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   Chapter 4 4

Auf Gottes Wegen By Bjornstjerne Bjornson Characters: 32526

Updated: 2017-11-30 00:02


"- - Die Rechtfertigung hat ihren Ursprung in der g?ttlichen Gnade. Sie kann ihn nicht im Sünder, in seiner sittlichen Arbeit an sich selbst haben; denn dieser ist ein Ungerechter. Als solcher verdient er sie auch nicht, ebensowenig wie er Rechtsanspruch darauf erheben kann. Nur Gottes erhabener Wille kann ihn rechtfertigen."

Der Pastor ging auf und ab, ein Heft in der Hand, aus dem er flüsternd auswendig lernte. Die Sonne schien hell durch die beiden Fenster, die nach Südwesten lagen und weit offen standen; durch das hintere ergo? sich milchwei?er Glanz über den graugestrichenen Fu?boden; das unruhige Laub junger Espen zeichnete sich auf den Scheiben ab; die Espen mit ihren zitternden Bl?ttern standen drau?en am Staket. Aus dem Garten str?mte der Duft von Aurikeln, Flieder und Goldregen herein; der Pastor unterschied jede Mischung in den Luftstr?mungen; er hatte die B?ume und Blumen selbst gepflanzt; sie liebkosten ihn geradezu. Sobald der Luftzug nur um ein Winziges st?rker wurde, so sandten die sprossenden Birken und die frischen Triebe der Tannen, die au?erhalb seines Pfarrhofs standen, eine scharfe Welle herein, die rücksichtslos die Str?mung des Gartens wegspülte, und jedesmal flutete eine ganze Gesellschaft verschiedenartiger Gerüche vom offenen Feld nach. Es roch nach Wachstum.

Psst!

"- - Was kann Gott dazu bewegen, so gn?dig zu sein gegen den armen Sünder, der aus sich selbst nicht das Geringste vermag? Seine unbegreifliche Liebe zum Sünder, seine unverdiente Barmherzigkeit kann ihn dazu bewegen."

Jetzt pfiff das Dampfschiff zum drittenmal. Nein - da konnte er nicht widerstehen - er mu?te den Dampfer sehen, wie er in gro?em Bogen von der Brücke weg über die Bucht fuhr und den Wasserspiegel in zwei H?lften teilte; der gr??ere fiel der Insel drau?en zu, der kleinere dem Strand vor der Stadt. Der Pastor nahm sein Fernrohr vom Pult. Die Brücke unten war voll bunter Sonnenschirme; dazwischen M?nnerhüte, meist in dunklen Farben; hie und da leinene Hauben und Kopftücher, gew?hnlich mehrere beieinander.

Jetzt h?rte man von rechts Schritte im Sand; sie kamen aus dem Garten seiner Mutter und lenkten auf den seinen zu - Schritte eines Erwachsenen, und auf jeden Schritt des Erwachsenen zwei Kinderschritte. "Du, Mutter, was hat das Dampfschiff im Bauch?" - "Haha!" - Die Gestalt einer Frau tauchte auf, die den Eindruck von Kraft hervorrief. Ein starker Hals und eine volle Brust, der ganze Wuchs ungew?hnlich sch?n; das Gesicht dunkel, ziemlich gro?, mit gebogener Nase; das Haar fast schwarz. Sie trug ein cremefarbenes, mit hochroten Blumen gemustertes Musselinkleid mit einer Passe von hochroter Seide, um den Leib einen seidenen Gürtel von gleicher Farbe. Zu ihrer dunkeln Haut, dem schwarzen Haar und den tiefen Augen bildete das einen bezaubernden Gegensatz; sie pries den warmen Frühlingstag mit kundiger Farbenpracht. Aber sobald sie in das l?chelnde Melanchthonantlitz am Fenster sah, senkte sich der rote Sonnenschirm zwischen sie und ihn. An der Hand führte sie ihren vierj?hrigen Knaben, ein hübsches Kerlchen mit blondem Haar und einem Gesicht wie das Antlitz des Mannes im Fenster. Der Junge lie? die Hand der Mutter fahren, ?ffnete die Tür zwischen den beiden G?rten und sprang vorbei, um die n?chste Tür, auf den Weg hinaus, zu ?ffnen. Als die Frau vorüberkam, flüsterte der Pastor: "Ich gratuliere! Du siehst ja reizend aus!" Es klang bittersü?. Wie konnte eine Pastorsfrau sich so kleiden!

Ohne den Sonnenschirm zu senken schritt sie nach der offenen Gartentür und weiter auf dem Weg nach der Stadt zu. "Wohin?" - "Zum Schiff, und zusehen!" rief der Junge, davonspringend. Ihr Nacken unter dem Hut, ihre Figur im Sonnenlicht, der Gang, die Farben ... der Pastor lag im Fenster, trommelte auf den Fenstersims und pfiff lautlos. Die warmen Augen flogen ihr nach, bis er sich mit einem kr?ftigen Aufstemmen aller fünf Finger von der Fensterbank erhob.

