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   Chapter 22 No.22

Bergrichters Erdenwallen By Arthur Achleitner Characters: 6127

Updated: 2017-11-30 00:04


Die Hochzeit Emmys mit Franz Ratschiller war schon auf einen Tag im M?rz festgesetzt und alle Vorbereitungen dazu im Gange. Ehrenstra?er hatte als liebender, fürsorglicher Vater das Seinige dazu gethan, die Ausstattung in Innsbruck und Wien bestellt und die kleine Mitgift flüssig gemacht.

Da kam eines Morgens eine Nachricht, welche das ganze Bezirksgericht in Bewegung setzte. Ehrenstra?er erhielt das Dekret, inhaltlich der Ernennung zum k.k. Landesgerichtsrat mit Versetzung in dieser Diensteigenschaft an das Strafgericht in Innsbruck. Vom letzten Gefangenaufseher bis herauf zum Gerichtsadjunkten kam die Beamtenschaft, um dem verehrten Chef zu dieser hochehrenden Auszeichnung die Glückwünsche zu überbringen, und gerührt dankte Ehrenstra?er für diese freundliche Aufmerksamkeit. Zugleich fügte er aber bei, da? er in seiner Diensteseigenschaft im liebgewordenen St?dtchen zu verbleiben wünsche und daher auf die Bef?rderung Verzicht leisten werde. Die Beamtenschaft staunte, doch freute sie sich, da? der allverehrte Vorstand dem Gericht erhalten bleiben würde.

W?hrend sich die Kunde vom Verzicht mit Blitzesschnelle im St?dtchen verbreitete, schrieb Ehrenstra?er an das Pr?sidium die Bitte um Belassung in seiner bisherigen Stellung, in welcher er absterben m?chte.

Als einer der ersten Gratulanten aus dem St?dtchen erschien Ratschiller, den Ehrenstra?er humorvoll bat, mit einem Schwiegervater, der ?nur" Bezirksrichter zu sein und bleiben wünsche, gütigst zufrieden sein zu wollen.

?Ich tauge nicht mehr in die Stadt und will Bezirksrichter bleiben!" fügte Ehrenstra?er hinzu.

?Und wir k?nnen darob nur glücklich sein!" versicherte Franz.

Wenige Tage darauf erhielt Ehrenstra?er einen Brief, der ihn unf?hig zu jeglicher Arbeit machte. Der alte Richter zitterte schon beim Anblick der Handschrift und die Lektüre machte ihn weinen. Bianca gratulierte zur Bef?rderung und gestand reumütig ein, schlecht gehandelt zu haben. Der Verzicht auf die Versetzung nach Innsbruck habe ihr die Augen ge?ffnet, das Herz gerührt und demütig bitte die bisher Verblendete um die Erlaubnis zur Rückkehr an die Seite des Mannes, den sie so schwer gekr?nkt und nicht verstanden habe. Willig werde sie alles fürder ertragen, auf jegliches Vergnügen verzichten, wenn ihr nur das hei?ersehnte Glück einer Verzeihung werde, wenn sie zurückkehren dürfe. Eine Stunde sp?ter trug der elektrische Funke die Worte nach dem Süden: ?Alles verziehen! Kommt sofort! Dein Gatte!"

Glücklich vereint, wurde Hochzeit gehalten, zu der sich auch die hinkende Doktorin mit ihrem Gatten einfand. Ehrenstra?er blieb Bergrichter, bis zum 70. Geburtstage seine Pensionierung unter Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes erfolgte. Und von Jung und Alt verehrt, verlebte Ehrenstra?er im kleinen, trauten St?dtchen den Abend seines Lebens glücklich und zufrieden, genannt der Bergrichter.

