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   Chapter 4 No.4

Celsissimus By Arthur Achleitner Characters: 20657

Updated: 2017-12-06 00:02


In der Bischofstadt g?rte es im milden Lenz ?rger, denn in den Tagen, da der junge Fürst ein Reformationsedikt erlassen, welches die bedeutendsten und reichsten Kaufleute zwang, Salzburg zu verlassen. Im Kapitel waren wohl Stimmen laut geworden, Mahnungen, just diese steuerkr?ftigen Leute im Lande zu behalten, ihren Handel eher zu begünstigen, denn zu sch?digen, und Salzburg vor einem unausbleiblichen finanziellen Ruin zu bewahren. Allein Wolf Dietrich stie? sich am Ton dieser Stimmen, er erblickte eine Auflehnung seines Kapitels wider die Fürstengewalt und au?erdem brauchte er Geld. Vielleicht w?re der Fürst den Mahnungen zug?nglicher gewesen, wenn nicht der bisch?fliche Fiskal bald nach der Erw?hlung Wolf Dietrichs in den Büchern die Entdeckung gemacht h?tte, da? die Ausgaben des Erzstiftes dessen Einnahmen überstiegen. Die Thatsache einer Unterbilanz konnte den Fürsten nur veranlassen, auf neue Einnahmequellen zu sinnen und die Hofkammer zu beauftragen, Steuermandate zu konzipieren. Die Weinbesteuerung hatten die Salzburger zu einem Teile selbst heraufbeschworen durch massenhaften Verbrauch und die Klagen des Bürgermeisters über den ?Saufteufel". Es konnte Wolf Dietrich also ganz berechtigt spotten, da? die Unterthanen nur dankbar sein sollten, wenn er ihnen den Weinteufel abfasse. Wie die Steuer aber zur Einführung gebracht wurde, das bekundete ein hervorragendes Verst?ndnis für finanzielle Ertr?gnisse, denn das Mandat fa?te die wohlhabenden Klassen und zog dann auch alle jene zur Besteuerung heran, die bei einer direkten Steuer der Anlage entgangen w?ren. Alle Arten von Wein, gleichviel ob diese im Lande selbst gebaut[5] oder von ausw?rts eingeführt waren, wurden steuerpflichtig erkl?rt; von allem ausgeschenkten Wein mu?te der zehnte Teil, von dem im eigenen Hause verbrauchten der zwanzigste Teil des Wertes in Barzahlung jeden Monat, bei Gro?konsumenten oder H?ndlern jedes Quartal an die Hofkammer abgeliefert werden.

Diese Verfügung wurmte die Salzburger, die Ankündigung aber, da? die Weinsteuer ?für ewige Zeiten" Geltung haben solle, brachte das Blut auch der Sanftmütigen in Wallung. Die hohe Steuer sollte aber nicht nur Bürger und Kaufleute, sondern auch die Geistlichkeit und den Adel treffen, und das machte die Landschaft rebellisch.

Es regnete Proteste in die Hofkammer, wie das schon Dr. Lueger durch den

Domkapitular Grafen Lamberg dem Fürsten melden lie?.

Zugleich aber war eine Erh?hung der Mauten und Z?lle für Kaufmannswaren verordnet worden, die auch auf die von Mauten bisher befreiten Kaufleute der Stadt Salzburg in der Absicht ausgedehnt wurde, den durch ihre H?nde gehenden partiellen venetianischen Handel zu treffen.

So mu?te es denn kommen, da? Bürger- und Kaufmannschaft, Adel und

Geistlichkeit sich gegen die neuen Mandate auflehnten und den

Beschwerdeweg beschritten.

Dr. Lueger wu?te sich gegen dieses Anstürmen nicht anders zu helfen als durch Berichterstattung an den Fürsten, und seine Meldung veranla?te Wolf Dietrich, den Hofstaat schleunigst von Hohenwerfen nach Salzburg zu verlegen, wohin auch kurze Zeit sp?ter Salome wieder übersiedelte.

Zun?chst h?rte der Fürst den Vortrag Luegers mit Aufmerksamkeit und Ausdauer und notierte sich die wichtigsten Punkte. Bezüglich der zu treffenden Ma?nahmen und Verbescheidung der Beschwerdeschriften jedoch berief Wolf Dietrich den treubew?hrten klugen Freund Lamberg zu gemeinsamer Beratung im Arbeitsgemache des Keutschachhofes, wohin die Aktenstücke verbracht wurden, über welchen nun Wolf Dietrich stundenlang sa? und studierte trotz aller Bitten Salomens, sich doch einige Erholung zu g?nnen.

