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   Chapter 13 No.13

Zwischen neun und neun By Leo Perutz Characters: 17146

Updated: 2017-12-04 00:03


Herr Kallisthenes Skuludis trat in das gro?e Herrenmodewarengesch?ft auf dem Graben ein und lie? sich von der Verk?uferin Krawatten zeigen. Er prüfte die einzelnen ihm vorgelegten Stücke mit Sorgfalt und Kennerschaft, warf die Bemerkung hin, da? er sich die Auswahl gr??er vorgestellt habe und da? man etwas wirklich Neues und zugleich Geschmackvolles in letzter Zeit nicht mehr zu sehen bek?me und entschied sich schlie?lich für eine orangefarbene Krawatte aus schwerer, schillernder Seide, die er sich zu zwei anderen, schon vorher in anderen Gesch?ften erstandenen Stücken, in Seidenpapier einschlagen lie?.

Nicht ganz befriedigt von seinem Einkauf trat er auf die Stra?e. Es war das dritte Gesch?ft dieser Art, das Herr Skuludis heute nachmittag mit seinem Besuche beehrt hatte. Man m?ge aber nicht glauben, da? er einen besonders dringenden Bedarf in diesem Artikel zu decken hatte. O nein, Herr Skuludis besa? eine beinahe lückenlose Sammlung von fast sechshundert Krawatten in allen Ausführungen und Farbennuancen, in der alle Formen, von der einfachen wei?en Frackschleife an bis zu den Exemplaren von der feurigen Farbenpracht eines Topaskolibris vertreten waren. Aber eine Schw?che des Herzens, die jeder Verlockung eines sch?n ausgestatteten Schaufensters wehrlos erlag, dr?ngte ihn immer wieder zu neuen Ank?ufen.

Als er auf der Stra?e stand und sich eine Figaro anzündete, konnte er feststellen, da? seine elegante Erscheinung und sein distinguiertes Auftreten berechtigtes Aufsehen erregte. Einen besonders tiefen Eindruck schien er aber auf einen jungen Mann gemacht zu haben, der unweit von ihm auf dem Trottoir stand und ihn mit Blicken unverhohlener Bewunderung betrachtete. Stumme Ovationen dieser Art waren Herrn Kallisthenes Skuludis nichts Neues, wenn sie sich auch nicht immer in solch naiver Form zu ?u?ern pflegten. Er war es gew?hnt, da? die l?ssig-charmante Art, wie er beim Grü?en den Arm einbog oder wie er den Stock in den Fingern hielt, schon nach kurzer Zeit – Herr Kallisthenes Skuludis verweilte überall nur kurze Zeit, das hing mit seinem Beruf zusammen –, von den Elegants der Stadt kopiert wurde, und da? die vornehm zerstreute Geste, mit der er die Zigarette aus der Tabatiere nahm und in Brand steckte, in den Salons der gro?en Welt immer vorbildlich wirkte.

Aber Kallisthenes Skuludis war von einem starken Gefühl für gesellschaftliche Rangunterschiede beherrscht, und der junge Mensch dort schien seinem ganzen Habitus nach nicht jenen Kreisen anzugeh?ren oder nahezustehen, in denen sich Herr Skuludis bewegte. Dieser setzte daher, ohne Stanislaus Demba weiter zu beachten, seinen Spaziergang fort, denn unter den Eigenschaften, die ihm die Sympathien der guten Gesellschaft von Paris, Petersburg, Bukarest und Kairo im Fluge erobert hatten, war seine vornehme Zurückhaltung sicherlich eine der hervorstechendsten.

Er vertiefte sich in die Betrachtung der Auslage eines Blumengesch?ftes, nahm in einem Delikatessenladen eine kleine Erfrischung und überquerte sodann die Stra?e, um eine Dame zu begrü?en, die er, er wu?te nicht mehr recht woher, wahrscheinlich von einer Schiffsreise im Mittelmeer her kannte. W?hrend er im Gespr?che stand, fiel ihm Stanislaus Demba von neuem auf, der ein paar Schritte von ihm entfernt an einem Gaskandelaber lehnte und ihn unentwegt anstarrte. Herr Skuludis besa? ein vorzügliches Personenged?chtnis – das erforderte sein Beruf – und er erkannte sofort den jungen Menschen wieder, der ihm vor dem Krawattengesch?ft stumme Huldigungen erwiesen hatte.

