sie den Streit begonnen, hatte sie gedacht,

Hagen sollt alleine dabei sein Ende sehn.

Da schuf der b?se Teufel, über Alle must es ergehn.

Der Tag war zerronnen; ihnen schuf nun Sorge Noth. 2198

Sie gedachten, wie doch be?er war ein kurzer Tod,

Als sich so lang zu qu?len in ungefügem Leid.

Da wünschten einen Frieden die gro?en Ritter allbereit.

Sie baten, da? man br?chte den K?nig vor den Saal. 2199

Die blutrothen Helden, geschw?rzt vom rostgen Stahl,

Traten aus dem Hause und die drei K?nge hehr.

Sie wusten nicht, wem klagen ihres gro?en Leids Beschwer.

Etzel und Kriemhild kamen beide her; 2200

Das Land war ihnen eigen, drum mehrte sich ihr Heer.

Er sprach zu den G?sten: "Sagt, was begehrt ihr mein?

Wollt ihr Frieden haben? das k?nnte nun schwerlich sein

"Nach so gro?em Schaden, als ihr mir habt gethan. 2201

Es kommt euch nicht zu Statten, so lang ich athmen kann:

Mein Kind, das ihr erschluget, und viel der Freunde mein,

Fried und Sühne soll euch st?ts dafür geweigert sein."

Antwort gab ihm Gunther: "Uns zwang wohl gro?e Noth. 2202

All mein Gesinde lag vor deinen Helden todt

In der Herberge: verdient ich solchen Sold?

Ich kam zu dir auf Treue und w?hnte, du warst mir hold."

Da sprach von Burgunden Geiselher das Kind: 2203

"Ihr Helden K?nig Etzels, die noch am Leben sind,

Wes zeiht ihr mich, ihr Degen? was hatt ich euch gethan,

Der ich die Fahrt so gütlich zu diesem Lande begann?"

Sie sprachen: "Deiner Güte ist all die Burg hier voll 2204

Mit Jammer gleich dem Lande; wir g?nnten dir es wohl,

W?rst du nie gekommen von Worms überrhein.

Das Land ist gar verwaiset durch dich und die Brüder dein."

Da sprach im Zornmuthe Gunther der Held: 2205

"Wünscht ihr noch die? Morden im Frieden eingestellt

Mit uns Heimatlosen, das ist uns beiden gut;

Es ist gar unverschuldet, was uns K?nig Etzel thut."

Der Wirt sprach zu den G?sten: "mein und euer Leid 2206

Sind einander ungleich: die gro?e Noth im Streit,

Der Schaden und die Schande, die ich von euch gewann,

Dafür soll euer Keiner mir lebend kommen hindann."

Da sprach zu dem K?nig der starke Gernot: 2207

"So soll euch Gott gebieten, da? ihr die Lieb uns thut:

Weichet von dem Hause und la?t uns zu euch gehn.

Wir wissen wohl, bald ist es um unser Leben geschehn.

"Was uns geschehen k?nne, das la?t schnell ergehn: 2208

Ihr habt so viel Gesunde, die dürfen uns bestehn

Und geben uns vom Streite Müden leicht den Tod:

Wie lange solln wir Recken bleiben in so grimmer Noth?"

Von K?nig Etzels Reden war es fast geschehn, 2209

Da? sie die Helden lie?en aus dem Saale gehn.

Als das Kriemhild h?rte, es war ihr grimmig leid.

Da war den Heimathlosen mit Nichten Sühne bereit.

"Nein, edle Recken, worauf euch sinnt der Muth, 2210

Ich will euch treulich raten, da? ihr das nimmer thut,

Da? ihr die Mordgierigen la?t vor den Saal;

Sonst mü?en eure Freunde leiden t?dtlichen Fall.

"Und lebten nur alleine, die Utens S?hne' sind, 2211

Und k?men meine edeln Brüder an den Wind.

Da? sie die Panzer kühlten, ihr alle w?rt verloren:

Es wurden kühnre Degen noch nie auf Erden geboren."

Da sprach der junge Geiselher: "Viel sch?ne Schwester mein, 2212

Wie h?tt ich dir das zugetraut, da? du mich überrhein

Her zu Lande ladetest in diese gro?e Noth:

Wie m?cht ich an den Heunen hier verdienen den Tod?

"Ich hielt dir st?te Treue, that nie ein Leid dir an: 2213

Ich kam auch her zu Hilfe geritten in dem Wahn,

Du w?rst mir gewogen, viel liebe Schwester mein,

Nun schenk uns deine Gnade, da es anders nicht mag sein."

"Ich schenk euch keine Gnade, Ungnad ich selbst gewann: 2214

Mir hat von Tronje Hagen so gro?es Leid gethan

Daheim, und hier zu Lande erschlug er mir mein Kind:

Das mü?en schwer entgelten, die mit euch hergekommen sind."

Wollt ihr mir aber Hagen allein zum Geisel geben, 2215

So will ichs nicht verweigern, da? ich euch la?e leben.

Denn meine Brüder seid ihr, der gleichen Mutter Kind:

So red ich um die Sühne mit den Helden, die hier sind."

"Nicht woll es Gott vom Himmel," sprach da Gernot. 2216

"Und waren unser tausend, wir wollten alle todt

Vor deinen Freunden liegen eh wir dir Einen Mann

Hier zu Geisel g?ben: das wird nimmer gethan."

"Wir müsten doch ersterben," sprach da Geiselher, 2217

"So soll uns Niemand scheiden von ritterlicher Wehr.

Wer gerne mit uns stritte, wir sind noch immer hie:

Verrieth ich meine Treue an einem Freunde doch nie."

Da sprach der kühne Dankwart, es ziemt' ihm wohl zu sagen: 2218

"Noch steht nicht alleine hier mein Bruder Hagen.

Die uns den Frieden weigern, beklagen es noch schwer,

Des sollt ihr inne werden, ich sags euch wahrlich vorher."

Da sprach die K?nigstochter: "Ihr Helden allbereit, 2219

Nun geht der Stiege n?her und r?cht unser Leid.

Das will ich st?ts verdienen, wie ich billig soll:

Der Uebermuth Hagens, dessen lohn ich ihm wohl.

"La?t keinen aus dem Hause der Degen allzumal: 2220

So la? ich an vier Enden anzünden hier den Saal.

So wird noch wohl gerochen all mein Herzeleid."

K?nig Etzels Recken sah man bald dazu bereit.

Die noch drau?en standen, die trieb man in den Saal 2221

Mit Schl?gen und mit Schü?en: da gab es lauten Schall.

Doch wollten sich nicht scheiden die Fürsten und ihr Heer:

Sie lie?en von der Treue zu einander nicht mehr.

Den Saal in Brand zu stecken gebot da Etzels Weib. 2222

Da qu?lte man den Helden mit Feuersglut den Leib.

Das Haus vom Wind ergriffen gerieth in hohen Brand.

Nie wurde solcher Schrecken noch einem Volksheer bekannt.

Da riefen Viele drinnen: "O weh dieser Noth! 2223

Da m?chten wir ja lieber im Sturm liegen todt.

Das m?ge Gott erbarmen; wie sind wir all verlorn!

Wie grimmig r?cht die K?nigin an uns allen ihren Zorn!"

Da sprach darinnen Einer: "Wir finden hier den Tod 2224

Vor Rauch und vor Feuer: wie grimm ist diese Noth!

Mir thut vor starker Hitze der Durst so schrecklich weh,

Ich fürchte, mein Leben in diesen N?then zergeh!"

Da sprach von Tronje Hagen: "Ihr edlen Ritter gut, 2225

Wen der Durst will zwingen, der trinke hier das Blut.

Das ist in solcher Hitze be?er noch als Wein;

Es mag halt zu trinken hier nichts Be?eres sein."

Hin gieng der Recken Einer, wo er einen Todten fand: 2226

Er kniet' ihm zu der Wunde, den Helm er niederband.

Da begann er zu trinken das flie?ende Blut.

So wenig ers gewohnt war, er fand es k?stlich und gut.

"Nun lohn euch Gott, Herr Hagen," sprach der müde Mann, 2227

"Da? ich von eurer Lehre so guten Trank gewann.

Man schenkte mir selten noch einen be?ern Wein.

So lang ich leben bleibe will ich euch st?ts gewogen sein."

Als das die Andern h?rten, es d?uchte ihn so gut, 2228

Da fanden sich noch Viele, die tranken auch das Blut.

Davon kam zu Kr?ften der guten Recken Leib:

Des entgalt an lieben Freunden bald manches waidliche Weib.

Das Feuer fiel gewaltig auf sie in den Saal: 2229

Sie wandten mit den Schilden es von sich ab im Fall.

Der Rauch und auch die Hitze schmerzten sie gar sehr.

Also gro?er Jammer geschieht wohl Helden nimmer mehr.

Da sprach von Tronje Hagen: "Stellt euch an die Wand; 2230

La?t nicht die Br?nde fallen auf eurer Helme Band

Und tretet sie mit Fü?en tiefer in das Blut.

Eine üble Hochzeit ist es, zu der die K?nigin uns lud."

Unter solchen N?then zerrann zuletzt die Nacht. 2231

Noch hielt vor dem Hause der kühne Spielmann Wacht

Und Hagen sein Geselle, gelehnt auf Schildesrand,

Noch gr??ern Leids gew?rtig von Denen aus Etzels Land.

Da? der Saal gew?lbt war, half den G?sten sehr; 2232

Dadurch blieben ihrer am Leben desto mehr,

Wiewohl sie an den Fenstern von Feuer litten Noth.

Da wehrten sich die Degen, wie Muth und Ehre gebot.

Da sprach der Fiedelspieler: "Gehn wir in den Saal: 2233

Da w?hnen wohl die Heunen, wir seien allzumal

Von der Qual erstorben, die sie uns angethan:

Dann kommen doch noch Etliche zum Streit mit ihnen heran."

Da sprach von Burgunden Geiselher das Kind: 2234

"Ich w?hn, es wolle tagen, sich hebt ein kühler Wind.

Nun la? uns Gott vom Himmel noch liebre Zeit erleben!

Eine arge Hochzeit hat uns meine Schwester Kriemhild gegeben."

