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   Chapter 2 No.2

Zwischen neun und neun By Leo Perutz Characters: 17926

Updated: 2017-12-04 00:03


Hofrat Klementi machte mit seinem Freunde, dem Professor Ritter von Truxa, und seinem Hunde ?Cyrus? den t?glichen Morgenspaziergang in den Liechtensteinpark. Hofrat Klementi, der Direktor der altorientalischen Spezialsammlung des kunsthistorischen Museums, derzeit vorübergehend auch mit der Oberleitung der ethnographisch-anthropologischen Abteilung betraut, mu? den Lesern wohl nicht erst vorgestellt werden. Mit seinem grundlegenden, von der Akademie der Wissenschaften subventionierten Werke über die ?Bildung altassyrischer Eigennamen? hat er sich in der Gelehrtenwelt eine angesehene Stellung gesichert, w?hrend seine scharfsinnigen Untersuchungen über ?indische Kachelmotive und ihren Einflu? auf die persische Teppichornamentik? seinen Namen auch in weitere Kreise der Künstler, Kunstfreunde und Sammler getragen haben.

Professor Ritter von Truxa, wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften (philosophisch-historische Klasse) und Lehrer an der Konsular-Akademie, ist weniger bekannt.

Von seinen zahlreichen sprachwissenschaftlichen Arbeiten ist sein vorzügliches kalmückisch-deutsches W?rterbuch an erster Stelle zu nennen. Andere Werke, so zum Beispiel seine Studie über die H?ufung der Halbvokale r und l in den kymrischen Dialekten und sein umfangreiches Werk: ?Zur Ethnographie und Sprache der Somalist?mme? haben auch den Weg ins Ausland und in der dortigen Fachwelt Anerkennung gefunden.

Die wissenschaftliche T?tigkeit dieser beiden Herren spielt jedoch in dieser Erz?hlung keine bedeutende Rolle, und so sei nur noch rasch angemerkt, da? Professor Ritter von Truxa erst vor kurzem von einer mehrmonatlichen Studienreise aus dem n?rdlichen Haurangebiet zurückgekehrt und derzeit damit besch?ftigt war, die wissenschaftliche Ausbeute dieser Reise, eine Anzahl mehr oder weniger gut erhaltener chettischer und ph?nizischer Sprachdenkm?ler, gemeinsam mit Hofrat Klementi zu bearbeiten und zu ver?ffentlichen.

Was des Hofrats Hund Cyrus betrifft, so l??t sich seine Rasse mit absoluter Zuverl?ssigkeit nicht feststellen. Man wird sich jedoch nicht allzuweit von der Wahrheit entfernen, wenn man ihn als – im gro?en und ganzen – zu der Familie der Spitze geh?rig bezeichnet. Er konnte apportieren, Pfotl geben und ?bitten? und besa? ein wei?es, braungeflecktes Fell und ein verwegenes Temperament.

Hofrat Klementi ging langsam und hatte zudem die Gewohnheit, im Gespr?che ?fters, am liebsten in besonders belebten Stra?en, stehen zu bleiben; er schien sich nur als Verkehrhindernis wirklich wohl und behaglich zu fühlen. Selbst der durch heftiges An-der-Leine-Zerren zum Ausdruck gebrachte Unmut seines Hundes Cyrus, der den alten Herrn sonst grausam tyrannisierte und ihm in allem und jedem seinen Willen aufzwang, konnte gegen diese Schw?che des Gelehrten nichts ausrichten, und Professor Truxa hatte seine liebe Not, den Freund beim überqueren der Porzellangasse glücklich aus dem Gefahrenbereich der elektrischen Tramway zu bringen.

Der Liechtensteinpark war um diese Zeit – es mochte gegen halb zehn Uhr vormittag sein – bereits ziemlich stark besucht. Kleine M?derln und Buben liefen mit Reifen und Gummib?llen über den Kiesweg, Kinderfr?uleins und Ammen schoben plaudernd ihre W?gen vor sich her, Gymnasiasten sagten einander mit wichtigen Mienen ihre Lektionen vor. Die beiden Gelehrten strebten einer abgelegenen Stelle des Parkes zu, an der sie eine von alten Akazienb?umen beschattete und durch dichtes Gebüsch den Blicken der übrigen Parkbesucher entzogene Bank erwartete. Auf diesem Pl?tzchen pflegten sie allmorgendlich, unbeachtet und von dem l?rmenden Treiben ringsumher nur wenig gest?rt, ein oder zwei Stunden der Durchsicht ihrer Manuskript- und Korrekturb?gen zu widmen.

