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   Chapter 3 No.3

Bergrichters Erdenwallen By Arthur Achleitner Characters: 19690

Updated: 2017-11-30 00:04


In der N?he des Bahnhofes der kleinen Amtsstadt befindet sich ein zweist?ckiges Haus, dessen gro?er Schild verkündet: C. Ratschiller, Cementfabrik. In die Parterrelokalit?ten sind die Bureaux untergebracht, die mit einem langen Lagerschuppen in Verbindung stehen, zu welchem ein eigenes, sogen. Industriegeleise vom Bahnhof zur Einladung des Portlandcementes[2] führt. Die oberen R?ume bewohnt die Familie Ratschiller, bestehend aus dem alten Chef der Firma und dessen Gattin, einer würdigen Matrone, dem etwa sechsundzwanzigj?hrigen Sohne Franz und zwei T?chtern.

Die Cementfabrik selbst liegt hinter dem Bergrücken in einem Seitenthale, etwa eine halbe Stunde vom St?dtchen entfernt und müssen die Produkte der Tag und Nacht im Betrieb stehenden Fabrik in F?ssern per Fuhrwerk auf der schlechten Vicinalstra?e heraus zur Bahn verfrachtet werden. Emsig arbeiteten die Komptoiristen in der Schreibstube, wie die Magazinieure eifrig mit der Verladung drau?en besch?ftigt sind. In der ansto?enden Stube soll der Sohn des Hauses seiner Arbeit, der Korrespondenz, obliegen, doch war Franz in den letzten Tagen wenig in diesem Raume anzutreffen.

Das Allerheiligste der Arbeitsr?ume ist dem Chef selbst bestimmt, ein schlichtes Zimmer, einfach mit Gesch?ftsm?beln versehen, die ein m?chtiger Kassenschrank in der Ecke erg?nzt.

Hier arbeitet wohl zehn Stunden des Tages der alte graub?rtige Fabrikherr mit einer wahren Unermüdlichkeit, ein leuchtendes Beispiel für seine Bediensteten, die es an Emsigkeit nicht fehlen lassen, wenn sie den ?Alten" im Hause wissen. Weilt der Chef aber in der Fabrik drinnen im Gebirg, dann freilich eilt die Arbeit in den Komptoirs weniger und wird manches Stündchen mit Marend (Frühstück) und Jause (Vesperbrot) vertr?delt. Herr Ratschiller sitzt am Schreibtisch und liest ein Schriftstück, das wenig erfreulichen Inhaltes zu sein scheint, denn auf der Stirne des Fabrikanten bilden sich gro?e Falten, und zeitweilig seufzt der Chef von Sorgen geplagt auf.

?Eine b?se Sache," flüstert er und drückt mit dem Zeigefinger auf den Knopf des elektrischen L?utewerkes. Rasch erscheint ein junger Komtoirist, den der Chef fragt, ob der Fabrikleiter Hundertpfund noch nicht erschienen sei.

?Nein, Herr Chef!"

?Dann sage, es soll mein Sohn hereinkommen!"

?Herr Ratschiller junior ischt nicht im Komptoir!"

?Es ischt gut!"

Flink verschwindet der junge Mann aus der N?he des ob seiner Strenge gefürchteten Chefs.

Eine tiefe Kümmernis pr?gt sich im Antlitz des alten Herrn aus, der vor sich hinmurmelt. ?Sorgen um Sorgen im Gesch?ft, und Franz dazu - nicht mehr zu erkennen! So kann es nicht weiter gehen! Wei? der Kuckuck, was in den Burschen gefahren ischt. Werde ihn 'mal streng ins Verh?r nehmen müssen."

Ratschiller verstummte, als ein bescheidenes Klopfen h?rbar wurde.

?Herein!"

Auf das Gehei? trat der erwartete Fabrikleiter namens Hundertpfund unter respektvoller Verbeugung ein. Ein schmucker Mann mit pechschwarzem Schnurrbart und Haupthaar, dabei mit Augen, die einen bezaubernden Glanz ausstrahlten, sympathisch durch ein bescheidenes Auftreten, das nur für Augenblicke sich ?nderte, wenn der fesche Mann sich j?h aufrichtete, wobei etwas Herrisches zu Tage trat, das sich aber sogleich wieder verlor, so Hundertpfund seine gewohnte, etwas gebückte Haltung wieder einnahm. Wie er so bescheiden vor dem Chef stand, und nach dessen Befehlen fragte, mu?te er einen sympathischen Eindruck machen, und Ratschiller blickte seinen bew?hrten Fabrikleiter denn auch mit unverkennbarem Wohlwollen an.