Da sprach wieder Einer: "Ich spüre schon den Tag. 2235

Wenn es denn uns Degen nicht be?er werden mag,

So bereitet euch, ihr Recken, zum Streit, das ist uns Noth:

Da wir doch nicht entrinnen, da? wir mit Ehren liegen todt."

Der K?nig mochte w?hnen, die G?ste w?ren todt 2236

Von den Beschwerden allen und von des Feuers Noth,

Da lebten doch so Kühner noch drin sechshundert Mann,

Da? wohl nie ein K?nig be?re Degen gewann.

Der Heimathlosen Hüter hatten wohl gesehn, 2237

Da? noch die G?ste lebten, was ihnen auch geschehn

Zu Schaden war und Leide, den Herrn und ihrem Lehn.

Man sah sie in dem Hause noch gar wohl geborgen gehn.

Man sagte Kriemhilden, noch Viele lebten drin. 2238

"Wie w?re das m?glich," sprach die K?nigin,

"Da? noch Einer lebte nach solcher Feuersnoth?

Eher will ich glauben, sie fanden Alle den Tod."

Noch wünschten zu entkommen die Fürsten und ihr Lehn, 2239

Wenn an ihnen Gnade noch jemand lie?' ergehn.

Die konnten sie nicht finden in der Heunen Land:

Da r?chten sie ihr Sterben mit gar williger Hand.

Schon früh am andern Morgen man ihnen Grü?e bot 2240

Mit heftigem Angriff; wohl schuf das Helden Noth.

Zu ihnen aufgescho?en ward mancher scharfe Sper;

Doch fanden sie darinnen die kühnen Recken wohl zur Wehr.

Dem Heergesinde Etzels war erregt der Muth, 2241

Da? sie verdienen wollten Frau Kriemhildens Gut

Und alles willig leisten, was der Fürst gebot:

Da muste bald noch Mancher von ihnen schauen den Tod.

Von Verhei?en und von Gaben mochte man Wunder sagen: 2242

Sie lie? ihr Gold, das rothe, auf Schilden vor sich tragen;

Sie gab es Jedem willig, Der es wollt empfahn.

Nie wurden wider Feinde so gro?e Sch?tze verthan.

Gewaffnet trat der Recken eine gro?e Macht zur Thür. 2243

Da sprach der Fiedelspieler. "Wir sind noch immer hier:

So gern sah ich Helden zum Streiten nimmer kommen,

Als die das Gold des K?nigs uns zu verderben genommen."

Da riefen ihrer Viele: "Nur n?her zu dem Streit! 2244

Da wir doch fallen mü?en, so thun wirs gern bei Zeit.

Hier wird Niemand bleiben, als wer doch sterben soll."

Da staken ihre Schilde gleich von Sperschü?en voll.

Was soll ich weiter sagen? Wohl zw?lfhundert Degen 2245

Versuchtens auf und nieder mit starken Schwertesschl?gen.

Da kühlten an den Feinden die G?ste wohl den Muth.

Kein Friede war zu hoffen, drum sah man flie?en das Blut

Aus tiefen Todeswunden: Deren wurden viel geschlagen. 2246

Man h?rte nach den Freunden Jeglichen klagen.

Die Biedern starben alle dem reichen K?nig hehr:

Da hatten liebe Freunde nach ihnen Leid und Beschwer.

* * * * *

Siebenunddrei?igstes Abenteuer.

Wie Rüdiger erschlagen ward.

Die Heimathlosen hatten am Morgen viel gethan. 2247

Der Gemahl Gotlindens kam zu Hof heran

Und sah auf beiden Seiten des gro?en Leids Beschwer:

Darüber weinte inniglich der getreue Rüdiger.

"O weh, da? ich das Leben," sprach der Held, "gewann 2248

Und diesem gro?en Jammer nun Niemand wehren kann.

So gern ich Frieden schüfe, der K?nig gehts nicht ein,

Da ihm das Unheil st?rker, immer st?rker bricht herein."

Zu Dietrichen sandte der gute Rüdiger, 2249

Ob sie's noch k?nnten wenden von den K?ngen hehr?

Da entbot ihm Der von Berne: "Wer m?cht ihm widerstehn?

Es will der K?nig Etzel keine Sühne mehr sehn."

Da sah ein Heunenrecke Rüdigern da stehn 2250

Mit weinenden Augen, wie er ihn oft gesehn.

Er sprach zu der K?nigin: "Nun seht, wie er da steht

Den ihr und K?nig Etzel vor allen Andern habt erh?ht

"Und dem doch alles dienet, die Leute wie das Land. 2251

Wie sind so viel der Burgen an Rüdigern gewandt,

Deren er so manche von dem K?nig haben mag!

Er schlug in diesen Stürmen noch keinen l?blichen Schlag.

"Mich dünkt, ihn kümmert wenig, was hier mit uns geschieht, 2252

Wenn er nach seinem Willen bei sich die Fülle sieht.

Man rühmt, er w?re kühner, als Jemand m?ge sein:

Das hat uns schlecht bewiesen in dieser Noth der Augenschein."

Mit traurigem Muthe der vielgetreue Mann, 2253

Den er so reden h?rte, den Heunen sah, er an.

Er dachte: "Das entgiltst du; du sagst, ich sei verzagt:

Da hast du deine M?ren zu laut bei Hofe gesagt."

Er zwang die Faust zusammen: da lief er ihn an 2254

Und schlug mit solchen Kr?ften den Heunischen Mann,

Da? er ihm vor die Fü?e niederstürzte todt.

Da war gemehrt aufs Neue dem K?nig Etzel die Noth.

"Fahr hin, verzagter B?sewicht," sprach da Rüdiger, 2255

"Ich hatte doch des Leides genug und der Beschwer.

Da? ich hier nicht fechte, was rügst du mir das?

Wohl trüg auch ich den G?sten mit Grunde feindlichen Hass,

"Und alles, was ich k?nnte, th?t ich ihnen an, 2256

H?tt ich nicht hieher geführt Die Gunthern unterthan.

Ich war ihr Geleite in meines Herren Land:

Drum darf sie nicht bestreiten meine unselge Hand."

Da sprach zum Markgrafen Etzel der K?nig hehr: 2257

"Wie habt ihr uns geholfen, viel edler Rüdiger!

Wir hatten doch der Todten so viel in diesem Land,

Da? wir nicht mehr bedurften: mit Unrecht schlug ihn eure Hand."

Da sprach der edle Ritter: "Er beschwerte mir den Muth 2258

Und hat mir bescholten die Ehre wie das Gut,

Des ich aus deinen H?nden so gro?e Gaben nahm,

Was nun dem Lügenbolde übel auch zu Statten kam."

Da kam die K?nigstochter, die hatt es auch gesehn, 2259

Was von des Helden Zorne dem Heunen war geschehn.

Sie beklagt' es ungefüge, ihre Augen wurden na?.

Sie sprach zu Rüdigern: Wie verdienten wir das,

"Da? ihr mir und dem K?nig noch mehrt unser Leid? 2260

Ihr habt uns, edler Rüdiger, verhei?en allezeit,

Ihr wolltet für uns wagen die Ehre wie das Leben;

Auch h?rt ich viel der Recken den Preis des Muthes euch geben."

"Ich mahn euch nun der Treue, die mir schwur eure Hand, 2261

Da ihr mir zu Etzeln riethet, Ritter auserkannt,

Da? ihr mir dienen wolltet bis an unsern Tod.

Des war mir armen Weibe noch niemals so bitter Noth."

"Das kann ich nicht l?ugnen, ich schwur euch, K?nigin, 2262

Die Ehre wie das Leben g?b ich für euch dahin:

Die Seele zu verlieren hab ich nicht geschworen.

Zu diesem Hofgelage bracht ich die Fürsten wohlgeboren."

Sie sprach: "Gedenke, Rüdiger, der hohen Eide dein 2263

Von deiner st?ten Treue, wie du den Schaden mein

Immer wolltest r?chen und wenden all mein Leid."

Der Markgraf entgegnete: "Ich war euch st?ts zu Dienst bereit."

Etzel der reiche hub auch zu flehen an. 2264

Da warfen sie sich beide zu Fü?en vor den Mann.

Den guten Markgrafen man da in Kummer sah;

Der vielgetreue Recke jammervoll begann er da:

"O weh mir Unselgem, mu? ich den Tag erleben! 2265

Aller meiner Ehren soll ich mich nun begeben,

Aller Zucht und Treue, die Gott mir gebot;

O weh, Herr des Himmels, da? mirs nicht wenden will der Tod!

"Welches ich nun la?e, das Andre zu begehn, 2266

So ist doch immer übel und arg von mir geschehn.

Was ich thu und la?e, so schilt mich alle Welt.

Nun m?ge mich erleuchten, der mich dem Leben gesellt!"

Da baten ihn so dringend der K?nig und sein Weib, 2267

Da? bald viel Degen musten Leben und Leib

Von Rüdgers Hand verlieren und selbst Der Held erstarb.

Nun m?gt ihr bald vernehmen, welchen Jammer er erwarb.

Er wuste wohl nur Schaden und Leid sei sein Gewinn. 2268

Er h?tt es auch dem K?nig und der K?nigin

Gern versagen wollen: der Held besorgte sehr,

Erschlug er ihrer Einen, da? er der Welt ein Greuel w?r.

Da sprach zu dem K?nige dieser kühne Mann: 2269

"Herr Etzel, nehmt zurücke, was ich von euch gewann,

Das Land mit den Burgen; bei mir soll nichts bestehn:

Ich will auf meinen Fü?en hinaus in das Elend gehn.

"Alles Gutes ledig r?um ich euer Land, 2270

Mein Weib und meine Tochter nehm ich an die Hand,

Eh ich so ohne Treue entgegen geh dem Tod:

Das hie?' auf üble Weise verdienen euer Gold so roth."

Da sprach der K?nig Etzel: "Wer aber hülfe mir? 2271

Mein Land mit den Leuten, das alles geb ich dir,

Da? du mich r?chest, Rüdiger, an den Feinden mein:

Du sollst neben Etzeln ein gewaltger K?nig sein."

Da sprach wieder Rüdiger: "Wie dürft ich ihnen schaden? 2272

Heim zu meinem Hause hab ich sie geladen;

Trinken und Speise ich ihnen gütlich bot,

Dazu meine Gabe; und soll ich sie nun schlagen todt?

