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   Chapter 2 No.2

Versuch einer Kritik aller Offenbarung By Johann Gottlieb Fichte Characters: 21632

Updated: 2017-12-04 00:03


Alles, was blo?er Stoff ist, und nichts anders seyn kann, wird durch die Empfindung gegeben; die Spontaneit?t bringt nur Formen hervor: die angenommene Vorstellung mü?te demnach eine Vorstellung von so etwas seyn, das an sich Form, und nur als Object einer Vorstellung von ihr, relativ (in Beziehung auf diese Vorstellung) Stoff w?re; so wie z. B. Raum und Zeit, - an sich Formen der Anschauung - von einer Vorstellung von Raum oder Zeit der Stoff sind.

Formen kündigen sich dem Bewu?tseyn nur in ihrer Anwendung auf Objecte an. Nun werden die in der reinen Vernunft ursprünglich liegenden Formen der Anschauung, der Begriffe und der Ideen auf ihre Objecte mit dem Gefühl der Nothwendigkeit angewendet; sie kündigen sich demnach dem Bewu?tseyn mit Zwang, und nicht mit Freiheit an, und hei?en daher auch gegeben, nicht hervorgebracht.

Soll nun jene gesuchte Form sich dem Bewu?tseyn als durch absolute Spontaneit?t hervorgebracht (nicht als mit Zwang gegeben) ankündigen, so mu? sie es in Anwendung auf ein durch absolute Spontaneit?t bestimmbares Object thun. Nun ist das einzige, was unserm Selbstbewu?tseyn als ein solches gegeben ist, - das Begehrungsverm?gen; mithin mu? jene Form, objectiv betrachtet, Form des Begehrungsverm?gens seyn. Wird diese Form Stoff einer Vorstellung, so ist dieser Vorstellung Stoff durch absolute Spontaneit?t hervorgebracht; wir haben eine Vorstellung, wie wir sie suchten - welches aber die einzige in ihrer Art seyn mu?, weil die Bedingungen ihrer M?glichkeit einzig auf das Begehrungsverm?gen passen - und die aufgegebne Frage ist gel?st. Da? nun wirklich eine solche ursprüngliche Form des Begehrungsverm?gens, und ein ursprüngliches Begehrungsverm?gen selbst vermittelst dieser Form sich in unserm Gemüthe dem Bewu?tseyn ankündige, ist Thatsache dieses Bewu?tseyns; und über dieses letzte, einzig allgemeingeltende Princip aller Philosophie hinaus findet keine Philosophie mehr statt. Durch diese Thatsache nun wird es erst gesichert, da? der Mensch einen Willen habe.

In diesem Zusammenhange wird denn auch, welches wir hier blos im Vorbeigehen erinnern, v?llig klar, wie Vorstellungen, nemlich jene einzige, deren Stoff nicht durch Sinnenempfindung gegeben, sondern durch absolute Spontaneit?t hervorgebracht ist, und die von ihr abgeleiteten, m?glich sind, welche über alle Erfahrung in der Sinnenwelt hinausgehen; - wie der Stoff dieser Vorstellungen, der reingeistig ist, um in's Bewu?tseyn aufgenommen werden zu k?nnen, durch die uns für Gegenst?nde der Sinnenwelt gegebnen Formen müsse bestimmt werden; welche Bestimmungen aber, da sie nicht durch die Bedingungen des Dinges an sich, sondern durch die Bedingungen unsers Selbstbewu?tseyns nothwendig gemacht wurden, nicht für objectiv, sondern nur für subjectiv - doch aber, da sie sich auf die Gesetze des reinen Selbstbewu?tseyns gründen, für allgemeingültig für jeden discursiven Verstand angenommen, aber nicht weiter ausgedehnt werden müssen, als ihre Aufnehmbarkeit ins reine Selbstbewu?tseyn es erfordert, weil sie im letztern Falle ihre Allgemeingültigkeit verlieren würden; endlich, da? dieser übergang in das Reich des übersinnlichen für endliche Wesen der einzig m?gliche sey.