"- - Gott straft nicht, er erbarmt sich unser. Doch nicht wie ein Heerführer einen Waffenstillstand gew?hrt oder ein K?nig eine Amnestie erl??t (nein, 'Amnestie', das verstehen vielleicht nicht alle; wie sag' ich gleich - Erla?? ... Nein, das genügt nicht. 'Gnadenerla?'! Also:) Doch nicht, wie ein Heerführer Waffenstillstand gew?hrt oder ein K?nig einen Gnadenerla?, ist die g?ttliche Rechtfertigung; nein, das widerspr?che der Allheiligkeit Gottes. Die Rechtfertigung ist allerdings eine Gnade; aber sie ist auch eine Gerichtshandlung. Sie mu? eine rechtliche Grundlage haben, d. h. den Forderungen des Gesetzes, die Gottes eigene sind, mu? Genüge geschehen."

Eigentlich ist das doch sehr juristisch.

Der Pastor sah in das Heft, das aufgeschlagen auf dem Pult zwischen den zwei Fenstern lag; er verglich es mit dem, was er in der Hand hielt. Dabei h?rte er das laute Get?se des Dampfers, der jetzt gerade auf der Bucht unten vorüberfuhr. Er mu?te aus dem Fenster sp?hen, und die Folge davon war, da? er, ohne es zu wissen, sich behaglich hinauslehnte. Die Sonne schien auf das wei?e Leinwanddach des Dampfers, die Schaumlinie zwischen Land und Insel war wie eine straffe Schnur; am Himmel kein Wolkenstreifen, so da? der Rauch sich vom freien Grund abhob; ebenso unged?mpft h?rte man den L?rm. Der Pastor lie? den Blick vom Dampfer nach der Stadt, zum Strand, über die Bucht hin schweifen, bis zu den Bergen auf der andern Seite der Bucht; die ganz hinten, die blauen drüben waren noch nicht frei von Schnee. Das Get?se des Dampfers hallte über die weite Landschaft hin wie eine Predigt, die seine eigene abl?ste. Ein bescheidener Duft aus dem Garten lenkte sein Auge vom Gro?en aufs Kleine. Das alles hatten er und Klein-Edvard miteinander geschafft, oder vielmehr, er hatte gearbeitet und der Kleine hatte sich unnütz gemacht. Der Pastor besah sich namentlich die Beete, auf denen bis jetzt noch nichts kam; dann die ersten, die schon ganz fertig waren und leider auch schon gej?tet werden mu?ten. Dabei konnte Edvard auch helfen. Langweilig war es ja; aber er hatte sich nun einmal vorgenommen, in diesem Jahre solle kein anderer den Garten anrühren; au?erdem war das Bücken gesund, da mischte sich die Galle mit dem Blut. Ohne es zu wollen dachte er daran, wie ihm seine Frau dann manchmal ein Glas Wein und ein Stückchen Kuchen brachte; es liegt in der Natur des Weibes, unsere Schw?chen zu ahnen und schwach gegen sie zu sein. Er blickte hinüber auf den Weg, wo sie verschwunden war, und richtete sich straff in die H?he:

"- - Den Forderungen des Gesetzes, die Gottes sind, mu? Genüge geschehen. K?nnte das durch den Sünder selbst geschehen, so w?re die Rechtfertigung keine Gnade; folglich mu? es durch den Geist geschehen.

Aber auch diese Erfüllung des Gesetzes durch einen andern mu? aus Gottes erl?sender Gnade kommen, wenn sie nicht die Rechtfertigung (hu, wie juristisch!) aufheben soll. Und soll ferner diese neue Gnadenhandlung allen zugute kommen, so mu? die Gesetzerfüllung für das ganze sündige Menschengeschlecht gelten. Einzig Gott selbst kann eine solche Erfüllung, einen solchen 'Vergleich', eine solche, 'Sühne' zustandebringen.

Für den Christen ist es eine Tatsache des Glaubens, da? diese Grundlage für eine Weltsühne, diese Ausl?sung der Schuld des ganzen Menschengeschlechts ein für allemal durch Jesum Christum geschaffen worden ist, und da? sie jedem einzelnen Sünder zugute kommen kann."

Der Pastor blickte auf. Wie weit wohl das Dampfschiff ...? Was, nirgends mehr? Er ging ans Fenster und blieb dort stehen. In einer geraden Linie scho? jetzt das Boot auf die Landspitze zu, die so weit hinausragte, da? sie fast bis an die Insel stie?. Das gro?e Kirchdorf drüben rechts auf der H?he, deren Ende die Landspitze bildete, schaute vom Hang herüber. Die Bucht lag dazwischen. Hof an Hof sonnte sich dort, grün und fruchtbar; stolze Besitztümer - das sah man an der Entfernung zwischen den einzelnen Geh?ften. Die Seite des Hügels, die sich nach der Insel erstreckte, hatte die Form einer flachen Zange; und dort, durch den Sund, mu?te das Dampfschiff in den gro?en Fjord verschwinden.

