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   Chapter 5 No.5

Zwischen neun und neun By Leo Perutz Characters: 16074

Updated: 2017-12-04 00:03


Oskar Miksch dehnte sich, g?hnte, rieb sich die Augen und richtete sich halb in seinem Bette auf. Wieviel Uhr es sein mochte, wu?te er nicht, sicher aber war es noch nicht sp?t. Er konnte nicht lange geschlafen haben. Er war nicht von selbst erwacht. Ein Ger?usch, das wie das Klirren aufeinander schlagender Teller, Messer und Gabeln klang, hatte ihn geweckt.

Er erinnerte sich, da? die überbleibsel seines Frühstücks, eine halbgeleerte Teetasse und ein angebissenes Marmeladebrot, auf dem Tisch liegengeblieben waren und begann innerlich, aber ziemlich intensiv auf seine Hausfrau, Frau Pomeisl, zu schimpfen, die wieder einmal die Frühstückstasse abr?umte, w?hrend er noch schlief, und dazu noch unn?tigen L?rm machte.

Als sich seine Augen an das Halbdunkel des Zimmers gew?hnt hatten, – er pflegte, bevor er des Morgens zu Bett ging, die Fensterladen zu schlie?en, um nicht durch das Tageslicht gest?rt zu werden, – erkannte er, da? er der ehrwürdigen Matrone schweres Unrecht zugefügt hatte. Nicht sie war es, die Mikschs gest?rten Schlummer auf dem Gewissen hatte, sondern sein sonst so stiller Zimmergenosse Stanislaus Demba.

Demba stand über den Tisch gebeugt, und Miksch sah ihn undeutlich auf komische und gravit?tische Art das Marmeladebrot verspeisen – er hob es mit beiden H?nden in die H?he und zum Mund, es sah aus, als ob er feierlich eine heilige Handlung zelebrierte. Und so oft er die H?nde sinken lie?, klirrte der Teller aus irgendeinem r?tselhaften Grund, und eben dieses Ger?usch hatte Miksch geweckt.

Auf dem Sessel neben der Tür sa? noch eine zweite Gestalt, die sich bei sch?rferem Hinschauen als Dembas hellbrauner, durch seinen eigenen Schatten vergr??erter Havelock erwies.

Miksch wunderte sich, Demba um diese Zeit zu sehen. Sie trafen einander sonst tagelang nicht. Miksch war Eisenbahner und kam zumeist erst gegen neun Uhr morgens vom Dienst nach Hause; um diese Zeit hatte Demba gew?hnlich schon die Wohnung verlassen; den Tag über lie? er sich nur selten blicken und auch abends war er meist noch nicht zu Hause, wenn Miksch wieder in seinen Dienst ging. Sie bewohnten das Zimmer beinahe ein halbes Jahr lang und hatten w?hrend dieser Zeit kaum ein dutzendmal miteinander gesprochen. Dinge von Wichtigkeit pflegten sie einander auf zurückgelassenen Zetteln mitzuteilen. Mit Dembas Verh?ltnissen war Miksch ziemlich vertraut, er wu?te es genau, wenn Demba in Geldn?ten war, in Prüfungssorgen steckte, Zahnschmerzen hatte, in Liebesabenteuer verfangen war oder mit Garderobeschwierigkeiten k?mpfte. Denn der Student hatte die Gewohnheit, seine Briefe, Bücher und Notizhefte herumliegen zu lassen, und Frau Pomeisls Neigung, dem einen vom andern zu erz?hlen, tat das übrige. Hie und da wandten sie sich mittels Zettelpost aneinander um Aushilfe, und entliehen etwa eine alte Frackhose, einen frischen Hemdkragen oder einen Geldbetrag bis zur H?he von fünf Kronen voneinander.

?Guten Morgen! Wünsch' guten Appetit!? rief Oskar Miksch den Studenten an.

Stanislaus Demba fuhr auf und starrte eine Sekunde lang auf das Bett. Er merkte offenbar erst jetzt, da? Miksch erwacht war. Der Teller begann wieder zu klirren und gleich darauf verschwand Demba hinter dem Tisch, so pl?tzlich, als w?re er versunken.