Vorerst waren die Herren jedoch in ein Gespr?ch über das Verbreitungsgebiet des Haschischgenusses vertieft. Professor Truxa vertrat die Ansicht, da? der Gebrauch dieses Berauschungsmittels immer auf den Orient beschr?nkt geblieben sei, eine Behauptung, die den Hofrat zu lebhaftem Widerspruch herausforderte.

?Sicher ist es Ihnen bekannt,? sagte er, ?da? in den pr?historischen Gr?bern Südfrankreichs kleine Tonpfeifchen gefunden worden sind, welche Reste der Canabis sativa L. enthielten. Unsere Vorfahren haben zweifellos Hanf geraucht, und auch den alten Griechen war er bekannt. Erinnern Sie sich doch der Stelle in der Odyssee, in der der Trank Nepenthes erw?hnt wird, der ?Kummer tilgt und das Ged?chtnis jeglichen Leides?. Und das ?Gelotophyllis?, das ?Kraut der Gel?chter? der alten Skythen, von dem Plinius spricht.?

?Ich m?chte doch lieber auf gesichertem, wissenschaftlichem Boden bleiben,? warf Professor Truxa ein. ?Wirth in München geht ja noch viel weiter als Sie, ohne übrigens auch nur den Schatten eines ernstzunehmenden Beweises für seine Theorien zu erbringen. Nach seiner Behauptung w?ren die gro?en Massenpsychosen der Vergangenheit, der Flagellantismus ebenso wie die merkwürdigen Tanzepidemien, als Folgen des überm??igen Genusses des Haschischs oder eines Narkotikons von ?hnlicher Wirkung anzusehen.?

?Ich kann mich natürlich diesen Seitensprüngen Professor Wirths, der in seinem eigenen Wissensgebiet übrigens Tüchtiges geleistet hat, nicht anschlie?en. Ich habe ja nur behauptet, da? vereinzelte F?lle von Haschischgenu? auch in Europa zu allen Zeiten einwandfrei beobachtet worden sind und wahrscheinlich auch heute noch auftreten. Wohlgemerkt: Vereinzelte F?lle! Ich erinnere mich beispielsweise eines neapolitanischen Hafenarbeiters – welche Symptome k?nnten Sie übrigens feststellen, Professor??

?Ich erkenne Haschischraucher sofort an ihren blitzartig wechselnden Neigungen und Stimmungen und an ihrer aufs ?u?erste gesteigerten Einbildungskraft. Ein Limonadenverk?ufer in Aleppo, den ich im Rauschzustande beobachten konnte, hielt sich für den Erzengel Gabriel. Ein arabischer Brieftr?ger in Waran gab sich für eine Heuschrecke aus und machte solange Flugversuche von der Stadtmauer herab, bis er das Bein brach. Manchmal treten ganz unerwartet brutale Roheitsakte bei sonst sehr ruhigen und friedliebenden Temperamenten auf. Ich habe gesehen, wie ein Nachtw?chter in Damaskus einem harmlosen Spazierg?nger ohne jeden Anla? einen solchen Tritt in den Magen versetzte, da? der arme Teufel vom Fleck weg ins Spital gebracht werden mu?te.?

?Die Rauschwirkung wird sich aber wahrscheinlich bei den einzelnen Rassen doch auf verschiedene Art ?u?ern, nicht wahr?? fragte der Hofrat.

?Ich m?chte da sogar noch weitergehen. Wenn ich von einzelnen, unbedingt sich immer wieder zeigenden Symptomen absehe, dürfte jedes einzelne Individuum in besonderer Art auf den Haschischgenu? reagieren.?

Die Herren waren im Eifer der Debatte stehen geblieben. Es w?re aber unrichtig, zu glauben, sie w?ren durch das Gespr?chsthema so weit absorbiert worden, da? sie den Blick für all das, was in dem menschenerfüllten Park rings um sie vorging, verloren h?tten. Das Gegenteil ist richtig. Ein Gummiball, den ein kleiner Bub seinem Kameraden aus der Hand geschlagen hatte, war knapp vor die Fü?e des Hofrates gerollt. Der Gelehrte hob ihn auf, betrachtete ihn nachdenklich und versuchte ihn sodann in seiner Rocktasche unterzubringen, offenbar im Glauben, da? ihm selbst der Ball eben aus den H?nden gefallen sei. Professor Truxa l?chelte nachsichtig und nahm dann behutsam seinem Freunde das Spielzeug aus den H?nden, sehr darauf bedacht, den Hofrat in seinem Gedankengang nicht zu st?ren. Gleich darauf verga? er jedoch selbst, wie er in den Besitz des Balles gekommen war, hielt ihn ratlos in den H?nden und wu?te nicht, was mit ihm beginnen. Der unglückliche Eigentümer des Spielzeugs war bis auf einige Schritte herangekommen und beobachtete mi?trauisch und stets fluchtbereit die weitere Entwicklung der Dinge.