Liebreich doch bestimmt wies der Fürst auf die Notwendigkeit eines raschen Eingreifens hin, ansonsten in Salzburg ein allgemeiner Aufruhr losbreche, worauf Salome sich in ihre Gem?cher zurückzog.

Inmitten eifrigsten Studiums ward Graf Lamberg gemeldet und sogleich vorgelassen.

Wolf Dietrich hatte eben die Beschwerde des Salzburger Stadtrates in H?nden und rief dem Freunde zu: ?Komm nur schnell heran, setze dich zu mir an den Sorgentisch, h?re und dann gieb deine Meinung kund. Hier habe ich die Beschwernis des Stadtrates über Verletzung alter Freiheiten! Sie wollen die neuen Mauten und Z?lle nicht zahlen und beklagen sich in einem Tone, in einer Sprache, die ich nicht anders bezeichnen kann, denn aufzüglich, undeutlich und bar der schuldigen Ehrfurcht!"

Vorsichtig fragte der kluge Edelmann und Kapitular: ?Auf welche

Privilegien beruft man sich?"

?Die Freiheiten gehen um einige S?kula zurück!"

?Dann ist mit Sicherheit anzunehmen, da? sothane Privilegia unter den früheren durchlauchtigsten Fürsten ihre Kraft und Wirksamkeit l?ngst eingebü?t haben."

?Das scheinet auch mir zweifellos, auch fehlet es an Zeit, all' das im Archiv feststellen zu lassen. Ich bin nicht gewillt, auch nur eine von den Errungenschaften aus früheren Zeiten, so sie die jeweiligen Fürsten gewonnen und sich erstritten haben, aufzugeben. Und ein nunquam gegen eine Erneuerung alter, l?ngst erloschener Rechte!"

Lamberg antwortete lediglich durch eine Verbeugung.

?Mich deucht, aus dem Handel mit Venedig k?nnen die Kaufleute Salzburgs nur Nutzen gezogen haben; ein Gegenteil würde die klugen Kr?mer sicherlich veranla?t haben, die Beziehungen mit Venedig abzubrechen. Ist der Nutzen also erwiesen, und mich deucht, der Gewinn ist perpetuell, - so mu? es vollkommen berechtigt erscheinen, die Zollsteigerung auch auf die Salzburger Kaufmannschaft auszudehnen."

?Euer Hochfürstliche Gnaden argumentieren v?llig richtig!"

Seinem Temperament entsprechend rief hastig und laut Wolf Dietrich: ?So werd' ich den Querulanten zu wissen thun, da? es verbleibt beim Mandat der Mauten und Z?lle!"

Lamberg blieb stumm, sein Antlitz zeigte Falten, die den Fürsten, als er eben auf den Freund einen Blick richtete, veranla?ten zu fragen: ?Du hast Bedenken? Sprich, Lamberg!"

?Schwer ist es in heiklen Dingen, eine Meinung zu ?u?ern, zumal bemeldte

Angelegenheiten sich v?llig entziehen meinem gewohnten Wirkungskreise."

?Keine Ausflüchte, Lamberg! Du siehst klar, hast ein trefflich Urteil!

Sag' deine Meinung mir als treubew?hrter Freund!"

Z?gernd begann der Kapitular zu sprechen: ?Die Zeit ist schlimm, die

Erregung gro? in vielen Kreisen. Der Mandate von einschneidender

Wirkung sind zu viel in kurzer Zeit erflossen; es g?rt allenthalben, und

weder Adel noch Geistlichkeit sind eine feste Stütze für den gn?digen

Fürsten…."

?Herr bin ich und stark genug, jeglichem Widerstand zu trotzen!"

?Gewi?, Euer Hochfürstliche Gnaden! Ein starker Herr und weiser Fürst!

Doch aller Stützen kann füglich nur der Allm?chtige über alle entraten!

Was ist ein Thron, wenn Bürger, Adel und Geistlichkeit ihn stürzen

wollen und zum Wanken bringen?!"