Dies dumpfe Dr?hnen des Dampfers! Ist es nicht, als habe die Natur Sprache bekommen? Die ganze Landschaft, nicht nur ein Teil. Wenn z. B. über die ganze Landschaft eine Saite gespannt w?re, und ein Bogen striche darüber, dann mü?te das klingen wie das Dr?hnen des Dampfers. - -

Psst!

"- - Gott hat gewollt und bewirkt, da? ein Sünder gerechtfertigt werden kann durch Gottes Gnade, und zwar dadurch, da? Christus dem Gesetz Genüge getan hat. Christi Verdienst, Christi Gerechtigkeit haben die Schuld bezahlt. Jeder kann sich sozusagen sein Stück von der Gerechtigkeit abschneiden, die Christus für die Welt gewonnen hat. - Nein - das klingt vielleicht zu weltlich. Wenn es auch der Sinn ist."

Bald darauf lag er wieder im Fenster, breit auf beide Ellbogen gestützt, als wolle er überhaupt nicht mehr aufstehen. Er sah den Weg hinunter, auf dem Josefine mit dem Kleinen verschwunden war; er blickte über die Bucht weg nach der Insel, und dachte an das Inselkindchen, das dort drüben links spielte; von hier aus konnte er es nicht sehen, aber er wu?te, da? es dort spiele, und wie niedlich es sei. Von den Bergen wieder geschwind zum Dampfer, der auf den Sund lossteuerte. Dort drau?en hatte die Insel einen Waldhut auf, dem der Rauch des Dampfers eben einen Flor umlegte. Der Wind ging dort anscheinend in anderer Richtung? Nein, jetzt ging er auch hier in der gleichen. Um diese Zeit schl?gt er so oft um. Jetzt duftete es nicht mehr vom Garten und von den B?umen und Feldern herein; bald wird wohl ein Flügelschlag schwarze Streifen ins Wasser ritzen! Eine Dampfpfeife st?hnte und keuchte links unten an der Bucht; da ging ein Zug ab, oder ein Güterzug rangierte.

Wie still es sonst war! Er h?rte in weiter Ferne ein paar Kinderstimmen, jede Schwingung darin. Ab und zu klopfte und h?mmerte es in dem neuen Haus drunten an der Ecke der Strandstra?e und des Wegs, der hier heraufführte. Es klang, wie es in leeren R?umen zu klingen pflegt. In der Ferne immer noch ged?mpfte Staccatot?ne des Dampfergedr?hns. Das Haus, in dem er wohnte, lag frei, und diesem Umstand war es zu verdanken, da? er einen so weiten Blick und einen so hellh?rigen Standort hatte. Aber wenn die Felder in Grundstücke parzelliert wurden, so war es damit vorbei.

Darüber verfiel er in Nachdenken; sollte er nicht selber aufkaufen? Er h?tte es gern getan; aber Haus und Grundbesitz und alles, was sie hatten, geh?rte seiner Frau. Der Rest seines eigenen kleinen Verm?gens steckte in dem kleinen Haus mit Garten rechts nebenan, in dem seine Mutter wohnte.

Es hat mancherlei Vorteile, mit einer reichen Frau verheiratet zu sein, selbst wenn im Ehekontrakt steht, da? sie allein das Verfügungsrecht über ihr Verm?gen hat; manche Bequemlichkeiten fallen ab, die das Leben freundlicher und die Arbeitsbedingungen leichter gestalten; es ist auch meist der Schlüssel zu einer gewissen Macht - namentlich für einen Pastor. Viel Gutes l??t sich damit tun, was andere sich versagen müssen, und das setzt sich um in Macht. Er hatte das empfunden, und hatte es mit Behagen empfunden. Das pa?te ihm.

Aber. - Ja, alle "Aber" wurzeln in dem einen Punkt: wie die Frau ist, die über das Verm?gen zu verfügen hat. "Aber wie nun die Gemeinde ist Christo Untertan -."

Psst! - Er begann wieder zu lesen, diesmal laut: "Die ?u?ere Grundlage für die Rechtfertigung war also, da? Jesus dem Gesetz Genüge getan hat; die innere Bedingung ist, da? der Sünder das glaubt. Wie vers?hnt auch Gott mit der Welt sein mag, er kann einzig dem Sünder seine Gnade schenken, der in Gemeinschaft steht mit Christus, 'weil er an ihn als seinen Erl?ser glaubt'."

Das Heft sank; der Pastor wu?te selber nicht, was er las. Denn die Stelle im Epheserbrief hielt seine Gedanken gefangen. Ist das Weib nicht Untertan in allen Dingen,... ja, dann s?t eben der Umstand, da? die Frau das Verfügungsrecht über das Verm?gen hat, eine Saat der Ungleichheit.