"Die Leute m?gen w?hnen, ich sei zu verzagt. 2273

Keiner meiner Dienste war ihnen je versagt:

Sollt ich sie nun bek?mpfen, das w?r nicht wohl gethan.

So reute mich die Freundschaft, die ich an ihnen gewann.

"Geiselher dem Degen gab ich die Tochter mein: 2274

Sie konnt auf Erden nimmer be?er verwendet sein,

Seh ich auf Zucht und Ehre, auf Treu oder Gut.

Nie ein so junger K?nig trug wohl tugendreichern Muth."

Da sprach wieder Kriemhild: "Viel edler Rüdiger, 2275

Nun la? dich erbarmen unsres Leids Beschwer,

Mein und auch des K?nigs; gedenke wohl daran,

Da? nie ein Wirth auf Erden so leide G?ste gewann."

Da begann der Markgraf zu der K?ngin hehr: 2276

"Heut mu? mit dem Leben entgelten Rüdiger,

Was ihr und der K?nig mir Liebes habt gethan:

Dafür mu? ich sterben, es steht nicht l?nger mehr an.

"Ich wei?, da? noch heute meine Burgen und mein Land 2277

Euch ledig werden mü?en von dieser Helden Hand.

So befehl ich euch auf Gnade mein Weib und mein Kind

Und all die Heimathlosen, die da zu Bechlaren find."

"Nun lohne Gott dir, Rüdiger!" der K?nig sprach da so; 2278

Er und die K?nigin, sie wurden beide froh.

"Uns seien wohlbefohlen alle Leute dein;

Auch trau ich meinem Heile, du selber werdest glücklich sein."

Da setzt' er auf die Wage die Seele wie den Leib. 2279

Da begann zu weinen K?nig Etzels Weib.

Er sprach: "Ich mu? euch halten den Eid, den ich gethan.

O weh meiner Freunde! wie ungern greif ich sie an."

Man sah ihn von dem K?nig hinweggehn trauriglich. 2280

Da fand er seine Recken nahe stehn bei sich:

Er sprach: "Ihr sollt euch waffnen, ihr All in meinem Lehn:

Die kühnen Burgunden mu? ich nun leider bestehn."

Nach den Gewaffen riefen die Helden allzuhand, 2281

Ob es Helm w?re oder Schildesrand,

Von dem Ingesinde ward es herbeigetragen.

Bald h?rten leide M?re die stolzen Fremdlinge sagen.

Gewaffnet ward da Rüdiger mit fünfhundert Mann; 2282

Darüber zw?lf Recken zu Hülf er sich gewann.

Sie wollten Preis erwerben in des Sturmes Noth:

Sie wusten nicht die M?re, wie ihnen nahe der Tod.

Da sah man unterm Helme den Markgrafen gehn. 2283

Scharfe Schwerter trugen Die in Rüdgers Lehn,

Dazu vor den H?nden die lichten Schilde breit.

sah der Fiedelspieler: dem war es ohne Ma?en leid.

Da sah der junge Geiselher seinen Schw?her gehn 2284

Mit aufgebundnem Helme. Wie mocht er da verstehn,

Wie er damit es meine, es sei denn treu und gut?

Da gewann der edle K?nig von Herzen fr?hlichen Muth.

"Nun wohl mir solcher Freunde," sprach da Geiselher, 2285

"Wie wir gewonnen haben auf der Fahrt hieher.

Meines Weibes willen ist uns Hülfe nah:

Lieb ist mir, meiner Treue, da? diese Heirath geschah."

"Wes ihr euch wohl tr?stet" sprach der Fiedelmann: 2286

"Wann saht ihr noch zur Sühne so viel der Helden nahn

Mit aufgebundnen Helmen, die Schwerter in der Hand?

Er will an uns verdienen seine Burgen und sein Land."

Eh der Fiedelspieler die Rede sprach vollaus, 2287

Den edeln Markgrafen sah man schon vor dem Haus.

Seinen Schild den guten setzt' er vor den Fu?:

Da must er seinen Freunden versagen dienstlichen Gru?.

Rüdiger der edle rief da in den Saal: 2288

"Ihr Kühnen Nibelungen, nun wehrt euch allzumal.

Ihr solltet mein genie?en, ihr entgeltet mein:

Wir waren ehmals Freunde: der Treue will ich ledig sein."

Da erschraken dieser M?re die Nothbedr?ngten Schwer. 2289

Ihnen war der Trost entsunken, den sie gew?hnt vorher,

Da sie bestreiten wollte, dem Jeder Liebe trug.

Sie hatten von den Feinden schon Leid erfahren genug.

"Das verhüte Gott vom Himmel!" sprach Gunther der Degen, 2290

"Da? ihr eurer Freundschaft, tr?tet so entgegen

Und der gro?en Treue, darauf uns sann der Muth:

Ich will euch wohl vertrauen, da? ihr das nimmermehr tuth.

"Es ist nicht mehr zu wenden," sprach der kühne Mann: 2291

"Ich mu? mit euch streiten, wie ich den Schwur gethan.

Nun wehrt euch, kühne Degen, wenn euch das Leben werth,

Da mir die K?nigstochter nicht andre Willkür gew?hrt."

"Ihr widersagt uns nun zu sp?t," sprach der K?nig hehr. 2292

"Nun m?g euch Gott vergelten, viel edler Rüdiger,

Die Treu und die Liebe, die ihr uns habt gethan,

Wenn ihr bis ans Ende auch halten wolltet daran.

"Wir wollen st?ts euch danken, was ihr uns habt gegeben, 2293

Ich und meine Freunde, la?et ihr uns leben,

Der herrlichen Gaben, als ihr uns brachtet her

In Etzels Land mit Treue: des gedenket, edler Rüdiger."

"Wie gern ich euch das g?nnte," sprach Rüdiger der Degen, 2294

"Da? ich euch meiner Gabe die Fülle dürfte w?gen

Nach meinem Wohlgefallen; wie gerne that ich das,

So es mir nicht erwürbe der edeln K?nigin Ha?!"

"La?t ab, edler Rüdiger," sprach wieder Gernot, 2295

"Nie ward ein Wirth gefunden, der es den G?sten bot

So freundlich und so gütlich, als uns von euch geschehn.

Des sollt ihr auch genie?en, so wir lebendig entgehn."

"Das wollte Gott," sprach Rüdiger, "viel edler Gernot, 2296

"Da? ihr am Rheine w?ret, und ich w?re todt.

So rettet' ich die Ehre, da ich euch soll bestehn!

Es ist noch nie an Degen von Freunden übler geschehn."

"Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger," sprach wieder Gernot, 2297

"Eurer reichen Gabe. Mich jammert euer Tod,

Soll an euch verderben so tugendlicher Muth.

Hier trag ich eure Waffe, die ihr mir gabet, Degen gut.

"Sie hat mir noch nie versagt in all dieser Noth: 2298

Es fiel vor ihrer Sch?rfe mancher Ritter todt.

Sie ist stark und lauter, herrlich und gut:

Gewiss, so reiche Gabe kein Recke je wieder thut.

"Und wollt ihr es nicht meiden und wollt ihr uns bestehn, 2299

Erschlagt ihr mir die Freunde, die hier noch bei mir stehn,

Mit euerm Schwerte nehm ich Leben euch und Leib.

So reut ihr mich, Rüdiger, und euer herrliches Weib."

"Das wolle Gott, Herr Gernot, und m?cht es geschehn, 2300

Da? hier nach euerm Willen Alles k?nnt ergehn

Und euern Freunden bleiben Leben m?cht und Leib,

Euch sollten wohl vertrauen meine Tochter und mein Weib."

Da sprach von Burgunden der sch?nen Ute Kind: 2301

"Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? Die mit mir kommen sind,

Die sind euch all gewogen; ihr greift übel zu:

Eure sch?ne Tochter wollt ihr verwitwen allzufruh.

"Wenn ihr und eure Recken mich wollt im Streit bestehn, 2302

Wie w?r das unfreundlich, wie wenig lie?' es sehn,

Da? ich euch vertraute vor jedem andern Mann,

Als ich eure Tochter mir zum Weibe gewann."

"Gedenkt eurer Treue," sprach da Rüdiger. 2303

Und schickt euch Gott von hinnen, viel edler K?nig hehr,

"So la?t es nicht entgelten die liebe Tochter mein:

Bei aller Fürsten Tugend geruht ihr gn?dig zu sein."

"So sollt ichs billig halten," sprach Geiselher das Kind; 2304

"Doch meine hohen Freunde, die noch im Saal hier sind,

Wenn die von euch ersterben, so mu? geschieden sein

Diese st?te Freundschaft zu dir und der Tochter dein."

"Nun m?ge Gott uns gnaden," sprach der kühne Mann. 2305

Da hoben sie die Schilde und wollten nun hinan

Zu streiten mit den G?sten in Kriemhildens Saal.

Laut rief da Hagen von der Stiege her zu Thal:

"Verzieht noch eine Weile, viel edler Rüdiger," 2306

Also sprach da Hagen: "wir reden erst noch mehr,

Ich und meine Herren, wie uns zwingt die Noth.

Was hilft es Etzeln, finden wir in der Fremde den Tod?

"Ich steh in gro?en Sorgen," sprach wieder Hagen, 2307

"Der Schild, den Frau Gotlind mir gab zu tragen,

Den haben mir die Heunen zerhauen vor der Hand;

Ich bracht ihn doch in Treuen her in K?nig Etzels Land.

"Da? es Gott vom Himmel verg?nnen wollte, 2308

Da? ich so guten Schildrand noch tragen sollte,

Als du hast vor den H?nden, viel edler Rüdiger:

So bedürft ich in dem Sturme keiner Halsberge mehr."

"Wie gern wollt ich dir dienen mit meinem Schilde, 2309

Dürft ich dir ihn bieten vor Kriemhilde.

Doch nimm ihn hin, Hagen, und trag ihn an der Hand:

Hei! dürftest du ihn führen heim in der Burgunden Land!"

Als er den Schild so willig zu geben sich erbot, 2310

Die Augen wurden Vielen von hei?en Thr?nen roth.