?Was gibt's denn, Demba? Ist Ihnen etwas zu Boden gefallen? Was suchen Sie? Warten Sie, ich mache Licht.?

Miksch sprang aus dem Bett und trat ans Fenster, um die Fensterladen zu ?ffnen. Als ein schüchterner Sonnenstrahl ins Zimmer fiel, brüllte Demba, vom Licht wie von einem Messerstich getroffen, pl?tzlich auf:

?Zum Kuckuck, was f?llt Ihnen ein? Lassen Sie doch die Laden geschlossen. Ich vertrage kein Licht, ich habe Augenschmerzen.?

?Augenschmerzen?? Miksch schlo? augenblicklich die Fensterladen, und es war jetzt stockdunkel im Zimmer.

?Rasende Augenschmerzen! Ich mu? doch endlich zu einem Spezialisten gehen.? Stanislaus Demba war wieder hinter dem Tisch emporgetaucht und schien mit einem Messer auf ein Brotlaib loszustechen, das auf dem Tische lag.

?Zum Teufel, es geht nicht!? fluchte er. ?Schneiden Sie mir doch ein Stück Brot ab, Miksch.?

?So wird's freilich nicht gehen,? sagte Miksch. ?Man nimmt das Brot in die eine und das Messer in die andere Hand.?

?Hol Sie der Teufel!? brüllte Demba in einem Anfall ganz unerkl?rlicher Wut. ?Geben Sie mir keine Lehren, und schneiden Sie mir lieber ein Stück Brot ab.?

?Es ist nur Faulheit von Ihnen,? sagte Miksch gelassen und langte über den Tisch nach dem Brotlaib und dem Messer. ?Sie lassen sich ganz gern ein bi?chen bedienen, nicht? So, da haben Sie Ihr Brot. Streichen müssen Sie es sich selbst.?

Demba a?, und wieder benützte er beide H?nde, um das Brot zum Mund zu führen – in dem dunklen Zimmer sah das aus, als hebe ein Schwerathlet mühsam mit beiden H?nden ein Fünfzigkilogewicht.

Mit dem Schlafen war es aus. Miksch tastete im Dunklen nach seiner Hose und seinen Hausschuhen und begann sich anzukleiden.

?Ich esse Ihnen da eigentlich Ihr Frühstück weg,? sagte Demba.

?Aber nein! Ich bin vollst?ndig satt.?

?Ich habe Hunger. Ich war fast verzweifelt vor Hunger. Ich habe seit gestern mittag nichts gegessen, und heute morgens hat mir ein Hund mein Frühstück weggeschnappt.?

?Wer? Ein Hund??

?Ja. Ein h??licher, braungefleckter Pinsch. Und ich mu?te ruhig zusehen.?

?Warum mu?ten Sie das??

?Ich hatte im Augenblicke zuf?llig die H?nde nicht frei. Was kümmert Sie das übrigens? Man kommt manchmal in Situationen, in denen man seine H?nde nicht gebrauchen kann. Ich bringe Sie übrigens um Ihren Schlaf??

?Ich bin nicht müde. Ich kann nachmittags noch ein paar Stunden schlafen. Wir sehen uns ohnehin so selten. – Wie kommt es, da? Sie heute zu Hause sind? Keine Vorlesungen? Keine Lektionen??

?Ich bin hergekommen, um mir von der Frau Pomeisl einen Mantel auszuleihen. Meiner ist zerrissen. Sie hat die Zivilkleider von ihrem Sohn, der eingerückt ist, zu Hause.?

?Ihr Mantel ist zerrissen??

?Ja. Er hat ein Loch. Der Hund, wissen Sie, hat nach ihm geschnappt.?

?Sie k?nnen meinen haben. Ich brauche ihn erst am Abend. Bis dahin hat Frau Pomeisl ihren Mantel ausgebessert.?

?Nein. Danke. Ihrer ist mir viel zu kurz.?

?Aber wir haben ja die gleiche Gr??e.?

?Nein. Ich danke wirklich. Ich werde die Pelerine anziehen, die der Sohn der Frau Pomeisl zurückgelassen hat.?

?Wie Sie wollen. Was gibt's sonst Neues??