?So greif' ich zum Schwert und werfe mit bewaffneten Scharen die

Rebellen in den Sand!"

?Verzeiht mir, gn?diger Fürst und Herr! Ich bin zu weit abgekommen vom Thema, das zu er?rtern ich sollte beflissen sein. Darf ich als treuergebener Unterthan raten, so m?chte ich submissest bitten, in bemeldter Zollangelegenheit nicht zu scharf vorgehen zu wollen."

?Wie soll ich die Grenze finden? Wohlwollen an Unwürdige verschwendet, ist Dummheit! Auch kann ich dir, dem treuen Freunde nicht verhehlen: wir brauchen Geld!"

?Trotzdem m?cht' ich um Milde bitten der Kaufmannschaft gegenüber! Ein partieller Nachla? der geplanten Steuer würde als Wohlwollen dankbarst empfunden werden, und sothanes Wohlwollen k?nnte zum Beispiel immer noch gut ein Dritteil Zollertr?gnis in die Hofkammer liefern."

?Lamberg! Ich werde dich zum Chef des Steuerdepartements ernennen! Der

Rat an sich will gut mich bedünken, doch zu gro? scheint mir sothanes

Wohlwollen! Wo ich alles fordern kann, ist Begnügung mit dem Dritteil

nicht am Platze! Jeder Steuerpflichtige jammert vor dem Zahlen!"

?Hochfürstliche Gnaden werden hinfüro solches Wohlwollen in mehrfacher

Hinsicht von Segen begleitet finden."

?Wie meinst du das, Freund Lamberg?"

?Ein Nachgeben just jetzt d?mpft die Erregung, macht den St?ndeausschu? gefügig für die Weinsteuer, und die Erm??igung der Zoll- und Mautgebühren k?nnte zur Sicherung des immerhin noch stattlichen Ertrages durch Bestimmungen fixiert werden. Auch meine ich submissest und unma?geblichst, da? beregtes Wohlwollen manchen Kaufherrn abh?lt vor - Auswanderung!"

Wolf Dietrich stutzte. Was Lamberg da andeutete, haben Stimmen im Kapitel auch schon betont, nur nicht so diplomatisch klug und ganz und gar nicht ehrerbietig. Nach kurzer überlegung sprach der Fürst: ?Niemals ist es meine Absicht gewesen, Leute zum Verlassen des Erzstiftes zu zwingen. Auswanderung ohne Genehmigung werde ich zu strafen wissen!"

?Ein Edikt kann desgleichen verhüten! Erm??igung der Mauten und

Zollgebühren w?re eine Gnade, deren Mi?brauch mit Aufhebung der

Begünstigung geahndet werden kann. Ebenso w?re Erla? einer Instruktion

zur Durchführung der Weinsteuer empfehlenswert."

?Erst mu? ich ja das Votum der Landschaft haben!" warf Wolf Dietrich ein, und grollend klangen seine weiteren Worte: ?Traurig genug, da? der regierende Fürst das Volk um Zustimmung angehen mu?! Ging' es nach meinem Kopf, ich schickte die St?nde heim für immer!"

?Das k?nnen Hochfürstliche Gnaden bei n?chster Gelegenheit thun im Wege einer harmlosen Entlassung. Nimmer aber k?nnte ich ob der Folgen zu einer Aufl?sung raten!"

?Ein kluger Rat fürwahr! Entlassung für immer! Auf die Wiederberufung k?nnen sie warten bis - in Salzburg nichts Neues mehr zu bauen ist!"

überrascht fragte Lamberg: ?Hochfürstliche Gnaden beabsichtigen gr??ere

Bauten?"

?Will ich, ja, habe aber jetzt dazu kein Geld! Wird sich hoffentlich sp?ter finden! Mu? ja für Salome ein ihrer Sch?nheit würdiges Heim schaffen! Roma parva! Und kein Geld! Meine Weihsteuer[6] hab' ich auch noch einzufordern -!"

?Darf ich hiezu ein Wort in schuldiger Ehrfurcht mir verstatten?" fragte Graf Lamberg, welcher die Gefahr dieser Steuereinhebung nur zu genau kannte.

?Sprich, Freund!"

?Submissest würde ich bitten, jetzt und auch für das n?chste Jahr in

Gnaden abzusehen von einer Eintreibung der Weihsteuer, die, nebenbei

bemerkt, auch für den hochseligen Erzbischof und Fürsten Georg von

Küenburg noch nicht bezahlt ist…."