?Haben Sie die Wirkung des Haschischs auch am eigenen Leib erprobt?? fragte der Hofrat.

?Ja. Aber nur einmal. Ich sah einige Arabesken sinnlicher Natur und bekam Magenbeschwerden.? Professor Truxa war hinsichtlich des Gummiballs zu einem Entschlu? gelangt. Er s?uberte ihn mit seinem Rock?rmel sorgsam von Lehm- und Sandspuren, blies einige Staubk?rnchen weg und legte ihn dann behutsam auf den Kiesweg zurück. Der kleine Junge stürzte sich sofort auf sein Eigentum und machte sich mit einem Triumphgeheul aus dem Staube.

Die beiden Gelehrten setzten ihren Weg fort. Sie waren jetzt in dem weniger belebten Teil des Parkes angelangt. Der Kiesweg, durch dichtes Buschwerk zu beiden Seiten in einen Fu?weg verengt, führte sie zu ihrem Lieblingspl?tzchen, der hinter einer sandsteinernen Gruppe – Kinder, die mit einer Rehkitz spielten – und Gestr?uch verborgenen und von zwei Akazien beschatteten Bank.

Auf der Bank sa? Stanislaus Demba.

Er war beim Frühstück. Er sa? vornüber gebeugt, den Kopf in die H?nde gestützt und kaute. Der Rest des Butterbrots und eine Anzahl Wurstscheibchen lagen neben ihm auf der Bank. Sein hellbrauner überzieher schien ihm jetzt als eine A

rt Serviette zu dienen. Er hing ihm vom Hals herunter, wie ein Theatervorhang, und verbarg Brust, H?nde, Arme und Beine hinter seinem Faltenflu?. Die langen, leeren ?rmel flatterten im Wind.

Der Hofrat und der Professor trafen ihre Vorbereitungen. Die Bank war feucht und nicht sehr sauber. Professor Truxa suchte in seinen Taschen nach einer Unterlage und entschied sich, als er nicht gleich etwas Passendes fand, mit der raschen Entschlossenheit, die diesen Gelehrten in gro?en, wie in kleinen Dingen kennzeichnet, dafür, dieser Verwendung die Korrektur- und Manuskriptb?gen zuzuführen, zu deren Durchsicht der heutige Vormittag bestimmt war. Nur der Geistesgegenwart des Hofrates, der noch im letzten Augenblick die kostbaren Papiere dem Freunde entri?, war es zu danken, wenn ein nicht wieder gutzumachender Schaden verhütet wurde.

Cyrus wurde mit der Leine an die Banklehne gebunden und dafür vom Maulkorb befreit. Dann nahmen die Herren Platz.

Stanislaus Demba schien die Ankunft der beiden Gelehrten als l?stige St?rung zu betrachten. Er h?rte zu essen auf, hob den Kopf und bi? sich verdrie?lich in die Lippen. Er schien entt?uscht, als er sah, da? Vorbereitungen zu l?ngerem Aufenthalt getroffen wurden, stand auf und wandte sich zum Gehen. Da fiel sein Auge auf das Butterbrot. Er z?gerte, blieb eine Weile unentschlossen stehen und lie? sich dann resigniert wieder auf die Bank nieder.

Hofrat Klementi und Professor Truxa hatten ihre Manuskriptb?gen geordnet und zurechtgelegt, machten sich Notizen und tauschten halblaute Bemerkungen. Ein paar Minuten vergingen, dann wurden sie in ihrer Arbeit gest?rt.

?Würden Sie vielleicht die Güte haben, Ihren Hund zu sich zu rufen?? sagte Demba mit einem unangenehmen L?cheln zum Professor, der ihm zun?chst sa?.

Professor Truxa hob den Kopf. Cyrus verspeiste eben zwei Stücke von Dembas Extrawurst.