Fu?noten:

[1] Vergl. das geniale Werk von Prof. Dr. Gro?: ?Handbuch für Untersuchungsrichter." Im Gebirge existiert ein Brauch, da? Burschen mit rotverh?ngten Laternen in die Schl

afstuben der Dirnen schleichen und die derbsten Scherze verüben. Es wird behauptet, da? das rote Licht die Leute eher schlafen mache, als da? es dieselben aufwecke.

[2] Einem Josef Aspdin in Leeds (England) gelang es bei seinen Versuchen, die natürlichen hydraulischen M?rtelbildner, Purzolan- und Roman-Cement, durch künstliche zu ersetzen, unter Beobachtung eines bestimmten Mischungsverh?ltnisses und einer entsprechend hohen Temperatur beim Brennen ein Produkt zu erhalten, das sich als ganz hervorragendes hydraulisches M?rtelmaterial erwies. Aspdin benannte es ?Portland-Cement", weil es, wenn es in Wasser erh?rtet, einem vorzüglichen Baustein jener Gegend, dem ?Portlandstone" in Farbe und Haltbarkeit auffallend glich. Vergl. Dr. . Schoch, Die moderne Aufbereitung und Wertung der M?rtel-Materialien.

[3] In den Alpenl?ndern deutscher Zunge bis hinein nach Niederbayern sagt das Bauernvolk ?Okta" für Notar.

[4] Dieser Aberglaube ist heute noch im Bergvolk verbreitet, man glaubt an die unfehlbare Wirkung, doch bringe solcher Frevel, weil ein Bund mit dem Teufel, einen schweren Tod mit sich. Der Betreffende k?nne erst dann sterben, wenn ein Priester die Hostie wieder aus der Hand herausschneide, in welchem Moment die Schu?sicherheit verloren gehe und der Bund mit dem Teufel wieder aufgehoben werde. N?heres hierüber bei Dr. H?fler, Volksmedizin und Aberglaube, 1888.

[5] Allgemein wird am Amtstag in Streitf?llen eine sog. ?mündliche" Vorladung des Gegners verlangt; diese ?mündliche" Vorladung ist aber eine schriftliche, die jedoch nicht wie alle übrigen Ladungen durch das Gericht, sondern durch die Klagspartei zuzustellen ist. Ein Erscheinen auf solche ?mündliche", i.e. schriftliche Ladung zum Austrag des Falles am betr. Amtstag ist aber nicht obligatorisch. Der umst?ndliche Vorgang ist nach reichsdeutschen Begriffen mit einem einzigen Worte zu bezeichnen: ?Sühneversuch".

[6] Mit diesem Ausdruck ist ?Gerichtsadjunkt" gemeint. Nach gütiger Mitteilung befreundeter Gerichtsbeamter sind folgende Titulaturen im Bergvolk den Richtern gegenüber üblich: ?Herr Kaiserlicher Rat, Herr Gerichtshof, Herr Scharfrichter, Herr Tag- und Nachtrichter, Herr Gerichtshallunk, Herr Stadt- und Landrichter."

[7] Alle angeführten F?lle sind der Wirklichkeit und Praxis entnommen, keineswegs Phantasie der Verfassers.

[8] Genaue Copie des Originals.

[9] Nach dem Original w?rtlich kopiert. D.V.

[10] Nach den Originalen w?rtlich kopiert. D.V.

[11] Der Ruf des Baumkauzes gilt als Warnung und lautet, in Noten gesetzt, ungef?hr:

[Zum Abspielen von Midi Grafik anklicken.]

[12] Ein Aberglaube südslavischen Ursprungs, der weit herauf in das Gebirge reicht, lautet dahin, da? man bei Citirung vor Gericht ein Tuch, mit welchem einem Verstorbenen das Kinn aufgebunden wurde, bei sich führen mu?te. Wischt man sich vor dem Richter damit das Gesicht ab, so unterliegt man nicht, und solange der Knoten im Tuche nicht aufgel?st ist, kann einem das Gericht ?nichts anhaben". Vergl. Dr. Gro? ?Handbuch für Untersuchungsrichter" I.

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