?Entschuldigen Herr Chef gütigst die kleine Versp?tung! Es gab im letzten Augenblick noch manches zu besorgen in der Fabrik, auch wollte ich das Resultat eines Versuches abwarten."

?Welchen Versuches?" fragte gespannt der Fabrikherr.

?Ich habe vom benachbarten Eisenwerk etwas Hochofenschlacke kommen lassen, und versucht, daraus einen brauchbaren Portlandcement zu erbrennen.

?Ei der Tausend! Woher haben Sie solche Kenntnisse? Das ischt selbst mir etwas Neues!"

?Ich las davon, da? aus dem Abfallprodukt des Eisen-Verhüttungsprozesses sich Cement erbrennen lassen k?nne und wollte auf gut Glück den Versuch machen!"

?Und das Resultat?"

?Befriedigt mich zun?chst nicht! Es mu? irgendwo noch fehlen! - Auf dem Weg heraus ist mir der Oberleitner Bauer begegnet!"

?Ich wei?!" seufzte der Chef.

überrascht rief Hundertpfund: ?Wieso? Haben Herr Chef mich denn gesehen?"

?Das nicht! Aber vor mir liegt ein Brief, im Auftrag des Oberleitner vom Advokaten an mich gerichtet, und auf Grund dieses Schreibens kann ich mir denken, was der Bauer zu Ihnen gesagt haben wird!"

?Ach so!"

?Eine b?se Sache! Der Bauer ischt zweifellos von der Konkurrenz aufgehetzt und zum Protest gegen die Stra?enbenutzung veranla?t worden. Seinem uns schwer sch?digenden Beispiel werden sich sicherlich die anderen Thalbauern anschlie?en, es wird die ganze Gemeinde protestieren und da zum gro?en Teile die Stra?e Eigentum der Gemeinde ischt, so werden wir ausgesperrt, k?nnen nicht mehr Fracht fahren! Das bedeutet für mich den Ruin! Biete ich eine j?hrliche Pauschalsumme für Stra?enbenutzung, so werden mich die Bauern von Jahr zu Jahr steigern, bis die Summe einfach unerschwinglich wird.

?Es bestehen aber Vorschriften über die Benutzung ?ffentlicher Stra?en und ich denke, die übernahme der Verpflichtung zur Stra?enunterhaltung infolge der Mitbenutzung wird die Beh?rde veranlassen, uns die Stra?e freizugeben."

?Gewi?! Aber es steckt die Konkurrenz dahinter, und zweifellos will man mich in einen langwierigen, kostspieligen Proze? verwickeln, w?hrend dessen Dauer ich nicht frachten kann. Sie wissen, da? wir gro?e Lieferungen auf Termin haben. Die St?rung in der Verfrachtung bedeutet für mich schwere Verluste und schlie?lich den Bankerott. Ich kann das Ende solchen Prozesses nicht erwarten! Wie soll ich aber meinen Cement herausbringen?"

Gelassen antwortete der Fabrikleiter. ?Durch die Luft!"

?Wie? Was?"

?Sehr einfach, Herr Chef! Wir legen eine Luftseilbahn an und bringen unser Produkt durch die Luft zur Bahn - und von dieser die ben?tigte Kohle wieder auf gleichem Wege zur Fabrik!"

?Alle Wetter! Ein feiner Gedanke! Aber unser sehr koupiertes Terrain?!"

?Dasselbe bietet einer Weltfirma wie Bleichert u. Co. in Leipzig-Gohlis in ihrer anerkannten Spezialit?t nicht die geringste Schwierigkeit. Mehr wie 600 m H?ngebahnl?nge werden wir kaum n?tig haben, Spannweiten von 200-500 m, ja bis 700 m sind nichts Ungew?hnliches."