?Neues? Nichts. Die Sonja will mit dem Georg Weiner nach Venedig fahren.?

?Georg Weiner? Wer ist das??

?Ein Idiot. Ein Tennistrottel. Ein Mensch, der niemals von etwas anderem spricht, als von irgendeinem neuen Gehrock, den er sich bestellt hat.?

?Geben Sie ihm Ihren Segen.?

?Reden Sie doch keinen Unsinn! Lassen Sie sich etwa bestehlen?? rief Demba zornig.

?Wer bestiehlt Sie denn??

?Ist das etwa kein Diebstahl, wenn mir einer die Sonja wegnimmt??

?Nein. Sie ist frei. Nicht an Sie gebunden. Sie kann tun, was sie will.?

?So. Sie haben einen Posten bei der Bahn. Und einen Protektor im Ministerium. Wenn nun irgendwer Sie bei dem Sektionsrat im Ministerium, der doch auch ?frei? ist und tun kann, was er will, verdr?ngen und Ihnen Ihren Posten wegnehmen würde – lie?en Sie sich das gefallen? Ich soll zuschauen, wie mir ein anderer die Sonja wegnimmt? Wenn ein armer Teufel ein Stück Brot stiehlt, wird er eingesperrt, und gegen diese Buschklepper der Liebe gibt es kein Recht??

?Wollten Sie denn das M?del heiraten??

?Nein.?

?Sehen Sie! In ein paar Wochen h?tten Sie sie stehen gelassen. Der Verlust ist also nicht so gro?.?

?In ein paar Wochen. Vielleicht. Aber heut bin ich noch nicht zu Ende.?

?Was hei?t das: Noch nicht zu Ende? Die paar Tage oder Wochen k?nnen doch keine Rolle spielen.?

?Aber es ist eben noch nicht zu Ende, verstehen Sie das nicht? Wie soll ich Ihnen das begreiflich machen? – H?ren Sie: Sie essen ein Salzstangel. Oder eine Birne. Und Sie legen das letzte Stückchen aus der Hand, irgendwohin, und Sie suchen es und finden es nicht mehr. Dann werden Sie

den ganzen Tag Hunger danach haben. Sie k?nnen andere Dinge essen, soviel Sie wollen, hundertmal bessere Dinge: das kleine Stückchen Birne wird Ihnen immer fehlen. Den ganzen Tag hindurch werden Sie unbewu?t ein Verlangen in Ihrem Gaumen und in Ihrer Zunge haben nach jener Birne, nur weil Sie das letzte Stückchen nicht gegessen haben.?

?Nun. Und??

?So geht es mir mit Sonja Hartmann. Vielleicht h?tt' ich sie in ein paar Wochen vergessen. Es sind andere da, die viel wertvollere Menschen sind, als Sonja Hartmann. Aber da sie gestern mit mir gebrochen hat, kann ich heute ohne sie nicht leben. Der letzte Bissen – verstehen Sie das nicht? – Miksch, Sie müssen mir Geld verschaffen.?

?Sechs Kronen k?nnen Sie sofort haben.?

?Sechs Kronen? Ich brauche zweihundert.?

?Zweihundert Kronen? Du lieber Gott, die soll ich Ihnen verschaffen?? Miksch begann aus vollem Halse zu lachen. ?Wozu brauchen Sie das Geld, Demba??

?Ich will mit der Sonja nach Venedig fahren.?

?Ich dachte mir's. Glauben Sie, da? es mit dem Geld allein getan w?r'? Wenn das M?del den andern nun einmal lieber hat!?

?Wenn ich das Geld habe, f?hrt sie mit mir.?

?Glauben Sie das im Ernst??

?Ich glaube nichts. Ich wei? es,? sagte Demba. ?Ich war vor einer halben Stunde bei ihr, und sie hat es mir versprochen. Soweit hab' ich sie zur Vernunft gebracht. Mit ein bi?chen Diplomatie und Menschenkenntnis geht alles. Sie hat seit jeher einen unbez?hmbaren Drang, sich die Welt anzusehen. Sie mu? diese Reise machen, und wer ihr dazu verhilft, das ist ihr nebens?chlich. Wenn ich mir bis heute abend das Geld verschaffe, ist der Weiner erledigt.?