So tief war er hiervon überzeugt, so stark waren die Beweise, die er sich dafür zurechtlegte, da? er fern und nah nichts mehr sah und h?rte, - es nur noch wie die Erz?hlung eines andern in sich aufnahm. Er trommelte auf die Fensterbank und blickte auf den Weg hinunter. Die beiden eben ausgekrochenen Schmetterlinge, die in endlosen Schwingungen sich über und unter seinem Fenster umkreisten, hatten keine Ahnung von all den Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn man ein Verm?gen besitzt, über das man nicht verfügen kann. Etwas weiter drüben, hinter dem Schemel des Jungen, der seit ein paar Tagen vergessen dalag, l?utete eine anmutige Declytera mit langem Blütenstengel voll roter Gl?ckchen zur Hochzeit - zur Hochzeit - ohne das geringste Verst?ndnis für Epheser 5 Vers 24. Der Pastor übersah sie darum auch. Ja, nicht einmal G?rtner Nergaards Bienen, die jedenfalls dieses Jahr zum erstenmal hier oben waren (wahrhaftig! sie kannten den Weg wieder, seit der Wind umgeschlagen war und der Duft lockte!) - nicht einmal die Bienen h?rte er, wie sie um die frischen Triebe hinter dem Haus surrten. Eheliche Kümmernisse im Sinne Epheser 5 Vers 24 ziehen einem eine Kappe über den Kopf, und wenn auch die Sonnenstrahlen aufs Haar brennen! über das sanft abfallende Kirchdorf drüben zur Rechten mit seinen drei Schattierungen von Grün: Wiesen, ?cker und Wald, - glitten seine Augen so blind hin wie der Wind. Eben jetzt zog sich ein Streifen Schwarz über die Bucht, wie versuchsweise, - ein paar vereinzelte Furchen; er war mitten drin und sah es nicht. Irgendwo von oben muhte eine angepflockte Kuh sehnsuchtsvoll nach: Wasser - Wasser! Alles um ihn her ein Warten - und ungesehen ..., bis ein verzweifelter Kinderschrei die warme Blütenduftluft zerri? ... ein einziger, langgezogener Schrei. In diesem Schrei h?rte er jede Schwingung; der packte ihn an der Brust wie eine erbarmungslose Hand. Er fuhr auf und stand mit angehaltenem Atem still und wartete auf den n?chsten. Aber er kam nicht, der n?chste ... es mu?te schon beim ersten sich vollst?ndig ersch?pft haben ... nein! da gellte es wieder! War der erste Schrei verzweifelt gewesen, so war dieser die Todesangst selbst ... und wieder einer ... und noch einer! Der Pastor stand bla? - alle Sinne gespannt - da. Da erklangen von rechts rasche Schritte im Sand. Es war seine Mutter, die an dem Türchen zwischen den beiden G?rten zum Vorschein kam, eine alte, hagere Frau mit schwarzer Haube über dem schneewei?en Haar, das an den Wangen herabgek?mmt war und einen steifen Rahmen um das vorsichtige, ein bi?chen trockene Gesicht bildete.

"Nein!" stie? der Pastor hervor, "nein, Gott sei Dank, Edvard ist das nicht! Solches Getue leistet sich der nicht, wenn er weint! Mein Bengel macht kein solches Geschn?rkel! Der heult schlankweg drauf los!"

"Schlimm genug ist's - einerlei, wer's ist!" antwortete sie.

"Hast recht, Mutter!" Und er betete im Herzen sogleich für den armen Knirps, der da so jammervoll schrie. Aber nachdem das erledigt war, dankte er doch Gott, da? es nicht sein Junge war. Das mu?te man ihm schon erlauben!

W?hrenddessen kam ein hochgewachsener Mann in hellem Anzug und Panamahut den Weg herauf. Die ganze Zeit über blickte er nach dem Haus und dem Garten. Der Pastor sah auch ihn an, erkannte ihn aber nicht. Der Fremde kam über die Stra?e herüber und geradenwegs auf die Treppe zu. Ein hochgewachsener Mann mit kurzem, sonnverbranntem Gesicht, einer Brille, und eigentümlich raschem Gang. Wer in aller Welt...? - Der Pastor trat vom Fenster zurück, eben als der Fremde die Treppe erreichte. Er mu?te sie in zwei S?tzen genommen haben, denn schon erklangen Schritte im Gang. Es klopfte.

"Herein!"

Die Tür wurde ge?ffnet; doch der Fremde blieb drau?en stehen.

"Edvard!"

Der andere antwortete nicht. "Aber, Edvard! Du hier! Und ohne Dich anzumelden? Bist Du's denn wirklich?" Und der Pastor lief auf ihn zu, streckte ihm beide H?nde entgegen und zog ihn herein. "Willkommen! Herzlich willkommen, alter lieber Kerl!" Sein Gesicht strahlte vor Freude.

Edvards sonnverbrannte H?nde drückten zur Antwort des Schwagers H?nde, seine Augen gl?nzten hinter der Brille; gesprochen hatte er noch nicht.