Insofern nun - um den Faden unsrer Betrachtung da wieder aufzunehmen, wo wir ihn fallen lie?en - insofern dem Begehrungsverm?gen ursprünglich seine Form bestimt ist, wird es nicht erst durch ein gegebnes Object bestimmt, sondern es giebt sich durch diese Form sein Object selbst: d. h. wird diese Form Object einer Vorstellung, so ist diese Vorstellung Object des Begehrungsverm?gens zu nennen. Diese Vorstellung nun ist die Idee des schlechthin rechten. Auf den Willen bezogen treibt dieses Verm?gen, - zu wollen, schlechthin weil man will. Dieses wunderbare Verm?gen in uns nun nennt man das obere Begehrungsverm?gen, und sein characteristischer Unterschied von dem niedern Begehrungsverm?gen ist der, da? dem erstern kein Object gegeben wird, sondern da? es sich selbst eins giebt; dem letztern aber sein Object gegeben werden mu?. Das erstere ist absolut selbstth?tig, das letztere in vieler Rücksicht blos leidend.

Da? aber dieses obere Begehrungsverm?gen, welches auch blos ein Verm?gen ist, - ein Wollen, als wirkliche Handlung des Gemüths, mithin eine empirische Bestimmung, hervorbringe, dazu wird noch etwas mehr erfordert. Nemlich jedes Wollen, als Handlung des Gemüths betrachtet, geschieht mit dem Bewu?tseyn der Selbstth?tigkeit. Nun kann dasjenige, worauf die Selbstth?tigkeit in dieser Handlung wirkt, nicht selbst wieder Selbstth?tigkeit seyn, wenigstens in dieser Function nicht, sondern es ist, insofern die Spontaneit?t auf dasselbe wirkt, blos leidend, mithin eine Affection. Die dem obern Begehrungsverm?gen a priori beiwohnende nothwendige Willensform aber kann nie durch eine im empirischen Selbstbewu?tseyn gegebne Spontaneit?t afficirt werden, welches ihrer Ursprünglichkeit und ihrer Nothwendigkeit schlechthin widersprechen würde. Soll nun die Bestimmbarkeit des Willens in endlichen Wesen durch jene nothwendige Form nicht ganz aufgegeben werden, so mu? sich ein Medium aufzeigen lassen, das von der einen Seite durch die absolute Spontaneit?t jener Form hervorgebracht, von der andern durch die Spontaneit?t im empirischen Selbstbewu?tseyn bestimmbar sey[4]. Insofern es das letztere ist, mu? es leidend bestimmbar, mithin eine Affection des Empfindungsverm?gens seyn. Insofern es aber, der erstern Bedingung gem??, durch absolute Spontaneit?t hervorgebracht seyn soll, kann es nicht eine Affection der Receptivit?t durch gegebne Materie - mithin, da sich au?er dieser keine positive Affection des Empfindungsverm?gens denken l??t, überhaupt keine positive, sondern nur eine negative Affection - eine Niederdrückung, eine Einschr?nkung desselben seyn. Nun aber ist das Empfindungsverm?gen, insofern es blo?e Receptivit?t ist, weder positiv noch negativ durch die Spontaneit?t, sondern blos durchs Gegebenwerden eines Materiellen afficirbar; folglich kann die postulirte negative Bestimmung überhaupt nicht die Receptivit?t betreffen (etwa eine Verstopfung oder Verengerung der Sinnlichkeit an sich seyn;) sondern sie mu? sich auf die Sinnlichkeit beziehen, insofern sie durch Spontaneit?t bestimmbar ist, (s. oben) sich auf den Willen bezieht, und sinnlicher Trieb hei?t.

Insofern nun diese Bestimmung auf die absolute Spontaneit?t zurückbezogen wird, ist sie blos negativ - eine Unterdrückung der willensbestimmenden Anmaa?ung des Triebes; - insofern sie auf die Empfindung dieser geschehenen Unterdrückung bezogen wird, ist sie positiv, und hei?t das Gefühl der Achtung. Dieses Gefühl ist gleichsam der Punct, in welchem die vernünftige und die sinnliche Natur endlicher Wesen innig zusammenflie?en.