Er verabschiedete sich von der Dame und betrat einen Friseursalon. Rasiert und mit frischgezogenem Scheitel trat er nach einer Viertelstunde auf die Stra?e, und der erste Mensch, dem er begegnete, war wieder Stanislaus Demba.

Herr Kallisthenes Skuludis neigte Fremden gegenüber ein wenig zu Mi?trauen. Er dachte immer gleich an einen Detektiv – das brachte sein Beruf mit sich. Wie ein Detektiv sah nun Stanislaus Demba allerdings nicht aus. Dennoch wollte Herrn Skuludis das Interesse an seiner Person, das Stanislaus Demba so hartn?ckig an den Tag legte, nicht recht behagen. Er fand, da? Wien im Grunde genommen doch nur eine Provinzstadt sei, ein Negerkral, in dem jeder halbwegs gut angezogene Fremde wie ein Meerwunder angestaunt wurde, und beendete vorzeitig seinen Spaziergang, indem er sich in dem Vorgarten eines Kaffeehauses an einem der Tische niederlie?.

Gleich darauf kam Stanislaus Demba vorbei.

Er blieb stehen, z?gerte ein wenig und schien zu überlegen. Im n?chsten Augenblick trat er an Herrn Skuludis' Tisch und bat um die Erlaubnis, Platz nehmen zu dürfen.

Herr Skuludis war von diesem Verlangen sichtlich unangenehm berührt. Es waren ja noch mehrere Tische frei, und er legte besonderen Wert darauf, seinen Tee in wohltuender Zurückgezogenheit nehmen zu k?nnen. Neue Bekanntschaften pflegte er nur auf Bahnh?fen, Haltestellen und anderen belebten Orten anzuknüpfen – und das auch nur, weil es sein Beruf erforderte.

?Verzeihung. Ich erwarte Gesellschaft,? sagte er darum zu Stanislaus Demba.

?Sie erwarten Gesellschaft? Dann wird es gut sein, wenn wir die Erledigung unserer Angelegenheit nicht l?nger aufschieben,? sagte Demba und setzte sich.

Herr Skuludis blickte ihn in h?chstem Grade befremdet an.

?Ich meine, da? wir unser kleines Gesch?ft vorher in Ordnung bringen sollten,? wiederholte Demba.

Das Wort ?Gesch?ft? besa? für Herrn Skuludis einen anheimelnden Klang. Er fa?te sein Gegenüber genauer ins Auge.

?Darf ich fragen, für welche meiner mannigfaltigen Unternehmungen Sie Interesse haben?? fragte er.

?Das werden Sie gleich h?ren,? sagte Demba. ?Bis hieher bin ich Ihnen nachgegangen. Erst hier war es mir m?glich, Sie unauff?llig und unter vier Augen zu sprechen.?

?Unauff?llig? und ?unter vier Augen? – diese beiden Worte machten auf Herrn Skuludis einen guten Eindruck. Sie legitimierten sein Gegenüber als einen Mann von Diskretion, und Diskretion ging Herrn Skuludis über alles – das lag im Wesen seines Berufes begründet.

?Sie waren vor einer Stunde etwa in der Praterstra?e?? fragte Demba.

?Ach so,? sagte Skuludis und nickte mit dem Kopf. Jetzt ging ihm ein Licht auf.

Vor einer Stunde hatte er in der Praterstra?e eine Unterredung sehr delikater Natur mit einem befreundeten Juwelenh?ndler gehabt, dem er Schmuckstücke jener Art, die man nur ungern dem grellen Licht des Tages aussetzt, zum Kaufe angeboten hatte. Die Verhandlungen hatten sich jedoch unglücklicherweise zerschlagen, und Skuludis hatte sich entfernt, nicht ohne bittere Worte über den Eigennutz und die Gewinnsucht des H?ndlers fallen zu lassen. Und es stellte sich nun heraus, da? der Mann einen seiner Angestellten mit der Aufgabe betraut hatte, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, und die Verbindung bei Gelegenheit von neuem anzuknüpfen.

?Sie sind von allem unterrichtet?? fragte Herr Skuludis.