Es war Die letzte Gabe: es dürft hinfort nicht mehr

Einem Degen Gabe bieten von Bechlaren Rüdiger.

Wie grimmig auch Hagen, wie hart auch war sein Muth, 2311

Ihn erbarmte doch die Gabe, die der Degen gut

So nah seinem Ende noch hatt an ihn gethan.

Mancher edle Ritter mit ihm zu trauern begann.

"Nun lohn euch Gott im Himmel, viel edler Rüdiger. 2312

Es wird eures Gleichen auf Erden nimmermehr,

Der heimathlosen Degen so milde Gabe gebe.

So m?ge Gott gebieten, da? eure Milde immer lebe."

"O weh mir dieser M?re," sprach wieder Hagen. 2313

"Wir hatten Herzensschwere schon so viel zu tragen:

Das mü?e Gott erbarmen, gilts uns mit Freunden Streit!"

Da sprach der Markgraf wieder: "Das ist mir inniglich leid."

"Nun lohn ich euch die Gabe, viel edler Rüdiger: 2314

Was euch auch widerfahre von diesen Recken hehr,

Es soll euch nicht berühren im Streit meine Hand,

Ob ihr sie all erschlüget Die von der Burgunden Land."

Da neigte sich ihm dankend der gute Rüdiger. 2315

Die Leute weinten alle: Da? nicht zu wenden mehr

Dieser Herzensjammer, das war zu gro?e Noth.

Der Vater aller Tugend fand an Rüdiger den Tod.

Da sprach von der Stiege Volker der Fiedelmann: 2316

"Da mein Geselle Hagen euch trug den Frieden an,

So biet ich auch so st?ten euch von meiner Hand.

Das habt ihr wohl verdient an uns, da wir kamen in das Land.

"Viel edler Markgraf, mein Bote werdet hier: 2317

Diese rothen Spangen gab Frau Gotlinde mir,

Da? ich sie tragen sollte bei dieser Lustbarkeit:

Ich thu es, schauet selber, da? ihr des mein Zeuge seid."

"Wollt es Gott vom Himmel," sprach da Rüdiger, 2318

"Da? euch die Markgr?fin noch geben dürfte mehr.

Die M?re sag ich gerne der lieben Trauten mein,

Seh ich gesund sie wieder: Des sollt ihr au?er Zweifel sein."

Nach diesem Angeloben Den Schild hob Rüdiger, 2319

Sein Muth begann zu toben: nicht l?nger s?umt' er mehr.

Auf lief er zu den G?sten wohl einem Recken gleich.

Viel kraftvolle Schl?ge schlug da dieser Markgraf reich.

Volker und Hagen traten beiseit, 2320

Wie ihm verhei?en hatten die Degen allbereit.

Noch traf er bei den Thüren so manchen Kühnen an,

Da? Rüdiger die Feindschaft mit gro?en Sorgen begann.

Aus Mordbegierde lie?en ihn ins Haus hinein 2321

Gernot und Gunther; das mochten Helden sein.

Zurück wich da Geiselher: fürwahr, es war ihm leid;

Er versah sich noch des Lebens, drum mied er Rüdigern im Streit.

Da sprangen zu den Feinden Die in Rüdgers Lehn. 2322

Hinter ihrem Herren sah man sie kühnlich gehn.

Schneidende Waffen trugen sie an der Hand:

Da zerbrachen viel der Helme und mancher herrliche Rand.

Da schlugen auch die Müden noch manchen schnellen Schlag 2323

Auf die von Bechlaren, der tief und eben brach

Durch die festen Panzer und drang bis auf das Blut.

Sie frommten in dem Sturme viel Wunder herrlich und gut.

Das edle Heergesinde war alle nun im Saal. 2324

Volker und Hagen die sprangen hin zumal:

Sie gaben Niemand Frieden als dem Einen Mann.

Das Blut von ihren Hieben von den Helmen niederrann.

Wie da der Schwerter Tosen so grimmig erklang, 2325

Da? unter ihren Schl?gen das Schildgesp?nge sprang!

Die Schildsteine rieselten getroffen in das Blut.

Da fochten sie so grimmig, wie man es nie wieder thut.

Der Vogt von Bechlaren schuf hin und her sich Bahn, 2326

Wie Einer der mit Ungestüm im Sturme werben kann.

Des Tages ward an Rüdiger herrlich offenbar,

Da? er ein Recke w?re, kühn und ohne Tadel gar.

Hier standen diese Recken, Gunther und Gernot, 2327

Sie schlugen in dem Streite viel der Helden todt.

Geiselhern und Dankwart am Heile wenig lag:

Da brachten sie noch Manchen hin zu seinem jüngsten Tag.

Wohl erwies auch Rüdiger, da? er stark war genug, 2328

Kühn und wohl gewaffnet: hei, was er Helden schlug!

Das sah ein Burgunde, da schuf der Zorn ihm Noth:

Davon begann zu nahen des edeln Rüdiger Tod.

Gernot der starke rief den Helden an. 2329

Er sprach zum Markgrafen: "Ihr wollt mir keinen Mann

Der Meinen leben la?en, viel edler Rüdiger.

Das schmerzt mich ohne Ma?en: ich ertrag es nicht l?nger mehr.

"Nun mag euch eure Gabe wohl zu Unstatten kommen, 2330

Da ihr mir der Freunde habt so viel genommen.

Nun bietet mir die Stirne, ihr edler kühner Mann:

So verdien ich eure Gabe, so gut ich immer nur kann."

Bevor da der Markgraf zu ihm gedrungen war. 2331

Ward noch getrübt vom Blute manch lichter Harnisch klar.

Da liefen sich einander die Ehrbegiergen an:

jedweder sich zu schirmen vor starken Wunden begann.

Doch schnitten ihre Schwerter, es schützte nichts dagegen. 2332

Da schlug den K?nig Gernot Rüdiger der Degen

Durch den steinharten Helm, da? niederflo? das Blut:

Das vergalt alsbald ihm dieser Ritter kühn und gut.

Hoch schwang er Rüdgers Gabe, die in der Hand ihm lag; 2333

Wie wund er war zum Tode, er schlug ihm einen Schlag

Auf des Helmes B?nder und durch den festen Schild,

Davon ersterben muste der gute Rüdiger mild.

So reicher Gabe übler gelohnt ward nimmermehr. 2334

Da fielen beid erschlagen, Gernot und Rüdiger,

Im Sturm gleicherma?en von beider K?mpfer Hand.

Da erst ergrimmte Hagen, als er den gro?en Schaden fand.

Da sprach der Held von Tronje: "Es ist uns schlimm bekommen. 2335

So gro?en Schaden haben wir an den Zwein genommen,

Da? wir ihn nie verwinden, ihr Volk noch ihr Land.

Uns Heimathlosen bleiben nun Rüdgers Helden zu Pfand."

Da wollte Keiner weiter dem Andern was vertragen: 2336

Mancher ward darnieder unverletzt geschlagen,

Der wohl noch w?r genesen: ob ihm war solcher Drang,

Wie heil er sonst gewesen, da? er im Blute doch ertrank.

"Weh mir um den Bruder! der fiel hier in den Tod. 2337

Was mir zu allen Stunden für leide M?re droht!

Auch mu? mich immer reuen mein Schw?her Rüdiger:

Der Schad ist beidenthalben und gro?en Jammers Beschwer."

Als der junge Geiselher sah seinen Bruder todt, 2338

Die noch im Saale waren, die musten leiden Noth.

Der Tod suchte eifrig, wo sein Gesinde w?r:

Deren von Bechelaren entgieng kein Einziger mehr.

Gunther und Hagen und auch Geiselher, 2339

Dankwart und Volker, die guten Degen hehr,

Die giengen zu der Stelle, wo man sie liegen fand:

Wie j?mmerlich da weinten diese Helden auserkannt!

"Der Tod beraubt uns übel," sprach Geiselher das Kind. 2340

"Nun la?t euer Weinen und gehn wir an den Wind,

Da? sich die Panzer kühlen uns streitmüden Degen:

Es will nicht Gott vom Himmel, da? wir l?nger leben m?gen."

Den sitzen, den sich lehnen sah man manchen Mann. 2341

Sie waren wieder mü?ig. Die Rüdgern unterthan

Waren all erlegen; verha?t war das Getos.

So lange blieb es stille, da? es Etzeln verdro?.

"O weh dieses Leides!" sprach die K?nigin. 2342

"Sie sprechen allzulange; unsre Feinde drin

M?gen wohl heil verbleiben vor Rüdigers Hand:

Er will sie wiederbringen heim in der Burgunden Land.

"Was hilfts, K?nig Etzel, da? wir an ihn vertan, 2343

Was er nur begehrte? Er that nicht wohl daran:

Der uns r?chen sollte, der will der Sühne pflegen."

Da gab ihr Volker Antwort, dieser zierliche Degen:

"Dem ist nicht also leider, viel edel K?nigsweib. 2344

Und dürft ich Lügen strafen ein so hehres Weib,

So h?ttet ihr recht teuflisch Rüdigern verlogen.

Er und seine Degen sind um die Sühne gar betrogen.

"So williglich vollbracht er, was ihm sein Herr gebot, 2345

Da? er und sein Gesinde hier fielen in den Tod.

Nun seht euch um, Frau Kriemhild, wem ihr gebieten wollt:

Euch war bis an sein Ende Rüdiger getreu und hold.

"Wollt ihr mir nicht glauben, so schaut es selber an." 2346

Zu ihrem Herzeleide ward es da gethan:

Man trug ihn hin erschlagen, wo ihn der K?nig sah.

K?nig Etzels Mannen wohl nimmer leider geschah.

Da sie den Markgrafen todt sahn vor sich tragen, 2347

Da verm?cht euch kein Schreiber zu schildern noch zu sagen

Die ungeb?rdge Klage so von Weib als Mann,

Die sich aus Herzensjammer da zu erzeigen begann.

K?nig Etzels Jammern war so stark und voll, 2348

Wie eines L?wen Stimme dem reichen K?nig scholl

Der Wehruf der Klage; auch ihr schufs gro?e Noth;

Sie weinten überm??ig um des guten Rüdger Tod.

* * * * *

Achtunddrei?igstes Abenteuer.