?Er ist mir l?stig. Ich kann Hunde nicht vertragen.? Dembas Stimme zitterte vor Wut.

?Herr Hofrat, sehen Sie doch, was Ihr Hund angestellt hat!? rief der Professor verlegen.

?Ich bitte tausendmal um Entschuldigung!? klagte der Hofrat, dem das Benehmen seines Hundes sehr peinlich war. ?Ich mu? Sie wirklich um Verzeihung bitten. Cyrus! Daher zu mir!?

Es ist nicht bekannt, in welcher Sprache Hofrat Klementi sich für gew?hnlich mit seinem Hunde verst?ndigte. Vielleicht hatte sich Cyrus in langj?hrigem Zusammenleben mit seinem Herrn einige Kenntnisse im Aram?ischen oder Vulg?rarabischen erworben. Deutsch schien er auf keinen Fall zu verstehen. Er wiederholte seinen Angriff auf die Wurst, und der Versuch des Hofrats, ihn an den Ohren zurückzuziehen, hatte nur die Wirkung, da? Cyrus b?se wurde, knurrte und nach seines Herrn Hand schnappte.

Demba folgte mit ?ngstlicher Spannung jeder Bewegung des Hundes, rührte jedoch keine Hand, um ihn zu verjagen oder seine Wurst zu schützen.

?K?nnten Sie vielleicht Ihre E?waren auf die andere Seite der Bank legen? Dorthin kommt der Hund gewi? nicht,? bat der Hofrat.

?Auf die andere Seite?? Demba sah keinen Anla?, die Sachen auf die andere Seite zu legen. Er w?re dazu nicht verpflichtet. Und überhaupt dort sei Sonne und die Wurst würde zweifellos in der Sonne verderben, das werde der Herr wohl einsehen.

Der Hofrat sah das natürlich ein, obwohl der Himmel bew?lkt und keine Spur von Sonne zu sehen war.

?übrigens,? fuhr Demba fort, ?ist die Wurst eigentlich schon jetzt nicht mehr zu genie?en. Sie ist nicht mehr frisch, man kann sie ruhig dem Hund geben. Brot fri?t er wahrscheinlich nicht? Auf das Brot habe ich n?mlich selbst Appetit. Es ist das beliebte Hasenmayersche Kornbrot und feinste d?nische Butter.?

?Wollen Sie es nicht doch von hier fortnehmen?? bat der Hofrat. Cyrus war mit der Wurst fertig und fiel rücksichtslos über das Butterbrot her. Stanislaus Demba schluckte ein paarmal, verschlang das Butterbrot gierig mit den Augen, aber er tat nichts, um es in Sicherheit zu bringen.

?Na!? zischte er wütend. ?Ihr Hund scheint ja geradezu ausgehungert zu sein. Nicht ein Stückerl l??t er übrig, nicht das allerkleinste Stückerl.?

?Ja, warum haben Sie es denn nicht fortgenommen?? fragte Professor Truxa.

?Das Brot ist altbacken, wissen Sie, und vor Butter habe ich bei warmem Wetter geradezu einen Ekel. Ich h?tte es ohnedies nicht berührt.?

Die beiden Gelehrten wandten sich wieder ihrer Arbeit zu. Aber für Demba schien die Angelegenheit noch nicht beendet zu sein. Ob es den Herren etwa nicht recht sei, fragte er herausfordernd, da? er ihren Hund mit seinem Butterbrot füttere. Es sei merkwürdig, da? manche Leute ihrem Hunde sein bi?chen Fressen mi?g?nnten, selbst wenn es sie nicht einen Heller kostete.

Professor Truxa fragte seinen Freund, ob er es nicht für r?tlich halte, sich nach einer anderen Bank umzusehen. Der junge Mensch wolle einen Streit vom Zaun brechen. – Um von Demba nicht verstanden zu werden, bediente Professor Truxa sich des Idioms der n?rdlichen Tuaregv?lker, und zwar – der gr??eren Sicherheit halber – des Dialekts eines bereits seit l?ngerer Zeit ausgestorbenen Stammes.

Stanislaus Demba schien es wirklich darauf abgesehen zu haben, die Gelehrten an der Weiterarbeit zu verhindern. – Ob der Herr vielleicht etwas Besonderes daran finde, wenn es ihm einfiele, einem fremden Hund sein Frühstück zu schenken, – fuhr er in gereiztem Ton den Professor an. Was denn weiter dabei sei? Bi?chen Wurst und Brot. Um vierundsechzig Heller in jedem Greislerladen zu haben. Oder ob der Herr etwa glaube, da? man besondere Tricks oder Schliche oder Winkelzüge anwenden müsse, um in den Besitz von Wurst und Brot zu gelangen.