?Gewi?,? sagte Demba. ?Ich war Augenzeuge.?

?Und Sie meinen, da? die Angelegenheit noch nicht v?llig erledigt ist??

?Der Ansicht bin ich tats?chlich,? sagte Demba grimmig.

?Nun, für mich ist die Sache gegenw?rtig keineswegs dringend,? meinte Herr Skuludis.

?Für mich um so mehr,? sagte Demba heftig.

?Vor einer Stunde war ich in einer Zwangslage. Ich mu?te Geld haben, und das wollte man sich zunutze machen. Jetzt haben sich die Verh?ltnisse gebessert. Ich brauche Ihr Geld nicht mehr.?

?Das vereinfacht die Sachlage au?erordentlich,? sagte Demba erfreut.

?Ich kann jetzt einige Tage warten und günstigere Angebote einholen,? erkl?rte Herr Skuludis.

?Das verstehe ich nicht.?

Herr Skuludis zog sein in Leder gebundenes Notizbuch, und legte mit der ihm eigenen eleganten Handbewegung ein wei?es Kuvert, durch dessen dünnes Papier Banknoten durchschimmerten, auf den Kaffeehaustisch.

?In diesem Kuvert befinden sich achthundert Kronen. Ein glattes Gesch?ft. Sie sehen, die Verlegenheit, die Ihr Chef für sich ausnützen wollte, war nur eine augenblickliche,? sagte er stolz.

Stanislaus Demba hatte keine Ahnung, von welchem Chef, welcher Verlegenheit und welchem Gesch?fte die Rede war. Er lieb?ugelte nur mit seinem Kuvert und blickte Herrn Skuludis von der Seite an. Da? in dem Kuvert jetzt achthundert Kronen sein sollten, erfüllte ihn jedoch mit Verwunderung.

?Achthundert Kronen? Ein glattes Gesch?ft,? wiederholte Herr Skuludis.

?Achthundert Kronen?? rief Demba. ?In diesem Kuvert sind siebzig Kronen. Nicht mehr und nicht weniger.?

Diese Feststellung überraschte Herrn Skuludis aufs h?chste. Er war zwar abergl?ubisch, aber

da? dem Angestellten eines Hehlers aus der Praterstra?e übernatürliche Kr?fte zu Gebote standen – diese Erfahrung warf ihn aus seinem seelischen Gleichgewicht.

?Es sind achthundert Kronen darin,? sagte er in ziemlich unsicherem Ton.

?Drei zwanzig- und eine Zehnkronennote, das werd' ich doch wissen,? zischte Demba über den Tisch hinüber. ?Und jetzt werden Sie die Güte haben, mir das Geld zurückzugeben.?

?Ich verstehe Sie nicht,? sagte Skuludis.

?Sie verstehen mich nicht?? brach Demba los. ?Nun, Sie werden mich gleich verstehen. Sie haben dieses Geld, das Ihnen nicht geh?rte, von einem Wachmann übernommen, der irrtümlich annahm, Sie h?tten es verloren. Verstehen Sie mich jetzt??

Herr Kallisthenes Skuludis besa? die Gabe rascher Auffassungskraft in hohem Grade. Blitzschnell fand er sich in die ge?nderte Situation. Er erkannte mit Schrecken, da? er fast daran gewesen war, einen Unberufenen Einblick in seine Gesch?ftsverbindungen nehmen zu lassen, stellte aber im gleichen Augenblick mit Genugtuung fest, da? er vorsichtig genug gewesen war, keinen Namen zu nennen und von der Art seiner Gesch?fte nur in ganz allgemeinen Wendungen zu sprechen. Das gab ihm seine Sicherheit wieder. Vor allem galt es festzustellen, ob sein Gegenüber nicht doch ein Detektiv, ein Lockspitzel war, der ihm eine Falle gestellt hatte. Darüber mu?te er sich Klarheit verschaffen, ehe er über seine weitere Taktik schlüssig wurde.

?Wollen wir nicht lieber mit offenen Karten spielen?? fragte er und nickte Demba vertraulich zu. ?Zeigen Sie doch gleich die Legitimation und die Situation ist klar.?

?Was soll ich Ihnen zeigen?? fragte Demba.