Wie Dietrichens Recken alle erschlagen wurden.

Der Jammer allenthalben zu solchem Ma?e schwoll, 2349

Da? von der Wehklage Pallas und Thurm erscholl.

Da vernahm es auch ein Berner, Dietrichs Unterthan:

Der schweren Botschaft willen wie eilends kam er heran!

Da sprach er zu dem Fürsten: "H?rt mich, Herr Dieterich, 2350

Was ich noch je erlebte, so herzensj?mmerlich

H?rt ich noch niemals klagen, als ich jetzt vernahm.

Ich glaube, da? der K?nig nun selber zu der Hochzeit kam,

"Wie w?ren sonst die Leute all in solcher Noth? 2351

Der K?nig oder Kriemhild Eins ward dem Tod

Von den kühnen G?sten in ihrem Zorn gesellt.

Es weint überm??ig mancher auserw?hlte Held."

Da sprach der Vogt von Berne: "Ihr Getreun in meinem Lehn, 2352

Seid nicht allzu eilig: was hier auch ist geschehn

Von den Heimathlosen, sie zwang dazu die Noth:

Nun la?t sie des genie?en, da? ich ihnen Frieden bot."

Da sprach der kühne Wolfhart: "Ich will zum Saale gehn, 2353

Der M?re nachzufragen, was da sei geschehn,

Und will euch dann berichten, viel lieber Herre mein,

Wenn ich es dort erkunde, wie die Sache m?ge sein."

Da sprach der edle Dietrich: "Wenn man sich Zorns versieht 2354

Und ungestümes Fragen zur Unzeit dann geschieht,

Das betrübt den Recken allzuleicht den Muth:

Drum will ich nicht, Wolfhart, da? ihr die Frage da thut."

Da bat er Helfrichen hin zu gehn geschwind, 2355

Ob er erkundgen m?ge bei Etzels Ingesind

Oder bei den G?sten, was da w?r geschehn.

Da wurde nie bei Leuten so gro?er Jammer gesehn.

Der Bote kam und fragte: "Was ist hier geschehn?" 2356

Da ward ihm zum Bescheide: "Nun must uns auch zergehn

Der Trost, der uns geblieben noch war in Heunenland:

Hier liegt erschlagen Rüdiger von der Burgunden Hand.

"Nicht Einer ist entkommen, der mit ihm gieng hinein." 2357

Das konnte Helfrichen nimmer leider sein.

Wohl mocht er seine M?re noch nie so ungern sagen:

Er kam zu Dietrichen zurück mit Weinen und Klagen.

"Was bringt ihr uns für Kunde?" sprach da Dieterich, 2358

"Wie weint ihr so heftig, Degen Helferich?"

Da sprach der edle Recke: "Wohl hab ich Grund zu klagen.

Den guten Rüdger haben die Burgunden erschlagen."

Da sprach der Held von Berne: "Das wolle nimmer Gott. 2359

Eine starke Rache w?r es und des Teufels Spott.

Wie h?tt an ihnen Rüdiger verdient solchen Sold?

Ich wei? wohl die Kunde, er ist den Fremdlingen hold."

Da sprach der kühne Wolfhart: "Und w?r es geschehn, 2360

So sollt es ihnen Allen an Leib und Leben gehn.

Wenn wirs ertragen wollten, es br?cht uns Spott und Schand,

Uns bot so gro?e Dienste des guten Rüdiger Hand."

Der Vogt von Amelungen erfragt' es gern noch mehr. 2361

In ein Fenster setzt' er sich, ihm war das Herz so schwer.

Da hie? er Hildebranden zu den G?sten gehn,

Bei ihnen zu erforschen, was da w?re geschehn.

Der sturmkühne Recke, Meister Hildebrand, 2362

Weder Schild noch Waffen trug er an der Hand.

Er wollt in seinen Züchten zu den G?sten gehn;

Von seiner Schwester Kinde must er sich gescholten sehn.

Da sprach der grimme Wolfhart: "Geht ihr dahin so blo?, 2363

So kommt ihr ungescholten nimmer wieder los:

So müst ihr dann mit Schanden thun die Wiederfahrt;

Geht ihr dahin in Waffen, so wei? ich, da? es Mancher spart."

Da rüstete der Alte sich nach des Jungen Rath. 2364

Eh Hildbrand es gewahrte, standen in ihrem Staat

Die Recken Dietrichs alle, die Schwerter in der Hand.

Leid war das dem Helden, er h?tt es gern noch abgewandt.

Er frag, wohin sie wollten. "Wir wollen mit euch hin; 2365

Ob von Tronje Hagen wohl dann noch ist so kühn,

Mit Spott zu euch zu reden, wie ihm zu thun gef?llt?"

Als er die Rede h?rte, erlaubt' es ihnen der Held.

Da sah der kühne Volker wohlgewaffnet gehn 2366

Die Recken von Berne in Dietrichens Lehn,

Die Schwerter umgegürtet, die Schilde vor der Hand:

Er sagt' es seinen Herren aus der Burgunden Land.

Da sprach der Fiedelspieler: "Dorten seh ich nahn 2367

Recht in Feindesweise Die Dietrich unterthan,

Gewaffnet unter Helmen: sie wollen uns bestehn.

Nun wird es an das Ueble mit uns Fremdlingen gehn."

Es w?hrte nicht lange, so kam auch Hildebrand: 2368

Da setzt' er vor die Fü?e seinen Schildesrand

Und begann zu fragen Die Gunthern unterthan:

"O weh, ihr guten Degen, was hatt euch Rüdiger gethan?

"Mich hat mein Herr Dietrich her zu euch gesandt, 2369

Ob erschlagen liege, Helden, von eurer Hand

Dieser edle Markgraf, wie man uns gab Bescheid?

Wir k?nnten nicht verwinden also schweres Herzeleid."

Da sprach der grimme Hagen: "Die M?r ist ungelogen, 2370

Wie gern ichs euch g?nnte, w?rt ihr damit betrogen,

Rüdigern zu Liebe: so lebt' er uns noch,

Den nie genug beweinen m?gen Fraun und Mannen doch."

Als sie das recht vernahmen, Rüdiger sei todt, 2371

Da beklagten ihn die Recken, wie ihre Treu gebot.

Dietrichens Mannen sah man die Thr?nen gehn

Uebern Bart zum Kinne: viel Leid war ihnen geschehn.

Siegstab der Herzog von Bern sprach zuhand: 2372

"O weh, wie all die Güte hier gar ein Ende fand,

Die uns Rüdiger hier schuf nach unsers Leides Tagen:

Der Trost der Heimathlosen liegt von euch Degen erschlagen."

Da sprach von Amelungen der Degen Wolfwein: 2373

"Und wenn ich vor mir liegen hier s?h, den Vater mein,

Mir würde nimmer leider als um Rüdgers Tod.

O weh, wer soll nun tr?sten die Markgr?fin in ihrer Noth?"

Do sprach im Zornmuthe der kühne Wolfhart: 2374

"Wer leitet nun die Recken auf mancher Heerfahrt,

Wie von dem Markgrafen so oft geschehen ist?

O weh, viel edler Rüdiger, da? du uns so verloren bist!"

Wolfbrand und Helferich und auch Helmnot 2375

Mit allen ihren Freunden beweinten seinen Tod.

Nicht mehr fragen mochte vor Seufzen Hildebrand:

So thut denn, ihr Degen, warum mein Herr uns gesandt.

"Gebt uns den todten Rüdiger aus dem Saal, 2376

An dem all unsre Freude erlitt den Jammerfall.

La?t uns ihm so vergelten, was er an uns gethan

Hat mit gro?er Treue und an manchem fremden Mann.

"Wir sind hier auch Vertriebene wie Rüdiger der Degen. 2377

Wie la?t ihr uns warten? La?t uns ihn aus den Wegen

Tragen und im Tode lohnen noch dem Mann:

Wir h?tten es wohl billig bei seinem Leben gethan."

Da sprach der K?nig Gunther: "Nie war ein Dienst so gut, 2378

Als den ein Freund dem Freunde nach dem Tode thut.

Das nenn ich st?te Treue, wenn man das leisten kann:

Ihr lohnt ihm nach Verdienste, er hat euch Liebes gethan."

"Wie lange solln wir flehen?" sprach Wolfart der Held." 2379

"Da unser Trost der beste liegt von euch gef?llt,

Und wir ihn nun leider nicht l?nger m?gen haben,

La?t uns ihn hinnen tragen, da? wir den Recken begraben."

Zur Antwort gab ihm Volker: "Man bringt ihn euch nicht her, 2380

Holt ihn aus dem Hause, wo der Degen hehr

Mit tiefen Herzenswunden gefallen ist ins Blut:

So sind es volle Dienste, die ihr hier Rüdigern thut."

Da sprach der kühne Wolfhart: "Gott wei?, Herr Fiedelmann, 2381

Ihr mü?t uns nicht noch reizen; ihr habt uns Leid gethan.

Dürft ichs vor meinem Herren, so k?mt ihr drum in Noth;

Doch mü?en wir es la?en, weil er den Streit uns verbot."

Da sprach der Fiedelspieler: "Der fürchtet sich zu viel, 2382

Der, was man ihm verbietet, Alles la?en will:

Das kann ich nimmer hei?en rechten Heldenmuth."

Die Rede dauchte Hagnen von seinem Heergesellen gut.

"Wollt ihr den Spott nicht la?en," fiel ihm Wolfhart ein, 2383

"Ich verstimm euch so die Saiten, da? ihr noch am Rhein,

Wenn je ihr heimreitet, habt davon zu sagen.

Euer Ueberheben mag ich mit Ehren nicht ertragen."

Da sprach der Fiedelspieler: "Wenn ihr den Saiten mein 2384

Die guten T?ne raubtet, eures Helmes Schein

Müste trübe werden dabei von meiner Hand,

Wie ich halt auch reite in der Burgunden Land."

Da wollt er zu ihm springen doch blieb nicht frei die Bahn. 2385

Hildebrand sein Oheim hielt ihn mit Kr?ften an.

"Ich seh, du willst wüthen in deinem dummen Zorn;

Nun h?tten wir auf immer meines Herren Huld verlorn."