?Wei? Gott! Ein genialer Gedanke! Aber alles kann doch nicht in der Luft h?ngen! Die Seilbahn braucht doch Stütztr?ger, Verankerungen und dergleichen mehr!"

?Gewi?! Es wird sich zun?chst um die Grunderwerbung zu den Unterstützungen der Laufbahnen handeln."

?O weh! Da kommen wir wieder zu unsern ?lieben" Bauern zurück. Wollen uns diese die Stra?enbenutzung verweigern, ebenso sicher geben sie mir auch den n?tigen Grund nicht ab!"

?Herr Chef dürfen eben nicht sagen, wozu Sie den Grund haben wollen!"

?Wie soll ich das machen?"

?Vom Bahnhof über die n?chsten Wiesen ist der Grund ohnehin Ihr Eigentum. Von Ihrer Grenze weg dürfte in einer Entfernung von ann?hernd 100 m die erste Unterstützung zu errichten sein. Also mu? das betreffende Wiesenstück angekauft werden. 200 m weiter brauchen wir blo? die Luft und diese zu benutzen wird uns die Beh?rde sicher erlauben, und die Bauern hat die Luftbahn nichts zu kümmern."

?Ja, und weiter?"

?Dann kommen wir zum Bergrücken, von dem eine L?ngsparzelle vom ?rar gepachtet, event. gekauft werden mü?te. Auf der H?he auf Staatsgrund erbauen wir die Verankerungsanlage und von diesem wagen wir, ohne Stützen, eine Spannweite von etwa 500 m direkt hinab in die Fabrik, und wir sind fein heraus, die Bauern haben das Nachsehen bezw. Emporsehen. Wir verfrachten unsere Kohle und den Cement über den K?pfen der liebenswürdigen, aufgehetzten Bauern hinweg."

?Wenn sich das erm?glichen lie?e, heiliger Gott, die gr??te Sorge w?re von mir genommen."

?Die Hauptsache ist die Grunderwerbung für die Luft-Seilbahn auf ganz stille, harmlose Weise. Ich m?chte vorschlagen, Herr Chef lassen durch einen Mittelsmann die Parzellen kaufen und erwerben selbe dann vom Vermittler. Haben wir diese Fl?chen, so wird es ein leichtes sein, mit dem Forst?rar ein Abkommen zu treffen."

?Gut! Ich werde die Sache überlegen. Aber was wird die Drahtseilbahn durch die Luft auf schier 4000 m L?nge kosten?"

?Wenn es sich um den Ruin handelt, darf die Kostenfrage nach meiner Meinung keine Rolle spielen. Bleichert wird gewi? einige Teilzahlungen gew?hren, in zwei, l?ngstens drei Jahren ist die Anlage bezahlt und C. Ratschillers Cementfabrik ist gegen alle Anfeindungen durch Anrainer und Konkurrenz gefeit."

?Ja, wenn das wenn nicht w?re!" seufzte der Chef.

?Mit Erlaubnis, Herr Chef, es hei?t im Sprichwort: Con si et ma nulle fa!"

?Die Kosten, die Kosten, lieber Hundertpfund! Haben Sie eine Ahnung, was eine solche Anlage kostet?"

?Ich denke, mit 80000 Gulden wird sie gemacht!"

?Allm?chtiger! 80000 Gulden!" st?hnte der Fabrikherr.

?Wird nicht viel billiger gemacht werden k?nnen. An 50000 Gulden beanspruchen die Lieferungen von Seilen &c. aus den Fabriken von Bleichert. Reell, sicher, allen Anforderungen und Auflagen der Beh?rden mu? die Luftbahn entsprechen, sonst erlangen wir die Erlaubnis zur Anlage und zum Betrieb nicht. Ich sage nochmals: Die Kosten dürfen keine Rolle spielen! Jetzt oder nie, und wenn schon denn schon! Setzen Sie sich mit Bleichert in Verbindung, ich wette, die Korrespondenz wird das von mir prophezeite Resultat erbringen. Aber nun ist tiefstes Schweigen über den Plan unerl??liche Bedingung für ein Gelingen."

?Ja, ja, gewi?!"

?Es darf auch Ihre werte Familie von dem Plan nichts erfahren!"