?Nun also! Die Grundholden machen Schulden über Schulden, und der Fürst mu? darben! - Warum widerratet Lamberg einer Einhebung der vollauf berechtigten Weihsteuer?"

?Gn?digster Fürst! Das vergangene Jahr brachte dem Erzstift das Glück Eurer Erw?hlung zum Gebieter und Landesherrn. Leider ward dieses allseitig tiefempfundene Glück getrübt durch Mi?wachs, die Unterthanen, an sich nicht reich, sind andurch schwer gesch?digt und kaum im stande, neue Steuern zu tragen. Die Eintreibung der restierenden Weihsteuer mü?te vielen, gro?en Schwierigkeiten begegnen, mü?te den neuen Herrn und Gebieter im Lichte der Hartherzigkeit dem armen Volk gegenüber erscheinen lassen, und unseren erhabenen Herrn m?chte ich geliebt wissen allenthalben!"

Weichgestimmt reichte Wolf Dietrich dem Freunde die Hand und dankte für das ehrlich offene Wort. ?Gut denn! Es soll nach deinem Rat geschehen! Will Freund Lamberg zu Tisch verbleiben? Salome wird sich freuen, dich begrü?en zu k?nnen!"

Ausweichend erwiderte Lamberg: ?Wenn Hochfürstliche Gnaden verstatten, m?chte ich jetzund einige Herren des Landschaftsausschusses aussuchen, um eine Zustimmung zur Weinsteuer zu propagieren!"

?Das hat wohl Zeit bis morgen! Wir wollen vergnügt zusammen speisen und haben solche Erquickung vollauf verdient nach schwerer Beratung. Dieweilen ich die Hauptpunkte noch rasch fixiere, soll Graf Lamberg meiner Salome Gesellschaft leisten!" Dies sprechend gab der Fürst ein Klingelzeichen und gebot dem eintretenden K?mmerer, den Domkapitular der Fürstin anzumelden und dorthin zu geleiten. ?Auf Wiedersehen, Graf, bei Tisch!"

Unter genauester Beobachtung des Hofceremoniells verlie? Lamberg das fürstliche Arbeitsgemach und folgte den K?mmerer in die Apartements der Favoritin, auf welchem Wege der Graf sowohl in reichgeschmückten Zimmern als auch an den Korridorw?nden viele neue Gem?lde erblickte, die Wolf Dietrich wohl erst vor kurzem mu?te angeschafft haben und welche vielfach Darstellungen poetischer Fabeln, idealisierter Frauengestalten aus der Mythologie enthielten und dem Geschmack des Fürsten alle Ehre machten. Vor einer Venus hielt Lamberg einen Augenblick inne und widmete dem Bild eine flüchtige Betrachtung, das eine treffliche Kopie eines vom Kapitular im Palast des Kardinals Marx Sittich zu Rom gesehenen Originals zu sein schien.

Dienstbereit glaubte der K?mmerer sagen zu sollen, da? dieses Bild erst vor wenigen Tagen aus Rom für den gn?digen Fürsten angekommen sei.

Lamberg erwiderte kühl: ?Ich kenne das Original zu Rom!"

?Das w?re etwas für die Salzburger, welche glauben, im Palazzo eines

Erzbischofes dürfen nur Heiligenbilder sein!" meinte der K?mmerling.

?Es wird ausschlie?lich eigene Angelegenheit des durchlauchtigen Fürsten sein, den Palast nach Gutdünken auszuschmücken!" sprach abwehrend Graf Lamberg und schritt weiter, um sodann in einem luxuri?s ausgeschmückten Gemache des Bescheides zum Empfang zu harren, indes der K?mmerling sich behufs Meldung zur Kammerfrau Salomes begab.