"La?t los den Leuen, Meister, er hat so grimmigen Muth; 2386

Doch kommt er mir zu nahe," sprach Volker der Degen gut,

"H?tt er mit seinen H?nden die ganze Welt erlagen,

Ich schlag ihn, da? er nimmermehr ein Widerwort wei? zu sagen."

Darob ergrimmte heftig den Bernern der Muth. 2387

Den Schild ruckte Wolfhart, ein schneller Recke gut,

Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an.

Die Schar seiner Freunde ihm rasch zu folgen begann.

Mit weiten Sprüngen setzt' er bis vor des Saales Wand; 2388

Doch ereilt' ihn vor der Stiege der alte Hildebrand:

Er wollt ihn vor ihm selber nicht la?en in den Streit.

Zu ihrem Willen fanden sie gern die G?ste bereit.

Da sprang hin zu Hagen Meister Hildebrand: 2389

Man h?rte Waffen klingen an der Helden Hand.

Sie waren sehr im Zorne, das zeigte sich geschwind:

Von der Beiden Schwertern gieng der feuerrothe Wind.

Da wurden sie geschieden in des Streites Noth: 2390

Das thaten die von Berne, wie Kraft und Muth gebot.

Als sich von Hagen wandte Meister Hildebrand,

Da kam der starke Wolfhart auf den kühnen Volker gerannt.

Auf den Helm dem Fiedler schlug er solchen Schwang, 2391

Da? des Schwertes Sch?rfe durch die Spangen drang.

Das vergalt mit Ungestüm der kühne Fiedelmann:

Da schlug er Wolfharten, da? er zu sprühen begann.

Feuers aus den Panzern hieben sie genug; 2392

Grimmen Ha? Jedweder zu dem Andern trug.

Da schied sie von Berne der Degen Wolfwein;

W?r er kein Held gewesen, so konnte das nimmer sein.

Gunther der kühne mit williger Hand 2393

Empfieng die hehren Helden aus Amelungenland.

Geiselher der junge die lichten Helme gut

Macht' er in dem Sturme Manchem na? und roth von Blut.

Dankwart, Hagens Bruder, war ein grimmer Mann: 2394

Was er zuvor im Streite Herrliches gethan

An K?nig Etzels Recken, das schien nun gar ein Wind:

Nun erst begann zu toben des kühnen Aldrians Kind.

Ritschart und Gerbart, Helfrich und Wichart 2395

In manchen Stürmen hatten die selten sich gespart:

Das lie?en sie wohl schauen die in Gunthers Lehn.

Da sah man Wolfbranden in dem Sturme herrlich gehn.

Da focht, als ob er wüthe, der alte Hildebrand. 2396

Viel gute Recken musten vor Wolfhartens Hand

Auf den Tod getroffen sinken in das Blut:

So r?chten Rüdgers Wunden diese Recken kühn und gut.

Da focht der Herzog Siegstab, wie ihm der Zorn gebot. 2397

Hei! was harter Helme brach in des Sturmes Noth

An seinen Feinden Dietrichens Schwestersohn!

Er konnt in dem Sturme nicht gewaltiger drohn.

Volker der Starke, als er das ersah, 2398

Wie Siegstab der kühne aus Panzerringen da

B?che Blutes holte, das schuf dem Biedern Zorn:

Er sprang ihm hin entgegen: da hatte hier bald verlorn

Von dem Fiedelspieler das Leben Siegstab: 2399

Volker ihm seiner Künste so vollen Anteil gab,

Er fiel von seinem Schwerte nieder in den Tod.

Der alte Hilbrand r?chte das, wie ihm sein Eifer gebot.

"O weh des lieben Herren," sprach Meister Hildebrand, 2400

"Der uns hier erschlagen liegt von Volkers Hand!

Nun soll der Fiedelspieler auch l?nger nicht gedeihn."

Hildebrand der kühne wie k?nnt er grimmiger sein.

Da schlug er so auf Volker, da? von des Helmes Band 2401

Die Splitter allw?rts stoben bis zu des Saales Wand,

Vom Helm und auch vom Schilde dem kühnen Spielmann;

Davon der starke Volker nun auch sein Ende gewann.

Da drangen zu dem Streite Die in Dietrichs Lehn: 2402

Sie schlugen, da? die Splitter sich wirbelnd musten drehn

Und man der Schwerter Enden in die H?he fliegen sah.

Sie holten aus den Helmen hei?e Blutb?che da.

Nun sah von Tronje Hagen Volker den Degen todt: 2403

Das war ihm bei der Hochzeit die allergr?ste Noth,

Die er gewonnen hatte an Freund und Unterthan!

O weh, wie grimmig Hagen den Freund zu r?chen begann!

"Nun soll es nicht genie?en der alte Hildebrand: 2404

Mein Gehilfe liegt erschlagen von des Helden Hand,

Der beste Heergeselle, den ich je gewann."

Den Schild rückt' er h?her, so gieng er hauend hindann.

Helferich der starke Dankwarten schlug: 2405

Gunthern und Geiselhern war es leid genug,

Als sie ihn fallen sahen in der starken Noth;

Doch hatten seine H?nde wohl vergolten seinen Tod.

So viel aus manchen Landen hier Volks versammelt war, 2406

Viel Fürsten kraftgerüstet gegen die kleine Schar,

W?ren die Christenleute nicht wider sie gewesen,

Durch ihre Tugend mochten sie vor allen Heiden wohl genesen.

Derweil schuf sich Wolfhart hin und wieder Bahn, 2407

Alles niederhauend, was Gunthern unterthan.

Er machte nun zum dritten Mal die Runde durch den Saal:

Da fiel von seinen H?nden gar mancher Recke zu Thal.

Da rief der starke Geiselher Wolfharten an: 2408

"O weh, da? ich so grimmen Feind je gewann!

Kühner Ritter edel, nun wende dich hieher!

Ich will es helfen enden, nicht l?nger trag ich es mehr."

Zu Geiselheren wandte sich Wolfhart in den Streit. 2409

Da schlugen sich die Recken manche Wunde weit.

Mit solchem Ungestüme er zu dem K?nig drang,

Da? unter seinen Fü?en übers Haupt das Blut ihm sprang.

Mit schnellen grimmen Schl?gen der sch?nen Ute Kind 2410

Empfieng da Wolfharten, den Helden hochgesinnt.

Wie stark auch war der Degen, wie sollt er hier gedeihn?

Es konnte nimmer kühner ein so junger K?nig sein.

Da schlug er Wolfharten durch einen Harnisch gut, 2411

Da? ihm aus der Wunde niederscho? das Blut:

Zum Tode war verwundet Dietrichens Unterthan.

Wohl must er sein ein Recke, der solche Werke gethan.

Als der kühne Wolfhart die Wund an sich empfand, 2412

Den Schild lie? er fallen: h?her in der Hand

Hob er ein starkes Waffen, das war wohl scharf genug:

Durch Helm und Panzerringe der Degen Geiselhern schlug.

Den grimmen Tod einander hatten sie angethan. 2413

Da lebt' auch Niemand weiter, der Dietrich unterthan.

Hildebrand der alte Wolfharten fallen sah:

Gewiss vor seinem Tode solch Leid ihm nimmer geschah.

Erstorben waren Alle Die in Gunthers Lehn 2414

Und Die in Dietrichens. Hilbranden sah man gehn,

Wo Wolfhart war gefallen nieder in das Blut.

Er umschlo? mit Armen den Degen bieder und gut.

Er wollt ihn aus dem Hause tragen mit sich fort; 2415

Er war zu schwer doch, la?en must ihn der Alte dort.

Da blickt' aus dem Blute der todwunde Mann:

Er sah wohl, sein Oheim hülfe gern ihm hindann.

Da sprach der Todwunde: "Viel lieber Oheim mein, 2416

Mir kann zu dieser Stunde eure Hülfe nicht gedeihn.

Nun hütet euch vor Hagen, fürwahr, ich rath euch gut:

Der tragt in seinem Herzen einen grimmigen Muth.

"Und wollen meine Freunde im Tode mich beklagen, 2417

Den n?chsten und den besten sollt ihr von mir sagen,

Da? sie nicht um mich weinen, das thu nimmer Noth:

Von eines K?nigs H?nden fand ich hier herrlichen Tod.

"Ich hab auch so vergolten mein Sterben hier im Saal, 2418

Das schafft noch den Frauen der guten Ritter Qual.

Wills Jemand von euch wi?en, so m?gt ihr kühnlich sagen:

Von meiner Hand alleine liegen hundert wohl erschlagen.

Da gedacht auch Hagen an den Fiedelmann, 2419

Dem der alte Hildebrand das Leben abgewann:

Da sprach er zu dem Kühnen: "Ihr entgeltet nun mein Leid.

Ihr habt uns hier benommen manchen Recken kühn im Streit."

Er schlug auf Hildebranden da? man wohl vernahm 2420

Balmungen dr?hnen, den Siegfrieden nahm

Hagen der kühne, als er den Helden schlug.

Da wehrte sich ser Alte: er war auch streitbar genug.

Wolfhartens Oheim ein breites Waffen schwang 2421

Auf Hagen von Tronje, das scharf den Stahl durchdrang:

Doch konnt er nicht verwunden Gunthers Unterthan.

Da schlug ihm Hagen wieder durch einen Harnisch wohlgetan.

Als da Meister Hildebrand die Wunde recht empfand, 2422

Besorgt' er gr??ern Schaden noch von Hagens Hand.

Den Schild warf auf den Rücken Dietrichs Unterthan:

Mit der starken Wunde der Held vor Hagen entrann.

Da lebt' auch von allen den Degen Niemand mehr 2423

Als Gunther und Hagen, die beiden Recken hehr.

Mit Blut gieng beronnen der alte Hildebrand:

Er brachte leide M?re, da er Dietrichen fand.

Schwer bekümmert sitzen sah er da den Mann: 2424

Noch gr??ern Leides Kunde nun der Fürst gewann.

Als er Hildebranden im Panzer sah so roth,

Da fragt' er nach der Ursach, wie ihm die Sorge gebot.

"Nun sagt mir, Meister Hildebrand, wie seid ihr so na? 2425

Von dem Lebensblute? oder wer that euch das?

Ihr habt wohl mit den G?sten gestritten in dem Saal?