?Aber, Hund

ertpfund! Meine Familie steht mir doch am n?chsten!"

?Gewi?! Aber ein einziges unvorsichtiges Wort der Damen oder des jungen Herrn, und alles ist verloren! Wenn die Konkurrenz unsern Plan nur zu ahnen beginnt, ist er schon verloren!"

?O, Gott! Sie haben nicht Unrecht! Aber kann ich mich denn in eine so kostspielige Sache einlassen, über eine solche Riesensumme disponieren, ohne meine Familie zu verst?ndigen?! Ich mü?te ja das ganze Verm?gen hinein stecken! Stürbe ich vor Vollendung des Planes, meine Familie würde bettelarm sein!"

?Bitte, das ist denn doch eine übertreibung! In Ihren Jahren und bei solcher Rüstigkeit! Auch brauchen Sie sicher nicht mehr wie ein Drittel der Anlagekosten bar zu zahlen, den Rest in Wechseln auf lange Frist! Doch wie Herr Chef wollen! Ich habe ja nur das Gedeihen und Wachsen der meiner Leitung anvertrauten Fabrik im Auge, und unter diesem Gesichtspunkt, angeregt durch die Proteste der Stra?enbauern, habe ich den gewichtigen Vorschlag gemacht!"

?Ja, das verkenne ich nicht! Ich danke Ihnen auch herzlich! Und es soll über den Plan geschwiegen werden! Nur mit dem Bezirkshauptmann und Dom?nenverwalter will ich Rücksprache pflegen!"

?Ich m?chte raten, zuerst durch einen Mittelmann den ben?tigten Grund für die erste, wichtigste Stütze zu kaufen. Dann erst ist es opportun, mit den Beh?rden in Unterhandlung zu treten. Immer zuerst mit den Querk?pfen verhandeln, diese sind am gef?hrlichsten, wenn sie eine Absicht merken!"

Nach herzlicher Verabschiedung entfernte sich der umsichtige, im Gesch?ft weitblickende Fabrikleiter.

Ratschiller sen. blieb in einer Art Bet?ubung im Sorgenstuhl sitzen. Der Plan erdrückt ihn schier, und dennoch d?ucht er ihm ein Geschenk des Himmels, eine Erl?sung aus einer wahrhaftigen Misere zu sein. Aber 80000 Gulden! Unwillkürlich erhob sich der Chef, ?ffnete den gepanzerten Geldschrank und begann den Barbestand zu z?hlen, dessen Totalsumme ein Hohn auf die Riesensumme des Luftbahnplanes ist. Freilich steckt viel im Grund und Boden, nahezu alles, und eine gewaltige Summe umfassen die Au?enst?nde für gelieferten Cement. Taufende und Abertausende stecken in laufenden Wechseln und rollen im Clearingverkehr der Post. Ein Verm?gen hat der Ankauf von Berggründen zum Abbau und zur Mergelgewinnung für die Cementbereitung gekostet. Und jetzt der Riesenplan! Ein Teufelskerl, dieser Hundertpfund!

Der alte Herr vermochte nicht l?nger in dem kleinen Komptoir zu verbleiben, es ist ihm zu enge geworden, er braucht Luft und Bewegung. Zum ma?losen Erstaunen der Komptoiristen verl??t Ratschiller das Haus noch vor Beendigung der Büreauzeit, und just am Eingang traf er mit seinem Sohne Franz zusammen, der eben notgedrungen seine Arbeitsstube aufsuchen wollte.

?Franz, komm mit! Ich habe mit dir zu reden!" sprach ernst der alte Herr.

Verdutzt gehorchte der Sohn und blickte scheu von der Seite auf den Vater. Auf einen Rüffel war Franz gefa?t, die Aufforderung zu einem Spaziergang w?hrend der Büreauzeit wirkt verblüffend auf den jungen Mann. Beide schlugen einen Wiesenpfad ein, der alte Herr voraus, aufmerksam das Gel?nde betrachtend, über welches nach dem Plan seines Fabrikleiters die Luftseilbahn einmal führen soll. Wie Ratschiller sen. den weiten Raum bis zur H?he des Bergrückens überblickte, eine wahrhafte Riesenentfernung für den gedachten Zweck, entschlüpft ihm unwillkürlich der Satz. ?Es geht decht nicht."