"Warum redest Du denn kein Wort, Alter?" rief der Pastor und legte beide H?nde auf Edvards

Schultern. "Bist Du denn Deiner Schwester nicht begegnet?" - "Doch! Von ihr hab' ich erfahren, wo ihr wohnt." - "Und Du bist ihr davongelaufen? Wolltest wohl eher hier sein? Es ging Dir wohl zu langsam mit dem Jungen, was?" fragte der Pastor. Seine warmen Augen blickten voll ungeteilter Freude in die Augen des andern. - "Nicht nur deswegen. Du wohnst hübsch hier."

"Ja, nicht wahr? Und Du sollst gerade so hübsch wohnen, wenn ich auch unseren Stadtteil im Norden dem Zentrum vorgezogen h?tte." - "Ich hatte ja wohl keine Wahl." - "Nein, das ist wahr. Wenn Du das Krankenhaus übernehmen wolltest, so mu?test Du auch die Doktorwohnung dazu nehmen; die beiden geh?ren zusammen. übrigens nicht zu teuer - das sagen alle. Und sehr bequem - und eine Menge Grundbesitz dabei. Na, jetzt hast Du Dich aber auch lang genug drau?en herumgetrieben. Wahrhaftig - mehr als lang - so in einer Tour. Aber warum hast Du denn nicht geschrieben? Warum Dich nicht angemeldet? Herrgott - ich hab' Dich ja nicht einmal gleich erkannt! Und dabei hast Du Dich eigentlich gar nicht ver?ndert!" Er betrachtete das hagere Gesicht des Schwagers, das ihm nur weicher im Ausdruck erschien als früher. Dabei plauderte er unaufh?rlich weiter, w?hrend sie auf und ab gingen oder am Fenster standen. Jetzt wandte Edvard sich zu ihm: "Aber Du, Ole - Du hast Dich ver?ndert!" - "Wirklich? Das h?tt' ich nicht gedacht. Die andern finden das nicht." - "Doch - Du hast so einen geistlichen Anstrich bekommen." - "Geistlich? Haha! Du meinst, ich bin ein bi?chen dicker geworden? Ich kann Dir versichern, ich tue alles, was ein Mensch tun kann, um dem abzuhelfen; ich arbeite im Garten, ich mache weite Spazierg?nge; aber - - - siehst Du, meine Frau pflegt mich eben zu gut. Und die Menschen hier sind zu liebenswürdig zu mir." - "Du solltest es machen wie ich." - "Wie machst Du's denn?" - "Ich lauf' auf den H?nden!" - "Hahaha! auf den H?nden? In meiner Stellung?" - "In Deiner Stellung? Wenn Du einmal durch das ganze Kirchenschiff auf den H?nden liefest - das w?re eine Predigt!" - "Hahaha! Und Du kannst wirklich noch auf den H?nden laufen?" - "Und ob!" - Und im selben Augenblick lief er auch schon. Die lose, kurze, rohseidene Jacke hing ihm dabei über den Kopf, der Pastor betrachtete sie, das Rückenteil der Weste, das Hemd zwischen Weste und Hosenbund, ein Stück von den Hosentr?gern, die Hosen, die Strümpfe, die braunen Segeltuchschuhe mit den dicken Gummisohlen. Kallem hatte mittlerweile schon fast die Runde um das Zimmer gemacht. Der Pastor wu?te nicht recht, wie er sich dazu verhalten solle. Kallem stand tiefatmend und erhitzt auf, nahm seine Brille ab, putzte sie und begann kurzsichtig die Bücherregale zu betrachten.