Ihr lie?t es billig bleiben, wie ich so dringend befahl."

Da sagt' er seinem Herren: "Hagen that es mir: 2426

Der schlug mir in dem Saale diese Wunde hier,

Als ich von dem Recken zu wenden mich begann.

Kaum da? ich mit dem Leben noch dem Teufel entrann."

Da sprach der von Berne: "Gar recht ist euch geschehen, 2427

Da ihr mich Freundschaft h?rtet den Recken zugestehn

Und doch den Frieden brachet, den ich ihnen bot:

W?r mirs nicht ewig Schande, ihr solltets bü?en mit dem Tod."

"Nun zürnt mir, Herr Dietrich, darob nicht allzusehr: 2428

An mir und meinen Freunden ist der Schade gar zu schwer.

Wir wollten Rüdger gerne tragen aus dem Saal:

Das wollten uns nicht g?nnen die, welchen Gunther befahl."

"O weh mir dieses Leides! Ist Rüdiger doch todt? 2429

Das mu? mir sein ein Jammer vor all meiner Noth.

Gotelind die edle ist meiner Base Kind:

O weh der armen Waisen, die dort zu Bechlaren sind!"

Herzeleid und Kummer schuf ihm sein Tod: 2430

Er hub an zu weinen: den Helden zwang die Noth.

"O weh der treuen Hülfe, die mir an ihm erlag,

K?nig Etzels Degen, den ich nie verschmerzen mag.

"K?nnt ihr mir, Meister Hildebrand, rechte Kunde sagen, 2431

Wie der Recke hei?e, der ihn hat erschlagen?"

Er sprach "Das that mit Kr?ften der starke Gernot;

Von Rüdigers H?nden fand auch der K?nig den Tod."

Er sprach zu Hilbranden: "So sagt den Meinen an, 2432

Da? sie alsbald sich waffnen, so geh ich selbst hinan.

Und befehlt, da? sie mir bringen mein lichtes Streitgewand:

Ich selber will nun fragen die Helden aus Burgundenland."

Da sprach Meister Hildebrand: "Wer soll mit euch gehn? 2433

Die euch am Leben blieben, die seht ihr vor euch stehn:

Das bin ich ganz alleine; die Andern die sind todt."

Da erschrak er dieser M?re, es schuf ihm wahrhafte Noth,

Da? er auf Erden nimmer noch solches Leid gewann. 2434

Er sprach: "Und sind erstorben all Die mir unterthan,

So hat mein Gott verge?en, ich, armer Dietrich!

Ich herrscht' ein m?chtger K?nig einst hehr und gewaltiglich."

Wieder sprach da Dietrich: "Wie k?nnt es nur geschehn, 2435

Da? sie all erstarben, die Helden ausersehn,

Vor den Streitmüden, die doch gelitten Noth?

Mein Unglück schufs alleine, sonst verschonte sie der Tod!

"Wenn dann mein Unheil wollte, es sollte sich begeben, 2436

So sprecht, blieb von den G?sten Einer noch am Leben?"

Da sprach Meister Hildebrand: "Das wei? Gott, Niemand mehr

Als Hagen ganz alleine und Gunther der K?nig hehr."

"O weh, lieber Wolfhart, und hab ich dich verloren, 2437

So mag mich bald gereuen, da? ich je ward geboren.

Siegstab und Wolfwein und auch Wolfbrand:

Wer soll mir denn helfen in der Amelungen Land?

"Helferich der kühne, und ist mir der erschlagen, 2438

Gerbart und Wichard, wann h?r ich auf zu klagen?

Das ist aller Freuden mir der letzte Tag.

O weh, da? vor Leide Niemand doch ersterben mag!"

* * * * *

Neununddrei?igstes Abenteuer.

Wie Gunther, Hagen und Kriemhild erschlagen wurden.

Da suchte sich Herr Dietrich selber sein Gewand; 2439

Ihm half, da? er sich waffnete, der alte Hildebrand.

Da klagte so gewaltig der kraftvolle Mann,

Da? von seiner Stimme das Haus zu schüttern begann.

Dann gewann er aber wieder rechten Heldenmuth. 2440

Im Grimm ward gewaffnet da der Degen gut.

Seinen Schild, den festen, den nahm er an die Hand:

Sie giengen bald von dannen, er und Meister Hildebrand.

Da sprach von Tronje Hagen: "Dort seh ich zu uns gehn 2441

Dietrich den Herren: der will uns bestehn

Nach dem gro?en Leide, das wir ihm angethan.

Nun soll man heute schauen, wen man den Besten nennen kann.

"Und dünkt sich denn von Berne der Degen Dieterich 2442

Gar so starkes Leibes und so fürchterlich.

Und will ers an uns r?chen was ihm ist geschehn,"

Also sprach da Hagen, "ich bin wohl Mann ihn zu bestehn."

Die Rede h?rte Dietrich mit Meister Hildebrand. 2443

Er kam, wo er die Recken beide stehen fand

Au?en vor dem Hause, gelehnt an den Saal.

Seinen Schild den guten, den setzte Dietrich zu Thal.

In leidvollen Sorgen sprach da Dietrich: 2444

"Wie habt ihr so geworben, Herr Gunther, wider mich,

Einen Heimathlosen? Was that ich euch wohl je,

Da? alles meines Trostes ich nun verwaiset mich seh?

"Ihr fandet nicht Genüge an der gro?en Noth, 2445

Als ihr uns Rüdigeren, den Recken, schluget todt:

Ihr missg?nntet sie mir alle, Die mir unterthan.

Wohl h?tt ich solchen Leides euch Degen nimmer gethan.

"Gedenkt an euch selber und an euer Leid, 2446

Eurer Freunde Sterben und all die Noth im Streit,

Ob es euch guten Degen nicht beschwert den Muth.

O weh, wie so unsanft mir der Tod Rüdigers thut!

"So leid geschah auf Erden Niemanden je. 2447

Ihr gedachtet wenig an mein und euer Weh.

Was ich Freuden hatte, das liegt von euch erschlagen:

Wohl kann ich meine Freunde nimmer genug beklagen."

"Wir sind wohl nicht so schuldig," sprach Hagen entgegen. 2448

"Zu diesem Hause kamen alle eure Degen

Mit gro?em Flei? gewaffnet in einer breiten Schar.

Man hat euch wohl die M?re nicht gesagt, wie sie war."

"Was soll ich andere glauben? mir sagt Hildebrand: 2449

Euch baten meine Recken vom Amelungenland,

Da? ihr ihnen Rüdigern g?bet aus dem Haus:

Da botet ihr Gesp?tte nur meinen Recken heraus."

Da sprach der Vogt vom Rheine: "Sie wollten Rüdgern tragen, 2450

Sagten sie, von hinnen: das lie? ich versagen

Etzeln zum Trotze, nicht aber deinem Heer,

Bis darob zu schelten Wolfhart begann, der Degen hehr."

Da sprach der Held von Berne: "Es sollte nun so sein. 2451

Gunther, edler K?nig, bei aller Tugend dein

Ersetze mir das Herzeleid, das mir von dir geschehn;

Versühn es, kühner Ritter, so la? ichs ungerochen gehn.

"Ergieb dich mir zum Geisel mit Hagen deinem Mann: 2452

So will ich euch behüten, so gut ich immer kann,

Da? euch bei den Heunen hier Niemand Leides thut.

Ihr sollt an mir erfahren, da? ich getreu bin und gut."

"Das verhüte Gott vom Himmel," sprach Hagen entgegen, 2453

"Da? sich dir ergeben sollten zwei Degen,

Die noch in voller Wehre dir gegenüber stehn,

Das w?r uns Unehre: die Feigheit soll nicht geschehn."

"Ihr solltets nicht verweigern," sprach wieder Dietrich. 2454

"Gunther und Hagen, ihr habt so bitterlich

Beide mir bekümmert das Herz und auch den Muth,

Wollt ihr mir das vergüten, da? ihr es billiglich thut.

"Ich geb euch meine Treue, und reich euch drauf die Hand, 2455

Da? ich mit euch reite heim in euer Land.

Ich geleit euch wohl nach Ehren, ich stürbe denn den Tod,

Und will um euch verge?en all meiner schmerzhaften Noth."

"Begehrt es nicht weiter," sprach wieder Hagen: 2456

"Wie ziemt es, wenn die M?re w?r von uns zu sagen,

Da? zwei so kühne Degen sich erg?ben eurer Hand?

Sieht man bei euch doch Niemand als alleine Hildebrand."

Da sprach Meister Hildebrand: "Gott wei?, Herr Hagen, 2457

Den Frieden, den Herr Dietrich euch hat angetragen,

Es kommt noch an die Stunde vielleicht in kurzer Frist,

Da? ihr ihn gerne n?hmet, und er nicht mehr zu haben ist."

"Auch n?hm ich eh den Frieden," sprach Hagen entgegen, 2458

"Eh ich mit Schimpf und Schande so vor einem Degen

Fl?he, Meister Hildebrand, als ihr hier habt gethan:

Ich w?hnt auf meine Treue, ihr stündet be?er euerm Mann."

Da sprach Meister Hildebrand: "Was verweiset ihr mir das? 2459

Nun wer wars, der auf dem Schilde vor dem Wasgensteine sa?,

Als ihm von Spanien Walther so viel der Freunde schlug?

Wohl habt ihr an euch selber noch zu rügen genug."

Da sprach der edle Dietrich: "Wie ziemt solchen Degen 2460

Sich mit Worten schelten wie alte Weiber pflegen?

Ich verbiet es, Meister Hildebrand sprecht hier nicht mehr.

Mich heimathlosen Recken zwingt so gro?e Beschwer.

"La?t h?ren, Freund Hagen," sprach da Dieterich, 2461

"Was spracht ihr zusammen, ihr Helden tugendlich,

Als ihr mich gewaffnet sahet zu euch gehn?

Ihr sagtet, ihr alleine wolltet mich im Streit bestehn."

"Das wird euch Niemand l?ugnen," sprach Hagen entgegen, 2462

"Wohl will ichs hier versuchen mit kr?ftigen Schl?gen,

Es sei denn, mir zerbreche das Nibelungenschwert:

Mich entrüstet, da? zu Geiseln unser beider ward begehrt."