Um das h?chst m?glichste Licht über unsern weitern Weg zu verbreiten, wollen wir hier noch über dieses wichtige Gefühl, den Momenten des Urtheilens nach, reflectiren. - Es ist nemlich, wie eben jetzt er?rtert worden, der Qualit?t nach eine positive Affection des innern Sinnes, die aus der Vernichtung des sinnlichen Triebes, als alleinigen Bestimmungstriebes des Willens, mithin aus Einschr?nkung desselben entsteht. Die Quantit?t desselben ist bedingt-bestimmbar, der Grade der Intension und Extension f?hig, in Beziehung der Willensformen empirisch-bestimmbares Wesen auf das Gesetz; - unbedingt, und v?llig bestimmt, keiner Grade der Intension oder Extension f?hig, Achtung schlechthin, gegen die einfache Idee des Gesetzes; - unbedingt, und unbestimmbar, unendlich, gegen das Ideal, in welchem Gesetz und Willensform Eins ist. Der Relation nach bezieht sich dieses Gefühl auf das Ich, als Substanz, entweder im reinen Selbstbewu?tseyn, und wird dann Achtung unsrer h?hern geistigen Natur, die sich ?sthetisch im Gefühle des Erhabnen ?u?ert; oder im empirischen, in Absicht der Congruenz unsrer besondern Willensformen mit dem Gesetze - Selbstzufriedenheit, - Scham vor sich selbst: - oder auf das Gesetz, als Grund unsrer Verbindlichkeit - die Achtung schlechthin, das Gefühl des nothwendigen Primats des Gesetzes, und unsrer nothwendigen Subordination unter dasselbe: - oder, auf das Gesetz als Substanz gedacht, - unser Ideal. Endlich der Modalit?t nach ist Achtung m?glich gegen empirisch bestimmbare vernünftige Wesen; wirklich gegen das Gesetz, und nothwendig gegen das alleinheilige Wesen.

So etwas nun, wie Achtung ist, welches wir hier blos zur Erl?uterung hinzusetzen, ist zwar in allen, endlichen Wesen anzunehmen, in denen die nothwendige Form des Begehrungsverm?gens noch nicht nothwendig Willensform ist; aber in einem Wesen, in welchem Verm?gen und Handlung, Denken und Wollen Eins ist, l??t sich Achtung gegen das Gesetz gar nicht denken.

Insofern nun dieses Gefühl der Achtung den Willen, als empirisches Verm?gen, bestimmt; und wieder im Wollen durch Selbstth?tigkeit bestimmbar ist, als zu welchem Behuf wir ein solches Gefühl in uns aufsuchen mu?ten, hei?t es Trieb. - Trieb aber eines wirklichen Wollens kann es, da kein Wollen ohne Selbstbewu?tseyn (der Freiheit) m?glich ist, nur durch Beziehung auf das Ich, folglich nur in der Form der Selbstachtung seyn. - Da? diese Selbstachtung nun entweder rein, schlechthin Achtung der Würde der Menschheit in uns, oder empirisch, Zufriedenheit über die wirkliche Behauptung derselben, sey, haben wir eben gesagt. Es scheint in der Betrachtung allerdings weit edler und erhabner, sich durch die reine Selbstachtung, - durch den einfachen Gedanken, ich mu? so handeln, wenn ich ein Mensch seyn will, als durch die empirische, - durch den Gedanken, wenn ich so handle, werde ich als Mensch mit mir zufrieden seyn k?nnen, bestimmen zu lassen: aber in der Ausübung flie?en beide Gedanken so innig in einander, da? es selbst dem aufmerksamsten Beobachter schwer werden mu?, den Antheil, den der eine oder der andre an seiner Willensbestimmung hatte, genau von einander zu scheiden. - Aus dem gesagten erhellet, da? es eine v?llig richtige Maxime der Sittlichkeit sey: respectire dich selbst; und erkl?rt sich, warum nicht unedle Gemüther vor sich selbst weit mehr Furcht und Scheu empfinden, als vor der Macht der gesammten Natur, - und den Beifall ihres eignen Herzens weit h?her achten, als die Lobpreisungen einer ganzen Welt.