Franz hatte eben an sein Heiratsprojekt gedacht und platzte bei Vaters Worten in der Meinung, da? die Bemerkung seinem Plan selbst gelte, heraus. ?Um Gotteswillen, Vater, sag' nicht nein! Ich würde grenzenlos unglücklich werden!"

?Du?" fragte überrascht der alte Herr.

?Ja, gewi?, lieber Vater! Seit Tagen ringe ich mit mir selbst, ich fand den Mut nicht, dir einzugestehen, was mein ganzes Denken und Empfinden ausfüllt!"

Der Alte pfiff durch die Z?hne und trocken sagte er dann. ?Dein Büreauschw?nzen mu? allerdings einen gewichtigen Grund haben!"

Kleinlaut bat Franz: ?Verzeih' mir, Vater! Es ischt so j?h und stark über mich gekommen, mit einer Macht, die st?rker war als ich! Ich konnte nicht anders, und nun ich das beglückende Wort vernommen, bitte ich dich recht inst?ndig um deine Einwilligung!"

?So? Wozu denn? Was soll ich bewilligen?"

?So ahnst du's nicht, was mich bewegt?"

?Nein!"

?Gro?er Gott! Steh' mir bei!"

?Du wirst doch nicht Schulden gemacht haben?"

?Nein, nein! Lieber Vater, verzeihe mir: Ich habe mich verlobt!"

Der Alte blieb stehen wie versteinert. Auf dieses Gest?ndnis war er nicht vorbereitet.

?Verzeih' mir, Vater!"

?Mit wem hast du dich verlobt?"

?Mit Emmy Ehrenstra?er!"

Ein L?cheln flog über das faltige Gesicht des alten Herrn, verschwand aber schnell, und kühl klang die Erwiderung. ?Das M?dchen ischt brav, ein Engel, hat aber nichts!"

?Ich will arbeiten, Vater! Ich stelle meinen Mann und kann mit eigener Arbeit eine Frau ern?hren!"

?Es geht nicht! Jetzt schon gar nicht! Von deinem Sal?r kannst du allein nicht leben, geschweige denn mit Weib und Kind! Mehr zu geben ischt mir unm?glich. Die Zeiten sind zu schlecht, die Ausgaben riesig, wie die Projekte."

?Welche Projekte?"

?Das ischt meine Sache! Ich kann dir kein Kapital ausfolgen, es steckt alles im Gesch?ft!"

?Vater, guter Vater! Gieb mir nur die Prokuristenstelle und ich werde es dir danken immerdar! Mach' mich nicht unglücklich, Vater!"

?Es geht nicht! Das wird Ehrenstra?er selbst einsehen! Hast du mit Emmys Vater schon gesprochen?"

?Nein! Erst wollte ich deine Einwilligung haben! Am Sonntag m?chte ich Herrn Ehrenstra?er bitten!"

?Das kannst du thun! Seines Nein bin ich sicher! Vielleicht kuriert dich das von deinen Schw?rmereien. Doch nun wollen wir umkehren! Geh' nach Hause, Franz! Ich will noch zum Kommission?r Pfahler, hab' mit ihm ein Wort zu sprechen!"

Gehorsam entfernte sich Franz und lie? betrübt den Kopf h?ngen. Im Herzen des Vaters regte sich etwas wie Mitleid, doch rief Ratschiller den Sohn nicht zurück, er murmelte nur. ?Soll nur etwas zappeln! Schlecht ischt seine Wahl nicht! Wollen sehen! Es pa?t nur nicht in den Riesenplan!"

Gem?chlich begab sich der Fabrikherr zum Kommission?r Pfahler, der sein Büreau in der N?he des Bahnhofes hatte, und traf ihn eben im Begriff, das Gesch?ft zu schlie?en. Beim Anblick des Fabrikanten ?ffnete Pfahler bereitwillig wieder die Thüre und bat Ratschiller einzutreten.

?Bitte, nein! Ich will Sie nicht abhalten, die Kn?del würden hart werden!" sagte gelassen Ratschiller.