?Mit Ihrer Menschenkenntnis war es nie weit her, lieber Demba,? sagte Miksch skeptisch.

Stanislaus Demba h?rte nicht auf ihn.

?Und heute morgen h?tt' ich beinahe die zweihundert Kronen gehabt, die ich brauche. Wenn ich nur im rechten Moment zugegriffen h?tte! Aber ich habe zu lang gewartet, und seither ist mir das Zugreifen erheblich erschwert worden. Ich k?nnte mich ohrfeigen, wenn –?

?Wenn??

?Wenn ich es k?nnte. Auch das geht nicht mehr so leicht.? Demba lachte kurz auf. ?Genug davon! Also Sie haben kein Geld für mich. Dann mu? ich schauen, da? ich mir's wo anders beschaffe. Leben Sie wohl. – Ja, richtig: Die Pelerine! – Frau Pomeisl!?

Aus dem Nebenzimmer kamen schlurfende Schritte. Die Hauswirtin steckte den Kopf zur Tür herein.

?Haben Sie gerufen, Herr Miksch? Jessas, haben Sie's aber heut dunkel. Man sieht ja seine eigenen H?nd' nicht.?

?Frau Pomeisl!? bat Demba. ?K?nnen Sie mir für heute die Pelerine leihen, die ihr Sohn früher immer getragen hat? In meinen Mantel hab' ich mir ein Loch gerissen.?

?Die Pelerine von meinem Anton wollen Sie? Aber warum denn nicht. Die wird Ihnen nur zu schlecht sein, Herr Miksch, mein Anton hat in der letzten Zeit, bevor er zum Milit?r gegangen ist, gar nicht mehr auf die Gassen gehen wollen mit der Pelerine. Warten Sie, gleich such' ich sie Ihnen heraus.?

Frau Pomeisl verschwand im Nebenzimmer, und kam nach ein paar Augenblicken mit der Pelerine zurück.

?So. Da ist sie schon, Herr Miksch. Ein bissel nach Naphtalin stinkt sie halt.?

?Das macht nichts. Geben Sie sie nur her,? sagte Demba. ?Ein praktisches Ding, so eine Pelerine. Man wirft sie einfach um und kn?pft sie vorn zu und mu? sich nicht erst damit plagen, die Arme in diese scheu?lichen Futterale zu zw?ngen, die der Teufel erfunden hat –?

?In welche Futterale?? fragte Miksch.

?In die ?rmel. Ich vertrage ?rmel nicht. Machen Sie die Fensterladen auf, Miksch.?

?Haben Sie keine Schmerzen mehr??

?Schmerzen? Was für Schmerzen??

?Augenschmerzen.?

?Nein, zum Kuckuck. Halten Sie mich nicht auf mit Ihren Fragen und ?ffnen Sie die Fensterl?den.?

Helles Tageslicht flutete in das Zimmer.

Demba trat vor den Spiegel, der die Tür des Kleiderkastens und das Prunkstück des dürftig m?blierten Zimmers bildete. Er besah sein Spiegelbild und nickte mit dem Kopf. Die Pelerine schien seinen Beifall zu finden.

?Jesses, Sie sind's, Herr Demba!? rief Frau Pomeisl, die ihn erst jetzt erkannte. ?Wenn ich gewu?t h?tt', da? Sie zu Hause sind. Ich hab' geglaubt, Sie sind fort. Den Moment hat Sie der Geldbrieftr?ger gesucht.?

?Der Geldbrieftr?ger? Ist er fort? Sie haben ihn doch nicht fortgehen lassen?? schrie Demba.

?Nein. Er ist hinauf in den vierten Stock gegangen. Er mu? gleich herunterkommen. Er hat einen Geldbrief für Sie.?