Insofern nun diese Selbstachtung als activer, den Willen zwar nicht nothwendig zum wirklichen Wollen, aber doch th?tig zur Neigung bestimmender Trieb betrachtet wird, hei?t sie sittliches Interesse; welches entweder rein ist, - Interesse für die Würde der Menschheit an sich, oder empirisch - Interesse für die Würde der Menschheit in unserm empirisch bestimmbaren Selbst. Interesse aber mu? nothwendig von einem Gefühle der Lust begleitet seyn, und ein wirklich behauptetes Interesse empirisch ein Gefühl der Lust hervorbringen, daher auch die empirische Selbstachtung sich a

ls Selbstzufriedenheit ?u?ert[TN2]. Dieses Interesse bezieht sich allerdings auf das Selbst, aber nicht auf die Liebe, sondern auf die Achtung dieses Selbst, welches Gefühl seinem Ursprunge nach rein sittlich ist. Will man den sinnlichen Trieb, den eigennützigen, und den sittlichen den uneigennützigen nennen, so kann man zur Erl?uterung das wohl thun; aber mir wenigstens scheint diese Benennung da, wo es um scharfe Bestimmung zu thun ist, unbequem, da auch der sittliche Trieb, um ein wirkliches Wollen zu bewirken, sich auf das Selbst beziehen mu?; und empirische Merkmale da, wo man die oben er?rterten transscendentalen hat, überflüssig. - Da? aber die ursprüngliche nothwendige Bestimmung des Begehrungsverm?gens ein Interesse, und zwar ein alles Sinnliche unterjochendes Interesse hervorbringt, entsteht aus der categorisch-gesetzlichen Form desselben, und ist nur unter dieser Voraussetzung zu erkl?ren[5]. Man erlaube mir hierbei einen Augenblick stehen zu bleiben.

Achtung ist das zun?chst, und wohl in jedem Menschen sich ?u?ernde wunderbare Gefühl, das aus der ganzen sinnlichen Natur desselben sich nicht erkl?ren l??t, und auf seinen Zusammenhang mit einer h?hern Welt unmittelbar hindeutet. Das wunderbarste dabei ist dies, da? dieses Gefühl, das an sich doch niederbeugend für unsre Sinnlichkeit ist, von einem unnennbaren, der Art nach von jeder Sinnenlust g?nzlich verschiedenen, dem Grade nach sie unendlich übertreffenden Vergnügen begleitet wird. Wer, der dieses Vergnügen nur einmal innig empfand, m?chte nur z. B. das Hinstaunen in den tobenden Sturz des Rheinfalls, oder das Aufblicken an den jeden Augenblick das Herabsinken zu drohen scheinenden ewigen Eismassen, unter dem erhebenden Gefühle: ich trotze eurer Macht[6] - oder sein Selbstgefühl bei der freien, und wohl überlegten Unterwerfung auch nur unter die Idee des allgemeinen nothwendigen Naturgesetzes, dieses Naturgesetz unterjoche nun seine Neigung oder seine Meinung - oder endlich sein Selbstgefühl bei der freien Aufopferung seines Theuersten für die Pflicht, gegen irgend einen sinnlichen Genu? vertauschen? Da? der sinnliche Trieb von einer, und der reinsittliche Trieb von der andern Seite im menschlichen Willen sich die Waage halten, lie?e sich wohl daraus erkl?ren, weil sie beide in einem und eben demselben Subjecte erscheinen; da? aber der erstere dem letztern sich so wenig gleich setzt, da? er vielmehr bei der blo?en Idee eines Gesetzes sich niederbeugt, und ein weit innigeres Vergnügen aus seiner Nichtbefriedigung, als aus seiner Befriedigung gew?hrt - dieses, oder mit einen Worte, das Categorische, schlechthin unbedingte und unbedingbare des Gesetzes deutet auf unsern h?hern Ursprung, und auf unsre geistige Abkunft - ist ein g?ttlicher Funke in uns, und ein Unterpfand, da? Wir Seines Geschlechts sind: und hier geht denn die Betrachtung in Bewunderung und Erstaunen über. An diesem Puncte stehend verzeiht man der kühnsten Phantasie ihren Schwung, und wird mit der liebenswürdigen Quelle aller Schw?rmereien der Pythagor?er und Platoniker, wenn auch nicht mit ihren Ausflüssen v?llig ausges?hnt.