Als Dietrich erh?rte Hagens grimmen Muth, 2463

Den Schild behende zuckte der schnelle Degen gut.

Wie rasch ihm von der Stiege entgegen Hagen sprang!

Niblungs Schwert das gute auf Dietrichen laut erklang.

Da wuste wohl Herr Dietrich, da? der kühne Mann 2464

Grimmen Muthes fechte; zu schirmen sich begann

Der edle Vogt von Berne vor ?ngstlichen Schl?gen.

Wohl erkannt er Hagen, er war ein auserw?hlter Degen.

Auch scheut' er Balmungen, eine Waffe stark genug. 2465

Nur unterweilen Dietrich mit Kunst entgegenschlug

Bis da? er Hagen im Streite doch bezwang.

Er schlug ihm eine Wunde die gar tief war und lang.

Der edle Dietrich dachte: "Dich schw?chte lange Noth; 2466

Mir br?cht es wenig Ehre, g?b ich dir den Tod.

So will ich nur versuchen, ob ich dich zwingen kann,

Als Geisel mir zu folgen." Das ward mit Sorgen gethan.

Den Schild lie? er fallen: seine St?rke, die war gro?; 2467

Hagnen von Tronje mit den Armen er umschlo?.

So ward von ihm bezwungen dieser kühne Mann.

Gunther der edle darob zu trauern begann.

Hagnen band da Dietrich und führt' ihn, wo er fand 2468

Kriemhild die edle, und gab in ihre Hand

Den allerkühnsten Recken, der je Gewaffen trug.

Nach ihrem gro?en Leide ward sie da fr?hlich genug.

Da neigte sich dem Degen vor Freuden Etzels Weib: 2469

"Nun sei dir immer selig das Herz und auch der Leib.

Du hast mich wol entsch?digt aller meiner Noth:

Ich will dirs immer danken, es verwehr es denn der Tod."

Da sprach der edle Dietrich: "Nun la?t ihn am Leben, 2470

Edle K?nigstochter: es mag sich wohl begeben,

Da? euch sein Dienst vergütet das Leid, das er euch that:

Er soll es nicht entgelten, da? ihr ihn gebunden saht."

Da lie? sie Hagnen führen in ein Haftgemach, 2471

Wo Niemand ihn erschaute und er verschlo?en lag.

Gunther der Edle hub da zu rufen an:

"Wo blieb der Held von Berne? Er hat mir Leides gethan."

Da gieng ihm hin entgegen von Bern Herr Dieterich. 2472

Gunthers Kr?fte waren stark und ritterlich;

Da s?umt' er sich nicht l?nger, er rannte vor den Saal.

Von ihrer Beider Schwertern erhob sich m?chtiger Schall.

So gro?en Ruhm erstritten Dietrich seit alter Zeit, 2473

In seinem Zorne tobte Gunther zu sehr im Streit:

Er war nach seinem Leide von Herzen feind dem Mann.

Ein Wunder must es hei?en, da? da Herr Dietrich entrann.

Sie waren alle Beide so stark und muthesvoll, 2474

Da? von ihren Schl?gen Pallas und Thurm erscholl,

So hieben sie mit Schwertern auf die Helme gut.

Da zeigte K?nig Gunther einen herrlichen Muth.

Doch zwang ihn Der von Berne, wie Hagnen war geschehn. 2475

Man mochte durch den Panzer das Blut ihm flie?en sehn

Von einem scharfen Schwerte: das trug Herr Dieterich

Doch hatte sich Herr Gunther gewehrt, der müde, ritterlich.

Der K?nig ward gebunden von Dietrichens Hand, 2476

Wie nimmer K?nige sollten leiden solch ein Band.

Er dachte, lie?' er ledig Gunthern und seinen Mann,

Wem sie begegnen m?chten, die müsten all den Tod empfahn.

Dietrich von Berne nahm ihn bei der Hand, 2477

Er führt' ihn hin gebunden, wo er Kriemhilden fand.

Ihr war mit seinem Leide des Kummers viel benommen.

Sie sprach: "K?nig Gunther, nun seid mir h?chlich willkommen."

Er sprach: "Ich müst euch danken, viel edle Schwester mein, 2478

Wenn euer Gru? in Gnaden geschehen k?nnte sein.

Ich wei? euch aber, K?nigin, so zornig von Muth,

Da? ihr mir und Hagen solchen Gru? im Spotte thut."

Da sprach der Held von Berne: "K?nigstochter hehr, 2479

So gute Helden sah, man als Geisel nimmermehr

Als ich, edle K?nigin, bracht in eure Hut.

Nun komme meine Freundschaft den Heimathlosen zu Gut."

Sie sprach, sie th?t es gerne. Da gieng Herr Dieterich 2480

Mit weinenden Augen von den Helden tugendlich.

Da r?chte sich entsetzlich K?nig Etzels Weib:

Den auserw?hlten Recken nahm sie Leben und Leib.

Sie lie? sie gesondert in Gef?ngniss legen, 2481

Da? sich nie im Leben wiedersahn die Degen,

Bis sie ihres Bruders Haupt hin vor Hagen trug.

Kriemhildens Rache ward an Beiden grimm genug.

Hin gieng die K?nigstochter, wo sie Hagen sah; 2482

Wie feindselig sprach sie zu dem Recken da:

"Wollt ihr mir wiedergeben, was ihr mir habt genommen,

So m?gt ihr wohl noch lebend heim zu den Burgunden kommen."

Da sprach der grimme Hagen: "Die Red ist gar verloren, 2483

Viel edle K?nigstochter. Den Eid hab ich geschworen,

Da? ich den Hort nicht zeige: so lange noch am Leben

Blieb Einer meiner Herren, so wird er Niemand gegeben."

"Ich bring es zu Ende," sprach das edle Weib. 2484

Dem Bruder nehmen lie? sie Leben da und Leib.

Man schlug das Haupt ihm nieder: bei den Haaren sie es trug

Vor den Held von Tronje: da gewann er Leids genug.

Als der Unmuthvolle seines Herren Haupt ersah, 2485

Wider Kriemhilden sprach der Recke da:

"Du hasts nach deinem Willen zu Ende nun gebracht;

Es ist auch so ergangen, wie ich mir hatte gedacht.

"Nun ist von Burgunden der edle K?nig todt, 2486

Geiselher der junge dazu Herr Gernot.

Den Hort wei? nun Niemand als Gott und ich allein:

Der soll dir Teufelsweibe immer wohl verhohlen sein."

Sie sprach: "So habt ihr üble Vergeltung mir gew?hrt; 2487

So will ich doch behalten Siegfriedens Schwert.

Das trug mein holder Friedel, als ich zuletzt ihn sah,

An dem mir Herzensjammer vor allem Leide geschah."

Sie zog es aus der Scheide, er konnt es nicht wehren. 2488

Da dachte sie dem Recken das Leben zu versehren.

Sie schwang es mit den H?nden, das Haupt schlug sie ihm ab.

Das sah der K?nig Etzel, dem es gro?en Kummer gab.

"Weh!" rief der K?nig, "wie ist hier gef?llt 2489

Von eines Weibes H?nden der allerbeste Held,

Der je im Kampf gefochten und seinen Schildrand trug!

So feind ich ihm gewesen bin, mir ist leid um ihn genug."

Da sprach Meister Hildebrand: "Es kommt ihr nicht zu gut, 2490

Da? sie ihn schlagen durfte; was man halt mir thut,

Ob er mich selber brachte in Angst und gro?e Noth,

Jedennoch will ich r?chen dieses kühnen Tronjers Tod."

Hildebrand im Zorne zu Kriemhilden sprang: 2491

Er schlug der K?nigstochter einen Schwertesschwang.

Wohl schmerzten solche Dienste von dem Degen sie;

Was k?nnt es aber helfen, da? sie so ?ngstlich schrie?

Die da sterben sollen, die lagen all umher: 2492

Zu Stücken lag verhauen die K?nigin hehr.

Dietrich und Etzel huben zu weinen an

Und j?mmerlich zu klagen manchen Freund und Unterthan.

Da war der Helden Herrlichkeit hingelegt im Tod: 2493

Die Leute hatten alle Jammer und Noth.

Mit Leide war beendet des K?nigs Lustbarkeit,

Wie immer Leid die Freude am lezten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden, was seither geschah, 2494

Als da? man immer weinen Christen und Heiden sah,

Die Ritter und die Frauen und manche sch?ne Maid:

Sie hatten um die Freunde das allergr??este Leid.

Ich sag euch nun nicht weiter von der gro?en Noth: 2495

Die da erschlagen waren, die la?t liegen todt.

Wie es im Heunenlande dem Volk hernach gerieth,

Hie hat die M?r ein Ende: das ist das Nibelungenlied.

* * * * *

Statt der letzten fünf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten übereinstimmend mit A.

Hildebrand im Zorne zu Kriemhilden sprang.

Er schlug der K?nigstochter einen schweren Schwertesschwang,

Mitten wo die Borte den Leib ihr hatt umgeben.

Davon die K?nigstochter verlieren must ihr werthes Leben.

Das Schwert schnitt so heftig da? sie nichts empfand,

Das sie unsanft h?tte berührt; sie sprach zuhand:

"Dein Waffen ist erblindet, du sollst es von dir legen:

Es ziemt nicht, da? es trage solch ein zierlicher Degen."

Da zog er von dem Finger ein golden Ringelein

Und warfs ihr vor die Fü?e: "Hebt ihr das Fingerlein

Vom Boden auf, so spracht ihr die Wahrheit, edel Weib."

Sie bückte sich zum Golde: da brach entzwei ihr werther Leib.

So war auch erlegen Kriemhild, o weh der Noth:

Wie so gar unmü?ig war da der Tod.

Dietrich und Etzel huben zu weinen an,

Und inniglich klagen sah man so Weib als Mann.

Da war der Helden Herrlichkeit hingelegt im Tod,

Die Leute hatten alle Jammer und Noth.

Mit Leid war beendet des K?nigs Lustbarkeit,

Wie immer Leid die Freude am letzten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden was seither geschah,

Als da? man Fraun und Ritter immer weinen sah,

Dazu die edeln Knechte, um lieber Freunde Tod.

Hier hat die M?r ein Ende: das ist die Nibelungennoth.

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