Nun fühlte der Pastor, da? irgend etwas vorgefallen war - etwas, worüber der Schwager sich ?rgerte. Hatte die Schwester etwas gesagt, das ihn verstimmen konnte? Doch nein - was h?tte das wohl sein sollen! Bei ihrer Bewunderung für ihn! Das beste war - gleich ehrlich und offen fragen; warum nicht lieber gleich Klarheit schaffen? Kallem hatte die Brille wieder aufgesetzt und ging an ihm vorbei, zum Pult; darüber hing ein Christus von Michelangelo - ein Holzschnitt. Er sah flüchtig zu ihm auf, dann auf das Heft, das aufgeschlagen auf dem Pult lag. Und ehe der Pastor noch eine Frage tun konnte, sagte Kallem: "Johnsons systematische Theologie? Die hab' ich mir gleich in Kristianssand gekauft." - "Die? Du?" - "Ja. Ich hab' sie seither nie bekommen k?nnen. Dort lag sie im Schaufenster aus. Es war wie ein Wahrzeichen der Heimat." - "Nein! Das ist nicht Norwegen!" sagte der Pastor. "Das ist in der Hauptsache nichts als unhaltbare Juristerei." Verwundert über diese Antwort des Pastors und den Ton, in dem sie vorgebracht wurde, wandte Kallem sich um: "Ist diese Denkweise unter den jüngeren norwegischen Theologen allgemein?" - "Ja. Ich habe mir das alles wieder zusammengesucht, um morgen die verschiedenen Ansichten über die Vers?hnungslehre genau auseinandersetzen zu k?nnen." - "Aha! Na ja - eine ganz gute Manier!" - Kallem sah zum Fenster hinaus. Zum vierten oder fünften Male schon. Sicher - da stimmte irgend etwas nicht. "Da sind sie!" sagte er. Er stand am hinteren Fenster, der Pastor am vorderen, von wo aus er jetzt den roten Sonnenschirm seiner Frau über dem Musselinkleid auftauchen sah. Sie ging langsam und hielt den Jungen an der Hand, der anscheinend unaufh?rlich plapperte, denn sein kleines Gesicht war fortw?hrend zu ihr emporgewandt, w?hrend er den unebenen Weg entlang stolperte. Die beiden gingen drüben auf der andern Seite. Aber hier unmittelbar am Zaun ging eine Dame ... Eben hob sie ihren grünen Sonnenschirm in die H?he (wie hübsch der war!) - eine Dame, nicht so gro? wie Josefine, aber schlanker; sie sah sich um; ihre Bewegungen waren merkwürdig leicht; ihr Haar war rotblond, und sie trug ein schottisches Reisekostüm von fremdartigem Schnitt; es mu?te eine Ausl?nderin sein. Freilich, jetzt erkl?rte es sich, weshalb Edvard vorausgegangen war; er hatte allein sein und die beiden allein lassen wollen. "Wer ist denn die Dame, die da neben Josefine geht? Sie mu? mit demselben Dampfer gekommen sein wie Du?" - "Ja." - "Du kennst sie?" - "Ja. Es ist meine Frau." - "Deine ... Du bist verheiratet?" Er sagte es so laut, da? beide Damen heraufsahen. Er zog den Kopf zurück und wandte sich um. Aber er sprach ins Leere. Der Doktor sah noch immer zum Fenster hinaus. Die Antwort kam auch von drau?en: "Ja, seit sechs Jahren." - "Seit sechs -?" Des Pastors Kopf fuhr wieder zum Fenster hinaus; ein aufs h?chste verwundertes Gesicht starrte Kallem an. Seit sechs Jahren! dachte er. Wie lang ist es doch her, da? ...? Mein Gott, es ist ja knapp sechs Jahre her, da? ...

Die Damen waren mittlerweile vor dem Garten angelangt, die Fremde dicht am Zaun, w?hrend Josefine und der Junge jetzt herüberkamen. "Du, Mutter, warum fallen denn kleine Jungs immer grad' auf den Kopf?" Keine Antwort. "Mutter, warum fallen sie denn nicht auf die Beine?" Keine Antwort. "Weil der Oberk?rper schwerer ist, mein Junge!" Kallem sagte es. Alle drei sahen hinauf.

Im selben Augenblick verlie? er das Fenster, um ihnen entgegenzugehen; der Pastor hinterdrein; aber er blieb auf der untersten Treppenstufe stehen.

Die Augen der Dame füllten sich mit Tr?nen, w?hrend Kallem auf sie zukam; vergebens versuchte sie, es zu verbergen, indem sie bald nach rechts, bald nach links blickte. Josefines Augen waren kalt. Der kleine Edvard war auf seinen Vater zugelaufen und erz?hlte ihm, Nicolai Andersen sei auf "die Leiter" hinaufgeklettert (er deutete dabei nach dem neuen Haus hinunter) "und 'runtergepurzelt". Und "die neue Dame" habe ihm ihr Taschentuch um den Kopf gebunden. Das schien den Pastor gerade jetzt nicht so stark zu interessieren, als der Junge erwartet hatte; deshalb lief er ums Haus herum zur Gro?mutter, um es der zu erz?hlen.

"Ich brauche sie Dir wohl nicht vorzustellen?" sagte Edvard Kallem, w?hrend er die Hand seiner Frau fa?te und dem Pastor in die Augen sah. Dieser suchte nach Worten, fand keine und schielte zu Josefine hinüber, die jedoch keine Miene machte, ihm zu helfen.

Vor kaum acht Tagen hatte der eifrige Geistliche gegen die vielen Scheidungen mit darauffolgender neuer Ehe im "Morgenblatt" einen Artikel geschrieben mit der überschrift: "Ehe oder Hurerei?" Und hatte darin mit unwiderleglichen Beweisen dargetan, da? nach der heiligen Schrift kein anderer Scheidungsgrund gelte als Untreue. Wer seinen Ehegenossen beim Ehebruch betreffe, sei frei und k?nne sich wieder verheiraten; wenn jedoch ein Mensch sich aus anderen Gründen scheiden lasse und sich wieder verheirate, w?hrend sein Ehegenosse noch lebe, so bestehe die erste Ehe fort und die zweite sei Hurerei. Vor noch nicht acht Tagen hatte er unter voller Zustimmung seiner Frau das geschrieben. Und eben, weil jene Begebenheit mit Kallem und Ragni Kule ihm noch frisch im Ged?chtnis stand, erz?hlte er in diesem Artikel, wie die Frau eines kranken Mannes der Stellung, die Gott ihr zuerteilt hatte, überdrüssig geworden sei und heimlich ein Liebesverh?ltnis mit einem andern unterhalten habe, wie sie dann gleich nach der Entdeckung geflüchtet sei und sich habe scheiden lassen. "Gesetzt nun den Fall," schrieb er, "da? eine solche Frau sich wieder verheiratet und noch dazu mit dem, der ihr geholfen hatte, ihren Mann zu betrügen? Wer k?nnte eine solche Ehe anders nennen als fortgesetzten Ehebruch?"