Statt zu antworten, beugte sich Herr Kallisthenes Skuludis über den Tisch und begann, überlegen l?chelnd, Dembas Pelerine aufzukn?pfen. Er suchte Dembas Brusttasche, in der er die blaugebundene Legitimationskarte des Detektivs vermutete.

Demba erschrak heftig. ?Sie! Lassen Sie meinen Mantel in Ruhe!? rief er drohend.

?So machen Sie ihn doch auf. Wozu die Umschweife?? riet Herr Skuludis und arbeitete an dem obersten von Dembas Mantelkn?pfen.

?Ich wollte, Sie lie?en Ihre Scherze,? sagte Demba und rückte von Herrn Skuludis fort.

Skuludis wurde wieder unsicher. So benahm sich kein Polizeiagent.

?Was wollen Sie eigentlich von mir?? fragte er.

?Mein Geld, das Sie sich angeeignet haben, will ich zurück. Seit einer Stunde gehe ich Ihnen auf Schritt und Tritt nach, um mein Geld zurückzubekommen. Oder glauben Sie, da? es mich interessiert hat, zu erfahren, bei wem Sie Ihre Eink?ufe machen, wo Sie sich rasieren lassen, und mit welchen Kokotten Sie verkehren??

Jetzt sah Skuludis klar. Ein armseliger, kleiner Betrüger, der zuf?llig Zeuge jenes Vorfalles gewesen war und dies ausnützen wollte, um einen Anteil an der Beute zu erlangen. Skuludis überlegte, wie er ihn loswerden k?nnte.

?Sie behaupten also, da? ich auf unrechtm??ige Weise in den Besitz dieses Geldes gekommen bin?? fragte er in scharfem Ton.

Demba lie? sich nicht einschüchtern. ?Jawohl, das behaupte ich,? gab er ebenso scharf zurück.

?Und Sie behaupten weiters, da? das Geld Ihnen geh?rt.?

?Jawohl. Es geh?rt mir.?

?Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als den ungekl?rten Fall dem n?chsten Wachmann vorzutragen,? sagte Herr Skuludis mit verbindlichem L?cheln und erhob sich, um anzudeuten, da? die Verhandlungen an einem toten Punkt angelangt seien.

?Das wird das beste sein,? sagte Demba, sehr gegen seine überzeugung.

Also doch ein Detektiv – dachte Herr Skuludis. Mit seiner Drohung war es ihm keineswegs ernst. Er legte, um die Wahrheit zu sagen, nur geringen Wert auf die Heranziehung der Sicherheitswache zu schiedsrichterlicher T?tigkeit. Er hatte unter den Funktion?ren der Polizei etliche gute Bekannte – das brachte sein Beruf mit sich –, denen seine Anwesenheit in Wien vorl?ufig noch ein streng gehütetes Geheimnis bleiben sollte. Auch trug er in seiner Rocktasche zwei goldene Uhren, ein Anh?ngsel, zwei Kravattennadeln und vier Brillantringe – kleine Ergebnisse seiner letzten Fahrt im Speisewagen des Eilzugs Wien-Budapest – bei sich, deren Verwertung ihm sehr am Herzen lag. Eine Mitwirkung der Polizei bei dieser Transaktion w?re ihm im h?chsten Grade ungelegen gekommen.

?Zahlen!? rief Herr Skuludis, und beglich seine Zeche boshafterweise mit einer der Banknoten aus dem Kuvert, auf die Demba seine Ansprüche erhoben hatte. Dieses Vorgehen machte auf Demba den denkbar schlechtesten Eindruck und versetzte ihn in hellen ?rger.

?Das Geld scheint Ihnen wahrhaftig gelegen gekommen zu sein,? bemerkte er bissig.

Herr Skuludis sah an dieser unzarten Bemerkung mit Schmerz, da? Demba nicht die Umgangsformen der gro?en Welt besa?. Aber Ruhe und Selbstbeherrschung geh?rten zu seinem Berufe, und er begnügte sich, seinen Gegner mit einem ver?chtlichen Blick zu messen.