Und hierdurch w?re denn auch die Dunkelheit gehoben, welche noch immer, besonders guten Seelen, die sich des dringendsten Interesse fürs schlechthin Rechte bewu?t waren, das Verstehen des hartscheinenden Ausspruchs der Critik, da? das Gute gar nicht auf unsre Glückseeligkeit bezogen werden mü?te, erschwerte. Sie haben ganz recht, wenn sie auf ihrem Selbstgefühle bestehen, da? sie zu wirklich guten Entschlie?ungen doch nur durch das Interesse bestimmt werden; nur müssen sie den Ursprung dieses Interesse, wenn ihre Entschlie?ung rein sittlich war, nicht im Sinnengefühle, sondern in der Gesetzgebung der reinen Vernunft aufsuchen. Der n?chste, nicht nothwendig bestimmende, aber doch eine Neigung verursachende Bestimmungsgrund ihres Willens ist freilich das Vergnügen des innern Sinnes aus Anschauung des Rechten; da? aber eine solche Anschauung ihnen Vergnügen macht, davon liegt der Grund gar nicht in einer etwanigen Affection der innern Receptivit?t durch den Stoff jener Idee, welches schlechthin unm?glich ist; sondern in der a priori vorhandenen nothwendigen Bestimmung des Begehrungsverm?gens, als obern Verm?gens. - Wenn ich also jemanden fragte: würdest du, selbst wenn du keine Unsterblichkeit der Seele glaubtest, lieber unter tausend Martern dein Leben aufopfern, als unrecht thun; und er mir antwortete: auch unter dieser Bedingung würde ich lieber sterben, und das um mein selbst willen, weil ein unter uns?glichen Martern mich vernichtender Tod mir weit ertr?glicher ist, als ein, in dem Gefühle der Unwürdigkeit zu leben, unter Schaam und Selbstverachtung hinzubringendes Leben - so würde er darinn, insofern er von dem empirischen Bestimmungstriebe seiner Entschlie?ung redete, v?llig recht haben. Da? er aber in diesem Falle sich selbst würde verachten müssen - da? die Aussicht auf eine solche Selbstverachtung ihm so drückend w?re, da? er lieber sein Leben aufopfern, als ihr sich unterwerfen wollte, davon würde er den Grund vergebens wieder in der Sinnenempfindung aufsuchen, aus welcher er so etwas, wie Achten, oder Verachten, mit aller Mühe nicht würde herauskünsteln k?nnen.

Selbst dieses Interesse aber bewirkt noch nicht nothwendig ein wirkliches Wollen; dazu wird in unserm Bewu?tseyn noch eine Handlung der Spontaneit?t erfordert, wodurch das Wollen, als wirkliche Handlung unsers Gemüthes, erst vollendet wird. Die in dieser Function des W?hlens dem Bewu?tseyn empirisch gegebne Freiheit der Willkühr (libertas arbitrii), die auch bei einer Bestimmung des Willens durch die sinnliche Neigung vorkommt, und nicht blos in dem Verm?gen zwischen der Bestimmung nach dem sittlichen, oder nach dem sinnlichen Triebe, sondern auch zwischen mehrern sich widerstreitenden Bestimmungen durch den letzteren - zum Behuf einer Beurtheilung derselben - zu w?hlen besteht, ist wohl zu unterscheiden von der absolut-ersten ?u?erung der Freiheit durch das practische Vernunftgesetz; wo Freiheit gar nicht etwa Willkühr hei?t, indem das Gesetz uns keine Wahl l??t, sondern mit Nothwendigkeit gebietet, sondern nur negativ g?nzliche Befreiung vom Zwange der Naturnothwendigkeit bedeutet, so da? das Sittengesetz auf gar keinen in der theoretischen Naturphilosophie liegenden Gründen, als seinen Pr?missen, beruhe, und ein Verm?gen im Menschen voraussetze, sich unabh?ngig von Naturnothwendigkeit zu bestimmen. Ohne diese absolut-erste ?u?erung der Freiheit w?re die zweite blos empirische nicht zu retten, sie w?re ein blo?er Schein, und das erste ernsthafte Nachdenken vernichtete den sch?nen Traum, in dem wir uns einen Augenblick von der Kette der Naturnothwendigkeit losgefesselt w?hnten. - Wo ich nicht irre, so ist die Verwechselung dieser zwei sehr verschiednen ?u?erungen der Freiheit eine der Hauptursachen, warum man sich die moralische (nicht etwa physische) Nothwendigkeit, womit ein Gesetz der Freiheit gebieten soll, so schwer denken konnte. Denkt man nemlich in den Begriff der Freiheit das Merkmal der Willkühr hinein (ein Gedanke, dessen noch immer viele sich nicht erwehren k?nnen), so l??t damit sich freilich auch die moralische Nothwendigkeit nicht vereinigen. Aber davon ist bei der ersten ursprünglichen ?u?erung der Freiheit, durch welche allein sie sich überhaupt bew?hrt, gar nicht die Rede. Die Vernunft giebt sich selbst, unabh?ngig von irgend etwas au?er ihr, durch absolut eigne Spontaneit?t, ein Gesetz; das ist der einzig richtige Begriff der transscendentalen Freiheit: dieses Gesetz nun gebietet, eben weil es Gesetz ist, nothwendig und unbedingt, und da findet keine Willkühr, kein Ausw?hlen zwischen verschiednen Bestimmungen durch dieses Gesetz statt, weil es nur auf eine Art bestimmt. - Folgendes noch zur Erl?uterung. Diese transscendentale Freiheit, als ausschlie?ender Character der Vernunft, insofern sie practisch ist, ist jedem moralischen Wesen, folglich auch dem Unendlichen beizulegen. Insofern aber diese Freiheit auf empirische Bedingungen endlicher Wesen sich bezieht, gelten ihre ?u?erungen in diesem Falle nur unter diesen Bedingungen; folglich ist eine Freiheit der Willkühr da sie auf der Bestimmbarkeit eines Wesens noch durch andere als das practische Vernunftgesetz beruht, in Gott, der blos durch dieses Gesetz bestimmt wird, eben so wenig, als Achtung fürs Gesetz, oder Interesse am Schlechthinrechten anzunehmen; und die Philosophen, welche in diesem Sinne des Worts die Freiheit, als durch die Schranken der Endlichkeit bedingt, Gott absprachen, hatten daran vollkommen recht.