Lamberg, der viel in Rom gewesen und in vornehmen H?usern verkehrt hatte, wunderte sich über die kostbare Ausstattung der fürstlichen Gem?cher keineswegs, da selbe welschem Geschmack und italienischer Prachtliebe entsprach; aber der Kapitular brachte den Luxus in Zusammenhang mit der eben geh?rten Klage des Fürsten über den herrschenden Geldmangel, und in diesem Sinne war die Ursache der Kassenleere unschwer zu erraten. Lambergs Gedanken bewegten sich denn auch in dieser Richtung und führten zu Bedenken schwerer Art für die Zukunft. So kurze Zeit der Fürst regiert, er ist bereits auf gef?hrlichem Wege, und seine Liaison mit der Kaufmannstochter wird sicher noch zu den ?rgerlichsten Folgen führen. Da? Rom daran noch keinen Ansto? genommen, vermag sich Lamberg nur aus der kurzen Spanne Zeit seit Entrierung dieses Verh?ltnisses sowie aus dem Umstand zu erkl?ren, da? der Nuntius bislang nicht in Salzburg gewesen ist. Einen guten Ausgang kann aber diese Liaison nimmer nehmen, darüber ist sich Lamberg klar und deshalb entschlossen, nach M?glichkeit wenigstens eine wirkliche Ehe zu verhindern und damit den drohenden baldigen Sturz des Freundes.

In diesen Gedanken versunken war Lamberg tiefernst geworden und schreckte fast zusammen, als der K?mmerling meldete, da? die Gebieterin bereit sei, den Grafen zu empfangen.

Lamberg zwang sich zu h?fischen Formen und scheuchte die ernsten Gedanken hinweg. Ganz H?fling und mit l?chelnder Miene trat er in das mit fürstlichem Prunk ausgestattete Empfangsgemach, in welchem Salome auf einem goldgestickten Tabouret mit einer Perlenarbeit besch?ftigt sa?. In blaue Seide gekleidet, sah die Favoritin im Goldschmuck ihres blonden Haares wahrhaft entzückend aus, und Lamberg mu?te den Fürsten in diesem Augenblick wirklich entschuldigen.

Salome hatte den eintretenden Kapitular mit schnellem, forschendem Blick gemustert, dann aber sprach sie l?chelnd: ?Willkommen, Graf, in meinem Reich!" und lud durch eine Geste den Besucher ein, an ihrer Seite Platz zu nehmen.

Nach tiefer Reverenzerweisung folgte Lamberg dieser Einladung und erwiderte: ?Seine Hochfürstliche Gnaden haben mich zur Tafel befohlen und mir aufgetragen, vorher in diesen R?umen meine submisseste Aufwartung zu machen!"

Salome hatte augenblicklich die Situation erfa?t und schnell sprach sie: ?So kommt Graf Lamberg nicht freiwillig, gehorcht lediglich einem Befehl des gn?digen Fürsten?!"

?Gewi?!" klang es trocken, doch fügte der Kapitular sogleich hinzu: ?Wie sollte auch ein schlichter Unterthan zur hohen Gnade eines Empfanges ohne Befehl gelangen!"

?Graf Lamberg darf doch wohl stets freundlichen Empfanges gew?rtig sein!"

Sich dankend verbeugend sprach der Kapitular: ?Ich kann nur hei?en Dank für die wohlwollende Gesinnung zu Fü?en legen der ebenso sch?nen als guten gn?digen Frau!"

?Frau?! Ihr wi?t so gut wie ich, da? keinen Anspruch ich genie?e auf dieses Ehrenwort, und offen sei's gesagt: Ich leide schwer unter sothanem Mangel der Legitimit?t!"

?Gn?dige Gebieterin leiden zu wissen, berührt schmerzlich Dero unterth?nigsten Diener!"

?Wenn Ihr heget Mitgefühl, so leiht Euren Arm, weihet mir Eures Geistes

Kraft, helft mir erreichen das ersehnte Ziel!"

?Ihr übersch?tzet wohl im hei?en Drange meine schwache Kraft, gn?dige Gebieterin! Wie sollt' ein Unterthan verm?gen des hohen Herrn Pl?ne zu beeinflussen?!"

?Graf Lamberg ist des Fürsten Freund und gewichtig jedes Wort! Warum nur will Graf Lamberg nicht sein auch meines Wesens warmfühlender Freund?"

Der Kapitular richtete blitzschnell einen forschenden Blick auf Salome, senkte dann wieder die Lider und sprach leise: ?Was k?nnt' meine Freundschaft Euch auch nützen?!"

?Mein Ohr vernimmt das ?Nein', so warm auch klingt der Ton der leise abwehrenden Rede!"

?Nicht doch, gn?dige Gebieterin!"