?Nein. Natürlich nicht,? sagte der erstaunte Professor h?flich. Und der Herr sei augenscheinlich ein gro?er Tierfreund, – setzte er hinzu.

?Aber du bist ja ein liebes Hunderl!? rief Stanislaus Demba in pl?tzlich erwachter Begeisterung. ?Du bist ein reizendes Hunderl.? Ob die Herren den Hund vielleicht abgeben wollten. ?Nicht? Schade!? – Der Hund würde es bei ihm gut haben. Stanislaus Demba, – wenn er sich den Herren vorstellen dürfe. Demba, cand. phil. … Nach so einem Hund sei er schon lange auf der Suche. ?Und von wem hat denn der Hund das sch?ne, rote Mascherl bekommen? Du bist aber ein herziger Hund! Na, so komm doch her zu mir! Willst du Zucker haben??

?Geh hin, Cyrus!? sagte der Hofrat. ?Gib dem Herrn sch?n das Pratzerl.?

Cyrus ging arglos ganz nah an Stanislaus Demba heran und hob die Vorderpfote.

Darauf schien der Student jedoch gewartet zu haben. Der unglückliche Hund erhielt statt des Zuckers einen gewaltigen Fu?tritt und fiel heulend auf den Rücken.

Und nun sprang Stanislaus Demba auf und stürmte ohne Gru? davon. Das untere Ende seines Mantels, den er über den Armen h?ngen hatte, geriet ihm unter die Fü?e und brachte ihn zum Stolpern. Ein leises, metallisches Klirren war pl?tzlich zu h?ren, ?hnlich dem Rasseln eines Schlüsselbundes. Aber Demba bewahrte sein Gleichgewicht, raffte den Mantel zusammen und verschwand hinter der Biegung des Fu?pfads.

Professor Truxa erholte sich nur langsam von seinem Entsetzen. ?So ein roher Mensch!? rief er entrüstet dem Hofrat zu.

Der Hofrat war merkwürdig ruhig geblieben. ?Professor!? sagte er leise, ohne sich um den jammernden Cyrus zu kümmern. ?Haben Sie das gesehen??

?Natürlich! So ein roher Mensch!?

?Ist Ihnen sonst nichts an dem Menschen aufgefallen?? flüsterte Hofrat Klementi geheimnisvoll. ?Ich habe ihn die ganze Zeit hindurch beobachtet. Denken Sie doch: Dieser j?he Umschwung der Stimmungen! Dieser anf?ngliche Hei?hunger, der sich pl?tzlich in Ekel vor allem E?baren verwandelte. Dieser Roheitsausbruch, diese Brutalit?t gegen ein harmloses Tier, das er kurz vorher geradezu liebevoll gefüttert hat. Professor! Merken Sie nichts??

?Sie meinen –?? fragte Professor Truxa.

?Haschisch!? schrie der Hofrat. ?Ein Haschischraucher hier bei uns! In Europa!?

Professor Truxa erhob sich langsam und starrte dem Hofrat ins Gesicht.

?Sie k?nnten recht haben, Herr Hofrat,? sagte er. ?Wie merkwürdig! Ein Haschischtrunkener! Er w?re der erste, dem ich in Europa begegne!?

?Natürlich hab' ich recht!? frohlockte der Hofrat.

?Mir ist die Art, wie er seinen Mantel trug, aufgefallen,? meinte der Professor nachdenklich. ?Als ob er etwas Kostbares unter dem überzieher vor den Augen der Menge zu verbergen h?tte. Sie wissen, der Haschischraucher bildet sich immer ein, irgendeinen geheimnisvollen Schatz bei sich zu tragen.?

?Kommen Sie, Professor!? rief der Hofrat, ?rasch! Wir holen ihn noch ein, wir dürfen ihn nicht aus den Augen lassen!?

Sie eilten dem Studenten in solcher Aufregung nach, da? sie den Hund Cyrus ganz verga?en, der, mit der Leine an die Bank gebunden, vergeblich seinen Herrn durch Bellen und Winseln an seine Existenz zu erinnern suchte.

Als die beiden Gelehrten atemlos den unteren Teil des Parkes erreichten, war der Haschischtrunkene schon lange im Gewühle der spielenden Kinder verschwunden.

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