Damit nun diese Zergliederung, die neben der Hauptabsicht, unbemerkte Schwierigkeiten einer Offenbarungscritik zu heben, noch die Nebenabsicht hatte, einige Dunkelheiten in der critischen Philosophie überhaupt aufzukl?ren, und den bisherigen Nichtkennern oder Gegnern derselben eine neue Thür zu er?fnen, um in sie einzudringen, nicht von critischen Philosophen selbst misverstanden, und so gedeutet werde, als sey dadurch die Tugend abermals zur Magd der Lust herabgewürdigt, so machen wir unsre Gedanken durch folgende Tabelle noch deutlicher:

Wollen, die Bestimmung durch Selbstth?tigkeit zur Hervorbringung einer Vorstellung, als Handlung des Gemüths betrachtet, ist

A.

B.

rein,

nicht rein,

wenn Vorstellung sowohl, als Bestimmung, durch absolute Selbstth?tigkeit hervorgebracht ist. - Dieses ist nur in einem Wesen m?glich, das blos th?tig und nie leidend ist, in Gott.

a.

wenn zwar die Bestimmung, aber nicht die Vorstellung durch Selbstth?tigkeit hervorgebracht wird. - Bei der Bestimmung durch den sinnlichen Trieb in endlichen Wesen.

b.

wenn zwar die Vorstellung, aber nicht die Bestimmung durch Selbstth?tigkeit hervorgebracht wird. - Nun aber soll schon verm?ge des Begriffs des Wollens die Bestimmung allemahl durch Selbstth?tigkeit hervorgebracht werden; folglich ist dieser Fall nur unter der Bedingung denkbar, da? zwar die eigentliche Bestimmung als Handlung durch Spontaneit?t geschehe, der bestimmende Trieb aber eine Affection sey. - Sittliche Bestimmung des Willens in endlichen Wesen verm?ge des Triebs der Selbstachtung, als eines sittlichen Interesse.

Reines Wollen ist demnach in endlichen Wesen nicht m?glich, weil das Wollen nicht Gesch?ft des reinen Geistes, sondern des empirisch-bestimmbaren Wesens ist; aber wohl ein reines Begehrungsverm?gen, als Verm?gen, welches nicht dem empirisch-bestimmbaren Wesen, sondern dem reinen Geiste beiwohnt, und allein durch sein Daseyn unsre geistige Natur offenbart. - Anders hat sich denn auch, so wie ich wenigstens es verstanden habe, die reine Vernunft durch ihren bevollm?chtigten Interpreten unter uns nicht erkl?rt, wie aus einer Vergleichung dieser Darstellung mit der in der Critik der practischen Vernunft sich ergeben dürfte[7].

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