?O nein, Herr Ratschiller! Bitte sehr! Wir haben übrigens nur ?Gr?stel', Sie wissen, das bescheidene Tiroler Nationalgericht aus Fleischresten und Schmorkartoffeln, wie es sich ziemt für einen armen Kommission?r! Aber bitte, womit kann ich dienen? Bitte, nehmen Sie gef?lligst Platz! Bitte sehr! Apropos, habe schon geh?rt, gratuliere!"

?Wozu wollen Sie mir gratulieren?"

?O, bitte sehr! Frau von Bauerntanz, Sie wissen, die hübsche Doktorin, war so freundlich, mir zu erz?hlen, Ihr Herr Sohn sei mit Fr?ulein Emmy vom Bezirksrichter verlobt. Also baldige Hochzeit, giebt ein feines Paar, wie geschaffen für einander. Gratuliere bestens! Kann ich irgendwie dienen, ich stehe zu Diensten!"

Ratschiller sen. fühlte eine scharfe Zurechtweisung auf der Zunge sitzen, doch drückte er das Wort zurück, und blitzschnell überlegte er, da? ein Dementi der Verlobung durch den schwatzhaften Kommission?r ein heilloses Durcheinander im St?dtchen hervorrufen k?nnte. Und noch ein Gedanke fuhr dem Fabrikherrn durch den Kopf. ?H?ren Sie, Pfahler! Ich danke Ihnen für Ihren gutgemeinten Glückwunsch! Aber man ischt noch nicht so weit! Das Paar hat ja noch gar kein Nest! Sie wissen, ich bin in meinem Hause arg beschr?nkt, k?nnte Zuwachs absolut nicht brauchen! Die Komptoirs sollen eine Vergr??erung erfahren."

?Ja, ja, die Fabrik w?chst, sie wird noch die Perlmooser überflügeln!"

?Reden Sie keinen Unsinn, Pfahler! Immer hübsch solid bei der Stange bleiben! Aber man wird daran denken müssen, dem Paare, wenn es zur Heirat kommt, ein H?uschen, so eine kleine Villa zu bauen. Dazu habe ich aber keinen geeigneten Grund. Wissen Sie einen feilen Baugrund?"

In rasender Eile z?hlte Pfahler die Namen k?uflicher Grundstücke auf.

?Das ischt nichts für mich. Es soll eher etwas sein, das an meine Liegenschaften st??t und anrondiert werden kann. Mein Sohn soll nicht zu weit ins Komptoir haben."

?Darf es Wiesengrund sein? Freilich arg sonnig dann, bis die Pflanzb?ume einmal Schatten geben!"

?Nu, man kann ja gr??ere B?ume kaufen!"

?Hm! Wie w?re es am Anger, der st??t an Ihre Gründe an, die Entfernung zum Büreau ischt minimal und viel dürfte der Angerer kaum verlangen. Soviel ich wei?, schwebt eine Klage gegen ihn in einer Schuldsache; er wird froh sein, Bargeld zu bekommen."

?Nein, nein! Ich m?chte dem Mann nichts abdrücken!"

?Wie weit dürfte ich gehen in der Vermittelung?"

?Ich wei? nicht, ob ich dieser Sache n?her treten soll!"

?Wieviel Decimalen brauchen Sie?"

?Unter etlichen Tagwerken wird es nicht gehen! Wer wei?, ob der Mann so viel Grund abgiebt!"

?Aber ich bitte, Herr Ratschiller! Es ischt ja schlechter Wiesengrund, der Angerer wird froh sein, wenn er ihn zu halbwegs anst?ndigem Preise losbringen kann."

?Nun gut, ich nehme, so viel Grund er abgiebt. Den Preis soll er nennen. Aber wie gesagt, es mu? nicht sein, denn aufgeboten ischt das Paar noch nicht. Ich wei? also nicht, ob es zum Villenbau kommt. übrigens ein Prozent Provision und ein Trinkgeld, Sie wissen ja, wie immer!"

?Danke bestens, werde den Auftrag prompt besorgen. Der Grund geh?rt schon Ihnen! 'pfehl mich bestens, habe die Ehre, wünsche wohl zu speisen, gehorsamster Diener!"

Leicht grü?end verlie? der Fabrikherr den Kommission?r, um sich nach Hause zu begeben.

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