?Das ist gut. Dann werd' ich hinausgehen und ihn abpassen.? Stanislaus Demba wandte sich zu Miksch und lachte. ?Der Herr Weiner w?re erledigt. Es ist das Geld von dem Schundverleger, dem ich seinen Roman ins Polnische übersetzt habe. Einen Kolportageroman für Dienstm?dchen in vierhundert Lieferungen à zwanzig Heller, in jeder Lieferung ein Raubmord oder eine Brandstiftung oder eine Hinrichtung oder eine Kindesunterschiebung – er bietet jedem Geschmack etwas. Ich sollte mich eigentlich sch?men, aber Sie wissen, Miksch: Non olet. Und er l??t mich nicht mal lang auf mein Geld warten. Diese Wilden sind doch bessere Menschen.?

?Und nun kommt das Geld gerade heute. Sie haben wahrhaftig Glück, Demba!?

?Glück? – Verdammtes, elendes Pech habe ich!? schrie Demba. ?Warum konnte das Geld nicht gestern kommen. Lieber Gott, wenn es gestern gekommen w?re!?

?Nun, und worin l?ge der Unterschied??

?Da? ich vielleicht einen ruhigeren Tag vor mir h?tte, heute – weiter nichts,? sagte Demba und starrte zu Boden. Dann gab er sich einen Ruck:

?Jetzt mu? ich hinaus, sonst l?uft mir der Geldbrieftr?ger fort.?

Nach ein paar Minuten kam Demba zurück. Er ?ffnete, ohne ein Wort zu sprechen, den Kleiderkasten, und vergrub sich zwischen alten Hosen, R?cken und Westen. Als er wieder hervorkam, hatte er einen hochbetagten, speckig gl?nzenden, an den R?ndern zerfransten Schlapphut auf dem Kopf, einen monstr?sen Methusalem von Hut, den Miksch vor etlichen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geschickt hatte.

?Um Gottes willen! Mit diesem Hut wollen Sie doch nicht unter Menschen gehen?? rief Miksch.

?Ich hab' keinen andern.?

?Wo haben Sie denn den Ihren??

?Den hab' ich irgendwo liegen gelassen.?

?Wie kann man denn nur so zerstreut sein.?

?Ich war nicht zerstreut. Ich hab' ihn liegen lassen müssen.?

?Müssen? Ja, warum denn??

Demba wurde ungeduldig.

?Fragen Sie nicht soviel. Sie k?nnen sich das nicht vorstellen? Sie werden mich mit Ihrer verdammten Phantasiearmut noch ?rgerlich machen. Man mu? Ihnen alles lang und breit erkl?ren. Also: Es ist windig. Der Hut fliegt mir auf das Stadtbahngeleise. Ich lauf' ihm nach und will nach ihm greifen – da kommt der Stadtbahnzug. – Manchmal ist es besser, die Hand nicht auszustrecken, wenn man nicht unter die R?der geraten will, Miksch!?

?Sie müssen sich gleich einen neuen Hut kaufen, Demba. Jetzt haben Sie ja Geld.?

?Nein,? sagte Demba, ?ich habe kein Geld.?

?Ist der Brieftr?ger nicht gekommen??

?O ja,? sagte Demba.

?Oder war das Geld am Ende gar nicht für Sie bestimmt??

?Doch. Es geh?rte mir. Aber –?

Ein Wutanfall kam über Stanislaus Demba. Er stie? wie irrsinnig nach Frau Pomeisls rotem Plüschfauteuil, und starrte dann im Zimmer umher nach etwas, was er in Trümmer schlagen k?nnte. Frau Pomeisls seidengestickter Ofenschirm, auf dem die Legende der heiligen Genoveva dargestellt war, hatte das Unglück, Dembas Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er erhielt einen Fu?tritt, stürzte ?chzend zu Boden und starb den M?rtyrertod. Das schien Herrn Demba soweit zu beruhigen, da? er in seinem Berichte fortfahren konnte.

?Er hat mir das Geld nicht geben wollen!? tobte er. ?Nur gegen Unterschrift! Er hat mich zwingen wollen, seinen schmutzstarrenden Tintenstift in die Hand zu nehmen, sein klebriges Buch anzufassen, und meinen Namen auf eine schmierige Stelle darin zu setzen. Sonst k?nne er mir das Geld nicht geben, hat er gesagt. Mein Geld, h?ren Sie, Miksch? Mein Geld!?

?Nun, und??

?Ich lasse mir nichts erpressen,? sagte Demba. ?Ich habe nicht unterschrieben.?

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