Wort für Wort hatte er so geschrieben. Seine Frau stimmte v?llig mit ihm überein; sie ha?te die Frau, die ihren Bruder verführt hatte, im voraus. Und nun standen beide vor ihr. Und Ragni war des Bruders Frau.

Etwas Undenkbareres h?tte das Wiedersehen gar nicht bringen k?nnen! Und dabei waren sie so sicher gewesen, da? der Bruder all solche Leichtfertigkeit von sich abgetan hatte! Er war ja jetzt ein Mann der Wissenschaft, dem schon eine Professur angetragen war, unter s?mtlichen jüngeren ?rzten vielleicht der Mann, von dem die Kollegen am meisten erwarteten.

Das war eine Entt?uschung, die nicht zu verwinden war! Und der Gedanke, da? sie nun mit diesen beiden an einem und demselben Ort leben, sie ihren Bekannten in der Gemeinde als Herr und Frau Kallem vorstellen sollten! Nachdem Tuft unter seinem vollen Namen ihr Zusammenleben für Ehebruch erkl?rt hatte!

Natürlich hatte Kallem es gelesen, er, der so eifrig nach der Wesenseigentümlichkeit des zeitgen?ssischen Norwegens forschte, da? er sogar Johnsons Dogmatik las! Natürlich las er vor allem die Zeitungen. Er hatte es gelesen, und das erkl?rte alles! Sie stand da und wu?te nicht wohin, klammerte sich blo? an ihn an. Und er? Sein rechter Arm umschlang sie jetzt, als wollte er sich laut zu ihr bekennen. Sie hielt mit ihrer Rechten hartn?ckig den Sonnenschirm über sich, als k?nne der sie schützen; aber auf die Dauer ging das nicht, das Taschentuch mu?te heraus, und weil sie ihr eigenes nicht hatte, nahm sie verstohlen das ihres Mannes.

"Wollen wir nicht hineingehen?" sagte der Pastor mechanisch. Das geschah. Er führte sie im Haus umher, w?hrend Josefine sich entfernte, um für Erfrischungen zu sorgen. Vom Studierzimmer, das nach dem Garten zu gelegen war, kamen sie ins Wohnzimmer, das nach der Stra?e ging, dann in die dahinter liegende E?stube, von dort in die Küche, die an der Nordseite des Hauses lag und einen besonderen Eingang hatte. Auf derselben Seite lag noch die Speisekammer und ein Fremdenzimmer, das an das Studierzimmer stie? und eine Altane hatte, die mit der Treppe am anderen Ende der Fassade korrespondierte. Im Oberstock verschiedene Schlafzimmer usw. Das Herumführen dauerte kaum fünf Minuten. Von Seiten des Pastors nur die allernotwendigsten Worte; von Seiten Kallems ein paar sp?ttische Bemerkungen, erst als er aus mehreren Anzeichen ersah, da? der Pastor zurzeit im Fremdenzimmer schlief und Josefine mit ihrem kleinen Sohn oben, und dann, als er die seltene Sammlung von Bildern berühmter Theologen sah, die, um Luthers Bild gruppiert, an der gro?en Wand des Wohnzimmers hingen. Die Erfrischungen, die Josefine anbot, lehnte er ab, verabschiedete sich und ging.

Ragni war wie eine Unsichtbare nebenher gegangen. Jetzt, zum Schlu?, glitt ihre lange, schmale Hand durch die H?nde des Schwagers und der Schw?gerin wie ein Hermelinschw?nzchen durch ein Mauerloch. Die Augen huschten scheu über sie hinweg wie der Schatten eines Flügels. Der Pastor gab bis an die Treppe das Geleite; Josefine blieb an dem gro?en Fenster stehen.

Kallem ging so rasch, da? Ragni alle drei Schritt einen kleinen Sprung machen mu?te. Der Pastor stand noch drau?en und sah es. Diese Hast steigerte die Erregung, in der sie sich befand, und als sie ungef?hr in der Mitte zwischen der Strandstra?e und dem Pfarrhof waren, bat sie ihn, stehen zu bleiben, und fing zu weinen an.