Gegenüber der Oper stand ein Polizist. Aber beide Herren schlugen ganz von selbst eine Richtung ein, in der auf tausend Schritte Entfernung weit und breit kein Wachmann zu sehen war. Und beide sp?hten, g?nzlich unabh?ngig voneinander, nach einer Gelegenheit aus, der verfahrenen Situation eine neue Wendung zu geben. Herr Skuludis studierte mit Aufmerksamkeit die vielfachen M?glichkeiten des Wiener Verkehrswesens, w?hrend Demba, um sich einen guten Abgang zu sichern, die Vorteile erwog, die ein dem Gegner unerwartetes Umdieeckebiegen bieten konnte.

Herr Skuludis war es, der auch hier wieder seine Entschlossenheit und seine Neigung zu rascher Initiative erwies. Ehe Demba sich dessen versah, hatte er sich auf eine eben abfahrende elektrische Tramway geschwungen. Er befand sich bereits in voller Fahrt, als Demba sein Verschwinden bemerkte.

Nur eine Sekunde lang war Demba verblüfft. Dann begriff er: Herr Skuludis gab seine Sache verloren, und diese Flucht bedeutete den moralischen Zusammenbruch des Gegners. Und die Chance, die siebzig Kronen zurückzuerlangen, stieg.

Sofort war er hinter der Elektrischen her. Eine triumphierend-h?hnische Grimasse, zu der sich Herr Skuludis unüberlegterweise hinrei?en lie?, spornte Demba, indem sie seine Gefühle aufs tiefste verletzte, zu h?chster Kraftleistung an. Wütend keuchte er hinter dem Wagen her. Er kam ihm n?her. Er verdoppelte seine Anstrengungen und kam bis auf Arml?nge an ihn heran. Er stie? mit zwei Passanten zusammen, rannte weiter und holte den Wagen ein. Er hielt keuchend ein paar Sekunden lang mit ihm Schritt, und dann sprang er, als der Wagen in einer Kurve sein Tempo verlangsamte, mit einem kühnen Satz auf das Trittbrett und stand oben – ersch?pft, mit pfeifendem Atem, nach Luft schnappend, und dennoch siegreich und triumphierend.

Er hatte erwartet, seinen Gegner zerknirscht, gebrochen, besch?mt und grenzenlos verlegen anzutreffen. Aber jetzt, da er ihm gegenüberstand, sah er, da? das Gesicht des Gegners einen seltsamen Ausdruck angenommen hatte. Nicht Angst, nicht ?rger, nicht Zerknirschung war in ihm zu lesen, sondern ma?lose Verblüffung, fassungslose Verwunderung malte sich in Herrn Skuludis Zügen. Mit offenem Mund sah er Demba an, und mit der ausgestreckten Rechten wies er, unbeweglich wie ein steinerner Apoll, starr vor Staunen auf Dembas H?nde.

Auf die H?nde! Auf Dembas H?nde!

Denn Dembas Mantel hatte sich an der Griffstange des Tramwaywagens verfangen, seine H?nde waren aller Welt sichtbar, seine Schmach allen Blicken preisgegeben, sein furchtbares Geheimnis lag offen.

Aber nur einen Augenblick lang. Und von all den Menschen, die dichtgedr?ngt den Wagen füllten, hatte nur Herr Skuludis Dembas H?nde gesehen.

Und im n?chsten Augenblick waren beide, Demba und Skuludis, vom Wagen abgesprungen.

Demba zuerst. Jetzt war er der Verfolgte. Einer wu?te sein Geheimnis, und diesem einen galt es zu entkommen.

Er rannte um sein Leben, blind und verzweiflungsvoll, ohne sich umzusehen. Und Herr Skuludis, eifrig winkend, gestikulierend und rufend, hinter ihm her.

Dann gelang es Demba, sich der Verfolgung durch einen Sprung auf einen Autoomnibus zu entziehen.

Herr Skuludis blieb stehen und sah ihm kopfschüttelnd und mit Bedauern nach. Auf einen Wettlauf mit dem Omnibus konnte er sich nicht einlassen. Er mi?billigte diese kopf- und sinnlose, überstürzte Flucht. Seine anf?ngliche Abneigung gegen Demba war einer starken Sympathie gewichen. Jeder Groll war aus seiner Seele geschwunden. Wie gerne w?re er ihm mit Rat und Tat beigestanden. Denn er hatte in Demba den begabten, jungen Anf?nger in seiner Zunft erkannt, der, wei? Gott auf welche Art in eine mi?liche Situation geraten war.

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