Salome richtete sich auf, fest im Ton sprach sie: ?Ihr wollet nicht, ich ahnt' es l?ngst! Mir sagt mein Herz, Graf Lamberg ist der Feind des legitimen Bundes!"

Jetzt gab auch der Kapitular in der Erkenntnis, durchschaut zu sein, das Spiel mit Ausflüchten auf, trocken erwiderte er: ?Streng und scharf umzogen ist der Bereich meines Wirkens! Spr?ch' ich im Amte, mi?billigen mü?t' ich jeglichen Bund im Sinne kirchlicher Gesetze. Unm?glich ist jedoch die Legitimit?t, die Strafe Roms wird folgen rasch solch verh?ngnisvollem Schritt!"

H?hnisch klangen der Favoritin Worte: ?Die Strafe Roms! Wie straft Rom wohl einen Marx Sittich und sein unkirchlich Leben?"

Erstaunt, v?llig überrascht rief Lamberg: ?Ihr wi?t davon?!"

?Jawohl! Warum nahm des Papstes Heiligkeit keinen Ansto? an der Ehe des verwandten Kardinals? Entspricht der tolle Lebenswandel seines Sohnes Robert und der Tochter Alth?a den Gesetzen, die auch für einen Kardinal gelten müssen?"

?Marx Sittich ward Vater, ehe der Kardinalspurpur ihn bekleidete! Und

Rom ist nicht Salzburg!"

?Ausflüchte, weiter nichts! Was bei dem einen nicht strafbar ist, kann beim anderen zum mindesten geduldet werden! Und Wolf Dietrich kann das pater noster lateinisch beten! Kann das der Kardinal auch?"

?Das wi?t Ihr auch?" stammelte in ma?loser überraschung über solche intime Kenntnis r?mischer Verh?ltnisse Graf Lamberg.

?Nimmt Euch das Wunder?"

?Wenn ich denke an das Unm?gliche: ja!"

?Was soll unm?glich sein?"

?Unm?glich ist, da? der gn?dige Fürst solche Informationen selbst gegeben!"

?Meint Ihr?! Schlimm w?re es, s?he der Fürst in mir nicht auch die vertraute Freundin, mit der man alles bespricht. In diesem Teile hat eingel?st der Fürst sein Wort: zu teilen Thron und Leben mit mir! - Ihr m?get viel von Politik mit dem Gebieter reden und geben manchen Ratschlag, eine Instanz steht dennoch über Eurer Pl?ne feingesponnenes Gewebe…."

?So existieret das Faktum eines Konseils in Seidenrocken?! Das wu?t' ich wahrlich nicht!"

?Nun wisset Ihr's! Und Eure Wissenschaft will erg?nzen ich: Seid Ihr fürder nicht für mich und den ersehnten legitimen Bund, so seid Ihr nicht Freund, seid Ihr ein Feind, und gegen Feinde werd' ich mich zu wehren wissen!"

?Ich bin nichts weiter als der treuergebene Diener meines gn?digen Herrn und habe dessen h?chstes Wohl und dessen Thrones Sicherheit zu f?rdern bis zu meinem dereinstigen Ende!"

?Für des Fürsten Wohl la?t mich nur sorgen! Und seines Thrones

Sicherheit wei? Wolf Dietrich wahrlich selbst zu schützen!"

Jetzt zuckte Lamberg die Achseln und sp?ttisch sagte er: ?In diesen Zeiten drohender Rebellion im Erzstift wird Frauenpolitik kaum Ruhe schaffen!"

Ein diskretes Klopfen an der Thüre veranla?te die sofortige

Unterbrechung des Gespr?ches, die auf Gehei? Salomes eintretende

Kammerfrau meldete das Nahen des Fürsten und zog sich dann diskret

zurück.

Leise sprach Salome: ?Wie will Graf Lamberg es nun halten?" und erhob sich von dem Sitze.

Gewandt, aalglatt erwiderte der Kapitular: ?Die gn?dige Gebieterin wolle verfügen über mich!"

?Gut denn, kommt des ?fteren als Freund!"

Der Eintritt Wolf Dietrichs überhob Lamberg einer Antwort. Man plauderte noch ein Weilchen, dann reichte der Fürst Salome den Arm und geleitete die Dame seines Herzens, gefolgt von Lamberg, in den Speisesaal, in welchem H?flinge und einige zur Tafel geladene Patrizier bereits harrten.

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