Kallem stutzte über diese von der seinen so verschiedene Gefühlsskala; er war emp?rt. Aber bald merkte er, da? sie wahrscheinlich gerade über seine eigene Art sich zu benehmen weinte. Er zog sie mit sich an den Zaun, und stellte sich mit dem Rücken dagegen: "Hab' ich mich nicht richtig benommen?" - "Du warst so b?se - hu, so b?se, und nicht blo? gegen sie und ihn, sondern auch gegen mich; ja, Du, - ganz besonders gegen mich! - Nicht angesehen hast Du mich - überhaupt nicht die geringste Rücksicht darauf genommen, da? ich dabei war!" - "Aber, liebes Herz, das hab' ich doch gerade Deinetwegen getan!" - "Dann la? mich lieber gleich wieder fort! Das halt' ich nicht aus!" Und sie warf sich an seine Brust. - "Aber, Kind, - hast Du denn nicht gesehen, wie Josefine war?" - "Ja doch!" erwiderte Ragni, und hob den Kopf; der Hut sa? im Nacken, das Haar war zerzaust. "Sie wird mich noch einmal t?ten!" Und wieder flüchtete sie an seine Brust. - "Na, na!" sagte er, "sie soll Dir schon kein H?rchen krümmen. Aber verteidigen werd' ich Dich wohl noch dürfen!" - Sofort tauchte ihr Kopf wieder auf. "Nicht so! Ich h?tt' überhaupt nie geglaubt, da? Du so sein k?nntest! Es war so ... so unvornehm, Edvard!" Und sie fa?te ihn am Rockkragen und zupfte daran. - "Nun h?r' einmal", sagte er ruhig, - "das, was der Kerl über uns geschrieben hat, das war unvornehm! Und ihr Schweigen? Ich finde, das war noch schlimmer als alles, was er geschrieben hat." Hierauf erwiderte sie nichts. Nach einer Weile h?rte er ein leises: "Ich passe nicht da hinein!" Er beugte sich über ihren Kopf; der Hut fiel zu Boden; keins von beiden achtete darauf. Leise redete er in ihr rotblondes Haar hinein: sie müsse nicht gleich so verzweifelt sein, nicht gleich von Sterben oder Fortgehen sprechen. "Wir müssen das mannhafter nehmen, verstehst Du, Schatz?" - "Ja." Ihr zerzauster Kopf richtete sich wieder auf. "Aber Du mu?t nicht vergessen, da? ich jetzt dabei bin; Du kannst nicht so sein, als wenn Du allein w?rst!" - Nein, das merkte er denn auch, und hatte ein recht b?ses Gewissen.

* * *

Zur selben Zeit war Josefine wieder in dem Zimmer, das nach der Stra?e hinausging; es hatte ein einziges Fenster, das gr??er als zwei gew?hnliche war, und da stand sie und lehnte den Kopf ans Fensterkreuz. Der Pastor stand hinter ihr. Er nannte es einen b?sen Zufall, da? er das im "Morgenblatt" geschrieben hatte. "Dein Bruder hat mir erz?hlt, er sei schon seit sechs Jahren verheiratet." Josefine fuhr hastig herum. Aber nach einer Weile des Nachdenkens sagte sie nur: "Unsinn!" und wandte sich wieder zum Fenster zurück. Der Pastor meinte auch, das k?nne nur ein schlechter Witz sein. Sie h?tten sich doch nicht trauen lassen k?nnen, ehe sie gesetzlich geschieden war. - "Ganz merkwürdig war er - auf einmal fing er an, auf den H?nden zu laufen!" Wieder wandte sie sich nach ihm um, mit ihren gr??ten Augen. "Jawohl, auf den H?nden ist er gelaufen", versicherte der Pastor. "Ums ganze Studierzimmer herum. Er behauptete, so sollte ich einmal zum Altar gehen. Wenn er Luther verh?hnt, so mu? ich mich ja wohl damit abfinden, da? er auch mich verh?hnt!"

Sie wünschte offenbar nicht, da? er gerade jetzt über diese Begegnung sprechen sollte; es tat ihr zu weh. Er zog sich ins Studierzimmer zurück; aber er sah keineswegs blo? mi?vergnügt aus, w?hrend er sich seine Pfeife stopfte.

Josefine hatte sich so unendlich viel von dem Wiedersehen und dem Zusammenleben mit dem Bruder versprochen. Sie hatte nicht die leiseste Andeutung h?ren wollen, da? es m?glicherweise anders kommen k?nne, als sie erwartete. Wer wei? - was sie jetzt litt, war ihr vielleicht ganz gesund!

Aber war er denn selber heut so gewesen, wie er h?tte sein sollen? O ja, er glaubte doch wohl. Gebe Gott, da? er es nur immer so sanftmütig ertrug! Denn bei dem einen Mal blieb es nicht; das ahnte er wohl.

Die Pfeife schmeckte, und das Predigtheft wurde wieder zur Hand genommen; aber der Gedanke an Josefine dr?ngte sich dazwischen. Nie hatte er in ihrem ehelichen Verh?ltnis die Sicherheit gefühlt, deren andere sich erfreuten. Sie hatte ihre schwierigen Zeiten - und dies letztemal war es schlimm gewesen. Zweifellos, weil alle ihre Gedanken sich mit dem einen besch?ftigten, der nun bald zurückkehren würde ...

"Psst!"

"- Die Rechtfertigung ist eine Tat des Augenblicks in uns, ein Vorgang ein für allemal. Alle Sünden sind ausgel?scht; in Gottes Augen sind wir ebenso rein und heilig wie Christus."

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